Sitten

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Sitten

Sitten mit den Burghügeln Valeria und Tourbillon

Sitten mit den Burghügeln Valeria und Tourbillon

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Wallis

Bezirk

Sitten

BFS-Nummer

6266

Postleitzahl

1950

Koordinaten

46.23333° N, 7.36667° E

Höhe

515 m ü. M.

Fläche

34.86 km²

Einwohner

36624
(Stand: 31. Dezember 2024)

Website

www.sion.ch

Sitten (französisch Sion, walliserdeutsch Sittu, lateinisch Sedunum) ist eine politische Gemeinde, der Hauptort des Kantons Wallis und der Hauptort des Bezirks Sitten. Die Stadt liegt im mittleren Rhonetal an der Mündung der Sionne in die Rhone. Ende 2024 zählte die Gemeinde 36'624 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]

Sitten ist das politische und administrative Zentrum des Wallis, Sitz der Kantonsregierung, des Kantonsparlaments und des Bistums Sitten. Die Stadt bildet zugleich ein bedeutendes Wirtschafts-, Bildungs-, Gesundheits- und Kulturzentrum im französischsprachigen Teil des Kantons. Mit rund 35'000 Arbeitsplätzen und mehreren Tausend Unternehmen besitzt sie eine zentrale Bedeutung für die Agglomeration Mittelwallis.[2]

Das Stadtbild wird von den beiden markanten Felshügeln Valeria und Tourbillon geprägt. Auf dem Valeria-Hügel befindet sich die befestigte Basilika von Valeria mit einer der ältesten noch spielbaren Orgeln der Welt. Auf dem gegenüberliegenden Tourbillon-Hügel stehen die Ruinen der ehemaligen bischöflichen Burg Tourbillon.

Sitten gehört zu den ältesten dauerhaft besiedelten Orten der Schweiz. Archäologische Funde belegen menschliche Siedlungstätigkeit seit der Jungsteinzeit. Seit der Spätantike beziehungsweise dem frühen Mittelalter ist die Stadt politischer Hauptort und seit dem Ende des 6. Jahrhunderts Bischofssitz.[3]

Name

Der deutsche Name Sitten und der französische Name Sion gehen auf den lateinischen Ortsnamen Sedunum zurück. Dieser wird gewöhnlich mit dem keltischen Volksstamm der Seduner in Verbindung gebracht, der im Wallis vor der römischen Eroberung lebte.

In römischen Quellen erscheint die Siedlung unter verschiedenen Namensformen. Der Name Sedunum wurde im Mittelalter zu Sion weiterentwickelt. Die deutsche Form Sitten entstand durch die Übernahme und lautliche Anpassung des romanischen Ortsnamens.

Im lokalen frankoprovenzalischen Dialekt wird die Stadt unter anderem Chyoun genannt. Im Walliserdeutschen ist die Form Sittu gebräuchlich.

Sitten war historisch stärker zweisprachig geprägt als heute. Von 1540 bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 galt Deutsch offiziell als Verwaltungssprache der Stadt. Im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts setzte sich Französisch als vorherrschende Alltagssprache durch.[3]

Geographie

Sitten liegt im zentralen Wallis auf beiden Seiten der Rhone. Das historische Stadtzentrum befindet sich nördlich des Flusses am Ausgang des engen Sionne-Tals. Die Siedlungsfläche erstreckt sich heute weit über die Rhoneebene und an die sonnigen Hänge der rechten Talseite.

Das Gemeindegebiet umfasst 34,86 Quadratkilometer. Es reicht von der Talebene auf etwa 480 bis 520 m ü. M. bis in höher gelegene Berg- und Alpgebiete. Durch die Eingemeindungen von Salins und Les Agettes wurde das Gemeindegebiet erheblich nach Süden erweitert.

Die Stadt ist von mehreren markanten Erhebungen umgeben. Die beiden innerstädtischen Hügel Valeria und Tourbillon bestehen aus widerstandsfähigem Fels und ragen deutlich über die Altstadt hinaus. Nördlich der Stadt steigen die sonnigen Rebhänge in Richtung Savièse und Ayent an. Südlich der Rhone führen die Hänge in Richtung Veysonnaz, Nendaz und zum Gebiet von Les Agettes.

Sitten grenzt an die Gemeinden Arbaz, Ayent, Grimisuat, Saint-Léonard, Mont-Noble, Nendaz, Veysonnaz, Nax beziehungsweise Mont-Noble, Conthey und Savièse. Die genaue Grenzführung ist wegen der Eingemeindungen und der Berggebiete teilweise komplex.

Gemeindeteile

Zur heutigen Gemeinde gehören neben der Kernstadt mehrere ehemalige Dörfer, Weiler und Quartiere. Zu den wichtigsten Gemeindeteilen zählen:

  • Sitten mit der Altstadt und den modernen Stadtquartieren;
  • Bramois;
  • Uvrier;
  • Châteauneuf;
  • Salins;
  • Les Agettes;
  • Pont-de-la-Morge;
  • Aproz auf dem Gebiet von Sitten;
  • La Muraz;
  • Molignon;
  • Baar;
  • Champsec;
  • Vissigen.

Bramois liegt östlich des Stadtzentrums nahe der Mündung der Borgne in die Rhone. Das Dorf war bis 1968 eine selbstständige Gemeinde.

Salins liegt oberhalb der Rhoneebene am südlichen Talhang. Die frühere Gemeinde wurde am 1. Januar 2013 mit Sitten vereinigt.

Les Agettes befindet sich auf einer Geländeterrasse über dem südlichen Talhang. Die Gemeinde fusionierte am 1. Januar 2017 mit Sitten.

Gewässer

Die Rhone durchquert das Gemeindegebiet von Osten nach Westen. Sie bildet die wichtigste natürliche Achse des Wallis und beeinflusste die Entwicklung von Siedlung, Landwirtschaft, Verkehr und Industrie.

