Rheinfallbahn
| Ein Zug auf der Rheinbrücke bei Laufen | |
| Streckennummer | 762 |
|---|---|
| Strecke | Winterthur–Schaffhausen |
| Streckenlänge | 29,92 km |
| Spurweite | 1435 mm (Normalspur) |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz ~ |
| Maximale Neigung | 14 ‰ |
| Anzahl Gleise | überwiegend 1, abschnittsweise 2 |
| Eröffnung | 16. April 1857 |
| Eigentümer | Schweizerische Bundesbahnen |
| Betreiber | Schweizerische Bundesbahnen, Thurbo |
| Kantone | Zürich, Schaffhausen |
Die Rheinfallbahn ist eine normalspurige und elektrifizierte Eisenbahnstrecke in der Schweiz. Sie verbindet Winterthur im Kanton Zürich über das Zürcher Weinland mit Schaffhausen und überquert kurz vor Neuhausen am Rheinfall den Rhein. Die Strecke erhielt ihren Namen nach dem unmittelbar unterhalb der Bahnbrücke liegenden Rheinfall.
Die knapp 30 Kilometer lange Bahnlinie wurde am 16. April 1857 eröffnet und gehört damit zu den frühen Hauptbahnen der Schweiz. Sie erschloss das Zürcher Weinland, verband Schaffhausen mit Winterthur und schuf eine durchgehende Eisenbahnverbindung in Richtung Zürich, Ostschweiz und Mittelland. Seit 1902 gehört die Strecke den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).
Heute ist die Rheinfallbahn vor allem für den Regionalverkehr von Bedeutung. Sie wird von mehreren Linien der S-Bahn Zürich befahren. Der grösste Teil der Strecke ist weiterhin einspurig; Doppelspurabschnitte bestehen zwischen Hettlingen und Henggart, bei Marthalen sowie zwischen Neuhausen und Schaffhausen.
Verlauf
Die Rheinfallbahn beginnt im Bahnhof Winterthur, einem der wichtigsten Eisenbahnknoten der Schweiz. Sie verlässt den Bahnhof gemeinsam mit den Strecken in Richtung Zürich und Bülach und führt zunächst nach Nordwesten durch das Stadtgebiet von Winterthur. Nach der Abzweigung von den übrigen Bahnlinien erreicht sie die offene Landschaft nördlich der Stadt.
Zwischen Winterthur und Hettlingen verläuft die Bahn durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Der Bahnhof Hettlingen liegt am westlichen Rand der gleichnamigen Gemeinde. Von dort führt ein doppelspuriger Abschnitt nach Henggart. Diese Doppelspur dient vor allem den Zugskreuzungen und ermöglicht einen annähernden Halbstundentakt zwischen Winterthur und Schaffhausen.
Nördlich von Henggart erreicht die Strecke das Zürcher Weinland. Bei Andelfingen überquert sie die Thur auf einer rund 133 Meter langen Brücke. Der Bahnhof Andelfingen ist der wichtigste regionale Verkehrsknoten im mittleren Weinland. Hier bestehen Anschlüsse an Buslinien nach Flaach, Ossingen, Kleinandelfingen und in weitere umliegende Gemeinden.
Nach Andelfingen führt die Bahn über die Dienststation Meder nach Marthalen. Ein Teil dieses Abschnitts ist doppelspurig ausgebaut. Der frühere Bahnhof Marthalen Nord dient nicht mehr dem Personenverkehr. Anschliessend verläuft die Strecke durch eine von Feldern, Rebbergen und Waldgebieten geprägte Landschaft nach Dachsen.
Zwischen Dachsen und Neuhausen liegt der landschaftlich und bautechnisch bekannteste Abschnitt der Rheinfallbahn. Die Strecke erreicht zunächst den Bahnhof Schloss Laufen am Rheinfall, der unmittelbar beim Schloss Laufen liegt. Danach durchquert sie den kurzen Schloss-Laufen-Tunnel und überquert den Rhein auf der historischen Rheinbrücke bei Laufen.
