Steinmaur
| Kanton | Zürich |
|---|---|
| Bezirk | Dielsdorf |
| BFS-Nr. | 0101 |
| Postleitzahl | 8162 |
| Höhe | 451 m ü. M. |
| Fläche | 9,39 km² |
| Höchster Punkt | 800 m ü. M. |
| Tiefster Punkt | 411 m ü. M. |
| Einwohnerbezeichnung | Steinmaurer, Steinmaurerin |
| Gemeindepräsidentin | Beatrice Erni |
| Website | www.steinmaur.ch |
Steinmaur ist eine politische Gemeinde im Bezirk Dielsdorf des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt im Zürcher Unterland am östlichen Eingang zum Wehntal, zwischen der Lägern im Süden und den hügeligen Wald- und Landwirtschaftsgebieten gegen Neerach und Stadel im Norden.
Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Obersteinmaur, Niedersteinmaur, Sünikon und Schibler. Der Bahnhof, das Gemeindehaus und ein grosser Teil der neueren Wohnquartiere befinden sich in Niedersteinmaur. Obersteinmaur bildet mit der reformierten Kirche, historischen Bauernhäusern und dem Gasthof Kreuz den älteren Dorfkern. Sünikon liegt nördlich des Hauptsiedlungsgebiets inmitten einer landwirtschaftlich geprägten Landschaft.
Steinmaur entwickelte sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von einer vorwiegend bäuerlichen Gemeinde zu einer suburbanen Wohn- und Gewerbegemeinde innerhalb der Agglomeration Zürich. Die Gemeinde bewahrte dennoch einen hohen Anteil an Landwirtschafts- und Waldflächen.
Geografie
Steinmaur liegt rund 15 Kilometer Luftlinie nordwestlich des Zentrums der Stadt Zürich. Das Gemeindegebiet umfasst 939 Hektaren. Nach Angaben der Gemeinde werden rund 57 Prozent der Fläche landwirtschaftlich genutzt, 29 Prozent bestehen aus Wald, etwa 8 Prozent entfallen auf Siedlungen und rund 5 Prozent auf Verkehrsflächen.[1]
Der tiefste Punkt liegt auf 411 Metern über Meer, der höchste Punkt auf ungefähr 800 Metern. Die Höhenunterschiede ergeben sich aus der Lage zwischen dem flachen Talboden und den bewaldeten Hängen im Süden und Norden.
Das Gemeindegebiet grenzt an Dielsdorf, Regensberg, Schöfflisdorf, Bachs, Stadel, Neerach und Niederglatt. Ein schmaler südlicher Teil reicht bis an die Hänge der Lägern.
Steinmaur befindet sich am Übergang zwischen dem Wehntal und der Ebene des Zürcher Unterlands. Während sich westlich das langgestreckte Tal der Surb öffnet, senkt sich das Gelände östlich in Richtung Dielsdorf, Neerach und Glatttal.
Gewässer
Mehrere Bäche durchziehen das Gemeindegebiet. Sie entwässern die Hänge und Landwirtschaftsflächen in Richtung Fischbach, Surb und Glatt.
Der Fischbach fliesst durch den östlichen Teil der Gemeinde und weiter nach Niederglatt. Bei starken Niederschlägen können die kleineren Bäche und Oberflächenabflüsse erhebliche Wassermengen führen.
Die Gemeinde und der Kanton beschäftigen sich deshalb mit Hochwasserschutz, Bachunterhalt und der ökologischen Aufwertung von Gewässerräumen. Nach einem aussergewöhnlichen Gewitterereignis wurden insbesondere Abflusswege, Durchlässe und gefährdete Siedlungsbereiche genauer untersucht.
Ortsteile
Obersteinmaur
Obersteinmaur liegt am südwestlichen Rand des Siedlungsgebiets, leicht erhöht am Fuss der Lägern. Der Ortsteil bildet den historischen und kirchlichen Mittelpunkt der Gemeinde.
Das Ortsbild wird von der reformierten Kirche, traditionellen Bauernhäusern, Fachwerkbauten und dem Gasthof Kreuz geprägt. Mehrere Gebäude vermitteln noch heute den Charakter eines Zürcher Unterländer Bauerndorfes.
Die Hauptstrasse verbindet Obersteinmaur mit Niedersteinmaur, Dielsdorf und den westlichen Gemeinden des Wehntals.
