Walensee

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Walensee
Lage Ostschweiz
Kantone St. Gallen und Glarus
Höhe über Meer 419 m ü. M.
Fläche 24,1 km²
Länge 15,4 km
Grösste Breite 2,0 km
Grösste Tiefe 145 m
Mittlere Tiefe 103 m
Volumen 2,52 km³
Einzugsgebiet 1'061 km²
Mittlerer Abfluss 55,2 m³/s
Hauptzufluss Linth im Escherkanal
Weitere Zuflüsse Seez, Murgbach und zahlreiche Bergbäche
Abfluss Linthkanal
Insel Schnittlauchinsel
Uferorte Walenstadt, Mols, Unterterzen, Murg, Mühlehorn, Weesen, Betlis und Quinten

Der Walensee ist ein langgestreckter, fjordartig wirkender Voralpensee in der Ostschweiz. Er liegt zwischen der steil aufragenden Bergkette der Churfirsten im Norden und den Hängen des Kerenzerbergs und der Flumserberge im Süden. Die Kantonsgrenze zwischen St. Gallen und Glarus verläuft durch den See.

Der Walensee liegt auf 419 Metern über Meer, besitzt eine Fläche von 24,1 Quadratkilometern und erreicht eine maximale Tiefe von 145 Metern. Mit einer mittleren Tiefe von 103 Metern gehört er zu den tiefen Seen der Schweiz. Sein Wasservolumen beträgt rund 2,52 Kubikkilometer.[1]

Der wichtigste Zufluss ist seit der Linthkorrektion die Glarner Linth, die durch den Escherkanal in den westlichen Teil des Sees geleitet wird. Am westlichen Ende verlässt das Wasser den See bei Weesen durch den Linthkanal und fliesst weiter in den Zürich-Obersee. Vor der Linthkorrektion war die Seez der bedeutendste Zufluss.

Der See besitzt eine sehr gute Wasserqualität und befindet sich in einem nährstoffarmen, oligotrophen Zustand. Zusammen mit dem Zürich-Obersee ist er ein wichtiger Wasserlieferant für den Zürichsee, der als Trinkwasserspeicher für rund eine Million Menschen dient.[1]

Die eindrückliche Verbindung von tiefblauem Wasser, nahezu senkrechten Felswänden, Wasserfällen, Rebbergen und historischen Dörfern macht den Walensee zu einer der markantesten Seenlandschaften der Schweiz. Bedeutende Ausflugsziele sind das autofreie Quinten, die Halbinsel Betlis, die Seerenbachfälle, die Rinquelle, die Flumserberge und die Churfirsten.

Name

Der Name Walensee bedeutet ursprünglich See der Welschen.

Das Wort welsch bezeichnete in den germanischen Sprachen romanischsprachige Bevölkerungsgruppen. Der See lag im frühen Mittelalter in einem Übergangsgebiet zwischen den von Westen vordringenden Alemannen und der rätoromanischen Bevölkerung im Osten.

Der deutsche Name verweist somit auf eine frühere Sprach- und Kulturgrenze. Vergleichbare Namen sind etwa der Walchensee in Bayern oder verschiedene Ortsnamen mit den Bestandteilen Walchen und Walen.

In einer Urkunde aus dem Jahr 843 erscheint der See als lacu Riuano. Diese ältere Bezeichnung hängt mit einem rätoromanischen Namen zusammen. Spätere Namensformen bezogen sich zunehmend auf die romanischsprachige Bevölkerung an seinem östlichen Ende.[2]

Der Name Walenstadt bedeutet entsprechend Stadt beziehungsweise Uferort der Welschen. Der Ort wurde im 9. Jahrhundert unter anderem als Ripa Vualahastade erwähnt.

Geografie

Lage

Der Walensee liegt in einem schmalen, von Osten nach Westen verlaufenden Tal zwischen dem Seeztal und der Linthebene.

Im Osten beginnt der See bei Walenstadt und Mols. Im Westen endet er bei Weesen und dem Eingang in die Linthebene.

Die Entfernung zwischen Walenstadt und Weesen beträgt rund 15,4 Kilometer. Die grösste Breite liegt bei etwa zwei Kilometern.

Die beiden Ufer unterscheiden sich deutlich:

  • Das Nordufer wird von den sehr steilen Südflanken der Churfirsten und des Leistcham geprägt.
  • Das Südufer besitzt mehr besiedelbare Flächen und wird von Verkehrswegen, Dörfern und den Hängen des Kerenzerbergs und der Flumserberge begleitet.
  • Das Westende geht in die Linthebene über.
  • Das Ostende ist mit dem Seeztal verbunden.

Kantonsgrenze

Der westliche Teil des Sees gehört zum Kanton Glarus, der östliche Teil zum Kanton St. Gallen.

Die Grenze verläuft quer durch den See ungefähr zwischen Mühlehorn am Südufer und dem Gebiet westlich von Quinten am Nordufer.

An den See grenzen die Gemeinden:

Gemeinde Kanton Uferabschnitt
Walenstadt St. Gallen Ost- und Südostufer
Quarten St. Gallen Süd- und Nordufer mit Mols, Unterterzen, Murg und Quinten
Glarus Nord Glarus Südwestufer mit Mühlehorn
Amden St. Gallen Nordwestufer mit Betlis
Weesen St. Gallen Westende und Seeabfluss

Obwohl der Walensee teilweise im Kanton Glarus liegt, gehört Weesen am westlichen Ende zum Kanton St. Gallen.

Uferlandschaft

Das Nordufer ist über lange Strecken nur schwer zugänglich. Die Felswände der Churfirsten fallen teilweise fast senkrecht zum See ab.

Nur an einzelnen Stellen bestehen schmale Geländeterrassen und Schwemmkegel. Auf solchen Flächen liegen Quinten, Au und Betlis.

Das Südufer ist breiter erschlossen. Dort verlaufen:

  • die Autobahn A3;
  • die Bahnstrecke Ziegelbrücke–Sargans;
  • die Hauptstrasse;
  • lokale Uferwege;
  • Siedlungen und touristische Anlagen.