Die Bahnbrücke befindet sich rund 200 Meter oberhalb des Rheinfalls. Nach der Rheinquerung führt die Strecke durch das Gebiet von Neuhausen am Rheinfall und den Rötitunnel zum Bahnhof Neuhausen. Kurz darauf mündet die von Eglisau kommende Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen in die Rheinfallbahn ein. Der letzte Abschnitt von Neuhausen nach Schaffhausen ist doppelspurig und wird von wesentlich mehr Zügen befahren als die übrige Strecke.
Im Bahnhof Schaffhausen bestehen Anschlüsse in Richtung Zürich, Basel, Stein am Rhein, Kreuzlingen, Romanshorn, Thayngen und Süddeutschland.
Betriebsstellen
| Kilometer | Betriebsstelle | Höhe | Gemeinde | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| 26,14 | Winterthur | 439 m ü. M. | Winterthur | Anschluss in Richtung Zürich, Bülach, St. Gallen, Romanshorn und Wil |
| 32,71 | Hettlingen | 425 m ü. M. | Hettlingen | Beginn beziehungsweise Ende eines Doppelspurabschnitts |
| 35,01 | Henggart | 434 m ü. M. | Henggart | Beginn beziehungsweise Ende eines Doppelspurabschnitts |
| 39,17 | Andelfingen | 403 m ü. M. | Andelfingen | Regionaler Umsteigeknoten |
| 44,57 | Meder | 403 m ü. M. | Marthalen | Dienststation, Beginn beziehungsweise Ende des Doppelspurabschnitts |
| 45,96 | Marthalen | 414 m ü. M. | Marthalen | Personenbahnhof |
| 46,47 | Marthalen Nord | 411 m ü. M. | Marthalen | Dienststation und ehemaliger Bahnhof |
| 51,31 | Dachsen | 394 m ü. M. | Dachsen | Ausgangspunkt für Ausflüge zum Rheinfall und nach Rheinau |
| 52,49 | Schloss Laufen am Rheinfall | 389 m ü. M. | Laufen-Uhwiesen | Haltestelle beim Schloss Laufen und Rheinfall |
| 53,84 | Neuhausen | 397 m ü. M. | Neuhausen am Rheinfall | Einmündung der Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen |
| 56,06 | Schaffhausen | 404 m ü. M. | Schaffhausen | Anschluss in Richtung Deutschland, Zürich, Basel und Bodensee |
Geschichte
Planung und Gründung der Gesellschaft
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Schaffhausen zu einem bedeutenden Industriezentrum. Der Transport von Rohstoffen und Fertigwaren war jedoch weiterhin von Strassen, Fuhrwerken und der Rheinschifffahrt abhängig. Industrielle und Politiker aus Schaffhausen und dem Zürcher Weinland setzten sich deshalb für eine Eisenbahnverbindung nach Winterthur und Zürich ein.
Im Jahr 1853 wurde die Rheinfallbahn-Gesellschaft gegründet. Zu den wichtigsten Initianten gehörten der Schaffhauser Industrielle Heinrich Moser und der Politiker und Unternehmer Friedrich Peyer im Hof. Die Gesellschaft erhielt die Konzession zum Bau einer Eisenbahnlinie von Winterthur über Andelfingen nach Schaffhausen.[1]
Die Strecke sollte nicht nur die Ortschaften des Zürcher Weinlands erschliessen. Langfristig war eine internationale Verbindung von Zürich über Schaffhausen nach Süddeutschland vorgesehen. Winterthur verfügte bereits über Bahnanschlüsse nach Zürich, Romanshorn und St. Gallen, sodass die neue Linie in ein rasch wachsendes Eisenbahnnetz eingebunden werden konnte.