Niedersteinmaur
Niedersteinmaur liegt nördlich von Obersteinmaur in der Ebene. Hier befinden sich der Bahnhof Steinmaur, das Gemeindehaus, die Primarschule und verschiedene öffentliche Einrichtungen.
Seit dem 20. Jahrhundert entstanden in Niedersteinmaur grössere Wohnquartiere. Der Ortsteil entwickelte sich dadurch zum bevölkerungsreichsten Siedlungsteil der Gemeinde.
Niedersteinmaur grenzt an Obersteinmaur, Sünikon und das Quartier Schibler. Landwirtschaftsflächen trennen einzelne Siedlungsteile noch teilweise voneinander.
Sünikon
Sünikon liegt nördlich des Hauptsiedlungsgebiets auf einer leicht erhöhten Ebene. Der Ortsteil besitzt einen eigenständigen dörflichen Charakter und ist von Landwirtschaftsflächen umgeben.
Historische Bauernhäuser und kleinere Gewerbebetriebe prägen das Ortsbild. In der Umgebung liegen Schiessanlagen, Höfe und ausgedehnte Ackerflächen.
Sünikon war früher eine selbständige Zivilgemeinde innerhalb der politischen Gemeinde Steinmaur. Die örtliche Identität ist bis heute ausgeprägt und wird durch Vereine und lokale Veranstaltungen gepflegt.
Schibler
Schibler ist ein südöstlich von Niedersteinmaur gelegenes Wohnquartier. Es entstand überwiegend im Zuge der Siedlungsentwicklung des 20. Jahrhunderts.
Das Quartier liegt nahe der Gemeindegrenze zu Dielsdorf und besitzt eine gute Anbindung an Bahnhof, Schulen und Hauptstrassen.
Name
Der Ortsname Steinmaur ist seit dem Mittelalter in unterschiedlichen Formen überliefert. In älteren Darstellungen erscheint unter anderem die Form Steinmurico. Die sprachgeschichtliche Einordnung dieses Namens ist jedoch nicht vollständig geklärt.
Der heutige Name setzt sich scheinbar aus den Wörtern «Stein» und «Mauer» zusammen. Diese Deutung beeinflusste wahrscheinlich spätere Erzählungen über römische Bauten oder Befestigungen, ist aber nicht als eindeutiger Nachweis einer römischen Ortsgründung zu verstehen.
Das Zürcher Siedlungsnamenbuch beschreibt Steinmaur als Dorf am Eingang zum Wehn- und Bachsertal. Die Trennung in Ober- und Niedersteinmaur ist bereits seit dem 13. Jahrhundert fassbar.[2]
Im Zürichdeutschen wird Steinmaur als Stäimer ausgesprochen. Eine ältere Mundartform lautet Stòimer.
Geschichte
Frühgeschichte und römische Zeit
Die günstige Lage am Übergang zwischen Wehntal und Zürcher Unterland machte das Gebiet bereits früh für eine Besiedlung geeignet. Landwirtschaftlich nutzbare Böden, Wasserläufe und nahe Wälder boten gute Lebensbedingungen.
Aus der weiteren Umgebung sind Funde aus vorgeschichtlicher und römischer Zeit bekannt. Das Wehntal und die Region um Dielsdorf lagen während der römischen Herrschaft im Hinterland bedeutender Verkehrswege und Gutshöfe.
Die gelegentlich überlieferte Behauptung, Steinmaur sei unmittelbar von den Römern gegründet worden, lässt sich anhand der bekannten Quellen nicht eindeutig belegen. Wahrscheinlicher ist eine schrittweise Siedlungsentwicklung vom Altertum bis ins frühe Mittelalter.
Mittelalter
Im Mittelalter bestanden in Steinmaur mindestens zwei Siedlungskerne, aus denen Ober- und Niedersteinmaur hervorgingen. Hinzu kamen Sünikon und einzelne Höfe.
Grundbesitz und Herrschaftsrechte lagen bei verschiedenen weltlichen und geistlichen Eigentümern. Einfluss besassen unter anderem die Freiherren von Regensberg, die Habsburger und mehrere Klöster und Stifte.