Die Sionne entspringt nördlich der Stadt im Gebiet von Savièse und fliesst durch ein enges Tal in Richtung Altstadt. Im historischen Zentrum ist sie teilweise eingedolt. Unterhalb der Stadt mündet sie in die Rhone.

Östlich von Sitten fliesst die Borgne aus dem Val d'Hérens durch Bramois und mündet in die Rhone. Weitere kleinere Bäche und Suonen entwässern die Weinberge und Berghänge.

Die Rhoneebene war früher häufig von Überschwemmungen betroffen. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Fluss begradigt und eingedämmt. Im Rahmen der dritten Rhonekorrektion werden Hochwasserschutz, Flussraum und ökologische Aufwertung erneut grundlegend geplant.

Klima

Sitten besitzt eines der trockensten und sonnigsten Klimata der Schweiz. Die hohen Alpenketten schirmen das zentrale Wallis gegen feuchte Luftmassen ab. Dadurch fallen deutlich weniger Niederschläge als in vielen Regionen nördlich der Alpen.

Die Sommer sind häufig warm bis heiss und trocken. Im Winter treten Frost, Nebel und Schneefall auf, die Schneedecke bleibt in der Talebene jedoch meist nicht lange liegen.

Der Föhn kann zu raschen Temperaturanstiegen und trockener Luft führen. Gleichzeitig treten im Rhonetal regelmässig talaufwärts und talabwärts gerichtete lokale Winde auf.

Das trockene Klima begünstigt den Weinbau, den Obstbau und eine teilweise steppenähnliche Vegetation. An den sonnigen Hängen wachsen Pflanzenarten, die sonst vor allem in südlicheren Regionen vorkommen.

Sitten wird touristisch häufig als eine der sonnigsten Städte der Schweiz bezeichnet. Für die Landwirtschaft bedeutet die geringe Niederschlagsmenge jedoch, dass viele Flächen künstlich bewässert werden müssen.

Geschichte

Vorgeschichte

Das Gebiet von Sitten gehört zu den bedeutendsten archäologischen Siedlungslandschaften der Schweiz. Funde belegen menschliche Anwesenheit seit der Jungsteinzeit.

Besonders bekannt sind die Gräberfelder und Menhiranlagen von Petit-Chasseur. Dort wurden ab den 1960er-Jahren mehrere megalithische Grabanlagen, Steinplatten und anthropomorphe Stelen entdeckt. Die Funde stammen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. und geben Einblick in Bestattungsrituale, Gesellschaft und Kunst der jungsteinzeitlichen Bevölkerung.

Auch aus der Bronze- und Eisenzeit sind Siedlungs- und Grabfunde bekannt. Die günstige Lage im Rhonetal, das trockene Klima und die Verkehrsverbindungen über die Alpen förderten eine frühe und dauerhafte Besiedlung.

Keltische Zeit

Vor der römischen Eroberung lebten im zentralen Wallis die Seduner. Sie gehörten zu den vier keltischen beziehungsweise keltisch geprägten Stammesgruppen, die das Wallis bewohnten.

Das Zentrum der Seduner lag wahrscheinlich im Gebiet des heutigen Sitten. Der Stammesname wurde später in den lateinischen Namen Sedunum übernommen.

Die Bevölkerung betrieb Landwirtschaft, Viehzucht, Handwerk und regionalen Handel. Über Alpenpässe bestanden Kontakte in das Gebiet des heutigen Norditaliens und in andere Teile Galliens.

Römerzeit

Die Römer brachten das Wallis im 1. Jahrhundert v. Chr. unter ihre Kontrolle. Nach der Schlacht bei Octodurus im Jahr 57 v. Chr. und weiteren militärischen Unternehmungen wurde das Gebiet schrittweise in das Römische Reich eingegliedert.

Das politische Zentrum der Region lag zunächst in Octodurus, dem späteren Forum Claudii Vallensium. Sedunum entwickelte sich als regionale Siedlung und Verkehrsknotenpunkt weiter.

Römische Strassen führten durch das Rhonetal zu den Alpenpässen. Landwirtschaftliche Güter, Wein, Metalle und andere Waren wurden über diese Routen transportiert.

Aus dem Stadtgebiet stammen Überreste von Gebäuden, Gräbern, Inschriften, Münzen und Gebrauchsgegenständen. Sie belegen eine kontinuierliche Besiedlung während der römischen Herrschaft.

Entstehung des Bischofssitzes

Das Christentum verbreitete sich im Wallis in der Spätantike. Der erste bekannte Bischof des Wallis, Theodor beziehungsweise Theodul, hatte seinen Sitz zunächst in Octodurus.

Spätestens gegen Ende des 6. Jahrhunderts wurde der Bischofssitz nach Sitten verlegt. Die Gründe lagen wahrscheinlich in der sichereren Lage und der zunehmenden politischen Bedeutung des Ortes.

Der Bischof von Sitten entwickelte sich im Mittelalter nicht nur zum geistlichen Oberhaupt, sondern auch zu einem bedeutenden weltlichen Herrscher. Das Bistum wurde zu einem der wichtigsten Machtzentren im Wallis.

Mittelalterliche Stadtentwicklung

Die mittelalterliche Stadt entstand am Fuss der Hügel Valeria und Tourbillon. Der Bischof, das Domkapitel, Adelsfamilien und die Stadtgemeinde teilten sich unterschiedliche Herrschafts- und Besitzrechte.

Auf dem Valeria-Hügel entwickelte sich ein befestigter Bezirk des Domkapitels. Dort standen die Kirche, Wohnhäuser der Chorherren, Wirtschaftsgebäude und Verteidigungsanlagen.

Die Unterstadt war von Mauern, Türmen und Toren umgeben. Enge Gassen verbanden Märkte, Kirchen, Wohnhäuser und Gewerbebetriebe. Die Sionne floss durch die Stadt und diente als Wasserquelle, Abwasserkanal und Energiequelle für Mühlen.

