Bahnhof Kempraten

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Bahnhof Kempraten
Ort Kempraten, Stadt Rapperswil-Jona
Kanton St. Gallen
Wahlkreis See-Gaster
Staat Schweiz
Koordinaten 47° 14′ 18″ N, 8° 48′ 52″ O
Höhe 419 m ü. M.
Betriebsstellenart Haltestelle
Bahnstrecke Rechtsufrige Zürichseebahn
Streckenkilometer 33,8
Eröffnung Mai 1979
Eigentümer Schweizerische Bundesbahnen
Betreiber Schweizerische Bundesbahnen
Gleise 1
Perrongleise 1
Perrons 1 Seitenperron
Abkürzung KPT
DiDok-Nummer 8503112
Verkehrsverbünde Zürcher Verkehrsverbund, OSTWIND
Tarifzonen ZVV 180
OSTWIND 996
Linie S7

Der Bahnhof Kempraten ist eine Eisenbahnhaltestelle im Ortsteil Kempraten der Stadt Rapperswil-Jona im Wahlkreis See-Gaster des Kantons St. Gallen. Er liegt an der rechtsufrigen Zürichseebahn zwischen den Bahnhöfen Feldbach und Rapperswil SG.

Die Haltestelle wird von der Linie S7 der S-Bahn Zürich bedient. Diese verbindet Kempraten direkt mit den Gemeinden am rechten Zürichseeufer, der Stadt Zürich, dem Flughafengebiet und Winterthur. In der Gegenrichtung ist der Bahnhof Rapperswil in wenigen Minuten erreichbar.[1]

Obwohl die Anlage allgemein als Bahnhof bezeichnet wird, handelt es sich im eisenbahnbetrieblichen Sinn um eine Haltestelle. Sie besitzt ein durchgehendes Gleis, einen Seitenperron und keine Weichen oder Möglichkeiten für Zugkreuzungen.

Name

Die Station trägt den Namen des historischen Kirchdorfs Kempraten. Der Ortsname geht auf die römische Siedlung Centum Prata zurück, die sich im Gebiet der heutigen Kempratner Bucht befand. Aus Centum Prata, lateinisch für «hundert Wiesen», entwickelte sich im Verlauf der Jahrhunderte die Bezeichnung Kempraten.

Vor der Gemeindefusion von Rapperswil und Jona im Jahr 2007 gehörte Kempraten zur politischen Gemeinde Jona. Die Station wurde daher ursprünglich als Haltestelle innerhalb des Gemeindegebiets von Jona eröffnet.

Die betriebliche Abkürzung lautet KPT. Die schweizerische DiDok-Nummer und internationale UIC-Stationsnummer ist 8503112.[2]

Lage

Der Bahnhof liegt im nördlichen Teil des zusammenhängenden Siedlungsgebiets von Rapperswil-Jona auf rund 419 Metern über Meer. Er befindet sich nahe dem historischen Ortskern von Kempraten und nur wenige hundert Meter von der Kempratner Bucht am oberen Zürichsee entfernt.

Die Bahnstrecke verläuft im Bereich der Station ungefähr von Nordwesten nach Südosten. In Richtung Zürich folgt der Bahnhof Feldbach in der Gemeinde Hombrechtikon. Südöstlich führt das Gleis zum Bahnhof Rapperswil, dem wichtigsten Eisenbahnknoten der Region.

Die Umgebung ist überwiegend durch Wohnquartiere geprägt. In kurzer Gehdistanz liegen die katholische Kirche St. Franziskus, das Franziskuszentrum, Quartiergeschäfte und verschiedene öffentliche Einrichtungen. Weiter südlich befinden sich das Stadtzentrum von Rapperswil, der Knies Kinderzoo und die Anlagen der Ostschweizer Fachhochschule.

Der Zugang zum Perron erfolgt von der Zürcherstrasse beziehungsweise der Belsitostrasse. Die gleichnamige Bushaltestelle Kempraten, Bahnhof liegt in unmittelbarer Nähe der Bahnstation.

Geschichte

Rechtsufrige Zürichseebahn

Die Schweizerische Nordostbahn eröffnete 1894 die rechtsufrige Zürichseebahn von Zürich Stadelhofen über Meilen und Stäfa nach Rapperswil. Die neue Strecke erschloss die Gemeinden am nordöstlichen Ufer des Zürichsees und schuf eine zweite Bahnverbindung zwischen Zürich und Rapperswil.[3]

Die Bahnlinie führte von Anfang an durch Kempraten. Eine eigene Station wurde dort zunächst jedoch nicht eingerichtet. Zwischen Feldbach und Rapperswil verkehrten die Züge während mehr als acht Jahrzehnten ohne Zwischenhalt.

