Wasterkingen

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Wasterkingen
Dorfzentrum von Wasterkingen
Kanton Zürich
Bezirk Bülach
BFS-Nummer 0070
Postleitzahl 8195
Koordinaten 47.5919° N, 8.4742° E
Höhe 393 m ü. M.
Fläche 3,95 km²
Website www.wasterkingen.ch

Wasterkingen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Bülach des Kantons Zürich. Sie liegt im Rafzerfeld nahe der Grenze zu Deutschland und gehört zu den kleineren Gemeinden des Kantons. Das Dorf ist von Landwirtschaftsflächen, ausgedehnten Waldgebieten und den Hügelzügen des nördlichen Zürcher Unterlands umgeben.

Die Gemeinde besitzt einen gut erhaltenen historischen Ortskern mit zahlreichen traditionellen Riegelhäusern. Wasterkingen ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz als Ortsbild von nationaler Bedeutung verzeichnet. Überregional bekannt wurde der Ort insbesondere durch den Wasterkinger Hexenprozess von 1701, den letzten Hexenprozess mit Hinrichtungen im damaligen Zürcher Herrschaftsgebiet.

Geographie

Wasterkingen liegt im nordwestlichen Teil des Kantons Zürich, rund 24 Kilometer nördlich der Stadt Zürich. Die Gemeinde befindet sich in der südwestlichen Ecke des Rafzerfelds am Fuss des bewaldeten Höhenzugs Kalter Wangen.

Das Siedlungsgebiet liegt auf ungefähr 393 bis 400 Metern über Meer. Der höchste Punkt befindet sich auf dem Gnüll auf 588 Metern über Meer. Dieser gilt als höchste Erhebung des Rafzerfelds.[1]

Die Gemeindefläche beträgt rund 3,95 Quadratkilometer. Fast die Hälfte wird landwirtschaftlich genutzt, während ein weiterer grosser Anteil bewaldet ist. Siedlungs- und Verkehrsflächen nehmen im Vergleich dazu nur einen kleinen Teil des Gemeindegebiets ein.

Das Dorf entstand aus zwei ursprünglich getrennten Siedlungskernen, die im Lauf der Zeit zusammengewachsen sind. Die Bebauung erstreckt sich heute entlang mehrerer Strassen am Hang des Kalten Wangen.

Im Westen grenzt die Gemeinde an Deutschland. Schweizer Nachbargemeinden sind Hüntwangen, Rafz und Wil. Auf deutscher Seite liegen Gemeinden des Landkreises Waldshut, insbesondere im Gebiet um Hohentengen am Hochrhein.

Landschaft

Die Landschaft von Wasterkingen wird durch den Übergang zwischen dem offenen Rafzerfeld und den bewaldeten Höhenzügen an der Landesgrenze geprägt. Ackerflächen, Wiesen, Obstgärten und kleinere Rebflächen umgeben das Dorf.

Die Wälder am Kalten Wangen und am Gnüll dienen der Forstwirtschaft, der Naherholung und dem Schutz der natürlichen Lebensräume. Sie bilden zugleich einen Teil des grenzüberschreitenden Waldgebiets zwischen dem Rafzerfeld und dem deutschen Klettgau.

Die offenen Landwirtschaftsflächen bieten weite Ausblicke über das Rafzerfeld. Bei guter Sicht sind Teile des Schwarzwalds, des Zürcher Unterlands und der östlichen Jurahöhen erkennbar.

Ein auffälliges geologisches Zeugnis ist ein grosser Findling aus Glarner Granit, der in einem Tobel nördlich des Dorfes gefunden wurde. Er wurde während der Eiszeit durch einen Gletscher in die Region transportiert. Ebenfalls entdeckt wurde ein Mammutstosszahn aus der Riss-Eiszeit. Beide Objekte werden im Gemeindezentrum Dorfhuus aufbewahrt.[2]

Name

Wasterkingen wurde 1102 erstmals urkundlich als «Wastachingin» erwähnt. Der Ortsname weist auf eine alemannische Siedlungsgründung hin.