Die wichtigsten flachen Uferbereiche befinden sich bei Walenstadt, Unterterzen, Murg, Mühlehorn und Weesen.

Kenngrössen

Merkmal Wert
Seehöhe 419 m ü. M.
Oberfläche 24,1 km²
Maximale Länge 15,4 km
Maximale Breite 2,0 km
Maximale Tiefe 145 m
Mittlere Tiefe 103 m
Wasservolumen 2,52 km³
Mittlerer Abfluss 55,2 m³/s
Theoretische Aufenthaltszeit des Wassers 1,45 Jahre
Fläche des Einzugsgebiets 1'061 km²

Die Angaben beruhen auf den vom Kanton St. Gallen veröffentlichten Kenngrössen.[1]

Berge

Churfirsten

Die Churfirsten bilden die auffälligste Bergkulisse des Walensees.

Die Kette erhebt sich unmittelbar am Nordufer und erreicht Höhen von mehr als 2'300 Metern. Vom See aus erscheinen die Gipfel als nahezu geschlossene Felsmauer.

Zu den klassischen sieben Churfirsten gehören:

  • Chäserrugg;
  • Hinterrugg;
  • Schibenstoll;
  • Zuestoll;
  • Brisi;
  • Frümsel;
  • Selun.

Die steilen, nach Süden gerichteten Felsflanken bestehen überwiegend aus Kalkgesteinen der Kreidezeit. Die Gesteinsschichten gehören zur Säntisdecke und wurden während der Alpenbildung gefaltet, überschoben und angehoben.

Das Gebiet weist zahlreiche Karsthöhlen, unterirdische Wasserläufe und Quellen auf.

Leistchamm und Mattstock

Am nordwestlichen Ende des Sees erhebt sich der Leistchamm. Weiter westlich liegt der Mattstock oberhalb von Amden und Weesen.

Diese Berge bilden den Übergang zwischen den Churfirsten und den Voralpen des Linthgebiets.

Kerenzerberg

Der Kerenzerberg liegt am südwestlichen Ufer zwischen Mühlehorn, Filzbach und Näfels.

Er bietet weite Ausblicke auf den Walensee und die Churfirsten.

Die Sonnenterrasse des Kerenzerbergs wird für:

  • Landwirtschaft;
  • Wohnen;
  • Wandern;
  • Wintersport;
  • Gleitschirmfliegen

genutzt.

Flumserberge

Südlich des östlichen Seeteils liegen die Flumserberge.

Sie bilden ein bedeutendes Sommer- und Wintersportgebiet. Von Tannenboden und den umliegenden Gipfeln besteht ein weiter Blick über den Walensee zu den Churfirsten.

Eine Gondelbahn verbindet Unterterzen am See mit dem Feriengebiet Flumserberg.

Geologie

Der Walensee liegt in einer geologisch komplexen Übergangszone zwischen den Helvetischen Alpen und dem Alpenvorland.

Die steilen Bergflanken bestehen aus verschiedenen Gesteinsdecken, die während der Entstehung der Alpen über grosse Distanzen nach Norden geschoben wurden.

Zu den wichtigen Gesteinsarten gehören:

  • Kalkstein;
  • Mergel;
  • Sandstein;
  • Schiefer;
  • Flysch;
  • eiszeitliche Lockergesteine.

Die Churfirsten bestehen hauptsächlich aus Kalk- und Mergelgesteinen, die ursprünglich in einem Meer abgelagert wurden.

Südlich des Sees treten andere tektonische Einheiten auf, darunter Gesteine der Mürtschendecke und Flyschformationen.

Entstehung des Seebeckens

Die Grundform des Walenseetals entstand durch tektonische Vorgänge und Flusserosion.

Während der Eiszeiten wurde das Tal durch den Rheingletscher und seine Seitenarme stark vertieft und verbreitert. Das Eis bewegte sich durch den Talraum und schliff ein tiefes, U-förmiges Becken aus.

Nach dem Rückzug der Gletscher füllte sich die Vertiefung mit Wasser.

Moränen, Bergsturzmaterial und Flussablagerungen beeinflussten die spätere Form der Ufer.

Der fjordähnliche Charakter des Sees beruht auf:

  • dem langgestreckten, tiefen Becken;
  • den steilen Felswänden;
  • der geringen Breite;
  • den hohen Bergen unmittelbar am Ufer.

Karstgebiet der Churfirsten

Das Kalkgebirge nördlich des Sees ist stark verkarstet.

Niederschlags- und Schmelzwasser versickert durch Spalten und Höhlen und tritt an tiefer gelegenen Quellen wieder aus.

Die Rinquelle bei Betlis ist einer der bekanntesten Karstaustritte der Schweiz. Ihr Wasser stammt aus einem weitläufigen unterirdischen System der Churfirsten.[3]

Hydrologie

Zuflüsse

Der Hauptzufluss ist die Linth, die durch den Escherkanal in den westlichen Seeteil mündet.

Weitere bedeutende Zuflüsse sind:

Zufluss Mündungsgebiet Herkunft
Linth Westlicher Seeteil bei Gäsi Glarner Alpen und Glarnerland
Seez Walenstadt Weisstannental und Seeztal
Murgbach Murg Murgtal und Murgseen
Rombach Mühlehorn Kerenzerberg
Meerenbach Weesen Gebiet Amden und Weesen
Seerenbach Betlis Churfirstengebiet
Verschiedene Wildbäche Nord- und Südufer Steile Bergflanken

Die Linth führt grosse Mengen mineralischer Trübstoffe und Geschiebe aus den Alpen mit.

Bei Hochwasser kann sich ihr milchig-graues Wasser deutlich vom blauen Seewasser unterscheiden.

Abfluss

Der See entwässert bei Weesen in den Linthkanal.

Dieser führt das Wasser durch die Linthebene und mündet bei Schmerikon in den Zürich-Obersee.

Der Walensee ist damit Teil des Flusssystems:

Linth – Walensee – Linthkanal – Zürichsee – LimmatAareRhein.

Seez

Die Seez war vor der Linthkorrektion der wichtigste Zufluss des Walensees.

