Berner Alpen

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Berner Alpen
Teil der Westalpen
Lage Schweiz
Kantone Bern, Wallis, im weiteren Sinn auch Waadt
Höchster Gipfel Finsteraarhorn
Höchste Höhe 4274 m ü. M.[1]
Bedeutende Gebiete Jungfrau-Aletsch-Gebiet, Lötschental, Grimselgebiet, Wildstrubel- und Wildhorngebiet
Wichtigste Flusssysteme Aare und Rhone
UNESCO-Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch

Die Berner Alpen sind eine Gebirgsgruppe der Westalpen in der Schweiz. Sie erheben sich zwischen dem Berner Oberland im Norden und dem Rhonetal im Süden. Der überwiegende Teil liegt in den Kantonen Bern und Wallis; bei einer weiter gefassten geografischen Abgrenzung werden auch Gebirgsgruppen im Kanton Waadt einbezogen. Mit dem 4274 Meter hohen Finsteraarhorn erreichen die Berner Alpen ihren höchsten Punkt.[1]

Die Gebirgsgruppe umfasst einige der bekanntesten Landschaften der Schweiz. Dazu gehören das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau, die steile Nordfront über Grindelwald und Lauterbrunnen, das stark vergletscherte Gebiet um Finsteraarhorn und Aletschhorn sowie der Grosse Aletschgletscher, der grösste und längste Gletscher der Alpen. Ein bedeutender Teil der Hochgebirgslandschaft gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.

Die Berner Alpen bilden zugleich eine der markantesten Klima-, Sprach- und Kulturscheiden der Schweiz. Nördlich des Hauptkamms liegen deutschsprachige Täler des Berner Oberlands, südlich davon die ebenfalls überwiegend deutschsprachigen Gebiete des Oberwallis und weiter westlich französischsprachige Regionen. Über den Gebirgskamm verläuft auf weiten Strecken die europäische Hauptwasserscheide zwischen dem Einzugsgebiet des Rheins und jenem der Rhone.

Name und Abgrenzung

Der Name bezieht sich auf den Kanton Bern und auf die historische Bedeutung des Berner Oberlands als nördlicher Zugang zur Gebirgsgruppe. Er darf jedoch nicht so verstanden werden, dass sämtliche Gipfel im Kanton Bern liegen. Zahlreiche Berge stehen auf der Kantonsgrenze, und grosse Teile der südlichen Berner Alpen befinden sich vollständig im Wallis. Das Aletschhorn, der Grosse Aletschgletscher und weite Teile des Lötschentaler Gebirgsraums gehören beispielsweise zum Walliser Kantonsgebiet.

Die Abgrenzung unterscheidet sich je nach geografischem oder alpinistischem System. Der Schweizer Alpen-Club behandelt in seinen Gebietsführern das Hochgebirge zwischen dem Sanetschpass im Westen und dem Grimselpass im Osten als Berner Alpen.[2] Westlich des Sanetschpasses werden die Massive der Diablerets, des Grand Muveran und der Dent de Morcles häufig als Waadtländer Alpen bezeichnet. In einer weiter gefassten naturräumlichen Betrachtung gelten sie teilweise als westliche Fortsetzung der Berner Alpen.

Im Norden schliessen die Berner Voralpen, die Freiburger und die Waadtländer Voralpen an. Die Grenze zwischen Hochalpen und Voralpen ist nicht überall scharf. Im Süden bildet das Rhonetal eine klare Trennlinie zu den Walliser Alpen. Im Osten markieren Haslital und Grimselpass den Übergang zu den Urner Alpen.

Gliederung

In der alpinistischen Literatur werden die Berner Alpen in mehrere Teilgruppen gegliedert. Die Übergänge sind teilweise fliessend; die folgende Übersicht orientiert sich an der in der Schweiz verbreiteten Einteilung des Alpen-Clubs.

