Zürichsee

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Der Zürichsee ist ein langgestreckter Voralpensee in der Schweiz. Er liegt in den Kantonen Zürich, St. Gallen und Schwyz und bildet das landschaftliche Zentrum einer der am dichtesten besiedelten Regionen des Landes. Der See erstreckt sich von der Stadt Zürich im Nordwesten bis nach Schmerikon am östlichen Ende des Obersees.

Der Name Zürichsee bezeichnet je nach Zusammenhang entweder das gesamte Seesystem oder nur das grosse nordwestliche Hauptbecken. Der kleinere Obersee wird durch den Seedamm von Rapperswil und die Halbinsel Hurden weitgehend vom Hauptbecken getrennt. Beide Seeteile stehen durch mehrere schmale Durchlässe miteinander in Verbindung.

Mit einer Fläche von rund 88 Quadratkilometern ist der Zürichsee der drittgrösste vollständig innerhalb der Schweiz gelegene See. Sein wichtigster Zufluss ist die Linth, die über den Walensee und den Linthkanal in den Obersee gelangt. Bei Zürich verlässt das Wasser den See als Limmat. Über Limmat, Aare und Rhein gehört der Zürichsee zum Einzugsgebiet der Nordsee.

Der Zürichsee ist Trinkwasserspeicher für mehr als eine Million Menschen, Verkehrsweg, Naturraum und eines der wichtigsten Naherholungsgebiete der Schweiz. Seine Ufer sind seit der Jungsteinzeit besiedelt. Mehrere prähistorische Siedlungsstellen gehören zum UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen».

Zürichsee
Gewässertyp Voralpensee
Staat Schweiz
Kantone Zürich, St. Gallen, Schwyz
Zuflüsse Linthkanal, Jona, Wägitaler Aa, Goldinger Aabach sowie zahlreiche kleinere Bäche
Abfluss Limmat
Abflussweg Limmat – AareRhein – Nordsee
Fläche rund 88 km²
Länge rund 40 km
Grösste Breite rund 3,85 km
Maximale Tiefe 136 m
Volumen rund 3,9 km³
Höhe des Seespiegels rund 406 m ü. M.
Einzugsgebiet rund 1'800 km²
Mittlerer Abfluss rund 89 m³/s
Aufenthaltszeit rund 1,4 Jahre im Hauptbecken
Inseln Ufenau, Lützelau, Schönenwerd, Saffa-Insel
Bedeutende Uferorte Zürich, Küsnacht, Meilen, Stäfa, Rapperswil-Jona, Lachen, Pfäffikon, Wädenswil, Horgen

Name

In der älteren Literatur erscheint gelegentlich die Form «Zürichersee». Seit dem Mittelalter ist jedoch überwiegend die Bezeichnung «Zürichsee» gebräuchlich. Im Schweizerdeutschen wird der See meist «Zürisee» genannt.

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung findet sich in der im 8. Jahrhundert entstandenen Vita Sancti Galli, wo der See als lacus de Turegum bezeichnet wird. Um 1250 ist die lateinische Form lacus Turicinus belegt. Seit 1286 erscheint in den Quellen zunehmend der heutige Name Zürichsee.[1]

Geografie

Lage und Gliederung

Der Zürichsee ist ein schmaler, von Südosten nach Nordwesten verlaufender See am Übergang zwischen den Voralpen und dem Schweizer Mittelland. Das gesamte Seesystem besteht aus zwei Hauptbecken:

  • dem eigentlichen Zürichsee oder Hauptbecken zwischen Zürich und Rapperswil;
  • dem kleineren und flacheren Obersee zwischen Rapperswil, Schmerikon und Lachen.

Die natürliche Trennung zwischen den beiden Becken wird durch eine eiszeitliche Moräne gebildet. Die Halbinsel Hurden reicht von der Schwyzer Seite weit in den See hinein. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt Rapperswil. Über diese Engstelle führen der Seedamm mit Strasse und Eisenbahn sowie die Fussgängerbrücke Holzbrücke Rapperswil–Hurden.