Mit der Verstaatlichung der Nordostbahn ging die Strecke 1902 an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über. Die SBB elektrifizierten die Verbindung Zürich–Meilen–Rapperswil im Jahr 1926 mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt Wechselstrom und einer Frequenz von heute 16,7 Hertz.[4]

Entstehung der Haltestelle

Während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchsen Jona, Kempraten und Rapperswil stark. Auf den zuvor landwirtschaftlich genutzten Flächen entstanden ausgedehnte Wohnquartiere. Dadurch nahm die Entfernung vieler Einwohnerinnen und Einwohner zum Bahnhof Rapperswil beziehungsweise zu den benachbarten Bahnhöfen zu.

Zur Verbesserung der lokalen Erschliessung beschlossen die SBB und die beteiligten Gemeinwesen, in Jona zwei zusätzliche Haltestellen einzurichten. Neben der Station Jona an der Strecke Rapperswil–Uster entstand an der rechtsufrigen Zürichseebahn die Haltestelle Kempraten.

Die Stationen Jona und Kempraten wurden am 26. Mai 1979 feierlich eingeweiht.[5] Mit dem Fahrplanwechsel Ende Mai 1979 begann der fahrplanmässige Personenverkehr.

Kempraten wurde von Anfang an als unbediente Haltestelle ohne Aufnahmegebäude konzipiert. Die einfache Anlage bestand aus einem Seitenperron mit Warteunterstand und den für den Selbstbedienungsbetrieb erforderlichen Einrichtungen.

Zürcher S-Bahn

Mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich und des Zürcher Verkehrsverbunds am 27. Mai 1990 wurde Kempraten in das neue, vertaktete S-Bahn-Netz aufgenommen.

Die Linie auf der rechten Seeseite wurde im Verlauf der folgenden Jahrzehnte mehrfach neu geordnet. Kempraten wurde schliesslich der S7 zugeteilt, die von Rapperswil über Stäfa, Meilen, Zürich Stadelhofen und Zürich Hauptbahnhof nach Winterthur verkehrt.

Die S-Bahn verbesserte die Verbindung Kempratens mit Zürich erheblich. Durch den regelmässigen Takt entwickelte sich die Haltestelle zu einem wichtigen Zugang zum öffentlichen Verkehr für die Wohngebiete Kempraten, Lenggis und Meienberg.

Anlage

Der Bahnhof Kempraten liegt an einem eingleisigen Abschnitt der rechtsufrigen Zürichseebahn. Er besitzt ein durchgehendes Streckengleis und einen auf der nordöstlichen Seite angeordneten Seitenperron.

Da keine Weichen vorhanden sind, können Züge in Kempraten weder kreuzen noch wenden oder überholt werden. Die nächstgelegenen Bahnhöfe mit umfangreicheren Gleisanlagen befinden sich in Stäfa und Rapperswil.

Der Zugang zum Perron erfolgt direkt und ohne Gleisquerung. Zur Ausstattung gehören:

  • ein gedeckter Wartebereich;
  • Sitzgelegenheiten;
  • Fahrgastinformationen;
  • Beleuchtungsanlagen;
  • Lautsprecher für betriebliche Durchsagen;
  • ein Billettautomat;
  • Veloabstellplätze.

Ein Aufnahmegebäude, ein bedienter Billettschalter, Einkaufsgeschäfte oder Schliessfächer bestehen nicht. Billette können am Automaten sowie über die digitalen Vertriebskanäle der SBB, des ZVV und des Tarifverbunds OSTWIND erworben werden.

Ausstattung und kombinierte Mobilität

Nach Angaben der SBB stehen beim Bahnhof 60 gedeckte Veloabstellplätze zur Verfügung. Die P+Rail-Anlage auf Gemeindegebiet umfasst 90 Parkplätze.[6]

Ausserdem befindet sich beim Bahnhof ein Standort des Carsharing-Unternehmens Mobility. Die Kombination aus Bahn, Bus, Velo, Auto und Carsharing erweitert das Einzugsgebiet der Haltestelle auf die umliegenden Wohnquartiere.

Bahnverkehr

Im Fahrplanjahr 2026 wird Kempraten von der S7 der S-Bahn Zürich bedient:[1]

Die S7 verkehrt grundsätzlich im Halbstundentakt. Der Bahnhof Rapperswil wird in wenigen Minuten erreicht. Dort bestehen Anschlüsse an den Fernverkehr und an S-Bahn-Linien in Richtung Zürich über Uster, Pfäffikon SZ, Ziegelbrücke, Wattwil und das Zürcher Oberland.

