Zürcher Unterland

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Zürcher Unterland
Schweizerdeutsch Züri-Underland
Staat Schweiz
Kanton Zürich
Lage Norden und Nordwesten des Kantons Zürich
Wichtige Bezirke Bülach und Dielsdorf
Regionales Zentrum Bülach
Weitere Zentren Dielsdorf, Eglisau, Embrach und teilweise Kloten
Wichtige Landschaften Rafzerfeld, Wehntal, Embrachertal, unteres Glatttal und Lägerngebiet
Gewässer Rhein, Glatt, Töss und Fisibach
Höchste markante Erhebung Lägern
Raumplanungsverband Planungsgruppe Zürcher Unterland
Mitgliedsgemeinden der Planungsregion 30
Verkehrsknoten Bülach, Oberglatt, Embrach-Rorbas, Eglisau und Zürich Flughafen

Das Zürcher Unterland ist eine historisch, geografisch und kulturell geprägte Region im Norden und Nordwesten des Kantons Zürich. Es umfasst im allgemeinen Sprachgebrauch grosse Teile der Bezirke Bülach und Dielsdorf. Die genaue Abgrenzung hängt jedoch vom jeweiligen Zusammenhang ab. Die kulturgeografische Region ist weiter gefasst als die offizielle Raumplanungsregion der Planungsgruppe Zürcher Unterland.

Das Gebiet reicht von den nördlichen Stadt- und Agglomerationsräumen Zürichs bis zum Rhein und zur deutschen Grenze. Im Westen wird es durch die Lägern, das Wehntal und die Grenze zum Kanton Aargau geprägt. Im Osten bilden die Töss, das Zürcher Weinland und die Grenze zum Kanton Schaffhausen wichtige Übergangsräume.

Bülach ist das bedeutendste regionale Zentrum. Die Stadt erfüllt zentrale Funktionen in Verwaltung, Gesundheitswesen, Bildung, Handel und Verkehr. Dielsdorf ist Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Weitere Orte mit regionaler Bedeutung sind Eglisau, Embrach, Kloten, Oberglatt und Rafz.

Das Zürcher Unterland weist starke landschaftliche und wirtschaftliche Gegensätze auf. Während die südlichen Gebiete eng mit der Agglomeration Zürich und dem Flughafen verbunden sind, besitzen das Rafzerfeld, das Wehntal und die Gemeinden am Rhein weiterhin einen ausgeprägt ländlichen Charakter. Landwirtschaft, Weinbau, Kiesabbau, Industrie, Logistik und Dienstleistungen liegen auf vergleichsweise engem Raum nebeneinander.

Die Region gehört seit Jahrzehnten zu den am stärksten wachsenden Gebieten des Kantons Zürich. Neue Wohnquartiere, Arbeitsplätze und Verkehrsanlagen verändern zahlreiche Gemeinden. Gleichzeitig besitzt das Unterland mit dem Neeracherried, dem Rhein, den Auen von Glatt und Töss, den Wäldern der Lägern und der offenen Landschaft des Rafzerfelds bedeutende Natur- und Erholungsräume.

Name

Der Name Zürcher Unterland bezeichnet aus der Sicht der Stadt Zürich und der höher gelegenen südöstlichen Kantonsgebiete das tiefer gelegene Land im Norden des Kantons.

Der Landschaftsname ist nicht mit einer politischen oder historischen Verwaltungseinheit gleichzusetzen. Er entwickelte sich als geografische und regionale Sammelbezeichnung.

Auf Schweizerdeutsch wird die Region meist Züri-Underland oder verkürzt s Underland genannt. Die Einwohnerinnen und Einwohner werden als Unterländerinnen und Unterländer bezeichnet.

Der Name erscheint in zahlreichen Bezeichnungen regionaler Institutionen, Unternehmen, Vereine und Medien, darunter:

  • Kantonsschule Zürcher Unterland;
  • Spital Bülach;
  • Zürcher Unterländer;
  • Planungsgruppe Zürcher Unterland;
  • Standort Zürcher Unterland;
  • Tourismusregion Züri-Unterland;
  • verschiedene Sport-, Kultur- und Wirtschaftsorganisationen.

Abgrenzung

Allgemeine Abgrenzung

Im allgemeinen geografischen Verständnis umfasst das Zürcher Unterland im Wesentlichen die Bezirke Bülach und Dielsdorf.

Im Süden bestehen fliessende Übergänge zum Glatttal, zum Furttal und zur Stadt Zürich. Gemeinden wie Kloten, Opfikon, Rümlang, Bassersdorf, Dietlikon, Wallisellen und Regensdorf werden je nach Zusammenhang dem Unterland, dem Glatttal, dem Furttal oder der Agglomeration Zürich zugerechnet.

Das Rafzerfeld nördlich des Rheins gehört trotz seiner geografischen Abtrennung in der Regel zum Zürcher Unterland.

Das Zürcher Weinland beginnt östlich beziehungsweise nordöstlich der Töss. Auch dort ist die Grenze nicht überall eindeutig.

Raumplanungsregion

Die offizielle Raumplanungsregion wird durch die Planungsgruppe Zürcher Unterland, abgekürzt PZU, gebildet. Der Zweckverband umfasst 30 Gemeinden.[1]

Die Planungsregion ist kleiner als das Gebiet der beiden Bezirke Bülach und Dielsdorf. Mehrere südliche Gemeinden gehören raumplanerisch zum Glattal oder zum Furttal.

