Bahnstrecke Effretikon–Hinwil

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 9. August 2026, 16:01 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «'''Bahnstrecke Effretikon–Hinwil''' ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke im Kanton Zürich. Sie führt von Effretikon über Illnau, Fehraltorf, Pfäffikon ZH, Kempten und Wetzikon nach Hinwil. Die rund 22,5 Kilometer lange, überwiegend eingleisige Strecke wird von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) betrieben und gehört zum Netz der S-Bahn Zürich. D…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Bahnstrecke Effretikon–Hinwil ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke im Kanton Zürich. Sie führt von Effretikon über Illnau, Fehraltorf, Pfäffikon ZH, Kempten und Wetzikon nach Hinwil. Die rund 22,5 Kilometer lange, überwiegend eingleisige Strecke wird von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) betrieben und gehört zum Netz der S-Bahn Zürich.

Die Strecke wurde 1876 durch die Eisenbahngesellschaft Effretikon–Pfäffikon–Hinwil eröffnet und von Beginn an durch die Schweizerische Nordostbahn (NOB) betrieben. 1886 ging die Bahn vollständig an die NOB über, 1902 gelangte sie mit deren Verstaatlichung zu den SBB.[1]

Die Strecke wird auch als Kempttalbahn bezeichnet. In älteren Quellen findet sich häufig die Schreibweise Kemptthalbahn.

Bahnstrecke Effretikon–Hinwil
Streckenanfang Effretikon
Streckenende Hinwil
Länge ca. 22,5 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Eröffnung 17. August 1876
Elektrifizierung Mai 1944
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Gleise überwiegend 1
Eigentümerin SBB
Personenverkehr S-Bahn Zürich

Verlauf

Die Bahnstrecke beginnt im Bahnhof Effretikon, einem wichtigen Eisenbahnknoten zwischen Zürich und Winterthur. Dort zweigt sie von der Bahnstrecke Zürich–Winterthur ab und führt zunächst in südöstlicher Richtung durch das Gebiet der Stadt Illnau-Effretikon.

Nach rund vier Kilometern erreicht sie Illnau. Anschliessend verläuft die Strecke durch das landwirtschaftlich geprägte Kempttal nach Fehraltorf und weiter nach Pfäffikon ZH.

Von Pfäffikon führt die Bahn nach Südosten in Richtung Kempten. Dieser Ortsteil von Wetzikon besitzt mit dem Bahnhof Kempten eine eigene Bahnstation.

Zwischen Kempten und Wetzikon überquert die Strecke den Wildbach. Danach erreicht sie den Bahnhof Wetzikon, wo sie die Bahnstrecke Wallisellen–Uster–Rapperswil kreuzt beziehungsweise in deren Bahnhofsanlagen eingebunden ist.

Südöstlich von Wetzikon führt die Strecke weiter nach Hinwil. Der Abschnitt Wetzikon–Hinwil wird heute im regulären Personenverkehr von einer anderen S-Bahn-Linie befahren als der Abschnitt Effretikon–Wetzikon.

Stationen

km Bahnhof oder Haltestelle Gemeinde Bemerkung
0,0 Effretikon Illnau-Effretikon Anschluss an die Strecke Zürich–Winterthur
ca. 4,4 Illnau Illnau-Effretikon Regionaler Bahn- und Busknoten
ca. 8,0 Fehraltorf Fehraltorf
ca. 11,3 Pfäffikon ZH Pfäffikon ZH Regionaler Verkehrsknoten
ca. 15,7 Kempten Wetzikon Bahnhof im Wetziker Ortsteil Kempten
ca. 18,1 Wetzikon ZH Wetzikon Anschluss an die Strecke Wallisellen–Rapperswil
ca. 22,5 Hinwil Hinwil Anschluss an die ehemalige Uerikon-Bauma-Bahn

Vorgeschichte

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich im Kanton Zürich rasch ein Netz von Eisenbahnstrecken. Bereits 1855 wurde die Verbindung von Zürich über Wallisellen und Effretikon nach Winterthur eröffnet. Wenige Jahre später bestand auch eine Bahnverbindung von Wallisellen über Uster und Wetzikon nach Rapperswil.

