Bahnhof Wil SG

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Bahnhof Wil SG
Bahnhof Wil SG mit Bahnhofplatz
Offizieller Name Wil SG
Gemeinde Wil
Kanton St. Gallen
Wahlkreis Wil
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Knoten- und Spurwechselbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Perrongleise 8, davon 6 Normalspur und 2 Meterspur
Abkürzung WIL
IBNR 8506206
Höhe rund 570 m ü. M.
Eröffnung 14. Oktober 1855
Heutiges Aufnahmegebäude 1960
Eigentümer Schweizerische Bundesbahnen; Schmalspuranlage: Appenzeller Bahnen
Strecken Bahnstrecke St. Gallen–Winterthur
Bahnstrecke Wil–Wattwil
Bahnstrecke Wil–Weinfelden
Frauenfeld-Wil-Bahn
Tarifverbund OSTWIND
Fernverkehr IC1, IR13
S-Bahn-Linien S1, S9, S10, S12, S15, S35
Koordinaten 47,462250° N, 9,040136° E

Der Bahnhof Wil SG, meist kurz Bahnhof Wil genannt, ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Wil im Kanton St. Gallen. Er ist ein bedeutender Eisenbahnknoten zwischen der Ostschweiz, dem Kanton Zürich, dem Kanton Thurgau und dem Toggenburg. Im Bahnhof treffen die normalspurigen Strecken Winterthur–St. Gallen, Wil–Wattwil und Wil–Weinfelden auf die meterspurige Frauenfeld-Wil-Bahn.

Die Normalspuranlagen werden von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) betrieben. Im Regionalverkehr verkehren vor allem Züge von Thurbo und der Schweizerischen Südostbahn (SOB). Die schmalspurige Verbindung nach Frauenfeld gehört zu den Appenzeller Bahnen.

Wil ist Halt von Fernverkehrszügen zwischen Zürich und St. Gallen sowie Ausgangs- oder Endpunkt mehrerer Linien der S-Bahn St. Gallen, der S-Bahn Zürich und der regionalen S-Bahn im Thurgau. Auf dem Bahnhofplatz befindet sich zudem einer der wichtigsten Busknoten der Region Wil.

Lage

Der Bahnhof liegt unmittelbar westlich des Wiler Stadtzentrums auf rund 570 Metern über Meer. Die Altstadt ist über die Obere Bahnhofstrasse und die Allee in wenigen Gehminuten erreichbar. Südlich der Gleisanlagen befinden sich das Aufnahmegebäude, der Bahnhofplatz, der Bushof und die Endstation der Frauenfeld-Wil-Bahn.

Nördlich der Normalspurgleise liegen Wohn-, Gewerbe- und Entwicklungsgebiete. Beide Seiten des Bahnhofs sind durch Personenunterführungen miteinander verbunden. Die östliche Unterführung erschliesst zugleich das Einkaufszentrum ShopWil und die Parkierungsanlagen unter dem Bahnhofplatz.

Der Bahnhof bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen dem historischen Stadtzentrum, den Quartieren südlich und nördlich der Bahnlinie sowie den regionalen Verkehrsachsen nach Winterthur, St. Gallen, Frauenfeld und ins Toggenburg. Die Stadt Wil bezeichnet ihn als Rückgrat ihrer Erreichbarkeit und als einen zentralen Schwerpunkt der künftigen Stadtentwicklung.[1]

Bedeutung als Bahnknoten

Wil liegt an der Hauptstrecke zwischen Winterthur und St. Gallen. Diese gehört zur nationalen Ost-West-Achse zwischen der Genferseeregion, Bern, Zürich und der Ostschweiz. Von der Hauptstrecke zweigen in Wil zwei normalspurige Regionalstrecken ab:

  • die Bahnstrecke über Bazenheid und Lichtensteig nach Wattwil,
  • die Bahnstrecke über Münchwilen und Weinfelden nach Kreuzlingen beziehungsweise Romanshorn.

