Bauma

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Bauma
Staat Schweiz
Kanton Zürich
Bezirk Pfäffikon
BFS-Nummer 0297
Postleitzahlen 8493, 8494, 8499
Höhe etwa 640 m ü. M.
Fläche 29,49 km²
Einwohner 5'090 (31. Dezember 2025)
Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos)
Legislative Gemeindeversammlung
Exekutive Gemeinderat mit 7 Mitgliedern
Website bauma.ch

Bauma ist eine politische Gemeinde im Bezirk Pfäffikon des Kantons Zürich. Sie liegt im oberen Tösstal am Fuss des Hörnlis und gehört zum Zürcher Oberland. Die Gemeinde besteht aus den drei grösseren Ortschaften Bauma, Saland und Sternenberg sowie aus zahlreichen Weilern, Streusiedlungen und Einzelhöfen.

Seit dem 1. Januar 2015 gehört die frühere politische Gemeinde Sternenberg zu Bauma. Durch den Zusammenschluss vergrösserte sich das Gemeindegebiet auf 29,49 Quadratkilometer. Ende 2025 lebten 5'090 Personen in der Gemeinde.[1]

Bauma ist durch die bewaldete Voralpenlandschaft, die Töss, steile Tobel und eine ausgeprägte Streusiedlungsstruktur geprägt. Historische Flarzhäuser, ehemalige Textilfabriken, Wasserkanäle und Eisenbahnanlagen erinnern an die landwirtschaftliche und industrielle Vergangenheit. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten gehören die Schlossruine Altlandenberg, die reformierten Kirchen von Bauma und Sternenberg, das Industrieensemble Neuthal und die Museumsbahn des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland.

Geographie

Lage

Bauma liegt im oberen Tösstal im östlichen Teil des Kantons Zürich. Das Hauptdorf befindet sich beidseits der Töss an der Einmündung mehrerer Seitenbäche. Das Tal wird von bewaldeten Hängen und Höhenzügen umgeben, die den Übergang vom Zürcher Oberland zum voralpinen Gebiet des Hörnlis und des Toggenburgs bilden.

Der tiefste Punkt der Gemeinde liegt auf ungefähr 595 Metern über Meer, der höchste auf 1'073 Metern über Meer. Das Gemeindezentrum befindet sich auf rund 640 Metern über Meer. Von Bauma sind es auf der Strasse ungefähr 24 Kilometer nach Winterthur und 37 Kilometer nach Zürich.[1]

Nachbargemeinden sind Bäretswil, Fischenthal, Hittnau, Turbenthal, Wila und Wildberg im Kanton Zürich sowie Mosnang im Kanton St. Gallen.

Gemeindegebiet

Das Gemeindegebiet umfasst 2'949 Hektaren. Davon entfielen vor dem Zusammenschluss 2'083 Hektaren auf die frühere Gemeinde Bauma und 866 Hektaren auf Sternenberg. Rund 55 Prozent der Gesamtfläche sind bewaldet. Damit gehört Bauma zu den waldreicheren Gemeinden des Kantons Zürich.[2]

Die Siedlungen verteilen sich auf den Talboden, Seitentäler, Geländeterrassen und Berghänge. Neben Bauma, Saland und Sternenberg bestehen zahlreiche Weiler und Hofgruppen. Dazu gehören unter anderem Altlandenberg, Blitterswil, Bliggenswil, Dillhaus, Hörnen, Juckern, Laubberg, Lipperschwendi, Neuthal, Schindlet, Undalen, Wellenau und weitere kleinere Siedlungen.

Die weit verstreute Besiedlung stellt besondere Anforderungen an die Erschliessung, die Wasserversorgung, den öffentlichen Verkehr, die Schule und den Winterdienst. Gleichzeitig ist sie ein charakteristischer Bestandteil der Kulturlandschaft des oberen Tösstals.

Bauma

Das Dorf Bauma ist das politische, wirtschaftliche und verkehrstechnische Zentrum der Gemeinde. Hier befinden sich die Gemeindeverwaltung, der Bahnhof, die reformierte Kirche, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, das Hallenbad und zahlreiche Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe.

