Mattertal

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Mattertal
Andere Namen Nikolaital, Vallée de Saint-Nicolas, Vallée de Zermatt
Lage Oberwallis, Schweiz
Kanton Wallis
Bezirk Visp
Gebirge Walliser Alpen
Länge rund 30 km
Hauptgewässer Mattervispa
Talbeginn bei Stalden
Hauptorte St. Niklaus, Randa, Täsch und Zermatt
Höchster umgebender Gipfel Dufourspitze, 4634 m ü. M.
Verkehr Hauptstrasse 213, Matterhorn-Gotthard-Bahn

Das Mattertal, auch Nikolaital genannt, ist ein südliches Seitental des Rhonetals im deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis. Es beginnt südlich von Stalden, wo sich das Vispertal in das westlich gelegene Mattertal und das östlich gelegene Saastal teilt. Das Tal erstreckt sich über rund 30 Kilometer bis nach Zermatt am Fuss des Matterhorns.[1][2]

Das Mattertal gehört zu den tiefsten und landschaftlich eindrücklichsten Tälern der Walliser Alpen. Zwischen dem Talboden und den umliegenden Hochgipfeln bestehen Höhenunterschiede von mehr als 3500 Metern. Zu den bekanntesten Bergen der Region gehören das Matterhorn, die Dufourspitze, der Dom, das Weisshorn, die Dent Blanche, das Täschhorn und die Alphubel. Das Tal ist zugleich ein bedeutender Siedlungsraum, eine international bekannte Tourismusregion und eine wichtige Ausgangsbasis für den Alpinismus.

Name

Der Name Mattertal leitet sich von Zermatt und dem Matterhorn ab. Das Wort «Matte» bezeichnet im Alemannischen eine Wiese oder Weidefläche. Der Ortsname Zermatt entstand aus der Bezeichnung «zur Matt» beziehungsweise «zer Matt».

Die ältere deutsche Bezeichnung Nikolaital bezieht sich auf den Hauptort St. Niklaus. Auf Französisch wird das Tal als Vallée de Saint-Nicolas oder als Vallée de Zermatt bezeichnet. In historischen Quellen und älterer Reiseliteratur war die Bezeichnung Nikolaital weit verbreitet, während sich im 20. Jahrhundert zunehmend der Name Mattertal durchsetzte.

Geografie

Lage und Verlauf

Das Mattertal liegt vollständig im Bezirk Visp. Es zweigt bei Stalden nach Süden vom Vispertal ab und führt tief in die Walliser Alpen hinein. Bei Stalden vereinigen sich die Mattervispa aus dem Mattertal und die Saaservispa aus dem Saastal zur Vispa, die bei Visp in die Rhone mündet.

Im engeren historischen und geografischen Sinn umfasst das Mattertal die Gemeinden St. Niklaus, Randa, Täsch und Zermatt.[1] Der Bereich um Stalden bildet den gemeinsamen Talausgang des Matter- und Saastals. Die Gemeinde Grächen liegt auf einer hoch gelegenen Sonnenterrasse östlich des unteren Mattertals und wird touristisch häufig zur erweiterten Mattertalregion gezählt.

Der Talboden steigt von rund 800 Metern bei Stalden auf etwa 1600 Meter in Zermatt an. In seinem unteren Abschnitt ist das Tal eng und schluchtartig. Zwischen St. Niklaus und Randa weitet es sich stellenweise, bevor es sich im Raum Täsch und Zermatt erneut zwischen steilen Bergflanken fortsetzt.

Talabschnitte

Das untere Mattertal beginnt bei Stalden und reicht bis in den Raum St. Niklaus. Die Mattervispa hat sich hier tief in die Berghänge eingeschnitten. Siedlungen und landwirtschaftlich nutzbare Flächen befinden sich teilweise auf Geländeterrassen weit oberhalb des Flusses.

Das mittlere Mattertal umfasst vor allem das Gemeindegebiet von St. Niklaus mit den Ortschaften und Weilern St. Niklaus Dorf, Riedmatten, Mattsand, Herbriggen und Breitmatten. Die Talflanken sind steil und von zahlreichen Wildbächen, Runsen und Lawinenzügen durchzogen.

