St. Galler Rheintal
St. Galler Rheintal bezeichnet den zum Kanton St. Gallen gehörenden Abschnitt des Alpenrheintals im Osten der Schweiz. Die Region erstreckt sich entlang der Grenze zu Vorarlberg in Österreich und reicht im historischen und geografischen Verständnis ungefähr von Rüthi im Süden bis Thal und zum Bodensee im Norden. Wichtigstes regionales Zentrum ist Altstätten, während sich im nördlichen Rheintal mit Heerbrugg, Widnau, Au, Balgach und Diepoldsau ein zusammenhängender, stark industrialisierter Siedlungs- und Wirtschaftsraum entwickelt hat.[1]
Das St. Galler Rheintal bildet gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Vorarlberger Rheintal einen eng verflochtenen grenzüberschreitenden Lebens- und Wirtschaftsraum. Der Alpenrhein ist zwar Staatsgrenze, zahlreiche Strassenverbindungen, Arbeitswege und wirtschaftliche Beziehungen verbinden jedoch beide Talseiten. Die Region ist besonders durch Präzisionsindustrie, Maschinenbau, Optik, Metallverarbeitung und weitere Hightech-Branchen geprägt.[2]
Begriff und Abgrenzung
Die Bezeichnung St. Galler Rheintal wird nicht in jedem Zusammenhang gleich verwendet.
Im historisch-geografischen Sinn umfasst das Rheintal auf St. Galler Gebiet die heutigen Gemeinden:
- Rüthi;
- Oberriet;
- Eichberg;
- Altstätten;
- Marbach;
- Rebstein;
- Balgach;
- Diepoldsau;
- Widnau;
- Berneck;
- Au;
- St. Margrethen;
- Rheineck;
- Thal.[1]
Diese Abgrenzung entspricht im Wesentlichen dem Gebiet des ehemaligen Distrikts Rheintal, der nach der Gründung des Kantons St. Gallen im Jahr 1803 bestand.[1]
Die heutige politische Verwaltungsgliederung ist enger. Der Wahlkreis Rheintal umfasst 13 Gemeinden von Rüthi bis Rheineck. Thal gehört dagegen zum Wahlkreis Rorschach.[3]
Daneben existiert der Verein St. Galler Rheintal, dem zwölf Gemeinden von St. Margrethen bis Rüthi angehören. Rheineck und Thal gehören diesem regionalen Standortmarketingverband nicht an.[4]
Geographie
Das St. Galler Rheintal bildet den westlichen Teil des unteren Alpenrheintals. Im Osten wird die Landschaft vom Alpenrhein und der Staatsgrenze zu Österreich begrenzt, im Westen steigen die Hänge zu den Voralpen und zum Appenzellerland an.
Der Talboden ist überwiegend flach. Er entstand durch Ablagerungen des Rheins und seiner Zuflüsse und war bis zu den grossen Flusskorrektionen und Meliorationen teilweise von Sümpfen, Auen und häufig überschwemmten Flächen geprägt.
Nach Norden öffnet sich das Tal zum Bodensee. Bei St. Margrethen verlässt der heutige Alpenrhein seinen früheren Lauf und fliesst durch den Fussacher Durchstich in Richtung Bodensee. Der ehemalige Rheinlauf bildet heute den Alten Rhein.
Im südlichen Teil verengt sich das Tal zwischen den Gebirgsausläufern. Eine markante Engstelle bildet der Hirschensprung zwischen Oberriet und Rüthi.
Landschaft
Das Landschaftsbild besteht aus drei deutlich unterschiedlichen Bereichen.
Im Talboden liegen grosse Siedlungs-, Industrie- und Landwirtschaftsflächen. Dieser Bereich ist durch Entwässerungskanäle, Strassen, Bahnlinien und die Hochwasserschutzanlagen des Rheins stark vom Menschen geprägt.
Am westlichen Talrand liegen die historischen Dörfer häufig leicht erhöht und damit ausserhalb der früher besonders hochwassergefährdeten Flächen. Oberhalb der Siedlungen folgen Wälder, Wiesen und teilweise Rebberge.
Besonders im Raum Berneck, Balgach, Rebstein, Marbach und Altstätten besitzt der Weinbau eine lange Tradition.
Alpenrhein
Der Alpenrhein ist das prägende Gewässer der Region und bildet über weite Strecken die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Österreich beziehungsweise Liechtenstein.