Die beiden Seeteile sind durch drei schmale Wasserwege miteinander verbunden. Die Durchlässe besitzen nur geringe Tiefen von ungefähr zwei bis acht Metern. Dadurch unterscheiden sich Obersee und Hauptbecken hinsichtlich Strömung, Wasseraustausch, Temperaturverteilung und Aufenthaltszeit deutlich voneinander.[2]

Das Hauptbecken wird im Westen von den Höhenzügen des Albis und des Zimmerbergs, im Osten vom Pfannenstiel und den Hügeln des Zürcher Oberlandes begrenzt. Im südöstlichen Teil schliessen sich der Etzel, die Voralpen und die Berge der Kantone Schwyz und St. Gallen an.

Ufer

Das nordöstliche beziehungsweise rechte Seeufer reicht von Zürich über Zollikon, Küsnacht, Erlenbach, Herrliberg, Meilen, Männedorf und Stäfa bis nach Rapperswil-Jona. Die sonnigen Hanglagen am Pfannenstiel werden umgangssprachlich teilweise als Goldküste bezeichnet.

Am südwestlichen beziehungsweise linken Ufer liegen Kilchberg, Rüschlikon, Thalwil, Oberrieden, Horgen, die Halbinsel Au, Wädenswil und Richterswil. Im Gebiet des Obersees folgen Pfäffikon, Hurden, Altendorf, Lachen, Wangen, Tuggen, Schmerikon und weitere Ortschaften.

Die Ufer sind über weite Strecken stark besiedelt. Bahnlinien und Hauptstrassen verlaufen auf beiden Seiten häufig unmittelbar am See. Seit dem 19. Jahrhundert wurden zahlreiche Uferabschnitte aufgeschüttet oder befestigt. Naturnahe Flachwasserzonen, Schilfgürtel und Feuchtgebiete sind vor allem am Obersee, im Frauenwinkel, bei Feldbach und auf einzelnen Halbinseln erhalten geblieben.

Inseln und Halbinseln

Die bekanntesten natürlichen Inseln sind die Ufenau und die Lützelau zwischen Rapperswil und Freienbach. Die Ufenau gehört seit dem Mittelalter zum Kloster Einsiedeln. Auf ihr befinden sich die Kirche St. Peter und Paul sowie die Kapelle St. Martin. Der deutsche Humanist Ulrich von Hutten verbrachte dort seine letzten Lebensmonate und starb 1523 auf der Insel.

Die Lützelau liegt südöstlich der Ufenau. Weitere kleinere Inseln und Untiefen sind Schönenwerd bei Richterswil sowie der Grosse und der Kleine Hafner im unteren Seebecken. Die Saffa-Insel beim Zürcher Mythenquai wurde für die zweite Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit von 1958 künstlich aufgeschüttet.

Zu den markanten Halbinseln gehören Hurden, die Halbinsel Au bei Wädenswil und das Zürichhorn in der Stadt Zürich.

Entstehung und Geologie

Das Zürichseebecken entstand im Verlauf mehrerer Eiszeiten. Der Rhein-Linth-Gletscher bewegte sich aus dem Gebiet der Glarner Alpen nach Nordwesten und vertiefte ein bereits vorhandenes Flusstal. Das Eis schürfte das Becken aus, transportierte Gesteinsmaterial und hinterliess beim Rückzug Moränenzüge.

Die Höhen des Albis, des Zimmerbergs und des Pfannenstiels wurden durch Seitenmoränen und ältere Gletscherablagerungen mitgeprägt. Die Moräne zwischen Rapperswil und Hurden bildete eine natürliche Schwelle, welche das heutige Hauptbecken vom Obersee trennt.

Nach dem Rückzug des Gletschers war die Wasserfläche zeitweise wesentlich ausgedehnter als heute. Zürichsee und Walensee bildeten Teile eines zusammenhängenden Gewässersystems. In der Linthebene und im Gebiet von Tuggen bestanden ausgedehnte Flachseen und Sumpflandschaften. Der ehemalige Tuggenersee verlandete schrittweise und verschwand in der frühen Neuzeit.

Hydrologie

Zuflüsse

Der mit Abstand wichtigste Zufluss ist die Linth. Sie entspringt im Gebiet der Glarner Alpen und führt Wasser aus einem grossen alpinen Einzugsgebiet. Seit der Linthkorrektion fliesst die Glarner Linth durch den Escherkanal zunächst in den Walensee. Von dort gelangt das Wasser durch den Linthkanal in den Obersee.

