Dufourspitze
| Dufourspitze | |
|---|---|
| Die Dufourspitze vom Nordend aus gesehen | |
| Höhe | 4634 m ü. M. |
| Höhenbezug | CH |
| Lage | Kanton Wallis, Schweiz |
| Gebirge | Monte Rosa, Walliser Alpen |
| Koordinaten | Vorlage:Coord |
| Region | CH-VS
|
| Dominanz | 78.2 km |
| Dominanz-Bezug | Mont Blanc de Courmayeur |
| Schartenhöhe | 2165 m |
| Scharte | Grosser St. Bernhard |
| Erstbesteigung | 1. August 1855 |
| Normalweg | Hochtour von der Monte-Rosa-Hütte über den Monte-Rosa-Gletscher und den Westgrat |
Die Dufourspitze ist mit einer Höhe von 4634 Metern über Meer der höchste Gipfel der Schweiz und des gesamten deutschsprachigen Raumes.[1] Sie bildet den höchsten Punkt des ausgedehnten Monte-Rosa-Massivs in den Walliser Alpen. Nach dem Mont Blanc ist sie der zweithöchste Berg der Alpen und Westeuropas.
Der Gipfel liegt im Süden des Kantons Wallis nahe der Grenze zu Italien. Im Gegensatz zu mehreren benachbarten Gipfeln des Monte-Rosa-Massivs befindet sich der höchste Punkt der Dufourspitze vollständig auf Schweizer Staatsgebiet. Die italienische Grenze verläuft wenige Hundert Meter östlich des Gipfels.
Geografie
Die Dufourspitze gehört zum zentralen Gipfelkamm des Monte-Rosa-Massivs. Dieses erhebt sich zwischen dem schweizerischen Mattertal und den italienischen Tälern Valle Anzasca, Valsesia und Valle del Lys. Der Berg ist Teil eines komplexen Systems aus Gipfeln, Graten, Gletschern und Firnflächen.
In unmittelbarer Nähe befinden sich mehrere weitere Viertausender. Östlich der Dufourspitze liegen die Dunantspitze und der Grenzgipfel. Weiter nördlich erheben sich das Nordend und die Zumsteinspitze. Zum Monte-Rosa-Massiv gehören ausserdem die Signalkuppe, die Parrotspitze, die Ludwigshöhe, das Schwarzhorn und die Vincent-Pyramide.
Die Dufourspitze weist eine Dominanz von rund 78 Kilometern auf. Der nächste höhere Punkt befindet sich beim Mont-Blanc-Massiv. Ihre Schartenhöhe beträgt mehr als 2100 Meter, womit sie zu den topografisch bedeutendsten Bergen Europas zählt.
Der Gipfelbereich besteht aus einem schmalen, teilweise stark ausgesetzten Fels- und Firngrat. Die Nord- und Westseite fallen zum Monte-Rosa-Gletscher ab. Auf der italienischen Ostseite bricht das Massiv in einer mächtigen, mehrere Tausend Meter hohen Wand gegen Macugnaga ab. Diese Ostwand gehört zu den grössten und anspruchsvollsten Fels- und Eiswänden der Alpen.
Name
Der Gipfel wurde früher als Höchste Spitze, Gornerhorn oder Schwärzehorn bezeichnet. Der Name Gornerhorn war insbesondere unter der Bevölkerung des Mattertals verbreitet und bezog sich auf die Lage oberhalb des Gornergletschers.
Am 28. Januar 1863 beschloss der Schweizer Bundesrat, den höchsten Gipfel des Monte Rosa nach Guillaume Henri Dufour zu benennen. Dufour war General, Ingenieur, Kartograf und Mitbegründer des späteren Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Unter seiner Leitung entstand die erste amtliche topografische Karte, welche das gesamte Gebiet der Schweiz einheitlich darstellte. Dieses Kartenwerk wurde als Dufourkarte bekannt.