Auf dem Bahnhofplatz beginnt die meterspurige Frauenfeld-Wil-Bahn. Sie führt über Wilen bei Wil, Wängi und Matzingen nach Frauenfeld.

Durch diese Verknüpfung ist der Bahnhof sowohl ein Knoten der S-Bahn St. Gallen als auch der Zürcher S-Bahn. Reisende können in Wil zwischen dem Fernverkehr, regionalen Normalspurzügen, der Schmalspurbahn und zahlreichen Buslinien umsteigen.

Geschichte

Anschluss an das Eisenbahnnetz

Am 14. Oktober 1855 nahm die Sankt Gallisch-Appenzellische Eisenbahn den Abschnitt Winterthur–Wil in Betrieb. Wil war zunächst Endstation der neuen Verbindung. Die Fortsetzung über Uzwil und Flawil wurde am 25. Dezember 1855 eröffnet. Später entstand daraus die durchgehende Hauptstrecke nach St. Gallen und Rorschach.[2][3]

Das erste Aufnahmegebäude wurde südlich der Gleise errichtet. Zum Bahnhof gehörten neben den Perrons auch Güter-, Lade- und Abstellgleise sowie Einrichtungen für Dampflokomotiven. Seine Lage ausserhalb der damaligen Altstadt förderte die Entwicklung eines neuen Stadtquartiers zwischen Altstadt und Bahn.

Die Sankt Gallisch-Appenzellische Eisenbahn ging 1857 in den Vereinigten Schweizerbahnen auf. Mit deren Verstaatlichung gelangte die Hauptstrecke im Jahr 1902 an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen.

Toggenburgerbahn

Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung der Hauptstrecke wurden Pläne für eine Eisenbahn ins Toggenburg entwickelt. Industrielle, Gemeinden und Politiker erhofften sich davon bessere Absatzmöglichkeiten für Textilien, Holz, landwirtschaftliche Erzeugnisse und weitere Waren.

Die Bahnstrecke Wil–Wattwil–Ebnat-Kappel wurde am 24. Juni 1870 eröffnet. Wil entwickelte sich damit vom Durchgangsbahnhof zum Abzweig- und Knotenbahnhof.[4]

Die Toggenburgerbahn wurde zunächst von einer eigenen Gesellschaft betrieben. Im Zuge der Verstaatlichung ging auch sie an die SBB über. Die Verbindung bildete später zusammen mit den Strecken der Bodensee-Toggenburg-Bahn eine wichtige Achse zwischen Wil, Wattwil, Rapperswil und St. Gallen.

Frauenfeld-Wil-Bahn

Am 1. September 1887 wurde die meterspurige Frauenfeld-Wil-Bahn eröffnet. Ihre Wiler Endstation entstand auf dem Bahnhofplatz südlich des SBB-Aufnahmegebäudes. Die ursprünglich als Dampfstrassenbahn betriebene Strecke verband Wil durch das Murgtal mit der Thurgauer Kantonshauptstadt Frauenfeld.[5]

Die Lage der Endstation auf dem Bahnhofplatz ermöglichte kurze Umsteigewege zu den Normalspurzügen. Eine zeitweise diskutierte Verlängerung der Schmalspurbahn in Richtung Wiler Stadtzentrum wurde nicht verwirklicht.

Die Frauenfeld-Wil-Bahn nahm 1921 den elektrischen Betrieb auf. Seit der späteren Eingliederung in die Appenzeller Bahnen wird die Strecke von diesen betrieben. Im Netz der S-Bahn St. Gallen trägt sie die Linienbezeichnung S15.

Mittelthurgaubahn

Mit der Eröffnung der Mittelthurgaubahn im Jahr 1911 erhielt Wil eine weitere Bahnverbindung. Die Strecke führt über Münchwilen, Weinfelden und Lengwil nach Kreuzlingen und Konstanz.

Für die Einführung der Mittelthurgaubahn in den Bahnhof mussten die Gleisanlagen erweitert und neu geordnet werden. Wil wurde dadurch zum Ausgangspunkt von Bahnverbindungen in mehrere Teile des Kantons Thurgau.

