Alter Zürichkrieg
| Alter Zürichkrieg | |
|---|---|
| Darstellung der Schlacht bei St. Jakob an der Sihl | |
| Zeitraum | 1436–1450 offene Kriegshandlungen hauptsächlich 1440–1446 |
| Schauplätze | Gebiet der heutigen Nordost- und Zentralschweiz, insbesondere Zürich, Schwyz, Zürichsee, Sarganserland, Toggenburg, Alpenrhein und Raum Basel |
| Anlass | Streit um das Erbe der Grafen von Toggenburg und Rivalität zwischen Zürich und Schwyz |
| Konfliktparteien | Zürich und zeitweise Habsburg-Österreich gegen Schwyz, Glarus und weitere Orte der Alten Eidgenossenschaft |
| Wichtige Befehlshaber | Rudolf Stüssi, Friedrich III., Ital Reding der Ältere, Jost Tschudi der Ältere, Wildhans von Breitenlandenberg |
| Ausgang | Waffenstillstand 1446; endgültiger Ausgleich im Frieden von Einsiedeln von 1450 |
| Folgen | Auflösung des zürcherisch-habsburgischen Bündnisses; Wiederherstellung der eidgenössischen Bündnisbeziehungen; Festigung der Eidgenossenschaft als politisches Bündnisgeflecht |
Der Alte Zürichkrieg war eine Folge politischer Konflikte und kriegerischer Auseinandersetzungen, die zwischen 1436 und 1450 vor allem zwischen der Stadt und dem eidgenössischen Ort Zürich auf der einen sowie Schwyz, Glarus und den übrigen Orten der Alten Eidgenossenschaft auf der anderen Seite ausgetragen wurden. Die eigentlichen Kriegshandlungen konzentrierten sich auf die Jahre 1440 bis 1446. Den formellen Abschluss brachte der Frieden von Einsiedeln im Juli 1450.[1]
Unmittelbarer Anlass war der Tod des kinderlosen Grafen Friedrich VII. von Toggenburg im Jahr 1436. Sein weit verstreuter Besitz lag an wichtigen Verkehrswegen zwischen dem Zürichsee, dem Walensee, dem Rheintal und den Bündner Pässen. Zürich, Schwyz und Glarus versuchten, ihren Einfluss in diesen Gebieten auszuweiten. Hinter dem Erbstreit standen deshalb wirtschaftliche Interessen, territoriale Machtpolitik und die langjährige Rivalität zwischen dem städtisch geprägten Zürich und dem expandierenden Länderort Schwyz.
Nachdem Zürich im ersten Kriegsabschnitt militärisch unterlegen war, schloss es 1442 ein Bündnis mit König Friedrich III. aus dem Haus Habsburg. Da die Habsburger als traditionelle Gegner der Eidgenossen galten, verschärfte dieser Schritt den Konflikt erheblich. Aus dem regionalen Erbschaftsstreit entwickelte sich ein Krieg mit eidgenössischer, habsburgischer und zeitweise auch französischer Beteiligung.
Zu den bekanntesten Ereignissen gehören die Schlacht bei St. Jakob an der Sihl von 1443, die Belagerung und Hinrichtung der Besatzung von Greifensee im Jahr 1444, die Belagerungen Zürichs und Rapperswils, die Schlacht bei St. Jakob an der Birs gegen die französischen Armagnaken sowie die Schlacht bei Ragaz von 1446.
Der Krieg endete ohne die dauerhafte Ausschaltung Zürichs. Die Stadt musste ihr Bündnis mit Habsburg aufgeben, blieb aber eidgenössischer Ort und erhielt einen grossen Teil ihres Herrschaftsgebiets zurück. Schwyz konnte einige seiner territorialen Gewinne sichern. Langfristig zeigte der Konflikt, dass die eidgenössischen Bündnisse trotz erheblicher innerer Gegensätze eine politische Bindungskraft entwickelt hatten.
Bezeichnung
Die Bezeichnung Alter Zürichkrieg setzte sich erst in der späteren Geschichtsschreibung durch. Zeitgenössische und frühneuzeitliche Quellen verwendeten unterschiedliche Benennungen. Der Konflikt wurde unter anderem als Zürichkrieg, Toggenburger Erbschaftskrieg, Schwyzerkrieg, Österreichischer Krieg oder im Zusammenhang mit dem französischen Eingreifen als Armagnakenkrieg bezeichnet.[2]
Die heute übliche Bezeichnung verdeutlicht, dass sich Zürich im Zentrum des Konflikts befand. Sie kann jedoch den Eindruck eines einzigen, durchgehend geführten Krieges erwecken. Tatsächlich handelte es sich um eine Abfolge miteinander verbundener Erb-, Territorial-, Bündnis- und Herrschaftskonflikte mit wechselnden Beteiligten und mehreren Waffenstillständen.
Das Adjektiv alt unterscheidet den Konflikt von den konfessionellen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts, insbesondere den Kappelerkriegen, die in älteren Darstellungen mitunter ebenfalls als Zürcher Kriege bezeichnet wurden.
Politische Voraussetzungen
Die Alte Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert
Die Alte Eidgenossenschaft war im frühen 15. Jahrhundert kein Bundesstaat mit einer gemeinsamen Regierung. Sie bestand aus einem Geflecht unterschiedlicher Bündnisse zwischen Städten und Länderorten. Zu den acht Orten gehörten Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus und Zug.
Die einzelnen Bündnisverträge regelten gegenseitige Hilfe, Schiedsverfahren und den Umgang mit äusseren Gegnern. Sie beseitigten jedoch weder die Selbstständigkeit der Orte noch deren unterschiedliche Interessen. Jeder Ort betrieb eine eigene Territorial-, Wirtschafts- und Bündnispolitik.