Teilgebiete der Berner Alpen
Teilgebiet Ungefähre Abgrenzung Bedeutende Gipfel und Massive
Westberner Alpen Sanetschpass bis Gemmipass Wildhorn, Wildstrubel, Rinderhorn
Zentralwestberner Alpen Gemmipass bis Petersgrat Balmhorn, Altels, Doldenhorn, Blüemlisalp
Zentralostberner Alpen Tschingelhorn bis Finsteraarhorn Eiger, Mönch, Jungfrau, Fiescherhörner, Gross Grünhorn, Finsteraarhorn
Zentralsüdberner Alpen Südlich des Hauptkamms im Raum Lötschental und Aletsch Bietschhorn, Nesthorn, Aletschhorn
Ostberner Alpen Grindelwald bis Grimselpass Wetterhorn, Schreckhorn, Lauteraarhorn

Die bekannteste und am stärksten vergletscherte Zone liegt im Zentrum und Osten. Hier stehen die meisten Viertausender der Gebirgsgruppe. Die westlichen Teile sind im Allgemeinen niedriger, besitzen mit Wildhorn, Wildstrubel, Blüemlisalp und Balmhorn aber ebenfalls ausgeprägten Hochgebirgscharakter.

Topografie

Hauptkamm und Täler

Der Hauptkamm verläuft ungefähr von Südwesten nach Nordosten. Er ist kein gleichmässiger Grat, sondern ein System aus Bergketten, Hochflächen, Seitengräten und tief eingeschnittenen Gletschertälern. Im zentralen Teil verzweigen sich die Kämme rund um Jungfrau, Aletschhorn, Finsteraarhorn und Schreckhorn zu einem schwer zugänglichen Hochgebirgsraum.

Auf der Nordseite schneiden sich das Lauterbrunnental, die Täler der Schwarzen und Weissen Lütschine, das Kandertal sowie das Haslital tief in das Gebirge ein. Grindelwald, Lauterbrunnen, Kandersteg und Meiringen sind wichtige Ausgangsorte. Auf der Südseite liegen das Lötschental, die Aletschregion, das Fieschertal und das Goms. Die südlichen Gletscher entwässern überwiegend über kurze, gefällereiche Bäche zur Rhone.

Die Nordflanke ist besonders eindrucksvoll. Zwischen dem Lauterbrunnental und Grindelwald steigt eine fast geschlossene Wand aus Fels und Eis zu Eiger, Mönch und Jungfrau an. Weiter westlich prägen Blüemlisalp und Doldenhorn den Horizont über dem Kandertal; im Osten bilden Wetterhorn, Schreckhorn und die Berge des Grimselgebiets den Abschluss.

= Bedeutende Gipfel

Die Berner Alpen besitzen neun Gipfel, die nach der üblichen alpinistischen Zählweise eine Höhe von mehr als 4000 Metern erreichen. Daneben gehören auch niedrigere Berge wie Eiger und Bietschhorn wegen ihrer Gestalt, ihrer Wände und ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung zu den bekanntesten Alpengipfeln.

Auswahl bedeutender Gipfel
Gipfel Höhe Lage und Bedeutung
Finsteraarhorn 4274 m Höchster Gipfel der Berner Alpen und höchster Punkt des Kantons Bern
Aletschhorn 4193 m Zweithöchster Gipfel, vollständig im Wallis
Jungfrau 4158 m Höchster Gipfel des Dreigestirns Eiger–Mönch–Jungfrau
Mönch 4107 m Markanter Grenzgipfel über dem Jungfraujoch
Schreckhorn 4078 m Höchster vollständig im Kanton Bern gelegener Gipfel
Gross Fiescherhorn 4049 m Teil der Fiescherhörner östlich des Mönchs
Gross Grünhorn 4044 m Zentraler Gipfel zwischen Aletsch- und Fieschergletscher
Lauteraarhorn 4042 m Hochgipfel über dem Unteraargletscher
Eiger 3967 m Weltbekannt wegen seiner rund 1800 Meter hohen Nordwand
Bietschhorn 3934 m Freistehende Felspyramide über dem Lötschental und dem Rhonetal

Geologie und Landschaftsbildung

Die Berner Alpen entstanden im Verlauf der Alpenfaltung durch die Annäherung der afrikanischen und europäischen Kontinentalplatten. Gesteinspakete wurden zusammengeschoben, gefaltet und teilweise weit nach Norden überschoben. Im zentralen und östlichen Hochgebirge treten alte kristalline Gesteine des Aarmassivs zutage, vor allem Granite, Gneise und kristalline Schiefer. An der Nordseite liegen darüber und davor jüngere Sedimentgesteine der helvetischen Decken, darunter mächtige Kalksteinfolgen.