Nach der finanziellen Krise und Auflösung der Mittelthurgaubahn zu Beginn des 21. Jahrhunderts übernahm Thurbo einen grossen Teil des Regionalverkehrs und der Fahrzeuge. Die Strecke Wil–Weinfelden ist heute Teil des Netzes der S-Bahn St. Gallen.

Ausbau im frühen 20. Jahrhundert

Das wachsende Verkehrsaufkommen erforderte eine laufende Erweiterung der Bahnhofanlage. Die zunächst vorhandene Passerelle über die Gleise genügte den Anforderungen bald nicht mehr. Um 1914 beziehungsweise 1915 wurde sie durch eine Personenunterführung ersetzt.[2]

Im Jahr 1916 erweiterten die SBB das damalige Aufnahmegebäude und nahmen ein mechanisches Stellwerk der Bauart Jüdel in Betrieb. Zusätzliche Perrondächer verbesserten den Witterungsschutz für die Reisenden.

Die Hauptstrecke Winterthur–Wil–St. Gallen wurde in Etappen auf Doppelspur ausgebaut. Der elektrische Betrieb auf der Verbindung Winterthur–St. Gallen–Rorschach begann 1927. Die Strecke nach Wattwil wurde 1943 elektrifiziert, die Mittelthurgaubahn folgte 1965.

Neues Aufnahmegebäude

Das historische Aufnahmegebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde Ende der 1950er-Jahre durch einen Neubau ersetzt. Das heutige Bahnhofsgebäude wurde 1960 eröffnet.[6]

Der langgestreckte Bau folgt der funktionalen Bahnhofsarchitektur der Nachkriegszeit. Er nimmt Verkaufs-, Geschäfts-, Dienstleistungs- und Betriebsräume auf. Auf der Stadtseite bildet er den räumlichen Abschluss des Bahnhofplatzes.

Mit dem Neubau wurden die Zugänge, die Kundenbereiche und die betrieblichen Einrichtungen modernisiert. Das Bahnhofsumfeld entwickelte sich gleichzeitig zu einem bedeutenden Geschäfts- und Dienstleistungszentrum.

ShopWil und Unterführungen

Im Jahr 1993 wurde unter dem Bahnhofplatz die Anlage ShopWil mit Einkaufsmöglichkeiten, Fussgängerverbindungen und einer Parkgarage eröffnet. Die östliche Personenunterführung wurde dadurch zu einer wichtigen Verbindung zwischen den Perrons, dem Bahnhofplatz, der Unteren Bahnhofstrasse und den nördlichen Stadtquartieren.

Neben der östlichen Unterführung besteht eine weitere Querung im westlichen Bereich des Bahnhofs. Beide Anlagen verteilen die Reisenden auf die verschiedenen Perrons und verbinden die Stadtteile beidseits der Bahn.

Elektronisches Stellwerk

Im Jahr 2001 ersetzte ein elektronisches Stellwerk die älteren mechanischen und elektromechanischen Sicherungsanlagen. Gleichzeitig wurden Teile des Gleisfelds an die veränderten Anforderungen des Personen- und Güterverkehrs angepasst.

Das Stellwerk steuert die zahlreichen Fahrstrassen im Bahnhof sowie die Ein- und Ausfahrten auf den Strecken nach Winterthur, St. Gallen, Wattwil und Weinfelden. Die Anlage wurde für die Fernsteuerung vorbereitet.

Im Jahr 2005 entstand beim Gleis 6 ein zusätzlicher Perron. Dieser Ausbau war insbesondere für die Verdichtung des Regionalverkehrs zwischen Wil und Winterthur erforderlich.

Aufnahmegebäude und Bahnhofanlagen

Das Aufnahmegebäude steht südlich der Normalspurgleise am Bahnhofplatz. Im Erdgeschoss befinden sich öffentlich zugängliche Verkaufs- und Dienstleistungsflächen. Weitere Gebäudeteile dienen bahnbetrieblichen, administrativen und gewerblichen Zwecken.