Im Jahr 999 übertrug König Rudolf III. von Burgund dem Bischof von Sitten Grafschaftsrechte im Wallis. Diese Schenkung bildete eine wichtige Grundlage der weltlichen Herrschaft der Fürstbischöfe.

Valeria

Der Valeria-Hügel war seit dem Mittelalter Sitz des Domkapitels. Die dortige Kirche wurde ab dem 11. oder 12. Jahrhundert errichtet und in mehreren Bauphasen erweitert.

Die Anlage vereint romanische und gotische Bauelemente. Sie war von Befestigungen und Wohngebäuden umgeben und bildete eine eigenständige befestigte Siedlung über der Stadt.

Die Kirche besitzt eine historische Orgel, deren älteste Teile wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert stammen. Sie gilt als eine der ältesten noch spielbaren Orgeln der Welt.[4]

Heute trägt die Kirche den Titel Basilica minor. In den ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden befindet sich das Geschichtsmuseum des Kantons Wallis.

Burg Tourbillon

Die Burg Tourbillon wurde um 1300 unter Bischof Boniface de Challant erbaut. Sie diente als befestigte Residenz der Bischöfe von Sitten.[5]

Die Anlage besass Wohngebäude, eine Kapelle, Wehrmauern und Türme. Ihre Lage auf dem hohen Felshügel ermöglichte die Kontrolle über die Stadt und das Rhonetal.

Tourbillon wurde in Konflikten zwischen Bischöfen, lokalen Adelsfamilien und den Walliser Zenden mehrfach belagert oder beschädigt. Nach dem Erwerb der Majorie im 14. Jahrhundert verlor die Burg einen Teil ihrer Bedeutung als Hauptresidenz.

Beim grossen Stadtbrand von 1788 wurde Tourbillon schwer zerstört. Die Anlage wurde danach nicht vollständig wieder aufgebaut und blieb als Ruine erhalten.

Konflikte zwischen Bischof und Zenden

Im Spätmittelalter wuchs die politische Macht der Walliser Talschaften und Zenden. Sie forderten Mitspracherechte gegenüber dem Fürstbischof und den regionalen Adelsfamilien.

Sitten war wiederholt Schauplatz von Machtkämpfen zwischen dem Bischof, dem Domkapitel, der Stadtbevölkerung und den Zenden. Besonders im 14. und 15. Jahrhundert kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

Die Stadt selbst entwickelte kommunale Institutionen, einen Rat und eigene Rechte. Ihre politische Selbstständigkeit blieb jedoch durch die bischöfliche Herrschaft begrenzt.

Die Auseinandersetzungen führten langfristig zu einer politischen Ordnung, in der der Bischof und die sieben oberen Zenden gemeinsam Einfluss ausübten.

Raronhandel

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kam es im Wallis zum sogenannten Raronhandel. Die Familie von Raron, die bedeutende politische und kirchliche Ämter kontrollierte, geriet in Konflikt mit den Gemeinden des Oberwallis.

Sitten war als Bischofssitz und politisches Zentrum unmittelbar betroffen. Burgen und Besitzungen der Familie wurden angegriffen, und eidgenössische Orte griffen zeitweise in den Konflikt ein.

Der Raronhandel schwächte die Stellung des Adels und stärkte die politischen Rechte der Zenden.

Burgunderkriege und eidgenössische Verbindungen

Während der Burgunderkriege kämpften Walliser Truppen an der Seite der Eidgenossen gegen das Herzogtum Savoyen und dessen Verbündete.

Nach dem Sieg in der Schlacht auf der Planta bei Sitten im Jahr 1475 eroberten die Oberwalliser grosse Teile des Unterwallis bis Saint-Maurice. Sitten wurde dadurch zum politischen Zentrum eines erweiterten Walliser Herrschaftsgebiets.

Die Verbindungen zur Eidgenossenschaft wurden enger, obwohl das Wallis zunächst kein vollberechtigter eidgenössischer Ort war.

Frühe Neuzeit

In der frühen Neuzeit war Sitten Sitz des Fürstbischofs, des Landrats und wichtiger kantonaler Institutionen. Die Stadt blieb von Kirche, Verwaltung, Handwerk, Handel und Weinbau geprägt.

Das Wallis war religiös und politisch stark katholisch. Reformatorische Bewegungen fanden auch in Sitten Anhänger, konnten sich jedoch nicht dauerhaft durchsetzen.

Die Jesuiten gründeten Bildungsinstitutionen, die für die katholische Erneuerung und die Ausbildung der regionalen Führungsschicht wichtig wurden.

Sitten wurde mehrfach von Seuchen, Überschwemmungen und Bränden getroffen. Besonders schwer war der Stadtbrand von 1788, der grosse Teile der Stadt sowie die bischöflichen Anlagen Tourbillon und Majorie zerstörte.

Helvetische Republik

1798 marschierten französische Truppen in die Alte Eidgenossenschaft und in das Wallis ein. Die bisherige politische Ordnung wurde aufgehoben.

Das Wallis wurde zunächst Teil der Helvetischen Republik. Die französische Besetzung und die zentralistische Staatsordnung stiessen in Teilen der Bevölkerung auf Widerstand.

Sitten blieb Verwaltungszentrum, verlor aber vorübergehend seine Funktion als Hauptstadt eines selbstständigen Walliser Gemeinwesens.

1802 entstand die formell unabhängige Republik Wallis. 1810 annektierte Napoleon das Gebiet als französisches Département Simplon. Sitten wurde dessen Verwaltungssitz.

Beitritt zur Eidgenossenschaft

Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft trat das Wallis 1815 als Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Sitten wurde offiziell Kantonshauptort.

Die politischen Spannungen zwischen dem konservativen Oberwallis und dem liberaleren Unterwallis blieben bestehen. Sie führten im 19. Jahrhundert wiederholt zu Konflikten.

1840 und 1844 kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen politischen Lagern. Im Sonderbundskrieg von 1847 gehörte das Wallis zum katholisch-konservativen Sonderbund. Nach dessen Niederlage wurde die kantonale Ordnung liberalisiert.