Diese geologische Zweiteilung ist im Landschaftsbild erkennbar. Die Kalkgebiete besitzen schroffe Wände, Karstformen und markante Schichtungen, während im kristallinen Kerngebiet ausgedehnte Granitlandschaften, Rundhöcker und stark ausgeschliffene Gletschertäler vorkommen. Die UNESCO hebt hervor, dass im Welterbegebiet bis zu rund 400 Millionen Jahre alte kristalline Gesteine über jüngere Karbonatgesteine geschoben wurden und dadurch die Entstehung der Hochalpen besonders anschaulich dokumentiert ist.[3]

Während der Eiszeiten war das Gebirge wesentlich stärker vergletschert als heute. Eisströme flossen durch die Täler bis weit ins Schweizer Mittelland und ins Rhonetal. Sie formten Trogtäler, Kare, Moränen, Felsschwellen und Seen. Nach dem Rückzug des Eises blieben instabile Hänge und mächtige Schuttablagerungen zurück, die bis heute die Entwicklung der Täler beeinflussen.

Gletscher und Gewässer

Die Berner Alpen sind der am stärksten vergletscherte Teil der Westalpen. Das Zentrum des Eissystems liegt rund um den Konkordiaplatz, wo Jungfraufirn, Ewigschneefeld und Grosser Aletschfirn zusammenfliessen. Aus ihnen entsteht der Grosse Aletschgletscher, der sich nach Süden in Richtung Rhonetal bewegt. Er ist trotz seines starken Rückgangs weiterhin der flächenmässig grösste und längste Gletscher der Alpen.[4]

Weitere grosse Eisströme sind der Fieschergletscher, der Unteraar- und Oberaargletscher, der Finsteraargletscher, der Kanderfirn, der Tschingelfirn sowie die Gletscher an Rosenlaui und Grindelwald. Viele kleinere Gletscher haben in den vergangenen Jahrzehnten stark an Fläche und Dicke verloren oder sind in einzelne Eisfelder zerfallen.

Der Hauptkamm bildet eine europäische Wasserscheide. Die Nordseite entwässert über Lütschine, Kander und Aare zum Rhein und schliesslich zur Nordsee. Das Wasser der Südseite gelangt über Massa, Lonza und weitere Nebenflüsse in die Rhone und damit ins Mittelmeer. Am Grimselpass ist diese Trennung besonders deutlich: Nördlich fliesst die Aare ab, südlich die junge Rhone.

Im Grimselgebiet wird das grosse Gefälle seit dem 20. Jahrhundert intensiv für die Wasserkraft genutzt. Stauseen wie Grimselsee, Oberaarsee und Räterichsbodensee sind Bestandteile eines weit verzweigten Systems von Kraftwerken, Druckleitungen und Speichern. Die Anlagen sind für die schweizerische Stromversorgung wichtig, verändern aber zugleich eine hochalpine Landschaft, die auch ökologisch und touristisch von grossem Wert ist.

Klima, Pflanzen- und Tierwelt

Der Alpenhauptkamm beeinflusst das Klima stark. Feuchte Luftmassen aus Westen und Norden führen auf der Berner Seite zu hohen Niederschlagsmengen. Die inneralpinen Täler des Wallis liegen dagegen teilweise im Regenschatten und sind deutlich trockener. Mit zunehmender Höhe sinken die Temperaturen, während Wind, Schneefall und Strahlung an Bedeutung gewinnen.

Die Vegetation reicht von Laub- und Mischwäldern in den tieferen Tälern über Nadelwälder und Alpweiden bis zu Zwergstrauchheiden, alpinen Rasen und fast vegetationsfreien Fels- und Eisregionen. Auf der trockeneren Südseite kommen Arten vor, die wärmere und trockenere Standorte bevorzugen. Nach dem Rückzug der Gletscher besiedeln Flechten, Moose und Pionierpflanzen die neu freigelegten Böden. Diese natürliche Abfolge ist ein wichtiger Forschungsgegenstand im UNESCO-Welterbe.