Das obere Mattertal erstreckt sich über Randa und Täsch bis nach Zermatt. Hier wird die Landschaft zunehmend durch Gletscher, Moränen, Schuttkegel und hohe Felswände geprägt. Oberhalb von Zermatt verzweigt sich das Tal in mehrere Hochtäler und Gletschergebiete, darunter das Zmutttal, das Gornertal und das Findeltal.

Berge

Das Mattertal wird von einigen der höchsten Berge der Alpen umgeben. An seiner Ostseite erhebt sich die Mischabelgruppe mit dem Dom, dem Täschhorn, der Alphubel und dem Nadelhorn. Der Dom erreicht 4546 Meter und ist der höchste Berg, der vollständig auf Schweizer Staatsgebiet liegt.

Westlich des Tals befinden sich die Weisshorngruppe und die Dent-Blanche-Gruppe. Das 4505 Meter hohe Weisshorn gilt wegen seiner gleichmässigen Pyramidenform als einer der markantesten Gipfel der Walliser Alpen. Im Süden wird der Talraum vom Matterhorn und vom Monte-Rosa-Massiv abgeschlossen.

Die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv erreicht 4634 Meter und ist der höchste Berg der Schweiz. Der bekannteste Gipfel des Tals ist jedoch das 4478 Meter hohe Matterhorn, dessen charakteristische Gestalt zu einem weltweit bekannten Symbol der Schweiz wurde.

Gletscher

Das obere Mattertal weist zahlreiche Gletscher auf. Zu den grössten gehören der Gornergletscher, der Zmuttgletscher und der Findelgletscher. Weitere Gletscher liegen an den Flanken der Mischabelgruppe, des Weisshorns und der Dent Blanche.

Die Gletscher haben das Tal während der Eiszeiten stark geprägt. Sie schufen Trogtäler, Geländestufen und Moränen und transportierten grosse Mengen Gestein in tiefere Lagen. Seit dem Ende der Kleinen Eiszeit im 19. Jahrhundert ziehen sich die meisten Gletscher deutlich zurück.

Der Gletscherschwund verändert die Landschaft und beeinflusst den Wasserhaushalt. Gleichzeitig können auftauender Permafrost, instabile Moränen und freigelegte Felswände das Risiko von Steinschlägen, Felsstürzen und Murgängen erhöhen.

Gewässer

Die Mattervispa ist das Hauptgewässer des Tals. Sie wird im oberen Tal von zahlreichen Gletscher- und Bergbächen gespeist und fliesst von Zermatt über Täsch, Randa und St. Niklaus nach Stalden. Dort vereinigt sie sich mit der Saaservispa zur Vispa.

Zu ihren bedeutenden Zuflüssen gehören die Gornera, der Zmuttbach, der Findelbach, der Täschbach, der Dorfbach bei Randa und weitere Wildbäche aus den Seitentälern. Die Wasserführung wird stark durch Schneeschmelze, Gletscherschmelze und sommerliche Niederschläge beeinflusst.

Im Winter führt die Mattervispa vergleichsweise wenig Wasser. Während der Schnee- und Gletscherschmelze steigt der Abfluss deutlich an. Bei intensiven Niederschlägen können der Hauptfluss und seine Zuflüsse innerhalb kurzer Zeit stark anschwellen.

Teile des Wassers aus den hochalpinen Einzugsgebieten werden für die Stromerzeugung genutzt. Wasserfassungen, Stollen und Speicherseen verbinden das Mattertal mit den umfangreichen Wasserkraftsystemen des Oberwallis.

Klima und Vegetation

Das Mattertal liegt im inneralpinen Trockengebiet des Wallis. Die hohen Gebirgsketten schirmen das Tal teilweise gegen feuchte Luftmassen ab. Besonders an den unteren, sonnigen Hängen treten trockene Standorte mit Felsensteppen und wärmeliebender Vegetation auf.

Mit zunehmender Höhe verändert sich die Pflanzenwelt deutlich. In den tieferen Lagen finden sich trockene Wiesen, Sträucher und stellenweise Rebkulturen. Darüber folgen Nadelwälder, die vor allem aus Lärchen, Fichten und Arven bestehen. Oberhalb der Waldgrenze prägen alpine Matten, Zwergsträucher, Felsflächen und Gletschervorfelder die Landschaft.

Die südexponierten Hänge wurden traditionell für Weiden, Äcker und Bewässerungswiesen genutzt. Historische Wasserleitungen, die im Wallis als Suonen bezeichnet werden, führten Schmelz- und Bachwasser zu trockenen landwirtschaftlichen Flächen.