Für den Normalspurverkehr stehen sechs Perrongleise zur Verfügung. Sie werden von Fernverkehrs-, S-Bahn- und Regionalzügen benutzt. Das Gleis 1 liegt am Hausperron, die übrigen Gleise befinden sich an Mittel- beziehungsweise Aussenperrons.

Die Frauenfeld-Wil-Bahn besitzt auf dem Bahnhofplatz eine eigene meterspurige Endstation mit zwei Perrongleisen. Zwischen den beiden Bahnsystemen besteht keine Gleisverbindung, da sie unterschiedliche Spurweiten verwenden.

Die Normalspur- und Schmalspuranlagen machen Wil zu einem Spurwechselbahnhof. Reisende müssen für die Weiterfahrt zwischen beiden Systemen umsteigen; ein Übergang von Fahrzeugen ist nicht möglich.

Perrons und Zugänge

Die Perrons der Normalspurbahn sind über zwei Personenunterführungen erschlossen. Treppen und Rampen verbinden die Unterführungen mit den Perrons und den angrenzenden Stadtgebieten.

Die Gleise werden im Regelbetrieb nach Verkehrsrichtungen und Linien aufgeteilt. Typischerweise dienen:

  • die stadtseitigen Gleise dem Fernverkehr zwischen Winterthur und St. Gallen,
  • weitere Gleise den S-Bahn-Zügen nach St. Gallen, Wattwil und Weinfelden,
  • ein Perrongleis den Zügen der S35 beziehungsweise S12 in Richtung Winterthur.

Die genaue Gleisbelegung kann bei Bauarbeiten, betrieblichen Änderungen oder Verspätungen abweichen. Massgebend sind die Anzeigen am Bahnhof und der aktuelle Online-Fahrplan.

Personenverkehr

Fernverkehr

Im Fahrplanjahr 2026 wird Wil im Grundtakt von zwei Fernverkehrslinien bedient:

  • IC1: Genève-Aéroport – Lausanne – Fribourg/Freiburg – Bern – Zürich HB – Zürich Flughafen – Winterthur – Wil SG – Uzwil – St. Gallen
  • IR13: Zürich HB – Zürich Oerlikon – Zürich Flughafen – Winterthur – Wil SG – Uzwil – Flawil – Gossau SG – St. Gallen – Rorschach – St. Margrethen – Buchs SG – Sargans, teilweise weiter nach Chur

Die beiden Angebote schaffen mehrere schnelle Verbindungen pro Stunde nach Winterthur, zum Flughafen Zürich, nach Zürich und nach St. Gallen. Der IC1 verbindet Wil zudem direkt mit Bern und der Westschweiz. Der IR13 stellt umsteigefreie Verbindungen ins St. Galler Rheintal, nach Buchs und Sargans her.[7]

Weitere Fernverkehrszüge durchfahren den Bahnhof ohne regulären Halt oder bedienen Wil nur in einzelnen Tagesrandlagen.

S-Bahn und Regionalverkehr

Im Jahresfahrplan 2026 halten folgende S-Bahn-Linien in Wil:[8]

Linie Linienweg Funktion in Wil
S1 Wil SG – Uzwil – Flawil – Gossau SG – St. Gallen – Romanshorn – Kreuzlingen – Schaffhausen Endstation
S9 Wil SG – Bazenheid – Bütschwil – Lichtensteig – Wattwil Endstation
S10 Wil SG – Münchwilen TG – Weinfelden – Amriswil – Romanshorn Endstation
S12 Brugg AG – Baden – Zürich HB – Winterthur – Elgg – Aadorf – Wil SG Endstation einzelner Linienäste
S15 Wil SG – Wilen bei Wil – Wängi – Matzingen – Frauenfeld Endstation der meterspurigen Frauenfeld-Wil-Bahn
S35 Winterthur – Winterthur Grüze – Elgg – Aadorf – Eschlikon TG – Sirnach – Wil SG Endstation

Die S1 verbindet Wil mit dem Fürstenland, der Stadt St. Gallen, dem Bodensee und Schaffhausen. Die S9 bildet die regionale Grundverbindung ins Toggenburg. Die S10 erschliesst das Hinterthurgau und stellt eine Direktverbindung nach Weinfelden und Romanshorn her.