Die Mitgliedsgemeinden der PZU sind:

Bezirk Mitgliedsgemeinden
Bezirk Bülach Bachenbülach, Bülach, Eglisau, Embrach, Freienstein-Teufen, Glattfelden, Hochfelden, Höri, Hüntwangen, Lufingen, Oberembrach, Rafz, Rorbas, Wasterkingen, Weiach, Wil ZH und Winkel
Bezirk Dielsdorf Bachs, Dielsdorf, Neerach, Niederglatt, Niederhasli, Niederweningen, Oberglatt, Oberweningen, Regensberg, Schleinikon, Schöfflisdorf, Stadel und Steinmaur

Nicht zur PZU gehören unter anderem Kloten, Bassersdorf, Nürensdorf, Opfikon und Wallisellen, die der Planungsregion Glattal zugeteilt sind. Die Gemeinden des Furttals bilden ebenfalls eine eigene Planungsregion.

Unterland-Furttal

Bei Verkehrs- und Agglomerationsplanungen werden Zürcher Unterland und Furttal teilweise gemeinsam behandelt.

Das regionale Gesamtverkehrskonzept Zürcher Unterland plus und das Agglomerationsprogramm Unterland-Furttal stimmen Siedlung, Strassenverkehr, öffentlichen Verkehr sowie Fuss- und Veloverkehr über die Grenzen der einzelnen Planungsregionen hinweg ab.[2]

Geografie

Lage

Das Zürcher Unterland liegt zwischen der Stadt Zürich und der deutschen Grenze.

Es grenzt:

  • im Norden an den Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg;
  • im Nordosten an den Kanton Schaffhausen;
  • im Osten an das Zürcher Weinland;
  • im Südosten an das Glatttal;
  • im Süden an die Stadt Zürich und das Furttal;
  • im Südwesten an das Limmattal;
  • im Westen an den Kanton Aargau.

Der Rhein bildet über weite Strecken die Landesgrenze zu Deutschland. Im Raum Eglisau und Glattfelden durchschneidet er das Gebiet in einem tief eingeschnittenen Tal.

Landschaftsräume

Das Zürcher Unterland gliedert sich in mehrere charakteristische Landschaftsräume.

Landschaftsraum Charakter Bedeutende Orte
Unteres Glatttal Talraum der Glatt mit Siedlungen, Landwirtschaft, Industrie und Verkehrsanlagen Oberglatt, Niederglatt, Höri, Bülach und Glattfelden
Embrachertal Breites Seitental mit Siedlungs- und Landwirtschaftsflächen Embrach, Oberembrach, Lufingen und Rorbas
Rafzerfeld Offene, landwirtschaftlich geprägte Hochterrasse nördlich des Rheins Rafz, Wil, Hüntwangen und Wasterkingen
Wehntal Langgestrecktes Tal nördlich der Lägern Dielsdorf, Steinmaur, Schöfflisdorf, Oberweningen und Niederweningen
Lägerngebiet Bewaldeter Jurahöhenzug mit Rebbergen, Felsen und Aussichtspunkten Regensberg, Dielsdorf und Gemeinden des westlichen Unterlands
Rheinlandschaft Flusstal mit Auen, Rebbergen, Kraftwerken und historischen Siedlungen Eglisau, Glattfelden, Weiach und das Rafzerfeld
Stader Ebene Landwirtschaftlich genutzte Senke zwischen Neerach, Stadel und Weiach Neerach, Stadel, Bachs und Weiach

Rhein

Der Rhein ist das grösste Gewässer des Zürcher Unterlands.

Er tritt östlich von Eglisau in die Region ein und fliesst in westlicher Richtung zum Kanton Aargau. Nördlich des Flusses liegt das Rafzerfeld, das nur über den Rhein oder durch Gebiete des Kantons Schaffhausen mit dem übrigen Kanton Zürich verbunden ist.

Der Rhein dient:

  • als Landesgrenze;
  • der Stromerzeugung;
  • dem Hochwasserschutz;
  • der Fischerei;
  • der Trink- und Brauchwasserversorgung;
  • der Naherholung;
  • als Lebensraum und Wanderkorridor.

Bei Eglisau überspannen Eisenbahn- und Strassenbrücken das tief eingeschnittene Rheintal.

Das Kraftwerk Eglisau-Glattfelden nutzt die Wasserkraft des Rheins. Der dadurch aufgestaute Fluss prägt das heutige Landschaftsbild.

Glatt

Die Glatt fliesst vom Greifensee durch das Glatttal und erreicht bei Oberglatt das Zürcher Unterland.

Sie durchquert Niederglatt, Höri, Bülach und Glattfelden und mündet bei Rheinsfelden in den Rhein.

Die Glatt wurde im 19. und 20. Jahrhundert begradigt und eingedämmt. Die Korrektionen dienten dem Hochwasserschutz und der Gewinnung von Landwirtschafts- und Siedlungsflächen.

Heute werden einzelne Abschnitte ökologisch aufgewertet. Revitalisierungen sollen naturnahe Ufer, Fischlebensräume und bessere Verbindungen zwischen Fluss und Auen schaffen.

Töss

Die Töss bildet im Osten des Unterlands einen wichtigen Landschafts- und Grenzraum.

Sie fliesst durch Rorbas und Freienstein-Teufen und mündet bei Teufen beziehungsweise Tössegg in den Rhein.

Das Gebiet an der Tössegg ist ein bekanntes Ausflugsziel. Hier treffen Rhein, Töss, bewaldete Hänge und Rebberge aufeinander.

Die Töss führte früher häufig Hochwasser und transportierte grosse Mengen Kies. Flusskorrektionen und Kiesentnahmen veränderten ihr Bett.

Fisibach

Der Fisibach entwässert Teile des westlichen Unterlands und mündet im Kanton Aargau in den Rhein.

Sein Einzugsgebiet umfasst unter anderem Bachs, Stadel und Weiach.

Der Bach verläuft durch eine weitgehend ländliche Landschaft und besitzt Bedeutung für die ökologische Vernetzung.

Lägern

Die Lägern ist ein schmaler, bewaldeter Höhenzug zwischen Baden und Dielsdorf.

Sie bildet den östlichsten Ausläufer des Faltenjuras und unterscheidet sich geologisch deutlich von den Molasse- und Schotterlandschaften des übrigen Unterlands.