Der Linthkanal bringt ungefähr zwei Drittel des gesamten Zuflusses in das Zürichseesystem. Mehr als 90 Prozent des Wassers, das in das Hauptbecken einströmt, stammt aus dem Obersee. Der Walensee wirkt dabei als natürliches Absetz- und Ausgleichsbecken.

Weitere bedeutende Zuflüsse des Obersees sind:

  • die Jona bei Rapperswil-Jona;
  • der Goldinger Aabach bei Schmerikon;
  • die Wägitaler Aa bei Lachen;
  • die Alte Linth und der Linth-Hintergraben;
  • verschiedene Entwässerungskanäle der Linthebene.

Bei Altendorf gelangt zudem Wasser aus dem Sihlsee über die Anlagen des Etzelwerks in den Obersee.

Das Hauptbecken besitzt nur ein vergleichsweise kleines direktes Einzugsgebiet. Von den umliegenden Hängen fliessen zahlreiche kurze Bäche in den See, darunter der Küsnachter Dorfbach, der Meilemer Dorfbach, der Hornbach und der Aabach bei Horgen.

Abfluss und Wasseraustausch

Bei Zürich verlässt das Wasser den See als Limmat. Der Abfluss führt durch die Zürcher Innenstadt und das Limmattal, nimmt am Platzspitz die Sihl auf und mündet bei Gebenstorf in die Aare.

Der mittlere Abfluss des Zürichsees beträgt rund 89 Kubikmeter pro Sekunde. Die theoretische Aufenthaltszeit des Wassers liegt im tiefen Hauptbecken bei ungefähr 1,4 Jahren. Im flacheren und stärker durchströmten Obersee beträgt sie lediglich etwa 0,2 Jahre.

Während des Sommers bildet sich im Hauptbecken gewöhnlich eine ausgeprägte Temperaturschichtung. Das warme Oberflächenwasser ist durch eine Sprungschicht vom kalten Tiefenwasser getrennt. Eine vollständige Durchmischung bis zum Seegrund findet nicht jedes Jahr statt. Häufig reicht die winterliche Zirkulation nur bis in eine Tiefe von ungefähr 80 Metern.[2]

Seeregulierung

Der Pegel des Zürichsees wird seit 1951 durch das Platzspitzwehr am oberen Letten in Zürich reguliert. Das Wehr steuert den Abfluss in die Limmat und dient gleichzeitig der Wasserkraftnutzung im Kraftwerk Letten.

Die Regulierung verfolgt mehrere Ziele. Sie soll Überschwemmungen an den Seeufern verhindern, einen ausreichenden Abfluss in der Limmat gewährleisten, die Schifffahrt ermöglichen und die Interessen von Trinkwasserversorgung, Fischerei, Ökologie und Energieproduktion berücksichtigen.

Eine besondere Herausforderung bildet die Sihl. Sie mündet unmittelbar unterhalb des Wehrs in die Limmat und kann bei starken Niederschlägen innerhalb kurzer Zeit grosse Wassermengen führen. In solchen Situationen kann der Abfluss aus dem Zürichsee vorübergehend vermindert werden, damit in der Limmat genügend Raum für das Sihlwasser bleibt. Dadurch steigt allerdings der Pegel des Zürichsees an.[3]

Der langjährige mittlere Wasserstand liegt bei ungefähr 405,93 m ü. M. Beim Hochwasser von 1999 wurde mit rund 406,99 m ü. M. einer der höchsten seit Beginn der modernen Messungen registrierten Pegelstände erreicht.[4]

Linthkorrektion

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts floss die Glarner Linth nicht durch den Walensee, sondern direkt durch die Linthebene in Richtung Zürichsee. Der Fluss brachte grosse Mengen an Geschiebe mit. Ablagerungen erhöhten das Flussbett, behinderten den Abfluss des Walensees und verursachten wiederkehrende Überschwemmungen und Versumpfungen.

