Au ZH

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Au ZH
Staat Schweiz
Kanton Zürich
Bezirk Horgen
Politische Gemeinde Wädenswil
Postleitzahl 8804
Höhe rund 410–490 m ü. M.
Gewässer Zürichsee
Region Zimmerberg
Verkehr Bahnhof Au ZH, Schiffstation Halbinsel Au
Website www.waedenswil.ch

Au ZH, meist kurz Au genannt, ist eine Ortschaft und ein Stadtteil der politischen Gemeinde Wädenswil im Bezirk Horgen des Kantons Zürich. Au liegt am linken Ufer des Zürichsees zwischen dem Stadtzentrum von Wädenswil und Horgen. Zur Ortschaft gehören dicht bebaute Wohnquartiere, Gewerbegebiete, historische Hofgruppen und die weit in den See hinausragende Halbinsel Au.

Der Zusatz ZH dient zur Unterscheidung von anderen Orten namens Au, insbesondere Au SG im Kanton St. Gallen. Au ist keine selbständige politische Gemeinde, sondern gehört verwaltungsrechtlich vollständig zu Wädenswil. Mit der Postleitzahl 8804, einem eigenen Bahnhof und mehreren örtlichen Einrichtungen besitzt die Ortschaft dennoch eine ausgeprägte Identität.

Die Halbinsel Au zählt zu den bekanntesten Landschaften am Zürichsee. Sie verbindet Rebberge, Wald, Feuchtgebiete, historische Gebäude und öffentlich zugängliche Uferbereiche. Auf und bei der Halbinsel befinden sich unter anderem das Landgut Au, das Weinbaumuseum am Zürichsee, der Ausee, eine Schiffstation und mehrere Naturschutzflächen.

Geographie

Au liegt im nordwestlichen Teil des Wädenswiler Stadtgebiets am linken Zürichseeufer. Das Siedlungsgebiet erstreckt sich vom See und der Bahnlinie Zürich–Chur über die sanft ansteigenden Hänge des Zimmerbergs.

Im Nordwesten grenzt Au an das Gebiet der Gemeinde Horgen, im Südosten an die übrigen Stadtteile von Wädenswil. Auf der gegenüberliegenden Seite des Zürichsees liegen Gemeinden des Bezirks Meilen.

Die Landschaft ist durch drei unterschiedliche Bereiche geprägt:

  • das dicht bebaute Wohn- und Gewerbegebiet entlang der Verkehrsachsen;
  • die landwirtschaftlich genutzten Hänge oberhalb des Sees;
  • die Halbinsel Au mit Rebbergen, Wald, Parkanlagen, Feuchtgebieten und natürlichen Uferabschnitten.

Der Zürichsee liegt auf einer Höhe von rund 406 m ü. M. Der Auhügel auf der Halbinsel erhebt sich deutlich über die Wasserfläche und ermöglicht weite Ausblicke über den See, zum Pfannenstiel und bei guter Sicht bis in die Voralpen und Alpen.

Halbinsel Au

Die Halbinsel Au ragt zwischen Horgen und Wädenswil in den Zürichsee hinein. Sie besitzt eine annähernd dreieckige Form und ist über einen breiten Landstreifen mit dem Ufer verbunden. Der bewaldete und teilweise mit Reben bepflanzte Auhügel bildet den landschaftlichen Mittelpunkt.

Die geschützte Lage, die gute Besonnung und das milde Seeklima begünstigen den Weinbau. Rund um den Hügel befinden sich Rebflächen, Wiesen, Obstbäume, Waldpartien und historische Gebäude.

Ein Netz von Spazierwegen erschliesst die Halbinsel. Der Uferweg führt an Badeplätzen, Feuchtgebieten und Aussichtspunkten vorbei. Aufgrund ihrer naturnahen Landschaft und der guten Erreichbarkeit ist die Halbinsel eines der beliebtesten Naherholungsgebiete am linken Zürichseeufer.

Ausee

Der Ausee, auch Auseeli genannt, liegt im westlichen Teil der Halbinsel. Das kleine Gewässer ist vom Zürichsee getrennt und von Schilf, Gehölzen und Feuchtflächen umgeben.

