Linth

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Linth
Lage Kanton Glarus, Kanton St. Gallen und Kanton Schwyz
Flusssystem Rhein
Abflussweg ZürichseeLimmatAare → Rhein → Nordsee
Ursprung Zusammenfluss von Sandbach und Limmernbach bei Tierfehd
Quellgebiet Tödimassiv und Glarner Alpen
Mündung bei Schmerikon in den Obersee
Länge rund 50 km
Einzugsgebiet rund 1060 km² am Ausfluss des Walensees
Wichtige Zuflüsse Sernf, Löntsch, Fätschbach, Durnagel und Rauti
Durchflossener See Walensee
Kanalisierte Abschnitte Escherkanal und Linthkanal
Wichtige Orte Linthal, Schwanden, Glarus, Netstal, Näfels, Mollis, Weesen, Ziegelbrücke, Benken und Schmerikon

Die Linth ist ein Fluss in der Ostschweiz. Sie entspringt im Tödimassiv in den Glarner Alpen, durchfliesst den Kanton Glarus, wird bei Mollis durch den Escherkanal in den Walensee geleitet und verlässt diesen bei Weesen durch den Linthkanal. Bei Schmerikon mündet sie in den Obersee, den östlichen Teil des Zürichsees. Ihr Wasser fliesst anschliessend über die Limmat, die Aare und den Rhein zur Nordsee.

Der Fluss ist das wichtigste Fliessgewässer des Kantons Glarus und bildet die zentrale Landschaftsachse des Glarnerlands. Die Linth und ihre Zuflüsse entwässern fast den gesamten Kanton. Im Glarner Haupttal liegen Siedlungen, Verkehrswege, Industrieanlagen und Wasserkraftwerke auf beiden Seiten des Flusses.

Im Unterlauf wurde die Linth zu Beginn des 19. Jahrhunderts grundlegend umgestaltet. Vor der sogenannten Linthkorrektion floss sie von Mollis direkt in die Linthebene und vereinigte sich bei Ziegelbrücke mit der Maag, dem damaligen Abfluss des Walensees. Ablagerungen der Linth behinderten zunehmend den Seeabfluss, führten zu Überschwemmungen und liessen grosse Teile der Ebene versumpfen.

Unter der Leitung von Hans Conrad Escher von der Linth wurde der Fluss ab 1807 durch einen neuen Kanal in den Walensee geleitet. Der See dient seither als natürliches Rückhalte- und Ablagerungsbecken. Ein zweiter Kanal verbindet den Walensee auf direktem Weg mit dem Obersee. Das daraus entstandene Linthwerk gehört zu den bedeutendsten frühen Wasserbauprojekten der Schweiz.[1]

Die Linth besitzt heute mehrere Funktionen. Sie dient dem Hochwasserschutz, der Stromerzeugung, der Entwässerung, der Fischerei und der Naherholung. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Lebensraum und eine ökologische Verbindung zwischen den Alpen, dem Walensee, der Linthebene und dem Zürichsee.

Name

Der Name Linth ist sehr alt und wahrscheinlich vorgermanischen Ursprungs. Seine genaue sprachliche Herkunft ist nicht abschliessend geklärt.

Historische Quellen enthalten unterschiedliche Schreibweisen. Der Flussname wurde später auch auf Landschaften, politische Gebiete, Verkehrsunternehmen und technische Anlagen übertragen.

Nach der Linthkorrektion erhielt Hans Conrad Escher postum den erblichen Ehrennamen von der Linth. Der zuvor als Molliserkanal bezeichnete neue Flusslauf wurde ihm zu Ehren in Escherkanal umbenannt.

Der Name findet sich unter anderem in folgenden Bezeichnungen:

  • Linthebene;
  • Linthgebiet;
  • Linthwerk;
  • Linthkanal;
  • Linth-Limmern-Kraftwerke;
  • ehemaliger Kanton Linth;
  • Linth-Escher-Schulhaus;
  • Lintharena;
  • verschiedene Unternehmen, Vereine und regionale Organisationen.

Geografie

Quellgebiet

Die Linth entspringt im hochalpinen Gebiet des Tödimassivs im Süden des Kantons Glarus. Als wichtigste Quellbäche gelten der Sandbach und der Limmernbach.

Der Sandbach entwässert Gebiete am Sandpass, an der Claridenkette und am Tödi. Der Limmernbach führt Wasser aus dem Limmerental und den umliegenden Gletscher- und Berggebieten.

Bei Tierfehd südlich von Linthal vereinigen sich die beiden Bäche. Ab diesem Zusammenfluss trägt das Gewässer den Namen Linth.[2]

Das natürliche Abflussverhalten des Oberlaufs wird durch Schnee- und Gletscherschmelze, starke Niederschläge und die hochalpinen Zuflüsse bestimmt. Gleichzeitig beeinflussen die Anlagen der Kraftwerke Linth-Limmern die Wasserführung.

Oberlauf im Glarnerland

Von Tierfehd fliesst die Linth zunächst nach Norden durch das Grosstal. Sie passiert Linthal, Rüti, Braunwald, Diesbach, Betschwanden und Hätzingen.

Das Tal ist in diesem Abschnitt schmal und wird von hohen Bergen begrenzt. Zahlreiche Wildbäche fliessen von steilen Hängen in die Linth.

Bei Schwanden mündet der Sernf von rechts in den Fluss. Der Sernf entwässert das Sernftal mit den Ortschaften Elm, Matt und Engi und ist der grösste Zufluss der Glarner Linth.

Unterhalb von Schwanden fliesst die Linth durch Mitlödi, Ennenda und die Umgebung des Kantonshauptorts Glarus.

Die Siedlungsgebiete liegen teilweise unmittelbar am Fluss. Dämme, Ufermauern, Schwellen und andere Schutzbauten sollen Wohnquartiere, Industrieanlagen, Strassen und Eisenbahnlinien vor Hochwasser schützen.