Gemeinden und Siedlungen

Gemeinde Hauptort Bedeutende Ortsteile und Siedlungen Charakter
St. Niklaus St. Niklaus Dorf Herbriggen, Mattsand, Riedmatten, Breitmatten, Jungen Hauptort des Mattertals sowie regionaler Wohn-, Gewerbe- und Industriestandort
Randa Randa Wildi, Lerch, Attermänze Bergdorf am Fuss des Weisshorns und Ausgangspunkt für Berg- und Höhenwege
Täsch Täsch Täschberg, Zermettjen Verkehrlicher Zugangsort zum autofreien Zermatt
Zermatt Zermatt Winkelmatten, Findeln, Zmutt, Furi, Blatten Internationaler Tourismus- und Wintersportort am Matterhorn

St. Niklaus bildet den historischen Hauptort des Tals. Die langgestreckte Gemeinde umfasst zahlreiche Weiler entlang des Talbodens und auf den Berghängen. Randa und Täsch liegen weiter südlich im oberen Tal, während Zermatt den südlichen Talschluss bildet.

Neben den dauerhaft bewohnten Dörfern bestehen zahlreiche Maiensässe, Alpen und saisonal genutzte Kleinsiedlungen. Viele traditionelle Gebäude wurden aus Lärchenholz errichtet und auf Steinplatten oder sogenannten Mäuseplatten gestellt, um Vorräte vor Feuchtigkeit und Nagetieren zu schützen.

Geschichte

Frühe Besiedlung

Archäologische Grabfunde belegen, dass das Mattertal bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. In der Antike gehörte die Region zum Siedlungsraum keltischer Bevölkerungsgruppen, insbesondere der Uberer und der Seduner. Nach der Eingliederung des Wallis in das Römische Reich wurde die Bevölkerung schrittweise romanisiert.[1]

Im 8. und 9. Jahrhundert wanderten alemannischsprachige Bevölkerungsgruppen in das Oberwallis ein. Im Mattertal setzte sich allmählich eine hochalemannische Sprache durch. Die deutschsprachige Besiedlung bildete später einen Ausgangspunkt für die Wanderungen der Walser in andere Teile des Alpenraums.

Mittelalter

Die Christianisierung des Tals erfolgte von Visp aus. Gegen Ende des 12. und im 13. Jahrhundert entstanden eigene Pfarreien in St. Niklaus und Zermatt. Kirchen, Kapellen und religiöse Bräuche prägten das gesellschaftliche Leben der einzelnen Dorfgemeinschaften.

Im Hochmittelalter gehörte das Mattertal zum Tafelgut des Bischofs von Sitten und wurde von adeligen Lehensträgern verwaltet. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts konnten sich die Talgemeinden weitgehend von den feudalen Abhängigkeiten loskaufen.[1]

Danach bildeten die Majorate St. Niklaus mit der Kastlanei Randa-Täsch und Zermatt einen Teil des Zenden Visp. Die Meier von St. Niklaus und Zermatt verfügten bis zum Ende des Ancien Régime 1798 über weitreichende Verwaltungs- und Gerichtsrechte.

Landwirtschaft und Passverkehr

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts lebte ein grosser Teil der Bevölkerung von Landwirtschaft und Viehzucht. Die knappen nutzbaren Flächen erforderten eine intensive Bewirtschaftung auf verschiedenen Höhenstufen. Familien wechselten im Jahresverlauf zwischen dem Talboden, den Maiensässen und den Alpen.

Über den Theodulpass bestanden Verbindungen in das italienische Aostatal. Der Pass wurde für den lokalen Handel und Viehtrieb genutzt. Der Viehhandel mit Italien brachte Geld ein, das unter anderem für den Kauf von Salz und anderen Gütern benötigt wurde.[1]

Der Theodulpass war in früheren Jahrhunderten stärker vergletschert als heute, dennoch bildete er eine der bedeutenden hochalpinen Verbindungen zwischen dem Mattertal und Norditalien. Mit dem Ausbau moderner Verkehrswege verlor der Pass seine wirtschaftliche Funktion.

Entstehung des Alpinismus

Seit dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert kamen Naturforscher, Kartografen und Reisende in das Mattertal. Ab etwa 1850 folgten immer mehr britische und andere ausländische Alpinisten. Die Erstbesteigungen der umliegenden Gipfel machten Zermatt und das gesamte Tal international bekannt.