19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert veränderten die Rhonekorrektion, der Strassenbau und die Eisenbahn die wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt.

Die erste Rhonekorrektion verringerte die Überschwemmungsgefahr und ermöglichte die Entwässerung weiter Teile der Talebene. Landwirtschaft, Siedlung und Industrie konnten sich dadurch ausdehnen.

1860 erreichte die Eisenbahn von Westen her Sitten. Die Stadt erhielt bessere Verbindungen nach Lausanne, Genf und später über Brig in Richtung Simplon und Italien.

Ausserhalb der Altstadt entstanden neue Quartiere, öffentliche Gebäude und Verkehrsachsen. Die Stadtmauern verloren ihre militärische Funktion und wurden teilweise abgebrochen.

20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wuchs Sitten stark. Die Stadt dehnte sich in die Rhoneebene aus und entwickelte sich zum Verwaltungs-, Dienstleistungs- und Bildungszentrum des Kantons.

Neue Wohnquartiere entstanden in Vissigen, Champsec, Châteauneuf und anderen Gebieten. Die Eingemeindung von Bramois im Jahr 1968 vergrösserte das Stadtgebiet.

Der Ausbau der Nationalstrasse A9 und der Eisenbahn stärkte die Erreichbarkeit. Gleichzeitig nahm die Bedeutung des Flughafens Sitten für militärische, private und touristische Flüge zu.

Die kantonale Verwaltung, das Spital, Schulen, Banken, Versicherungen und Handelsunternehmen schufen zahlreiche Arbeitsplätze.

Gemeindezusammenschlüsse

Am 1. Januar 1968 wurde die bisher selbstständige Gemeinde Bramois in Sitten eingegliedert.

Am 1. Januar 2013 fusionierte Salins mit Sitten. Die Bevölkerung beider Gemeinden hatte dem Zusammenschluss zuvor zugestimmt.

Am 1. Januar 2017 wurde auch Les Agettes eingemeindet. Dadurch erstreckt sich das Gemeindegebiet seither von der Rhoneebene bis in höhere Berglagen südlich der Stadt.

Die Fusionen stärkten die Stellung Sittens als Zentrum der Agglomeration Mittelwallis und erweiterten den Anteil ländlicher, landwirtschaftlicher und touristischer Gebiete innerhalb der Gemeinde.

Bevölkerung

Sitten ist die bevölkerungsreichste Gemeinde des Kantons Wallis. Die Bevölkerung wuchs besonders seit der Mitte des 20. Jahrhunderts stark.

Jahr Einwohner Bemerkung
1850 4926 Gemeindegebiet vor späteren Eingemeindungen
1900 6048 Beginn stärkerer Ausdehnung ausserhalb der Altstadt
1950 11'770 Wachstum von Verwaltung und Dienstleistungen
1970 21'925 einschliesslich Bramois
1990 24'253 weitere Ausdehnung in der Rhoneebene
2000 27'171 zunehmende Agglomerationsbildung
2010 rund 30'000 vor der Fusion mit Salins
2020 rund 35'000 einschliesslich Salins und Les Agettes
2024 36'624 ständige Wohnbevölkerung

Das Wachstum wurde durch Zuwanderung aus anderen Teilen des Wallis, aus anderen Kantonen und aus dem Ausland getragen. Als kantonaler Hauptort bietet Sitten zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze.

Die Bevölkerungsdichte ist im historischen Zentrum und in den Quartieren der Talebene hoch. In den höher gelegenen Gemeindeteilen Salins und Les Agettes ist die Besiedlung deutlich lockerer.

Sprachen

Französisch ist heute die vorherrschende Sprache der Stadt und der Gemeindeverwaltung.

Sitten lag historisch im Übergangsgebiet zwischen dem französischsprachigen Unterwallis und dem deutschsprachigen Oberwallis. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren sowohl romanische als auch deutsche Sprachformen verbreitet.

Von 1540 bis 1798 war Deutsch offizielle Verwaltungssprache. Danach gewann Französisch zunehmend an Bedeutung und wurde im 19. Jahrhundert zur dominierenden Sprache.[3]

Die Rolle als Kantonshauptort führt dazu, dass Deutsch weiterhin im öffentlichen Leben, in kantonalen Institutionen, im Handel und in der Bildung präsent ist. Viele Bewohnerinnen und Bewohner sind mehrsprachig.

Weitere verbreitete Sprachen sind Portugiesisch, Italienisch, Albanisch, Spanisch und verschiedene Sprachen aus Südosteuropa, Afrika und Asien.

Religion

Sitten ist seit dem Ende des 6. Jahrhunderts Sitz des Bistums Sitten. Die römisch-katholische Kirche prägte die Geschichte, Architektur und Politik der Stadt über Jahrhunderte.

Zum katholischen Erbe gehören die Kathedrale Notre-Dame du Glarier, die Basilika von Valeria, die Allerheiligenkapelle, Klöster, Kapellen und zahlreiche kirchliche Kunstwerke.

Seit dem 19. und 20. Jahrhundert entstanden reformierte Kirchgemeinden und weitere christliche Gemeinschaften. Durch Zuwanderung kamen orthodoxe Kirchen, islamische Gemeinschaften und Angehörige weiterer Religionen hinzu.

Wie in anderen Schweizer Städten nahm der Anteil konfessionsloser Personen in den vergangenen Jahrzehnten zu.

Politik

Gemeindeorganisation

Sitten besitzt als politische Gemeinde eine kommunale Exekutive und ein Gemeindeparlament.

Die Exekutive trägt die französische Bezeichnung Conseil municipal. Sie wird von der Bevölkerung gewählt und von der Stadtpräsidentin oder dem Stadtpräsidenten geleitet.

Das Gemeindeparlament heisst Conseil général. Es berät das Budget, Reglemente, Investitionen, Bauprojekte und weitere kommunale Geschäfte.