Mittellauf zwischen Glarus und Mollis

Bei Netstal nimmt die Linth von links den Löntsch auf. Dieser entwässert den Klöntalersee und das Klöntal.

Anschliessend durchfliesst die Linth den nördlichen Teil des Glarner Haupttals zwischen Näfels, Mollis und Niederurnen.

Die Talsohle wird in diesem Gebiet breiter. Sie besteht aus mächtigen Kies-, Sand- und Schotterablagerungen, welche Flüsse und Gletscher im Verlauf der Erdgeschichte abgelagert haben.

Zwischen Näfels und Mollis beginnt das Gebiet des Linthwerks. Der Fluss wird dort in den Escherkanal geleitet und verlässt seinen ursprünglichen Lauf in Richtung Ziegelbrücke.

Escherkanal

Der Escherkanal führt die Glarner Linth von Mollis und Näfels zum Walensee. Er ist ungefähr fünf Kilometer lang und wurde zwischen 1807 und 1811 gebaut.

Der Kanal verläuft in nordöstlicher Richtung zwischen hohen Hochwasserschutzdämmen. Im Gebiet Gäsi mündet er in den Walensee.

Der Escherkanal besitzt weiterhin den Charakter eines Gebirgsflusses. Sein Abfluss kann nach intensiven Niederschlägen oder starker Schneeschmelze rasch ansteigen. Bei Hochwasser führt er grosse Mengen Kies, Geröll, Sand und Schwemmholz mit sich.[3]

Das Geschiebe lagert sich hauptsächlich im Mündungsdelta im Walensee ab. Dadurch wird verhindert, dass es den Linthkanal und die Linthebene erreicht.

Bei Chli Gäsitschachen wurde der zuvor eng kanalisierte Fluss im Rahmen des Projekts Linth 2000 aufgeweitet. Die Linth kann dort Kiesbänke, Inseln und unterschiedliche Strömungsbereiche bilden.

Walensee

Die Linth mündet beim Gäsi in den Walensee. Der See wirkt als natürliches Rückhalte-, Beruhigungs- und Ablagerungsbecken.

Vor der Linthkorrektion gehörte das Einzugsgebiet der Glarner Linth nicht zum Walensee. Der See wurde hauptsächlich von der Seez und mehreren kleineren Bächen gespeist.

Mit der Einleitung der Linth im Jahr 1811 vergrösserte sich das hydrologische Einzugsgebiet des Walensees auf mehr als das Doppelte. Es umfasst heute rund 1037 Quadratkilometer.[4]

Der See dämpft die kurzen und starken Hochwasserspitzen der Glarner Linth. Das Wasser erreicht den Linthkanal mit zeitlicher Verzögerung. Hochwasser dauern dort dafür häufig mehrere Tage.

Der Walensee hält einen grossen Teil des von der Linth transportierten Geschiebes zurück. Im Mündungsdelta müssen Ablagerungen regelmässig überwacht und teilweise entfernt werden.

Ausfluss bei Weesen

Die Linth verlässt den Walensee bei Weesen. Der frühere natürliche Seeausfluss trug den Namen Maag.

Durch die Linthkorrektion wurde der Ausfluss abgesenkt, verbreitert und in einen geradlinigen Kanal überführt. Dadurch sank der mittlere Wasserspiegel des Walensees um mehr als fünf Meter.

Beim heutigen Ausfluss befindet sich die hydrologische Messstation Linth–Weesen, Biäsche des Bundesamts für Umwelt. Ihr zugeordnetes Einzugsgebiet umfasst rund 1062 Quadratkilometer.[5]

Linthkanal

Der Linthkanal verbindet den Walensee mit dem Obersee. Er ist ungefähr 17 Kilometer lang und verläuft weitgehend geradlinig durch die Linthebene.

Der Kanal führt an oder nahe folgenden Orten vorbei:

  • Weesen;
  • Ziegelbrücke;
  • Schänis;
  • Bilten;
  • Benken;
  • Uznach;
  • Tuggen;
  • Grynau;
  • Schmerikon.

Auf mehreren Abschnitten bildet die Linth Kantons- oder Gemeindegrenzen.

Der Fluss fliesst zwischen zwei Hauptdämmen. Auf der Aussenseite der Dämme verlaufen sogenannte Hintergräben. Sie sammeln Grund-, Hang- und Oberflächenwasser aus der Linthebene und leiten es unabhängig vom höher liegenden Hauptkanal ab.

Das geringe Gefälle des Linthkanals führt zu einem anderen Abflussverhalten als im Escherkanal. Der Fluss reagiert langsamer, führt während eines grossen Hochwassers aber über längere Zeit sehr hohe Wassermengen.

Mündung in den Obersee

Bei Schmerikon und Grynau mündet der Linthkanal in den Obersee, den östlichen Teil des Zürichsees.

Das Wasser der Linth durchströmt den Zürichsee und verlässt ihn bei der Stadt Zürich als Limmat. Über die Aare und den Rhein gelangt es schliesslich in die Nordsee.

Der Mündungsbereich besitzt flache Ufer, Schilfbestände und Übergänge zwischen Fluss- und Seelandschaft. Er steht unter dem Einfluss von Wasserstandsregulierung, Schifffahrt, Hochwasserschutz und Naturschutz.

Verlauf im Überblick

Abschnitt Verlauf Charakter
Quellgebiet Tödimassiv bis Tierfehd Hochalpine Quellbäche, Gletscher- und Schmelzwasser
Glarner Linth Tierfehd–Linthal–Schwanden–Glarus–Netstal–Mollis Alpiner Fluss in einer dicht besiedelten Tallandschaft
Escherkanal Mollis/Näfels–Gäsi Kanalisierter Gebirgsfluss mit starkem Geschiebetransport
Walensee Gäsi–Weesen Natürliches Rückhalte- und Ablagerungsbecken
Linthkanal Weesen–Ziegelbrücke–Benken–Grynau–Schmerikon Langsam fliessender, eingedämmter Kanal durch die Linthebene
Unterhalb des Obersees Zürichsee–Limmat–Aare–Rhein Weiterer Abfluss zur Nordsee

Zuflüsse

Die Linth besitzt zahlreiche Zuflüsse aus hochalpinen Tälern und steilen Seitentobeln.