Bau der Strecke
Die Bauarbeiten begannen 1855. Die technische Leitung lag beim aus München stammenden Oberingenieur Carl Ruland. Während der südliche Abschnitt zwischen Winterthur und Andelfingen vergleichsweise einfach erstellt werden konnte, stellte der nördliche Teil die Ingenieure vor erhebliche Herausforderungen.
Zwischen Andelfingen und Schaffhausen mussten die Thur und der Rhein überquert werden. Zudem waren umfangreiche Geländeeinschnitte, Stützmauern und ein Tunnel unter dem Gebiet von Schloss Laufen notwendig. Insbesondere der Bau der Rheinbrücke oberhalb des Rheinfalls gehörte zu den bedeutendsten Ingenieurleistungen der jungen schweizerischen Eisenbahngeschichte.
Noch vor Abschluss der Bauarbeiten geriet die Rheinfallbahn-Gesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten. Am 4. November 1856 wurde sie von der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) übernommen. Damit war die spätere Betreiberin bereits vor der Eröffnung Eigentümerin der Strecke.
Die feierliche Einweihung fand am 15. April 1857 statt. Der fahrplanmässige Betrieb zwischen Winterthur und Schaffhausen wurde am folgenden Tag, dem 16. April 1857, aufgenommen.[2]
Entwicklung unter der Nordostbahn
Die neue Bahnverbindung verkürzte die Reisezeiten zwischen Schaffhausen, Winterthur und Zürich erheblich. Sie erleichterte den Transport von Industriegütern, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Wein und Baumaterialien. Zugleich förderte sie die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinden im Zürcher Weinland.
Schaffhausen erhielt über Winterthur eine Verbindung nach Zürich und in die Ostschweiz. Die Rheinfallbahn war zunächst die wichtigste Eisenbahnstrecke zwischen Schaffhausen und dem übrigen Schweizer Bahnnetz. Auch Reisende in Richtung Süddeutschland nutzten die Verbindung über Winterthur.
Die Bedeutung der Strecke für den überregionalen Verkehr ging zurück, nachdem die Nordostbahn 1897 die direktere Bahnstrecke von Eglisau über deutsches Gebiet nach Neuhausen eröffnet hatte. Die neue Verbindung verkürzte den Weg zwischen Zürich und Schaffhausen deutlich. Der Fernverkehr wurde deshalb zunehmend über Bülach und Eglisau geführt, während die Rheinfallbahn vor allem der Erschliessung des Zürcher Weinlands diente.
Übernahme durch die SBB
Mit der Verstaatlichung der grossen Privatbahngesellschaften ging die Schweizerische Nordostbahn 1902 in den neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen auf. Die Rheinfallbahn befindet sich seither im Eigentum der SBB.
Die SBB modernisierten die Strecke schrittweise. Bahnhöfe wurden erweitert, mechanische Sicherungsanlagen eingebaut und die Gleisanlagen an das zunehmende Verkehrsaufkommen angepasst. Der Abschnitt Neuhausen–Schaffhausen erhielt wegen des gemeinsamen Verkehrs mit der Strecke aus Eglisau bereits früh eine besondere Bedeutung.
Elektrifizierung
Die Elektrifizierung erfolgte in zwei Etappen. Der stark befahrene Abschnitt zwischen Neuhausen und Schaffhausen wurde am 15. Dezember 1928 auf elektrischen Betrieb umgestellt. Er wurde gemeinsam mit den anschliessenden Strecken in Richtung Zürich und Deutschland elektrifiziert.
Der übrige Abschnitt zwischen Winterthur und Neuhausen folgte am 11. April 1943. Seither wird die gesamte Rheinfallbahn mit dem bei den SBB üblichen Wechselstromsystem von 15 Kilovolt und 16,7 Hertz betrieben.[2]
Die Elektrifizierung während des Zweiten Weltkriegs verringerte die Abhängigkeit von importierter Kohle. Dampflokomotiven wurden im regulären Betrieb durch elektrische Lokomotiven und später durch Triebwagen und Pendelzüge ersetzt.