Der historische Dorfkern entstand nahe einem Übergang über die Töss und rund um die 1651 errichtete Kirche. Entlang der Dorfstrasse stehen mehrere ältere Wohn- und Geschäftshäuser. Zu den markanten Bauten gehört das bereits 1564 erwähnte Gasthaus zur Tanne, dessen Name mit dem Gemeindewappen verbunden ist.[3]

Saland

Saland liegt talabwärts nordwestlich von Bauma an der Töss. Die Ortschaft entwickelte sich insbesondere im Zusammenhang mit der Textilindustrie und der Eisenbahn. Ehemalige Fabrikgebäude, Gewerbezonen und neuere Wohnquartiere prägen das Ortsbild.

Zu Saland gehören mehrere umliegende Weiler und Hofsiedlungen. Der Ort besitzt einen eigenen Bahnhof an der Tösstallinie und wird zusätzlich durch Busverbindungen erschlossen.

Sternenberg

Hauptartikel: Sternenberg ZH

Sternenberg liegt im Hügelland nordwestlich des Hörnlis und besteht aus zahlreichen Weilern und Einzelhöfen. Der Ort war bis Ende 2014 eine selbstständige politische Gemeinde. Am 1. Januar 2015 erfolgte der Zusammenschluss mit Bauma.

Das Gebiet von Sternenberg ist überwiegend durch Landwirtschaft, Wald und Streusiedlungen geprägt. Der historische Mittelpunkt befindet sich bei der reformierten Kirche, die 1706 und 1707 errichtet wurde. Wegen der Höhenlage und der offenen Landschaft bieten sich von verschiedenen Punkten weite Ausblicke über das Zürcher Oberland und in Richtung Alpen.

Töss und Seitenbäche

Die Töss durchfliesst das Gemeindegebiet von Südosten nach Nordwesten. Der Fluss und seine Zuflüsse formten ein enges Tal mit Schwemmebenen, Geländeterrassen und steilen Tobeln.

Während der Industrialisierung wurde die Wasserkraft intensiv genutzt. Kanäle, Wehre und Weiher leiteten Wasser zu Spinnereien, Webereien, Mühlen und mechanischen Werkstätten. Teile dieser Anlagen sind bis heute erhalten und bilden zusammen mit den Fabrikgebäuden ein bedeutendes industriegeschichtliches Erbe.

Hochwasser stellten für die Siedlungen im Talboden wiederholt eine Gefahr dar. Flusskorrektionen und Schutzbauten veränderten den Lauf der Töss. In neuerer Zeit werden einzelne Abschnitte ökologisch aufgewertet und naturnäher gestaltet.

Geschichte

Frühmittelalterliche Besiedlung

Einzelne Ortsnamen im heutigen Gemeindegebiet reichen weit zurück. Der Weiler Hörnen wurde bereits 869 als Huornomarcha erwähnt. Eine dauerhafte Besiedlung des oberen Tösstals erfolgte zwischen dem 7. und dem 10. Jahrhundert von Westen her.

Die ersten Höfe wurden vor allem auf erhöhten Geländeterrassen und am Rand des überschwemmungsgefährdeten Talbodens angelegt. Im 12. und 13. Jahrhundert intensivierte sich der Landesausbau. Ein wichtiges Zentrum war die Burg Altlandenberg oberhalb des heutigen Dorfes Bauma.[4]

Altlandenberg

Die Burg Altlandenberg war ein Sitz der Herren von Landenberg, die im Mittelalter zu den einflussreichen Adelsfamilien der Region gehörten. Von der Burg aus wurden umliegende Höfe und Herrschaftsrechte verwaltet.

Das Niedergericht von Altlandenberg gelangte 1549 an die Stadt Zürich. Die hochgerichtlichen Rechte in der Region waren bereits im 15. Jahrhundert an Zürich übergegangen. Nach dem Verfall der Anlage blieben Mauerreste erhalten, die heute als Schlossruine Altlandenberg bezeichnet werden.