Der höchste Bereich liegt im Kanton Aargau. Auf Zürcher Gebiet prägen unter anderem der Hochwacht- und Regensbergraum die Landschaft.

Die Lägern ist ein wichtiges:

  • Naherholungsgebiet;
  • Waldgebiet;
  • geologisches Anschauungsobjekt;
  • Rebbaugebiet an den sonnigen Hängen;
  • Landschaftselement von regionaler Bedeutung.

Der Lägerngratweg führt teilweise über schmale und felsige Abschnitte.

Rafzerfeld

Das Rafzerfeld liegt nördlich des Rheins zwischen dem Kanton Schaffhausen, Deutschland und dem Rhein.

Die Landschaft wird durch fruchtbare Böden, grosse Ackerflächen, Dörfer und Kiesabbaugebiete geprägt.

Das Rafzerfeld ist eines der bedeutenden Landwirtschaftsgebiete des Kantons Zürich. Angebaut werden unter anderem Getreide, Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln, Gemüse und Ölsaaten.

Die offenen Flächen besitzen zugleich Bedeutung für Feldvögel und andere Tierarten der Kulturlandschaft.

Wehntal

Das Wehntal liegt zwischen der Lägern im Süden und den bewaldeten Höhen des Eggwalds und des Stadlerbergs im Norden.

Der Talboden wird landwirtschaftlich genutzt und von einer Kette historischer Dörfer geprägt.

Die Eisenbahnlinie nach Niederweningen erschliesst das Tal und verbindet es mit Dielsdorf, Regensdorf und Zürich.

In Niederweningen wurden bedeutende Überreste eiszeitlicher Mammuts gefunden. Das Mammutmuseum vermittelt die geologische und naturgeschichtliche Entwicklung des Tals.

Geologie

Das Zürcher Unterland besitzt eine vielfältige Geologie.

Grosse Teile des Gebiets bestehen aus Ablagerungen der Molassezeit sowie aus eiszeitlichen Moränen, Schottern und Seesedimenten.

Während der Eiszeiten bedeckten Rhein-, Linth- und Reussgletscher Teile der Region. Schmelzwasserflüsse lagerten mächtige Kieskörper ab.

Diese Ablagerungen sind heute von grosser Bedeutung für:

  • Grundwasservorkommen;
  • Kies- und Sandabbau;
  • Landwirtschaft;
  • Siedlungsbau;
  • Verkehrswege.

Die Lägern besteht dagegen aus gefalteten Kalk- und Mergelschichten des Juras. Ihre Entstehung hängt mit der Auffaltung des Juragebirges zusammen.

Unter der Region liegen mächtige Schichten aus Opalinuston. Diese werden im Zusammenhang mit dem geplanten geologischen Tiefenlager Nördlich Lägern wissenschaftlich untersucht.

Klima

Das Zürcher Unterland besitzt ein gemässigtes mitteleuropäisches Klima.

Die tieferen Lagen gehören zu den vergleichsweise warmen und trockenen Gebieten des Kantons Zürich. Im Winter treten häufig Nebel und Hochnebel auf.

Das Rafzerfeld und die sonnigen Hänge am Rhein und an der Lägern eignen sich für Acker- und Weinbau.

Die Lägern und andere Höhenzüge beeinflussen Wind und Niederschlag. In den offenen Ebenen können Bise und Westwind stark spürbar sein.

Der Klimawandel führt zu:

  • steigenden Durchschnittstemperaturen;
  • häufigeren Hitzetagen;
  • längeren Trockenperioden;
  • stärkeren Starkniederschlägen;
  • Belastungen für Landwirtschaft und Wälder;
  • erhöhtem Kühlungsbedarf in dicht bebauten Gebieten.

Natur und Landschaft

Neeracherried

Das Neeracherried liegt zwischen Neerach, Höri und Niederglatt.

Es ist eines der bedeutendsten Flachmoore und Vogelschutzgebiete des Schweizer Mittellands.

Das Gebiet umfasst:

  • Riedwiesen;
  • Schilfflächen;
  • Flachgewässer;
  • Feuchtwiesen;
  • Gräben;
  • Hecken und Gehölze.

Es bietet Lebensraum für Brut- und Zugvögel, Amphibien, Libellen, Schmetterlinge und seltene Pflanzen.

Das BirdLife-Naturzentrum Neeracherried ermöglicht Beobachtungen aus geschützten Einrichtungen, ohne die Tiere stark zu stören.

Rheinauen

Am Rhein bestehen Auenreste, Kiesufer, Inseln, Altarme und Uferwälder.

Bedeutende Naturräume liegen unter anderem:

  • bei der Tössegg;
  • bei Glattfelden und Rheinsfelden;
  • im Raum Eglisau;
  • entlang der Grenze zu Deutschland.

Wasserstandsregulierung, Kraftwerke und Uferverbauungen schränken die natürliche Flussdynamik ein. Ökologische Aufwertungen sollen verbliebene Lebensräume erhalten und miteinander verbinden.

Wälder

Grössere Waldgebiete befinden sich:

  • auf der Lägern;
  • im Eggwald;
  • am Stadlerberg;
  • auf den Höhen zwischen Embrachertal und Rhein;
  • entlang von Töss und Glatt;
  • an den Hängen des Rheintals.

Die Wälder dienen der Holzproduktion, dem Schutz des Bodens, der Grundwasserbildung, dem Naturschutz und der Erholung.

Landwirtschaftliche Lebensräume

Ackerflächen, Rebberge, Obstgärten, Hecken und extensiv genutzte Wiesen bilden wichtige Lebensräume.

Die Intensivierung der Landwirtschaft führte jedoch zu einem Rückgang vieler Arten der offenen Kulturlandschaft.

Förderprogramme unterstützen:

  • Buntbrachen;
  • Hecken;
  • Hochstamm-Obstbäume;
  • extensiv genutzte Wiesen;
  • Ackersäume;
  • Feuchtflächen;
  • Vernetzungskorridore.