Die stimmberechtigte Bevölkerung entscheidet zudem an Urnenabstimmungen über bestimmte Vorlagen und wählt die kommunalen Behörden.

Kantonshauptort

Sitten ist Sitz der wichtigsten Institutionen des Kantons Wallis. Dazu gehören:

  • der Staatsrat;
  • der Grosse Rat;
  • die kantonale Verwaltung;
  • das Kantonsgericht;
  • die Staatsanwaltschaft;
  • das Staatsarchiv;
  • die Kantonspolizei;
  • verschiedene kantonale Fachstellen.

Der Grosse Rat tagt im Grossratsgebäude nahe der Altstadt. Der Staatsrat und Teile der Verwaltung befinden sich in verschiedenen historischen und modernen Gebäuden.

Als Hauptstadt eines zweisprachigen Kantons muss Sitten Dienstleistungen und politische Kommunikation in französischer und deutscher Sprache ermöglichen.

Bezirkshauptort

Sitten ist zugleich Hauptort des Bezirks Sitten. Zum Bezirk gehören neben der Stadt mehrere umliegende Gemeinden.

Die Bezirke besitzen im Wallis vor allem Bedeutung für Justiz, Wahlen und bestimmte Verwaltungsaufgaben.

Wappen

Das Wappen von Sitten zeigt in Rot zwei silberne Sterne über einem silbernen Halbmond.

Die genaue Herkunft des Wappens ist nicht abschliessend geklärt. Sterne und Halbmond erscheinen seit dem Mittelalter auf städtischen Siegeln und Darstellungen.

Das Wappen ist nicht mit dem Wappen des Kantons Wallis zu verwechseln, das dreizehn Sterne auf rotem und weissem Grund zeigt.

Die Farben Rot und Weiss entsprechen zugleich traditionellen Walliser und eidgenössischen Farben.

Wirtschaft

Sitten ist das wirtschaftliche Zentrum des Mittelwallis. In der Gemeinde bestehen rund 3500 Unternehmen und ungefähr ebenso viele Arbeitsplätze wie Einwohnerinnen und Einwohner.[2]

Die Wirtschaft ist stark vom Dienstleistungssektor geprägt. Bedeutende Bereiche sind:

  • öffentliche Verwaltung;
  • Gesundheitswesen;
  • Bildung und Forschung;
  • Banken und Versicherungen;
  • Handel;
  • Tourismus und Gastronomie;
  • Bau- und Immobilienwirtschaft;
  • Energie;
  • Wein- und Lebensmittelwirtschaft;
  • Informations- und Kommunikationstechnik;
  • Verkehr und Logistik.

Viele Beschäftigte pendeln täglich aus anderen Gemeinden des Mittelwallis nach Sitten.

Öffentliche Verwaltung

Als Kantons- und Bezirkshauptort ist Sitten ein bedeutender Verwaltungsstandort. Kanton, Gemeinde und Bund unterhalten zahlreiche Ämter und öffentliche Einrichtungen.

Die Verwaltung schafft direkte Arbeitsplätze und stärkt weitere Branchen wie Beratung, Recht, Informatik, Immobilien und Gastronomie.

Gesundheitswesen

Das Spital Sitten ist der wichtigste Standort des Spitals Wallis im französischsprachigen Kantonsteil. Es bietet medizinische Grundversorgung und spezialisierte Behandlungen.

Im Quartier Champsec befinden sich neben dem Spital weitere Gesundheits-, Forschungs- und Bildungseinrichtungen.

Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen, Therapiezentren und soziale Institutionen ergänzen das medizinische Angebot.

Weinbau

Sitten ist eine der bedeutendsten Weinbaugemeinden der Schweiz. Die trockenen, sonnigen Hänge nördlich und südlich des Rhonetals eignen sich besonders für den Rebbau.

Zu den angebauten Sorten gehören:

  • Chasselas beziehungsweise Fendant;
  • Pinot noir;
  • Gamay;
  • Petite Arvine;
  • Amigne;
  • Cornalin;
  • Humagne rouge;
  • Syrah;
  • Johannisberg.

Traditionelle Trockensteinmauern und Terrassen prägen die Reblandschaft. Die Reben werden teilweise über historische Suonen bewässert.

In der Stadt und den umliegenden Dörfern bestehen zahlreiche Kellereien, Weinhandlungen und Degustationsangebote. Weinbau und Weintourismus sind wichtige Bestandteile der lokalen Identität.

Obst- und Gemüsebau

Die Rhoneebene wird für Obst-, Gemüse- und Spezialkulturen genutzt. Aprikosen, Äpfel, Birnen, Beeren und Gemüse gehören zu den wichtigen Erzeugnissen.

Die Entwässerung der Ebene und künstliche Bewässerung ermöglichten eine intensive Landwirtschaft.

Der Siedlungsdruck führt jedoch zu einem zunehmenden Verlust landwirtschaftlicher Flächen.

Energie und Innovation

Sitten positioniert sich als Standort für Energie-, Umwelt- und Geowissenschaften. Öffentliche Institutionen, Hochschulen und Unternehmen arbeiten an Projekten zu erneuerbaren Energien, Gebäudetechnik, Wasserkraft und Klimaanpassung.

Der Innovationspark Energypolis soll Forschung, Ausbildung und Unternehmen miteinander verbinden.

Die Lage im Alpenraum bietet besondere Voraussetzungen für Forschung zu Naturgefahren, Wasser, Energie und Gebirgsräumen.

Verkehr

= Eisenbahn

Der Bahnhof Sitten liegt an der Simplonstrecke der Schweizerischen Bundesbahnen. Er besitzt direkte Verbindungen nach Brig, Visp, Martigny, Lausanne, Genf und Genf Flughafen.

InterCity-, InterRegio- und Regionalzüge bedienen den Bahnhof. Über Visp bestehen Anschlüsse in Richtung Bern, Zürich, Basel und ins Oberwallis.