Die S12 und S35 verbinden Wil über Aadorf und Elgg mit Winterthur. Die S12 führt teilweise ohne Umsteigen weiter über Zürich nach Baden und Brugg. Die S35 übernimmt gemeinsam mit der S12 die Bedienung der kleineren Stationen zwischen Wil und Winterthur.

Die S15 verkehrt auf der meterspurigen Frauenfeld-Wil-Bahn und verbindet den Bahnhofplatz mit dem Murgtal und Frauenfeld.

Busverkehr

Der Bushof auf dem Bahnhofplatz wird von Stadt- und Regionalbuslinien von WilMobil bedient. Im Fahrplanjahr 2026 halten dort folgende Linien:[9]

Linie Wichtigste Verbindung
701 Wil SG, Bahnhof – Stadtzentrum – Neulanden – Wil SG, Spital
702 Wilen bei Wil – Wil SG, Bahnhof – Rossrüti
703 Wil SG, Bahnhof – Neugruben beziehungsweise Reuttistrasse
704 Wil SG, Bahnhof – Wilerwald
705 Wil SG, Bahnhof – Bronschhofen, Himmelrich
706 Wil SG, Bahnhof – Braunau, Dorf
722 Wil SG, Bahnhof – Rossrüti – Wuppenau – Hosenruck – Weinfelden, Bahnhof
732 Wil SG, Bahnhof – Rickenbach bei Wil – Kirchberg SG – Gähwil
733 Wil SG, Bahnhof – Littenheid, Klinik
734 Wil SG, Bahnhof – Fischingen, Kloster
735 Wil SG, Bahnhof – Bichelsee, Dorf
N90 Wil SG, Bahnhof – Bazenheid – Bütschwil – Lichtensteig

Die Stadtbuslinien erschliessen die Wiler Quartiere und den Ortsteil Bronschhofen. Die Regionalbuslinien verbinden Wil mit Gemeinden im südlichen Thurgau, im Toggenburg und im Raum Kirchberg.

Der heutige Bushof ist aufgrund der zahlreichen Linien und unterschiedlichen Verkehrsarten stark ausgelastet. Busse, Velos, Autos, Fussgängerinnen und Fussgänger teilen sich einen vergleichsweise engen Raum.

Tarif

Der Bahnhof liegt im Gebiet des Tarifverbunds OSTWIND. Wil und die angrenzenden Gemeinden befinden sich in den Zonen 915 und 916. Innerhalb der gelösten Tarifzonen können Bahn- und Buslinien mit demselben Verbundfahrausweis benutzt werden.[10]

Für regelmässige Reisen zwischen Wil und dem Gebiet des Zürcher Verkehrsverbunds werden Z-Pass-Abonnemente und Z-Pass-Billette angeboten. Für weiterführende Reisen gilt der nationale Direkte Verkehr.

Ausstattung

Der Bahnhof verfügt über zahlreiche Geschäfte und Dienstleistungsangebote. Die Verkaufsflächen sind an allen Tagen des Jahres geöffnet, wobei die Öffnungszeiten je nach Betrieb variieren.

Zur Ausstattung gehören unter anderem:

  • Billettautomaten und bediente Verkaufsangebote,
  • elektronische Abfahrtanzeigen,
  • Lautsprecher- und Fahrgastinformationen,
  • SBB-WLAN,
  • Schliessfächer,
  • öffentliche Toiletten,
  • Verpflegungs- und Einkaufsmöglichkeiten,
  • Veloabstellanlagen,
  • P+Rail-Parkplätze,
  • Mobility-Carsharing.

