Herisau

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Herisau

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Appenzell Ausserrhoden

BFS-Nummer

3001

Postleitzahl

9100

Höhe

771 m ü. M.

Fläche

25.16 km²

Einwohner

16022

Website

www.herisau.ch

Herisau ist eine politische Gemeinde im Kanton Appenzell Ausserrhoden in der Schweiz. Sie ist die bevölkerungsreichste Gemeinde des Kantons sowie Sitz des Regierungsrats, des Kantonsrats und eines grossen Teils der kantonalen Verwaltung. Herisau gilt deshalb als faktischer Hauptort von Appenzell Ausserrhoden, obwohl die herkömmliche kantonale Verfassungsordnung keinen ausdrücklichen Hauptort bestimmte. Die kantonalen Gerichtsbehörden haben ihren traditionellen Sitz überwiegend in Trogen.[1]

Die Gemeinde liegt westlich der Stadt St. Gallen im hügeligen Appenzellerland. Ihr Gebiet umfasst neben dem dicht bebauten Ortszentrum zahlreiche Weiler, Einzelhöfe, Gewerbegebiete, Wälder und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Herisau ist ein regionales Verwaltungs-, Bildungs-, Gesundheits-, Verkehrs- und Wirtschaftszentrum mit mehr als 16'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.[2]

Geographie

Herisau liegt im nordwestlichen Teil des Kantons Appenzell Ausserrhoden und gehört landschaftlich zum Appenzeller Hinterland. Das Gemeindegebiet grenzt im Norden und Osten unmittelbar an den Kanton St. Gallen.

Nachbargemeinden sind Gossau SG, St. Gallen, Stein AR, Hundwil, Schwellbrunn, Degersheim und Flawil. Die Grenze zwischen Herisau und der Stadt St. Gallen verläuft teilweise durch dicht besiedelte oder gewerblich genutzte Gebiete.

Die Gemeinde besitzt eine Fläche von 25,16 Quadratkilometern. Das Ortszentrum bei der reformierten Kirche liegt auf rund 771 Metern über Meer, der Bahnhof auf etwa 745 Metern. Das Gelände ist stark gegliedert und reicht von Tälern und Bachläufen bis zu bewaldeten Höhenzügen.[2]

Das Siedlungsgebiet besteht aus dem historischen Dorfkern, mehreren älteren Quartieren, neueren Wohngebieten und ausgedehnten Industrie- und Gewerbezonen. Ausserhalb des Zentrums prägen Einzelhöfe und kleine Weiler die Landschaft.

Gewässer

Durch das Gemeindegebiet fliessen mehrere kleinere Flüsse und Bäche. Zu den bedeutendsten Gewässern gehört die Glatt, die in der Umgebung von Herisau entspringt und später über den Necker in die Thur mündet.

Weitere Bäche entwässern das hügelige Gelände in Richtung Glatt, Sitter und Gübsensee. Die Wasserläufe wurden in den dichter besiedelten Gebieten teilweise verbaut oder eingedolt.

Historisch lieferten die Bäche Energie für Mühlen, Sägereien, Walkereien und Textilbetriebe. Die Verfügbarkeit von Wasser war deshalb ein wichtiger Faktor für die gewerbliche Entwicklung.

Landschaft

Die Landschaft von Herisau gehört zum voralpinen Hügelland. Charakteristisch sind grüne Hügel, tief eingeschnittene Bachläufe, Streusiedlungen und Wälder.

Von erhöhten Punkten bestehen Aussichten auf den Alpstein, den Säntis und das umliegende Appenzellerland. Zu den bekannten Spazierwegen gehört der Höhenweg zwischen dem Ortszentrum und dem Gebiet Egg.[3]

Trotz der städtischen Funktionen besitzt Herisau weiterhin umfangreiche Landwirtschafts- und Waldflächen. Die Gemeinde beschreibt sich deshalb häufig als Ort, der Merkmale eines Dorfes und einer Stadt miteinander verbindet.[4]

Gemeindegliederung

Herisau besitzt keine politischen Ortsteile mit eigener Verwaltung. Das Gemeindegebiet umfasst jedoch zahlreiche Quartiere, Weiler und Flurnamen.