Mehrspurausbau
Die Rheinfallbahn wurde ursprünglich vollständig einspurig gebaut. Zugskreuzungen waren nur in den Bahnhöfen möglich. Mit der Zunahme des Personenverkehrs entstanden mehrere Doppelspurabschnitte.
Zwischen Neuhausen und Schaffhausen wurde das zweite Gleis bereits 1929 und 1930 verlegt. Die offizielle Inbetriebnahme als Doppelspurstrecke erfolgte am 1. September 1931. Dieser Ausbau war wegen der Überlagerung des Verkehrs der Rheinfallbahn mit den Zügen der Strecke Eglisau–Neuhausen notwendig.
Am 7. September 1997 ging der Doppelspurabschnitt zwischen der Dienststation Meder und Marthalen Nord in Betrieb. Der Ausbau erfolgte im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Zürcher S-Bahn und verbesserte die Kreuzungsmöglichkeiten im nördlichen Weinland.
Der 1,9 Kilometer lange Abschnitt zwischen Hettlingen und Henggart wurde am 20. Juni 2004 doppelspurig eröffnet. Gleichzeitig erhielten die Bahnhöfe Hettlingen, Henggart und Dachsen neue beziehungsweise angepasste Perronanlagen. Der Ausbau ermöglichte zwei Regionalzüge pro Stunde und Richtung, wobei die Züge wegen der weiterhin fehlenden Kreuzungsmöglichkeit bei Winterthur nicht in einem exakt gleichmässigen Halbstundentakt verkehren konnten.[3]
Trotz dieser Erweiterungen ist der grösste Teil der Rheinfallbahn weiterhin einspurig. Die Fahrplangestaltung hängt deshalb stark von den Kreuzungsmöglichkeiten in den Bahnhöfen und auf den Doppelspurinseln ab.
Bedeutende Bauwerke
Thurbrücke bei Andelfingen
Nördlich des Bahnhofs Andelfingen überquert die Rheinfallbahn die Thur. Die Brücke bildet eines der grössten Bauwerke der Strecke und verbindet die südlich des Flusses gelegene Gemeinde Andelfingen mit dem Gebiet von Kleinandelfingen und Marthalen.
Die heutige Anlage wurde im Lauf der Zeit mehrfach verstärkt und an die höheren Achslasten moderner Eisenbahnfahrzeuge angepasst. Die Thurquerung war bereits beim ursprünglichen Bau der Rheinfallbahn eine der technisch anspruchsvollsten Stellen.
Schloss-Laufen-Tunnel
Unmittelbar nach der Haltestelle Schloss Laufen am Rheinfall führt die Bahn durch den rund 66 Meter langen Schloss-Laufen-Tunnel. Er unterquert den Felsbereich beim historischen Schloss und stellt die direkte Verbindung zur Rheinbrücke her.
Der kurze Tunnel bildet zusammen mit der Haltestelle, dem Schloss und der unmittelbar anschliessenden Rheinbrücke ein charakteristisches Eisenbahnensemble des 19. Jahrhunderts.
Rheinbrücke bei Laufen
Die Rheinbrücke bei Laufen, auch Rheinfallbrücke genannt, ist das bekannteste Bauwerk der Rheinfallbahn. Sie überspannt den Rhein zwischen Laufen-Uhwiesen und Neuhausen am Rheinfall rund 200 Meter oberhalb des Rheinfalls.
Ursprünglich war eine eiserne Gitterträgerbrücke vorgesehen. Nachdem bei den Vorarbeiten tragfähiger Kalksteinfels in geringer Tiefe festgestellt worden war, entschieden sich die Ingenieure für ein gemauertes Bogenviadukt. Die Brücke wurde 1855 und 1856 nach Plänen von Carl Ruland errichtet.