Mehrere wichtige Ortschaften im Gebiet zwischen Effretikon und dem Zürcher Oberland besassen jedoch weiterhin keinen direkten Bahnanschluss. Dazu gehörten insbesondere Illnau, Fehraltorf und Pfäffikon.

Bereits in den 1860er-Jahren entstanden deshalb Pläne für eine neue Eisenbahn durch die Region. Unterschiedliche Varianten wurden diskutiert. Zeitweise war eine wesentlich weiter reichende Strecke in Richtung Wald vorgesehen.

Schliesslich setzte sich eine Verbindung von Effretikon über Illnau, Fehraltorf, Pfäffikon, Kempten und Wetzikon nach Hinwil durch.

Eisenbahngesellschaft Effretikon–Pfäffikon–Hinwil

Am 29. Mai 1873 wurde in Pfäffikon die AG Eisenbahngesellschaft Effretikon–Pfäffikon–Hinwil gegründet.[1] In verschiedenen Quellen wird das Unternehmen auch als Effretikon-Wetzikon-Hinwil-Bahn beziehungsweise mit der Abkürzung EH bezeichnet.

Die neue Gesellschaft übernahm den Bau und die Finanzierung der Strecke, verfügte jedoch nicht über eine eigene umfangreiche Betriebsorganisation. Bau und späterer Betrieb wurden deshalb der bereits etablierten Schweizerischen Nordostbahn übertragen.

An der Finanzierung beteiligten sich neben privaten Aktionären verschiedene Gemeinden, die Stadt Zürich, der Kanton Zürich und die Nordostbahn. Für die beteiligten Gemeinden stellte der Bahnanschluss eine wichtige Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung dar.

Besonders intensiv wurde über die genaue Linienführung diskutiert. Die Gemeinden mussten erhebliche finanzielle Beiträge leisten, obwohl zu diesem Zeitpunkt kaum zuverlässig abgeschätzt werden konnte, wie stark der Personen- und Güterverkehr tatsächlich sein würde.

Bau

Die eigentlichen Bauarbeiten begannen unter Leitung der Nordostbahn Ende 1874.[1]

Die Landschaft zwischen Effretikon und Wetzikon erforderte eine Vielzahl kleiner Brücken, Durchlässe, Dämme und Einschnitte. Der Bau wurde zusätzlich durch starke Unwetter im Juni 1875 erschwert. Hochwasser und Hangrutsche beschädigten Teile der bereits im Bau befindlichen Anlagen.

Trotz dieser Schwierigkeiten waren die wichtigsten Erdarbeiten und Kunstbauten gegen Ende 1875 weitgehend fertiggestellt. Anfang 1876 wurden Schienen und Weichen verlegt und die Stationsanlagen eingerichtet.

Die Bahnhofsgebäude entstanden überwiegend nach standardisierten Entwürfen der Nordostbahn. Mehrere dieser Anlagen wurden später stark umgebaut oder ersetzt.

Eröffnung 1876

Die feierliche Eröffnung der Strecke fand am 16. und 17. August 1876 statt.[1] Als offizielles Eröffnungsdatum der Bahnstrecke gilt der 17. August 1876.

Damit erhielten Illnau, Fehraltorf, Pfäffikon und weitere Orte erstmals einen direkten Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz.

Das Zugangebot war anfangs im Vergleich zu heutigen Verhältnissen gering. Auf der Strecke verkehrten nur wenige Zugpaare pro Tag. Die Fahrzeit zwischen Wetzikon und Effretikon betrug im Eröffnungsjahr ungefähr 48 Minuten.[2]

Der Bahnverkehr wurde von der Nordostbahn durchgeführt. Die Gesellschaft stellte unter anderem Lokomotiven und Personal zur Verfügung.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Wie zahlreiche kleinere Schweizer Privatbahnen des 19. Jahrhunderts hatte auch die Effretikon–Pfäffikon–Hinwil-Bahn mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

Die Einnahmen blieben hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig entstanden hohe Kosten für den Betrieb und die Benutzung der gemeinsam mit anderen Bahnunternehmen verwendeten Anlagen in Effretikon und Wetzikon.

Das Unternehmen konnte langfristig keinen wirtschaftlich ausreichenden Ertrag erwirtschaften. Die Nordostbahn, welche den Betrieb ohnehin bereits führte, übernahm deshalb die Strecke 1886 vollständig.[1]

Die eigenständige Bahngesellschaft verschwand damit nach nur rund einem Jahrzehnt.