Sie entspringt im Weisstannental und fliesst durch Mels, Flums und Walenstadt.

Ihr Unterlauf wurde reguliert und mündet am östlichen Ende des Sees.

Murgbach

Der Murgbach entwässert das Murgtal mit den drei Murgseen.

Er mündet bei Murg in den Walensee.

Sein Wasser wurde seit dem 19. Jahrhundert für Gewerbe, Industrie und Energiegewinnung genutzt.

Wasserhaushalt

Der Walensee wird nicht durch ein grosses Wehr künstlich reguliert. Er gehört zu den wenigen grossen Schweizer Seen ohne eigentliche Seeregulierung.[4]

Sein Wasserstand wird vor allem beeinflusst durch:

  • Abfluss der Linth;
  • Niederschlag;
  • Schneeschmelze;
  • Zuflüsse aus den Bergtälern;
  • Abflusskapazität des Linthkanals;
  • langfristige Veränderungen des Deltas.

Der See wirkt als natürlicher Rückhalteraum und dämpft Hochwasserspitzen der Linth.

Linthkorrektion

Situation vor der Korrektion

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts floss die Glarner Linth nicht in den Walensee.

Sie führte von Mollis durch die Linthebene nach Ziegelbrücke und vereinigte sich dort mit der Maag, dem damaligen Abfluss des Walensees.

Geschiebeablagerungen erhöhten das Flussbett der Linth. Dadurch wurde der Abfluss des Walensees zunehmend behindert.

Die Folgen waren:

  • häufige Überschwemmungen;
  • Vernässung der Linthebene;
  • Anstieg des Walensees;
  • Zerstörung landwirtschaftlicher Flächen;
  • schwierige hygienische Verhältnisse;
  • Behinderung des Verkehrs und Handels.

Siedlungen und Kulturland am westlichen Seeufer waren besonders gefährdet.

Planung

Bereits 1784 entwarf der Berner Ingenieur Andreas Lanz ein Projekt zur Umleitung der Linth in den Walensee.

Der See sollte als natürliches Auffangbecken für Geschiebe dienen.

Hans Conrad Escher von der Linth griff diese Idee auf und entwickelte daraus das grosse Projekt der Linthkorrektion.

Die eidgenössische Tagsatzung genehmigte das Vorhaben am 28. Juli 1804.[5]

Escherkanal

Die Bauarbeiten am Escherkanal dauerten von 1807 bis 1811.

Der Kanal leitete die Linth von Mollis beziehungsweise Näfels in den Walensee.

Das mitgeführte Geschiebe lagerte sich fortan im See ab und bildete an der Mündung ein wachsendes Delta.

Der Kanal wurde nach Hans Conrad Escher benannt, der für seine Verdienste den Ehrennamen von der Linth erhielt.

Linthkanal

Zwischen Weesen und Ziegelbrücke wurde ein neuer, leistungsfähiger Abfluss aus dem Walensee geschaffen.

Der erste Abschnitt war 1812 fertiggestellt. Die weiteren Arbeiten zur Kanalisierung der Linth in Richtung Zürichsee dauerten bis weit ins 19. Jahrhundert.[5]

Der neue Abfluss senkte den mittleren Wasserspiegel des Walensees um ungefähr 5,5 Meter.[6]

Dadurch wurden zuvor überflutete und versumpfte Flächen in der Linthebene trockengelegt.

Auswirkungen

Die Linthkorrektion veränderte den Walensee grundlegend:

Vor der Korrektion Nach der Korrektion
Seez als wichtigster Zufluss Linth als Hauptzufluss
Einzugsgebiet rund 421 km² Einzugsgebiet rund 1'061 km²
Abfluss über die Maag Abfluss durch den Linthkanal
Häufige Überschwemmungen am Westufer Verbesserter Hochwasserschutz
Höherer Seespiegel Absenkung um rund 5,5 m
Linth fliesst am See vorbei Linth wird durch den See geführt

Die Korrektion war eines der ersten grossen gesamtschweizerischen Wasserbauprojekte.

Sie gilt als wichtiger Schritt in der Entwicklung des modernen schweizerischen Wasserbaus und Hochwasserschutzes.

Klima

Das Klima am Walensee wird durch die enge Tallage und die hohen Berge geprägt.

Der See ist starken Winden ausgesetzt. Häufig treten auf:

  • Westwind;
  • Ostwind;
  • Föhn aus dem Rheintal;
  • Talwinde aus dem Glarnerland;
  • Fallwinde von den steilen Berghängen.

Die Winde fördern die Durchmischung des Seewassers.

Der Walensee bleibt wegen seiner Tiefe, seiner starken Durchmischung und des kalten Zuflusses der Linth auch im Sommer relativ kühl. Die Wassertemperatur überschreitet nur selten 20 Grad Celsius.[7]

Lokale Klimaunterschiede

Am Nordufer bestehen grosse Unterschiede zwischen sonnigen und schattigen Standorten.

Quinten liegt auf einer geschützten, nach Süden ausgerichteten Terrasse. Die Felswände der Churfirsten halten kalte Nordwinde teilweise ab und speichern Sonnenwärme.

Dadurch gedeihen dort:

  • Reben;
  • Feigen;
  • Edelkastanien;
  • weitere wärmeliebende Pflanzen.

Andere Bereiche am Nordufer erhalten im Winter wegen der hohen Berge nur wenig direkte Sonne.

Limnologie

Durchmischung

Der Walensee wird im Frühjahr gewöhnlich vollständig durchmischt.

Die Durchmischung wird begünstigt durch:

  • starke Winde;
  • kalte Zuflüsse;
  • hohe Trübstoffgehalte der Linth;
  • vertikale Wasserbewegungen.

Selbst während der sommerlichen Stagnationsphase bildet sich teilweise keine so ausgeprägte Temperatursprungschicht wie in windgeschützteren Seen.[6]

Aufenthaltszeit

Die theoretische mittlere Aufenthaltszeit des Wassers beträgt ungefähr 1,45 Jahre.