Der Bahnhof bildet den wichtigsten Knoten des öffentlichen Verkehrs in der Stadt. Buslinien verbinden ihn mit den Quartieren und den umliegenden Gemeinden.

= Busverkehr

PostAuto und weitere Verkehrsunternehmen betreiben regionale und städtische Linien.

Das Stadtbusnetz verbindet unter anderem:

  • die Altstadt;
  • den Bahnhof;
  • Champsec;
  • Vissigen;
  • Bramois;
  • Uvrier;
  • Châteauneuf;
  • den Flughafen;
  • Salins;
  • Les Agettes;
  • Nachbargemeinden der Agglomeration.

Im Frühjahr 2025 wurde die gesamte städtische Flotte auf Elektrobusse umgestellt. Die 20 Fahrzeuge sollen jährlich rund 400'000 Liter Treibstoff und ungefähr 1000 Tonnen Kohlendioxid einsparen.[6]

= Strassenverkehr

Sitten liegt an der Autobahn A9, die das Rhonetal zwischen Lausanne, Martigny, Sitten, Visp und Brig erschliesst.

Mehrere Anschlüsse führen in die Stadt und zu den Gewerbegebieten. Hauptstrassen verbinden Sitten mit Conthey, Sierre, dem Val d'Hérens, Nendaz, Veysonnaz und den nördlichen Hanggemeinden.

Der motorisierte Verkehr belastet insbesondere die Rhoneebene und die Zufahrten zum Zentrum. Die Stadt fördert deshalb öffentlichen Verkehr, Velowege und Fussverkehr.

Flughafen Sitten

Der Flughafen Sitten liegt westlich des Stadtzentrums in der Rhoneebene. Er wird für Geschäfts-, Privat-, Rettungs-, Schulungs- und touristische Flüge genutzt.

Der Flugplatz war lange ein bedeutender Militärflugplatz der Schweizer Luftwaffe. Die militärische Nutzung wurde reduziert, einzelne Aufgaben und Infrastrukturen blieben jedoch bestehen.

Wegen seiner Lage zwischen hohen Bergen gelten An- und Abflüge als anspruchsvoll. Der Flughafen besitzt eine asphaltierte Hauptpiste und weitere Anlagen.

Pläne für einen Ausbau des Linien- und Charterverkehrs werden regelmässig diskutiert. Lärm, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Umweltfolgen sind dabei umstritten.

Veloverkehr

Der nationale Rhone-Radweg führt durch die Gemeinde. Entlang der Rhone bestehen weitgehend flache Velowege.

Im Stadtgebiet wird das Velonetz schrittweise ausgebaut. Leihvelos und kombinierte Mobilitätsangebote ergänzen den öffentlichen Verkehr.

Die Steigungen zu den Rebbergen, nach Salins und Les Agettes stellen besondere Anforderungen an den Alltagsveloverkehr.

Bildung und Forschung

Sitten ist ein bedeutender Bildungsstandort des Kantons Wallis.

In der Stadt befinden sich Primar- und Orientierungsschulen, Mittelschulen, Berufsschulen, Hochschulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung.

Hochschulen

Die HES-SO Valais-Wallis unterhält in Sitten mehrere Hochschul- und Forschungsstandorte. Schwerpunkte bestehen unter anderem in:

  • Wirtschaft;
  • Informatik;
  • Ingenieurwesen;
  • Gesundheit;
  • Soziale Arbeit;
  • Energie und Umwelt.

Auch die Universität Lausanne, die École polytechnique fédérale de Lausanne und weitere Institutionen betreiben Projekte oder Standorte im Rahmen des Innovationscampus Energypolis.

Die Hochschulstandorte sollen den Wissenstransfer zwischen Forschung, Verwaltung und Wirtschaft fördern.

Mittelschulen und Berufsbildung

Sitten verfügt über französischsprachige Gymnasien und Berufsschulen. Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Mittelwallis besuchen die Einrichtungen.

Die Berufsbildung ist eng mit regionalen Unternehmen, dem Gesundheitswesen, dem Tourismus und der Verwaltung verbunden.

Musik und Kulturvermittlung

Das Kantonale Konservatorium bietet Musikunterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Museen, Bibliotheken und Kulturinstitutionen führen Bildungsprogramme, Führungen und Veranstaltungen durch.

Kultur

Sitten besitzt ein vielfältiges Kulturleben. Historische Bauten, Museen, Theater, Musikveranstaltungen und Festivals verbinden das mittelalterliche Erbe mit zeitgenössischer Kultur.

Zu den wichtigsten Einrichtungen gehören:

  • das Geschichtsmuseum Wallis;
  • das Kunstmuseum Wallis;
  • das Naturmuseum Wallis;
  • das Archäologiemuseum;
  • das Théâtre de Valère;
  • die Ferme-Asile;
  • die Médiathèque Valais;
  • die Fondation Fellini;
  • verschiedene Galerien und Kulturzentren.

Walliser Kantonsmuseen

Die kantonalen Museen verteilen sich auf mehrere historische Gebäude in der Altstadt.

Das Geschichtsmuseum befindet sich auf dem Valeria-Hügel. Es dokumentiert die Geschichte des Wallis von der Frühzeit bis zur Gegenwart.

Das Kunstmuseum ist in den Schlössern Majorie und Vidomnat untergebracht. Seine Sammlung umfasst Kunstwerke mit Bezug zum Wallis und zum Alpenraum.

Das Naturmuseum behandelt Geologie, Tier- und Pflanzenwelt sowie die Entwicklung der alpinen Landschaft.[7]

Sion Festival

Das Sion Festival ist ein internationales Festival für klassische Musik. Es entwickelte sich aus dem von Tibor Varga gegründeten Musikfestival.

Das Programm umfasst Konzerte, Meisterkurse und Wettbewerbe. Spielorte befinden sich in Sitten und weiteren Orten des Wallis.

Ferme-Asile

Die Ferme-Asile ist ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Kultur. Sie befindet sich in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäude in der Rhoneebene.