In der französischsprachigen Schweiz heisst der Gipfel Pointe Dufour, auf Italienisch Punta Dufour. Die Benennung erinnert sowohl an Dufours militärische und politische Bedeutung als auch an seine grundlegenden Leistungen für die schweizerische Landestopografie.
Ein rund 80 Meter östlich gelegener Nebengipfel wurde 2014 zu Ehren des Rotkreuzgründers Henry Dunant in Dunantspitze umbenannt. Er erreicht eine Höhe von etwa 4632 Metern und ist damit nur wenig niedriger als der Hauptgipfel.
Geologie und Landschaft
Das Monte-Rosa-Massiv besteht überwiegend aus kristallinen Gesteinen. Dazu gehören vor allem Gneise und Granite, die während der Entstehung der Alpen aus tieferen Bereichen der Erdkruste emporgehoben wurden. Die heutige Form des Massivs entstand durch das Zusammenwirken tektonischer Bewegungen, Verwitterung und glazialer Erosion.
Die Landschaft um die Dufourspitze ist stark vergletschert. Auf der Schweizer Seite erstrecken sich der Monte-Rosa-Gletscher und der Grenzgletscher. Diese fliessen in Richtung des Gornergletschers, der zu den grössten Gletschersystemen der Alpen gehört.
Wie zahlreiche andere Alpengletscher verlieren auch die Gletscher des Monte-Rosa-Gebietes seit Jahrzehnten deutlich an Volumen. Der Rückgang des Eises verändert die traditionellen Zustiege, legt neue Felsflächen frei und kann die Gefahr durch Spalten, Steinschlag und instabile Hänge erhöhen. Dadurch müssen Routen und Zeitplanung regelmässig an die aktuellen Verhältnisse angepasst werden.
Besteigungsgeschichte
Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unternahmen Bergsteiger und einheimische Führer mehrere Versuche, die höchsten Punkte des Monte Rosa zu erreichen. 1848 wurde mit der später sogenannten Dunantspitze erstmals ein Gipfel in unmittelbarer Nähe des höchsten Punktes bestiegen. Der Übergang zur eigentlichen Dufourspitze gelang damals jedoch noch nicht.
Die Erstbesteigung der Dufourspitze erfolgte am 1. August 1855.[2] Die achtköpfige Gruppe bestand aus den britischen Alpinisten Charles Hudson, John Birkbeck, Edward John Stevenson sowie Christopher und James Grenville Smyth. Begleitet wurden sie von den Bergführern Johannes und Matthäus Zumtaugwald aus Zermatt sowie Ulrich Lauener aus Lauterbrunnen.
Die Gruppe begann ihren Aufstieg in der Gegend des Riffelbergs. Sie erreichte den Gipfel über den Monte-Rosa-Gletscher, einen Sattel am Westgrat und den abschliessenden Gipfelgrat. Diese Linie bildete später die Grundlage des heutigen Normalweges.
Charles Hudson gehörte zehn Jahre später auch zur Gruppe der Erstbesteiger des Matterhorns. Beim dramatischen Absturz am 14. Juli 1865 kam er zusammen mit drei weiteren Mitgliedern der Seilschaft ums Leben.
Bereits wenige Tage nach der Erstbesteigung wurde die Dufourspitze erneut erreicht. Der Gipfel entwickelte sich während des sogenannten goldenen Zeitalters des Alpinismus zu einem der wichtigsten Ziele in den Westalpen. 1858 gelang dem irischen Naturwissenschaftler John Tyndall eine frühe Alleinbesteigung.
Eine bedeutende Durchsteigung der Ostwand erfolgte 1872 durch Richard und William Pendlebury, Charles Taylor, Ferdinand Imseng, Gabriel Spechtenhauser und Giovanni Oberto. Die Routen auf der italienischen Seite zählen aufgrund ihrer Länge, objektiven Gefahren und schwierigen Rückzugsmöglichkeiten bis heute zu den anspruchsvollsten Unternehmungen der Alpen.