Zu den bekannten Gebieten gehören:

  • das historische Zentrum rund um Platz, Obstmarkt und reformierte Kirche;
  • der Bahnhof und das Ebnet;
  • das Industriegebiet Hölzli;
  • das Gebiet Kreuzweg;
  • das Quartier Wilen;
  • das Gebiet Saum;
  • das Quartier Moos;
  • der Weiler Schwänberg;
  • die Gebiete Ramsen, Schochenberg, Ifang und Sonnenberg.

Der Weiler Schwänberg gilt als eine der ältesten urkundlich belegten Siedlungen des Appenzellerlandes.

Klima

Herisau besitzt ein feuchtes, gemässigtes Klima. Die Höhenlage und die Nähe zum Alpstein führen zu vergleichsweise hohen Niederschlagsmengen.

Die Winter können schneereich sein, wobei längere geschlossene Schneedecken im dicht besiedelten Zentrum weniger häufig geworden sind. Im Sommer wechseln warme Perioden mit Niederschlägen und Gewittern.

Die grossen Höhenunterschiede innerhalb des Gemeindegebiets verursachen lokale Temperatur- und Niederschlagsunterschiede. Nebel tritt vor allem in den tieferen Lagen und während der kühleren Jahreszeit auf.

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2024 zählte Herisau 16'022 Einwohnerinnen und Einwohner.[2] Damit lebt ein bedeutender Teil der Bevölkerung von Appenzell Ausserrhoden in der Gemeinde.

Die Bevölkerungszahl nahm während der Industrialisierung stark zu. Besonders die Textilwirtschaft zog Arbeitskräfte aus dem Appenzellerland, der übrigen Schweiz und später auch aus dem Ausland an.

Im 20. Jahrhundert wechselten Wachstumsphasen mit Zeiten einer stagnierenden oder rückläufigen Einwohnerzahl. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts bewegt sich die Bevölkerung überwiegend zwischen ungefähr 15'000 und 16'000 Personen.

Herisau besitzt aufgrund seiner Funktion als Regionalzentrum eine sozial und kulturell vielfältigere Bevölkerung als viele kleinere Ausserrhoder Gemeinden.

Sprache

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend eine ostschweizerische Form des Schweizerdeutsch gesprochen.

Der örtliche Dialekt gehört zum Appenzellerdeutschen, weist jedoch aufgrund der Nähe zu St. Gallen und der starken Zuwanderung zahlreiche Einflüsse anderer Dialekte auf.

Neben Deutsch werden Italienisch, Portugiesisch, Albanisch, Serbokroatisch, Türkisch und weitere Sprachen gesprochen.

Religion

Herisau wurde während der Reformation reformiert. Die evangelisch-reformierte Kirche prägte das religiöse, politische und gesellschaftliche Leben über Jahrhunderte.

Mit der Industrialisierung und der Zuwanderung nahm der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung zu. Heute bestehen in Herisau evangelisch-reformierte und römisch-katholische Kirchgemeinden sowie verschiedene Freikirchen und weitere Religionsgemeinschaften.

Wie in der gesamten Schweiz ist der Anteil der Personen ohne Konfessionszugehörigkeit in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen.

Geschichte

Frühgeschichte und Besiedlung

Einzelne archäologische Funde weisen auf menschliche Aktivitäten im heutigen Gemeindegebiet bereits während der Mittelsteinzeit hin. Eine dauerhafte Besiedlung setzte vermutlich im frühen Mittelalter ein.

Alemannische Siedler erschlossen seit dem 7. oder 8. Jahrhundert die Wald- und Weidegebiete zwischen Bodensee und Alpstein. Zahlreiche Flur- und Ortsnamen gehen auf diese Siedlungsphase zurück.

Der westlich der Glatt gelegene Schwänberg wird in einer vermutlich aus dem Jahr 821 stammenden Urkunde als Suweinperac erwähnt. Er gilt damit als älteste schriftlich belegte Siedlung des Appenzellerlandes.

Erste Erwähnung

Herisau wurde 837 erstmals urkundlich als Herinisauva erwähnt. Der Name bezeichnete wahrscheinlich ein Gebiet in einer feuchten Auen- oder Tallandschaft.