Die gemeinsame Eroberung des habsburgischen Aargaus im Jahr 1415 hatte die Zusammenarbeit verstärkt. Gleichzeitig führte die Verwaltung gemeinsamer Herrschaften zu neuen Spannungen. Zürich, Bern und Luzern verfügten über städtische Verwaltungen und grosse Untertanengebiete, während Uri, Schwyz, Unterwalden und Glarus als Länderorte organisiert waren.
Schwyz betrieb seit dem späten 14. Jahrhundert eine aktive Expansionspolitik in Richtung Einsiedeln, oberer Zürichsee, March und Walensee. Zürich versuchte seinerseits, seine Verbindungen nach Osten und zu den Alpenpässen zu sichern. Damit stiessen die Interessen beider Orte in denselben Räumen aufeinander.
Bedeutung der Verkehrswege
Die Route von Zürich über den Zürichsee, die Linthebene, den Walensee und das Rheintal war eine wichtige Verbindung zu den Bündner Pässen. Sie ermöglichte den Handel mit Vieh, Getreide, Salz, Wein, Textilien und Waren aus Norditalien.
Die Kontrolle über Uznach, die Grafschaft Gaster, die March, die Höfe am oberen Zürichsee und das Sarganserland besass daher wirtschaftliche und strategische Bedeutung. Wer diese Gebiete beherrschte, konnte Verkehrswege, Märkte, Zölle und militärische Übergänge kontrollieren.
Schwyz hatte seinen Einfluss in der March und in den Höfen bereits vor dem Tod Friedrichs VII. von Toggenburg ausgebaut. Zürich sah darin eine Bedrohung seiner Handelsinteressen und seiner Stellung am Zürichsee.
Das Toggenburger Erbe
Friedrich VII. von Toggenburg
Graf Friedrich VII. von Toggenburg war einer der mächtigsten Adligen in der Ostschweiz. Sein Herrschaftsgebiet bestand nicht aus einem geschlossenen Territorium, sondern aus Besitzungen, Pfandrechten, Gerichtsrechten und Vogteien in verschiedenen Regionen.
Zu seinem Einflussbereich gehörten Gebiete im Toggenburg, im Gasterland, in Uznach, im Sarganserland, im Prättigau und in weiteren Teilen der Ostschweiz. Friedrich unterhielt Beziehungen zu Zürich, Schwyz, Glarus, Österreich und verschiedenen Adelsfamilien.
Er starb am 30. April 1436 auf der Schattenburg in Feldkirch. Da er keine ehelichen Nachkommen hinterliess und keine allgemein anerkannte letztwillige Regelung bestand, erhoben mehrere Verwandte und politische Mächte Ansprüche auf seine Besitzungen.[3]
Ansprüche von Zürich, Schwyz und Glarus
Zürich stützte seine Ansprüche unter anderem auf frühere Vereinbarungen mit dem Grafen und versuchte, die Kontrolle über Gebiete an der Walenseeroute zu erhalten. Bürgermeister Rudolf Stüssi gehörte zu den wichtigsten Vertretern einer aktiven zürcherischen Territorialpolitik.
Schwyz und Glarus schlossen dagegen Landrechtsverträge mit Bewohnern und Herrschaftsträgern in den ehemaligen toggenburgischen Gebieten. Sie gewannen damit Einfluss im Toggenburg, in Uznach und im Gasterland.
Landrechte waren Schutz- und Bündnisvereinbarungen. Sie ermöglichten es einer Landschaft oder Herrschaft, sich mit einem eidgenössischen Ort zu verbinden, ohne vollständig in dessen Gebiet eingegliedert zu werden.
Die Erben des Grafen verkauften oder verpfändeten einzelne Herrschaftsrechte an verschiedene Parteien. Dadurch wurde der Erbstreit zusätzlich kompliziert. Rechtliche Ansprüche, lokale Interessen und militärische Machtverhältnisse liessen sich kaum voneinander trennen.
Getreidesperre
Zürich versuchte, Schwyz und Glarus wirtschaftlich unter Druck zu setzen. 1438 sperrte die Stadt die Ausfuhr von Getreide und anderen lebenswichtigen Gütern in die beiden Länderorte.
Schwyz war wegen seiner auf Viehwirtschaft ausgerichteten Landwirtschaft in hohem Mass auf Getreideimporte angewiesen. Die Sperre wurde daher als feindselige Massnahme wahrgenommen und verschärfte die Bereitschaft zur militärischen Auseinandersetzung.[4]
Vermittlungsversuche der übrigen eidgenössischen Orte blieben erfolglos. Zürich war nicht bereit, alle gegen seine Interessen gerichteten Schiedssprüche anzuerkennen. Schwyz und Glarus hielten an ihren Landrechten und territorialen Forderungen fest.
Erste Kriegsphase
Grenzkonflikte 1439
Im Jahr 1439 kam es zu ersten bewaffneten Zusammenstössen. Schwyzer und Zürcher Truppen standen sich im Gebiet des oberen Zürichsees und an den Grenzen der March gegenüber.
Die eidgenössischen Orte versuchten wiederholt, den Streit durch Schiedsgerichte und Tagsatzungen zu beenden. Bern und Luzern waren zunächst an einer friedlichen Regelung interessiert, da ein Krieg zwischen Bundespartnern die gesamte Eidgenossenschaft gefährdete.
Die Verhandlungen scheiterten an der Frage, welche Ansprüche Zürich, Schwyz und Glarus in den ehemaligen toggenburgischen Herrschaften geltend machen durften. Zürich betrachtete verschiedene Entscheide als parteiisch und für seine wirtschaftlichen Interessen untragbar.