Vor seiner Regulierung änderte der Fluss immer wieder seinen Lauf. Kiesablagerungen erhöhten das Flussbett, während Hochwasser Dämme und natürliche Ufer durchbrachen. Grosse Teile der Rheinebene waren deshalb regelmässig von Überschwemmungen betroffen.
Die Rheinkorrektion veränderte die Landschaft grundlegend.
Mit dem Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Österreich-Ungarn von 1892 wurde eine internationale Regulierung des Rheins vereinbart. Zu den wichtigsten Massnahmen gehörten zwei Durchstiche, mit denen der Flusslauf verkürzt und der Hochwasserabfluss verbessert wurde.
Der Fussacher Durchstich wurde 1900 eröffnet. Dadurch erhielt der Rhein zwischen St. Margrethen und dem Bodensee einen wesentlich direkteren Lauf.
Der Diepoldsauer Durchstich wurde 1923 in Betrieb genommen. Der frühere Rheinbogen um Diepoldsau wurde dadurch vom Hauptstrom abgeschnitten und ist heute Teil des Alten Rheins.
Alter Rhein
Der Alte Rhein besteht aus ehemaligen Abschnitten des Alpenrheins, die durch die Flusskorrektion vom heutigen Hauptlauf getrennt wurden.
Besonders markant ist die grosse Schleife bei Diepoldsau. Die Gemeinde liegt dadurch auf der östlichen Seite des heutigen Alpenrheins, obwohl sie politisch zur Schweiz gehört.
Ein weiterer Abschnitt des Alten Rheins verläuft zwischen St. Margrethen, Rheineck und dem Bodensee.
Die ehemaligen Flussarme besitzen heute grosse Bedeutung für:
- Naturschutz;
- Wasservögel;
- Fischerei;
- Naherholung;
- Baden;
- Fuss- und Veloverkehr.
Teile des Alten Rheins bilden weiterhin die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Österreich.
Binnenkanal
Neben dem Rhein ist der Rheintaler Binnenkanal ein wichtiges Gewässer der Region.
Er nimmt Wasser aus zahlreichen Seitenbächen und Entwässerungsgräben auf und dient der Entwässerung der Rheinebene. Seine Entstehung steht in engem Zusammenhang mit der Melioration und dem Hochwasserschutz.
Heute besitzt der Binnenkanal neben seiner wasserwirtschaftlichen Funktion auch ökologische Bedeutung. Verschiedene Abschnitte wurden renaturiert oder naturnäher gestaltet.
Geschichte
Frühgeschichte und Römerzeit
Das Rheintal war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde aus verschiedenen Gemeinden reichen bis in die Jungsteinzeit und Bronzezeit zurück.
Während der Römerzeit verliefen wichtige Verkehrsverbindungen durch das Alpenrheintal. Die Region lag zwischen den römischen Zentren rund um den Bodensee, Chur und das Gebiet des heutigen Vorarlbergs.
Auch nach dem Ende des Römischen Reichs blieb das Rheintal ein wichtiger Nord-Süd-Verkehrsraum.
Mittelalter
Im Mittelalter war das Gebiet politisch stark zersplittert.
Besitz und Herrschaftsrechte lagen unter anderem bei:
- der Fürstabtei St. Gallen;
- dem Kloster Pfäfers;
- den Grafen von Werdenberg;
- den Habsburgern;
- verschiedenen lokalen Adelsgeschlechtern;
- dem Land Appenzell.
Orte wie Altstätten und Rheineck besassen aufgrund ihrer Markt- und Verkehrsfunktion eine besondere Bedeutung.
Im Verlauf des 15. Jahrhunderts brachten die Appenzeller grosse Teile des Rheintals unter ihre Kontrolle.
Landvogtei Rheintal
Nach dem Rorschacher Klosterbruch und dem anschliessenden St. Gallerkrieg mussten die Appenzeller 1490 ihre Herrschaft über das Rheintal aufgeben.
Das Gebiet wurde zur Gemeinen Herrschaft Rheintal der eidgenössischen Orte. Die Verwaltung erfolgte durch Landvögte, die von den beteiligten Orten abwechselnd gestellt wurden.[5]
Sitz des Landvogts war Rheineck.[6]
Die Landvogtei bestand bis zum Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft im Jahr 1798.
Helvetik und Kanton St. Gallen
1798 wurde die alte Landvogtei aufgehoben. Während der Helvetischen Republik gehörten die Gemeinden des Rheintals zum Kanton Säntis.