Die von 1807 bis 1823 ausgeführte Linthkorrektion war eines der ersten grossen gesamtschweizerischen Wasserbauprojekte. Das Vorhaben wurde von Hans Conrad Escher von der Linth geleitet. Der 1811 eröffnete Escherkanal leitete die Linth in den Walensee. Der 1816 fertiggestellte Linthkanal führte das Wasser vom Walensee auf einem verkürzten Weg zum Zürichsee.

Der Walensee hält seither einen grossen Teil des Geschiebes zurück. Die Korrektion senkte den Wasserstand in der Linthebene, verbesserte den Hochwasserschutz und ermöglichte die landwirtschaftliche Nutzung weiter Flächen.[5]

Geschichte

Urgeschichte

Die Ufer des Zürichsees gehören zu den bedeutendsten urgeschichtlichen Fundlandschaften Europas. Seit der Jungsteinzeit errichteten bäuerliche Gemeinschaften ihre Siedlungen in den flachen Uferzonen. Wegen späterer Veränderungen des Seespiegels liegen die Überreste vieler Dörfer heute unter Wasser oder in dauerhaft feuchten Böden.

Die feuchten Ablagerungen konservierten Holz, Textilien, Pflanzenreste, Werkzeuge, Fischernetze, Speisereste und andere organische Materialien. Die Funde ermöglichen aussergewöhnlich genaue Einblicke in Landwirtschaft, Handwerk, Ernährung, Hausbau und Handel zwischen dem 5. und dem 1. Jahrtausend v. Chr.

Im Winter 1853/54 wurden bei ungewöhnlich tiefem Wasserstand vor Obermeilen Pfähle und zahlreiche Fundgegenstände entdeckt. Die wissenschaftliche Untersuchung dieser Stelle löste in der Schweiz und in anderen Alpenländern ein regelrechtes «Pfahlbaufieber» aus.

Die Fundstelle Horgen-Scheller gab der Horgener Kultur ihren Namen. Diese jungsteinzeitliche Kultur bestand ungefähr zwischen 3300 und 2800 v. Chr. und ist unter anderem durch charakteristische grobe Keramikgefässe bekannt.

Mehrere Siedlungsstellen am Zürichsee und Obersee gehören seit 2011 zum UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen». Dazu zählen Fundstellen bei Zürich, Erlenbach, Meilen, Wädenswil, Freienbach-Hurden und Rapperswil-Jona.[6]

Römerzeit und Frühmittelalter

In römischer Zeit bestanden am See mehrere Siedlungen und Verkehrswege. Besonders bedeutend war der Ort Centum Prata im heutigen Kempraten bei Rapperswil. Er lag an einer wichtigen Verbindung zwischen dem Gebiet von Zürich, dem Walensee und den Bündner Alpenpässen.

Die Engstelle zwischen Rapperswil und Hurden wurde wahrscheinlich bereits in vorgeschichtlicher und römischer Zeit für Übergänge genutzt. Archäologische Untersuchungen weisen auf unterschiedliche Brücken- und Stegkonstruktionen hin.

Im Frühmittelalter gewann die Ufenau als kirchlicher Ort an Bedeutung. Die Insel und weitere Güter am See gelangten in den Besitz des Klosters Einsiedeln. Klöster, Grundherren und Städte besassen Fischerei-, Schifffahrts- und Zollrechte.

Mittelalter und frühe Neuzeit

Mit dem Wachstum Zürichs entwickelte sich der See zu einer bedeutenden Handelsroute. Er war Teil der Verbindung vom Rheinraum über Zürich, Walensee, Graubünden und die Alpenpässe nach Italien. Transportiert wurden unter anderem Salz, Wein, Eisen aus dem Gonzengebiet, Steine, Textilien, Vieh und Käse.

Die Güter wurden in Häfen und Lagerhäusern umgeschlagen. Solche Hafenanlagen wurden am Zürichsee traditionell als «Haaben» bezeichnet. Die 1452 eröffnete Sust in Horgen war ein wichtiger Umschlagplatz für Waren, die über den See und anschliessend über den Hirzel in Richtung Gotthard transportiert wurden.

Die Zürcher Schiffleute schlossen sich 1336 zu einer Zunft zusammen. Sie besassen nicht nur wirtschaftliche Privilegien, sondern nahmen auch hoheitliche Aufgaben wahr. Der Zürcher Rat erliess Vorschriften für Schiffe, Ladungen und Fahrten.