Damit wird das Wasser vergleichsweise rasch erneuert.

Die tatsächliche Aufenthaltszeit einzelner Wassermassen hängt von Tiefe, Jahreszeit, Zufluss und Durchmischung ab.

Wasserfarbe

Die Farbe des Sees reicht je nach Wetter und Licht von tiefblau bis türkisgrün.

Nach starken Niederschlägen und während der Schneeschmelze können mineralische Schwebstoffe aus der Linth und den Bergbächen das Wasser trüben.

Die Farbe wird beeinflusst durch:

  • Lichtreflexion;
  • Tiefe;
  • mineralische Partikel;
  • Algenmenge;
  • Bewölkung;
  • Blickwinkel.

Wasserqualität

Der Walensee besitzt heute eine sehr gute Wasserqualität.

Sein Einzugsgebiet weist einen hohen Anteil an Wald, Gebirge und naturnahen Flächen auf. Der Anteil dicht besiedelter oder intensiv genutzter Gebiete ist vergleichsweise gering.

Damit gehört der Walensee zu den am wenigsten durch menschliche Nutzung belasteten grossen Seen der Schweiz.[6]

Nährstoffbelastung im 20. Jahrhundert

Ab etwa 1960 nahm die Belastung durch Phosphor infolge wachsender Abwassereinleitungen zu.

Mitte der 1970er-Jahre erreichte der See einen mesotrophen bis knapp eutrophen Zustand.

Der Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen verringerte die Phosphoreinträge stark.

Die gelösten Phosphorfrachten sanken von rund 62 Tonnen jährlich in den Jahren 1978 bis 1980 auf ungefähr vier Tonnen Mitte der 1990er-Jahre.[6]

Seit 2003 liegen die mittleren Gesamtphosphorkonzentrationen bei etwa drei bis vier Mikrogramm pro Liter.

Der Walensee befindet sich wieder in einem oligotrophen, also nährstoffarmen Zustand.

= Sauerstoff

Die Sauerstoffversorgung ist auch im Tiefenwasser gut.

Selbst während der Zeit höherer Nährstoffbelastung fiel der Sauerstoffgehalt über dem Seegrund nicht unter den gesetzlich geforderten Wert von vier Milligramm pro Liter.

Seit den 1990er-Jahren liegen die Tiefenwerte meist zwischen sieben und neun Milligramm pro Liter.[6]

= Überwachung

Der Walensee wird seit 1972 gemeinsam mit dem Zürich-Obersee und dem Zürichsee untersucht.

An der Überwachung beteiligen sich insbesondere:

  • Wasserversorgung Zürich;
  • Kanton St. Gallen;
  • Kanton Glarus;
  • Kanton Zürich;
  • Kanton Schwyz;
  • weitere Fachstellen.

Untersucht werden unter anderem:

  • Temperatur;
  • Sauerstoff;
  • Phosphor;
  • Stickstoff;
  • Plankton;
  • Sichttiefe;
  • Schadstoffe;
  • biologische Zusammensetzung.

Pflanzenwelt

Die steilen Ufer und unterschiedlichen Höhenlagen schaffen vielfältige Lebensräume.

Am Seeufer wachsen:

  • Schilf;
  • Seggen;
  • Weiden;
  • Erlen;
  • Uferstauden;
  • Wasserpflanzen.

Ausgedehnte Flachufer und Schilfgürtel sind wegen der steilen Ufer allerdings seltener als an flacheren Mittellandseen.

An den trockenen und sonnigen Felshängen des Nordufers kommen wärmeliebende Pflanzen vor.

In höheren Lagen folgen:

  • Buchenwälder;
  • Bergmischwälder;
  • subalpine Nadelwälder;
  • Alpweiden;
  • Kalkfelsvegetation.

Die Pflanzenwelt bei Quinten und Betlis unterscheidet sich wegen des milden Lokalklimas deutlich von vielen anderen Orten derselben Höhenlage.

Tierwelt

= Fische

Der Walensee beherbergt eine vielfältige Fischgemeinschaft.

Zu den vorkommenden Arten gehören unter anderem:

  • Felchen;
  • Seeforelle;
  • Seesaibling;
  • Flussbarsch;
  • Hecht;
  • Trüsche;
  • Egli;
  • Alet;
  • Rotauge;
  • Groppe.

Felchen bilden einen wichtigen Bestandteil des Ökosystems und der Fischerei.

Die Eawag untersuchte die Fischpopulation im Rahmen des Projet Lac mit standardisierten Methoden.[8]

Seeforelle

Die Seeforelle lebt einen grossen Teil ihres Lebens im See und wandert zum Laichen in Zuflüsse.

Besonders wichtig sind die Linth und geeignete Seitengewässer im Glarnerland.

Verbauungen, Kraftwerke, fehlende Kiesflächen und andere Wanderhindernisse beeinträchtigen die Fortpflanzung.

Die Bestände der Glarner Seeforelle gelten als stark unter Druck.[9]

Wasservögel

Der See und seine Ufer sind Lebensraum und Rastgebiet für zahlreiche Vogelarten.

Dazu gehören:

  • Haubentaucher;
  • Gänsesäger;
  • Stockente;
  • Reiherente;
  • Kormoran;
  • Graureiher;
  • Eisvogel;
  • verschiedene Möwenarten.

Flachwasserbereiche, Flussmündungen und Schilfbestände sind für Brut und Nahrungssuche besonders wichtig.

Säugetiere und Reptilien

In den Ufer- und Berggebieten leben unter anderem:

  • Reh;
  • Rothirsch;
  • Gämse;
  • Fuchs;
  • Dachs;
  • Steinbock in höheren Lagen;
  • verschiedene Fledermausarten;
  • Eidechsen und Schlangen an sonnigen Felsen.

Fischerei

Die Fischerei besitzt am Walensee eine lange Tradition.

Historisch war sie für die Versorgung der Uferdörfer von grosser Bedeutung.

Heute bestehen:

  • Berufsfischerei;
  • Angelfischerei;
  • Freiangelrecht vom Ufer;
  • kantonsübergreifende Bewirtschaftung.