Die Erstbesteigung des Matterhorns am 14. Juli 1865 durch eine von Edward Whymper geführte Gruppe wurde zu einem Wendepunkt in der Geschichte des Alpinismus. Vier Teilnehmer stürzten beim Abstieg tödlich ab. Das Ereignis erregte europaweit Aufmerksamkeit und verstärkte zugleich das Interesse an Zermatt.

Eine bedeutende Rolle spielten die Bergführer aus St. Niklaus, Randa, Täsch und Zermatt. Besonders die Familien Lochmatter, Knubel, Pollinger, Imboden und Perren brachten zahlreiche bekannte Bergführer hervor. Sie wirkten nicht nur in den Walliser Alpen, sondern auch im Kaukasus, in den Anden und im Himalaya.[3]

Mit dem Alpinismus entstanden Gasthäuser, Hotels, Bergführerbüros und Berghütten. Die touristische Entwicklung veränderte die Wirtschafts- und Sozialstruktur des Tals grundlegend.

Verkehr

Historische Wege und Strassen

Bis ins 19. Jahrhundert war das Mattertal nur über Saum- und Fusswege erreichbar. Der alte Talweg wurde bis etwa 1870 verbessert, blieb jedoch stellenweise schmal und durch Naturereignisse gefährdet.

Die Fahrstrasse erreichte St. Niklaus 1937. Der durchgehende Strassenausbau bis Täsch wurde erst 1972 abgeschlossen.[1] Für den allgemeinen motorisierten Individualverkehr endet die Zufahrt heute in Täsch. Zermatt ist weitgehend autofrei und darf grundsätzlich nur von bewilligten Elektro-, Nutz- und Rettungsfahrzeugen befahren werden.

Das Matterhorn Terminal in Täsch enthält ein grosses Parkhaus und ist unmittelbar mit dem Bahnhof verbunden. Von dort verkehren regelmässige Shuttlezüge nach Zermatt.[4]

Eisenbahn

Die meterspurige Bahnstrecke von Visp nach Zermatt wurde zwischen 1888 und 1891 durch die Visp-Zermatt-Bahn gebaut. Der letzte Abschnitt bis Zermatt ging am 18. Juli 1891 in Betrieb. Die Bahn verwendete auf steilen Abschnitten das Zahnstangensystem Abt.

1929 wurde die Strecke elektrifiziert. Ab 1933 verkehrten die Züge erstmals auch im Winter, wodurch sich Zermatt als Wintersportort entwickeln konnte.[1]

Heute gehört die Strecke zur Matterhorn-Gotthard-Bahn. Im Mattertal bedient sie unter anderem die Stationen Kalpetran, St. Niklaus, Herbriggen, Randa, Täsch und Zermatt. In Zermatt besteht Anschluss an die Gornergratbahn.[5]

Zwischen Täsch und Zermatt verkehren zusätzlich zum Regionalverkehr dichte Shuttlezüge. Der Bahnverkehr ist für die Versorgung Zermatts und für die Beförderung von Gästen, Beschäftigten und Gütern von zentraler Bedeutung.

Mattertal Tunnel

Zwischen Täsch und Zermatt ist der Bau eines neuen Eisenbahntunnels vorgesehen. Der sogenannte Mattertal Tunnel soll die bestehende, stark Naturgefahren ausgesetzte Strecke teilweise ersetzen. Die neue Verbindung soll weniger steil, abschnittsweise doppelspurig und ohne Zahnstange befahrbar sein.

Nach dem Projektstand von 2026 ist die Eröffnung für 2035 vorgesehen. Der Tunnel soll die Fahrzeit zwischen Täsch und Zermatt von rund zwölf auf sechs bis sieben Minuten verkürzen und einen dichteren Takt ermöglichen.[6]

Naturgefahren

Wegen seiner steilen Talflanken, der hochalpinen Lage und der zahlreichen Wildbäche ist das Mattertal stark von Naturgefahren betroffen. Dazu gehören Lawinen, Steinschläge, Felsstürze, Rutschungen, Murgänge, Hochwasser und Gletschergefahren. Diese Prozesse können Siedlungen, Strassen, Bahnlinien und touristische Anlagen bedrohen.[7]

Schutzbauten, Galerien, Dämme und Auffangbecken sichern gefährdete Gebiete. Ergänzend werden Felswände, Gletscher, Wildbäche und Lawinenhänge überwacht. Die Gemeinden arbeiten dabei mit kantonalen Fachstellen, Bahnbetreibern und regionalen Naturgefahrenbeobachtern zusammen.