Zu den charakteristischen Tierarten gehören Steinbock, Gämse, Alpenmurmeltier, Schneehase, Steinadler und Bartgeier. In den tieferen Wäldern leben Rothirsch, Reh und zahlreiche Vogelarten. Die Lebensräume sind durch Schutzgebiete, Jagdregeln und Ruhezonen teilweise gesichert, werden jedoch durch touristische Nutzung, Verkehrswege und den Klimawandel beeinflusst.

Besiedlung und historische Übergänge

Die Hochlagen der Berner Alpen sind nicht dauerhaft besiedelt. Menschen nutzten jedoch seit prähistorischer Zeit Pässe, Weiden und Rohstoffvorkommen. Funde am Schnidejoch im Wildhorngebiet zeigen, dass hochalpine Übergänge bereits in der Jungsteinzeit begangen wurden. Später verbanden Saumwege die Täler des Berner Oberlands mit dem Wallis.

Zu den wichtigen historischen Übergängen zählen der Grimselpass, der Lötschenpass, die Gemmi und der Sanetschpass. Über sie wurden Vieh, Käse, Wein, Salz, Reis und andere Waren transportiert. Die Wege ermöglichten auch saisonale Wanderungen, Wallfahrten und politische Kontakte. Im Winter oder bei schlechtem Wetter waren die Übergänge gefährlich und häufig unpassierbar.

Der Hauptkamm blieb trotz dieser Verbindungen eine deutliche räumliche Barriere. Die Täler entwickelten eigene Dialekte, Rechtsformen und Wirtschaftsweisen. Landwirtschaft beruhte lange auf Viehzucht, Alpwirtschaft und einer saisonalen Nutzung verschiedener Höhenstufen. Erst Eisenbahnen, Strassen und der moderne Tourismus banden die Täler enger an die übrige Schweiz an.

Erforschung und Alpinismus

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurden die Berner Alpen zu einem wichtigen Forschungsraum. Naturforscher untersuchten Gesteine, Pflanzen, Gletscherbewegungen und die Entstehung der Täler. Auf dem Unteraargletscher führte Louis Agassiz in den 1840er-Jahren grundlegende glaziologische Untersuchungen durch. Seine Arbeiten trugen wesentlich zur wissenschaftlichen Anerkennung der Eiszeittheorie bei.

Die Besteigungsgeschichte begann früh. Am 3. August 1811 erreichten Johann Rudolf und Hieronymus Meyer aus Aarau mit den Walliser Bergsteigern Joseph Bortis und Alois Volker die Jungfrau. Sie war damit der erste bestiegene Viertausender der Schweizer Alpen.[5] Im folgenden Jahr gelang Bergführern aus dem Wallis und dem Haslital gemäss den Berichten der Meyer-Expedition die erste Besteigung des Finsteraarhorns.[6]

Während des «goldenen Zeitalters» des Alpinismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden fast alle bedeutenden Gipfel erstmals bestiegen. Einheimische Führer aus Grindelwald, Lauterbrunnen, Kandersteg und dem Wallis spielten dabei eine zentrale Rolle. Die Erstbesteigung des Eigers gelang 1858 dem Iren Charles Barrington mit den Grindelwalder Bergführern Christian Almer und Peter Bohren.[7]

Im 20. Jahrhundert rückten die grossen Wände in den Mittelpunkt. Besonders die Eiger-Nordwand wurde zu einem Symbol des extremen Alpinismus. Ihre erste vollständige Durchsteigung gelang 1938 Anderl Heckmair, Ludwig Vörg, Heinrich Harrer und Fritz Kasparek. Heute führen zahlreiche Hoch-, Kletter- und Skitouren durch die Berner Alpen. Viele Routen bleiben ernsthafte Unternehmungen, da Gletscherspalten, Steinschlag, Lawinen, Wetterstürze und grosse Distanzen hohe Anforderungen stellen.