Entstehung des Dorfes

Bauma wurde 1470 erstmals unter der Bezeichnung Boumen urkundlich erwähnt. Der Ort entwickelte sich vergleichsweise spät zu einem geschlossenen Dorf. Die ältere Besiedlung bestand vor allem aus Höfen und kleinen Weilern an den Hängen und auf den Terrassen.

Ein entscheidender Schritt war der Bau einer eigenen Kirche im Jahr 1651. Das Gebiet wurde kirchlich von Bäretswil und Pfäffikon abgetrennt. Rund um die Kirche entstanden ein Dorfzentrum, Gasthäuser, Geschäfte und Handwerksbetriebe.

Seit 1661 wurde in Bauma ein regionaler Wochenmarkt abgehalten. Dieser stärkte die Funktion des Ortes als Handels- und Versorgungszentrum für das obere Tösstal. Neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen wurden Garn, Textilien, Vieh und handwerkliche Produkte gehandelt.[4]

Landwirtschaft und Heimarbeit

Die Landwirtschaft war zunächst vom Getreidebau geprägt. Wegen der Höhenlage, der feuchten Böden und des rauen Klimas gewannen jedoch Viehhaltung, Milchwirtschaft und Graswirtschaft zunehmend an Bedeutung.

Vom 17. Jahrhundert an verbreitete sich die textile Heimarbeit. Die ursprünglich bedeutende Leinenweberei wurde schrittweise durch die Verarbeitung von Baumwolle verdrängt. Viele kleinbäuerliche Familien waren auf Spinnen und Weben als zusätzlichen oder hauptsächlichen Erwerb angewiesen.

In den Stuben und Kellern der Wohnhäuser standen Spinnräder und Webstühle. Kaufleute und Tuchverleger lieferten das Rohmaterial und übernahmen die fertigen Stoffe. Dadurch wurde die Bevölkerung in ein überregionales Produktions- und Handelssystem eingebunden.

Flarzbauten

Für das Tösstal und das Zürcher Oberland charakteristisch sind die sogenannten Flarzhäuser. Dabei handelt es sich um aneinandergebaute, meist niedrige Wohnteile, die durch die schrittweise Erweiterung bäuerlicher Häuser entstanden.

Besonders gut erhaltene Gruppen von Flarzbauten befinden sich in Wellenau und Undalen. Sie dokumentieren die Lebensbedingungen der kleinbäuerlichen und heimindustriellen Bevölkerung vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.

Im Wohnmuseum Undalen, dem sogenannten Freddi-Haus, wird die Wohn- und Arbeitsweise früherer Generationen dargestellt.

Industrialisierung

Nach 1821 entstanden an der Töss und ihren Nebenbächen mehrere mechanisierte Textilbetriebe. Die Wasserkraft trieb Maschinen in Spinnereien, Webereien und anderen Fabriken an.

Die industrielle Produktion trat an die Stelle eines Teils der Heimarbeit. Zugleich blieb das Heimgewerbe in den abgelegenen Weilern lange bestehen. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstanden zusätzlich Sticklokale, die nach dem Verlagssystem arbeiteten.

1905 stellte das Textilgewerbe 515 von insgesamt 1'725 Arbeitsplätzen in der damaligen Gemeinde Bauma. Neben der Textilproduktion war die Verarbeitung von Holz verbreitet. Hölzerne Löffel, Kellen und weitere Gebrauchsgegenstände wurden in grosser Zahl hergestellt. Daraus entstand für die Region die Bezeichnung Chelleland.[4]

Neuthal und Adolf Guyer-Zeller

Der Weiler Neuthal südlich von Bauma entwickelte sich zu einem bedeutenden Industriestandort. Hier entstanden eine Spinnerei und weitere Anlagen der Textilproduktion. Fabrikgebäude, Arbeiterhäuser, Wasserkraftanlagen und die Villa des Unternehmers bilden ein weitgehend erhaltenes Industrieensemble.

Mit Neuthal ist insbesondere der Unternehmer Adolf Guyer-Zeller verbunden. Er engagierte sich in der Textilindustrie, im Eisenbahnbau und in der Finanzierung grosser Verkehrsprojekte. Bekannt wurde er vor allem als Initiator der Jungfraubahn.