Die Regelung erfolgt gemeinsam durch die Kantone Zürich, Schwyz, Glarus und St. Gallen im Rahmen des Fischereikonkordats für Zürichsee, Linthkanal und Walensee.

Vom Ufer aus darf unter bestimmten Bedingungen ohne Patent mit einer einzelnen Angelrute oder Schnur und einem einfachen Haken ohne Widerhaken gefischt werden.[10]

Schutzbestimmungen regeln:

  • Schonzeiten;
  • Fangmindestmasse;
  • Fanggeräte;
  • Sperrgebiete;
  • Zahl der Berufsfischereibewilligungen;
  • Besatzmassnahmen.

Die Erhaltung lokaler Fischpopulationen und geeigneter Laichgewässer besitzt hohe Priorität.

Siedlungen am See

Walenstadt

Walenstadt liegt am östlichen Seeende.

Der Ort war vom Mittelalter bis zur Eröffnung der Eisenbahn ein bedeutender Hafen und Warenumschlagplatz an der Verkehrsroute zwischen Zürich, Graubünden und den Alpenpässen.

Waren wurden auf dem See zwischen Walenstadt und Weesen transportiert und dort wieder auf Landfahrzeuge umgeladen.

Heute ist Walenstadt ein regionales Zentrum mit:

  • Bahnhof;
  • Schulen;
  • Gewerbe;
  • Hafen;
  • Strandbad;
  • militärischen Einrichtungen;
  • Kulturangeboten.

Mols

Mols liegt am südöstlichen Ufer zwischen Walenstadt und Unterterzen.

Der Ort gehört zur Gemeinde Quarten und besitzt einen Bahnhof, Wohngebiete und einen Seezugang.

Das Ufer ist teilweise durch Bahnlinie und Autobahn geprägt.

Unterterzen

Unterterzen ist ein wichtiger touristischer Ausgangspunkt.

Vom Ort führt eine Gondelbahn nach Tannenboden in den Flumserbergen.

Am See befinden sich:

  • Hafen;
  • Schiffsanlegestelle;
  • Freizeitanlagen;
  • Ferienwohnungen;
  • Badestrand;
  • Wassersportangebote.

Murg

Murg liegt auf einem Schwemmkegel am Ausgang des Murgtals.

Der Ort war durch Fischerei, Schifffahrt, Landwirtschaft und Industrie geprägt.

Das milde Klima begünstigte den Anbau von Edelkastanien. Der Murger Kastanienwald gehört zu den grösseren zusammenhängenden Edelkastanienbeständen nördlich der Alpen.

Mühlehorn

Mühlehorn liegt am südwestlichen Ufer und gehört zur Gemeinde Glarus Nord.

Der Ort entstand an der historischen Verkehrsroute zwischen Glarnerland, Walensee und Sarganserland.

Mühle, Hafen, Bahn und Steinverarbeitung spielten in seiner Entwicklung eine wichtige Rolle.

Weesen

Weesen liegt am westlichen Ende des Sees.

Der Ort war ein wichtiger Hafen-, Markt- und Umschlagplatz.

Vor der Linthkorrektion war Weesen regelmässig von Hochwasser und steigendem Seespiegel betroffen.

Heute ist Weesen Ausgangspunkt für:

  • Schifffahrten;
  • Wanderungen nach Betlis und Quinten;
  • Ausflüge nach Amden;
  • Wassersport;
  • Aufenthalte am Seeufer.

Betlis

Betlis liegt auf einer Halbinsel beziehungsweise Uferterrasse am nordwestlichen Seeufer.

Der Ort ist über eine schmale Strasse von Weesen aus erreichbar. Teile der Strecke werden durch ein Einbahnregime geregelt.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören:

  • Kapelle Betlis;
  • Burgruine Strahlegg;
  • Seerenbachfälle;
  • Rinquelle;
  • Badeplätze;
  • historische Kulturlandschaft.

Quinten

Quinten liegt auf einer sonnigen Terrasse zwischen Walensee und Churfirsten.

Der Ort ist nicht an das öffentliche Strassennetz angeschlossen. Er ist nur zu Fuss oder mit dem Schiff erreichbar.

Das milde Lokalklima ermöglicht den Anbau von:

  • Wein;
  • Feigen;
  • Edelkastanien;
  • weiteren wärmeliebenden Pflanzen.

Quinten ist wegen seines mediterran wirkenden Landschaftsbilds ein bekanntes Ausflugsziel.

Die fehlende Strassenverbindung bewahrte den Ort weitgehend vor grossflächiger Bebauung.

Inseln

Der Walensee besitzt nur eine sehr kleine natürliche Insel.

Die Schnittlauchinsel liegt im südöstlichen Teil des Sees vor dem Ufer der Gemeinde Quarten.

Sie ist unbewohnt und ökologisch empfindlich.

Ihre geringe Grösse und niedrige Lage machen sie gegenüber Wasserstandsschwankungen und Wellenschlag besonders anfällig.

Seerenbachfälle

Die Seerenbachfälle liegen bei Betlis am Nordufer.

Der Seerenbach stürzt in drei Stufen über die hohe Felswand der Churfirsten.

Die gesamte Fallhöhe beträgt ungefähr 585 bis 600 Meter. Die mittlere Stufe besitzt eine freie Fallhöhe von rund 305 Metern und gehört damit zu den höchsten frei fallenden Wasserfallstufen Europas.[11]

Die Wassermenge schwankt stark. Besonders eindrücklich sind die Fälle während der Schneeschmelze und nach starken Niederschlägen.

Ein Wanderweg führt von Betlis zu einer Aussichtsplattform.

Rinquelle

Unmittelbar neben den Seerenbachfällen tritt die Rinquelle aus einer Felswand aus.

Sie entwässert ein weitläufiges Karstsystem in den Churfirsten.

Die Schüttung kann nach Niederschlägen und während der Schneeschmelze stark zunehmen.

Höhlentaucher erforschten den wassergefüllten Quellgang über grosse Distanzen. Die Quelle gehört zu den bedeutendsten Karstquellen der Schweiz.[3]

Geschichte

Vorgeschichte

Die Region um den Walensee wurde bereits in vorgeschichtlicher Zeit genutzt.