Das Gebiet gehörte zum Grundbesitz und Herrschaftsbereich des Klosters St. Gallen. Das Kloster förderte die Besiedlung und besass umfangreiche grundherrschaftliche und gerichtliche Rechte.[5]

Im Mittelalter entwickelte sich um die Kirche ein Dorfzentrum. Daneben bestanden zahlreiche verstreute Höfe und Weiler.

Herrschaft des Klosters St. Gallen

Herisau gehörte zum äbtischen Amt Appenzell. Die Bevölkerung war gegenüber dem Kloster St. Gallen zu Abgaben und Diensten verpflichtet.

Seit dem 14. Jahrhundert nahmen die Spannungen zwischen der Bevölkerung des Appenzellerlandes und der Fürstabtei zu. Streitpunkte waren Steuern, Gerichtsrechte und politische Selbstständigkeit.

Herisau beteiligte sich an den Auseinandersetzungen, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts in die Appenzellerkriege führten.

Appenzellerkriege

1401 schlossen sich mehrere Gemeinden des Appenzellerlandes gegen die Herrschaft des St. Galler Abtes zusammen. Die Auseinandersetzungen weiteten sich zu einem regionalen Krieg aus.

Nach dem Sieg der Appenzeller am Stoss im Jahr 1405 gewann das Land Appenzell weitgehende Selbstständigkeit.

Herisau wurde Teil des Landes Appenzell, das 1513 als dreizehnter Ort in die Alte Eidgenossenschaft aufgenommen wurde.

Reformation

Die Reformation verbreitete sich in den 1520er Jahren im Appenzellerland. Herisau schloss sich der reformierten Glaubensrichtung an.

Die konfessionellen Gegensätze zwischen den reformierten äusseren Rhoden und den katholisch gebliebenen inneren Rhoden verschärften sich im Verlauf des 16. Jahrhunderts.

1597 wurde das Land Appenzell durch den Landteilungsbrief friedlich in Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden geteilt. Herisau gehörte fortan zu Appenzell Ausserrhoden.

Entwicklung zum politischen Zentrum

Herisau entwickelte sich neben Trogen zum wichtigsten politischen Ort von Appenzell Ausserrhoden.

Die Landsgemeinde fand zunächst abwechselnd in verschiedenen Gemeinden statt. Später wechselte sie regelmässig zwischen Herisau und Trogen.

Herisau wurde zunehmend Sitz kantonaler Behörden und Verwaltungsstellen. Seit 1876 fanden die Sitzungen des Kantonsrats ausschliesslich in Herisau statt.[6]

Die Regierung und die kantonale Zentralverwaltung befinden sich heute ebenfalls in Herisau. Trogen blieb insbesondere als Gerichtsstandort von kantonaler Bedeutung.

Textilwirtschaft

Vom 16. bis ins 20. Jahrhundert war Herisau stark von der Textilwirtschaft geprägt.

Zunächst entstanden Leinwandherstellung und Leinwandhandel. Später gewannen Baumwollverarbeitung, Weberei, Stickerei, Veredelung und Textilhandel an Bedeutung.

Viele Arbeitsschritte wurden in Heimarbeit ausgeführt. Bauernfamilien verbanden Landwirtschaft mit Spinnen, Weben oder Sticken.

Kaufleute und Fabrikanten liessen im Ortszentrum repräsentative Wohn- und Geschäftshäuser errichten. Die wirtschaftliche Blüte prägte das Ortsbild und führte zur Entstehung einer wohlhabenden Unternehmerschicht.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Herisau zu einem bedeutenden Industrieort. Neben Heimarbeit entstanden Fabriken, mechanische Webereien, Stickereibetriebe und Maschinenunternehmen.

Industrialisierung

Der Ausbau der Strassen und Eisenbahnen erleichterte den Transport von Rohstoffen und Fertigwaren. Herisau wurde stärker mit St. Gallen, Gossau, dem Toggenburg und dem übrigen Appenzellerland verbunden.

Die Einwohnerzahl stieg stark an. Neue Wohnquartiere, Schulhäuser, Fabriken und öffentliche Gebäude entstanden.

Die Textilindustrie blieb jedoch von internationalen Konjunkturschwankungen abhängig. Krisen führten wiederholt zu Arbeitslosigkeit und Auswanderung.

Neben der Textilwirtschaft entwickelten sich Maschinenbau, Metallverarbeitung, Druckereien, Lebensmittelbetriebe und weitere Industriezweige.