Zwischen 1358 und 1360 liess Herzog Rudolf IV. von Habsburg eine hölzerne Brücke von Rapperswil nach Hurden errichten. Sie diente dem regionalen Verkehr und den Pilgerinnen und Pilgern auf dem Weg nach Einsiedeln.

1362 verlieh Kaiser Karl IV. der Stadt Zürich die Seehoheit über den unteren Zürichsee bis Hurden. Zürich unterhielt während Jahrhunderten eine bewaffnete Flotte. Im Alten Zürichkrieg kam es auf dem See zu Kämpfen zwischen Zürich und Schwyz. Die letzten Zürcher Kriegsschiffe wurden im Bockenkrieg von 1804 eingesetzt.

Industrialisierung und Uferentwicklung

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich die Textilindustrie in zahlreichen Seegemeinden. Wohlhabende Fabrikanten und Kaufleute errichteten Landhäuser und Parkanlagen an den Hängen über dem See.

Die politischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Zürich und den Landgemeinden prägten die Region. Dazu gehörten der Stäfnerhandel von 1794/95 und der Bockenkrieg von 1804. Das Küsnachter Memorial von 1830 trug zur liberalen Bewegung bei, die im Ustertag und in der neuen Zürcher Kantonsverfassung von 1831 ihren Ausdruck fand.

Die linksufrige Zürichseebahn wurde 1875 eröffnet, die rechtsufrige Linie 1894. Der Eisenbahnbau beschleunigte das Bevölkerungswachstum und veränderte die Ufer. Gleise, Strassen, Häfen, Industrieanlagen und Wohnbauten entstanden teilweise auf künstlichen Aufschüttungen.

Der hölzerne Übergang zwischen Rapperswil und Hurden wurde 1878 durch den Seedamm ersetzt. Über den Damm führen eine Strasse und eine Eisenbahnlinie. Seit 2001 besteht daneben wieder eine hölzerne Fussgängerbrücke, die sich am historischen Verlauf des Pilgerwegs orientiert.

In der Stadt Zürich veränderten die zwischen 1881 und 1888 ausgeführten Quaibauten das untere Seeende grundlegend. Es entstanden die Quaibrücke, Uferpromenaden, Parkanlagen und neue Bauflächen.

Schifffahrt und Verkehr

Traditionelle Schifffahrt

Über Jahrhunderte waren Segel- und Ruderschiffe das wichtigste Transportmittel zwischen den Seegemeinden und der Stadt Zürich. Marktschiffe verkehrten regelmässig und brachten landwirtschaftliche Erzeugnisse, Baumaterialien und Handelswaren in die Stadt.

Einen bedeutenden Teil des Personenverkehrs bildeten Pilgerfahrten nach Einsiedeln. Reisende gelangten mit Schiffen nach Richterswil oder Pfäffikon und setzten ihren Weg zu Fuss über Schindellegi oder den Etzel fort.

Stürme, Überladung und unzureichende Bauweise führten wiederholt zu schweren Schiffsunglücken. Überlieferte Unglücke ereigneten sich unter anderem 1308, 1345 und 1764.

Dampfschifffahrt

1835 nahm die in England gebaute Minerva als erstes Dampfschiff auf dem Zürichsee den Betrieb auf. Weitere Gesellschaften und Dampfschiffe folgten. Die Maschinenfabrik Escher Wyss entwickelte sich in Zürich zu einem bedeutenden Hersteller von Schiffsmaschinen und Dampfschiffen.

Die heutige Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft wurde 1890 als Zürcher Dampfboot-Aktien-Gesellschaft gegründet und trägt seit 1957 ihren heutigen Namen. Seit 1990 ist sie in den Zürcher Verkehrsverbund integriert.[7]

Zu den bekanntesten Schiffen gehören die historischen Raddampfer Stadt Zürich von 1909 und Stadt Rapperswil von 1914. Beide wurden dank öffentlichem Engagement erhalten und werden weiterhin für Kurs- und Sonderfahrten eingesetzt.

