Bahnhof Gossau SG
Bahnhof Gossau SG ist ein wichtiger Eisenbahnknoten in der Stadt Gossau im Kanton St. Gallen. Der Bahnhof liegt an der Ost-West-Achse zwischen Wil, Gossau und St. Gallen und bildet zugleich den Ausgangspunkt der Bahnstrecke nach Sulgen sowie der meterspurigen Linie der Appenzeller Bahnen über Herisau und Appenzell nach Wasserauen. Damit treffen in Gossau normalspurige Strecken der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und die meterspurige Appenzeller Bahn zusammen.
| Bahnhof Gossau SG | |
|---|---|
| Ort | Gossau |
| Kanton | St. Gallen |
| Land | Schweiz |
| Eröffnung | 15. Februar 1856 |
| Heutiger Standort seit | 1913 |
| Bahngesellschaften | SBB, Appenzeller Bahnen |
| Spurweiten | 1435 mm und 1000 mm |
| Fernverkehr | IC1, IR13 |
| S-Bahn | S1, S5, S23 |
| Tarifverbund | OSTWIND |
Der erste Zug hielt am 15. Februar 1856 in Gossau. Der damalige Bahnhof befand sich jedoch nicht am heutigen Standort, sondern beim heutigen Marktplatz.[1] Mit der Eröffnung weiterer Strecken entwickelte sich Gossau von einer Station an der Verbindung Winterthur–St. Gallen zu einem bedeutenden Umsteige- und Abzweigbahnhof der Ostschweiz.
Lage und Bedeutung
Der Bahnhof befindet sich südlich des historischen Zentrums von Gossau. Durch seine Lage zwischen den grossen Verkehrsknoten Winterthur und St. Gallen besitzt er sowohl für den Fernverkehr als auch für den Regionalverkehr eine wichtige Funktion.
In Gossau treffen drei für die Region bedeutende Bahnverbindungen zusammen:
- die normalspurige Hauptstrecke von Winterthur über Wil und Gossau nach St. Gallen;
- die normalspurige Strecke von Gossau über Arnegg und Bischofszell nach Sulgen;
- die meterspurige Strecke der Appenzeller Bahnen von Gossau über Herisau und Appenzell nach Wasserauen.
Dadurch ist Gossau ein Umsteigepunkt zwischen dem nationalen Fernverkehr, der S-Bahn St. Gallen und dem Bahnverkehr ins Appenzellerland.
Geschichte
Erster Bahnhof von 1856
Die Eisenbahn erreichte Gossau in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nachdem die Strecke von Westen her 1855 zunächst bis Flawil geführt worden war, wurde die Bahn 1856 über die Glatt in Richtung Gossau verlängert.
Am 15. Februar 1856 hielt der erste Zug am Bahnhof Gossau.[1] Der Bahnhof befand sich damals im Bereich des heutigen Marktplatzes und damit rund 300 Meter nordwestlich des heutigen Bahnhofsareals.
Wenige Wochen später wurde die Verbindung weiter in Richtung St. Gallen fertiggestellt. Im März 1856 konnte die Eisenbahn das Sittertobel überwinden und St. Gallen erreichen.[1]
Mit der Bahn erhielt Gossau eine wesentlich bessere Verbindung nach Wil, Winterthur und Zürich sowie in Richtung St. Gallen. Die Eisenbahn wurde damit zu einem wichtigen Faktor für die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung der Gemeinde.
Strecke nach Sulgen
Eine weitere Aufwertung erfuhr der Bahnhof im Jahr 1876. In diesem Jahr wurde die Bahnstrecke zwischen Sulgen und Gossau eröffnet.[1]
Diese Verbindung erschloss insbesondere Bischofszell und das Gebiet zwischen dem Thurtal und Gossau. Sie schuf zugleich eine direkte Verbindung zwischen Gossau und der Bahnstrecke durch den Kanton Thurgau.
Damit wurde Gossau vom einfachen Zwischenbahnhof zu einem Abzweigbahnhof.
Die Strecke über Arnegg, Hauptwil und Bischofszell ist bis heute Teil des regionalen Bahnnetzes der Ostschweiz.
Verlegung des Bahnhofs
Mit dem zunehmenden Eisenbahn- und Strassenverkehr erwies sich der Standort des ursprünglichen Bahnhofs als problematisch. Besonders der Bahnübergang an der Herisauerstrasse führte zu Behinderungen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde deshalb entschieden, den Bahnhof an einen neuen Standort südlich des damaligen Siedlungsgebiets zu verlegen.