Normalweg
Der Normalweg auf die Dufourspitze beginnt üblicherweise bei der Monte-Rosa-Hütte auf 2883 Metern über Meer.[3] Die Hütte wird von der Station Rotenboden der Gornergratbahn über einen alpinen Hüttenweg erreicht. Wegen des Rückgangs des Gornergletschers wurde der Zustieg in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach angepasst.
Von der Hütte führt die Route zunächst über Moränen, Firn- und Gletscherflächen zum oberen Monte-Rosa-Gletscher. Anschliessend steigen die Bergsteiger in Richtung des Sattels am Westgrat auf. Der letzte Abschnitt verläuft über einen teilweise felsigen und ausgesetzten Grat zum Gipfel.
Die Tour gilt als anspruchsvolle Hochtour. Sie verlangt eine sehr gute Kondition, sichere Steigeisen- und Seiltechnik, Erfahrung auf spaltenreichen Gletschern sowie die Fähigkeit, ausgesetzte Fels- und Firnpassagen zu bewältigen. Von der Monte-Rosa-Hütte bis zum Gipfel müssen rund 1750 Höhenmeter überwunden werden. Aufstieg und Abstieg ergeben einen langen, körperlich belastenden Tourentag.
Neben der klassischen Route existieren weitere Anstiege über den Silbersattel, den Südostgrat und die italienische Ostseite. Diese Varianten sind meist schwieriger und teilweise mit erheblichen objektiven Gefahren verbunden.
Gefahren
Die Besteigung der Dufourspitze darf trotz der vergleichsweise häufigen Begehung des Normalweges nicht unterschätzt werden. Zu den Gefahren gehören Gletscherspalten, Eisabbrüche, Steinschlag, Wechten, rasche Wetterwechsel und die Auswirkungen der grossen Höhe.
Ein besonderes Risiko stellt die Länge der Tour dar. Viele Seilschaften starten bereits in der Nacht, damit sie schwierige Gletscherabschnitte bei möglichst stabilen Bedingungen passieren und rechtzeitig zur Hütte zurückkehren können. Bei starker Sonneneinstrahlung nimmt die Gefahr von weichem Schnee, Spaltenstürzen und Steinschlag im Tagesverlauf zu.
Auf über 4000 Metern kann zudem die Höhenkrankheit auftreten. Eine ausreichende Akklimatisation ist deshalb wichtig. Häufig werden vor der Dufourspitze andere Gipfel des Monte-Rosa-Gebietes oder leichtere Viertausender bestiegen.
Für Bergsteiger ohne umfassende Hochgebirgserfahrung wird eine Besteigung mit einem diplomierten Bergführer empfohlen. Wetter, Schneelage, Gletscherzustand und Hütteninformationen müssen unmittelbar vor der Tour überprüft werden.
Bedeutung für die Schweiz
Als höchster Punkt des Landes besitzt die Dufourspitze eine besondere geografische und symbolische Bedeutung. Sie wird regelmässig in Darstellungen der Schweizer Alpen, in Lehrmitteln und in touristischen Publikationen verwendet.[4]
Die Benennung nach Guillaume Henri Dufour verbindet den Berg mit der Geschichte des modernen Schweizer Bundesstaates. Dufour stand für die Entwicklung der Landestopografie, für die Professionalisierung staatlicher Institutionen und für eine vergleichsweise zurückhaltende Führung während des Sonderbundskrieges von 1847.
Die Dufourspitze ist zugleich ein wichtiges Ziel des Schweizer Bergsports. Ihre Besteigung gilt für erfahrene Alpinisten als eine der klassischen grossen Hochtouren der Schweiz. Aufgrund der Höhe und der weiten Aussicht wird sie häufig als krönender Abschluss einer Tourenwoche im Wallis gewählt.
Aussicht
Bei klarer Sicht reicht das Panorama vom Gipfel über grosse Teile der Westalpen. Im Westen sind das Matterhorn, der Dent Blanche, das Weisshorn und das Mont-Blanc-Massiv sichtbar. Im Norden liegen die Berner Alpen mit Finsteraarhorn, Aletschhorn, Mönch und Jungfrau.