Der See und seine Umgebung besitzen eine besondere ökologische Bedeutung. Sie bieten Lebensraum für Amphibien, Libellen, Wasservögel und zahlreiche Pflanzenarten. Teile des Gebiets dürfen zum Schutz empfindlicher Lebensräume nicht betreten werden.

Der Ausee entstand in seiner heutigen Form durch natürliche und menschliche Veränderungen der Uferlandschaft. Er bildet zusammen mit den angrenzenden Riedflächen einen wichtigen Bestandteil des Naturschutzgebiets.

Uferlandschaft

Die Ufer der Halbinsel sind im Vergleich zu vielen dicht bebauten Abschnitten des Zürichsees teilweise naturnah erhalten. Flachwasserzonen, Schilfgürtel, Kiesstrände und Gehölze schaffen unterschiedliche Lebensräume.

Einige Bereiche dienen der stillen Erholung und dem Baden. Andere Abschnitte stehen unter strengem Schutz. Besucherinnen und Besucher werden durch Wege, Informationstafeln und örtliche Regeln so gelenkt, dass Freizeitnutzung und Naturschutz miteinander vereinbar bleiben.

Name

Der Ortsname Au bezeichnet ursprünglich ein feuchtes, zeitweise überschwemmtes Landstück an einem Gewässer. Das althochdeutsche Wort ouwa und das mittelhochdeutsche ouwe wurden für Inseln, Halbinseln, Uferwiesen und Auenlandschaften verwendet.

Die Bezeichnung entspricht der geografischen Lage am Zürichsee. Durch Ablagerungen, Vegetation und Veränderungen des Wasserstands entstand ein markanter Vorsprung, der als Au bezeichnet wurde.

Der Namenszusatz «ZH» ist keine historische Ortsbezeichnung. Er wird vor allem im Bahnverkehr, in Postadressen, auf Karten und in amtlichen Verzeichnissen verwendet, um den Ort eindeutig dem Kanton Zürich zuzuordnen.

Geschichte

Prähistorische Besiedlung

Das Gebiet am oberen Zürichsee war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. In der Vorderen Au wurden Überreste einer prähistorischen Ufersiedlung entdeckt. Die Fundstelle gehört zu den archäologisch bedeutenden Seeufersiedlungen der Schweiz.

Die damaligen Bewohner errichteten ihre Häuser in unmittelbarer Nähe des Wassers. Erhalten blieben vor allem Holzpfähle, Keramik, Steinwerkzeuge und organische Materialien im feuchten Untergrund. Solche Funde ermöglichen Rückschlüsse auf Hausbau, Landwirtschaft, Ernährung und Handel in der Jungsteinzeit.

Die Fundstelle Wädenswil–Vorder Au gehört zum seriellen UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen». Das Welterbe umfasst ausgewählte Fundstellen in sechs Alpenländern.[1]

Die archäologischen Überreste befinden sich überwiegend unter Wasser oder im Boden und sind für Besucher nicht unmittelbar sichtbar. Der Schutz des Fundplatzes soll verhindern, dass Erosion, Bauarbeiten oder unsachgemässe Eingriffe die empfindlichen Schichten zerstören.

Mittelalter

Im Mittelalter gehörte das Gebiet von Au zur Herrschaft Wädenswil. Diese befand sich zunächst im Besitz der Freiherren von Wädenswil, deren Stammsitz die heutige Burgruine Alt-Wädenswil war.

Im Jahr 1287 verkauften die Freiherren ihre Herrschaft an den Johanniterorden. Der Orden verwaltete das Gebiet von seiner Kommende in Wädenswil aus. Die Bevölkerung lebte hauptsächlich von Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei, Weinbau und lokalem Handwerk.

Au bestand damals nicht aus einer geschlossenen Ortschaft. Die Landschaft war von einzelnen Höfen, Rebflächen, Wiesen, Wald und Ufergebieten geprägt.

Übergang an Zürich

Die Stadt Zürich erwarb die Herrschaft Wädenswil 1549 vom Johanniterorden. Au wurde damit Bestandteil des zürcherischen Untertanengebiets und gehörte zur Landvogtei Wädenswil.

Die Reformation war bereits zuvor im Zürcher Einflussgebiet eingeführt worden. Die Bevölkerung gehörte zur reformierten Kirchgemeinde Wädenswil.