Feldzug von 1440
Im Herbst 1440 begann ein grösserer Feldzug gegen Zürich. Schwyz und Glarus erhielten Unterstützung von Uri, Unterwalden, Luzern, Zug und schliesslich auch Bern.
Die Zürcher Verteidigung brach rasch zusammen. Gegnerische Truppen drangen in die Zürcher Landschaft ein, besetzten Gebiete und belagerten befestigte Orte. Zürich konnte seine entfernteren Herrschaften nicht ausreichend verteidigen.
Die Lage der Stadt wurde zusätzlich dadurch erschwert, dass Teile der Zürcher Landschaft wenig Bereitschaft zeigten, für die territorialen Ziele der städtischen Führung zu kämpfen. In mehreren Gebieten kapitulierten Gemeinden und Burgbesatzungen ohne längeren Widerstand.
Grüningen ergab sich nach kurzer Belagerung. Auch weitere zürcherische Herrschaften mussten die eidgenössische Oberhoheit zeitweise anerkennen.
Kilchberger Frieden
Im November und Dezember 1440 wurde der sogenannte Kilchberger Frieden ausgehandelt. Zürich musste erhebliche Zugeständnisse machen.
Die Stadt verlor ihre Ansprüche auf verschiedene Gebiete am oberen Zürichsee und an der Walenseeroute. Die Höfe Pfäffikon, Wollerau und Hurden sowie die Insel Ufenau kamen dauerhaft unter schwyzerischen Einfluss. Zürich musste ausserdem die wirtschaftlichen Sperrmassnahmen beenden.[1]
Die übrigen eidgenössischen Orte wollten den inneren Frieden wiederherstellen. Die grundlegende Rivalität zwischen Zürich und Schwyz blieb jedoch ungelöst. In Zürich wurde der Friedensschluss als Demütigung empfunden.
Bündnis zwischen Zürich und Habsburg
Annäherung an Friedrich III.
Nach der Niederlage suchte Zürich einen starken Verbündeten. Bürgermeister Rudolf Stüssi und seine Anhänger nahmen Verhandlungen mit König Friedrich III. aus dem Haus Habsburg auf.
Die Habsburger hatten im 14. Jahrhundert zahlreiche Gebiete an die Eidgenossen verloren. Sie betrachteten den Konflikt als Gelegenheit, ihren Einfluss in der Schweiz wiederherzustellen.
Am 17. Juni 1442 schlossen Zürich und Friedrich III. ein Bündnis. Zürich hoffte, mit habsburgischer Hilfe seine verlorenen Gebiete zurückzugewinnen. Der König erwartete im Gegenzug politische und territoriale Vorteile.
Das Bündnis war innerhalb Zürichs umstritten. Eine eidgenössisch orientierte Gruppe im Rat warnte vor dem Bruch mit den bisherigen Bundespartnern. Rudolf Stüssi setzte sich jedoch zunächst durch.[5]
Reaktion der Eidgenossen
Für Schwyz und die übrigen Orte war das Bündnis mit Habsburg eine schwere Provokation. Die Eidgenossen hatten ihre politische Identität wesentlich im Gegensatz zu habsburgischen Herrschaftsansprüchen entwickelt.
Die Bundespartner forderten Zürich auf, das Bündnis aufzulösen. Zürich berief sich dagegen auf seine politische Selbstständigkeit und argumentierte, die eidgenössischen Verträge verböten ein solches Bündnis nicht ausdrücklich.
Der Streit berührte damit eine grundsätzliche Frage: Durfte ein einzelner Ort eine Aussenpolitik betreiben, die den Sicherheitsinteressen der anderen Bundespartner widersprach?
Eine formelle staatliche Instanz, die diese Frage verbindlich hätte entscheiden können, bestand nicht. Als die Vermittlung scheiterte, begann 1443 eine neue Kriegsphase.
Zweite Kriegsphase
Kriegsausbruch 1443
Im Mai 1443 erklärten mehrere eidgenössische Orte Zürich und dessen österreichischen Verbündeten den Krieg. Schwyz, Glarus, Uri, Unterwalden, Luzern und Zug stellten Truppen. Bern beteiligte sich nach anfänglichem Zögern ebenfalls.
Die eidgenössischen Heere drangen von verschiedenen Seiten in das Zürcher Gebiet ein. Kriegsschauplätze waren das obere Zürichseeufer, das Knonaueramt, das Gebiet um den Albis, das Glattal und die Umgebung der Stadt Zürich.
Die Kriegsführung bestand aus Feldschlachten, Belagerungen, Plünderungszügen und der Zerstörung wirtschaftlicher Grundlagen. Dörfer wurden niedergebrannt, Ernten vernichtet und Viehbestände geraubt.
Gefecht bei Freienbach
Am 22. Mai 1443 kam es bei Freienbach zu einem Gefecht zwischen Zürcher beziehungsweise österreichischen Truppen und den Schwyzern.
Die Schwyzer konnten den Angriff abwehren. Der Ausgang bestätigte ihre Kontrolle über die Höfe und verhinderte einen zürcherischen Vorstoss in Richtung March.
Schlacht am Hirzel
Am 24. Mai 1443 trafen zürcherisch-österreichische und eidgenössische Truppen am Hirzel aufeinander. Die Eidgenossen errangen einen Sieg und drangen anschliessend tiefer in die Zürcher Landschaft ein.
Der Kampf zeigte, dass die österreichische Unterstützung Zürichs die militärische Überlegenheit der gegnerischen Orte zunächst nicht ausgleichen konnte.