Die Endung «-ingen» ist typisch für frühmittelalterliche Ortsnamen und bezeichnete ursprünglich die Angehörigen oder Nachkommen einer Person. Der erste Namensbestandteil wird wahrscheinlich von einem alemannischen Personennamen wie Wastacho oder Wastich abgeleitet. Der Name bedeutete demnach sinngemäss «bei den Leuten des Wastacho».

In der einheimischen zürichdeutschen Mundart wird der Ortsname als «Waschterchinge» oder «Waschterchinde» ausgesprochen.

Geschichte

Frühgeschichte

Das Gebiet von Wasterkingen wurde bereits lange vor der mittelalterlichen Dorfgründung von Menschen genutzt. Der Fund eines Mammutstosszahns zeigt, dass während der Eiszeit grosse Säugetiere in der Region lebten.

Archäologische Funde aus dem weiteren Rafzerfeld belegen Siedlungsaktivitäten während der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit. Die fruchtbaren Böden, Wasserstellen und natürlichen Verkehrswege machten das Gebiet für frühe bäuerliche Gemeinschaften attraktiv.

Während der Römerzeit gehörte das Rafzerfeld zum Hinterland der römischen Siedlungen und Militäranlagen am Hochrhein. Strassen verbanden die Region mit Vitudurum, dem heutigen Winterthur, sowie mit den römischen Zentren bei Zurzach, Schaffhausen und am Bodensee.

Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich alemannische Bevölkerungsgruppen in der Region nieder. Aus einzelnen Höfen und kleinen Siedlungen entwickelte sich vermutlich im frühen Mittelalter das spätere Dorf Wasterkingen.

Mittelalter

Die erste schriftliche Erwähnung von Wasterkingen stammt aus dem Jahr 1102. Das Dorf gehörte wie die übrigen Orte des Rafzerfelds zur Landgrafschaft Klettgau.

Im Mittelalter waren die Herrschaftsrechte zwischen verschiedenen weltlichen und geistlichen Besitzern aufgeteilt. Die hohe Gerichtsbarkeit lag seit 1408 bei den Grafen von Sulz. Sie verfügten über umfangreiche Rechte im Klettgau und im Rafzerfeld.

Die niedere Gerichtsbarkeit gelangte 1482 an die Freiherren Gradner, welche Wasterkingen ihrer Herrschaft Eglisau einverleibten.[2] Später übernahm die Stadt Zürich zunehmend die Kontrolle über das Gebiet.

Östlich des Dorfes bestand vermutlich eine kleine Burg oder ein befestigter Herrensitz. Darauf weisen die Flurnamen «Edelmann» und «Burgacker» hin. Sichtbare Überreste der Anlage sind nicht erhalten.

Die Bevölkerung lebte überwiegend von Ackerbau, Viehhaltung, Waldwirtschaft und Weinbau. Die Bauern mussten Abgaben an verschiedene Grundherren, kirchliche Einrichtungen und Zehntherren entrichten.

Wasterkinger Zehnten

Von grosser wirtschaftlicher Bedeutung war der sogenannte Wasterkinger Zehnten. Diese Abgabe wurde nicht nur in Wasterkingen, sondern auch in Hüntwangen, Herdern, Stetten, Günzgen und Hohentengen erhoben.

Ein Viertel des Zehnten gehörte dem Bischof von Konstanz. Die übrigen drei Viertel waren ein österreichisches Lehen, dessen Vergabe bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann.

Zu den späteren Besitzern gehörte die Zürcher Familie Rohrdorf. Nach dem Verkauf der Rechte im Jahr 1710 wurde aus dem Erlös der Rohrdorfsche Familienfonds gegründet, der noch lange weiterbestand.[2]

Zürcher Herrschaft

Im Jahr 1651 verkaufte Graf Johann Ludwig II. von Sulz das Rafzerfeld mit den damit verbundenen Herrschaftsrechten an die Stadt Zürich. Wasterkingen wurde dadurch vollständig in das zürcherische Herrschaftsgebiet eingegliedert.