Zufluss Mündungsgebiet Seite Einzugsgebiet
Limmernbach Tierfehd Quellbach Limmerental und Tödimassiv
Sandbach Tierfehd Quellbach Sandpass, Tödi- und Claridengebiet
Fätschbach Linthal rechts Urnerboden und Klausenpassgebiet
Durnagel Linthal links Durnachtal
Sernf Schwanden rechts Sernftal mit Elm, Matt und Engi
Löntsch Netstal links Klöntal und Klöntalersee
Rauti Raum Niederurnen links Niederurnertal und Rautispitzgebiet
Seez Walensee indirekter Zufluss Seeztal und Teile des Sarganserlands

Der Sernf entwässert rund 35 Prozent des Einzugsgebiets der Glarner Linth und ist ihr grösster direkter Zufluss.[6]

Die Seez mündet nicht direkt in die Linth, sondern bei Walenstadt in den Walensee. Ihr Wasser gelangt am Ausfluss bei Weesen in den Linthkanal.

Hydrologie

Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet der Glarner Linth bis Mollis umfasst rund 600 Quadratkilometer. Nach der Vereinigung mit dem Einzugsgebiet des Walensees beträgt die Fläche beim Seeausfluss in Weesen rund 1060 Quadratkilometer.

Das Gebiet reicht von etwa 400 Metern über Meer bis zum 3614 Meter hohen Tödi. Es umfasst:

  • Gletscher;
  • hochalpine Felsgebiete;
  • Alpweiden;
  • Wälder;
  • Bergseen;
  • dicht besiedelte Talböden;
  • Landwirtschaftsflächen;
  • Industrie- und Verkehrsgebiete.

Die grossen Höhenunterschiede führen zu erheblichen räumlichen Unterschieden bei Niederschlag, Temperatur, Schnee und Abfluss.

Abflussregime

Die Glarner Linth besitzt ein alpines Abflussregime. Im Winter wird ein grosser Teil des Niederschlags als Schnee gespeichert. Im Frühling und Sommer führen Schneeschmelze, Gletscherschmelze und Niederschläge zu höheren Abflüssen.

Starke Niederschläge können in den steilen Einzugsgebieten innerhalb kurzer Zeit grosse Wassermengen erzeugen. Die Zuflüsse transportieren dabei Geschiebe, Schlamm, Holz und Geröll.

Das natürliche Abflussregime wird durch Wasserkraftanlagen beeinflusst. Wasser wird in Stauseen gespeichert, durch Druckleitungen geleitet und zeitlich verändert in die Linth oder ihre Zuflüsse zurückgegeben.

Unterhalb des Walensees ist der Abfluss ausgeglichener. Der See vermindert kurzfristige Spitzen und verzögert das Eintreffen grosser Wassermengen im Linthkanal.

= Geschiebe

Die Linth transportiert Kies, Sand, Steine und feineres Material aus den Glarner Alpen.

Vor der Korrektion lagerte sich dieses Geschiebe in der Linthebene ab. Das Flussbett erhöhte sich, während der Abfluss des Walensees immer stärker behindert wurde.

Seit 1811 gelangt ein grosser Teil des Geschiebes in den Walensee. Das Delta beim Gäsi wächst dadurch langsam in den See hinaus.

Der Geschiebehaushalt wird heute durch folgende Faktoren beeinflusst:

  • Stauseen und Wasserkraftwerke;
  • Wildbachverbauungen;
  • Kiesentnahmen;
  • Uferbefestigungen;
  • Hochwasser;
  • Flussaufweitungen;
  • Unterhalt des Mündungsdeltas.

= Wasserqualität

Die Wasserqualität der Linth verbesserte sich seit dem Ausbau der Abwasserreinigung im 20. Jahrhundert deutlich.

Belastungen können dennoch entstehen durch:

  • gereinigtes Abwasser;
  • Strassen und Siedlungen;
  • Landwirtschaft;
  • Industrie;
  • Baustellen;
  • Regenüberläufe;
  • Altlasten;
  • Unfälle.

Die kantonalen Behörden überwachen chemische, biologische und physikalische Eigenschaften des Wassers.

Das vergleichsweise grosse und dünn besiedelte alpine Einzugsgebiet trägt zur insgesamt guten Wasserqualität des Walensees bei.

Geologie und Landschaftsentstehung

Das Glarner Haupttal und die Linthebene wurden wesentlich durch Gletscher geprägt.

Während der Eiszeiten füllte der Linthgletscher das Tal und floss in Richtung Zürichsee. Er schliff Felsbecken aus und lagerte Moränen, Kies und Sand ab.

Nach dem Rückzug der Gletscher schnitten sich Linth und Zuflüsse in die Ablagerungen ein. Gleichzeitig füllten sie die Talböden mit grossen Mengen Geschiebe.

Die Linthebene zwischen Walensee und Obersee war ursprünglich ein ausgedehnter See- und Flussraum. Ablagerungen der Linth, der Maag und weiterer Gewässer führten zur allmählichen Verlandung.

Vor der Korrektion besass die Ebene:

  • wechselnde Flussarme;
  • Kiesbänke;
  • Auenwälder;
  • Sümpfe;
  • Flachmoore;
  • zeitweise überschwemmte Wiesen;
  • kleinere Seen und Tümpel.

Die Linthkorrektion und spätere Entwässerungsprojekte verwandelten grosse Teile dieser Landschaft in Landwirtschafts-, Siedlungs- und Infrastrukturflächen.

Geschichte

Nutzung vor der Korrektion

Die Linth wurde seit Jahrhunderten als Verkehrsweg, Fischgewässer und Energiequelle genutzt.

Mühlen, Sägen, Stampfen, Spinnereien und andere Betriebe leiteten Wasser aus dem Fluss oder seinen Zuflüssen ab.