Fall von Grüningen
Im Juni 1443 wurde Grüningen erneut belagert. Die befestigte Stadt und das Schloss kapitulierten nach kurzem Widerstand.
Die eidgenössischen Truppen kontrollierten danach einen grossen Teil des Zürcher Oberlands. Zahlreiche Bewohner flohen in befestigte Orte oder in die Stadt Zürich.
Schlacht bei St. Jakob an der Sihl
Am 22. Juli 1443 fand vor den Toren Zürichs die wichtigste Schlacht dieses Kriegsjahrs statt. Zürcher und österreichische Truppen trafen bei St. Jakob an der Sihl auf ein eidgenössisches Heer.
Die Zürcher wurden geschlagen und zogen sich in Richtung Stadt zurück. Bürgermeister Rudolf Stüssi fiel beim Kampf an der Sihlbrücke. Die Überlieferung machte ihn später zu einer umstrittenen Symbolfigur: Während ältere zürcherische Darstellungen seinen Tod als heldenhaften Einsatz schilderten, betont die neuere Forschung seine Mitverantwortung für die Eskalation des Konflikts.[6]
Die Eidgenossen verfolgten die geschlagenen Truppen bis in die Nähe der Stadtbefestigung. Zürich selbst konnte jedoch nicht erobert werden.
Belagerung von Rapperswil
Die Stadt Rapperswil stand auf habsburgischer Seite und bildete einen wichtigen Stützpunkt am oberen Zürichsee. Eidgenössische Truppen belagerten die Stadt 1443, konnten sie aber nicht einnehmen.
Rapperswils Befestigungen und seine Lage am See ermöglichten die Versorgung durch die Verbündeten. Auch spätere Belagerungsversuche blieben erfolglos.
Dritte Kriegsphase
Kämpfe um Greifensee
Im Frühjahr 1444 war Greifensee der letzte bedeutende befestigte zürcherische Stützpunkt ausserhalb der Stadt Zürich. Hauptmann der Besatzung war Wildhans von Breitenlandenberg.
Ein grosses eidgenössisches Heer begann am 1. Mai mit der Belagerung. Die kleine Besatzung verteidigte Burg und Städtchen fast vier Wochen lang gegen Artilleriebeschuss und Sturmversuche.
Am 27. Mai kapitulierte Greifensee. Den Verteidigern war keine verbindliche Zusicherung freien Abzugs gegeben worden.
Hinrichtung der Besatzung
Am 28. Mai 1444 wurde der grösste Teil der Besatzung auf der sogenannten Blutmatte bei Nänikon enthauptet. Unter den Getöteten befand sich Wildhans von Breitenlandenberg. Nur wenige Gefangene wurden verschont.[7]
Das Ereignis ging als Mord von Greifensee oder Blutnacht von Greifensee in die Erinnerungskultur ein. Schon Zeitgenossen empfanden die Massenhinrichtung teilweise als aussergewöhnlich hart.
Die Verantwortung lag nicht bei einem einzelnen Ort. Die Hauptleute der beteiligten eidgenössischen Kontingente berieten gemeinsam über das Schicksal der Gefangenen. Die Entscheidung zeigt die Brutalisierung des Kriegs und die Bedeutung mittelalterlicher Vorstellungen von Treue, Gehorsam und Vergeltung.
Die Toten wurden in Uster bestattet. Im 19. Jahrhundert griff Gottfried Keller den Stoff in seiner Erzählung Der Landvogt von Greifensee und in den Züricher Novellen literarisch auf.
Belagerung Zürichs
Nach dem Fall Greifensees rückten die eidgenössischen Truppen gegen Zürich vor. Im Sommer 1444 wurde die Stadt mehrere Wochen belagert.
Zürich verfügte über starke Befestigungen, Artillerie, ausreichende Vorräte und Zugang zum See. Österreichische und städtische Schiffe hielten Versorgungswege offen.
Die Belagerer verwüsteten die Umgebung und versuchten, Zürich wirtschaftlich zu schwächen. Eine Erstürmung der Stadt gelang jedoch nicht. Die Eidgenossen verfügten nicht über die technischen Mittel und die dauerhafte Organisation, um eine grosse befestigte Stadt vollständig abzuschliessen.[8]
Seekrieg auf dem Zürichsee
Der Zürichsee wurde zu einem eigenständigen Kriegsschauplatz. Beide Seiten setzten bewaffnete Schiffe für Truppentransporte, Versorgung, Aufklärung und Angriffe ein.
Zürich verfügte über eine Flotte und versuchte, die Verbindung zu Rapperswil zu sichern. Schwyz und seine Verbündeten bauten ebenfalls Kriegsschiffe und befestigten Uferstellungen.
Die Kämpfe auf dem See bestanden aus Überfällen, Beschuss und der Behinderung gegnerischer Transporte. Eine dauerhafte Kontrolle des gesamten Sees erreichte keine Seite.
Französisches Eingreifen
Die Armagnaken
König Friedrich III. war nicht in der Lage, Zürich mit einem ausreichend starken eigenen Heer zu unterstützen. Er wandte sich deshalb an den französischen König Karl VII..
Frankreich verfügte nach längeren Kampfpausen im Hundertjährigen Krieg über zahlreiche schwer kontrollierbare Söldner. Diese Truppen wurden nach einer ihrer politischen Herkunftsgruppen als Armagnaken bezeichnet. Im deutschsprachigen Raum nannte man sie wegen ihrer Verwüstungen auch Arme Gecken.