Der heutige Bahnhof wurde 1913 in Betrieb genommen. Gleichzeitig änderte sich die Bahnerschliessung des Appenzellerlands grundlegend.
Anschluss der Appenzeller Bahn
Die ursprüngliche Appenzeller Bahn führte von Herisau nach Winkeln, wo Anschluss an die Hauptbahn bestand. Diese Verbindung verlor jedoch nach der Eröffnung der Bodensee-Toggenburg-Bahn an Bedeutung.
1907 wurde eine Konzession für die Verlängerung der Appenzeller Bahn von Herisau nach Gossau erteilt. Am 1. Oktober 1913 wurde die neue Strecke Gossau–Herisau in Betrieb genommen.[2]
Gleichzeitig wurde der Verkehr auf der bisherigen Verbindung Herisau–Winkeln eingestellt. Für die Appenzeller Bahn bot der neue Endpunkt Gossau bessere Anschlüsse an die wichtigen Ost-West-Verbindungen der Schweizer Eisenbahnen.[2]
Die Verlegung des SBB-Bahnhofs und die Eröffnung der Appenzeller-Bahn-Strecke waren damit unmittelbar miteinander verbunden. Seit 1913 ist Gossau einer der wichtigsten Übergangspunkte zwischen dem normalspurigen Schweizer Bahnnetz und dem meterspurigen Netz der Appenzeller Bahnen.
Bahnanlagen
Der Bahnhof verfügt über normalspurige Gleise für den Verkehr der SBB und anderer normalspuriger Bahnunternehmen sowie über einen eigenen Bereich für die meterspurigen Züge der Appenzeller Bahnen.
Die unterschiedlichen Spurweiten machen Gossau zu einem sogenannten Spurwechsel- beziehungsweise Übergangsbahnhof, wobei Reisende zwischen den beiden Systemen umsteigen. Ein durchgehender Fahrzeugbetrieb zwischen der Normalspur und der Meterspur ist nicht möglich.
Die SBB-Gleise dienen sowohl dem Fern- als auch dem Regionalverkehr. Hinzu kommen Gleisanlagen für den Güter- und Betriebsverkehr.
Die Appenzeller Bahnen benutzen für ihre Strecke nach Wasserauen eine Spurweite von 1000 mm. Die Linie Gossau–Appenzell–Wasserauen ist 32,1 Kilometer lang und wird mit 1500 Volt Gleichstrom betrieben. Die Elektrifizierung erfolgte 1933.[2]
Personenverkehr
Der Bahnhof Gossau SG wird von Fernverkehrs-, S-Bahn- und Regionalzügen bedient. Aufgrund der dichten Verbindungen nach St. Gallen und Wil sowie der Anschlüsse nach Bischofszell und ins Appenzellerland besitzt der Bahnhof eine wichtige regionale Knotenfunktion.
Fernverkehr
Im Fahrplan 2026 halten in Gossau unter anderem Züge der Fernverkehrslinien IC1 und IR13.[3]
Der IC1 stellt direkte Verbindungen in Richtung Zürich Flughafen, Zürich HB, Bern und je nach Zuglauf weiter in die Westschweiz her. In der Gegenrichtung verkehren die Züge nach St. Gallen.
Der IR13 verbindet Gossau ebenfalls mit Winterthur und Zürich und führt in der Gegenrichtung über St. Gallen und das St. Galler Rheintal in Richtung Sargans beziehungsweise weiter nach Chur.[4]
Damit verfügt Gossau trotz seiner Nähe zum grösseren Knoten St. Gallen über direkte Fernverkehrsverbindungen zu mehreren wichtigen Schweizer Städten.
S-Bahn St. Gallen
Gossau gehört zum Netz der S-Bahn St. Gallen. Im Fahrplanjahr 2026 wird der Bahnhof insbesondere von den Linien S1 und S5 bedient.[5]
Die S1 verkehrt auf der Ost-West-Achse über Gossau und St. Gallen. Sie stellt unter anderem Regionalverbindungen in Richtung Wil sowie über St. Gallen und Romanshorn in Richtung Schaffhausen her.[5]
Die S5 verbindet die Strecke von Weinfelden über Bischofszell und Gossau mit St. Gallen und führt weiter in Richtung St. Margrethen.[5]
Durch die Überlagerung der Fernverkehrs- und S-Bahn-Angebote bestehen zwischen Gossau und St. Gallen besonders häufige Zugverbindungen.