Bevölkerung und Siedlung

Das Zürcher Unterland gehört zu den wachstumsstärksten Regionen des Kantons Zürich.

Besonders stark entwickelten sich seit dem späten 20. Jahrhundert:

  • Bülach;
  • Oberglatt;
  • Niederglatt;
  • Niederhasli;
  • Bachenbülach;
  • Embrach;
  • Winkel;
  • Lufingen;
  • Gemeinden im Umfeld des Flughafens.

Ende 2025 lebten im gesamten Kanton Zürich rund 1,63 Millionen Menschen. Das Unterland verzeichnete innerhalb des vorangegangenen Jahrzehnts mit rund 16 Prozent das stärkste prozentuale Bevölkerungswachstum aller Zürcher Regionen.[3]

Die Bevölkerungsdichte unterscheidet sich stark. Bülach und die südlichen Agglomerationsgemeinden besitzen städtische Wohngebiete, während Bachs, Regensberg, Wasterkingen und andere kleinere Gemeinden ländlich geprägt bleiben.

Das Wachstum führt zu einem steigenden Bedarf an:

  • Wohnungen;
  • Schulen und Kindergärten;
  • öffentlichem Verkehr;
  • Strassen und Velowegen;
  • Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen;
  • Freizeit- und Sportanlagen;
  • Grünräumen.

Die Raumplanung konzentriert einen grossen Teil der weiteren Entwicklung auf gut erschlossene Zentren und Bahnhofsgebiete. Aus kantonaler Sicht besitzt der Raum Bülach eine besondere Bedeutung für die Siedlungsentwicklung.

Sprache und regionale Identität

Im Zürcher Unterland wird traditionell Zürichdeutsch gesprochen.

Die Dialekte weisen örtliche Unterschiede und Einflüsse aus den benachbarten Regionen Aargau, Schaffhausen und Süddeutschland auf.

Die regionale Identität wird geprägt durch:

  • die Lage zwischen Zürich und dem Rhein;
  • historische Landstädtchen und Bauerndörfer;
  • Landwirtschaft und Weinbau;
  • den Flughafen;
  • lokale Vereine;
  • regionale Medien;
  • gemeinsame Verkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen.

Die Nähe zur Stadt Zürich führte zu einer starken gesellschaftlichen und sprachlichen Durchmischung. Dennoch wird die Bezeichnung Unterländer weiterhin häufig als regionale Selbstbezeichnung verwendet.

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Das Zürcher Unterland war bereits in der Steinzeit besiedelt.

Funde belegen menschliche Tätigkeiten in Flusstälern, an See- und Moorgebieten sowie auf geschützten Höhen.

Aus der Bronze- und Eisenzeit sind Siedlungen, Grabhügel, Befestigungen und einzelne Fundgegenstände bekannt.

Die fruchtbaren Böden und die Verkehrswege entlang von Rhein, Glatt und Töss begünstigten die Besiedlung.

Römerzeit

Während der Römerzeit gehörte das Gebiet zum Hinterland der Rheingrenze.

Römische Strassen verbanden:

  • Vindonissa;
  • Turicum;
  • Vitudurum;
  • den Rhein;
  • verschiedene Gutshöfe und Siedlungen.

Im Unterland bestanden mehrere römische Gutshöfe. Sie produzierten Getreide, Fleisch, Wein und andere Güter für regionale Märkte und militärische Einrichtungen.

Nach dem Rückzug der römischen Verwaltung im 5. Jahrhundert siedelten sich alemannische Bevölkerungsgruppen an.

Mittelalter

Im Mittelalter war das Gebiet auf verschiedene Herrschaften verteilt.

Bedeutenden Einfluss besassen:

  • die Grafen von Kyburg;
  • die Habsburger;
  • die Freiherren von Regensberg;
  • die Herren von Tengen;
  • das Kloster St. Gallen;
  • das Kloster Rheinau;
  • das Grossmünster und das Fraumünster in Zürich;
  • lokale Ritter- und Ministerialengeschlechter.

Bülach, Eglisau und Regensberg entwickelten sich zu befestigten Kleinstädten.

Die Stadt Zürich erwarb im 15. Jahrhundert schrittweise Herrschaftsrechte im Unterland. Teile des Gebiets wurden der Landvogtei Kyburg, dem Neuamt, der Obervogtei Regensberg und weiteren Verwaltungsgebieten zugeteilt.

Neuamt

Das Neuamt entstand 1442 nach der Teilung der Grafschaft Kyburg.

Es umfasste einen Landstreifen links der Glatt von Oberglatt bis zur Rheinmündung.

Zu den Gemeinden und Herrschaftsgebieten des Neuamts gehörten unter anderem Niederhasli, Niederglatt, Neerach, Höri, Hochfelden, Glattfelden und Weiach.

Die Obervögte wurden von der Stadt Zürich eingesetzt. Lokale Gerichte und Untervögte übernahmen einen Teil der Verwaltung.[4]

Reformation

Im 16. Jahrhundert führte Zürich die Reformation ein.

Klösterliche Rechte und kirchliche Besitzverhältnisse wurden neu geordnet. Die reformierten Kirchgemeinden übernahmen wichtige Aufgaben in Schule, Armenfürsorge und lokaler Verwaltung.

Die Bevölkerung blieb überwiegend reformiert. Erst durch die Zuwanderung im 19. und 20. Jahrhundert entstanden wieder grössere katholische Gemeinschaften.

Landwirtschaft

Das Zürcher Unterland war traditionell ein bedeutendes Ackerbaugebiet.

Die fruchtbaren Böden ermöglichten den Anbau von:

  • Dinkel;
  • Roggen;
  • Weizen;
  • Gerste;
  • Hafer;
  • Hülsenfrüchten;
  • später Kartoffeln und Mais.