Mit dem Ende der Alten Eidgenossenschaft und der Errichtung der Helvetischen Republik 1798 wurde die frühere Untertanenherrschaft aufgehoben. Au wurde Teil der modernen politischen Gemeinde Wädenswil.

Landgut auf der Halbinsel

Im 17. Jahrhundert entstand auf dem Auhügel ein repräsentatives Landgut. Es wird mit dem Zürcher General und Staatsmann Hans Rudolf Werdmüller verbunden, der die Halbinsel als ländlichen Wohn- und Rückzugsort nutzte.

Das ursprüngliche Herrenhaus wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach verändert. Die Anlage umfasste neben dem Wohngebäude auch Gärten, Wirtschaftsgebäude, Rebflächen und landwirtschaftlich genutzte Grundstücke.

Das heutige Erscheinungsbild des Landguts geht wesentlich auf Umbauten und Neubauten des 20. Jahrhunderts zurück. Das Gebäudeensemble liegt an bevorzugter Aussichtslage oberhalb des Zürichsees.

Weinbau

Der Weinbau besitzt auf der Halbinsel eine lange Tradition. Die südlich und südöstlich ausgerichteten Hänge erhalten viel Sonne und profitieren von der temperaturausgleichenden Wirkung des Zürichsees.

Im 19. Jahrhundert wurden zuvor teilweise bewaldete Flächen verstärkt für den Rebbau genutzt. Reben prägten zeitweise grosse Teile des Auhügels und der umliegenden Hänge.

Krankheiten, ausländische Konkurrenz und wirtschaftliche Veränderungen führten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einem Rückgang des Weinbaus. Später wurden einzelne Rebflächen erneuert und mit geeigneten Sorten bepflanzt.

Heute sind die Rebberge ein bedeutendes landschaftliches und kulturgeschichtliches Element. Sie werden für die Produktion regionaler Weine sowie für Ausbildung, Forschung und Vermittlung genutzt.

Eisenbahn und Siedlungsentwicklung

Die Eröffnung der linksufrigen Zürichseebahn im Jahr 1875 veränderte die Entwicklung von Au. Die Bahn verbesserte die Verbindung nach Zürich, Wädenswil und in Richtung Pfäffikon.

Der Bahnhof Au ZH erleichterte den Pendelverkehr und machte das Gebiet für Wohn- und Gewerbenutzungen attraktiver. Entlang der Bahnlinie und der Hauptstrasse entstanden neue Häuser, Betriebe und Infrastrukturanlagen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die Bautätigkeit stark zu. Aus einer lockeren Siedlungslandschaft entwickelte sich ein weitgehend zusammenhängender Stadtteil von Wädenswil.

Die Halbinsel blieb dagegen zu grossen Teilen von dichter Bebauung frei. Schutzbestimmungen, öffentlicher Besitz und die Bedeutung als Erholungsraum verhinderten eine vollständige Überbauung.

Bevölkerung und Siedlung

Au bildet heute einen der grösseren Siedlungsschwerpunkte innerhalb der Stadt Wädenswil. Da es sich nicht um eine selbständige politische Gemeinde handelt, werden zahlreiche statistische Angaben nicht separat, sondern gemeinsam für Wädenswil veröffentlicht.

Das Siedlungsgebiet besteht aus älteren Wohnhäusern, Mehrfamilienhäusern, neueren Wohnüberbauungen, Gewerbebauten und einzelnen historischen Hofgruppen. Zwischen den Quartieren liegen Grünflächen, Rebberge und landwirtschaftlich genutzte Grundstücke.

Die Bevölkerung ist eng mit Wädenswil verbunden, nutzt aber auch Einrichtungen in Horgen, Zürich, Pfäffikon SZ und Rapperswil-Jona. Die gute Bahnanbindung macht Au zu einem Wohnort für Pendlerinnen und Pendler.

Die Postleitzahl 8804 wird für Au verwendet und trägt zur Wahrnehmung als eigenständige Ortschaft bei.

Verwaltung und Politik

Au besitzt keine eigene politische Behörde. Die Ortschaft wird durch den Stadtrat und den Gemeinderat von Wädenswil verwaltet.

Für öffentliche Aufgaben wie Schule, Strassen, Versorgung, Entsorgung, Sicherheit, Raumplanung und soziale Dienstleistungen ist die Stadt Wädenswil zuständig. Kantonale Aufgaben werden durch die Behörden des Kantons Zürich wahrgenommen.