Das Zentrum organisiert Ausstellungen, Konzerte, Künstleraufenthalte und Vermittlungsprogramme.

Wochenmarkt

Der Wochenmarkt in der Altstadt findet traditionell am Freitag statt. Händler bieten regionale Lebensmittel, Wein, Käse, Fleischwaren, Obst, Gemüse und handwerkliche Produkte an.

Der Markt ist zugleich ein gesellschaftlicher Treffpunkt und eine touristische Attraktion.

Sehenswürdigkeiten

Altstadt

Die Altstadt liegt zwischen dem Bahnhof und den Hügeln Valeria und Tourbillon. Sie besitzt enge Gassen, Plätze, Bürgerhäuser, Kirchen und ehemalige Befestigungsanlagen.

Zu den zentralen Strassen und Plätzen gehören die Rue du Grand-Pont, die Rue des Châteaux, die Place de la Planta und die Place du Midi.

Viele Gebäude wurden nach dem Brand von 1788 neu errichtet oder verändert. Dennoch blieb der mittelalterliche Grundriss weitgehend erhalten.

Basilika von Valeria

Die Basilika von Valeria steht auf dem gleichnamigen Felshügel. Die befestigte Anlage umfasst die Kirche, ehemalige Wohnhäuser der Chorherren, Mauern, Türme und Höfe.

Die Kirche entstand hauptsächlich zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert. Spätere Umbauten ergänzten gotische und barocke Elemente.

Die historische Orgel stammt in ihren ältesten Teilen wahrscheinlich aus der Zeit um 1435. Sie wird weiterhin bei Konzerten und besonderen Anlässen gespielt.

Von Valeria bietet sich ein weiter Blick über die Altstadt, die Rhoneebene und die umliegenden Alpen.

Burg Tourbillon

Die Ruine Tourbillon liegt auf dem höheren der beiden Burghügel. Die Burg wurde um 1300 als Residenz des Bischofs Boniface de Challant errichtet.

Die Anlage wurde beim Stadtbrand von 1788 zerstört. Erhalten sind Wehrmauern, Türme, Wohngebäude und die Kapelle.

Der Hügel ist zugleich ein geschützter Naturraum mit trockenheitsliebender Flora. Der Aufstieg erfolgt zu Fuss von der Altstadt aus.

Kathedrale Notre-Dame du Glarier

Die Kathedrale Notre-Dame du Glarier ist die Hauptkirche des Bistums Sitten. Sie befindet sich am nördlichen Rand der Altstadt.

Der heutige Bau entstand in mehreren Phasen. Der romanische Turm ist älter als das überwiegend gotische Kirchenschiff.

Im Innern befinden sich Kunstwerke, Altäre, Grabdenkmäler und liturgische Gegenstände aus verschiedenen Epochen.

Allerheiligenkapelle

Die Allerheiligenkapelle steht zwischen den Hügeln Valeria und Tourbillon. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Die kleine Kapelle liegt an einem historischen Weg und bildet einen markanten Bestandteil der Kulturlandschaft zwischen den Burgen.

Hexenturm

Der Hexenturm ist ein erhaltener Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Sein französischer Name lautet Tour des Sorciers.

Der Turm diente zeitweise als Gefängnis. Die heutige Bezeichnung erinnert an die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen, obwohl die genaue Nutzung in einzelnen Epochen unterschiedlich war.

Majorie

Die Majorie war seit dem 14. Jahrhundert eine Residenz der Bischöfe von Sitten. Sie liegt am Fuss des Valeria-Hügels.

Nach dem Brand von 1788 wurde die Anlage teilweise wiederhergestellt. Heute beherbergt sie zusammen mit dem benachbarten Vidomnat das Kunstmuseum Wallis.

= Rathaus

Das Rathaus von Sitten steht in der Altstadt an der Rue du Grand-Pont. Der repräsentative Bau stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Die Fassade, der Uhrturm und die Innenräume spiegeln die politische Bedeutung der Stadtgemeinde wider.

Supersaxo-Haus

Das Maison Supersaxo ist ein bedeutendes Renaissancegebäude. Es wurde im frühen 16. Jahrhundert für Georg Supersaxo errichtet, einen einflussreichen Politiker und Gegenspieler von Kardinal Matthäus Schiner.

Besonders bekannt ist die reich geschnitzte und bemalte Decke des Festsaals.

Kirche St. Theodul

Die Kirche St. Theodul steht nahe der Kathedrale und ist dem Walliser Landespatron Theodul gewidmet.

Der spätgotische Bau besitzt ein auffälliges Gewölbe und bedeutende Steinmetzarbeiten.

Petit-Chasseur

Das archäologische Gebiet Petit-Chasseur ist wegen seiner jungsteinzeitlichen Grabanlagen und Stelen international bekannt.

Die Originalfunde werden museal aufbewahrt. Rekonstruktionen und Informationstafeln erinnern vor Ort an die prähistorische Bedeutung des Geländes.

Ortsbild und Denkmalschutz

Die Altstadt von Sitten ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung verzeichnet.

Zahlreiche Gebäude und Anlagen gelten als Kulturgüter von nationaler oder regionaler Bedeutung. Dazu zählen insbesondere Valeria, Tourbillon, die Kathedrale, das Rathaus, die Majorie und das Maison Supersaxo.

Der Schutz des historischen Ortsbilds steht teilweise im Spannungsfeld mit Wohnraumbedarf, Verkehr, Tourismus und wirtschaftlicher Nutzung.

Die Gemeinde und der Kanton fördern Restaurierungen und legen für Umbauten in geschützten Gebieten besondere Anforderungen fest.

Sport

FC Sion

Der FC Sion ist der bekannteste Sportverein der Stadt. Der Fussballclub wurde 1909 gegründet.

Die erste Mannschaft trägt ihre Heimspiele im Stade de Tourbillon aus. Der Verein gewann mehrfach den Schweizer Cup und wurde Schweizer Meister.