In zahlreichen Dörfern bestand bis ins 18. und 19. Jahrhundert die Dreizelgenwirtschaft.

An den sonnigen Hängen von Rhein, Töss und Lägern wurde Wein angebaut.

Viehzucht und Milchwirtschaft gewannen im 19. Jahrhundert an Bedeutung.

Kleinbauern und landlose Familien ergänzten ihr Einkommen durch Heimarbeit, Handwerk, Taglohn und Strohflechterei.

Heimarbeit und Gewerbe

Seit der frühen Neuzeit verbreiteten sich textile Heimarbeit und verschiedene Landhandwerke.

Zu den Tätigkeiten gehörten:

  • Spinnen;
  • Weben;
  • Strohflechten;
  • Korbmacherei;
  • Schuhmacherei;
  • Holz- und Metallverarbeitung;
  • Fuhrwesen.

Im Rafzerfeld und in anderen Teilen des Unterlands wurden Strohhüte und Strohgeflechte hergestellt.

Die Heimarbeit ermöglichte vielen Familien ein zusätzliches Einkommen, machte sie jedoch von städtischen Kaufleuten und schwankenden Absatzmärkten abhängig.

Industrialisierung

Die Industrialisierung verlief weniger stark als im Zürcher Oberland oder im Tösstal.

Dennoch entstanden entlang von Glatt, Töss und Eisenbahnlinien:

  • Textilbetriebe;
  • Mühlen;
  • Papier- und Holzverarbeitung;
  • Maschinenfabriken;
  • Ziegeleien;
  • Baustoffunternehmen;
  • Lebensmittelbetriebe.

Bülach entwickelte sich zum wichtigsten Industrie- und Gewerbezentrum.

Im 20. Jahrhundert kamen elektrotechnische, chemische, pharmazeutische und logistische Unternehmen hinzu.

Eisenbahnbau

Die Eisenbahn veränderte das Unterland grundlegend.

1865 wurde die Bülach-Regensberg-Bahn eröffnet. Sie verband Oerlikon über Oberglatt mit Bülach und Dielsdorf.

Später entstanden weitere Strecken:

  • Bülach–Winterthur;
  • Bülach–Eglisau–Schaffhausen;
  • Eglisau–Koblenz;
  • Oberglatt–Niederweningen;
  • Winterthur–Embrach–Bülach.

Die Eisenbahn erleichterte den Pendlerverkehr und den Transport von Landwirtschafts-, Industrie- und Baustoffprodukten.

Flughafen Zürich

Der Flughafen Zürich wurde 1948 im Raum Kloten eröffnet.

Er entwickelte sich zum wichtigsten internationalen Flughafen der Schweiz und beeinflusste die gesamte Region.

Im Umfeld des Flughafens entstanden:

  • Logistik- und Transportunternehmen;
  • Hotels;
  • internationale Dienstleistungsunternehmen;
  • Gewerbe- und Bürogebiete;
  • neue Strassen und Bahnverbindungen;
  • zahlreiche Arbeitsplätze.

Gleichzeitig verursacht der Flugbetrieb Lärm und führt zu planerischen Einschränkungen in mehreren Unterländer Gemeinden.

S-Bahn und Agglomerationswachstum

Die Eröffnung der S-Bahn Zürich im Jahr 1990 verkürzte die Reisezeiten und verbesserte die Taktverbindungen.

Zahlreiche Gemeinden wurden zu attraktiven Wohnorten für Personen, die in Zürich, Winterthur, Baden oder am Flughafen arbeiten.

Die Siedlungsflächen wuchsen besonders rund um Bahnhöfe und Hauptstrassen.

Wirtschaft

Flughafenregion

Der Flughafen Zürich liegt am südlichen Rand des geografisch verstandenen Unterlands.

Er ist einer der wichtigsten Arbeitgeber und Wirtschaftsmotoren der weiteren Region.

Die Flughafenwirtschaft umfasst:

  • Luftverkehr;
  • Logistik;
  • Sicherheit;
  • Technik;
  • Gastronomie;
  • Detailhandel;
  • Hotellerie;
  • Unternehmensdienstleistungen;
  • internationale Hauptsitze.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner des Unterlands arbeiten am Flughafen oder bei Unternehmen in dessen Umfeld.

Industrie und Gewerbe

Bedeutende Gewerbe- und Industriegebiete befinden sich vor allem in:

  • Bülach;
  • Bachenbülach;
  • Embrach;
  • Oberglatt;
  • Niederglatt;
  • Niederhasli;
  • Glattfelden;
  • Dielsdorf.

Vertreten sind unter anderem:

  • Maschinen- und Metallindustrie;
  • Medizintechnik;
  • Bauwirtschaft;
  • Logistik;
  • Fahrzeughandel;
  • Lebensmittelproduktion;
  • Gesundheitswirtschaft;
  • Informations- und Kommunikationstechnik.

Bülach Nord gehört zu den grössten Entwicklungsgebieten der Region. Auf früheren Industrieflächen entstehen Wohnungen, Arbeitsplätze und öffentliche Einrichtungen.

Landwirtschaft

Landwirtschaft besitzt besonders im nördlichen und westlichen Unterland weiterhin grosse Bedeutung.

Das Rafzerfeld gehört zu den wichtigsten Ackerbaugebieten des Kantons.

Weitere Schwerpunkte sind:

  • Gemüsebau;
  • Obstbau;
  • Milchwirtschaft;
  • Viehzucht;
  • Weinbau;
  • Direktvermarktung.

Die Nähe zur Agglomeration bietet grosse Absatzmärkte, erhöht jedoch gleichzeitig den Druck auf das Kulturland.

Weinbau

Rebberge befinden sich insbesondere:

  • bei Eglisau;
  • in Glattfelden;
  • in Freienstein-Teufen;
  • am Rhein;
  • an den Hängen der Lägern;
  • in Weiach und weiteren Gemeinden.