Lokale Anliegen betreffen häufig die Siedlungsentwicklung, den Verkehr, den Schutz der Halbinsel, die Gestaltung des Seeufers und die Erhaltung von Freiräumen.

Verkehr

Au ist durch Eisenbahn, Bus, Schiff, Strassen sowie Fuss- und Velowege erschlossen.

Bahnhof Au ZH

Der Bahnhof Au ZH liegt an der linksufrigen Zürichseebahn zwischen den Bahnhöfen Horgen Oberdorf beziehungsweise Horgen und Wädenswil. Er wird von Linien der S-Bahn Zürich bedient.

Die Bahn bietet direkte oder umsteigefreie Verbindungen in Richtung Zürich, Wädenswil, Pfäffikon und weitere Orte am oberen Zürichsee. Die konkrete Bedienung kann sich mit den Fahrplanperioden ändern.

Am Bahnhof befinden sich Veloabstellplätze, Parkmöglichkeiten und Einkaufseinrichtungen. Aufgrund der starken Steigung zwischen Seeufer und höher gelegenen Wohnquartieren sind die Zugänge teilweise über Treppen, Rampen und Quartierstrassen organisiert.[2]

Busverkehr

Regionale und lokale Buslinien verbinden Au mit dem Zentrum von Wädenswil, den höher gelegenen Quartieren und teilweise mit Nachbargemeinden.

Die Angebote sind in den Zürcher Verkehrsverbund integriert. Bahn und Bus ergänzen sich bei der Erschliessung der Wohngebiete oberhalb des Bahnhofs.

Schiffstation Halbinsel Au

An der Ostseite der Halbinsel befindet sich die Schiffstation Halbinsel Au. Sie wird fahrplanabhängig von Kursschiffen der Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft bedient.

Die Station dient vor allem dem Freizeit- und Ausflugsverkehr. Von der Anlegestelle führen Spazierwege zum Landgasthof, zum Weinbaumuseum, zum Auhügel und zum Ausee.

Die Schiffsverbindungen bieten Ausblicke auf die Halbinsel, die Rebberge und das Landgut. Die Bedienung ist insbesondere während der wärmeren Jahreszeit von Bedeutung.

Strassenverkehr

Die Seestrasse verbindet Au mit Horgen und Wädenswil. Oberhalb des Siedlungsgebiets verläuft die Autobahn A3, die Zürich mit dem oberen Zürichsee, dem Walensee und Graubünden verbindet.

Strassenanschlüsse in der Umgebung ermöglichen die Verbindung zum regionalen und nationalen Verkehrsnetz. Der Durchgangsverkehr und die beschränkten Platzverhältnisse entlang des Seeufers stellen die Verkehrsplanung vor Herausforderungen.

Fuss- und Velowege

Der Zürichseeweg verbindet Au mit Horgen und Wädenswil. Ein beliebter Spazierweg führt vom Bahnhof über Rebberge und historische Anlagen auf die Halbinsel.

Die Halbinsel selbst ist weitgehend durch verkehrsarme Wege erschlossen. Aufgrund des Höhenunterschieds zwischen Bahnhof, Auhügel und Seeufer weisen einige Abschnitte starke Steigungen auf.

Für Velofahrende bestehen Verbindungen entlang des Sees und über die höher gelegenen Quartierstrassen. Die stark befahrene Seestrasse ist jedoch nicht in allen Abschnitten gleich gut für den Veloverkehr geeignet.

Wirtschaft

Au ist überwiegend ein Wohn- und Dienstleistungsstandort. Entlang der Bahnlinie und wichtiger Strassen befinden sich Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner arbeiten ausserhalb der Ortschaft, insbesondere in Wädenswil, Horgen, Zürich, Zug und Ausserschwyz. Der Bahnhof begünstigt diese Pendlerfunktion.

Auf der Halbinsel besitzen Gastronomie, Landwirtschaft, Weinbau, Bildung und Tourismus besondere Bedeutung. Der Landgasthof, das Weinbaumuseum, Rebbaubetriebe und Veranstaltungsräume ziehen Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Region an.

Weinbau und Landwirtschaft

Die Rebberge der Halbinsel gehören zu den bekanntesten Weinlagen am Zürichsee. Das Seeklima mildert Temperaturschwankungen und verlängert die Vegetationsperiode.