Der Schweizer Alpen-Club unterhält ein dichtes Netz von Hütten, darunter Konkordiahütte, Finsteraarhornhütte, Mönchsjochhütte, Blüemlisalphütte, Lauteraarhütte und Schreckhornhütte. Wegen des Gletscherrückgangs verändern sich Zugänge und Höhenunterschiede. Bei der Konkordiahütte muss heute beispielsweise eine lange Metalltreppe überwunden werden, weil die Oberfläche des Aletschgletschers seit dem Bau der Hütte stark abgesunken ist.

Verkehr und technische Erschliessung

Die zentrale Hochgebirgskette besitzt keine durchgehende Strassenverbindung. Am östlichen Rand überquert die Strasse über den Grimselpass den Hauptkamm; sie ist im Winter in der Regel geschlossen. Andere Übergänge wie Gemmi und Lötschenpass sind nur zu Fuss oder teilweise mit Seilbahnen erreichbar.

Von nationaler Bedeutung ist die Lötschbergbahn. Der 14,6 Kilometer lange Lötschberg-Scheiteltunnel wurde zwischen 1907 und 1913 gebaut. Seit 2007 ergänzt ihn der tiefer liegende Lötschberg-Basistunnel, der Teil der schweizerischen Alpentransversalen ist.[8] Beide Tunnel verbinden das Berner Oberland mit dem Wallis und sind für Personen-, Auto- und Güterverkehr wichtig.

Die Jungfraubahn erschliesst seit 1912 das Jungfraujoch. Ihr Endbahnhof liegt auf 3454 Metern und ist der höchstgelegene Bahnhof Europas.[9] Weitere Bergbahnen führen auf Kleine Scheidegg, Männlichen, Schilthorn, First, Eggishorn, Bettmerhorn und zu zahlreichen Wintersportgebieten. Die technische Erschliessung machte die Landschaft einem breiten Publikum zugänglich, löste aber wiederholt Debatten über Natur- und Landschaftsschutz aus.

Tourismus und Wirtschaft

Der Tourismus ist seit dem 19. Jahrhundert ein zentraler Wirtschaftszweig. Orte wie Grindelwald, Wengen, Mürren, Lauterbrunnen, Kandersteg, Adelboden, Lenk, Riederalp, Bettmeralp und Fiesch entwickelten sich zu international bekannten Ferienorten. Im Sommer stehen Wandern, Bergsteigen, Klettern und Ausflugsverkehr im Vordergrund; im Winter Skisport, Snowboarden, Winterwandern und Schneeschuhtouren.

Die weltweite Bekanntheit von Eiger, Mönch, Jungfrau und Aletschgletscher bringt hohe Besucherzahlen. Dies schafft Arbeitsplätze und ermöglicht den Unterhalt von Verkehrsanlagen, Wegen und touristischer Infrastruktur. Zugleich entstehen Belastungen durch Verkehr, Flächenverbrauch, Energiebedarf und Störungen empfindlicher Lebensräume. Gemeinden und Tourismusorganisationen versuchen deshalb, die Nutzung stärker mit dem Schutz der Landschaft und einem öffentlichen Verkehrsangebot zu verbinden.

Neben dem Tourismus bleiben Alpwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserkraft bedeutend. Die Berglandwirtschaft pflegt offene Kulturlandschaften und traditionelle Siedlungsformen, ist aber auf Direktzahlungen und zusätzliche Erwerbsquellen angewiesen. Wasserkraftanlagen in Grimsel-, Kander- und Walliser Seitentälern tragen zur Energieversorgung bei und werden im Zusammenhang mit der schweizerischen Energiestrategie weiterentwickelt.

UNESCO-Weltnaturerbe

Das Gebiet Jungfrau–Aletsch–Bietschhorn wurde 2001 als erstes Naturerbe des Alpenraums in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. 2007 erfolgte eine Erweiterung nach Osten und Westen von 53'900 auf 82'400 Hektaren. Seit 2008 lautet der offizielle Name Swiss Alps Jungfrau-Aletsch beziehungsweise Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.[3]

Das Welterbe umfasst nicht die gesamten Berner Alpen, sondern einen grossen Teil ihres zentralen und östlichen Hochgebirges. Rund 57 Prozent der Fläche liegen im Wallis und 43 Prozent im Kanton Bern.[10] Geschützt werden nicht nur Gipfel und Gletscher, sondern auch Schluchten, Seen, Wälder, alpine Lebensräume und geologische Aufschlüsse.