Mit der Mediationsakte von 1803 entstand der heutige Kanton St. Gallen. Das Rheintal wurde als Distrikt in den neuen Kanton eingegliedert.[1]
1831 wurde der Distrikt in zwei Bezirke geteilt:
- Bezirk Oberrheintal;
- Bezirk Unterrheintal.
Diese Verwaltungsstruktur bestand bis Ende 2002.
Mit der St. Galler Verfassungs- und Verwaltungsreform wurden die Bezirke Anfang 2003 durch Wahlkreise ersetzt. Die meisten Rheintaler Gemeinden bilden seither den Wahlkreis Rheintal, während Thal dem Wahlkreis Rorschach zugeteilt wurde.
Rheinüberschwemmungen
Über Jahrhunderte gehörten Überschwemmungen zu den grössten Gefahren für die Bevölkerung.
Der Rhein transportiert aus seinem grossen alpinen Einzugsgebiet enorme Mengen an Geschiebe. Vor der Regulierung entstanden dadurch Kiesbänke, Seitenarme und wechselnde Flussläufe.
Dammbrüche konnten grosse Teile der Ebene unter Wasser setzen. Neben Häusern und Verkehrswegen wurden immer wieder landwirtschaftliche Flächen zerstört.
Die Hochwassergefahr war einer der wichtigsten Gründe für die schweizerisch-österreichische Zusammenarbeit bei der internationalen Rheinregulierung.
Auch im 21. Jahrhundert ist der Hochwasserschutz eine zentrale Aufgabe. Mit dem Projekt Rhesi – Rhein, Erholung und Sicherheit – arbeiten die Schweiz und Österreich an einer langfristigen Verbesserung des Hochwasserschutzes am Alpenrhein.
Melioration
Die Entwicklung des modernen Rheintals ist eng mit der Entwässerung und Melioration der Ebene verbunden.
Nach der Regulierung des Rheins konnten zuvor vernässte oder regelmässig überschwemmte Gebiete systematischer entwässert werden.
Kanäle und Drainagen ermöglichten die landwirtschaftliche Nutzung grosser Flächen. Gleichzeitig entstanden neue Verkehrswege, Industriegebiete und Siedlungen im Talboden.
Die Melioration veränderte die ursprüngliche Auen- und Moorlandschaft tiefgreifend.
Bevölkerung und Siedlungsentwicklung
Das St. Galler Rheintal gehört zu den dynamisch wachsenden Regionen des Kantons St. Gallen.
Besonders dicht besiedelt ist der nördliche und mittlere Talboden zwischen St. Margrethen, Au, Heerbrugg, Widnau, Balgach und Diepoldsau.
Die historischen Dorfkerne sind teilweise noch deutlich erkennbar, doch die Siedlungsgebiete verschiedener Gemeinden sind inzwischen weitgehend zusammengewachsen.
Ein ausgeprägtes regionales Zentrum bildet Heerbrugg. Der Ort gehört politisch zur Gemeinde Au, bildet jedoch zusammen mit angrenzenden Gebieten von Balgach, Berneck und Widnau einen bedeutenden Arbeitsplatz-, Einkaufs- und Verkehrsschwerpunkt.
Altstätten erfüllt für das mittlere und südliche Rheintal wichtige Funktionen als Stadt-, Verwaltungs-, Schul- und Dienstleistungszentrum.
Wirtschaft
Das St. Galler Rheintal gehört zu den stark industrialisierten Regionen der Schweiz.
Die Wirtschaft weist einen vergleichsweise hohen Anteil an exportorientierten Industrieunternehmen auf.
Bedeutende Branchen sind:
- Präzisionstechnik;
- Optik;
- Messtechnik;
- Metallverarbeitung;
- Maschinenbau;
- Kunststofftechnik;
- Bauzulieferindustrie;
- Elektronik;
- Medizintechnik.
In der Region sind mehr als 5000 Unternehmen tätig.[2]
Zu den grossen und international bekannten Unternehmen gehören unter anderem die SFS-Gruppe in Heerbrugg, Leica Geosystems in Heerbrugg, Jansen in Oberriet, SwissOptic in Heerbrugg, NeoVac in Oberriet und Bauwerk Group in St. Margrethen.[2]
Präzisionsindustrie in Heerbrugg
Eine besondere Rolle in der Wirtschaftsgeschichte spielt Heerbrugg.