Ministerialen der Regensberger waren in Steinmaur und Sünikon ansässig. Angehörige lokaler Niederadelsfamilien verwalteten Güter, übten Herrschaftsrechte aus oder standen im Dienst grösserer Adelshäuser.[3]
Die Landwirtschaft bildete die wirtschaftliche Grundlage. Die Bewohner bauten Getreide, Obst und Wein an, hielten Vieh und nutzten Wälder sowie gemeinschaftliche Weideflächen.
Kirche und Pfarrei
Ein in Steinmaur tätiger Priester wurde 1175 urkundlich erwähnt. Eine Kirche ist seit 1275 belegt.[4]
Die Pfarrei Steinmaur umfasste im Mittelalter ein weites Gebiet. Zu ihren Filialen gehörten zeitweise Bachs, Neerach und Stadel. Die kirchlichen Verhältnisse wurden im Verlauf des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit mehrfach verändert.
Steinmaur selbst war bis 1435 kirchlich mit Dielsdorf verbunden. Danach entwickelte sich die örtliche Pfarrei zu einer selbständigeren Einheit.
Mit der Zürcher Reformation nahm die Bevölkerung in den 1520er-Jahren den reformierten Glauben an. Gottesdienst, Kirchenverwaltung, Schulwesen und Armenfürsorge wurden nach den Vorgaben der Zürcher Obrigkeit neu organisiert.
Herrschaft Zürichs
Die Stadt Zürich erweiterte im 15. Jahrhundert ihre Herrschaft über das Zürcher Unterland. Steinmaur gehörte danach zu einem zürcherischen Verwaltungsgebiet und blieb bis 1798 Teil des Stadtstaates Zürich.
Die lokale Verwaltung lag teilweise bei Dorfvorgesetzten, Untervögten und Gemeindegenossen. Übergeordnete Gerichts- und Herrschaftsrechte übten zürcherische Amtsträger aus.
Gemeinschaftliche Regeln bestimmten die Nutzung von Wald, Allmend, Wasser, Wegen und Weiden. Die Dorfbevölkerung musste ausserdem Abgaben, Zehnten und Frondienste leisten.
Kriege und Krisen
Die Region war während verschiedener eidgenössischer Konflikte von Truppendurchzügen, Einquartierungen und wirtschaftlichen Belastungen betroffen.
Während der konfessionellen Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts lag Steinmaur nahe den Verkehrswegen zwischen Zürich, dem Aargau und der Nordschweiz. Auch der Dreissigjährige Krieg wirkte sich indirekt durch Teuerung, Flüchtlinge und militärische Vorsichtsmassnahmen aus.
Missernten, Viehseuchen, Krankheiten und Dorfbrände stellten die ländliche Bevölkerung zusätzlich vor grosse Herausforderungen.
Helvetik und moderne Gemeinde
Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 endete die Herrschaft der Stadt Zürich über ihre Landgemeinden.
Steinmaur wurde in neue staatliche und kommunale Strukturen eingegliedert. Nach mehreren Veränderungen gehörte die Gemeinde ab 1831 zum Bezirk Regensberg.
Als der Bezirkshauptort 1871 nach Dielsdorf verlegt wurde, erhielt der Bezirk den Namen Bezirk Dielsdorf. Steinmaur gehört seither zu diesem Bezirk.
Die politische Gemeinde übernahm im 19. Jahrhundert zunehmend Aufgaben der Schule, Armenpflege, Strassen, Wasserversorgung, öffentlichen Sicherheit und lokalen Verwaltung.
Landwirtschaft im 19. Jahrhundert
Steinmaur blieb während des 19. Jahrhunderts vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Bedeutend waren Ackerbau, Viehzucht, Milchwirtschaft, Obstbau und zeitweise auch Weinbau.
Die Mechanisierung und verbesserte Anbaumethoden steigerten die Erträge. Gleichzeitig führten Meliorationen und Entwässerungsprojekte dazu, dass feuchte Flächen besser genutzt werden konnten.
Neben der Landwirtschaft bestanden Schmieden, Mühlen, Wagnereien, Schreinereien, Gastwirtschaften und weitere Handwerksbetriebe.
Eisenbahn
1891 wurde die Wehntalbahn von Dielsdorf nach Niederweningen eröffnet. Steinmaur erhielt eine eigene Station in Niedersteinmaur.
Die Eisenbahn verbesserte die Verbindung nach Dielsdorf, Oberglatt und Zürich. Landwirtschaftliche Produkte konnten leichter abgesetzt und Rohstoffe sowie Konsumgüter schneller transportiert werden.