Das Bauwerk ist 177 Meter lang und besitzt mehrere unterschiedlich grosse Steinbögen. Es verläuft wegen der geologischen Verhältnisse nicht vollständig gerade. Die Baukosten beliefen sich auf rund 220'000 Franken.
Zwischen Dezember 1957 und März 1959 wurde die Brücke umfassend instand gesetzt. Die Gewölbe wurden verstärkt und mit einem neuen Schottertrog aus Stahlbeton versehen. Gleichzeitig entstanden auf beiden Seiten Fussgängerstege. Weitere Sanierungsarbeiten wurden zwischen 2004 und 2007 ausgeführt.[4]
Die Fussgängerstege verbinden das Schloss Laufen mit Neuhausen und gehören zu den beliebten Zugängen zum Rheinfall. Von der Brücke aus bietet sich ein Blick auf den Wasserfall und das darunterliegende Rheinbecken.
Rötitunnel
Zwischen der Rheinbrücke und dem Bahnhof Neuhausen führt die Strecke durch den Rötitunnel. Der rund 153 Meter lange Tunnel entstand nicht bereits beim ursprünglichen Bau der Rheinfallbahn, sondern wurde in den 1960er-Jahren im Zusammenhang mit baulichen Veränderungen und dem Bau einer Abwasserreinigungsanlage erstellt.
Personenverkehr
Seit der Eröffnung der S-Bahn Zürich im Mai 1990 ist die Rheinfallbahn in das Zürcher S-Bahn-Netz integriert. Im Fahrplanjahr 2026 wird die gesamte Strecke von den Linien S12 und S33 bedient. Die S24 nutzt die Rheinfallbahn als beschleunigte Verbindung und hält zwischen Winterthur und Schaffhausen nur in Andelfingen und Neuhausen.
- S12: Brugg AG – Baden – Dietikon – Zürich Hauptbahnhof – Winterthur – Hettlingen – Henggart – Andelfingen – Marthalen – Dachsen – Schloss Laufen am Rheinfall – Neuhausen – Schaffhausen
- S24: Zug – Zürich Enge – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Flughafen – Winterthur – Andelfingen – Neuhausen – Schaffhausen – Thayngen
- S33: Winterthur – Hettlingen – Henggart – Andelfingen – Marthalen – Dachsen – Schloss Laufen am Rheinfall – Neuhausen – Schaffhausen
Die S12 und die S33 verkehren grundsätzlich jeweils stündlich und ergeben zusammen zwischen Winterthur und Schaffhausen ein annähernd halbstündliches Angebot. Beide Linien bedienen sämtliche Personenverkehrshalte der Rheinfallbahn. Die S24 verkehrt ebenfalls stündlich, lässt jedoch Hettlingen, Henggart, Marthalen, Dachsen und Schloss Laufen am Rheinfall aus.[5][6][7]
In den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag wird die Strecke zusätzlich von der Nacht-S-Bahn SN3 bedient. Sie verbindet Winterthur über die Rheinfallbahn mit Schaffhausen und fährt von dort weiter in Richtung Stein am Rhein.
Auf dem gemeinsamen Abschnitt Neuhausen–Schaffhausen verkehren zusätzlich Züge der Strecke Eglisau–Neuhausen. Dazu gehören Regional-, Fern- und internationale Züge zwischen Zürich, Schaffhausen und Süddeutschland. Dieser kurze Streckenabschnitt weist deshalb eine erheblich höhere Zugdichte als die übrige Rheinfallbahn auf.
Güterverkehr
Die Rheinfallbahn diente seit ihrer Eröffnung auch dem Güterverkehr. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse, Wein, Holz, Kohle und Industriegüter transportiert. Mehrere Bahnhöfe verfügten über Güterschuppen, Freiverladeanlagen und Anschlussgleise.