Auf der Linth und der Maag wurden Waren transportiert. Die Verbindung zwischen Zürichsee und Walensee war Teil eines Verkehrswegs in Richtung Sargans, Graubünden und der Alpenpässe.

Die Schifffahrt wurde durch geringe Wassertiefen, wechselnde Flussarme, Kiesbänke und Hochwasser erschwert. Flussaufwärts mussten Boote teilweise gezogen oder gestachelt werden.

Versumpfung der Linthebene

Im Verlauf der frühen Neuzeit verschärften sich die Hochwasserprobleme.

Die Glarner Linth transportierte grosse Mengen Geschiebe in die Ebene. Die Ablagerungen erhöhten das Flussbett bei Ziegelbrücke und behinderten den Abfluss der Maag aus dem Walensee.

Der Seespiegel stieg. Ufergebiete bei Weesen und Walenstadt wurden regelmässig überschwemmt. In der Linthebene breiteten sich Sümpfe und stehende Gewässer aus.

Die Folgen waren:

  • Verlust von Landwirtschaftsflächen;
  • Schäden an Häusern und Verkehrswegen;
  • erschwerte Schifffahrt;
  • schlechte hygienische Verhältnisse;
  • Ausbreitung von Mücken;
  • Krankheiten und Armut;
  • Abwanderung aus besonders betroffenen Gebieten.

Zeitgenössische Quellen erwähnen das sogenannte kalte Fieber oder Gfrörer. Ein Teil dieser Erkrankungen wird heute als Form der Malaria gedeutet.

Frühe Projekte

Verschiedene Ingenieure und Behörden entwickelten im 18. Jahrhundert Vorschläge zur Verbesserung der Verhältnisse.

Der Berner Ingenieur Andreas Lanz erarbeitete 1783 beziehungsweise 1784 ein Projekt, das bereits die grundlegende spätere Lösung enthielt: Die Glarner Linth sollte in den Walensee geleitet und dessen Ausfluss durch einen neuen Kanal verbessert werden.

Der Walensee sollte dabei als natürliches Becken dienen, in dem sich Geschiebe ablagern und Hochwasserspitzen abschwächen konnten.

Die politischen Verhältnisse der Alten Eidgenossenschaft erschwerten jedoch eine Umsetzung. Die betroffene Region war auf mehrere Herrschaftsgebiete verteilt, und es fehlte eine zentrale Finanzierung und Leitung.

Beschluss der Tagsatzung

Nach dem Ende der Helvetischen Republik wurde das Projekt erneut aufgenommen.

Am 28. Juli 1804 beschloss die eidgenössische Tagsatzung die Korrektion der Linth. Das Vorhaben wurde als gemeinsame nationale Aufgabe verstanden.[7]

Hans Conrad Escher legte ein eigenes Projekt vor und übernahm später als Präsident der Linthkommission die geschäftliche und technische Leitung.

Die Finanzierung erfolgte unter anderem durch den Verkauf von Aktien. Damit wurde die Linthkorrektion zu einem frühen gesamtschweizerischen Infrastrukturprojekt.

Bau des Escherkanals

Die Bauarbeiten begannen 1807 bei Mollis.

Die Arbeiter mussten den neuen Kanal ohne moderne Baumaschinen ausheben. Zum Einsatz kamen Schaufeln, Pickel, Schubkarren, Pferde und einfache Transportgeräte.

Der neue Lauf wurde zunächst als Molliserkanal bezeichnet. 1811 konnte die Linth in den Walensee eingeleitet werden.

Das mitgeführte Geschiebe lagerte sich fortan im See ab. Dadurch wurde die Linthebene vom direkten Einfluss des alpinen Geschiebetransports entlastet.

Bau des Linthkanals

Gleichzeitig wurde der Abfluss des Walensees ausgebaut.

Der neue Linthkanal führte das Wasser in einem geradlinigen Bett von Weesen zum Obersee. Ein Teil des Kanals musste tief eingeschnitten werden, während er im tieferen Gelände zwischen hohen Dämmen verlief.

1816 konnte Wasser durch den neuen Kanal abfliessen. Das Gesamtwerk wurde in den folgenden Jahren weiter ausgebaut und 1823 offiziell vollendet beziehungsweise eingeweiht.

Der Wasserspiegel des Walensees sank schrittweise um mehr als fünf Meter. Überflutete Uferbereiche fielen trocken, und die Entwässerung der Linthebene verbesserte sich erheblich.

Hans Conrad Escher von der Linth

Hans Conrad Escher widmete einen grossen Teil seines Lebens der Linthkorrektion.

Er leitete Vermessungen, Planungen, Finanzierung, Bauorganisation und politische Verhandlungen. Zudem dokumentierte er Landschaft und Baufortschritt in Zeichnungen und Berichten.

Escher starb am 9. März 1823, wenige Monate vor der offiziellen Vollendung des Hauptwerks.

Der Kanton Zürich verlieh ihm postum den erblichen Ehrennamen von der Linth. Der Molliserkanal wurde in Escherkanal umbenannt.[8]

Sein Mitarbeiter und Nachfolger Kaspar Legler führte die Arbeiten weiter. Ein Denkmal bei Ziegelbrücke erinnert an Escher und die Linthkorrektion.

Weiterer Ausbau im 19. Jahrhundert

Mit der Fertigstellung der beiden Hauptkanäle waren die Arbeiten nicht abgeschlossen.

Die Dämme sanken auf dem weichen und torfigen Untergrund ab und mussten wiederholt erhöht und verstärkt werden. Ufer wurden mit Steinen, Faschinen und Holzwerken gesichert.

Seitengewässer erhielten eigene Kanäle. Hintergräben entwässerten die Flächen ausserhalb der Hauptdämme.

Das Linthwerk wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts laufend erweitert und verbessert.

Melioration der Linthebene

Trotz der Linthkorrektion blieben grosse Teile der Ebene feucht und nur eingeschränkt landwirtschaftlich nutzbar.