20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert verlor die traditionelle Textilindustrie schrittweise an Bedeutung. Zahlreiche Unternehmen mussten schliessen, ihre Produktion verlagern oder neue Tätigkeitsfelder erschliessen.

Gleichzeitig entstanden moderne Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Herisau entwickelte sich zu einem vielseitigen Wirtschaftsstandort mit Arbeitsplätzen in Produktion, Handel, Verwaltung, Bildung und Gesundheitswesen.

Die Nähe zur Stadt St. Gallen förderte die Entwicklung als Wohn- und Pendlergemeinde. Gleichzeitig blieb Herisau ein eigenständiges Regionalzentrum.

1997 wurde die Landsgemeinde von Appenzell Ausserrhoden abgeschafft. Damit endete die traditionelle politische Versammlung, die zuletzt abwechselnd in Herisau und Trogen stattgefunden hatte.

Entwicklung im 21. Jahrhundert

Zu den grösseren Gemeindeprojekten gehören die Erneuerung des Bahnhofsareals, die Aufwertung des Ortszentrums, der Ausbau von Schul- und Sportanlagen sowie die Weiterentwicklung von Wohn- und Gewerbegebieten.

Das Bahnhofareal wird gemeinsam durch die Gemeinde, den Kanton, die Schweizerische Südostbahn, die Appenzeller Bahnen, Regiobus und weitere Partner umgestaltet. Ziel ist eine leistungsfähige Verkehrs- und Umsteigedrehscheibe für das Appenzellerland.[7]

Politik

Gemeindeorganisation

Herisau besitzt im Unterschied zu vielen kleineren Gemeinden des Kantons ein Gemeindeparlament.

Die politischen Organe sind:

  • die Stimmberechtigten;
  • der Einwohnerrat;
  • der Gemeinderat;
  • die Geschäftsprüfungskommission;
  • weitere Behörden und Kommissionen.

Die Stimmberechtigten entscheiden an der Urne über kommunale Sachvorlagen und wählen die politischen Behörden.

Einwohnerrat

Der Einwohnerrat bildet die Legislative. Er zählt 31 Mitglieder und tagt gewöhnlich vier- bis sechsmal pro Jahr.[8]

Zu seinen Aufgaben gehören:

  • Erlass kommunaler Reglemente;
  • Beratung von Budget und Rechnung;
  • Genehmigung grösserer Kredite;
  • Kontrolle des Gemeinderats;
  • Behandlung parlamentarischer Vorstösse;
  • politische Planung.

Die Mitglieder werden nach dem Proporzverfahren gewählt. Im Parlament sind mehrere kantonale und nationale Parteien vertreten.

Gemeinderat

Der Gemeinderat ist die Exekutive. Er besteht aus dem vollamtlichen Gemeindepräsidenten und sechs nebenamtlichen Mitgliedern.

Die Mitglieder leiten Ressorts wie Finanzen, Schule, Soziales, Volkswirtschaft, Kultur, Hochbau, Ortsplanung, Tiefbau und technische Dienste.

Gemeindepräsident ist Max Eugster.[9]

Kantonale Behörden

Herisau ist Sitz des Ausserrhoder Kantonsrats, des Regierungsrats, der Kantonskanzlei und eines grossen Teils der kantonalen Verwaltung.

Das Regierungsgebäude befindet sich am Obstmarkt. In unmittelbarer Nähe liegen weitere Verwaltungsgebäude und der Kantonsratssaal.

Das Obergericht und weitere wichtige Gerichtsbehörden befinden sich traditionell in Trogen.

Wappen

Das Gemeindewappen zeigt einen schwarzen Bären auf goldenem Grund.

Der Bär verweist auf die historische Verbindung zur Fürstabtei St. Gallen, deren Wappentier ebenfalls der Bär ist. Er findet sich in verschiedenen Wappen des Appenzellerlandes.

Die genaue Darstellung des Herisauer Bären unterscheidet sich in Haltung und Beizeichen von den Wappen anderer Gemeinden und Kantone.