Zeit der Nordostbahn

Unter der Schweizerischen Nordostbahn wurde die Strecke in deren umfangreiches Netz im Raum Zürich integriert.

Für das Zürcher Oberland gewann die Bahn zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Neben dem Personenverkehr spielte insbesondere der Gütertransport eine grosse Rolle. Landwirtschaftliche Produkte, Brennstoffe, Baumaterialien und industrielle Rohstoffe konnten nun wesentlich effizienter transportiert werden.

Die Eisenbahn beeinflusste gleichzeitig die Siedlungsentwicklung. In mehreren Gemeinden entstanden neue Wohn- und Gewerbegebiete in der Umgebung der Stationen.

In Pfäffikon lag der Bahnhof bei seiner Eröffnung noch deutlich ausserhalb des alten Dorfkerns. Mit der Zeit entwickelte sich entlang der Bahnhofstrasse ein neues Quartier mit Wohnhäusern, Gasthöfen, Gewerbebauten und weiteren Einrichtungen.[1]

Übernahme durch die SBB

Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich in der Schweiz die politische Forderung nach einer Verstaatlichung der grossen privaten Eisenbahngesellschaften durch.

In der eidgenössischen Volksabstimmung vom 20. Februar 1898 wurde die gesetzliche Grundlage für den Erwerb der wichtigsten Privatbahnen durch den Bund angenommen.

1902 ging die Schweizerische Nordostbahn in den neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen auf. Damit gelangte auch die Strecke Effretikon–Hinwil in den Besitz der SBB.[1]

Seither bildet sie einen Bestandteil des nationalen SBB-Streckennetzes.

Entwicklung der Bahnhöfe

Die Bahnhöfe entlang der Strecke wurden im Verlauf des 20. Jahrhunderts mehrfach an steigende Anforderungen angepasst.

Bahnhofsgebäude wurden erweitert, Güterschuppen vergrössert und Gleisanlagen verändert. Später entstanden Perronunterführungen, höhere Bahnsteige und Anlagen für einen hindernisärmeren Zugang.

In Wetzikon war die Situation besonders komplex, da dort mehrere Eisenbahnlinien zusammentrafen. Neben der Hauptstrecke Wallisellen–Rapperswil führte die Kempttalbahn in den Bahnhof. Zwischen 1903 und 1950 bestand zudem die Wetzikon-Meilen-Bahn, eine meterspurige Überlandbahn.

Auch in Hinwil entstand 1901 mit der Eröffnung der Uerikon-Bauma-Bahn eine weitere Bahnverbindung.

Elektrifizierung

Bis in die 1940er-Jahre wurden die Züge auf der Kempttalbahn überwiegend mit Dampflokomotiven geführt. Zeitweise kamen auch andere Traktionsformen zum Einsatz.

Während des Zweiten Weltkriegs führte der Mangel an importierter Kohle zu einer beschleunigten Elektrifizierung verschiedener Schweizer Nebenstrecken.

Auch die Strecke Effretikon–Hinwil wurde mit einer Fahrleitung für das bei den SBB übliche System von 15 Kilovolt Wechselstrom ausgerüstet.

Am 6. Mai 1944 wurde die elektrifizierte Strecke feierlich eröffnet und der durchgehende elektrische Betrieb aufgenommen.[3]

Die Elektrifizierung senkte die Abhängigkeit von Kohle und ermöglichte gleichzeitig einen leistungsfähigeren und rationelleren Bahnbetrieb.

Güterverkehr

Der Güterverkehr besass während eines grossen Teils des 19. und 20. Jahrhunderts eine wesentlich grössere Bedeutung als heute.

Fast alle Bahnhöfe verfügten über Güterschuppen, Ladegleise oder Anschlussgleise für lokale Unternehmen. Über die Bahn wurden unter anderem Kohle, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Getreide, Baustoffe und Industrieprodukte transportiert.