Ab 1937 wurden im Rahmen einer umfassenden Melioration Entwässerungsgräben, Drainagen, Pumpwerke, Strassen und Güterwege gebaut.

Während des Zweiten Weltkriegs gewann die landwirtschaftliche Nutzung zusätzlich an Bedeutung. Im Rahmen der sogenannten Anbauschlacht wurden frühere Feuchtflächen in Wiesen und Ackerland umgewandelt.

Die Melioration verbesserte die landwirtschaftliche Produktion, führte jedoch zu einem weiteren Verlust von Mooren, Auen und anderen Feuchtlebensräumen.

Hochwasser des 20. und 21. Jahrhunderts

Das Linthwerk verhinderte zahlreiche grossflächige Überschwemmungen. Dennoch traten wiederholt kritische Hochwasser auf.

Besonders die Ereignisse von 1999 und 2005 zeigten Schwächen der alten Dämme. Es kam zu Aussandungen, innerer Erosion und gefährlich hohen Wasserständen.

Nur durch intensive Überwachung und Sofortmassnahmen konnten grössere Dammbrüche verhindert werden.

Diese Erfahrungen bestätigten die Notwendigkeit einer umfassenden Erneuerung.

Projekt Linth 2000

Das Projekt Hochwasserschutz Linth 2000 war die erste vollständige Gesamtsanierung des Linthwerks.

Die Planungs- und Bauzeit dauerte von 1998 bis 2013. Die eigentlichen Hauptarbeiten wurden zwischen 2008 und 2013 ausgeführt.[9]

Ziele

Das Projekt verfolgte mehrere Ziele:

  • Schutz der Linthebene vor einem hundertjährlichen Hochwasser;
  • Stabilisierung der Dämme;
  • Sanierung der Ufer;
  • kontrolliertes Verhalten bei Extremhochwasser;
  • ökologische Aufwertung;
  • Verbesserung des Gewässerraums;
  • Erhaltung der landwirtschaftlichen Nutzung;
  • sichere Freizeit- und Unterhaltswege.

Hochwasserkapazität

Der Escherkanal wurde für einen Hochwasserabfluss von rund 450 Kubikmetern pro Sekunde ausgebaut.

Der Linthkanal besitzt eine dauerhafte Abflusskapazität von rund 360 Kubikmetern pro Sekunde. Kurzfristig kann er bordvoll ungefähr 420 Kubikmeter pro Sekunde führen.[10]

Für noch grössere Ereignisse wurden Überlast- und Entlastungsmassnahmen geplant. Sie sollen verhindern, dass Dämme unkontrolliert brechen.

Dämme

Die alten Dämme wurden verbreitert, erhöht und mit geeigneten Materialien neu aufgebaut.

Besondere Aufmerksamkeit galt der inneren Erosion. Dabei dringt Wasser durch den Damm oder seinen Untergrund und transportiert feine Bestandteile ab. Dieser Prozess kann einen Damm schwächen, obwohl von aussen zunächst kaum Schäden sichtbar sind.

Messstellen, Kontrollwege und regelmässige Inspektionen ermöglichen eine frühzeitige Erkennung von Veränderungen.

= Naturnahe Ufer

Die frühere Linth war auf langen Strecken durch harte Steinverbauungen von ihrem Umland getrennt.

Bei der Sanierung wurden am Linthkanal flache Kiesufer geschaffen. Die Steine der alten Ufersicherung dienen teilweise als verdeckter Längsverbau unter den neuen Uferflächen.

Die flacheren Ufer bieten:

  • strömungsarme Bereiche für Fische;
  • Standorte für Uferpflanzen;
  • Lebensräume für Insekten und Amphibien;
  • bessere Übergänge zwischen Wasser und Land;
  • vielfältigere Strömungsverhältnisse.

Nach Angaben des Linthwerks wachsen an den neu gestalteten Ufern mehr als hundert Pflanzenarten.[11]

Flussaufweitungen

Bei Chli Gäsitschachen am Escherkanal und im Hänggelgiessen am Linthkanal wurden die Dämme zurückversetzt.

Innerhalb der Aufweitungen kann die Linth ihr Gerinne teilweise selbst gestalten. Sie verlagert Kies, bildet Inseln und schafft wechselnde Wassertiefen.

Die Aufweitungen verbinden modernen Hochwasserschutz mit natürlicher Flussdynamik.

Linthwerk

Der Begriff Linthwerk bezeichnet sowohl das gesamte Hochwasserschutzsystem als auch die für seinen Betrieb zuständige öffentlich-rechtliche Organisation.

Zum Linthwerk gehören:

  • Escherkanal;
  • Linthkanal;
  • Hauptdämme;
  • Hintergräben;
  • Seitengewässer;
  • Uferverbauungen;
  • Entlastungsanlagen;
  • das Gebiet Gäsi;
  • Waldreservate;
  • Wiesen und weitere Grundstücke;
  • Unterhalts- und Kontrollwege.

Das Kanalsystem besitzt eine Länge von rund 23 Kilometern und liegt in den Kantonen Glarus, St. Gallen und Schwyz.[12]

Linthkonkordat

Bis Ende 2003 wurde das Werk durch die Eidgenössische Linthkommission verwaltet.

Seit dem 1. Januar 2004 trägt das Linthkonkordat die Verantwortung. Ihm gehören die Kantone Glarus, Schwyz, St. Gallen und Zürich an.

Der Kanton Zürich grenzt weder an die Linth noch an die Linthebene, ist aber aus historischen und hydrologischen Gründen beteiligt. Die Linth ist der wichtigste Zufluss des Zürichsees.

Die laufenden Kosten werden folgendermassen verteilt:

Kanton Kostenanteil
Kanton St. Gallen 50 Prozent
Kanton Glarus 25 Prozent
Kanton Schwyz 15 Prozent
Kanton Zürich 10 Prozent

Linthkommission

Das Führungsgremium ist die Linthkommission. Ihr gehören Vertreter der vier Konkordatskantone und ein Vertreter des Bundes mit beratender Stimme an.