Der Bahnhof förderte langfristig die Entstehung neuer Wohnquartiere. Die Strecke wurde später elektrifiziert und in das Netz der S-Bahn Zürich aufgenommen.
Entwicklung im 20. Jahrhundert
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Steinmaur noch ein deutlich landwirtschaftlich geprägtes Dorf mit weniger als tausend Einwohnerinnen und Einwohnern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte ein stärkeres Wachstum ein. Neue Wohnhäuser entstanden vor allem in Niedersteinmaur und im Schibler. Später wurden auch Obersteinmaur und Sünikon durch zusätzliche Bauten ergänzt.
Der Ausbau des Strassennetzes, die Nähe zu Dielsdorf und die bessere Bahnverbindung nach Zürich machten Steinmaur zu einer attraktiven Wohngemeinde.
Gleichzeitig siedelten sich Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe an. Ein bedeutender Teil der Bevölkerung arbeitet jedoch weiterhin ausserhalb der Gemeinde.
Entwicklung seit 1990
Mit der Einführung der S-Bahn Zürich im Jahr 1990 verbesserte sich die Anbindung an die Stadt Zürich weiter. Die Einwohnerzahl nahm in den folgenden Jahrzehnten zu.
Die Gemeinde investierte in Schulräume, Sportanlagen, Strassen, Wasserversorgung und öffentliche Gebäude. Neue Quartiere wurden erschlossen, während der historische Charakter der alten Dorfkerne teilweise erhalten blieb.
Die Raumplanung verfolgt heute das Ziel, das Siedlungswachstum mit dem Schutz von Landwirtschaftsland, Wald, Ortsbildern und Naturflächen zu vereinbaren.
Bevölkerung
Steinmaur verzeichnete besonders seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein starkes Bevölkerungswachstum. 1950 lebten noch weniger als 900 Menschen in der Gemeinde. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts überschritt die Einwohnerzahl 2700 und stieg danach weiter an.
Das Wachstum hängt mit der Nähe zu Zürich, Dielsdorf, dem Flughafen Zürich und weiteren Arbeitszentren des Zürcher Unterlands zusammen.
Die Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend Zürichdeutsch gesprochen. Durch die Zuwanderung sind zahlreiche weitere Sprachen vertreten.
Historisch war die Bevölkerung seit der Reformation mehrheitlich evangelisch-reformiert. Im 20. und 21. Jahrhundert nahm der Anteil der römisch-katholischen, konfessionslosen und anderen religiösen Bevölkerungsgruppen zu.
Aktuelle Einwohner- und Strukturdaten veröffentlicht das kantonale Statistikportal «Zürcher Gemeinden in Zahlen».[5]
Politik
Die Gemeindeversammlung ist das oberste Organ der politischen Gemeinde. Stimmberechtigte Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden dort unter anderem über:
- Budget und Jahresrechnung;
- kommunale Verordnungen;
- grössere Kredite;
- Grundstücksgeschäfte;
- Planungs- und Bauvorhaben;
- die Beteiligung an Zweckverbänden.
Die Exekutive bildet der Gemeinderat. Er besteht einschliesslich des Präsidiums aus sechs Mitgliedern. Die Schulpräsidentin beziehungsweise der Schulpräsident gehört von Amtes wegen dem Gemeinderat an.
Gemeindepräsidentin ist Beatrice Erni. Die übrigen Ressorts umfassen unter anderem Planung und Bau, Umwelt und Infrastruktur, Finanzen und Soziales, Bildung sowie Sicherheit und Sport.[6]
Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Hauptstrasse 22 in Niedersteinmaur.
Wappen
Das Wappen zeigt in Rot auf einem silbernen Dreiberg einen steigenden silbernen Steinbock.
Der Steinbock und der Dreiberg bilden ein teilweise redendes Wappen, da sie auf die Bestandteile «Stein» und die hügelige Landschaft anspielen.
In älteren Darstellungen führte Steinmaur einen Eber im Wappen. Das Tier wurde später auf Beschluss der Gemeinde durch den Steinbock ersetzt.
Die heutige Gestaltung entstand im Zusammenhang mit der Vereinheitlichung der Zürcher Gemeindewappen im 20. Jahrhundert.