Der FC Sion besitzt im gesamten Wallis eine grosse Anhängerschaft. Die Vereinsgeschichte ist zugleich von häufigen Trainerwechseln, rechtlichen Auseinandersetzungen und sportlichen Schwankungen geprägt.

Stade de Tourbillon

Das Stade de Tourbillon liegt östlich des Stadtzentrums. Es wurde in den 1960er-Jahren eröffnet und später mehrfach umgebaut.

Neben Fussballspielen finden dort weitere Sport- und Grossveranstaltungen statt.

Weitere Sportarten

Sitten verfügt über Anlagen für:

  • Leichtathletik;
  • Eishockey;
  • Eislauf;
  • Schwimmen;
  • Tennis;
  • Golf;
  • Radsport;
  • Kampfsport;
  • Turnen.

Der Golfplatz Sitten liegt in der Rhoneebene bei Vissigen. Die 18-Loch-Anlage umfasst rund 42 Hektaren und bietet Sicht auf Valeria und Tourbillon.[8]

Die Nähe zu den Walliser Bergen ermöglicht Wandern, Mountainbiken, Klettern, Skifahren und weitere alpine Sportarten.

Tourismus

Sitten ist ein wichtiges Ziel für Kultur-, Städte- und Weintourismus. Die Stadt dient zugleich als Ausgangspunkt für Reisen in die Walliser Seitentäler und Wintersportgebiete.

Zu den touristischen Angeboten gehören:

  • Führungen durch die Altstadt;
  • Besuche von Valeria und Tourbillon;
  • Weinwanderungen und Degustationen;
  • Museen;
  • Konzerte und Festivals;
  • Wochenmarkt;
  • Wander- und Velorouten;
  • Ausflüge nach Nendaz, Veysonnaz, Crans-Montana und ins Val d'Hérens.

Sitten wird von Schweiz Tourismus als älteste Stadt der Schweiz und als Ausgangspunkt für die Erkundung des Wallis vermarktet.[9]

Die Burghügel bilden das bekannteste Wahrzeichen und erscheinen auf zahlreichen touristischen Darstellungen des Wallis.

Medien

Sitten ist ein wichtiger Medienstandort des französischsprachigen Wallis.

Die Tageszeitung Le Nouvelliste hat ihren Sitz in der Region und berichtet über Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport im gesamten Kanton.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk Radio Télévision Suisse unterhält eine Regionalredaktion. Private Radio- und Fernsehanbieter berichten ebenfalls aus Sitten.

Die kantonale Verwaltung, die Stadt und zahlreiche Institutionen veröffentlichen zweisprachige Informationsangebote.

Persönlichkeiten

Mit Sitten verbunden sind unter anderem:

Städtepartnerschaften

Sitten pflegt Beziehungen zu mehreren Städten und Gemeinden im Ausland. Solche Partnerschaften dienen dem kulturellen, schulischen, politischen und wirtschaftlichen Austausch.

Die konkrete Ausgestaltung der Beziehungen kann sich im Laufe der Zeit verändern und wird von Vereinen, Schulen und kommunalen Behörden getragen.

Chronologie

Zeit oder Jahr Ereignis
5.–3. Jahrtausend v. Chr. Jungsteinzeitliche Siedlungen und Grabanlagen im Gebiet von Sitten
1. Jahrhundert v. Chr. Eingliederung des Gebiets der Seduner in das Römische Reich
Ende des 6. Jahrhunderts Verlegung des Bischofssitzes nach Sitten
859 Erste bekannte Nennung als Sedunum
999 König Rudolf III. überträgt dem Bischof von Sitten Grafschaftsrechte.
11.–13. Jahrhundert Ausbau der befestigten Anlage von Valeria
um 1300 Errichtung der Burg Tourbillon
1415–1420 Raronhandel
1475 Schlacht auf der Planta und Ausweitung der Walliser Herrschaft ins Unterwallis
1540 Deutsch wird offizielle Verwaltungssprache.
1788 Grosser Stadtbrand; Tourbillon und zahlreiche Gebäude werden zerstört.
1798 Ende der alten bischöflich-ständischen Ordnung
1810 Sitten wird Hauptort des französischen Départements Simplon.
1815 Wallis tritt der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei; Sitten bleibt Kantonshauptort.
1860 Anschluss an das Eisenbahnnetz
1968 Eingemeindung von Bramois
2013 Fusion mit Salins
2017 Fusion mit Les Agettes
2025 Umstellung der städtischen Busflotte auf Elektroantrieb

Siehe auch

Literatur

  • François-Olivier Dubuis: Sion. Des origines aux temps modernes. Sitten.
  • Louis Blondel: Les châteaux et le bourg de Sion. Genf.
  • Anne-Marie Dubler: Sitten. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Alain Gallay: Le site préhistorique du Petit-Chasseur à Sion. Lausanne.
  • Grégoire Ghika: La principauté épiscopale de Sion. Sitten.
  • Bernard Truffer: Geschichte des Wallis. Rotten Verlag, Visp.
  • Walliser Kantonsmuseen: Valeria und die Geschichte des Wallis. Sitten.

Einzelnachweise

  1. Bundesamt für Statistik: Demografische Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Gemeinden 2024, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 Stadt Sitten: Découvrir Sion, abgerufen am 26. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Historisches Lexikon der Schweiz: Sitten (Gemeinde), abgerufen am 26. Juli 2026.
  4. Sion Tourisme: Valère, abgerufen am 26. Juli 2026.
  5. Sion Tourisme: Tourbillon, abgerufen am 26. Juli 2026.
  6. Stadt Sitten: Transports publics, abgerufen am 26. Juli 2026.
  7. Sion Tourisme: Museums, abgerufen am 26. Juli 2026.
  8. Wallis Tourismus: Sion Golf Club, abgerufen am 26. Juli 2026.
  9. Schweiz Tourismus: Sion / Sitten, abgerufen am 26. Juli 2026.