Nach Osten erstreckt sich der Blick über die weiteren Gipfel des Monte Rosa und in Richtung der Tessiner und Bündner Alpen. Im Süden sind die italienischen Alpentäler und bei sehr guter Fernsicht Teile der Poebene erkennbar.
Der Blick in die steile Ostwand und hinunter nach Macugnaga vermittelt besonders deutlich den gewaltigen Höhenunterschied zwischen dem Gipfelbereich und den umliegenden Tälern.
Tourismus und Erschliessung
Wichtigster Ausgangsort auf Schweizer Seite ist Zermatt. Die Gornergratbahn erleichtert den Zugang zum Gornergrat und zur Umgebung des Monte-Rosa-Massivs. Von der Station Rotenboden führt der Zustieg zur Monte-Rosa-Hütte.[5]
Die heutige Monte-Rosa-Hütte wurde 2009 eröffnet. Der markante, weitgehend energieautarke Bau entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Alpen-Club und der ETH Zürich. Er ersetzte die ältere Hütte, die näher am Gletscher gelegen hatte.
Die Region wird nicht nur von Bergsteigern besucht. Wanderwege und Aussichtspunkte am Gornergrat ermöglichen auch ohne Gipfelbesteigung eindrucksvolle Ausblicke auf die Dufourspitze, das Matterhorn und die umliegenden Gletscher.
Auf italienischer Seite dienen insbesondere Macugnaga und Alagna Valsesia als Ausgangspunkte für Touren im Monte-Rosa-Gebiet. Die Anstiege zur Dufourspitze von dort sind jedoch wesentlich länger oder technisch anspruchsvoller als der Schweizer Normalweg.
Schutz und Umwelt
Das Hochgebirge um die Dufourspitze ist ein empfindlicher Naturraum. Trotz der extremen klimatischen Bedingungen leben in tieferen Bereichen spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Menschliche Eingriffe, Abfälle und zunehmende Besucherzahlen können diese Lebensräume belasten.
Der Rückgang der Gletscher macht die Folgen klimatischer Veränderungen besonders sichtbar. Traditionelle Routen können durch auftauenden Permafrost und instabiles Gestein gefährlicher werden. Auch der Zugang zu Hütten und Übergängen verändert sich.
Bergsteiger sind angehalten, Abfälle wieder ins Tal mitzunehmen, markierte Zustiege zu benutzen und die Vorgaben der Hütten sowie der Bergführerorganisationen zu beachten.
Siehe auch
- Monte Rosa
- Liste der Berge in der Schweiz
- Liste der Viertausender in den Alpen
- Höchste Punkte der Schweizer Kantone
- Alpinismus in der Schweiz
- Guillaume Henri Dufour
Literatur
- Helmut Dumler, Willi P. Burkhardt: Viertausender der Alpen. Bergverlag Rother, München 2001, ISBN 3-7633-7427-2.
- Richard Goedeke: 4000er – Die Normalwege auf alle Viertausender der Alpen. Bruckmann Verlag, München 2011, ISBN 978-3-7654-5950-7.
- Daniel Anker: Monte Rosa – Königin der Alpen. AS Verlag, Zürich 2002, ISBN 3-905111-78-7.
Weblinks
- Dufourspitze im Tourenportal des Schweizer Alpen-Clubs
- Dufourspitze bei Zermatt Tourismus
- Dufourspitze bei Schweiz Tourismus
- Offizielle Website der Monte-Rosa-Hütte
- Dufourspitze im Kartenviewer des Bundes
Einzelnachweise
- ↑ Höhenangaben und Höhensysteme, Bundesamt für Landestopografie swisstopo, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Die Erstbesteigung der Dufourspitze vor 100 Jahren, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Monte-Rosa-Hütte, offizielle Website, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Dufourspitze, 4634 m ü. M., Schweiz Tourismus, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Dufourspitze, Zermatt Tourismus, abgerufen am 27. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Dufourspitze