Angebaut werden unter anderem Blauburgunder, Riesling-Silvaner und verschiedene neuere Rebsorten.

Der Weinbau prägt Landschaft, lokale Feste und Gastronomie.

Kiesabbau

Die eiszeitlichen Schotterablagerungen enthalten grosse Kies- und Sandvorkommen.

Abbaugebiete befinden sich insbesondere im Rafzerfeld und im westlichen Unterland.

Kies ist für die Bauwirtschaft des Grossraums Zürich von grosser Bedeutung.

Der Abbau führt jedoch zu Konflikten mit:

  • Landschaftsschutz;
  • Grundwasserschutz;
  • Landwirtschaft;
  • Verkehr;
  • Siedlungsentwicklung;
  • Naturschutz.

Nach Abschluss des Abbaus werden Gruben aufgefüllt, landwirtschaftlich rekultiviert oder zu Naturschutzgebieten entwickelt.

Verkehr

Eisenbahn

Das Zürcher Unterland ist durch mehrere Linien der S-Bahn Zürich erschlossen.

Wichtige Bahnstrecken sind:

  • Zürich–Oberglatt–Bülach–Eglisau–Schaffhausen;
  • Zürich–Oberglatt–Dielsdorf–Niederweningen;
  • Winterthur–Embrach-Rorbas–Bülach;
  • Eglisau–Rafz–Neuhausen;
  • Eglisau–Koblenz–Waldshut.

Bülach ist der wichtigste Bahnknoten der Region.

Von dort bestehen Verbindungen nach:

  • Zürich;
  • Zürich Flughafen;
  • Winterthur;
  • Schaffhausen;
  • Eglisau;
  • Rafz;
  • Waldshut.

Oberglatt ist Verzweigungspunkt der Strecken nach Bülach und Niederweningen.

Die grenzüberschreitende S36 verbindet Bülach über Eglisau, Kaiserstuhl und Koblenz mit Waldshut in Deutschland.

Busverkehr

Postauto- und VBG-Linien erschliessen Gemeinden, Weiler und Querverbindungen ohne direkten Bahnanschluss.

Wichtige Busknoten befinden sich in:

  • Bülach;
  • Dielsdorf;
  • Embrach;
  • Oberglatt;
  • Zürich Flughafen;
  • Rafz.

Die Buslinien sind weitgehend auf die S-Bahn-Anschlüsse ausgerichtet.

Strassenverkehr

Die Autobahn A51 verbindet Zürich und den Flughafen mit Bülach.

Weitere wichtige Strassen führen:

  • von Bülach nach Eglisau und Schaffhausen;
  • von Bülach nach Winterthur;
  • durch das Wehntal nach Baden;
  • von Eglisau nach Koblenz;
  • durch das Embrachertal;
  • ins Rafzerfeld und nach Deutschland.

Die Umfahrung Bülach entlastet das Stadtzentrum, während der Durchgangsverkehr in Eglisau, Embrach und verschiedenen kleineren Gemeinden weiterhin eine Belastung darstellt.

Wachstum, Flughafenverkehr, Kiestransporte und Pendlerverkehr führen auf mehreren Strassen zu Engpässen.

Flughafen

Der Flughafen Zürich ist über Bahn, Tram, Bus und Autobahn mit dem Unterland verbunden.

Er besitzt einen unterirdischen Bahnhof mit S-Bahn-, Interregio- und Intercity-Verbindungen.

Für die Gemeinden im Umfeld ist der Flughafen gleichzeitig:

  • Arbeitgeber;
  • Verkehrsknoten;
  • Wirtschaftsmotor;
  • Lärmquelle;
  • raumplanerischer Einflussfaktor.

Fuss- und Veloverkehr

Regionale Velorouten führen entlang von Rhein, Glatt und Töss sowie durch das Wehntal und Rafzerfeld.

Beliebte Verbindungen sind:

  • Rheinroute;
  • Glattuferweg;
  • Wege zur Tössegg;
  • Routen über die Lägern;
  • Verbindungen zwischen den Unterländer Dörfern.

Der Ausbau sicherer Velowege gehört zu den Zielen der regionalen Verkehrsplanung.

Bildung

Bülach ist das wichtigste Bildungszentrum der Region.

Die Kantonsschule Zürcher Unterland bietet gymnasiale Bildung für Jugendliche aus dem Unterland und angrenzenden Gebieten.

Weitere Bildungsangebote umfassen:

  • Berufsfachschulen;
  • Berufsvorbereitung;
  • Musikschulen;
  • Erwachsenenbildung;
  • Bibliotheken;
  • regionale Sonderschulen;
  • Sprach- und Integrationsangebote.

Die wachsende Bevölkerung führt in zahlreichen Gemeinden zu einem erhöhten Bedarf an Schulhäusern und Betreuungsplätzen.

Gesundheitswesen

Das Spital Bülach ist das wichtigste Akutspital des Zürcher Unterlands.

Es versorgt die Bevölkerung der Region in Bereichen wie:

  • Notfallmedizin;
  • Chirurgie;
  • Innere Medizin;
  • Geburtshilfe;
  • Diagnostik;
  • ambulante Behandlungen.

Daneben bestehen Alters- und Pflegezentren, Arztpraxen, Spitexorganisationen und regionale Gesundheitsangebote.

Das Bevölkerungswachstum und die Alterung erhöhen den Bedarf an medizinischen und pflegerischen Dienstleistungen.

Kultur und Medien

Regionale Medien

Die Zeitung Zürcher Unterländer berichtet über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Sport in der Region.

Daneben bestehen lokale Mitteilungsblätter, Onlineportale, Gemeindepublikationen und Vereinsmedien.

Die regionale Presse besitzt besondere Bedeutung, weil die Region aus zahlreichen politisch selbstständigen Gemeinden besteht.