Auf den Rebflächen werden verschiedene weisse und rote Rebsorten angebaut. Traditionell besitzt der Riesling-Silvaner eine wichtige Stellung im Zürcher Weinbau. Daneben werden unter anderem Blauburgunder und neuere, widerstandsfähige Sorten kultiviert.

Die Landwirtschaft umfasst ausser dem Weinbau Wiesen, Obstbäume und kleinere Nutzflächen. Sie trägt wesentlich zur Offenhaltung der Landschaft bei.

Die Bewirtschaftung muss mit den Anforderungen des Natur-, Landschafts- und Gewässerschutzes abgestimmt werden. Besonders in der Nähe des Ausees und der geschützten Uferzonen gelten Einschränkungen.

Bildung und Forschung

In Au befinden sich Schul- und Betreuungseinrichtungen der Stadt Wädenswil. Für die Volksschule ist die politische Gemeinde beziehungsweise die zuständige Schulorganisation verantwortlich.

Die Halbinsel steht zudem in enger Verbindung mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Wädenswil ist ein bedeutender Ausbildungs- und Forschungsstandort in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt, Biotechnologie und natürliche Ressourcen.

Rebflächen und Sammlungen auf der Halbinsel werden für Ausbildung, Versuche und die Vermittlung des Weinbaus genutzt. Dadurch verbindet sich die historische Kulturlandschaft mit moderner Forschung und Berufsbildung.

Natur- und Landschaftsschutz

Die Halbinsel Au beherbergt das grösste zusammenhängende Naturschutzgebiet auf dem Gebiet der Stadt Wädenswil. Geschützt sind unter anderem Feuchtwiesen, Riedflächen, Ufervegetation, Gehölze und der Bereich um den Ausee.[3]

Die unterschiedlichen Lebensräume ermöglichen eine grosse Artenvielfalt. Besonders bedeutend sind Amphibien, Wasservögel, Libellen, Heuschrecken und Pflanzen feuchter Standorte.

Regenerierte Feuchtbiotope sollen gefährdeten Arten geeignete Fortpflanzungs- und Rückzugsräume bieten. Gleichzeitig dienen die natürlichen Uferabschnitte der ökologischen Vernetzung entlang des Zürichsees.

Besucherinnen und Besucher müssen auf den vorgesehenen Wegen bleiben und Hunde in empfindlichen Bereichen unter Kontrolle halten. Das Pflücken geschützter Pflanzen und das Betreten von Riedflächen sind untersagt.

Tierwelt

Am Ausee und entlang des Seeufers leben Enten, Blässhühner, Haubentaucher, Reiher und weitere Wasservögel. In den Feuchtgebieten kommen Frösche, Kröten und Molche vor.

Die Halbinsel bietet auch Fledermäusen, Kleinsäugern und zahlreichen Insektenarten geeignete Lebensräume. In jüngerer Zeit wurden im Raum Wädenswil wieder Spuren des Bibers festgestellt.

Alte Bäume, Totholz und strukturreiche Waldränder sind für Vögel, Käfer und Pilze von besonderer Bedeutung.

Pflanzenwelt

Die Vegetation umfasst Schilfbestände, Feuchtwiesen, Ufergehölze, Laubwald, Trockenmauern und Rebflächen. Diese Vielfalt schafft auf engem Raum sehr unterschiedliche ökologische Bedingungen.

In den geschützten Flächen wachsen seltene oder regional gefährdete Pflanzenarten. Die Pflege erfolgt durch angepasste Mahd, Entfernung invasiver Arten und gezielte Aufwertung der Lebensräume.

Sehenswürdigkeiten

Landgut Au

Das Landgut Au, häufig auch Schloss Au genannt, liegt auf dem höchsten Teil des Auhügels. Das repräsentative Gebäude ist von Parkanlagen, alten Bäumen und Rebbergen umgeben.

Die Anlage geht auf ein im 17. Jahrhundert begründetes Landgut zurück. Das heutige Gebäude entstand nach späteren Umbauten und Erneuerungen und ist kein mittelalterliches Schloss.

Das Landgut wird für Veranstaltungen, Empfänge und kulturelle Zwecke genutzt. Teile der Anlage sind nicht jederzeit frei zugänglich, doch die umliegenden Wege und Aussichtspunkte können besucht werden.