Die operative Leitung liegt beim Linthingenieur. Zu seinen Aufgaben gehören:

  • Überwachung der Dämme und Gewässer;
  • Planung des Unterhalts;
  • Führung der Linthverwaltung;
  • Notfallplanung;
  • Koordination bei Hochwasser;
  • Zusammenarbeit mit Gemeinden, Kantonen und Bund;
  • Begleitung von Bau- und Renaturierungsprojekten.

Linthaufseher kontrollieren die Anlagen vor Ort und beobachten Wasserstände, Dämme, Ufer und Vegetation.[13]

Natur und Ökologie

= Lebensräume

Die Linth verbindet hochalpine Lebensräume mit dem Walensee, der Linthebene und dem Zürichsee.

Entlang ihres Laufs kommen unter anderem folgende Lebensräume vor:

  • Gletscherbäche;
  • alpine Wildflussabschnitte;
  • Kiesbänke;
  • Auenreste;
  • Flachufer;
  • Schilfgebiete;
  • Flachmoore;
  • Altläufe;
  • Entwässerungsgräben;
  • Waldreservate;
  • Mündungsdeltas.

Die Flusskorrektion trennte viele dieser Lebensräume voneinander. Aufweitungen, naturnahe Ufer und die Aufwertung von Seitengewässern sollen die ökologische Vernetzung verbessern.

= Fische

In der Linth leben je nach Flussabschnitt unterschiedliche Fischarten.

Im kühlen Glarner Oberlauf kommen vor allem Forellen und weitere strömungsliebende Arten vor. Im Linthkanal treten zusätzlich Arten aus Walensee und Zürichsee auf.

Die Linth besitzt Bedeutung für wandernde Seeforellen. Diese ziehen aus den Seen in geeignete Zuflüsse, um sich fortzupflanzen.

Wehre, Schwellen, Wasserkraftanlagen und hart verbaute Ufer beeinträchtigen die Fischwanderung und die natürlichen Laichplätze.

= Vögel und Säugetiere

An der Linth und in der Linthebene leben unter anderem:

  • Eisvogel;
  • Wasseramsel;
  • Graureiher;
  • verschiedene Enten- und Watvogelarten;
  • Biber;
  • Fischotter;
  • Iltis;
  • Hermelin;
  • Reh.

Der Biber gestaltet Ufer und Seitengewässer durch das Fällen von Bäumen und den Bau von Dämmen. In Siedlungs- und Landwirtschaftsgebieten kann dies zu Nutzungskonflikten führen.

Kaltbrunner Riet

Das Kaltbrunner Riet liegt östlich des Linthkanals und ist einer der letzten grösseren Reste der früheren Moor- und Sumpflandschaft der Linthebene.

Das Gebiet besitzt internationale Bedeutung als Lebensraum für Zug- und Brutvögel, Amphibien, Insekten und seltene Pflanzen.

Es gehört zu den Ramsar-Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung.

Die Melioration und intensive Landwirtschaft führten zu einer starken Verkleinerung der ursprünglichen Feuchtgebiete. Schutz- und Vernetzungsmassnahmen sollen die verbliebenen Lebensräume erhalten.

= Gäsi

Das Gäsi am Walensee umfasst das Mündungsgebiet des Escherkanals, Wälder, Wiesen, Kiesflächen und Erholungsanlagen.

Ein Teil des Gebiets gehört zum Linthwerk. Waldreservate und artenreiche Wiesen besitzen hohe ökologische Bedeutung.

Gleichzeitig wird das Gäsi stark für Camping, Baden, Wandern und andere Freizeitaktivitäten genutzt.

Wasserkraft

Die Linth und ihre Zuflüsse spielten eine zentrale Rolle bei der Industrialisierung des Glarnerlands.

Im 19. Jahrhundert nutzten Textilfabriken, Druckereien, Maschinenbetriebe und weitere Unternehmen die Wasserkraft über Wehre, Kanäle und Turbinen.

Heute wird ein grosser Teil des Wasserkraftpotenzials durch moderne Kraftwerksanlagen genutzt.

Kraftwerke Linth-Limmern

Die Kraftwerke Linth-Limmern nutzen Wasser aus hochalpinen Einzugsgebieten im Raum Linthal, Limmerental und Muttsee.

Zum System gehören:

  • Stauseen;
  • Staumauern;
  • Druckstollen;
  • Speicherkraftwerke;
  • Pumpanlagen;
  • Ausgleichsbecken.

Die Anlagen verändern die zeitliche Verteilung der Wasserführung. Sie können Wasser speichern, zur Stromproduktion ablassen und teilweise wieder in höher gelegene Speicher pumpen.

Restwasserbestimmungen und ökologische Sanierungen sollen die Auswirkungen auf Flusslebensräume vermindern.

Kleinwasserkraftwerke

Entlang der Linth bestehen weitere Wasserkraftanlagen, die historische Gefällestufen und Kanäle nutzen.

Bei Erneuerungen müssen unter anderem berücksichtigt werden:

  • Fischwanderung;
  • Restwassermengen;
  • Geschiebetransport;
  • Hochwasserschutz;
  • Landschaftsschutz;
  • Schwall und Sunk.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Linth beeinflusste die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Region in mehrfacher Hinsicht.

= Industrie

Die verfügbare Wasserkraft begünstigte im 18. und 19. Jahrhundert die Entstehung der Glarner Textilindustrie.

Fabriken entstanden entlang der Linth und ihrer Zuflüsse. Sie nutzten das Wasser für Antrieb, Reinigung, Färbung und andere Produktionsschritte.

Die Industrie führte zu einem starken Bevölkerungswachstum und zur Verstädterung des schmalen Glarner Haupttals.

= Landwirtschaft

Die Linthkorrektion und die spätere Melioration machten grosse Flächen der Linthebene landwirtschaftlich nutzbar.