Wirtschaft

Herisau ist der wichtigste Wirtschaftsstandort von Appenzell Ausserrhoden. In der Gemeinde bestehen mehr als 8'000 Arbeitsplätze.[10]

Die Wirtschaftsstruktur umfasst:

  • Industrie und Produktion;
  • Präzisionsinstrumente;
  • Elektro- und Verbindungstechnik;
  • Gewerbe;
  • Detailhandel;
  • Gesundheitswesen;
  • öffentliche Verwaltung;
  • Bildung;
  • Finanz- und Unternehmensdienstleistungen;
  • Gastronomie und Tourismus.

Viele Beschäftigte pendeln aus den umliegenden Gemeinden oder aus dem Kanton St. Gallen nach Herisau.

Industrie

Zu den international bekannten Unternehmen mit Sitz oder bedeutendem Standort in Herisau gehört die HUBER+SUHNER AG. Das Unternehmen entwickelt und produziert Komponenten und Systeme für elektrische und optische Verbindungstechnik.[11]

Ebenfalls in Herisau ansässig ist die Metrohm AG, ein Hersteller von Präzisionsinstrumenten für die chemische Analytik. Das Unternehmen wurde 1943 in Herisau gegründet und beschäftigt am Hauptsitz mehrere hundert Personen.[12]

Weitere Betriebe sind in Maschinenbau, Kunststoffverarbeitung, Lebensmittelproduktion, Baugewerbe, Druck, Logistik und Medizintechnik tätig.

Landwirtschaft

Ausserhalb des Siedlungsgebiets spielt die Landwirtschaft weiterhin eine sichtbare Rolle.

Die Betriebe konzentrieren sich vor allem auf Milchwirtschaft, Viehzucht und Grünlandnutzung. Das hügelige Gelände eignet sich weniger für grossflächigen Ackerbau.

Landwirtschaftliche Flächen tragen wesentlich zum offenen Landschaftsbild und zur Pflege der Appenzeller Kulturlandschaft bei.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Herisau ist ein wichtiger Eisenbahnknoten des Appenzellerlandes.

Die normalspurige Strecke der Schweizerischen Südostbahn verbindet Herisau mit St. Gallen, Gossau SG, Wattwil und weiteren Orten.

Die schmalspurigen Appenzeller Bahnen verkehren von Herisau über Waldstatt und Urnäsch nach Appenzell.

Der Bahnhof ermöglicht den Umstieg zwischen Bahn- und Buslinien. Das gesamte Areal wird schrittweise erneuert und barrierefrei ausgebaut.

Busverkehr

Mehrere Buslinien verbinden Herisau mit den umliegenden Gemeinden, den Aussenquartieren und der Stadt St. Gallen.

Der regionale Busverkehr wird insbesondere durch Regiobus und PostAuto erbracht.

Wichtige Verbindungen führen nach:

  • St. Gallen;
  • Gossau;
  • Schwellbrunn;
  • Stein;
  • Hundwil;
  • Waldstatt;
  • Degersheim;
  • Flawil.

Strassenverkehr

Herisau liegt an wichtigen regionalen Strassenverbindungen zwischen St. Gallen, dem Toggenburg und dem Appenzellerland.

Die Hauptstrassen führen nach Gossau, St. Gallen, Waldstatt, Hundwil, Schwellbrunn und Degersheim.

Über Gossau besteht Anschluss an die Autobahn A1. Die starke Verkehrsbelastung im Zentrum ist seit Jahrzehnten Gegenstand kommunaler und kantonaler Planungen.

Bildung

Die Gemeinde führt Kindergärten, Primarschulen und Sekundarschulen an mehreren Standorten.

Zu den Schularealen gehören unter anderem:

  • Ebnet;
  • Moos;
  • Saum;
  • Ifang;
  • Waisenhaus;
  • Kreuzweg.

Für die Berufsbildung und weiterführende Schulen bestehen kantonale und regionale Einrichtungen. Zahlreiche Jugendliche besuchen Schulen in St. Gallen, Gossau oder anderen Orten der Ostschweiz.

Die Nähe zur Universität St. Gallen, zur Ost – Ostschweizer Fachhochschule und zu weiteren Bildungsinstitutionen stärkt Herisau als Wohn- und Arbeitsstandort.

Gesundheit und Soziales

Herisau ist ein bedeutender Gesundheitsstandort für das Appenzellerland.

Das Spital Herisau gehört zum kantonalen Gesundheitswesen und bietet medizinische Grund- und Spezialversorgung. Daneben bestehen psychiatrische, ambulante, therapeutische und pflegerische Einrichtungen.