Seit 1933 verbindet die Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen die beiden Ufer. Die Autofähre verkürzt die Strassenverbindung zwischen dem Raum Zimmerberg und dem Pfannenstiel erheblich.

Wirtschaftliche Bedeutung

Trinkwasserversorgung

Der Zürichsee ist einer der wichtigsten Trinkwasserspeicher der Schweiz. Mehr als eine Million Menschen in der Stadt Zürich und in zahlreichen Gemeinden der umliegenden Kantone werden ganz oder teilweise mit aufbereitetem Seewasser versorgt.

In der Stadt Zürich stammen rund 70 Prozent des Trinkwassers aus dem See. Das Rohwasser wird in mehreren Dutzend Metern Tiefe entnommen und in den Seewasserwerken Lengg und Moos durch verschiedene Filter- und Aufbereitungsstufen gereinigt. Grund- und Quellwasser ergänzen die Versorgung.[8]

Die Trinkwassernutzung stellt hohe Anforderungen an den Gewässerschutz. Abwasserreinigung, Überwachung der Zuflüsse, Kontrolle von Mikroverunreinigungen und Schutz vor Unfällen im Einzugsgebiet sind deshalb von besonderer Bedeutung.

Fischerei

Die Fischerei war während Jahrhunderten ein wichtiger Erwerbszweig. Fischereirechte gehörten Städten, Klöstern, Grundherren und lokalen Genossenschaften. Schriftliche Fischereivorschriften sind für den Zürichsee seit 1370 und für den Obersee seit 1493 bekannt.

Zu den im See vorkommenden Fischen gehören Felchen, Egli, Hecht, Zander, Seeforelle, Trüsche, Rotauge und verschiedene Karpfenfische. Veränderungen der Wasserqualität, Uferverbauungen, gebietsfremde Arten und der Wandel der Nahrungsnetze beeinflussen die Bestände.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts lebten am Zürichsee nach historischen Angaben rund 200 Berufsfischer. 1767 waren es noch 104, zu Beginn des 21. Jahrhunderts nur noch wenige. Die Freizeitfischerei besitzt heute eine grössere zahlenmässige Bedeutung als die Berufsfischerei.

Landwirtschaft und Siedlungsraum

Die klimatisch begünstigten Hänge wurden traditionell für Weinbau, Obstbau und Landwirtschaft genutzt. Besonders am rechten Seeufer bestehen noch einzelne Rebberge. Mit der Ausdehnung der Agglomeration Zürich ging jedoch ein erheblicher Teil der früheren Landwirtschaftsflächen verloren.

Heute gehört die Zürichseeregion zu den wirtschaftlich stärksten und teuersten Wohnregionen der Schweiz. Der hohe Siedlungsdruck führt zu Konflikten zwischen Wohnungsbau, Verkehr, öffentlichem Zugang zum See, Landschaftsschutz und der Erhaltung naturnaher Ufer.

Wasserqualität

Eutrophierung und Sanierung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeigten sich erste Anzeichen einer zunehmenden Nährstoffbelastung. 1897 und 1898 wurden Massenentwicklungen der Burgunderblutalge beobachtet. Durch Bevölkerungswachstum, ungeklärte Abwässer und phosphathaltige Waschmittel verschlechterte sich der Zustand im 20. Jahrhundert stark.

Um 1948 befand sich der Zürichsee bereits in einem eutrophen, also nährstoffreichen Zustand. Die Phosphorkonzentration stieg von ungefähr 40 Mikrogramm pro Liter auf mehr als 100 Mikrogramm pro Liter im Jahr 1972. Im Tiefenwasser wurde der Sauerstoff teilweise nahezu vollständig aufgezehrt.

Seit den 1970er-Jahren ging die Belastung deutlich zurück. Entscheidend waren der Ausbau der Kanalisation, moderne Kläranlagen, Phosphatfällung, Flockungsfiltration und das 1986 eingeführte Phosphatverbot für Textilwaschmittel.

Seit 1999 wird der kantonale Zielwert für Phosphor von 25 Mikrogramm pro Liter im Hauptbecken eingehalten. Das BAFU stufte den Zürichsee 2016 als mesotroph ein. Der natürlich zu erwartende Phosphorgehalt liegt allerdings noch tiefer.[2]

Sauerstoff und Durchmischung

Trotz der verbesserten Nährstoffsituation bleibt die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers zeitweise ungenügend. Abgestorbene Algen und andere organische Stoffe sinken ab und werden unter Verbrauch von Sauerstoff zersetzt.