Karl VII. sandte ein grosses Heer unter dem Kommando seines Sohnes, des Dauphins Ludwig, des späteren Königs Ludwig XI., in Richtung Basel. Offiziell sollte der Feldzug Friedrich III. und Zürich entlasten. Gleichzeitig wollte Frankreich die unbeschäftigten Söldner aus dem eigenen Land entfernen und seinen Einfluss am Oberrhein ausweiten.
Schlacht bei St. Jakob an der Birs
Am 26. August 1444 traf ein zahlenmässig kleines eidgenössisches Aufgebot bei St. Jakob an der Birs vor Basel auf das französische Heer.
Die Eidgenossen durchbrachen zunächst gegnerische Vorposten und zogen sich schliesslich in das Siechenhaus von St. Jakob zurück. Dort wurden sie nach stundenlangem Kampf nahezu vollständig aufgerieben.
Militärisch war die Schlacht ein französischer Sieg. Die unerwartet hohen Verluste und der erbitterte Widerstand der Eidgenossen veranlassten den Dauphin jedoch, nicht weiter in Richtung Zürich vorzurücken.
Im Oktober 1444 schlossen Frankreich und die Eidgenossen den Frieden von Ensisheim. Das Armagnakenheer zog sich aus der unmittelbaren Auseinandersetzung zurück.
Die Schlacht wurde später zu einem zentralen Bestandteil der schweizerischen Heldenerzählung. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert galt sie als Beispiel für Aufopferung und militärischen Widerstandswillen. Die moderne Geschichtsschreibung betrachtet die Entscheidung der eidgenössischen Vorhut, trotz aussichtsloser Lage weiterzukämpfen, differenzierter.
Krieg im Osten
Ausweitung der Kampfgebiete
Nach dem Rückzug der Armagnaken verlagerte sich der Schwerpunkt des Kriegs zunehmend in die Ostschweiz, das Sarganserland, das Rheintal und den Bodenseeraum.
Österreichische Adlige und Städte unterstützten Zürich, während Schwyz, Glarus, Appenzell und weitere eidgenössische Verbündete gegen habsburgische Herrschaften vorgingen.
Die Kriegführung bestand nun häufig aus kleineren Feldzügen, Überfällen, Viehraub, Brandstiftung und der Belagerung befestigter Orte. Für die Zivilbevölkerung bedeuteten diese Aktionen erhebliche wirtschaftliche Verluste.
Feldzüge von 1445
Im Jahr 1445 unternahmen eidgenössische Truppen Vorstösse in das österreichische Rheintal und nach Vorarlberg. Österreichische Verbände griffen ihrerseits Orte und Verkehrswege in der Ostschweiz an.
Bei Koblach schlugen eidgenössische und appenzellische Truppen einen österreichischen Verband. Weitere Kämpfe fanden um Sargans, Wil und im Toggenburg statt.
Die Fronten waren nicht überall eindeutig. Lokale Adlige, Städte und Landschaften wechselten teilweise ihre Bündnisse oder versuchten, neutral zu bleiben.
Schlacht bei Ragaz
Am 6. März 1446 kam es bei Ragaz zur letzten grossen Feldschlacht des Alten Zürichkriegs. Ein eidgenössisches Heer traf auf österreichische Truppen, die unter anderem aus dem Vorarlberg und dem Rheintal herangeführt worden waren.
Die Eidgenossen errangen einen deutlichen Sieg. Die österreichische Seite erlitt schwere Verluste. Auch auf eidgenössischer Seite fielen zahlreiche Kämpfer.[9]
Der Sieg brachte keine vollständige militärische Entscheidung, zeigte aber die Erschöpfung der österreichischen Kriegsführung. Beide Seiten waren zunehmend bereit, ernsthafte Friedensverhandlungen aufzunehmen.
Waffenstillstand und Friedensverhandlungen
Waffenstillstand von 1446
Am 12. Juni 1446 trat ein Waffenstillstand in Kraft. Vermittler aus dem Reich und aus eidgenössischen Orten bemühten sich um einen dauerhaften Ausgleich.
Die offenen Kampfhandlungen endeten damit weitgehend. Rechtliche, territoriale und bündnispolitische Fragen blieben jedoch ungelöst.
Zürich hielt zunächst an seinem Bündnis mit Friedrich III. fest. Die übrigen Eidgenossen verlangten dessen Auflösung. Umstritten waren ausserdem die Rückgabe besetzter Herrschaften und die Anerkennung früherer Schiedssprüche.
Langwierige Verhandlungen
Die Friedensverhandlungen dauerten mehrere Jahre. Daran beteiligt waren eidgenössische Gesandte, habsburgische Vertreter, Reichsfürsten und Vermittler aus Bern.
Die Gespräche wurden dadurch erschwert, dass kein gemeinsames eidgenössisches Gericht bestand, das den Konflikt hätte abschliessend entscheiden können. Jeder Ort musste einem Vergleich zustimmen, ohne seine politische Selbstständigkeit aufzugeben.
Für Zürich war eine Rückkehr zu den alten Bündnisbeziehungen wirtschaftlich und sicherheitspolitisch notwendig. Die Verbindung mit Österreich hatte nicht die erhoffte militärische Wirkung erzielt.
Die übrigen Orte hatten zwar grosse Teile der Zürcher Landschaft verwüstet, aber weder die Stadt Zürich noch Rapperswil erobert. Auch sie konnten den Krieg nicht mit einem vollständigen Sieg beenden.
Frieden von Einsiedeln
Am 13. Juli 1450 wurde im Kloster Einsiedeln der endgültige Friedensentscheid verkündet. Eine wichtige Rolle spielte der Berner Schultheiss Heinrich IV. von Bubenberg, der als Obmann des Schiedsgerichts wirkte.[10]
Zürich musste sein Bündnis mit Friedrich III. aufgeben. Im Gegenzug wurden die alten eidgenössischen Bündnisse bestätigt und die Stadt wieder vollständig in die politische Zusammenarbeit der Orte einbezogen.