In Pfäffikon bestanden verschiedene Anschlussgleise zu Gewerbe- und Industrieanlagen. Auch Vieh und Gepäck wurden früher in grossem Umfang über die Bahn abgefertigt.[1]

Mit der zunehmenden Verlagerung des Stückgutverkehrs auf die Strasse verschwanden viele dieser Aufgaben. Zahlreiche Lade- und Nebengleise wurden zurückgebaut oder nicht mehr regelmässig genutzt.

Haltestelle Oberwetzikon

Neben den heutigen Stationen bestand zeitweise eine zusätzliche Haltestelle in Oberwetzikon.

Sie wurde 1899 eröffnet und lag im Bereich der heutigen Weststrasse. Die Anlage war wesentlich kleiner als die Bahnhöfe Wetzikon oder Kempten und diente hauptsächlich dem lokalen Personenverkehr.

Da ein erheblicher Teil der Fahrgäste aus benachbarten Gebieten kam und die Finanzierung der Haltestelle immer wieder zu Diskussionen führte, wurde sie bereits 1921 wieder aufgehoben.[2]

Ein ehemaliges Bahnwärterhaus erinnert noch an diese Phase der Streckengeschichte.

Taktfahrplan

Einen bedeutenden Wandel brachte die Einführung des schweizweiten Taktfahrplans im Jahr 1982.

Vorher waren die Abfahrtszeiten stärker auf einzelne Verkehrsbedürfnisse ausgerichtet und über den Tag weniger regelmässig verteilt. Mit dem Taktfahrplan verkehrten die Züge in festen, leicht merkbaren Zeitabständen.

Auch auf der Kempttalbahn wurde das Angebot dadurch erheblich attraktiver. Während 1876 nur wenige Züge täglich verkehrten, bestanden Anfang der 1980er-Jahre bereits zahlreiche Verbindungen zwischen den Gemeinden des Zürcher Oberlands und den grossen Bahnzentren.[1]

Eisenbahnunfall von Pfäffikon

Am 12. September 1982 ereignete sich an einem Bahnübergang bei Pfäffikon einer der schwersten Verkehrsunfälle der Schweizer Geschichte.

Ein Regionalzug kollidierte mit einem deutschen Reisebus, nachdem die Schranken des Bahnübergangs irrtümlich geöffnet worden waren. 39 Menschen im Bus kamen ums Leben; nur zwei Businsassinnen überlebten.[4]

Das Unglück hatte weit über die Region hinaus grosse Anteilnahme zur Folge. Die Opfer stammten überwiegend aus der deutschen Gemeinde Schönaich.

S-Bahn Zürich

Die Eröffnung der S-Bahn Zürich am 27. Mai 1990 veränderte den Personenverkehr auf der Strecke grundlegend.[2]

Durch den Zürichbergtunnel und den Ausbau der Zürcher Bahninfrastruktur entstanden schnellere Direktverbindungen zwischen dem Zürcher Oberland und dem Zentrum von Zürich.

Gleichzeitig wurde die Bahnstrecke Effretikon–Hinwil betrieblich in zwei unterschiedliche Verkehrsachsen aufgeteilt.

Der Abschnitt Effretikon–Wetzikon wurde Teil einer S-Bahn-Verbindung über Effretikon nach Zürich. Der Abschnitt Wetzikon–Hinwil wird dagegen von Zügen bedient, die Wetzikon über die Strecke Zürich–Uster erreichen.

Seit der Einführung der S-Bahn gibt es deshalb im regulären Personenverkehr keine Linie mehr, welche die gesamte historische Strecke von Effretikon bis Hinwil durchgehend befährt.

Personenverkehr im Fahrplan 2026

Im Jahresfahrplan 2026 wird die Strecke von mehreren Linien der S-Bahn Zürich genutzt.

Linie Benutzter Abschnitt Verbindung
S3 Effretikon–Wetzikon Bülach–Glattbrugg–Zürich HB–Stadelhofen–Effretikon–Illnau–Fehraltorf–Pfäffikon ZH–Kempten–Wetzikon
S19 Effretikon–Pfäffikon ZH Koblenz–Baden–Dietikon–Zürich HB–Effretikon–Illnau–Fehraltorf–Pfäffikon ZH
S14 Wetzikon–Hinwil Affoltern am Albis–Zürich Altstetten–Zürich HB–Oerlikon–Uster–Wetzikon–Hinwil