Alters- und Pflegeheime, Spitex-Angebote, Beratungsstellen und soziale Institutionen ergänzen die Versorgung.

Die Gemeinde erfüllt als Regionalzentrum auch soziale Aufgaben für benachbarte Gemeinden.

Kultur

Museum Herisau

Das Museum Herisau befindet sich im ehemaligen Rathaus am Platz gegenüber der reformierten Kirche.

Es behandelt nicht nur die Geschichte der Gemeinde, sondern die Kulturgeschichte des gesamten Kantons Appenzell Ausserrhoden. Seine Sammlungen umfassen unter anderem Möbel, Textilien, Waffen, Dokumente, Karten und Objekte zur politischen Geschichte.

Das Museum wurde 1947 eröffnet und befindet sich seit 1967 im ehemaligen Rathaus.[13]

Im Weiler Schwänberg betreibt das Museum eine Aussenstelle.

Robert Walser

Der Schriftsteller Robert Walser verbrachte seine letzten Lebensjahrzehnte in der Heil- und Pflegeanstalt Herisau.

Er starb am 25. Dezember 1956 während eines Spaziergangs im Schnee. Sein Tod und sein Aufenthalt in Herisau gehören zu den bekanntesten biografischen Bezügen des Ortes zur Literaturgeschichte.

Der Robert-Walser-Pfad führt zu verschiedenen Orten, die mit dem Schriftsteller verbunden sind. Er gilt als erster Literaturweg der Schweiz.[14]

Veranstaltungen

Zu den regelmässigen Veranstaltungen gehören:

  • die Herisauer Fasnacht;
  • das Kinderfest;
  • Viehschauen;
  • Jahrmärkte;
  • Sportveranstaltungen;
  • Konzerte;
  • Ausstellungen;
  • Vereinsanlässe.

Die Herisauer Fasnacht besitzt eine eigenständige lokale Tradition und umfasst Umzüge, Guggenmusik und weitere Veranstaltungen.

Brauchtum

Herisau gehört zum Kulturraum des Appenzellerlandes. Traditionen wie Viehschauen, Silvesterchlausen, Volksmusik, Trachten und bäuerliches Brauchtum besitzen weiterhin Bedeutung.

Das Silvesterchlausen ist vor allem in den umliegenden Gemeinden Urnäsch, Waldstatt, Schwellbrunn, Hundwil und Stein verbreitet. Einzelne Gruppen und Veranstaltungen beziehen Herisau ebenfalls ein.

Die Verbindung zwischen ländlichem Brauchtum und industriell geprägtem Ortszentrum ist ein charakteristisches Merkmal der Gemeinde.

Sehenswürdigkeiten

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche bildet zusammen mit dem Platz und den umliegenden Bürgerhäusern das historische Zentrum.

Der heutige Kirchenbau stammt im Wesentlichen aus dem späten 16. Jahrhundert und wurde später mehrfach umgebaut und restauriert.

Der markante Turm ist weithin sichtbar und prägt das Ortsbild.

Altes Rathaus

Das ehemalige Rathaus steht am zentralen Platz gegenüber der reformierten Kirche.

Das Gebäude diente früher kantonalen und kommunalen Behörden. Heute beherbergt es das Museum Herisau.

Regierungsgebäude

Das Regierungsgebäude am Obstmarkt ist Sitz des Regierungsrats und der Kantonskanzlei von Appenzell Ausserrhoden.

Zusammen mit dem Staatsarchiv und weiteren Verwaltungsgebäuden bildet es das politische Zentrum des Kantons.

Haus zur Rose

Das Haus zur Rose ist ein bedeutendes barockes Bürgerhaus. Es wurde im 18. Jahrhundert für eine wohlhabende Textilhandelsfamilie errichtet.

Zum Gebäude gehört der öffentlich zugängliche Rosengarten. Die wiederhergestellte Gartenanlage bietet einen Blick über Herisau und die umliegende Landschaft.[15]

Haus Wetter

Das Haus Wetter gehört zu den bedeutenden historischen Wohn- und Geschäftshäusern des Ortszentrums.

Es erinnert an die wirtschaftliche Blüte der Herisauer Textilhandelsfamilien im 18. Jahrhundert.