Landgasthof Halbinsel Au

Der Landgasthof befindet sich an aussichtsreicher Lage auf dem Auhügel. Seine Geschichte als Gast- und Ausflugsbetrieb reicht ins 19. Jahrhundert zurück.

Das Gebäude wurde mehrfach erneuert und dient heute als Restaurant, Hotel und Veranstaltungsort. Von den Terrassen reicht der Blick über den Zürichsee und die gegenüberliegenden Ufer.

Der Landgasthof ist zu Fuss vom Bahnhof und von der Schiffstation erreichbar.

Weinbaumuseum am Zürichsee

Das Weinbaumuseum am Zürichsee dokumentiert die Geschichte des Rebbaus in der Region. Es befindet sich in einem historischen Gebäude am Fuss des Auhügels.

Die Ausstellung zeigt Werkzeuge, Pressen, Geräte, Fässer und Dokumente aus dem Weinbau. Sie erläutert die Arbeit im Rebberg, die Traubenverarbeitung und die Entwicklung des Weinhandels.

Zum Museum gehört eine historische Weinpresse. Veranstaltungen, Führungen und Demonstrationen vermitteln traditionelle Arbeitstechniken.

Rebberge

Die Rebberge am Auhügel prägen das Landschaftsbild. Trockenmauern, Wege und unterschiedliche Parzellen veranschaulichen die historische Nutzung der sonnigen Hänge.

Ein Spaziergang durch die Reben bietet Ausblicke auf den Zürichsee. Während der Vegetations- und Erntezeit müssen die bewirtschafteten Flächen respektiert und die Wege eingehalten werden.

Ausee und Feuchtgebiete

Der Ausee ist sowohl eine landschaftliche Sehenswürdigkeit als auch ein wertvoller Naturraum. Aussichtspunkte und Wege ermöglichen Beobachtungen, ohne die empfindlichen Ufer zu betreten.

Informationstafeln erläutern die Entstehung, Pflege und ökologische Bedeutung der Feuchtgebiete.

Au-Haabe

Die Au-Haabe ist ein kleiner Hafen- und Uferbereich an der Halbinsel. Der schweizerdeutsche Ausdruck «Haabe» bezeichnet einen geschützten Lande- oder Hafenplatz.

Der Bereich steht in Verbindung mit der historischen Nutzung des Zürichsees durch Fischer, Landwirte, Weinbauern und Ausflugsboote.

Schiffstation

Die Schiffstation Halbinsel Au bildet einen markanten Zugang vom See her. Das Zusammenspiel von Anlegestelle, historischen Gebäuden, Rebbergen und Parkanlagen vermittelt einen charakteristischen Eindruck der Zürichseelandschaft.

Kultur und Freizeit

Die Halbinsel ist ein beliebter Ort für Spaziergänge, Picknicks, Naturbeobachtung und Ausflüge. Ihre Wege lassen sich mit Wanderungen entlang des Zürichsees verbinden.

Im Sommer werden einzelne Uferbereiche zum Baden genutzt. Es handelt sich teilweise um einfache Naturbadeplätze ohne die vollständige Infrastruktur eines öffentlichen Strandbads.

Landgut, Landgasthof und weitere Einrichtungen dienen als Orte für Konzerte, Ausstellungen, Hochzeiten, Tagungen und private Feiern.

Die Weinbaukultur wird durch Degustationen, Führungen, Museumstage und Veranstaltungen gepflegt. Dabei wird die Geschichte des Zürichseeweins mit aktuellen Anbaumethoden verbunden.

Archäologische Fundstelle Vorder Au

Die Fundstelle Wädenswil–Vorder Au liegt im Uferbereich bei Au. Sie enthält Reste jungsteinzeitlicher Siedlungen, die aufgrund der dauerhaften Feuchtigkeit aussergewöhnlich gut erhalten sein können.

Von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung sind hölzerne Bauteile. Mit der Dendrochronologie lassen sich Fälljahre von Bauhölzern bestimmen und Siedlungsphasen genau datieren.

Die Fundstelle wurde wegen ihrer Aussagekraft und ihres Erhaltungszustands als Teil des UNESCO-Welterbes ausgewählt. Sie repräsentiert die frühe Besiedlungsgeschichte des Zürichseeraums.