Die S3 bedient sämtliche Stationen zwischen Effretikon und Wetzikon und bildet dort die wichtigste Grundverbindung.[5]

Die S19 ergänzt das Angebot auf dem nördlichen Teil der Strecke und verkehrt über Effretikon, Illnau und Fehraltorf bis Pfäffikon ZH.[6]

Zwischen Wetzikon und Hinwil übernimmt die S14 den regulären Personenverkehr. Sie erreicht Wetzikon von Zürich über Wallisellen, Dübendorf, Uster und Aathal und fährt anschliessend auf dem letzten Abschnitt der Bahnstrecke Effretikon–Hinwil weiter nach Hinwil.[7]

Bedeutung von Wetzikon

Der Bahnhof Wetzikon ist der wichtigste Verknüpfungspunkt innerhalb der Strecke.

Hier treffen die Kempttalbahn und die Bahnstrecke von Zürich über Uster nach Rapperswil aufeinander. Reisende aus Pfäffikon, Fehraltorf oder Illnau können in Wetzikon auf Verbindungen in Richtung Uster, Rapperswil und Zürcher Oberland umsteigen.

Für Reisende zwischen Effretikon und Hinwil ist Wetzikon gleichzeitig jener Bahnhof, an dem zwischen den unterschiedlichen S-Bahn-Linien gewechselt werden muss.

Wetzikon entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem der wichtigsten regionalen Verkehrsknoten des Zürcher Oberlands.

Effretikon als Anschlussbahnhof

Am nördlichen Ende der Strecke liegt der Bahnhof Effretikon.

Dort besteht Anschluss an die stark befahrene Hauptstrecke Zürich–Winterthur sowie an weitere Linien der S-Bahn Zürich. Dadurch erhalten Illnau, Fehraltorf und Pfäffikon eine direkte beziehungsweise gut verknüpfte Verbindung mit Zürich, Winterthur und weiteren Teilen des Kantons.

Die Ausrichtung der Bahnstrecke auf Effretikon war bereits während der Planungsphase im 19. Jahrhundert von grosser Bedeutung. Über die Nordostbahn-Hauptstrecke bestand von dort sowohl eine Verbindung nach Zürich als auch nach Winterthur.

Hinwil und die Uerikon-Bauma-Bahn

Mit der Eröffnung der Uerikon-Bauma-Bahn im Jahr 1901 wurde Hinwil von einem Endbahnhof zu einem Verknüpfungsbahnhof.

Die neue Strecke führte von Uerikon am Zürichsee über Bubikon, Hinwil und Bäretswil nach Bauma. Sie konnte sich wirtschaftlich jedoch nicht dauerhaft behaupten.

Der Abschnitt Uerikon–Hinwil wurde später stillgelegt. Die Verbindung Hinwil–Bauma blieb erhalten und wird heute insbesondere für historische Fahrten des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland (DVZO) sowie für betriebliche und teilweise Güterverkehrszwecke genutzt.

Damit besteht in Hinwil weiterhin eine Schienenverbindung in Richtung Bäretswil und Bauma, sie gehört jedoch nicht zur Bahnstrecke Effretikon–Hinwil.

Infrastruktur

Die Strecke ist normalspurig und mit dem schweizerischen SBB-Stromsystem von 15 kV bei 16,7 Hz Wechselstrom elektrifiziert.

Sie ist überwiegend eingleisig. Begegnungen von Zügen sind an dafür ausgerüsteten Bahnhöfen möglich. Diese Infrastruktur bestimmt wesentlich die maximale Zahl der Züge, die auf einzelnen Abschnitten gleichzeitig verkehren können.

Die Perron- und Bahnhofsanlagen wurden im Zuge der Entwicklung der Zürcher S-Bahn schrittweise modernisiert. Dazu gehören Perronerhöhungen, Überdachungen, Unterführungen sowie Verbesserungen der Zugänge.

Die zahlreichen früheren Niveauübergänge wurden im Laufe der Zeit ebenfalls modernisiert, technisch gesichert oder durch kreuzungsfreie Lösungen ersetzt.

Wildbachbrücke

Ein markantes Kunstbauwerk befindet sich zwischen Kempten und Wetzikon, wo die Strecke den Wildbach überquert.