Die UNESCO begründet den aussergewöhnlichen universellen Wert mit der landschaftlichen Schönheit, der ausserordentlich starken Vergletscherung und der anschaulichen Dokumentation von Gebirgsbildung und Klimawandel. Die Schutzverantwortung liegt bei Bund, Kantonen, Gemeinden, Grundeigentümern und regionalen Organisationen. Das Welterbe ist kein vollständig unberührtes Reservat; traditionelle Nutzung und Tourismus sind möglich, müssen aber mit den Schutzzielen vereinbar sein.

Klimawandel und Naturgefahren

Der Klimawandel verändert die Berner Alpen besonders deutlich. Die Gletscher verlieren an Länge, Fläche und Volumen. Messungen des Schweizer Gletschermessnetzes zeigen, dass die Eisverluste auch in den höchsten Gebieten anhalten und in warmen Jahren sehr grosse Werte erreichen.[11] Neu entstehende Gletschervorfelder werden von Pflanzen besiedelt, während sich Abflussmengen und jahreszeitliche Wasserverfügbarkeit verändern.

Auch der Permafrost taut in hohen Felswänden auf. Dadurch können Felsstürze und Steinschlag häufiger auftreten. Bergwege und klassische Hochtouren müssen angepasst oder zeitweise gesperrt werden; Hütten verlieren sichere Zugänge, und ehemalige Firnpassagen verwandeln sich in instabile Schutt- oder Felszonen. Gleichzeitig entstehen hinter Moränen oder in ausgeschliffenen Becken neue Seen, die überwacht werden müssen.

Lawinen, Murgänge, Hochwasser und Bergstürze gehören zwar seit jeher zum Naturraum, doch verändern höhere Temperaturen und intensivere Niederschlagsereignisse ihre räumliche und zeitliche Verteilung. Schutzbauten, Gefahrenkarten, Messnetze und eine angepasste Siedlungsplanung sind deshalb für die Berggemeinden von grosser Bedeutung.

Bedeutung für die Schweiz

Die Berner Alpen gehören zu den prägenden Landschaften des schweizerischen Selbstbildes. Das Panorama von Eiger, Mönch und Jungfrau, der Aletschgletscher und die Gipfelkette über dem Berner Oberland erscheinen in Kunst, Literatur, Werbung und touristischen Darstellungen. Maler wie Ferdinand Hodler setzten die monumentale Gebirgslandschaft in eine nationale Bildsprache um.

Zugleich sind die Berner Alpen weit mehr als eine Kulisse. Sie sind Lebens- und Wirtschaftsraum, Wasserspeicher, Energiequelle, Verkehrsbarriere, Forschungsgebiet und empfindliches Ökosystem. An ihnen lassen sich zentrale Fragen der Schweiz besonders deutlich erkennen: das Verhältnis zwischen Berggebiet und Städten, zwischen Nutzung und Schutz, zwischen technischer Erschliessung und Wildnis sowie zwischen kurzfristigem wirtschaftlichem Nutzen und langfristiger Verantwortung für Landschaft und Klima.

Siehe auch

Literatur

  • Ueli Mosimann: Hochtouren Berner Alpen. Vom Sanetschpass zur Grimsel. Schweizer Alpen-Club, Bern.
  • Werner und Margrit Munter: Berner Alpen. Gebietsführer für Wanderer, Bergsteiger und Kletterer. Bergverlag Rother, München.
  • Heinz J. Zumbühl, Daniel Steiner und Samuel U. Nussbaumer: Publikationen zur Geschichte und Entwicklung der Gletscher in den Berner Alpen.
  • UNESCO World Heritage Centre: Swiss Alps Jungfrau-Aletsch. Dokumentation des Weltnaturerbes.

Einzelnachweise