Die Gemeinde gehörte verwaltungsmässig zur Landvogtei Eglisau. Die Zürcher Landvögte vertraten die Obrigkeit, erhoben Abgaben und übten gerichtliche Funktionen aus.

Trotz der Eingliederung in das reformierte Zürich blieb die ländliche Gesellschaft stark von traditionellen Rechtsverhältnissen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten geprägt. Erst die politischen Veränderungen am Ende des 18. Jahrhunderts beseitigten die alten Herrschaftsstrukturen.

Reformation

Mit der Zürcher Reformation wurde Wasterkingen in den 1520er-Jahren reformiert. Die katholische Messe wurde aufgehoben, und der Gottesdienst wurde nach den Vorgaben der Zürcher Obrigkeit neu gestaltet.

Kirchlich gehörte Wasterkingen zur Pfarrei Wil. Das Dorf besass jedoch seit Jahrhunderten eine eigene Kapelle. Sie diente der Bevölkerung für Gottesdienste, Gebete und kirchliche Feiern.

Die Reformation stärkte den Einfluss der Zürcher Obrigkeit auf das kirchliche und gesellschaftliche Leben. Pfarrer waren nicht nur für die Seelsorge zuständig, sondern überwachten auch Schulwesen, Armenfürsorge und öffentliche Moral.

Wasterkinger Hexenprozess

Besondere historische Bekanntheit erlangte Wasterkingen durch den Hexenprozess von 1701. Er gilt als letzter grosser Hexenprozess im Zürcher Herrschaftsgebiet.

Ausgangspunkt waren Spannungen, Krankheiten, Todesfälle und gegenseitige Beschuldigungen innerhalb der Dorfgemeinschaft. Mehrere Bewohner warfen anderen Personen vor, mit dem Teufel im Bund zu stehen und Menschen, Tiere oder Ernten durch Zauberei geschädigt zu haben.

Der Eglisauer Landvogt Johann Jakob Hirzel berichtete der Zürcher Obrigkeit im April 1701 über die Anschuldigungen. Insgesamt wurden zwölf Personen aus Wasterkingen der Hexerei bezichtigt. Die Verdächtigen wurden verhaftet, verhört und teilweise unter Folter zu Geständnissen gezwungen.[3]

Sieben Frauen und ein Mann wurden zum Tod verurteilt und hingerichtet. Die Hauptangeklagte Elsbetha Rutschmann wurde verbrannt, die übrigen Verurteilten wurden enthauptet. Die Verfahren beruhten auf Vorstellungen von Schadenszauber, Teufelspakten und nächtlichen Hexenversammlungen, die damals in weiten Teilen Europas verbreitet waren.

Im Jahr 1702 erhoben Einwohner erneut Hexereivorwürfe. Der Zürcher Rat lehnte weitere Verfahren jedoch ab und wies den Pfarrer an, gegen den Hexenglauben vorzugehen.

Bei einer Gedenkveranstaltung zum 300. Jahrestag im Jahr 2001 bezeichneten Vertreter des Kantons Zürich und der reformierten Kirche die Hinrichtungen als Justizmorde. Heute erinnert die Aufarbeitung des Prozesses an die Opfer von Verfolgung, Folter und religiös geprägter Justiz.

Helvetische Republik und Gemeindegründung

Mit dem Einmarsch französischer Truppen und dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft im Jahr 1798 endete die Herrschaft der Stadt Zürich über das Rafzerfeld.

Wasterkingen wurde während der Helvetischen Republik zu einer selbstständigen Munizipalität im Distrikt Bülach. Die bisherigen Untertanen erhielten grundsätzlich gleiche staatsbürgerliche Rechte.

Nach der Mediationsakte von 1803 gehörte die Gemeinde zum Bezirk Bülach. Mit der kantonalen Neuordnung von 1814 wurde sie dem Oberamt Embrach zugeteilt. Seit 1831 gehört Wasterkingen wieder zum Bezirk Bülach.

Die politischen Reformen des 19. Jahrhunderts stärkten die kommunale Selbstverwaltung. Die Gemeindeversammlung entwickelte sich zum wichtigsten politischen Organ der örtlichen Bevölkerung.