Archäologische Funde belegen menschliche Aktivitäten in den umliegenden Tälern und auf geeigneten Uferterrassen.

Die steilen Ufer begrenzten die Siedlungsmöglichkeiten. Bedeutende Verkehrswege führten deshalb entlang des Südufers und über die flacheren Enden des Sees.

Römerzeit

In römischer Zeit lag der Walensee an einer wichtigen Verbindung zwischen dem Zürichseegebiet, dem Alpenrheintal und den Bündner Pässen.

Eine römische Verkehrsroute führte durch das Seez- und Walenseetal.

Bei Walenstadt, Murg, Weesen und in der Linthebene wurden römische Spuren gefunden.

Der See dürfte teilweise für Personen- und Gütertransporte genutzt worden sein, da die steilen Ufer Landreisen erschwerten.

Frühmittelalter

Im Frühmittelalter bildete die Region einen Übergangsraum zwischen alemannischen und rätoromanischen Bevölkerungsgruppen.

Diese Sprachgrenze spiegelt sich im Namen Walensee.

Klöster und kirchliche Grundherrschaften besassen Land, Fischereirechte und Verkehrsrechte in der Region.

Mittelalterliche Schifffahrt

Der Walensee war Teil einer bedeutenden Handelsroute zwischen Zürich, Chur und den Alpenpässen.

Am Westende wurden Waren in Weesen auf Schiffe verladen. Am Ostende erfolgte in Walenstadt der Umschlag auf Wagen und Saumtiere.

Transportiert wurden unter anderem:

  • Salz;
  • Getreide;
  • Wein;
  • Textilien;
  • Käse;
  • Vieh;
  • Metallwaren;
  • Handelsgüter aus Italien.

Die Schifffahrt verkürzte den Weg durch das enge und gefährliche Tal.

Stürme und Fallwinde machten die Überfahrt jedoch riskant.

Herrschaftsverhältnisse

Die Ufergebiete gehörten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu unterschiedlichen Herrschaften.

Einfluss besassen unter anderem:

  • Kloster Pfäfers;
  • Kloster Schänis;
  • Grafen von Rapperswil;
  • Habsburger;
  • Land Glarus;
  • eidgenössische Orte;
  • Landvogtei Sargans;
  • Herrschaft Windegg.

Die politische Zersplitterung führte zu Zöllen, unterschiedlichen Fischereirechten und verschiedenen Zuständigkeiten.

Frühe Neuzeit

Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert blieb der Walensee ein wichtiger Verkehrsweg.

Die Schiffer waren in lokalen Organisationen zusammengeschlossen und unterlagen Vorschriften zu:

  • Fahrpreisen;
  • Ladung;
  • Sicherheit;
  • Reihenfolge der Fahrten;
  • Unterhalt der Schiffe;
  • Verhalten bei Sturm.

Walenstadt und Weesen profitierten wirtschaftlich vom Warenumschlag.

Hochwasserprobleme

Im 18. Jahrhundert verschärften sich die Überschwemmungen am westlichen Ende.

Der steigende Wasserspiegel beeinträchtigte:

  • Häuser;
  • Strassen;
  • Äcker;
  • Weiden;
  • Häfen;
  • Gesundheit der Bevölkerung.

Die Linthkorrektion zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte eine grundlegende Verbesserung.

Dampfschifffahrt

Im 19. Jahrhundert wurden Dampfschiffe eingeführt.

1851 sank das Dampfschiff Delphin auf dem Walensee. Der Unfall gehörte zu den frühen schweren Dampfschiffsunglücken auf einem europäischen Binnensee.[7]

Die Dampfschifffahrt verbesserte den Personen- und Güterverkehr, verlor jedoch nach dem Bau der Eisenbahn einen Teil ihrer wirtschaftlichen Bedeutung.

Eisenbahnbau

1859 wurde die Bahnlinie entlang des Walensees eröffnet.

Sie verband den Raum Zürich und die Linthebene mit Sargans und Chur.

Der Bahnbau erforderte:

  • Tunnel;
  • Stützmauern;
  • Brücken;
  • Sprengungen;
  • künstliche Uferabschnitte.

Die Eisenbahn verdrängte den traditionellen Warentransport mit Segel- und Ruderschiffen weitgehend.

= Strassenbau

Die Strassenverbindung am Südufer wurde im 20. Jahrhundert stark ausgebaut.

Wegen der engen Platzverhältnisse entstanden zahlreiche Tunnel und Galerien.

Die Autobahn A3 verbindet heute Zürich über den Walensee mit Sargans und dem Alpenrheintal.

Die Verkehrswege liegen teilweise unmittelbar zwischen See und Felswand.

Schifffahrt

Die Kursschifffahrt verbindet verschiedene Orte am See.

Zu den traditionellen Anlegestellen gehören:

  • Weesen;
  • Betlis;
  • Quinten;
  • Murg;
  • Au;
  • Unterterzen;
  • Mols;
  • Walenstadt.

Die genaue Bedienung hängt von Jahreszeit und Fahrplan ab.

Besonders wichtig ist die Schifffahrt für Quinten, da der Ort keine Strassenverbindung besitzt.

Neben dem Personenverkehr werden auch:

  • Güter;
  • Baumaterialien;
  • Fahrzeuge;
  • Lebensmittel;
  • Abfälle

zu nicht über Strassen erreichbaren Uferorten transportiert.

Die Schiffe dienen zudem dem Ausflugs- und Veranstaltungstourismus.[12]

Gefahren der Schifffahrt

Der Walensee kann durch plötzlich einsetzende Winde und hohe Wellen gefährlich werden.

Besondere Risiken sind:

  • Föhnstürme;
  • Gewitter;
  • Fallböen;
  • kaltes Wasser;
  • steile Ufer;
  • geringe Ausweichmöglichkeiten;
  • schlechte Sicht.

Historische Schiffer verfügten über genaue lokale Kenntnisse der Wetterzeichen.