Ein grosser Teil der im Krieg besetzten Zürcher Gebiete wurde zurückgegeben. Schwyz behielt jedoch wichtige Gewinne am oberen Zürichsee. Die Verhältnisse in Uznach, Gaster und weiteren ehemaligen toggenburgischen Gebieten wurden zugunsten schwyzerischer und glarnerischer Interessen geregelt.
Der Friedensschluss stellte den Zustand vor dem Krieg nicht vollständig wieder her. Er schuf jedoch eine Grundlage für die weitere Zusammenarbeit innerhalb der Eidgenossenschaft.
Chronologie
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 30. April 1436 | Tod Friedrichs VII. von Toggenburg ohne eheliche Nachkommen |
| 1436–1438 | Streit um das Toggenburger Erbe; Landrechtsverträge von Schwyz und Glarus mit ostschweizerischen Herrschaften |
| 1438 | Zürich verhängt eine Getreide- und Handelssperre gegen Schwyz und Glarus |
| 1439 | Erste bewaffnete Grenzkonflikte |
| Herbst 1440 | Einmarsch eidgenössischer Truppen in zürcherische Gebiete |
| November–Dezember 1440 | Kilchberger Frieden; Zürich muss territoriale und wirtschaftliche Zugeständnisse machen |
| 17. Juni 1442 | Bündnis Zürichs mit König Friedrich III. von Habsburg |
| Mai 1443 | Neuer Kriegsausbruch; Gefechte bei Freienbach und am Hirzel |
| Juni 1443 | Eroberung von Grüningen |
| 22. Juli 1443 | Schlacht bei St. Jakob an der Sihl; Tod des Zürcher Bürgermeisters Rudolf Stüssi |
| Juli–August 1443 | Erste erfolglose Belagerung Rapperswils |
| 1.–27. Mai 1444 | Belagerung und Kapitulation von Greifensee |
| 28. Mai 1444 | Hinrichtung des grössten Teils der Greifenseer Besatzung |
| Juni–August 1444 | Belagerung der Stadt Zürich |
| 26. August 1444 | Schlacht bei St. Jakob an der Birs gegen das französische Armagnakenheer |
| Oktober 1444 | Frieden von Ensisheim zwischen Frankreich und den Eidgenossen |
| 1445 | Feldzüge im Sarganserland, Rheintal, Vorarlberg und Toggenburg |
| 6. März 1446 | Eidgenössischer Sieg in der Schlacht bei Ragaz |
| 12. Juni 1446 | Inkrafttreten eines Waffenstillstands |
| 13. Juli 1450 | Frieden von Einsiedeln und formeller Abschluss des Konflikts |
Kriegsführung
Aufgebote und Truppen
Die eidgenössischen Orte verfügten nicht über stehende Heere. Im Kriegsfall wurden waffenfähige Männer aufgeboten. Die Kontingente waren nach Orten gegliedert und wurden von Hauptleuten geführt.
Auch Zürich setzte städtische Bürger, Angehörige seiner Landschaft, Söldner und verbündete österreichische Truppen ein. Die Zuverlässigkeit der ländlichen Aufgebote war unterschiedlich, da nicht alle Untertanen die Politik der städtischen Führung unterstützten.
Die eidgenössischen Truppen waren für rasche Märsche und den Kampf in geschlossenen Formationen bekannt. Ihre Schlagkraft beruhte auf Langspiessen, Hellebarden und einer vergleichsweise starken gemeinschaftlichen Disziplin.
Reiterei spielte eine geringere Rolle als in vielen fürstlichen Heeren. Österreichische und adlige Verbände verfügten dagegen über mehr berittene Kämpfer.
Artillerie
Feuerwaffen und Geschütze gewannen im 15. Jahrhundert an Bedeutung. Bei den Belagerungen von Greifensee, Zürich und Rapperswil kamen Kanonen zum Einsatz.
Die Artillerie war schwer zu transportieren und benötigte grosse Mengen Pulver und Munition. Ihre Wirkung gegen starke Mauern blieb begrenzt, wenn keine dauerhafte Belagerungsorganisation bestand.
Handfeuerwaffen wurden ebenfalls verwendet, hatten aber noch nicht die Bedeutung späterer Jahrhunderte.
Verwüstung und Versorgung
Die Versorgung der Truppen war eine zentrale Herausforderung. Heere lebten teilweise aus dem durchzogenen Gebiet und beschlagnahmten Lebensmittel, Vieh und andere Güter.
Das Niederbrennen von Dörfern und Höfen sollte den Gegner wirtschaftlich schwächen und seine Herrschaft über die Landschaft untergraben. Für die Zivilbevölkerung waren solche Aktionen oft folgenreicher als die eigentlichen Schlachten.
Zürich nutzte seine Märkte und Getreidevorräte als wirtschaftliches Druckmittel. Schwyz und andere Länderorte waren stärker von importiertem Getreide abhängig.
Gefangene und Kriegsrecht
Der Umgang mit Gefangenen folgte keinen einheitlichen Regeln. Adlige und wohlhabende Personen konnten gegen Lösegeld freikommen. Gewöhnliche Kämpfer wurden teilweise freigelassen, ausgetauscht oder getötet.
Die Hinrichtung der Greifenseer Besatzung war selbst nach damaligen Massstäben aussergewöhnlich. Sie wurde mit dem Vorwurf begründet, die Verteidiger hätten trotz aussichtsloser Lage Widerstand geleistet und eidgenössisches Blut vergossen.