Entwicklung im 19. Jahrhundert

Wasterkingen blieb im 19. Jahrhundert ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Ackerbau, Viehhaltung und Weinbau bildeten die wichtigsten Erwerbsgrundlagen.

Zusätzlich spielte die Heimarbeit eine Rolle. Seit dem 17. Jahrhundert wurde unter anderem Stroh geflochten. Später arbeiteten einzelne Einwohner für Textil- und andere Gewerbebetriebe der Region.

Eine grössere Industrialisierung fand nicht statt. Die Lage abseits der wichtigen Bahnlinien und Wirtschaftszentren begrenzte die Ansiedlung von Fabriken.

1852 wurde die alte Dorfkapelle durch eine neue Kirche ersetzt. Das Gebäude gehörte zunächst der politischen Gemeinde und wurde erst 1978 an die reformierte Kirchgemeinde Wil übertragen.[2]

Viele Einwohner wanderten im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Städte oder andere Regionen aus. Die Bevölkerungszahl nahm deshalb zwischen etwa 1870 und 1960 über längere Zeit ab.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Auch im frühen 20. Jahrhundert blieb Wasterkingen stark von der Landwirtschaft geprägt. Die Mechanisierung führte jedoch zu einer Verringerung der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und der dort beschäftigten Personen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbesserten sich die Verkehrsverbindungen. Der motorisierte Individualverkehr und regionale Buslinien erleichterten das Pendeln nach Bülach, Zürich, Schaffhausen und in die umliegenden Gemeinden.

Seit den 1970er-Jahren entstanden einzelne neue Wohnquartiere. Der Zuzug von Berufspendlern führte wieder zu einem leichten Bevölkerungswachstum. Trotzdem blieb Wasterkingen eine kleine Gemeinde mit ländlichem Charakter.

1977 wurde das Gemeindezentrum «Dorfhuus» teilweise in Fronarbeit errichtet. Es dient der Gemeindeverwaltung, Vereinen und öffentlichen Veranstaltungen. Dort werden auch der Mammutstosszahn und der Findling aus Glarner Granit gezeigt.

Wappen

Das Wappen von Wasterkingen zeigt in Silber drei verkürzte rote Spitzen, überhöht von zwei roten Rosen.

Die drei roten Spitzen gehen auf das Wappen der Grafen von Sulz zurück, welche seit 1408 die hohe Gerichtsbarkeit im Rafzerfeld ausübten. Sie erinnern damit an die mittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse.[2]

Die beiden Rosen wurden später zur Unterscheidung des Gemeindewappens vom gräflichen Wappen ergänzt. Die heute gebräuchliche Form wurde im 20. Jahrhundert im Rahmen der Vereinheitlichung der Zürcher Gemeindewappen festgelegt.

Bevölkerung

Wasterkingen gehört zu den bevölkerungsmässig kleineren Gemeinden des Kantons Zürich. Im Jahr 2023 lebten 577 Personen in der Gemeinde.[4]

Die Bevölkerungsentwicklung blieb während langer Zeit relativ stabil. Zwischen dem späten 19. Jahrhundert und der Mitte des 20. Jahrhunderts ging die Einwohnerzahl zurück. Seit den 1970er-Jahren nahm sie durch den Bau neuer Wohnhäuser und den Zuzug von Pendlerinnen und Pendlern wieder leicht zu.

Die Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird eine Variante des Zürichdeutschen gesprochen. Aufgrund der Grenzlage bestehen enge gesellschaftliche und wirtschaftliche Kontakte zu den benachbarten deutschen Gemeinden.

Die Bevölkerung war historisch überwiegend evangelisch-reformiert. In den letzten Jahrzehnten nahm der Anteil der konfessionslosen Einwohner sowie der Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften zu.

Politik

Die gesetzgebende Gewalt wird von der Gemeindeversammlung ausgeübt. Die stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden dort über das Budget, die Jahresrechnung, den Steuerfuss, Bauvorhaben und weitere kommunale Geschäfte.