Wirtschaft
Steinmaur besitzt eine gemischte Wirtschaftsstruktur. Landwirtschaft und Gewerbe sind weiterhin sichtbar, während Dienstleistungen und auswärtige Arbeitsplätze für die Bevölkerung zunehmend an Bedeutung gewannen.
Zu den örtlichen Tätigkeitsbereichen gehören:
- Landwirtschaft und Gemüsebau;
- Bau- und Ausbaugewerbe;
- Elektro- und Gebäudetechnik;
- Fahrzeug- und Maschinenbetriebe;
- Handel und Logistik;
- Beratung und Informatik;
- Gastronomie;
- soziale und öffentliche Dienstleistungen.
Gewerbebetriebe befinden sich insbesondere entlang der Hauptverkehrsachsen und in kleineren Gewerbezonen.
Viele Erwerbstätige pendeln nach Dielsdorf, Regensdorf, Zürich, Bülach, zum Flughafen Zürich oder in andere Gemeinden der Region.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft prägt einen grossen Teil des Gemeindegebiets. Rund 57 Prozent der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt.[1]
Angebaut werden unter anderem Getreide, Mais, Raps, Zuckerrüben, Gemüse und Futterpflanzen. Viehzucht und Milchwirtschaft ergänzen den Ackerbau.
Die offenen Flächen zwischen den Ortsteilen tragen wesentlich zum ländlichen Erscheinungsbild bei. Sie stehen jedoch unter Druck durch Siedlungsentwicklung, Verkehr und Infrastrukturprojekte.
Mehrere Höfe bieten Direktverkauf oder regionale Produkte an. Die Nähe zum Grossraum Zürich eröffnet landwirtschaftlichen Betrieben zusätzliche Absatzmöglichkeiten.
Waldwirtschaft
Etwa 29 Prozent des Gemeindegebiets bestehen aus Wald. Die Waldflächen liefern Holz, schützen Böden und Wasserhaushalt und bilden wichtige Lebensräume.
Sie werden ausserdem für Erholung, Wandern, Joggen, Reiten und Velofahren genutzt. Die Pflege erfolgt durch private Eigentümer, die Gemeinde und regionale Forstorganisationen.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Steinmaur liegt in Niedersteinmaur an der Wehntalbahn zwischen Dielsdorf und Schöfflisdorf-Oberweningen.
Er wird von der Linie S15 der S-Bahn Zürich bedient. Diese verbindet Steinmaur über Dielsdorf, Oberglatt, Zürich Oerlikon und Zürich Hauptbahnhof mit weiteren Orten im Zürcher S-Bahn-Netz.
Die Züge verkehren grundsätzlich im Halbstundentakt. Der Bahnhof ist für Berufspendlerinnen und Berufspendler sowie für Schülerinnen und Schüler von grosser Bedeutung.
Busverkehr
Regionale Buslinien verbinden Steinmaur mit Dielsdorf, Oberglatt, Bachs, Stadel, Neerach, Hochfelden und Bülach.
Bedient werden unter anderem die Haltestellen Bahnhof, Gemeindehaus, Obersteinmaur und Heitlig. Die Busse ergänzen die Bahnverbindung und erschliessen Sünikon sowie umliegende Gemeinden.
Der öffentliche Verkehr ist in den Zürcher Verkehrsverbund eingebunden.
Strassenverkehr
Die Hauptstrasse 17 führt durch das Gemeindegebiet. Sie verbindet Zürich und Regensdorf über Dielsdorf und das Wehntal mit dem Surbtal und Döttingen.
Weitere Strassen führen nach Neerach, Stadel, Bachs und Regensberg. Über Dielsdorf bestehen Verbindungen zum Autobahnnetz und zum Flughafen Zürich.
Der regionale Durchgangsverkehr führt zu Belastungen durch Lärm und zu Fragen der Verkehrssicherheit. Die Gemeinde beschäftigt sich deshalb mit Tempo-30-Zonen, sicheren Schulwegen und Verbesserungen für den Fuss- und Veloverkehr.
Bildung
Steinmaur besitzt eigene Kindergärten und eine Primarschule. Die Schulanlagen befinden sich überwiegend in Niedersteinmaur.
Die Primarschule ist organisatorisch in die kommunalen Strukturen eingebunden. Der Schulpräsident beziehungsweise die Schulpräsidentin nimmt als Mitglied im Gemeinderat Einsitz.