Heute dominieren:

  • Milchwirtschaft;
  • Viehzucht;
  • Futterbau;
  • Ackerbau;
  • Gemüsebau;
  • Obstbau.

Der Hochwasserschutz ist für die landwirtschaftliche Nutzung von grundlegender Bedeutung.

Gleichzeitig benötigt ein naturnäherer Fluss mehr Raum. Projekte zur Aufweitung und Renaturierung können deshalb zu Konflikten mit dem Schutz von Kulturland führen.

= Verkehr und Infrastruktur

In der Linthebene verlaufen Verkehrswege von nationaler Bedeutung.

Dazu gehören:

  • Autobahn A3;
  • Autobahn A15;
  • Eisenbahnlinien Zürich–Chur und Rapperswil–Ziegelbrücke;
  • regionale Hauptstrassen;
  • Stromleitungen;
  • Gas- und Kommunikationsanlagen.

Ein Versagen der Linthdämme könnte deshalb nicht nur Siedlungen und Landwirtschaftsflächen, sondern auch überregionale Verkehrs- und Versorgungsanlagen treffen.

Schifffahrt und Freizeit

Der Linthkanal wird auf geeigneten Abschnitten von kleinen Motorbooten, Ruderbooten und Gummibooten befahren.

Die Strömung, Wehre, Brücken, Wasserstände und andere Gefahren müssen beachtet werden. Bei Hochwasser oder Unterhaltsarbeiten kann die Befahrung eingeschränkt oder verboten werden.

Entlang von Escher- und Linthkanal bestehen rund 70 Kilometer Wege. Sie werden genutzt von:

  • Spaziergängerinnen und Spaziergängern;
  • Wandernden;
  • Velofahrenden;
  • Reitenden;
  • Naturbeobachtenden;
  • Fischenden.

Für die verschiedenen Nutzungsgruppen gelten abschnittsweise getrennte Wege und besondere Regeln.

Das Linthwerk bildet ein grossräumiges Freilichtmuseum. Informationstafeln und gestaltete Stelen erklären Geschichte, Wasserbau, Hochwasserschutz, Natur und Archäologie.

Hochwasserschutz

Der Hochwasserschutz bleibt die wichtigste Aufgabe des Linthwerks.

Gefährdete Gebiete

Bei einem Dammbruch wären unter anderem gefährdet:

  • Teile der Gemeinden Glarus Nord, Weesen, Schänis, Benken, Uznach und Schmerikon;
  • Dörfer und Einzelhöfe;
  • Industrie- und Gewerbegebiete;
  • Landwirtschaftsflächen;
  • Autobahnen und Eisenbahnen;
  • Strom- und Kommunikationsanlagen.

Die topografisch tiefe Linthebene könnte grossflächig überflutet werden.

= Überwachung

Dämme und Gewässer werden regelmässig kontrolliert.

Überwacht werden unter anderem:

  • Verformungen;
  • Risse;
  • Sickerwasser;
  • Aussandungen;
  • Tierbauten;
  • Pflanzenbewuchs;
  • Ufererosion;
  • Schwemmholz;
  • Wasserstände;
  • Geschiebeablagerungen.

Während eines Hochwassers arbeitet das Linthwerk mit kantonalen Führungsstäben, Feuerwehren, Polizei, Gemeinden, Zivilschutz und Bundesstellen zusammen.

= Extremereignisse

Die erneuerten Dämme sind für ein hundertjährliches Hochwasser ausgelegt.

Bei noch grösseren Ereignissen kann das Wasser die vorgesehene Kapazität überschreiten. Kontrollierte Überlastmassnahmen sollen dann unvorhersehbare Dammbrüche verhindern und Schäden möglichst begrenzen.

Der Klimawandel kann Häufigkeit, jahreszeitliche Verteilung und Stärke extremer Niederschläge verändern. Das Linthwerk überprüft deshalb seine Schutzkonzepte laufend.

Kulturgeschichtliche Bedeutung

Die Linthkorrektion gilt als frühes Symbol gemeinsamer schweizerischer Problemlösung.

Das Projekt entstand vor der Gründung des modernen Bundesstaats von 1848. Kantone, Tagsatzung, Fachleute, private Geldgeber und lokale Behörden arbeiteten über politische Grenzen hinweg zusammen.

Das Werk prägte die Vorstellung, dass grosse Naturgefahren durch wissenschaftliche Planung, technische Zusammenarbeit und gesamtschweizerische Solidarität bewältigt werden können.

Hans Conrad Escher wurde zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der schweizerischen Wasserbaugeschichte.

Die Linthkorrektion diente als Vorbild für weitere Grossprojekte, darunter:

  • Juragewässerkorrektionen;
  • Rheinregulierung;
  • Rhonekorrektionen;
  • Thurkorrektion;
  • Meliorationen und Flussverbauungen in zahlreichen Kantonen.

Die spätere ökologische Erneuerung zeigt den Wandel des Wasserbaus. Während im 19. Jahrhundert Entwässerung und möglichst enge Kanalisierung im Vordergrund standen, sollen moderne Projekte Sicherheit und natürliche Entwicklung miteinander verbinden.

Herausforderungen

Klimawandel

Steigende Temperaturen führen zu Veränderungen bei Schnee, Gletschern und Niederschlägen.

Mögliche Folgen sind:

  • frühere Schneeschmelze;
  • geringere Sommerabflüsse;
  • stärkere Regenhochwasser;
  • häufigere Trockenperioden;
  • höhere Wassertemperaturen;
  • veränderte Geschiebemengen;
  • instabilere Hänge im Hochgebirge.

Alterung der Anlagen

Dämme, Ufersicherungen, Brücken und Entwässerungssysteme müssen dauerhaft unterhalten werden.

Auch die zwischen 2008 und 2013 erneuerten Anlagen benötigen regelmässige Kontrollen und spätere Sanierungen.

Das Leitbild Linthwerk 2100 soll langfristige Grundlagen für Hochwasserschutz, Natur, Landwirtschaft und Erholung schaffen.