Auswirkungen auf die Bevölkerung
Die Kriegsschauplätze lagen häufig in dicht besiedelten Landwirtschaftsgebieten. Besonders betroffen waren das Zürcher Oberland, das linke und rechte Zürichseeufer, das Knonaueramt, das Glattal, das Sarganserland und Teile der Ostschweiz.
Zahlreiche Dörfer wurden geplündert oder verbrannt. Bewohner verloren Häuser, Ernten, Vieh, Werkzeuge und Vorräte. Viele Menschen flohen vorübergehend in Städte, Burgen, Wälder oder benachbarte Herrschaften.
Der Handel auf dem Zürichsee, der Walenseeroute und den regionalen Märkten wurde beeinträchtigt. Zölle, Getreidesperren und unsichere Verkehrswege verteuerten lebenswichtige Waren.
Genaue Opferzahlen sind nicht bekannt. Mittelalterliche Chroniken übertrieben häufig die Stärke von Heeren und die Zahl der Gefallenen. Neben den unmittelbar in Schlachten Getöteten starben Menschen an Verwundungen, Hunger und Krankheiten.
Politische Folgen
Stellung Zürichs
Zürich ging politisch geschwächt aus dem Krieg hervor, wurde aber weder dauerhaft aus der Eidgenossenschaft ausgeschlossen noch seiner wichtigsten Herrschaften beraubt.
Die Stadt gab ihre habsburgische Bündnispolitik auf. Zugleich blieb sie wirtschaftlich und politisch stark genug, um innerhalb weniger Jahrzehnte wieder eine führende Rolle in der Eidgenossenschaft zu übernehmen.
Die Niederlage schwächte die politische Gruppe um Rudolf Stüssi. Innerhalb Zürichs gewannen Kräfte an Einfluss, die eine Verständigung mit den eidgenössischen Orten befürworteten.
Aufstieg von Schwyz
Schwyz sicherte seine Stellung in der March und in den Höfen am oberen Zürichsee. Zusammen mit Glarus gewann es Einfluss in Uznach und Gaster.
Der Länderort trat damit als bedeutende Territorialmacht in der Zentral- und Ostschweiz hervor. Sein Name wurde im Ausland zunehmend auf die gesamte Eidgenossenschaft übertragen, woraus sich später die Bezeichnung Schweiz entwickelte.
Verhältnis zu Habsburg
Das habsburgische Eingreifen brachte Friedrich III. nicht die erhoffte Wiederherstellung der österreichischen Herrschaft in der Schweiz.
Zwar konnte Habsburg zeitweise einzelne Gebiete und Rechte zurückgewinnen, doch blieb seine militärische Unterstützung für Zürich begrenzt. Der Ausgang des Kriegs bestätigte langfristig den Rückgang habsburgischer Macht im Gebiet der Eidgenossenschaft.
Entwicklung der Eidgenossenschaft
Der Konflikt zeigte die Schwächen der eidgenössischen Bündnisstruktur. Die Verträge enthielten keine klare Regelung für den Fall, dass ein Mitglied mit einer auswärtigen Macht gegen andere Bundespartner zusammenarbeitete.
Gleichzeitig erwiesen sich die Bündnisse als widerstandsfähig. Nach vierzehn Jahren Konflikt gelang eine Einigung, ohne dass das Bündnisgeflecht dauerhaft zerfiel.
Der Alte Zürichkrieg trug zur Vorstellung bei, dass kein einzelner Ort seine Aussenpolitik völlig unabhängig von den Sicherheitsinteressen der anderen führen konnte. Eine übergeordnete eidgenössische Staatsgewalt entstand daraus jedoch nicht.
Bedeutung in der Schweizer Geschichte
Der Alte Zürichkrieg wird häufig als schwerste innere Krise der Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert bezeichnet. Er war kein einfacher Gegensatz zwischen Zürich und einer bereits geschlossenen Schweiz. Die Beteiligten verfolgten eigene territoriale, wirtschaftliche und dynastische Interessen.
Die Bezeichnung Bruderkrieg ist deshalb nur bedingt zutreffend. Sie entstand aus einer späteren Vorstellung der Eidgenossenschaft als fest verbundene nationale Gemeinschaft. Im 15. Jahrhundert bildeten die Orte vielmehr ein lockeres Bündnissystem.
Der Krieg war zugleich Teil grösserer europäischer Entwicklungen. Habsburg, das Heilige Römische Reich, Frankreich und das Basler Konzil griffen diplomatisch oder militärisch ein. Die Schlacht bei St. Jakob an der Birs verband den innereidgenössischen Konflikt mit dem Hundertjährigen Krieg und der französischen Machtpolitik am Oberrhein.
Die militärischen Erfahrungen beeinflussten die weitere Entwicklung eidgenössischer Kriegführung. Wenige Jahrzehnte später erreichten eidgenössische Heere in den Burgunderkriegen internationales Ansehen.
Quellenlage
Zu den wichtigsten zeitgenössischen Quellen gehört die Chronik des Schwyzer Landschreibers Hans Fründ. Er schilderte den Krieg aus einer eidgenössischen und besonders schwyzerischen Perspektive.
Weitere Darstellungen stammen aus der Klingenberger Chronik, der Berner Chronistik und zürcherischen Aufzeichnungen. Im 16. Jahrhundert verarbeitete Aegidius Tschudi ältere Quellen in seinem Chronicon Helveticum.
Die Chroniken enthalten wertvolle Angaben über Feldzüge, Verhandlungen und politische Argumente. Sie sind jedoch parteiisch und verbinden Tatsachen mit Gerüchten, moralischen Wertungen und späteren Ausschmückungen.