Die ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Er führt die Gemeindeverwaltung, bereitet die Geschäfte der Gemeindeversammlung vor und vertritt Wasterkingen nach aussen.

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Vorwiesenstrasse 172. Aufgrund der geringen Gemeindegrösse arbeitet Wasterkingen in zahlreichen Aufgabenbereichen mit den übrigen Gemeinden des Rafzerfelds zusammen.

Zu den gemeinsamen Aufgaben gehören insbesondere Schule, Feuerwehr, Zivilschutz, Abfallentsorgung, Sozialdienste, Altersversorgung und regionale Planung.

Wirtschaft

Wasterkingen war über Jahrhunderte ein Bauerndorf. Landwirtschaft, Viehhaltung, Waldwirtschaft und zeitweise der Weinbau bildeten die Grundlage der lokalen Wirtschaft.

Auch heute besitzt die Landwirtschaft im Vergleich zu vielen anderen Zürcher Gemeinden eine überdurchschnittliche Bedeutung. Betriebe produzieren Getreide, Mais, Raps, Gemüse, Milch und Fleisch. Obstbäume und kleinere Rebflächen ergänzen die Nutzung.

Daneben bestehen kleinere Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Grössere Industrieunternehmen gibt es nicht.

Viele Erwerbstätige pendeln zu Arbeitsplätzen in Rafz, Eglisau, Bülach, Schaffhausen, Winterthur oder Zürich. Auch grenzüberschreitende Arbeitsbeziehungen zu deutschen Gemeinden spielen eine Rolle.

Verkehr

Wasterkingen liegt an regionalen Strassen zwischen Rafz, Hüntwangen, Wil und Hohentengen am Hochrhein. Eine direkte Autobahnanbindung besteht nicht.

Der nächstgelegene Bahnhof ist Hüntwangen-Wil. Er liegt an der Bahnstrecke zwischen Zürich und Schaffhausen. Von dort bestehen regelmässige Verbindungen in beide Richtungen.

Eine Buslinie verbindet Wasterkingen mit dem Bahnhof Hüntwangen-Wil und den umliegenden Gemeinden.[1] Der öffentliche Verkehr ist in den Zürcher Verkehrsverbund eingebunden.

Die Nähe zur deutschen Grenze ist für den lokalen Strassenverkehr von Bedeutung. Grenzübergänge verbinden das Rafzerfeld mit Hohentengen und weiteren Orten des Landkreises Waldshut.

Regionale Velo- und Wanderwege führen durch die offene Landschaft und die Wälder rund um Wasterkingen.

Bildung

Wasterkingen gehört zur Schule Unteres Rafzerfeld. Kindergarten- und Primarschulangebote werden gemeinsam mit umliegenden Gemeinden organisiert.

Die Sekundarschule wird ebenfalls auf regionaler Ebene geführt. Weiterführende Schulen befinden sich insbesondere in Bülach, Winterthur und Zürich.

Die Zusammenarbeit ermöglicht es den kleinen Gemeinden des Rafzerfelds, schulische Einrichtungen, Betreuung und spezialisierte Angebote gemeinsam zu betreiben.

Kirche

Wasterkingen gehört kirchlich zur reformierten Kirchgemeinde Wil. Eine eigene Kapelle ist bereits seit dem Mittelalter belegt.

Die heutige reformierte Kirche wurde 1852 anstelle der früheren Kapelle errichtet. Sie steht leicht erhöht im Dorf und bildet mit den umliegenden Riegelhäusern ein charakteristisches Ensemble.

Das Gebäude gehörte ursprünglich der politischen Gemeinde. 1978 wurde es der reformierten Kirchgemeinde übertragen.

Die Kirche dient für Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten, Abdankungen und kulturelle Veranstaltungen. Der schlichte Innenraum entspricht der reformierten Tradition des Kantons Zürich.

Ortsbild

Wasterkingen besitzt einen aussergewöhnlich gut erhaltenen ländlichen Ortskern. Das Dorf entwickelte sich aus zwei Haufensiedlungen, die später zusammenwuchsen.