Bergsturz von Randa

Zu den bedeutendsten Naturereignissen im Mattertal gehört der Bergsturz von Randa. Zwischen dem 18. April und dem 9. Mai 1991 stürzten in mehreren Phasen insgesamt rund 30 Millionen Kubikmeter Gestein von der Felswand oberhalb von Randa ins Tal.[8]

Die Felsmassen verschütteten Teile des Weilers Lerch, die Strasse, das Bahntrassee und das Bett der Mattervispa. Der Fluss wurde aufgestaut, wodurch weitere Überschwemmungsgefahren entstanden. Menschen kamen nicht ums Leben, doch zahlreiche Gebäude, landwirtschaftliche Flächen und Verkehrswege wurden zerstört.

Nach dem Bergsturz mussten die Mattervispa verlegt, neue Verkehrsverbindungen gebaut und umfangreiche Schutzmassnahmen erstellt werden. Das Ereignis veränderte die Landschaft bei Randa dauerhaft und gehört zu den grössten Felsstürzen Europas im 20. Jahrhundert.

Wirtschaft

Tourismus

Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig des oberen Mattertals. Zermatt gehört zu den international bekanntesten Ferienorten der Schweiz und zieht während des ganzen Jahres Gäste aus zahlreichen Ländern an. Wintersport, Bergsteigen, Wandern, Mountainbiken und Ausflüge zu den Gletschern und Aussichtspunkten bilden die wichtigsten touristischen Angebote.

Täsch profitiert von seiner Funktion als Verkehrstor nach Zermatt. Hotels, Ferienwohnungen, Parkhäuser, Transportunternehmen und Dienstleistungsbetriebe sind eng mit dem Tourismus verbunden. Randa ist Ausgangspunkt für Wanderungen und Bergtouren, während St. Niklaus neben touristischen Angeboten auch gewerbliche und industrielle Arbeitsplätze besitzt.

Zu den bekannten Höhenwegen gehören der Europaweg zwischen Grächen und Zermatt sowie Wege zu den zahlreichen Hütten des Schweizer Alpen-Clubs. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die 2017 eröffnete Charles-Kuonen-Hängebrücke oberhalb von Randa.

Landwirtschaft

Die traditionelle Berglandwirtschaft hat gegenüber dem Tourismus stark an wirtschaftlicher Bedeutung verloren, prägt die Kulturlandschaft jedoch weiterhin. Viehzucht, Milchwirtschaft und die Bewirtschaftung von Bergwiesen tragen zur Offenhaltung der Landschaft bei.

Viele früher intensiv genutzte Äcker, Wiesen und Alpen wurden im 20. Jahrhundert aufgegeben. In der Folge breiteten sich Wald und Gebüsch auf ehemaligen Landwirtschaftsflächen aus. Historische Stadel, Speicher, Trockenmauern und Wasserleitungen erinnern an die frühere bäuerliche Wirtschaftsweise.

Energie und Infrastruktur

Die grossen Höhenunterschiede und wasserreichen Gletschergebiete bieten günstige Voraussetzungen für die Nutzung der Wasserkraft. Wasserfassungen und Stollen leiten einen Teil des Wassers zu Kraftwerken und Speichersystemen im Oberwallis.

Der Betrieb von Bahnlinien, Bergbahnen, Beschneiungsanlagen, Hotels und touristischer Infrastruktur führt zugleich zu einem hohen Energie- und Flächenbedarf. Der Ausbau wird deshalb zunehmend mit Fragen des Landschaftsschutzes, der Biodiversität und der Anpassung an den Klimawandel verbunden.

Bevölkerung, Sprache und Kultur

Die traditionelle Sprache des Mattertals ist Walliserdeutsch, eine Gruppe höchstalemannischer Dialekte. Zwischen den einzelnen Gemeinden und Dörfern bestehen Unterschiede in Aussprache und Wortschatz. Die lokalen Mundarten enthalten zahlreiche Begriffe aus der alpinen Landwirtschaft, dem Bergführerwesen und der hochalpinen Umwelt.