Die Sekundarstufe besuchen die Jugendlichen in Dielsdorf. Weiterführende Schulen und Berufsschulen befinden sich unter anderem in Dielsdorf, Bülach, Zürich und Winterthur.
Zur familienergänzenden Betreuung gehören Tagesstrukturen, Mittagstische und weitere Angebote für Kinder im Schulalter.
Kirchen und Religion
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche in Obersteinmaur ist das bedeutendste historische Bauwerk der Gemeinde. Eine Kirche wurde 1275 urkundlich erwähnt.
Der heutige Bau entstand im Wesentlichen in späteren Jahrhunderten und wurde mehrfach umgestaltet. Die Kirche wurde von 1864 bis 1866 umfassend erneuert beziehungsweise neu aufgebaut.
Sie steht erhöht über dem alten Dorfkern und ist weithin sichtbar. Zusammen mit dem Pfarrhaus, dem Friedhof und benachbarten Bauernhäusern bildet sie eine charakteristische historische Baugruppe.
Die reformierte Kirchgemeinde umfasst neben Steinmaur auch weitere Orte der Region. Neerach gehört historisch und bis heute zur Kirchgemeinde Steinmaur.
Katholische Bevölkerung
Die römisch-katholische Bevölkerung gehört zu einer regionalen Pfarrei im Zürcher Unterland. Katholische Kirchen befinden sich in benachbarten grösseren Gemeinden.
Daneben leben Angehörige freikirchlicher Gemeinschaften, anderer Religionen und konfessionslose Personen in Steinmaur.
Sehenswürdigkeiten
Historischer Dorfkern von Obersteinmaur
Obersteinmaur besitzt einen gut erkennbaren historischen Dorfkern. Er umfasst die reformierte Kirche, ältere Bauernhäuser, Fachwerkbauten und den Gasthof Kreuz.
Mehrere Häuser zeigen die traditionelle Verbindung von Wohnteil, Stall und Scheune unter einem gemeinsamen Dach. Umbauten dokumentieren den Wandel von landwirtschaftlichen zu modernen Wohnnutzungen.
Reformierte Kirche
Die reformierte Kirche prägt das Ortsbild. Ihre Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück, auch wenn das heutige Erscheinungsbild hauptsächlich aus dem 19. Jahrhundert stammt.
Der erhöhte Standort bietet einen Blick über Ober- und Niedersteinmaur sowie auf die umliegende Landschaft.
Fachwerkhäuser
In Obersteinmaur und Sünikon sind mehrere traditionelle Fachwerkhäuser erhalten. Sichtbare Holzbalken gliedern die Fassaden und bilden zusammen mit verputzten Gefachen typische Bauformen des Zürcher Unterlands.
Einzelne Gebäude stehen unter kommunalem oder kantonalem Schutz.
Gasthof Kreuz
Der Gasthof Kreuz in Obersteinmaur gehört zu den markanten historischen Gebäuden des Dorfes. Gasthäuser erfüllten früher neben der Bewirtung auch Funktionen als Versammlungs-, Handels- und Verkehrspunkte.
Storchensiedlung
In Niedersteinmaur befindet sich eine bekannte Storchensiedlung. Auf künstlichen Nisthilfen und hohen Bauten brüten regelmässig mehrere Weissstorchpaare.
Die Tiere sind zu einem sichtbaren Bestandteil des Ortsbildes geworden. Die offenen Landwirtschaftsflächen bieten ihnen geeignete Nahrungsgebiete.
Natur und Erholung
Steinmaur verfügt über ein ausgedehntes Netz von Feld-, Wald- und Wanderwegen. Sie verbinden die Ortsteile mit Dielsdorf, Regensberg, Bachs, Neerach und Stadel.
Beliebte Freizeitaktivitäten sind:
- Wandern und Spazieren;
- Velofahren;
- Joggen;
- Reiten;
- Beobachtung von Vögeln und Wildtieren;
- Vereins- und Mannschaftssport.
Die südlichen Waldgebiete am Fuss der Lägern und die nördlichen Höhen bieten Aussichtspunkte über das Zürcher Unterland.
Die Landwirtschaftslandschaft zwischen Sünikon, Neerach und Stadel ist durch grosse Ackerflächen, Einzelhöfe, Hecken und kleinere Waldstücke geprägt.