Weil das tiefe Hauptbecken nicht in jedem Winter vollständig durchmischt wird, gelangt nur unregelmässig sauerstoffreiches Oberflächenwasser bis zum Seegrund. Im Obersee können am Ende des Sommers ebenfalls sauerstoffarme Verhältnisse in den tiefsten Bereichen auftreten.

Die Burgunderblutalge, wissenschaftlich Planktothrix rubescens, ist ein natürlich vorkommendes Cyanobakterium. Sie kann sich in bestimmten Tiefen stark vermehren und den Stoffhaushalt des Sees erheblich beeinflussen. Ihr erneutes Auftreten wird teilweise als Folge des wieder gesunkenen Phosphorgehalts, zugleich aber auch als ökologische Herausforderung betrachtet.

Natur- und Landschaftsschutz

Die wenigen verbliebenen Flachwasserzonen, Schilfgürtel, Riede und Feuchtwiesen sind wichtige Lebensräume für Wasservögel, Amphibien, Fische, Insekten und Wasserpflanzen. Besonders bedeutend sind der Frauenwinkel bei Pfäffikon und Hurden, die Ufer des Obersees, die Inseln Ufenau und Lützelau, das Feldbacher Horn und Teile der Halbinsel Au.

Der Frauenwinkel gehört zu den wertvollsten Seeuferlandschaften der Schweiz. Seine Riedflächen, Flachmoore und Schilfbestände dienen zahlreichen Zug- und Brutvögeln als Lebensraum. Freizeitverkehr, Wellenschlag, Nährstoffeinträge und die Ausbreitung der Siedlungen setzen die empfindlichen Uferbereiche unter Druck.

Ein grosser Teil der ursprünglichen Uferlinie wurde befestigt. Mauern, Strassen, Bahnlinien, Hafenanlagen und private Grundstücke unterbrechen die natürliche Verbindung zwischen Wasser und Land. Revitalisierungsprojekte sollen deshalb Flachwasserbereiche aufwerten, Schilfbestände fördern und den öffentlichen Zugang mit den Anforderungen des Naturschutzes abstimmen.

Auch gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten stellen eine Herausforderung dar. Die Wandermuschel verbreitete sich seit den 1960er-Jahren im See. Weitere invasive Arten können über Boote und Wassersportgeräte eingeschleppt werden. Behörden empfehlen deshalb, Boote, Anhänger und Ausrüstungsgegenstände vor dem Wechsel in ein anderes Gewässer gründlich zu reinigen und vollständig zu trocknen.

Klimawandel

Messreihen zeigen eine langfristige Erwärmung des Zürichsees. Zwischen den 1950er- und 1990er-Jahren verlängerte sich die sommerliche Schichtungsperiode um ungefähr zwei bis drei Wochen. Mildere Winter können die vollständige Durchmischung des Sees zusätzlich erschweren.

Eine stärkere und länger anhaltende Schichtung vermindert den Transport von Sauerstoff in die Tiefe. Gleichzeitig können hohe Wassertemperaturen kälteliebende Fischarten belasten und die Zusammensetzung des Planktons verändern.

Der Klimawandel beeinflusst auch den Wasserhaushalt des alpinen Einzugsgebiets. Veränderungen von Schneedecke, Niederschlag und Gletscherschmelze wirken sich langfristig auf die Zuflüsse aus. Starkniederschläge können die Hochwassergefahr erhöhen, während längere Trockenperioden den Nutzungsdruck auf den See als Trinkwasser- und Wärmespeicher verstärken.

Freizeit und Tourismus

Der Zürichsee ist eines der meistgenutzten Erholungsgebiete der Schweiz. Zu den verbreiteten Aktivitäten gehören Schwimmen, Segeln, Rudern, Paddeln, Tauchen, Angeln und Fahrten mit Kursschiffen. Entlang der Ufer bestehen zahlreiche Strandbäder, Häfen, Spazierwege, Parkanlagen und Aussichtspunkte.