Mit dem Ausbau des Strassengüterverkehrs nahm die örtliche Güterabfertigung nach dem Zweiten Weltkrieg ab. Viele Nebengleise und Güteranlagen wurden entfernt. Die meisten Güterzüge zwischen Zürich, Schaffhausen und Deutschland nutzen heute die leistungsfähigere Verbindung über Bülach und Eglisau.
Wegen der langen einspurigen Abschnitte und des dichten S-Bahn-Verkehrs stehen auf der Rheinfallbahn nur begrenzte Fahrplantrassen für Güter- und Extrazüge zur Verfügung. Dennoch wird die Strecke bei betrieblichen Umleitungen sowie für Bau-, Dienst- und gelegentliche Sonderzüge genutzt.
Bedeutung für die Region
Die Eröffnung der Rheinfallbahn veränderte die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Zürcher Weinlands. Die Gemeinden entlang der Strecke erhielten einen raschen Zugang zu den städtischen Zentren Winterthur, Schaffhausen und Zürich. Landwirtschaftliche Betriebe konnten ihre Erzeugnisse leichter vermarkten, während Industrieunternehmen von günstigeren Transportmöglichkeiten profitierten.
Auch der Tourismus wurde durch die Bahn gefördert. Der Rheinfall war bereits im 19. Jahrhundert ein bekanntes Reiseziel. Die Haltestelle Schloss Laufen am Rheinfall ermöglichte Besucherinnen und Besuchern eine direkte Anreise zum Schloss und zu den Aussichtspunkten am südlichen Rheinufer.
Heute ist die Bahn eine wichtige Pendlerverbindung. Sie erschliesst das Zürcher Weinland und verbindet die Region mit Arbeitsplätzen, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten in Winterthur, Schaffhausen und Zürich. Gleichzeitig besitzt sie wegen ihrer historischen Ingenieurbauten und der Fahrt über den Rheinfall eine touristische Bedeutung.
Im April 2007 wurde das 150-jährige Bestehen der Rheinfallbahn mit Veranstaltungen an mehreren Bahnhöfen zwischen Winterthur und Schaffhausen sowie mit historischen Zugfahrten gefeiert.[8]
Literatur
- Jules Eberhard: Hundert Jahre Rheinfallbahn 1857–1957. Jubiläumsschrift, Schaffhausen 1957.
- Rolf A. Meyer (Hrsg.): Er baute die Rheinfallbahn. Das Tagebuch des Oberingenieurs Carl Ruland über den Bau der Bahnlinie Winterthur–Schaffhausen 1855–1857. Zürich 1983.
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- Hans Rudolf Stierli, Erwin Stucki, Paul Wüst: Vor dem Bau der N4: Die Rheinübergänge zwischen Stein am Rhein und Eglisau. Meier Verlag, Schaffhausen 1995, ISBN 3-85801-112-6.
Siehe auch
- Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen
- Bahnstrecke Winterthur–Etzwilen
- S-Bahn Zürich
- Rheinbrücke bei Laufen
- Rheinfall
Weblinks
- Streckenprofil der Rheinfallbahn
- Referat des Bundesrates zum 150-jährigen Bestehen der Rheinfallbahn
- Fahrplaninformationen des Zürcher Verkehrsverbunds
Einzelnachweise
- ↑ Was die Rheinfall-Bahn der Region gebracht hat. Hrsg.: Der Bundesrat. 2007-04-14(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 2,0 2,1 Rheinfalllinie Winterthur–Schaffhausen. In: Schienenverkehr Schweiz(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Beitrag für Ausbau der SBB-Linie Winterthur–Schaffhausen. Hrsg.: Kanton Zürich. 2001-03-15(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Rheinbrücke bei Laufen. In: Wikipedia(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Linienfahrplan S12. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Linienfahrplan S24. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ Linienfahrplan S33. In: Zürcher Verkehrsverbund(de). Abgerufen am 2026-08-04.
- ↑ 150 Jahre Rheinfallbahn. In: Museum zu Allerheiligen Schaffhausen(de). Abgerufen am 2026-08-04.