1921 wurde dort die Heinrich Wild, Werkstätte für Feinmechanik und Optik gegründet. Daraus entwickelten sich Unternehmen und Technologiebereiche, die Heerbrugg international als Standort für Vermessungstechnik, Optik und Präzisionsinstrumente bekannt machten.
Heute ist Heerbrugg unter anderem ein bedeutender Standort von Leica Geosystems und weiteren Hightech-Unternehmen.
Der industrielle Cluster prägt die Wirtschaftsstruktur des gesamten Rheintals.
Textilindustrie
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert spielte die St. Galler Stickerei auch im Rheintal eine grosse Rolle.
Viele Einwohner arbeiteten in der Heimstickerei oder in Stickereibetrieben. Besonders Gemeinden wie Rebstein, Widnau, Marbach und Altstätten wurden vom Stickereiboom geprägt.
Nach dem Ersten Weltkrieg geriet die Branche in eine schwere Krise.
In der Folge entwickelte sich eine stärker diversifizierte Industriestruktur. Zahlreiche Unternehmen aus Metallverarbeitung, Maschinenbau und Präzisionstechnik entstanden oder expandierten im 20. Jahrhundert.
Landwirtschaft
Trotz der starken Industrialisierung ist Landwirtschaft im Rheintal weiterhin sichtbar.
Im flachen Talboden dominieren:
- Ackerbau;
- Viehwirtschaft;
- Futterbau;
- Gemüsebau.
An den sonnigen Hängen des westlichen Talrands wird Wein angebaut.
Die Melioration ermöglichte eine intensive Nutzung der früher teilweise sumpfigen Rheinebene.
Weinbau
Der Weinbau besitzt im Rheintal eine jahrhundertealte Tradition.
Rebflächen liegen insbesondere an den südöstlich und östlich exponierten Hängen bei:
- Berneck;
- Balgach;
- Rebstein;
- Marbach;
- Altstätten.
Berneck zählt zu den wichtigsten Weinbaugemeinden des Kantons St. Gallen.
Das milde, vom Föhn beeinflusste Klima begünstigt den Rebbau.
Föhn
Das Rheintal ist für den häufig auftretenden Föhn bekannt.
Der warme und trockene Fallwind kann im Tal hohe Geschwindigkeiten erreichen und innerhalb kurzer Zeit starke Temperaturanstiege verursachen.
Der Föhn beeinflusst Klima und Landwirtschaft und kann insbesondere während Stürmen Schäden verursachen.
Gleichzeitig trägt das vergleichsweise milde Klima zum Weinbau und zu einer langen Vegetationsperiode bei.
Verkehr
Das St. Galler Rheintal bildet eine wichtige Nord-Süd-Verkehrsachse zwischen Bodensee, Graubünden, Liechtenstein und den Alpenpässen.
Eisenbahn
Die wichtigste Eisenbahnverbindung führt von Rorschach über St. Margrethen, Heerbrugg, Altstätten und Buchs weiter in Richtung Sargans und Chur.
Wichtige Bahnhöfe und Haltestellen im engeren Rheintal sind:
- Bahnhof St. Margrethen;
- Bahnhof Au SG;
- Bahnhof Heerbrugg;
- Bahnhof Altstätten SG;
- Bahnhof Oberriet SG;
- Bahnhof Rüthi SG.
Der Bahnhof St. Margrethen ist zugleich ein Grenzbahnhof mit Bahnverbindungen nach Vorarlberg.
Heerbrugg ist einer der wichtigsten regionalen Umsteigepunkte zwischen Bahn und Bus.
Von Altstätten führt zudem die meterspurige Altstätten–Gais-Bahn über den Stoss nach Gais.
Strassenverkehr
Die wichtigste Strassenachse ist die Autobahn A13.
Sie verläuft von St. Margrethen durch das Rheintal in Richtung Buchs, Sargans und Chur.
Mehrere Grenzübergänge verbinden das St. Galler Rheintal mit Vorarlberg. Wichtige Verbindungen bestehen unter anderem bei:
- St. Margrethen–Höchst;
- Au–Lustenau;
- Diepoldsau–Hohenems;
- Kriessern–Mäder;
- Oberriet–Meiningen.
Die engen wirtschaftlichen Beziehungen führen zu erheblichem grenzüberschreitendem Pendler- und Güterverkehr.
Grenzüberschreitender Raum
Das St. Galler und das Vorarlberger Rheintal bilden geografisch einen gemeinsamen Talraum.
Die Staatsgrenze verläuft zwar entlang des Rheins, doch Siedlungen und Wirtschaftsstandorte auf beiden Seiten sind eng miteinander verbunden.