Die Brücke gehört zu den grösseren Kunstbauten der Kempttalbahn. Bereits beim ursprünglichen Streckenbau waren zahlreiche Brücken und Wasserdurchlässe notwendig, da die Linie verschiedene Bäche, Entwässerungsgräben und Geländeeinschnitte quert.

Die topografisch vergleichsweise wenig spektakuläre Strecke zeigt damit beispielhaft, wie aufwendig auch der Bau einer regionalen Eisenbahnlinie im 19. Jahrhundert sein konnte.

Bedeutung für die Siedlungsentwicklung

Die Bahnstrecke hatte grossen Einfluss auf die Entwicklung der Gemeinden zwischen Effretikon und Hinwil.

Vor der Eisenbahn konzentrierten sich viele Siedlungen um historische Dorfkerne und wichtige Landstrassen. Die neuen Bahnhöfe entstanden dagegen teilweise am damaligen Siedlungsrand oder sogar deutlich ausserhalb der Dörfer.

Mit zunehmender Bedeutung des Bahnverkehrs entwickelten sich die Bahnhofgebiete zu neuen Siedlungsschwerpunkten. Wohnhäuser, Gasthöfe, Geschäfte und Gewerbebetriebe siedelten sich in ihrer Nähe an.

Besonders deutlich lässt sich diese Entwicklung in Pfäffikon beobachten, wo sich die Bebauung im Laufe der Jahrzehnte vom alten Dorfkern zum Bahnhof hin ausdehnte.[1]

Auch heute gehören die Gebiete rund um die Bahnhöfe zu den bevorzugten Standorten für verdichtetes Wohnen und Dienstleistungen.

Bedeutung für das Zürcher Oberland

Die Bahnstrecke Effretikon–Hinwil gehört zu den wichtigen regionalen Verkehrsachsen des Zürcher Oberlands.

Sie verbindet mehrere grössere Gemeinden miteinander und erschliesst gleichzeitig zwei unterschiedliche Zugänge zum nationalen Bahnnetz: über Effretikon in Richtung Zürich und Winterthur sowie über Wetzikon in Richtung Uster, Zürich und Rapperswil.

Ihre heutige Bedeutung unterscheidet sich damit von jener des 19. Jahrhunderts. Während damals der Güterverkehr und die grundsätzliche Erschliessung der Gemeinden im Vordergrund standen, dient die Strecke heute vor allem dem täglichen Pendler-, Ausbildungs- und Freizeitverkehr.

Die Einbindung in die S-Bahn Zürich hat die Bahn von einer klassischen regionalen Nebenbahn zu einem Bestandteil des dicht vertakteten Zürcher Agglomerationsverkehrs gemacht.

Siehe auch

Literatur

  • Organisationskomitee «100 Jahre Kemptthalbahn» (Hrsg.): 100 Jahre Kemptthalbahn. Festschrift zum Eisenbahnjubiläum 11./12. September 1976, Pfäffikon 1976.
  • Antiquarische Gesellschaft Pfäffikon ZH (Hrsg.): Pfäffikon verbunden – vernetzt – Entwicklung von Verkehr und Kommunikation. Jahresschrift 7/2020, Pfäffikon 2020.
  • Hans G. Wägli, Sébastien Jacobi: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich 2010.
  • Gedenkschrift zur Elektrifikation der Linie Effretikon–Hinwil: Eröffnungsfeier in Pfäffikon-Zürich 06.05.1944. Pfäffikon 1944.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 Antiquarische Gesellschaft Pfäffikon ZH: Bahnhof SBB – Geschichte der Bahnlinie, abgerufen am 9. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Ortsmuseum Wetzikon: Bahnbrechend – Geschichte der Eisenbahn in Wetzikon und im Zürcher Oberland, abgerufen am 9. August 2026.
  3. Antiquarische Gesellschaft Pfäffikon ZH: Bahnhof SBB, Abschnitt Geschichte der Bahnlinie und Elektrifizierung, abgerufen am 9. August 2026.
  4. Schweizer Radio und Fernsehen: Heute vor 37 Jahren: Zug-Unglück in Pfäffikon, 12. September 2019.
  5. Zürcher Verkehrsverbund: S3 – Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  6. Zürcher Verkehrsverbund: S19 – Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  7. Zürcher Verkehrsverbund: S14 – Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 9. August 2026.