Appenzeller Bahnen
Die meterspurige Linie S23 der S-Bahn St. Gallen beginnt in Gossau und führt über Herisau, Urnäsch, Gonten und Appenzell nach Wasserauen.[5]
Die Strecke bildet eine wichtige Verbindung zwischen dem nationalen Bahnnetz und dem Appenzellerland. In Herisau bestehen weitere Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr der Region, während Appenzell als zentraler Bahnknoten des Kantons Appenzell Innerrhoden dient.
Wasserauen ist insbesondere für den Ausflugsverkehr von Bedeutung. Von dort führen Verbindungen unter anderem in Richtung Ebenalp und in das Alpsteingebiet.
Die direkte Bahnverbindung Gossau–Herisau besteht seit dem 1. Oktober 1913.[2] Zuvor führte die Appenzeller Bahn von Herisau nach Winkeln.
Funktion als Umsteigebahnhof
Eine besondere Bedeutung besitzt Gossau durch die Verbindung verschiedener Verkehrsachsen.
Reisende aus dem Appenzellerland können in Gossau auf Fernverkehrszüge in Richtung Zürich oder St. Gallen umsteigen. Umgekehrt dient der Bahnhof Reisenden aus dem Schweizer Mittelland als Zugang zum westlichen und zentralen Appenzellerland.
Auch die Strecke nach Bischofszell und Weinfelden erweitert die Knotenfunktion. Dadurch bestehen von Gossau Bahnverbindungen in vier Hauptrichtungen:
- nach Westen über Flawil und Wil in Richtung Winterthur und Zürich;
- nach Osten nach St. Gallen und weiter in Richtung Bodensee und Rheintal;
- nach Norden über Arnegg und Bischofszell in Richtung Sulgen und Weinfelden;
- nach Süden über Herisau und Appenzell nach Wasserauen.
Diese Lage macht den Bahnhof zu einem der bedeutenden regionalen Verkehrsknoten westlich von St. Gallen.
Bahnhof und Appenzellerland
Die Verbindung mit den Appenzeller Bahnen prägt den Bahnhof Gossau in besonderer Weise. Anders als am Bahnhof St. Gallen, wo ebenfalls Züge der Appenzeller Bahnen verkehren, treffen in Gossau zwei technisch klar getrennte Eisenbahnsysteme unmittelbar aufeinander.
Die Normalspurstrecken besitzen die in der Schweiz übliche Spurweite von 1435 Millimetern. Die Appenzeller Bahn nach Wasserauen verwendet dagegen eine Spurweite von 1000 Millimetern.[2]
Die Verlängerung der Appenzeller Bahn nach Gossau im Jahr 1913 verbesserte vor allem die Anschlüsse an die damaligen Schnellzüge auf der schweizerischen West-Ost-Verbindung.[2] Diese Funktion besteht in moderner Form bis heute: Der Bahnhof ermöglicht den direkten Übergang vom regionalen Bahnverkehr des Appenzellerlands zum Fernverkehr der SBB.
Dienstleistungen und Ausstattung
Der Bahnhof verfügt über verschiedene Einrichtungen für Reisende. Die SBB führen Gossau SG als bedienten Bahnhof mit Billett- und Abonnementsverkauf, Gepäckdienst, Fundservice, Schliessfächern sowie verschiedenen Geschäften und Gastronomiebetrieben.[6]
Zum Bahnhof gehören ausserdem Anlagen für den kombinierten Verkehr mit anderen Verkehrsmitteln. Nach Angaben der SBB stehen am Bahnhof überdachte Veloabstellplätze sowie eine P+Rail-Anlage zur Verfügung.[6]
Im Jahr 2026 weist die SBB 300 Plätze im überdachten Veloparking und 225 P+Rail-Parkplätze aus.[6] Die konkreten Angebote und Öffnungszeiten können sich im Lauf der Zeit ändern.
Busverkehr
Der Bahnhofplatz bildet neben dem Bahnverkehr auch einen wichtigen Umsteigepunkt für den lokalen und regionalen Busverkehr.
Busverbindungen erschliessen verschiedene Quartiere von Gossau sowie umliegende Gemeinden. Bahn und Bus sind in den Tarifverbund OSTWIND integriert, sodass innerhalb der gelösten Tarifzonen Verbundbillette für die beteiligten öffentlichen Verkehrsmittel verwendet werden können.