Museen

Zu den Museen und Sammlungen der Region gehören:

  • Ortsmuseum Bülach;
  • Mammutmuseum Niederweningen;
  • Weierbachhus in Eglisau;
  • Orts- und Heimatmuseen verschiedener Gemeinden;
  • Sammlungen zur Landwirtschaft, Industrie und Lokalgeschichte.

Das Mammutmuseum zeigt Funde eiszeitlicher Tiere aus dem Wehntal.

Feste und Brauchtum

Regionale Veranstaltungen sind:

  • Winzerfeste;
  • Herbst- und Erntemärkte;
  • Weihnachtsmärkte;
  • Fasnachtsveranstaltungen;
  • Schützenfeste;
  • Viehschauen;
  • Stadt- und Dorffeste.

In Eglisau, Rafz, Bülach und weiteren Orten verbinden Feste lokale Geschichte, Weinbau, Landwirtschaft und Vereinsleben.

Sehenswürdigkeiten

Altstadt von Bülach

Die historische Altstadt von Bülach besitzt einen kompakten mittelalterlichen Grundriss.

Zu den bedeutenden Bauten gehören:

  • reformierte Kirche;
  • Rathaus;
  • Bürgerhäuser;
  • ehemalige Stadtbefestigungen;
  • historische Gasthäuser.

Bülach erhielt bereits im Mittelalter städtische Rechte und war ein bedeutender Marktort.

Eglisau

Eglisau liegt am Rhein und besitzt ein gut erhaltenes historisches Ortsbild.

Charakteristisch sind:

  • Häuserzeilen am Fluss;
  • reformierte Kirche;
  • Weierbachhus;
  • Rebberge;
  • Eisenbahnbrücke;
  • Rheinpromenade.

Der historische Ort wurde durch den Bau des Rheinkraftwerks und den Anstieg des Wasserspiegels verändert.

Regensberg

Das Landstädtchen Regensberg liegt auf einem Ausläufer der Lägern.

Es wurde im 13. Jahrhundert von den Freiherren von Regensberg gegründet.

Die Oberburg mit Rundturm, historische Häuser und die Aussicht über das Unterland machen Regensberg zu einem bekannten Ausflugsziel.

Tössegg

Die Tössegg liegt am Zusammenfluss von Töss und Rhein.

Das Gebiet ist durch Wanderwege, Schifffahrt, Wälder, Rebberge und Flusslandschaften erschlossen.

Es gehört zu den beliebtesten Naherholungsgebieten des Unterlands.

Neeracherried

Das Neeracherried ist sowohl Schutzgebiet als auch bedeutender Ort der Naturvermittlung.

Vom BirdLife-Naturzentrum aus können Vögel und andere Tiere beobachtet werden.

Lägern

Die Lägern bietet Wanderwege, Aussichtspunkte und geologische Aufschlüsse.

Der Gratweg ist auf einzelnen Abschnitten anspruchsvoll und erfordert Trittsicherheit.

Mammutfundstellen

In Niederweningen wurden während Bauarbeiten und wissenschaftlichen Grabungen Knochen und Zähne von Mammuts und weiteren eiszeitlichen Tieren gefunden.

Die Funde gehören zu den bedeutendsten ihrer Art in der Schweiz.

Regionale Planung

Die Planungsgruppe Zürcher Unterland fördert die geordnete räumliche Entwicklung ihrer 30 Mitgliedsgemeinden.

Sie erarbeitet den regionalen Richtplan und koordiniert Planungen in den Bereichen:

  • Siedlung;
  • Landschaft;
  • Verkehr;
  • Versorgung und Entsorgung;
  • öffentliche Bauten und Anlagen.

Die PZU ist als Zweckverband organisiert. Ihre Tätigkeit stützt sich auf das kantonale Planungs- und Baugesetz sowie das Gemeindegesetz.[5]

Der regionale Richtplan legt die räumliche Entwicklung für einen Zeitraum von ungefähr 20 bis 25 Jahren fest.

Zu den regionalen Zielen gehören:

  • Konzentration des Wachstums an gut erschlossenen Standorten;
  • Schutz von Landschaft und Kulturland;
  • Stärkung von Bülach als Regionalzentrum;
  • Verbesserung des öffentlichen Verkehrs;
  • Ausbau des Fuss- und Veloverkehrs;
  • Abstimmung von Siedlung und Verkehr;
  • Sicherung von Erholungs- und Naturräumen.

Geologisches Tiefenlager Nördlich Lägern

Das Standortgebiet Nördlich Lägern liegt im westlichen Zürcher Unterland und in angrenzenden Gebieten des Kantons Aargau.

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle schlug das Gebiet 2022 als Standort für ein geologisches Tiefenlager vor.

Im November 2024 reichte sie ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein kombiniertes Lager für hochaktive und schwach- bis mittelaktive radioaktive Abfälle ein. Die geplante Oberflächenanlage soll im Gebiet Haberstal in der Gemeinde Stadel liegen.[6]

Das Gesuch wird von Bundesbehörden und Fachorganisationen geprüft. Über eine Rahmenbewilligung entscheiden später der Bundesrat und das eidgenössische Parlament. Ein fakultatives Referendum ist möglich.

Das Projekt gehört zu den wichtigsten politischen und raumplanerischen Fragen der Region.

Diskutiert werden unter anderem:

  • langfristige Sicherheit;
  • Schutz des Grundwassers;
  • Bauverkehr;
  • Landschaftseingriffe;
  • regionale Entwicklung;
  • Entschädigungen;
  • grenzüberschreitende Auswirkungen;
  • Beteiligung der Bevölkerung.

Herausforderungen

Bevölkerungswachstum

Die Region muss zusätzlichen Wohnraum schaffen, ohne Landschaft und Kulturland übermässig zu beanspruchen.

Verdichtung, Umnutzung von Gewerbeflächen und Entwicklung der Bahnhofsgebiete stehen deshalb im Mittelpunkt.

Verkehr

Das Wachstum erhöht die Belastung von Strassen, Bahnlinien und Busverbindungen.