Auch Urkunden, Ratsprotokolle, Rechnungen, Briefe, Bündnisverträge und Friedensinstrumente ermöglichen eine Rekonstruktion des Konflikts. Die moderne Forschung deutet den Krieg weniger als nationalen Bruderkrieg, sondern als komplexen spätmittelalterlichen Herrschafts- und Bündniskonflikt.
Erinnerungskultur
Rudolf Stüssi
Rudolf Stüssi wurde in Zürich lange als heldenhafter Bürgermeister dargestellt, der bei der Verteidigung seiner Stadt gefallen sei. Der Stüssibrunnen in der Zürcher Altstadt erinnert an ihn.
Neuere Darstellungen betonen neben seinem persönlichen Mut seine aggressive Territorialpolitik und seine Verantwortung für das Bündnis mit Habsburg.
Greifensee
Die Hinrichtung der Greifenseer Besatzung wurde zu einem Symbol für Treue und Grausamkeit. Gedenksteine und lokale Überlieferungen erinnern an die Ereignisse.
Gottfried Keller prägte mit seiner literarischen Verarbeitung das Bild von Wildhans von Breitenlandenberg als standhaftem Verteidiger.
St. Jakob an der Birs
Die Schlacht bei St. Jakob an der Birs wurde im 19. Jahrhundert zu einem schweizerischen Nationalmythos. Den gefallenen Eidgenossen wurden Opfermut, Tapferkeit und Treue zugeschrieben.
Das St.-Jakobs-Denkmal in Basel und zahlreiche historische Darstellungen erinnern an die Schlacht. Die nationalistische Deutung verlor nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung, bleibt aber Teil der schweizerischen Erinnerungskultur.
Chroniken und Bilddarstellungen
Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Bilderchroniken stellten Belagerungen, Schlachten und Friedensverhandlungen dar. Diese Illustrationen sind keine realistischen Augenzeugenbilder. Sie zeigen Waffen, Kleidung und Stadtansichten häufig nach den Vorstellungen ihrer eigenen Entstehungszeit.
Der Alte Zürichkrieg wurde ausserdem in historischen Romanen, Theaterstücken, Schulbüchern und lokalen Festspielen behandelt.
Literatur
- Bernhard Stettler: Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. Die Suche nach einem gemeinsamen Nenner. M. Widmer-Dean, Zürich 2004.
- Alois Niederstätter: Der Alte Zürichkrieg. Studien zum österreichisch-eidgenössischen Konflikt sowie zur Politik König Friedrichs III. in den Jahren 1440 bis 1446. Böhlau, Wien/Köln 1995.
- Peter Niederhäuser und Christian Sieber (Hrsg.): Ein «Bruderkrieg» macht Geschichte. Neue Zugänge zum Alten Zürichkrieg. Chronos, Zürich 2006.
- Martin Illi: Zürich im Alten Zürichkrieg. Zürich.
- Hans Fründ: Chronik des Alten Zürichkriegs. In verschiedenen Editionen.
- Aegidius Tschudi: Chronicon Helveticum. Bearbeitet von Bernhard Stettler.
- Karl Dändliker: Geschichte der Stadt und des Kantons Zürich. Zürich.
- Thomas Maissen: Geschichte der Schweiz. Hier und Jetzt, Baden.
- Roger Sablonier: Gründungszeit ohne Eidgenossen. Politik und Gesellschaft in der Innerschweiz um 1300. Hier und Jetzt, Baden 2008.
- Urs Martin Zahnd: Heinrich IV. von Bubenberg und der Friedensschluss nach dem Alten Zürichkrieg. In: Berner Zeitschrift für Geschichte.
Siehe auch
- Geschichte der Schweiz
- Alte Eidgenossenschaft
- Geschichte des Kantons Zürich
- Geschichte des Kantons Schwyz
- Toggenburg (Adelsgeschlecht)
- Rudolf Stüssi
- Ital Reding der Ältere
- Schlacht bei St. Jakob an der Sihl
- Belagerung von Greifensee
- Schlacht bei St. Jakob an der Birs
- Schlacht bei Ragaz
- Frieden von Einsiedeln
- Burgunderkriege
- Kappelerkriege
Weblinks
- Alter Zürichkrieg im Historischen Lexikon der Schweiz
- Alter Zürichkrieg in der Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen
- Ein «Bruderkrieg» macht Geschichte bei der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich
- Schlacht bei St. Jakob an der Sihl im Historischen Lexikon der Schweiz
- Wildhans von Breitenlandenberg im Historischen Lexikon der Schweiz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Hans Stadler: Alter Zürichkrieg, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Antiquarische Gesellschaft in Zürich: Ein «Bruderkrieg» macht Geschichte, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Roger Sablonier: Toggenburg, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Schweizerisches Nationalmuseum: Die Schweiz – eine historische Spurensuche, veröffentlicht am 24. Juli 2019, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Martin Lassner: Rudolf Stüssi, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Hans Stadler: Schlacht bei St. Jakob an der Sihl, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Martin Leonhard: Wildhans von Breitenlandenberg, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Stadt Zürich: Ein neues Bild der Stadtbefestigungen Zürichs, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Egon Bruhin, Christian Bruhin und Herbert Bruhin: Ruedi in der Schlacht von Ragaz – gefallen am 6. März 1446, in: Marchring, 2017.
- ↑ Urs Martin Zahnd: Heinrich IV. von Bubenberg und der Friedensschluss nach dem Alten Zürichkrieg, in: Berner Zeitschrift für Geschichte, abgerufen am 24. Juli 2026.