= Freizeitnutzung

Die Dammwege und Flussufer werden stark besucht.

Konflikte entstehen unter anderem zwischen:

  • Fussverkehr;
  • Veloverkehr;
  • Reiten;
  • Hundeauslauf;
  • Fischerei;
  • Bootfahren;
  • Naturschutz;
  • Landwirtschaft;
  • Unterhalt des Linthwerks.

Besonders sensible Schutzgebiete müssen vor übermässiger Störung bewahrt werden.

Gebietsfremde Arten

Entlang von Flüssen breiten sich gebietsfremde Pflanzen besonders leicht aus.

Arten wie Japanischer Staudenknöterich, Drüsiges Springkraut und verschiedene Goldruten können einheimische Ufervegetation verdrängen.

Ihre Bekämpfung erfordert wiederholte Kontrollen und eine koordinierte Zusammenarbeit.

Bedeutung

Die Linth gehört zu den landschaftlich, wirtschaftlich und historisch bedeutendsten Flüssen der Ostschweiz.

Sie besitzt besondere Bedeutung als:

  • Hauptfluss des Kantons Glarus;
  • wichtigster Zufluss des Zürichsees;
  • Energiequelle;
  • Teil eines grossen Hochwasserschutzsystems;
  • Lebensraum und Wanderkorridor;
  • Grundlage für die Landwirtschaft in der Linthebene;
  • Industrie- und Verkehrsgeschichte;
  • Naherholungsraum;
  • Beispiel für den Wandel des schweizerischen Wasserbaus.

Die heutige Linth ist zugleich Naturgewässer und technisches Bauwerk. Ihr Verlauf wurde durch die Linthkorrektion dauerhaft verändert, dennoch soll sie auf ausgewählten Abschnitten wieder mehr natürliche Dynamik erhalten.

Zeittafel

Jahr oder Zeitraum Ereignis
Nach den Eiszeiten Die Linth und ihre Zuflüsse füllen die Täler mit Kies, Sand und Geröll
Mittelalter Nutzung der Linth für Fischerei, Mühlen, Sägen und Schifffahrt
18. Jahrhundert Zunehmende Versumpfung und Überschwemmung der Linthebene
1783/1784 Andreas Lanz entwirft ein Projekt zur Einleitung der Linth in den Walensee
28. Juli 1804 Die Tagsatzung beschliesst die Linthkorrektion
1807 Beginn der Bauarbeiten unter Hans Conrad Escher
1811 Einleitung der Glarner Linth durch den Molliserkanal in den Walensee
1816 Der neue Linthkanal übernimmt den Abfluss des Walensees
9. März 1823 Tod von Hans Conrad Escher
1823 Vollendung und Einweihung der Hauptanlagen
Juni 1823 Hans Conrad Escher erhält postum den Ehrennamen «von der Linth»
19. Jahrhundert Fortlaufende Verstärkung und Erweiterung der Dämme und Seitenkanäle
Ab 1937 Grossflächige Melioration und Entwässerung der Linthebene
1999 Kritisches Hochwasser zeigt Schwächen der alten Dämme
2004 Das Linthkonkordat übernimmt die Verantwortung von der Eidgenössischen Linthkommission
August 2005 Erneutes schweres Hochwasser mit kritischen Belastungen
2008 Beginn der Hauptarbeiten des Projekts Linth 2000
2011 Zweihundert Jahre seit der Einleitung der Linth in den Walensee
2013 Abschluss der ersten Gesamtsanierung des Linthwerks
2023 Zweihundertjahrfeier der Vollendung des historischen Hauptwerks
21. Jahrhundert Weiterführung von Hochwasserschutz, Renaturierung und langfristiger Planung

Siehe auch

Literatur

  • Daniel Speich: Helvetische Meliorationen. Die Neuordnung der gesellschaftlichen Naturverhältnisse an der Linth 1783–1823. Chronos, Zürich 2003.
  • Hans Conrad Escher von der Linth: Ansichten und Berichte zur Linthkorrektion. Verschiedene historische Ausgaben.
  • Linthkommission: Das Linthwerk 1807–2007. Benken 2007.
  • Linthverwaltung: Hochwasserschutz Linth 2000. Dokumentation der Gesamtsanierung. Benken 2013.
  • Linthverwaltung: Die Entwicklung der Linthebene. Benken.
  • Martin Illi: Linth. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Veronika Feller-Vest: Hans Conrad Escher von der Linth. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Kaspar Legler: Geschichte der Linthkorrektion. Glarus.
  • Kanton Glarus: Wasserqualität der Linth und des Sernfs 1959–2013. Glarus 2014.
  • Kanton Glarus: Notfallplanung Glarner Linth. Glarus 2022.

Einzelnachweise

  1. Martin Illi: Linth, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Kanton Glarus: Wasserqualität der Linth und des Sernfs 1959–2013, Glarus 2014, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Linthwerk: Lage und Hauptbauwerke, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Bundesamt für Umwelt: Faktenblatt Walensee – Zustand bezüglich Wasserqualität, Bern 2016, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Bundesamt für Umwelt: Messstation Linth–Weesen, Biäsche, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Kanton Glarus: Notfallplanung Glarner Linth, Glarus 2022, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Linthwerk: Die Linthkorrektion als Nationalunternehmung, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Veronika Feller-Vest: Escher von der Linth, Hans Conrad, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Linthwerk: Erste Gesamtsanierung des Linthwerks, abgerufen am 23. Juli 2026.
  10. Kanton St. Gallen: Richtplanblatt Hochwasserschutz Linth, abgerufen am 23. Juli 2026.
  11. Linthwerk: Hochwasserschutz – mehr Sicherheit im Einklang mit der Natur, abgerufen am 23. Juli 2026.
  12. Kanton St. Gallen: Linth und Linthwerk, aktualisiert am 26. Januar 2026, abgerufen am 23. Juli 2026.
  13. Linthwerk: Organisation des Linthwerks, abgerufen am 23. Juli 2026.