Besonders bekannt sind die Zürcher Seeanlagen mit Bürkliplatz, Arboretum, Mythenquai, Zürichhorn und Chinagarten. Weitere wichtige Ausflugsziele sind Rapperswil mit Schloss und Altstadt, die Insel Ufenau, die Halbinsel Au, der Holzsteg nach Hurden und die Schutzlandschaften des Obersees.

Die intensive Freizeitnutzung führt zu Nutzungskonflikten. Motorboote, Segelschiffe, Kursschiffe, Schwimmerinnen und Schwimmer, Ruderboote und Stand-up-Paddler teilen sich denselben Raum. In Schutzgebieten gelten besondere Fahr-, Anlege- und Betretungsregeln.

Das Schwimmen im offenen See erfordert Vorsicht. Wind, Wellen, tiefe Wassertemperaturen, Schiffsverkehr und grosse Entfernungen zum Ufer können unterschätzt werden.

Seegfrörni

In besonders kalten Wintern kann der Zürichsee teilweise oder vollständig zufrieren. Eine vollständige Eisdecke ist wegen der Grösse und Tiefe des Hauptbeckens selten. Historisch dokumentierte vollständige Zufrierungen ereigneten sich unter anderem 1891, 1929 und 1963.

Die «Seegfrörni» von 1963 besitzt einen besonderen Platz im kollektiven Gedächtnis der Region. Nach amtlicher Freigabe betraten Hunderttausende Menschen die Eisfläche. Es entstanden Verkaufsstände, provisorische Wege und Treffpunkte auf dem See. Seit 1963 ist der Zürichsee nicht mehr vollständig und dauerhaft für die Öffentlichkeit zugefroren.

Kultur

Der Zürichsee wurde in Literatur, Malerei, Fotografie und Musik vielfach dargestellt. Der deutsche Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock besang eine Seefahrt in seiner 1750 entstandenen Ode Der Zürchersee. Johann Wolfgang von Goethe hielt sich 1775, 1779 und 1797 am Zürichsee auf und verarbeitete Eindrücke der Landschaft in seinen Werken.

Auch Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer griffen den See literarisch auf. In Meyers Novelle Der Schuss von der Kanzel bildet die Zürichseelandschaft einen wichtigen Schauplatz.

Für die Stadt Zürich ist der See ein zentrales landschaftliches und identitätsstiftendes Element. Das Bild der Stadt wird wesentlich durch den offenen Blick vom unteren Seebecken in Richtung der Glarner und Schwyzer Alpen geprägt.

Siehe auch

Literatur

  • Peter Ziegler: Zürichsee. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 10. Juni 2015.
  • Heinrich Gutersohn: Geographie der Schweiz. Band 3: Mittelland. Kümmerly & Frey, Bern 1969.
  • Peter Ziegler: Rund um den Zürichsee. Stäfa, Meilen, Herrliberg, Thalwil, Horgen, Wädenswil. Verlag Th. Gut, Stäfa 1993.
  • Wasserversorgung Zürich: Gewässerzustand von Zürichsee, Zürich-Obersee und Walensee. Zürich 2013.
  • Baudirektion Kanton Zürich: Leitbild Zürichsee 2050. Zürich 2013.

Einzelnachweise

  1. Peter Ziegler: Zürichsee. Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 10. Juni 2015, abgerufen am 22. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Der Zürichsee – Zustand bezüglich Wasserqualität. Bundesamt für Umwelt, 1. Juli 2016, abgerufen am 22. Juli 2026.
  3. Erneuerung Platzspitzwehr. Kanton Zürich, abgerufen am 22. Juli 2026.
  4. Zürichsee – Zürich. Bundesamt für Umwelt, Hydrodaten, abgerufen am 22. Juli 2026.
  5. Linth. Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 24. Januar 2008, abgerufen am 22. Juli 2026.
  6. UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen». Swiss Coordination Group UNESCO Palafittes, abgerufen am 22. Juli 2026.
  7. Geschichte der Schifffahrt auf dem Zürichsee. Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, abgerufen am 22. Juli 2026.
  8. Seewasserwerk Moos. Wasserversorgung Zürich, abgerufen am 22. Juli 2026.