Naturschutz
Ökologisch wertvoll sind insbesondere Bachräume, Waldränder, Hochstammobstgärten, Hecken und extensiv genutzte Wiesen.
Die Gemeinde verfügt über eine Naturschutzkommission. Diese begleitet Projekte zum Schutz und zur Pflege von Lebensräumen und Landschaftselementen.[7]
Die Nähe zum Neeracherried erhöht die regionale Bedeutung der offenen Kulturlandschaft für Vögel. Weissstörche und weitere Arten nutzen Felder und Feuchtflächen zur Nahrungssuche.
Wasserversorgung und Abwasser
Steinmaur arbeitet bei der Wasserversorgung mit Neerach zusammen. Beide Gemeinden bilden den Zweckverband Wasserversorgung Laubrig.[8]
Zu den Anlagen gehören Quellen, Grundwasserfassungen, Reservoire und ein Leitungsnetz. Der Ausbau soll Versorgungssicherheit, Löschwasserreserven und den Bedarf wachsender Siedlungen gewährleisten.
Die Abwasserreinigung erfolgt regional. Steinmaur ist am Zweckverband Abwasserreinigung Fischbach-Glatt beteiligt, dessen Kläranlage in Niederglatt liegt.
Kultur und Vereinsleben
Das kulturelle und gesellschaftliche Leben wird von zahlreichen Vereinen getragen. Diese sind teilweise auf einzelne Ortsteile ausgerichtet, wirken aber häufig in der gesamten Gemeinde.
Zu den Vereinsbereichen gehören:
- Turnen und Sport;
- Radfahren;
- Schiessen;
- Musik und Gesang;
- Familien- und Jugendangebote;
- Natur- und Vogelschutz;
- Feuerwehr und Bevölkerungsschutz;
- gemeinnützige und soziale Tätigkeiten.
Sünikon besitzt ein besonders ausgeprägtes lokales Vereinsleben. Der Schiessverein und weitere Organisationen pflegen die Identität des Ortsteils.
Das monatliche Mitteilungsblatt der Gemeinde informiert über Behörden, Veranstaltungen, Vereine und öffentliche Projekte. Es wird an sämtliche Haushalte verteilt.[9]
Sport
Steinmaur verfügt über Sporthallen, Aussenanlagen, Schiessanlagen und weitere Freizeitangebote.
Der Radsport besitzt eine besondere örtliche Tradition. Mehrere erfolgreiche Schweizer Radrennfahrer stammen aus Steinmaur oder dem Ortsteil Sünikon.
Am 11. Juni 2024 startete in Steinmaur die dritte Etappe der Tour de Suisse. Das Ereignis brachte internationale Fahrer, Teams und zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer in die Gemeinde.
Persönlichkeiten
Mit Steinmaur verbunden sind unter anderem:
- Fritz Müller (1926–1980), Geograf, Glaziologe und Hochschullehrer, geboren in Sünikon;
- Willi Lienhard (* 1954), Radrennfahrer;
- Erwin Lienhard (1957–2019), Radrennfahrer;
- Fabian Lienhard (* 1993), Radrennfahrer.
Partnergemeinde
Steinmaur unterhält eine partnerschaftliche Verbindung mit einer Gemeinde im deutschen Bundesland Baden-Württemberg. Der Austausch wird durch Besuche, Vereinskontakte und gemeinsame Veranstaltungen gepflegt.
Siehe auch
- Bezirk Dielsdorf
- Wehntal
- Lägern
- Dielsdorf
- Regensberg
- Bachs
- Neerach
- Sünikon
- Wehntalbahn
- Liste der Gemeinden im Kanton Zürich
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Steinmaur
- Geschichte und Gemeindeporträt
- Steinmaur im Historischen Lexikon der Schweiz
- Steinmaur im Zürcher Siedlungsnamenbuch
- Zürcher Gemeinden in Zahlen
- Kartenviewer des Bundes
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Gemeinde Steinmaur: Zahlen und Fakten, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ ortsnamen.ch: Steinmaur, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Regensberg, Herrschaft, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Historisches Lexikon der Schweiz: Steinmaur, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Zürcher Gemeinden in Zahlen, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Steinmaur: Gemeinderat, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Steinmaur: Gesetzessammlung und Naturschutzkommission, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Steinmaur: Zweckverband Wasserversorgung Laubrig, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Steinmaur: Mitteilungsblatt, abgerufen am 25. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Steinmaur