Viele Personen wohnen in einem Land und arbeiten im anderen.
Zur gemeinsamen Raum- und Verkehrsplanung wurde der Verein Agglomeration Rheintal gegründet. Ihm gehören Gemeinden aus dem Kanton St. Gallen und aus Vorarlberg sowie die beiden Gebietskörperschaften an.[7]
Die Zusammenarbeit betrifft insbesondere:
- Verkehr;
- Siedlungsentwicklung;
- Veloverkehr;
- Landschaft;
- Hochwasserschutz;
- wirtschaftliche Entwicklung.
Natur und Schutzgebiete
Trotz dichter Besiedlung und intensiver Landwirtschaft besitzt das Rheintal bedeutende Naturräume.
Besonders wertvoll sind:
- Alter Rhein;
- verbliebene Auen;
- Riedflächen;
- Binnenkanäle;
- Hangwälder;
- Trockenstandorte;
- Rebberge;
- Gebiete am Bodensee.
Die ehemaligen Rheinläufe bilden wichtige Lebensräume für Fische, Amphibien und Wasservögel.
Renaturierungsprojekte versuchen, Teile der durch Flusskorrektion und Melioration verloren gegangenen Gewässerdynamik wiederherzustellen.
Naturschutzgebiet Alter Rhein
Der Alte Rhein bei Diepoldsau und im Raum St. Margrethen–Rheineck gehört zu den wichtigsten Gewässerlandschaften der Region.
Die ruhigen Flussabschnitte, Ufervegetation und angrenzenden Feuchtgebiete bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Gleichzeitig ist das Gebiet ein stark genutzter Naherholungsraum.
Kultur
Das Rheintal besitzt eine ausgeprägte regionale Identität.
Kulturelle Einflüsse stammen sowohl aus dem Kanton St. Gallen als auch aus dem angrenzenden Appenzellerland und Vorarlberg.
Traditionelle Vereine, Fasnachtsbräuche, Musikgesellschaften und lokale Feste spielen in vielen Gemeinden eine wichtige Rolle.
Zu den bedeutenden historischen Ortsbildern gehören unter anderem die Altstadt von Altstätten, das Städtchen Rheineck sowie die historischen Dorfkerne von Berneck, Marbach und weiteren Gemeinden.
Sprache
Die traditionelle Umgangssprache ist ein alemannischer Dialekt, der zu den schweizerdeutschen Mundarten gehört.
Die Rheintaler Dialekte zeigen aufgrund der geografischen Lage auch Gemeinsamkeiten mit den Dialekten Vorarlbergs und des Appenzellerlands.
Standardsprache in Verwaltung, Schule und schriftlicher Kommunikation ist Deutsch.
Religion
Die Reformation führte im Rheintal zu einer konfessionell gemischten Struktur.
In verschiedenen Gemeinden kehrte nach einer zeitweisen Einführung der Reformation ein Teil der Bevölkerung zum katholischen Glauben zurück. Dadurch entstanden teilweise paritätisch genutzte Kirchen.
Katholische und reformierte Kirchgemeinden bestehen bis heute nebeneinander.
Die konfessionelle Geschichte ist besonders in Orten wie Marbach, Rheineck und Rüthi sichtbar.
Altstätten
Altstätten ist die grösste historische Stadt des Rheintals und ein wichtiges regionales Zentrum.
Die Stadt liegt am westlichen Rand der Rheinebene und besitzt eine weitgehend erhaltene historische Altstadt.
Altstätten ist Standort von Schulen, Verwaltung, Detailhandel und zahlreichen Dienstleistungsbetrieben. Der Bahnhof liegt etwas ausserhalb des historischen Stadtzentrums in der Rheinebene.
Heerbrugg
Heerbrugg ist eines der wichtigsten Wirtschafts- und Verkehrszentren des Rheintals.
Der Ort gehört zur politischen Gemeinde Au, liegt jedoch unmittelbar an den Gemeindegrenzen zu Balgach, Berneck und Widnau.
Seine Entwicklung ist eng mit der Eisenbahn und der Präzisionsindustrie verbunden.
Der Bahnhof Heerbrugg dient als regionaler Verkehrsknoten und erschliesst ein grosses Arbeitsplatzgebiet.
Widnau und Diepoldsau
Widnau und Diepoldsau gehören zu den stark gewachsenen Gemeinden im flachen Talboden.