Die SBB führen in der Velostation bei Gleis 1 rund 900 Plätze auf. Weitere Velostationen und überdachte Abstellanlagen bieten zusammen rund 170 zusätzliche Plätze. Die P+Rail-Anlage umfasst 90 reguläre Parkplätze und einen Parkplatz für Menschen mit Behinderung.[11]

Die Velostation bei Gleis 1 besitzt Schliessfächer, Ladestationen für E-Bikes und Werkzeuge für kleinere Reparaturen.

Güter- und Betriebsanlagen

Neben dem Personenverkehr spielte der Bahnhof über lange Zeit eine bedeutende Rolle im Güterverkehr. Die örtliche Industrie erhielt Anschlussgleise für Rohstoffe, Brennstoffe, Maschinen und Fertigwaren.

Zu den angeschlossenen Unternehmen gehörte die Traktorenfabrik Hürlimann. Ihre Anschlussgleise wurden nach der Aufgabe der industriellen Nutzung in den 2000er-Jahren abgebaut.

Auch nach dem Rückgang des örtlichen Güterumschlags besitzt Wil umfangreiche Abstell-, Rangier- und Dienstgleise. Sie dienen dem Wenden und Abstellen von Regionalzügen, betrieblichen Überholungen sowie dem Unterhalt der Bahnanlagen.

Stadtentwicklung

Die Eröffnung des Bahnhofs veränderte die räumliche und wirtschaftliche Entwicklung Wils grundlegend. Zwischen der Altstadt und den Gleisen entstanden Hotels, Restaurants, Geschäfte, Gewerbebetriebe und Wohnhäuser.

Die Obere und Untere Bahnhofstrasse entwickelten sich zu wichtigen Stadtachsen. Der Bahnhofplatz wurde zum Eingangstor der Stadt und zum Mittelpunkt des regionalen Verkehrs.

Auch nördlich der Bahn entstanden neue Quartiere und Gewerbegebiete. Die Unterführungen ermöglichten eine bessere Verbindung beider Stadtseiten, konnten die trennende Wirkung der umfangreichen Gleisanlagen jedoch nicht vollständig aufheben.

Projekt Stadtraum Bahnhof Wil und Allee

Die Stadt Wil, der Kanton St. Gallen, die SBB, die Appenzeller Bahnen und weitere Partner planen eine umfassende Neugestaltung des Bahnhofplatzes und der angrenzenden Allee.

Das Projekt soll insbesondere folgende Probleme beheben:

  • unübersichtliche Wege zwischen Bahn, Schmalspurbahn und Bus,
  • fehlende barrierefreie Bushaltekanten,
  • Konflikte zwischen Bussen, Velos, Autos und Fussverkehr,
  • unzureichenden Witterungsschutz,
  • mangelnde Kapazitäten des bestehenden Bushofs,
  • sanierungsbedürftige Strassen- und Freiraumanlagen.

Geplant sind ein grösserer Bushof, überdachte und barrierefreie Haltekanten, eine neue Verkehrsführung sowie eine unterirdische Velostation mit rund 1'100 Abstellplätzen. Die Endstation der Frauenfeld-Wil-Bahn soll nach Westen verschoben werden, um auf dem Bahnhofplatz Raum für einen übersichtlicheren Bushof zu schaffen.[12]

Die Gesamtkosten werden mit rund 64,5 Millionen Franken angegeben. Davon soll die Stadt Wil rund 36,2 Millionen Franken tragen; die übrigen Beiträge sind von Bund, Kanton, SBB, Appenzeller Bahnen und weiteren Partnern vorgesehen.

Mit Stand August 2026 befindet sich das Vorhaben im politischen Bewilligungsverfahren. Bei Zustimmung der zuständigen Organe und der Stimmberechtigten könnte der Bau 2029 beginnen. Die Eröffnung des neuen Bushofs und der umgestalteten Allee ist für 2033 vorgesehen.[12]

Bedeutung

Der Bahnhof Wil ist das wichtigste öffentliche Verkehrszentrum des Wahlkreises Wil. Sein Einzugsgebiet reicht über die Stadtgrenzen hinaus in das Toggenburg, den Hinterthurgau und die angrenzenden Gemeinden des Kantons Zürich.