Engpässe bestehen insbesondere:

  • im Raum Bülach;
  • auf den Verbindungen zum Flughafen;
  • in Eglisau;
  • im Embrachertal;
  • zwischen den Gemeinden ohne direkte Bahnverbindung.

Fluglärm

Start- und Landerouten des Flughafens Zürich führen über verschiedene Gemeinden des Unterlands.

Fluglärm beeinflusst Lebensqualität, Siedlungsentwicklung und Immobiliennutzung.

Die Verteilung des Flugverkehrs ist Gegenstand kantonaler, nationaler und internationaler Diskussionen.

Landschafts- und Kulturlandschutz

Siedlungsbau, Kiesabbau, Deponien, Verkehrsanlagen und Energieprojekte beanspruchen offene Landschaften.

Gleichzeitig besitzt das Unterland wichtige Landwirtschafts-, Natur- und Erholungsräume.

Klimawandel

Trockenheit und Hitze belasten Landwirtschaft, Wälder und Gewässer.

Starkniederschläge können Überschwemmungen und Erosion verursachen.

Gemeinden fördern deshalb unter anderem:

  • entsiegelte Flächen;
  • Bäume und Grünräume;
  • Hochwasserschutz;
  • naturnahe Gewässer;
  • erneuerbare Energien;
  • klimaangepasste Siedlungen.

Bedeutung

Das Zürcher Unterland besitzt eine wichtige Brückenfunktion zwischen der Stadt Zürich, dem Rhein, der Ostschweiz, dem Kanton Aargau und Süddeutschland.

Die Region ist zugleich:

  • Wohn- und Wachstumsregion;
  • Landwirtschaftsgebiet;
  • Standort des internationalen Flughafens Zürich;
  • Industrie- und Logistikraum;
  • Natur- und Erholungslandschaft;
  • Grenzregion;
  • historischer Kulturraum.

Der Gegensatz zwischen urban geprägtem Süden und ländlichem Norden gehört zu den auffälligsten Merkmalen.

Die Entwicklung des Unterlands zeigt beispielhaft den Wandel einer traditionellen Ackerbau- und Weinbauregion zu einem Teil des Metropolitanraums Zürich.

Zeittafel

Jahr oder Zeitraum Ereignis
Steinzeit Erste nachgewiesene Besiedlung der Region
Bronze- und Eisenzeit Entstehung von Siedlungen, Grabhügeln und Befestigungen
Römische Zeit Gutshöfe und Verkehrswege im Hinterland der Rheingrenze
Frühmittelalter Entstehung alemannischer Dörfer und früher Kirchen
13. Jahrhundert Ausbau der Städte Bülach, Eglisau und Regensberg
14. und 15. Jahrhundert Zunehmender Einfluss der Stadt Zürich
1442 Bildung des Neuamts nach der Teilung der Grafschaft Kyburg
15. Jahrhundert Grosse Teile des Unterlands gelangen unter Zürcher Herrschaft
16. Jahrhundert Einführung der Reformation
17. und 18. Jahrhundert Ackerbau, Weinbau, Heimarbeit und Strohflechterei prägen die Wirtschaft
1798 Ende der alten Herrschafts- und Vogteiverhältnisse
1831 Neuordnung der Zürcher Bezirke
1865 Eröffnung der Bülach-Regensberg-Bahn
19. Jahrhundert Bau weiterer Eisenbahnlinien und Beginn der Industrialisierung
1915–1920 Bau des Rheinkraftwerks Eglisau-Glattfelden
1948 Eröffnung des Flughafens Zürich
Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Starkes Siedlungs- und Bevölkerungswachstum
1990 Eröffnung der S-Bahn Zürich
Beginn des 21. Jahrhunderts Ausbau von Bülach und weiteren Gemeinden zu regionalen Wohn- und Arbeitszentren
2022 Nördlich Lägern wird als geplanter Standort eines geologischen Tiefenlagers vorgeschlagen
November 2024 Einreichung des Rahmenbewilligungsgesuchs für das Tiefenlager
2025 Festsetzung einer Teilrevision des regionalen Richtplans Zürcher Unterland
Ende 2025 Das Unterland bleibt die im Zehnjahresvergleich am stärksten gewachsene Zürcher Region

Siehe auch

Literatur

  • Heinrich Hedinger: Das Zürcher Unterland. Paul Haupt, Bern 1971.
  • Ulrich Pfister: Die Zürcher Unterländer Landwirtschaft in der frühen Neuzeit. Zürich.
  • Paul Kläui: Die Gerichtsbarkeit im Zürcher Unterland. Zürcher Unterländer Museumsverein, Bülach.
  • Thomas Weibel: Neuamt. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Planungsgruppe Zürcher Unterland: Regionaler Richtplan Zürcher Unterland. Eglisau.
  • Kanton Zürich: Regionales Gesamtverkehrskonzept Zürcher Unterland plus. Zürich 2022.
  • Kanton Zürich: Agglomerationsprogramm Unterland-Furttal. Zürich.
  • Standort Zürcher Unterland: Wirtschaft, Kultur und Tourismus im Zürcher Unterland. Bülach.
  • Zürcher Unterländer Museumsverein: Jahreshefte zur Geschichte des Zürcher Unterlands. Bülach.
  • Statistisches Amt des Kantons Zürich: Zürcher Gemeinden in Zahlen. Zürich.

Einzelnachweise

  1. Planungsgruppe Zürcher Unterland: Verbandsgemeinden, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Kanton Zürich: Regionales Gesamtverkehrskonzept Zürcher Unterland plus, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Kanton Zürich: Bestand und Struktur der Bevölkerung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Thomas Weibel: Neuamt, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Planungsgruppe Zürcher Unterland: Zweck und Aufgabe, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Kanton Zürich: Radioaktive Abfälle und Tiefenlager, abgerufen am 23. Juli 2026.