Die Bevölkerung war historisch mehrheitlich römisch-katholisch. Kirchen, Kapellen, Wegkreuze und religiöse Feste prägen die Kulturlandschaft. Zu den bedeutenden Sakralbauten gehören die Pfarrkirchen von St. Niklaus, Randa, Täsch und Zermatt.

Die Bergführertradition bildet einen wichtigen Bestandteil der regionalen Identität. In St. Niklaus dokumentiert das Bergführermuseum die Geschichte der einheimischen Bergführer und ihre Bedeutung für die Entwicklung des internationalen Alpinismus.

Traditionelle Bauformen sind besonders in älteren Dorfteilen und Weilern erhalten. Typisch sind Wohnhäuser aus dunklem Lärchenholz, Speicher auf Steinplatten, gemauerte Sockelgeschosse sowie dicht angeordnete Gebäude, die den knappen Siedlungsraum nutzten.

Natur und Freizeit

Das Mattertal besitzt ein dichtes Netz von Wander-, Berg- und Höhenwegen. Neben dem Europaweg führen zahlreiche Routen zu Alpen, Aussichtspunkten und Berghütten. Die Wege reichen von einfachen Talwanderungen bis zu anspruchsvollen hochalpinen Touren.

Zermatt ist Ausgangspunkt für Besteigungen des Matterhorns, der Dufourspitze, des Breithorns und zahlreicher weiterer Gipfel. Von Randa führen Wege unter anderem zur Domhütte, Weisshornhütte und Europahütte. St. Niklaus erschliesst die Jungenalp sowie die Höhenwege in Richtung Grächen und Moosalp.

Im Winter bilden die Skigebiete von Zermatt und Grächen die wichtigsten Wintersportzentren der erweiterten Region. Schneeschuhwandern, Skitouren, Langlauf und Winterwandern ergänzen das Angebot.

Bedeutung

Das Mattertal vereinigt auf engem Raum extreme landschaftliche Gegensätze. Trockene Felsensteppen und Weinberge am Talausgang stehen hochalpinen Gletscherlandschaften gegenüber. Zwischen dem tief eingeschnittenen Talboden und der Dufourspitze liegt ein Höhenunterschied von fast 4000 Metern.

Die Entwicklung vom abgelegenen Landwirtschaftstal zu einer international bedeutenden Tourismusregion wurde vor allem durch den Alpinismus, den Eisenbahnbau und den Aufstieg Zermatts geprägt. Gleichzeitig blieben traditionelle Siedlungen, Dialekte und Kulturlandschaften erhalten.

Wegen seiner hohen Berge, der Gletscher, des Matterhorns und der Geschichte des Bergführerwesens besitzt das Mattertal eine herausragende Bedeutung für die Wahrnehmung der Schweizer Alpen im In- und Ausland.

Siehe auch

Literatur

  • Theodor Antonietti: Bauern, Bergführer, Hoteliers. Alltag und Lebensformen im Mattertal 1850–1950. Hier und Jetzt, Baden 2000, ISBN 3-906419-12-6.
  • Christian Imboden: Berge: Beruf, Berufung, Schicksal. Die St. Niklauser Bergführer als Wegbereiter des internationalen Alpinismus. Rotten Verlag, Visp 2013, ISBN 978-3-907624-48-3.
  • Peter Joseph Ruppen, Viktor Summermatter, Hermann Fux: St. Niklaus. Familienstatistik und Heimatkunde der Gemeinde St. Niklaus. St. Niklaus 1975.
  • Bernard Truffer: Streifzug durch die Geschichte des Vispertales. In: Zermatt-Bahn. Vom Tal zum Berg. Brig 1991, S. 111–133.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Bernard Truffer: Mattertal. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 9. März 2011, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Das Mattertal – Tal der Gegensätze und Rekorde. Gemeinde Randa, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Bernard Truffer: Lochmatter. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 28. August 2023, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Parking Matterhorn Terminal Täsch und Anreise nach Zermatt. Matterhorn Gotthard Bahn, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Über die Matterhorn Gotthard Bahn. Matterhorn Gotthard Bahn, abgerufen am 3. August 2026.
  6. FAQ zum Mattertal Tunnel. Matterhorn Gotthard Infrastruktur, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Dienststelle Naturgefahren. Kanton Wallis, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Randa Steinschlag 1991. Centre de recherche sur l’environnement alpin, 9. Oktober 2024, abgerufen am 3. August 2026.

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