Zahlreiche Bauernhäuser stammen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Typisch sind Sichtfachwerk, grosse Satteldächer und die Verbindung von Wohnhaus, Stall und Scheune unter einem gemeinsamen Dach.

Die Gebäude stehen teilweise dicht entlang der historischen Strassen. Brunnen, Vorgärten, Hofplätze und schmale Gassen ergänzen das traditionelle Erscheinungsbild.

Wasterkingen ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung verzeichnet. Bei Umbauten und Neubauten müssen deshalb besondere Anforderungen an den Ortsbild- und Denkmalschutz berücksichtigt werden.

Sehenswürdigkeiten

Historischer Dorfkern

Der Dorfkern mit seinen zahlreichen Riegelbauten ist die wichtigste bauliche Sehenswürdigkeit Wasterkingens. Die weitgehend erhaltene Siedlungsstruktur vermittelt das Erscheinungsbild eines traditionellen Bauerndorfs im Rafzerfeld.

Reformierte Kirche

Die 1852 errichtete Kirche steht an der Stelle einer älteren Kapelle. Sie bildet einen wichtigen Orientierungspunkt im Dorf.

Dorfhuus

Das 1977 eröffnete Gemeindezentrum Dorfhuus dient als Verwaltungssitz und Veranstaltungsort. Dort werden der Mammutstosszahn und der eiszeitliche Findling ausgestellt.

Gnüll

Der 588 Meter hohe Gnüll ist der höchste Punkt des Rafzerfelds. Die bewaldete Erhebung ist über Wanderwege erreichbar und gehört zum Naherholungsgebiet der Gemeinde.

Flurnamen Edelmann und Burgacker

Die Flurnamen erinnern an eine mutmassliche mittelalterliche Burg oder einen befestigten Herrensitz östlich des Dorfes. Von der Anlage sind keine deutlich sichtbaren Reste erhalten.

Natur und Naherholung

Die Wälder und Felder um Wasterkingen bieten zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern, Spazieren und Velofahren. Wege führen in Richtung Rafz, Wil, Hüntwangen und über die Grenze nach Deutschland.

Die grossen Waldflächen besitzen eine wichtige Funktion als Lebensraum für Rehe, Füchse, Wildschweine, Greifvögel und zahlreiche kleinere Tierarten.

Hecken, Obstgärten, Waldränder und extensiv genutzte Wiesen tragen zur ökologischen Vielfalt bei. Die Gemeinde und landwirtschaftliche Betriebe beteiligen sich an regionalen Projekten zur Vernetzung natürlicher Lebensräume.

Die ruhige Lage und das gut erhaltene Ortsbild machen Wasterkingen zu einem Ziel für Ausflüge im Zürcher Unterland.

Kultur und Vereinsleben

Das gesellschaftliche Leben wird von örtlichen Vereinen, der Schule, der Kirchgemeinde und weiteren Organisationen getragen.

Vereine engagieren sich unter anderem in den Bereichen Sport, Musik, Schiesswesen, Feuerwehr, Natur, Brauchtum und Dorfkultur. Veranstaltungen finden häufig im Dorfhuus oder in anderen kommunalen Räumen statt.

Zu den regelmässigen Anlässen gehören die Bundesfeier, Vereinsfeste, kirchliche Feiern und regionale Veranstaltungen des Rafzerfelds.

Die lokale Geschichte wird in einer Chronikstube dokumentiert. Dort werden Fotografien, Schriftstücke, Gegenstände und Berichte aus dem früheren Dorfleben gesammelt und aufbewahrt.

Literatur

  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Birkhäuser, Basel 1943.
  • Hans Kläui, Viktor Schobinger: Zürcher Ortsnamen. Entstehung und Bedeutung. Zürcher Kantonalbank, Zürich 1989.
  • Otto Sigg: Hexenprozesse mit Todesurteil. Justizmorde der Zunftstadt Zürich. Frick 2012.
  • Gemeinde Wasterkingen: Ortsgeschichte und Gemeindechronik. Wasterkingen.
  • Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde: Die Bauernhäuser des Kantons Zürich. Basel.

Siehe auch

Einzelnachweise

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Wasterkingen