Verkehr

Eisenbahn

Die Bahnstrecke Ziegelbrücke–Sargans folgt dem Südufer.

Bahnhöfe oder Haltestellen bestehen in:

  • Weesen beziehungsweise Ziegelbrücke in der Nähe des Westendes;
  • Mühlehorn;
  • Murg;
  • Unterterzen;
  • Mols;
  • Walenstadt.

Die Strecke ist Teil wichtiger Verbindungen zwischen Zürich, Chur, Graubünden und dem Rheintal.

Autobahn A3

Die A3 führt am Südufer entlang.

Wegen der engen Landschaft verläuft sie auf längeren Abschnitten durch Tunnel und Galerien.

Die Autobahn besitzt grosse Bedeutung für den Verkehr zwischen:

  • Zürich;
  • Glarnerland;
  • Sarganserland;
  • Graubünden;
  • Fürstentum Liechtenstein;
  • Alpenrheintal.

Hauptstrasse

Neben der Autobahn besteht eine regionale Strassenverbindung durch die Uferorte.

Am Nordufer gibt es keine durchgehende Strasse.

Quinten und grosse Teile des Nordufers bleiben nur zu Fuss oder auf dem Wasser erreichbar.

Tourismus und Erholung

Der Walensee ist ein bedeutendes Naherholungs- und Feriengebiet.

Zu den Aktivitäten gehören:

  • Wandern;
  • Baden;
  • Schifffahrt;
  • Segeln;
  • Windsurfen;
  • Stand-up-Paddeln;
  • Tauchen;
  • Angeln;
  • Velofahren;
  • Klettern;
  • Gleitschirmfliegen;
  • Wintersport in den umliegenden Bergen.

Baden

Strandbäder und Badeplätze befinden sich unter anderem bei:

  • Walenstadt;
  • Mols;
  • Unterterzen;
  • Murg;
  • Mühlehorn;
  • Weesen;
  • Betlis.

Das Wasser bleibt auch im Sommer vergleichsweise kühl.

Steile Ufer, plötzliche Tiefenunterschiede und Wind können für ungeübte Schwimmer gefährlich sein.

Wassersport

Der See wird für Segeln, Windsurfen, Rudern, Kanufahren und Stand-up-Paddeln genutzt.

Die starken Winde bieten gute Bedingungen, erfordern aber Erfahrung.

Bei Föhn und Gewitter können sich die Verhältnisse rasch verändern.

Tauchen

Die grosse Tiefe, die steilen Unterwasserhänge und das klare Wasser machen den Walensee für erfahrene Taucher interessant.

Mehrere Tauchplätze liegen am Südufer.

Tieftauchen im kalten Wasser erfordert besondere Ausbildung und Ausrüstung.

Wandern

Norduferweg

Ein bekannter Wanderweg führt von Weesen über Betlis und die Seerenbachfälle nach Quinten.

Die Route verläuft durch:

  • Uferwälder;
  • Felsabschnitte;
  • Weiden;
  • historische Siedlungen;
  • subtropisch wirkende Vegetation.

Einzelne Stellen sind steil und erfordern Trittsicherheit.

Der Weg kann durch Felsstürze, Steinschlag oder Unterhaltsarbeiten zeitweise gesperrt sein.

Walenstadt–Quinten

Von Walenstadt führt ein anspruchsvoller Weg am Fuss der Churfirsten nach Quinten.

Die Wanderung bietet Ausblicke über den gesamten See.

Die Rückfahrt kann mit dem Schiff erfolgen.

Kerenzerberg

Auf dem Kerenzerberg bestehen zahlreiche Panoramawege.

Von Filzbach und Obstalden reicht die Aussicht über den See zur Churfirstenkette.

Flumserberg

Die Flumserberge bieten Wanderwege mit Blick auf den östlichen Walensee.

Im Winter werden die Hänge als Skigebiet genutzt.

Naturgefahren

Die steilen Ufer des Walensees sind verschiedenen Naturgefahren ausgesetzt.

Dazu gehören:

  • Felsstürze;
  • Steinschlag;
  • Rutschungen;
  • Murgänge;
  • Hochwasser;
  • Lawinen;
  • Sturmwellen.

Verkehrswege und Wanderwege müssen regelmässig überwacht und gesichert werden.

Felsstürze

Vor allem am Nordufer können sich Felsmassen aus den steilen Kalkwänden lösen.

Felsstürze können Wege blockieren oder den Zugang zu Quinten und Betlis beeinträchtigen.

Auch am Südufer erforderten Strassen- und Bahnbau umfangreiche Schutzbauten.

Hochwasser

Der Walensee nimmt Hochwasser der Linth und anderer Zuflüsse auf.

Bei sehr hohen Zuflüssen steigt der Seespiegel und überflutet tiefliegende Uferbereiche.

Der See dient zugleich als natürlicher Retentionsraum und verzögert die Hochwasserwelle im Linthkanal.

Landschafts- und Naturschutz

Mehrere Gebiete am Walensee besitzen hohe nationale und kantonale Schutzwerte.

Bedeutend sind insbesondere:

  • Churfirstenlandschaft;
  • Seerenbachfälle und Rinquelle;
  • Ufergebiete bei Betlis;
  • Linthdelta;
  • Gäsi;
  • Schnittlauchinsel;
  • Kastanienwald bei Murg;
  • Trockenstandorte bei Quinten;
  • Auen und Flachwasserbereiche am Westende.

Schutzmassnahmen sollen:

  • natürliche Ufer erhalten;
  • seltene Arten fördern;
  • Wanderkorridore sichern;
  • Freizeitnutzung lenken;
  • Wasserqualität bewahren;
  • Landschaft vor übermässiger Überbauung schützen.

Energiegewinnung

Das Wasser aus dem Einzugsgebiet wird teilweise für Wasserkraftwerke genutzt.

Speicher- und Laufkraftwerke in den Zuflüssen beeinflussen den natürlichen Abfluss.