Widnau entwickelte sich zu einem bedeutenden Industrie-, Gewerbe- und Wohnstandort.
Diepoldsau besitzt aufgrund der Rheinregulierung eine geografische Besonderheit: Die Gemeinde liegt grösstenteils östlich des heutigen Alpenrheins und damit auf derselben Flussseite wie Österreich. Sie ist jedoch über mehrere Brücken mit dem übrigen Schweizer Rheintal verbunden.
Rheineck
Rheineck liegt am nördlichen Ende des historischen Rheintals nahe dem Bodensee.
Das Städtchen war von 1490 bis 1798 Hauptort der eidgenössischen Landvogtei Rheintal.[6]
Seine Lage an der Verbindung zwischen Rheinverkehr, Bodenseeschifffahrt und Landwegen verlieh Rheineck über Jahrhunderte wirtschaftliche Bedeutung.
Das historische Zentrum besitzt ein Ortsbild von nationaler Bedeutung.
Freizeit und Tourismus
Das St. Galler Rheintal ist weniger vom klassischen Ferientourismus geprägt als viele alpine Regionen, bietet jedoch zahlreiche Möglichkeiten für Naherholung.
Dazu gehören:
- Velowege entlang des Rheins;
- Wanderungen an den Hängen des Rheintals;
- Alter Rhein;
- Rebberge;
- historische Ortskerne;
- Aussichtspunkte oberhalb des Tals;
- Wanderwege Richtung Appenzellerland.
Der flache Talboden eignet sich besonders für den Veloverkehr.
Von den höher gelegenen Gebieten am westlichen Talrand reicht der Blick über die Rheinebene nach Vorarlberg und teilweise bis zu den Bergen Liechtensteins und Graubündens.
Regionale Zusammenarbeit
Zwölf Gemeinden arbeiten im Verein St. Galler Rheintal zusammen.[4]
Die Organisation beschäftigt sich unter anderem mit:
- Standortförderung;
- regionaler Entwicklung;
- Energie;
- Siedlung und Landschaft;
- Mobilität;
- Fachkräftegewinnung;
- regionaler Identität.
Daneben bestehen zahlreiche weitere Zweckverbände und Organisationen für Verkehr, Abfallentsorgung, Bildung, Kultur und Infrastruktur.
Bedeutung
Das St. Galler Rheintal gehört zu den wirtschaftlich bedeutenden Industrieregionen der Ostschweiz.
Seine Entwicklung wurde wesentlich durch drei Faktoren geprägt: die Lage an einer bedeutenden europäischen Nord-Süd-Verbindung, die Regulierung und Entwässerung der Rheinebene sowie die Industrialisierung seit dem 19. Jahrhundert.
Heute treffen hier eine stark exportorientierte Industrie, rasch wachsende Siedlungen, intensive Landwirtschaft und bedeutende Natur- und Erholungsräume auf engem Raum zusammen.
Die grenzüberschreitenden Beziehungen zu Vorarlberg machen das Rheintal zugleich zu einem der ausgeprägtesten funktionalen Räume an der Schweizer Landesgrenze.
Siehe auch
- Alpenrhein
- Alter Rhein (Alpenrhein)
- Rheintal
- Wahlkreis Rheintal
- Altstätten SG
- Heerbrugg
- St. Margrethen
- Diepoldsau
- Widnau
- Rheineck
- Oberriet SG
- Rüthi SG
- Internationale Rheinregulierung
- Kanton St. Gallen
Weblinks
- Portal des Vereins St. Galler Rheintal
- Website des Kantons St. Gallen
- Internationale Rheinregulierung
- Hochwasserschutzprojekt Rhesi
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen: Die Rechtsquellen des Rheintals, Einleitung, St. Gallen III/3.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Verein St. Galler Rheintal: Quick-Infos zur Region, abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Kanton St. Gallen: Gemeinden und Wahlkreise des Kantons St. Gallen.
- ↑ 4,0 4,1 Verein St. Galler Rheintal: Über uns, abgerufen am 25. August 2026.
- ↑ Staatsarchiv St. Gallen: Rheintal, alte Landvogtei, Unterlagen zur Zeit von 1490 bis 1798.
- ↑ 6,0 6,1 Kanton St. Gallen, ISOS: Rheineck – Siedlungsentwicklung und Geschichte.
- ↑ Verein Agglomeration Rheintal: Informationen zur grenzüberschreitenden Agglomeration Rheintal.
Wikimedia Commons: Medien zu St. Galler Rheintal