Ein Welterbestatus bedeutet nicht, dass sichtbare Pfahlhäuser vorhanden sind. Die eigentlichen Überreste liegen geschützt im Boden und unter der Wasseroberfläche.

Ortsbild und Siedlungsentwicklung

Das Ortsbild von Au wird von der Bahnlinie, der Seestrasse, Wohnquartieren und der Halbinsel bestimmt. Die Verkehrsinfrastruktur trennt Teile des Siedlungsgebiets vom Seeufer.

Seit dem 20. Jahrhundert wurden zahlreiche Mehrfamilienhäuser errichtet. Besonders die Umgebung des Bahnhofs entwickelte sich zu einem dichter bebauten Wohn- und Versorgungszentrum.

Die Raumplanung verfolgt das Ziel, neue Wohnungen möglichst innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets zu schaffen. Dadurch sollen Landschaft, Rebflächen und naturnahe Bereiche geschont werden.

Konflikte entstehen insbesondere zwischen Verdichtung, Ortsbildschutz, Verkehrsbelastung und dem Bedürfnis nach öffentlichen Grünräumen.

Au als Naherholungsgebiet

Die Halbinsel ist von Zürich und den Gemeinden am Zürichsee rasch erreichbar. Die Kombination aus Bahn- und Schiffanschluss macht sie zu einem geeigneten Ausgangspunkt für kurze Ausflüge.

Eine häufig begangene Route führt vom Bahnhof Au ZH über die farbig gestalteten Treppen und durch die Rebberge zum Weinbaumuseum. Von dort verlaufen Wege zum Landgut, zum Landgasthof, zum Ausee und zur Schiffstation.

Der Rundgang kann über den Uferweg in Richtung Wädenswil oder Horgen verlängert werden. Aufgrund der Schutzgebiete sollen Besucher die bezeichneten Wege nutzen und Abfälle wieder mitnehmen.

Abgrenzung zu anderen Orten namens Au

Der Name Au kommt in der Schweiz sehr häufig vor. Au ZH darf insbesondere nicht mit folgenden Orten verwechselt werden:

  • Au SG, einer politischen Gemeinde im St. Galler Rheintal;
  • Au TG, einer Ortschaft im Kanton Thurgau;
  • verschiedenen Weilern und Quartieren namens Au in weiteren Kantonen;
  • der Au beziehungsweise anderen Flurbezeichnungen auf Stadtzürcher Gebiet.

In Fahrplänen und Bahnhofsnamen ist deshalb die Bezeichnung «Au ZH» üblich. Die Halbinsel wird dagegen meistens als «Halbinsel Au» bezeichnet.

Bedeutung für Wädenswil

Au besitzt für Wädenswil sowohl als Wohngebiet als auch als Erholungs-, Natur- und Kulturraum grosse Bedeutung. Der Bahnhof trägt zur guten Erschliessung des nördlichen Stadtgebiets bei.

Die Halbinsel ist eines der bekanntesten Landschaftsbilder der Stadt. Sie verbindet mehrere zentrale Themen der Wädenswiler Geschichte: prähistorische Besiedlung, Landwirtschaft, Weinbau, herrschaftliche Landsitze, Tourismus sowie Natur- und Landschaftsschutz.

Durch das Weinbaumuseum, die UNESCO-Fundstelle und die wissenschaftliche Nutzung der Rebflächen besitzt Au eine überregionale Bildungs- und Forschungsfunktion.

Siehe auch

Literatur

  • Peter Ziegler: Wädenswil. Von der Herrschaft zur Stadt. Wädenswil.
  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Basel 1943.
  • Baudirektion Kanton Zürich: Publikationen zum Naturschutzgebiet Halbinsel Au.
  • Weinbaumuseum am Zürichsee: Publikationen zur Geschichte des Weinbaus am Zürichsee.
  • Stadt Wädenswil: Beiträge zur Geschichte und Baukultur der Halbinsel Au.

Einzelnachweise

  1. Prehistoric Pile Dwellings around the Alps, UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 25. Juli 2026.
  2. Bahnhof Au ZH, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 25. Juli 2026.
  3. Naturschutzgebiete, Kanton Zürich, abgerufen am 25. Juli 2026.

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