Die Verbindung von Bahn, Bus, Velo- und Autoverkehr macht das Bahnhofgebiet zu einem zentralen Mobilitätsstandort der Stadt.
Bedeutung für die Entwicklung Gossaus
Die Eröffnung der Eisenbahn im Jahr 1856 war ein wichtiger Schritt in der Entwicklung Gossaus vom ländlich und gewerblich geprägten Ort zu einem regionalen Wirtschafts- und Wohnzentrum.
Die Bahn verbesserte den Transport von Personen und Gütern und erleichterte die Verbindung zu den Industrie- und Handelszentren St. Gallen, Wil, Winterthur und Zürich.
Mit der Eröffnung der Strecke nach Sulgen 1876 und der Appenzeller Bahn nach Herisau 1913 gewann der Bahnhof zusätzlich an Bedeutung.[1][2]
Die Verlegung des Bahnhofs im Jahr 1913 beeinflusste auch die räumliche Entwicklung der Stadt. Das ursprünglich ausserhalb beziehungsweise am Rand des stärker bebauten Gebiets gelegene Bahnhofareal wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts zunehmend von der städtischen Bebauung umgeben.
Heute liegt der Bahnhof zwischen dem Stadtzentrum und den südlichen Wohn- und Gewerbegebieten und bildet einen wichtigen Bezugspunkt innerhalb des Stadtgebiets.
Alter Bahnhof
Vom Standort des ersten Bahnhofs von 1856 ist im heutigen Stadtbild nur noch indirekt etwas zu erkennen. Der ursprüngliche Bahnhof befand sich beim heutigen Marktplatz.[1]
Mit dem zunehmenden Zugverkehr führte insbesondere die Kreuzung der Bahn mit der Herisauerstrasse zu immer längeren Schliesszeiten der Bahnschranken. Dies gehörte zu den Gründen für die Verlegung der Bahnanlagen an den heutigen Standort.
An die frühere Lage des Bahnhofs erinnert unter anderem die Bezeichnung «Alter Bahnhof» im Gebiet der Herisauerstrasse.
Bahnhof im heutigen Verkehrsnetz
Der Bahnhof Gossau SG erfüllt heute mehrere Funktionen gleichzeitig. Er ist Haltepunkt des schweizerischen Fernverkehrs, Station der S-Bahn St. Gallen, Ausgangspunkt einer wichtigen Regionalstrecke in den Thurgau und Endpunkt beziehungsweise Ausgangspunkt der meterspurigen Appenzeller Bahn.
Im Fahrplan 2026 bedienen die Linien IC1, IR13, S1, S5 und S23 den Bahnhof regelmässig.[3]
Die direkte Verbindung nach Zürich und zum Flughafen Zürich ist insbesondere für Berufspendler und Fernreisende von Bedeutung. Gleichzeitig bestehen mit der S-Bahn dichte regionale Verbindungen nach St. Gallen, Wil, Bischofszell und Weinfelden.
Die S23 stellt die Verbindung in das Appenzellerland sicher und macht Gossau zu einem wichtigen Ausgangspunkt für Fahrten nach Herisau, Appenzell und in den Alpstein.
Siehe auch
- Gossau SG
- S-Bahn St. Gallen
- Appenzeller Bahnen
- Bahnstrecke Winterthur–St. Gallen
- Bahnstrecke Sulgen–Gossau
- Bahnhof St. Gallen
- Bahnhof Wil SG
- Bahnhof Herisau
- Bahnhof Appenzell
- Tarifverbund Ostwind
Weblinks
- Bahnhof Gossau SG auf der Website der SBB
- Appenzeller Bahnen
- Offizielle Website der Stadt Gossau
- Tarifverbund OSTWIND
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Stadt Gossau: Die Eisenbahn kommt, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Appenzeller Bahnen: Geschichte der einzelnen Linien – Linie Gossau–Appenzell–Wasserauen, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 Appenzeller Bahnen/SBB: Abfahrtstabelle Gossau SG 2026, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ SBB: Direktverbindungen Fernverkehr von Gossau SG nach St. Gallen und Direktverbindungen von Zürich HB nach Gossau SG, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 OSTWIND/SBB: Liniennetzplan S-Bahn St. Gallen 2026, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 SBB: Bahnhof Gossau SG, abgerufen am 9. August 2026.
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