Die Fernverkehrshalte ermöglichen schnelle Verbindungen nach Zürich, Bern, Lausanne und St. Gallen. Gleichzeitig erschliessen die S-Bahn- und Buslinien zahlreiche kleinere Gemeinden ohne eigenen Fernverkehrsanschluss.

Besondere Bedeutung besitzt der Bahnhof für:

  • Berufspendlerinnen und Berufspendler zwischen Wil, Winterthur, Zürich und St. Gallen,
  • Schülerinnen, Schüler und Studierende,
  • den regionalen Einkaufs- und Dienstleistungsverkehr,
  • Reisende ins Toggenburg und den Thurgau,
  • Besucherinnen und Besucher der Wiler Altstadt und regionaler Veranstaltungen.

Durch die geplante Aufwertung des Bahnhofplatzes soll die Funktion als regionaler Mobilitätsknoten weiter gestärkt werden.

Chronologie

Jahr Ereignis
14. Oktober 1855 Eröffnung der Bahnstrecke Winterthur–Wil und des Bahnhofs
25. Dezember 1855 Eröffnung der Fortsetzung von Wil nach Flawil
1857 Übergang der Sankt Gallisch-Appenzellischen Eisenbahn an die Vereinigten Schweizerbahnen
24. Juni 1870 Eröffnung der Toggenburgerbahn Wil–Wattwil–Ebnat-Kappel
1. September 1887 Eröffnung der Frauenfeld-Wil-Bahn
1902 Übernahme der Haupt- und Toggenburgerbahn durch die SBB
1911 Eröffnung der Mittelthurgaubahn nach Weinfelden und Kreuzlingen
um 1914/15 Ersatz der Gleispasserelle durch eine Personenunterführung
1916 Erweiterung des Aufnahmegebäudes und Inbetriebnahme eines mechanischen Stellwerks
1921 Elektrifizierung der Frauenfeld-Wil-Bahn
1927 Aufnahme des elektrischen Betriebs auf der Hauptstrecke Winterthur–St. Gallen
1943 Elektrifizierung der Bahnstrecke Wil–Wattwil
1960 Eröffnung des heutigen Aufnahmegebäudes
1965 Elektrifizierung der Strecke Wil–Weinfelden
1993 Eröffnung von ShopWil und der Parkgarage unter dem Bahnhofplatz
2001 Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks
2005 Bau eines zusätzlichen Perrons bei Gleis 6
2020er-Jahre Planung der umfassenden Neugestaltung von Bahnhofplatz, Bushof und Allee
frühestens 2029 Vorgesehener Baubeginn des Projekts Stadtraum Bahnhof Wil und Allee
2033 Vorgesehene Eröffnung des neuen Bushofs

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Stadtraum Bahnhof Wil und Allee. In: Stadt Wil(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  2. 2,0 2,1 Der Bahnhof. In: Stadtmuseum Wil(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  3. Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen. In: Schienenverkehr Schweiz(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  4. Eisenbahn-Projekt der Toggenburger Bahn. In: Digitaler Lesesaal des Staatsarchivs St. Gallen(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  5. Geschichte der einzelnen Linien. In: Appenzeller Bahnen(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  6. Neubau des Aufnahmegebäudes 1960. In: wilnet.ch – Digitales Stadtlexikon der Stadt Wil(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  7. Direktverbindungen Fernverkehr zwischen Winterthur und St. Gallen. In: Schweizerische Bundesbahnen(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  8. Zürcher S-Bahn, S-Bahn St. Gallen, S-Bahn Schaffhausen und S-Bahn Bodensee. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. 2025-12(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  9. Haltestelle Wil SG, Bahnhof. In: WilMobil(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  10. OSTWIND-Zonenplan 2026. In: Tarifverbund OSTWIND(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  11. Bahnhof Wil. In: Schweizerische Bundesbahnen(de). Abgerufen am 2026-08-04.
  12. 12,0 12,1 Aufwertung Bahnhof Wil: Inhalt und Ziele. In: Stadt Wil(de). Abgerufen am 2026-08-04.