Schwänberg

Der Weiler Schwänberg liegt westlich des Ortszentrums und gilt als älteste Siedlung des Appenzellerlandes.

Sein bekanntestes Gebäude ist das Alte Rathaus Schwänberg. Der Weiler besitzt mehrere historisch bedeutende Bauern- und Wohnhäuser.

Burgruinen

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich die Ruinen Rosenberg und Rosenburg.

Die mittelalterlichen Anlagen wurden im 20. Jahrhundert archäologisch untersucht und gesichert. Sie erinnern an die lokalen Adels- und Herrschaftsverhältnisse des Mittelalters.

Ortsbild

Das historische Zentrum, der Weiler Schwänberg und verschiedene Einzelbauten besitzen kulturhistorische Bedeutung.

Herisau ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz mit mehreren besonders wertvollen Ortsbereichen vertreten.

Sport

Herisau besitzt ein umfangreiches Sport- und Freizeitangebot.

Das Sportzentrum Herisau umfasst Eisflächen, Hallenbad, Freibad, Sporthallen und weitere Einrichtungen. Es dient Schulen, Vereinen, Bevölkerung und regionalen Veranstaltungen.[16]

Der Eishockeysport besitzt eine lange Tradition. Der SC Herisau spielte zeitweise in der höchsten Schweizer Liga.

Weitere Vereine betreiben Fussball, Handball, Turnen, Leichtathletik, Schiessen, Tennis, Curling und zahlreiche andere Sportarten.

Persönlichkeiten

Mit Herisau verbunden sind unter anderem:

Ortsname

Die älteste bekannte Namensform lautet Herinisauva. Spätere Schreibweisen waren unter anderem Herisowe, Herisouwe und Herisow.

Der zweite Namensbestandteil Au bezeichnet gewöhnlich eine feuchte Wiesen- oder Flusslandschaft. Die Bedeutung des ersten Bestandteils wird mit einem Personennamen in Verbindung gebracht.

Der Ortsname entwickelte sich im Lauf des Mittelalters zur heutigen Form Herisau.

Bedeutung

Herisau nimmt innerhalb von Appenzell Ausserrhoden eine zentrale Stellung ein.

Die Gemeinde vereint:

  • den Sitz von Regierung und Kantonsparlament;
  • die grösste Bevölkerung des Kantons;
  • einen bedeutenden Industrie- und Gewerbestandort;
  • ein regionales Verkehrs- und Einkaufszentrum;
  • wichtige Bildungs-, Gesundheits- und Kulturinstitutionen.

Durch die unmittelbare Nähe zu St. Gallen ist Herisau zugleich Teil eines grösseren ostschweizerischen Wirtschafts- und Lebensraums.

Der Ort besitzt dennoch eine eigenständige Identität, die von der appenzellischen Geschichte, dem reformierten Erbe, der Textilindustrie und der Verbindung von dörflicher und städtischer Struktur geprägt ist.

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Fuchs: Herisau. Geschichte der Gemeinde Herisau. Herisau.
  • Achilles Weishaupt: Herisau. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Walter Schläpfer: Appenzeller Geschichte. Band 2, Appenzell.
  • Eugen Steinmann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Birkhäuser, Basel.
  • Gemeinde Herisau: Herisau in Zahlen – Daten und Fakten 2024/25. Herisau 2025.
  • Museum Herisau: Beiträge zur Geschichte von Herisau und Appenzell Ausserrhoden. Herisau.

Einzelnachweise

  1. Hauptort des Kantons, Kanton Appenzell Ausserrhoden, 14. März 2019, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Herisau in Zahlen, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  3. Höhenweg, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  4. Herisau – Dorf und Stadt, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  5. Achilles Weishaupt: Herisau, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 22. August 2008, abgerufen am 26. Juli 2026.
  6. Die Landsgemeinde von Appenzell Ausserrhoden, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, abgerufen am 26. Juli 2026.
  7. Bahnhofareal Herisau, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  8. Einwohnerrat, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  9. Gemeinderat, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  10. Arbeiten in Herisau, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  11. HUBER+SUHNER AG, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  12. Metrohm AG, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  13. Museum Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  14. Sehenswertes, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  15. Rosengarten, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.
  16. Sportzentrum Herisau, Gemeinde Herisau, abgerufen am 26. Juli 2026.

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