Seit 1978 werden im Einzugsgebiet Wassermengen für die Kraftwerke Sarganserland abgeleitet. Dadurch verringerte sich das direkte Einzugsgebiet des Walensees um ungefähr vier Prozent.[6]

Zudem wird geprüft, Seewasser für Wärme- und Kälteversorgung zu nutzen.

Eine thermische Nutzung kann fossile Energieträger ersetzen, muss jedoch so geplant werden, dass die Temperaturschichtung und das Ökosystem nicht beeinträchtigt werden.[13]

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Walensee war während Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaft.

Wirtschaftliche Nutzungen waren und sind:

  • Schifffahrt;
  • Fischerei;
  • Weinbau;
  • Landwirtschaft;
  • Tourismus;
  • Energiegewinnung;
  • Trinkwasserversorgung;
  • Verkehrsverbindungen;
  • Gastronomie;
  • Kies- und Steinwirtschaft.

Der Bau von Eisenbahn und Autobahn stärkte die Funktion des Tals als Verkehrsachse, verringerte jedoch die Bedeutung der Güterschifffahrt.

Kulturelle Bedeutung

Die dramatische Landschaft des Walensees wurde von Malern, Zeichnern, Fotografen und Schriftstellern dargestellt.

Besonders beliebt waren Ansichten von:

  • Walenstadt;
  • Weesen;
  • Churfirsten;
  • Quinten;
  • Linthmündung;
  • Seerenbachfällen.

Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte der See zu den Landschaften, mit denen Reisende die Erhabenheit der Alpen verbanden.

Seine fjordartige Gestalt und die steilen Berge prägen bis heute die regionale Identität.

Walensee und Zürichsee

Walensee und Zürichsee sind durch den Linthkanal miteinander verbunden.

Das Wasser des Walensees gelangt zunächst in den Zürich-Obersee und anschliessend durch den Seedamm von Rapperswil in den Hauptteil des Zürichsees.

Der Walensee beeinflusst dadurch:

  • Wasserhaushalt;
  • Temperatur;
  • Nährstoffzufuhr;
  • Trübstofftransport;
  • Trinkwasserqualität

des Zürichsees.

Walensee und Zürich-Obersee gehören zu den wichtigsten Wasserlieferanten des Zürichsees.[1]

Zeittafel

Zeit Ereignis
Eiszeiten Gletscher vertiefen und formen das Walenseetal
Vorgeschichte Frühe menschliche Nutzung geeigneter Uferterrassen und Verkehrswege
Römerzeit Der See liegt an einer wichtigen Verbindung zwischen Zürichseegebiet und Alpenrheintal
843 Erste bekannte schriftliche Erwähnung als lacu Riuano
Mittelalter Ausbau der Schifffahrts- und Handelsroute zwischen Weesen und Walenstadt
15.–18. Jahrhundert Wachsende Bedeutung des Sees für Handel, Fischerei und regionalen Verkehr
Spätes 18. Jahrhundert Überschwemmungen und Versumpfung der Linthebene verschärfen sich
28. Juli 1804 Die eidgenössische Tagsatzung genehmigt die Linthkorrektion
1807–1811 Bau des Escherkanals und Umleitung der Linth in den Walensee
1812 Neuer Seeabfluss zwischen Weesen und Ziegelbrücke weitgehend fertiggestellt
1816 Linthkanal verbindet Walensee und Zürich-Obersee; Seespiegel sinkt um rund 5,5 Meter
1851 Untergang des Dampfschiffs Delphin
1859 Eröffnung der Eisenbahnlinie am Südufer
20. Jahrhundert Ausbau von Strassen, Tunneln, Tourismus und Abwasserreinigung
1972 Beginn systematischer Langzeituntersuchungen der Wasserqualität
1978 Wasserableitungen für die Kraftwerke Sarganserland verändern das Einzugsgebiet
Ende der 1970er-Jahre Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen senkt die Nährstoffbelastung
Seit 2003 Gesamtphosphorgehalt liegt meist bei nur drei bis vier Mikrogramm pro Liter
21. Jahrhundert Ausbau von Natur-, Hochwasser- und Fischschutzmassnahmen

Siehe auch

Literatur

  • Historisches Lexikon der Schweiz: Walensee.
  • Bundesamt für Umwelt: Der Walensee – Zustand bezüglich Wasserqualität. Bern 2016.
  • Kanton St. Gallen: Gewässerqualität Walensee. St. Gallen.
  • Linthwerk: Die bewegte Geschichte der Linthkorrektion. Benken.
  • Gottlieb Heinrich Heer: Der Walensee und seine Umgebung. Glarus.
  • Hans Conrad Escher von der Linth: Ansichten und Pläne zur Linthkorrektion.
  • Eawag: Artenvielfalt und Zusammensetzung der Fischpopulation im Walensee. Dübendorf 2014.
  • Kanton St. Gallen: Potenzial des Walensees für Wärme- und Kältenutzung. St. Gallen 2019.
  • Linthverwaltung: Jahrhundertprojekte an der Linth. Benken.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Kanton St. Gallen: Walensee – Gewässerqualität und Kenngrössen, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Historisches Lexikon der Schweiz: Walensee, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 Bundesamt für Landestopografie swisstopo: Churfirsten – Rinquelle, Höhlen- und Karstsystem, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Bundesamt für Umwelt: Wichtige Seeregulierungen, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 Linthwerk: Die bewegte Geschichte der Linthkorrektion, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 Bundesamt für Umwelt: Der Walensee – Zustand bezüglich Wasserqualität, 2016, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. 7,0 7,1 Kanton Glarus: Walensee, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Eawag: Artenvielfalt und Zusammensetzung der Fischpopulation im Walensee, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Gemeinde Glarus: Glarner Seeforelle, abgerufen am 23. Juli 2026.
  10. Kanton St. Gallen: Freiangelrecht, abgerufen am 23. Juli 2026.
  11. Amden & Weesen Tourismus: Seerenbachfälle und Rinquelle, abgerufen am 23. Juli 2026.
  12. Schiffsbetrieb Walensee AG: Offizielle Website, abgerufen am 23. Juli 2026.
  13. Kanton St. Gallen: Potenzial des Walensees für Wärme- und Kältenutzung, 2019.