In Richtung Zürich bietet die S7 direkte Verbindungen zu den Gemeinden am rechten Zürichseeufer. Zürich Hauptbahnhof, Zürich Oerlikon und Winterthur sind ohne Umsteigen erreichbar.

Die benachbarten Stationen sind:

Busverkehr

Die nahe gelegene Bushaltestelle Kempraten, Bahnhof wird im Fahrplanjahr 2026 von zwei Linien bedient:[7]

Die Linie 994 gehört zum Stadtbusnetz von Rapperswil-Jona und übernimmt vor allem die Feinerschliessung der städtischen Quartiere. Die Linie 885 verbindet Kempraten mit dem Zürcher Oberland und dem Ausflugsgebiet Atzmännig.

Im Sommer und Herbst 2026 liess die Stadt Rapperswil-Jona die beiden Haltekanten der Bushaltestelle Bahnhof Kempraten hindernisfrei ausbauen. Die Haltekanten wurden dabei auf 22 Zentimeter erhöht und mit speziellen Randsteinen ausgestattet.[8]

Tarif

Kempraten liegt im Überschneidungsbereich zweier Tarifverbünde. Im Zürcher Verkehrsverbund gehört die Station zur Zone 180.[9]

Im Tarifverbund OSTWIND liegt Kempraten in der Zone 996.[10]

Diese doppelte Zuordnung erleichtert Fahrten sowohl in Richtung Zürich als auch innerhalb der Ostschweiz. Je nach Ausgangs- und Zielort gelten ZVV-, OSTWIND-, Z-Pass- oder nationale Fahrausweise. Das Generalabonnement und das Halbtax-Abonnement werden anerkannt.

Bedeutung

Der Bahnhof Kempraten ist ein wichtiger Zugang zum öffentlichen Verkehr für den nordwestlichen Teil von Rapperswil-Jona. Sein Einzugsgebiet umfasst insbesondere die Quartiere Kempraten, Lenggis und Meienberg.

Die direkte Verbindung nach Zürich ist vor allem für Berufspendlerinnen und Berufspendler von Bedeutung. Gleichzeitig ermöglicht die Nähe zum Bahnhof Rapperswil gute Anschlüsse in die Kantone St. Gallen, Schwyz und Glarus.

Die Haltestelle besitzt auch für den Ausbildungs- und Freizeitverkehr Bedeutung. Von Kempraten sind die Uferwege am Zürichsee, die Kempratner Bucht, der historische Ortskern und das Gebiet der römischen Siedlung Centum Prata erreichbar.

Die Stadt Rapperswil-Jona betrachtet das Umfeld des Bahnhofs als mögliches Teilzentrum. In der kommunalen Ortsplanung wird eine bessere Nutzung und städtebauliche Aufwertung des heute vergleichsweise locker bebauten Bahnhofgebiets untersucht.[11]

Siehe auch

Literatur

  • Beat Frei: Jona – Die Geschichte. Gemeinde Jona, Jona 2004.
  • Eugen Halter: Geschichte der Gemeinde Jona. Schweizer Verlagshaus, Zürich 1970.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
  • Schweers + Wall: Eisenbahnatlas Schweiz. Schweers + Wall, Köln 2012, ISBN 978-3-89494-130-7.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Linienfahrplan S7, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 4. August 2026.
  2. Dienststellen gemäss opentransportdata.swiss, SBB Open Data, abgerufen am 4. August 2026.
  3. Geschichte des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 4. August 2026.
  4. Inventar der überkommunalen Schutzobjekte, SBB-Anlagen der Stadt Zürich, Kanton Zürich, abgerufen am 4. August 2026.
  5. Ansprache von Landammann Willy Herrmann anlässlich der Einweihung der Stationen Jona und Kempraten am 26. Mai 1979, Staatsarchiv St. Gallen, abgerufen am 4. August 2026.
  6. Bahnhof Kempraten, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.
  7. Haltestellenfahrplan Kempraten, Bahnhof, Zürcher Verkehrsverbund, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026, abgerufen am 4. August 2026.
  8. Stadt baut Bushaltestellen in Kempraten hindernisfrei um, Stadt Rapperswil-Jona, 9. Juli 2026, abgerufen am 4. August 2026.
  9. Regionalnetz und Tarifzonen des ZVV, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 4. August 2026.
  10. OSTWIND-Zonenplan 2026, Tarifverbund OSTWIND, abgerufen am 4. August 2026.
  11. Schlussbericht Testplanung Ortsplanungsrevision Rapperswil-Jona, Stadt Rapperswil-Jona, März 2023, abgerufen am 4. August 2026.