Guyer-Zeller liess rund um Neuthal ein Netz von Wanderwegen anlegen. Die mehr als hundertjährigen Guyer-Zeller-Wanderwege führen durch Wälder, über Brücken und entlang von Bächen und Tobeln. Das Marmorgrabmal der Familie Guyer-Zeller gehört zu den historischen Sehenswürdigkeiten der Gemeinde.

Im heutigen Industrieensemble Neuthal werden Maschinen und Arbeitstechniken der Textilindustrie vermittelt. Teile der Wasserkraftanlagen und historischen Maschinen können im Rahmen von Führungen und Vorführungen besichtigt werden.

Strassen- und Eisenbahnbau

Die verkehrliche Erschliessung des Tösstals verbesserte sich im 19. Jahrhundert. 1835 wurde die Tösstalstrasse ausgebaut, 1839 entstand eine bessere Strassenverbindung nach Wetzikon.

1875 wurde die Eisenbahnstrecke von Winterthur nach Bauma eröffnet. Bauma war zunächst Endstation. Bereits 1876 folgte die Verlängerung über Wald nach Rüti. Die Bahn erleichterte den Transport von Rohstoffen und Fertigwaren und verbesserte die Mobilität der Bevölkerung.

1901 wurde die Uerikon-Bauma-Bahn eröffnet. Sie verband Bauma über Bäretswil, Hinwil und Bubikon mit Uerikon am Zürichsee. Der Personenverkehr zwischen Hinwil und Bauma wurde 1969 eingestellt.[5]

Seit 1978 führt der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland auf der ehemaligen Strecke zwischen Bauma und Hinwil historische Zugfahrten durch. Der Bahnhof Bauma entwickelte sich dadurch zu einem Zentrum der Eisenbahngeschichte und des Museumstourismus.

Strukturwandel

Im 20. Jahrhundert geriet die traditionelle Textilindustrie zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Betriebe wurden geschlossen, zusammengelegt oder auf andere Produktionsbereiche umgestellt. 1986 stellte die letzte Textilfabrik in Bauma ihren Betrieb ein.[4]

An die Stelle der Textilindustrie traten kleinere Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Gleichzeitig nahm die Zahl der Erwerbstätigen zu, die ausserhalb der Gemeinde arbeiteten. Durch Bahn- und Busverbindungen wurde Bauma stärker mit Wetzikon, Winterthur und dem übrigen Zürcher Oberland verflochten.

Mehrere ehemalige Fabrikbauten erhielten neue Nutzungen. Das industrielle Erbe wurde zunehmend als Bestandteil der regionalen Identität und als touristisches Potenzial wahrgenommen.

Zusammenschluss mit Sternenberg

Die hoch gelegene Gemeinde Sternenberg war über lange Zeit von Abwanderung, geringer Steuerkraft und hohen Infrastrukturkosten betroffen. Seit den 2000er-Jahren wurde ein Zusammenschluss mit einer Nachbargemeinde diskutiert.

Nach der Zustimmung der Stimmberechtigten beider Gemeinden wurden Bauma und Sternenberg am 1. Januar 2015 vereinigt. Sternenberg bildet seither einen Ortsteil der politischen Gemeinde Bauma. Der Zusammenschluss vergrösserte das Gemeindegebiet erheblich und vereinte zwei historisch eng miteinander verbundene Teile des oberen Tösstals.[6]

Bevölkerung

Ende 2025 zählte Bauma 5'090 Einwohnerinnen und Einwohner. Davon waren 2'560 männlich und 2'530 weiblich.[1]

Die Bevölkerung verteilt sich auf die drei Hauptorte und zahlreiche kleinere Siedlungen. Das Hauptdorf Bauma und Saland weisen die dichteste Bebauung auf, während Sternenberg und die höher gelegenen Weiler durch Einzelhöfe und kleine Hofgruppen geprägt sind.

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert nahm die Bevölkerung wegen der Heimindustrie stark zu. Mit dem Niedergang der Heimspinnerei und dem Strukturwandel in der Landwirtschaft setzte in abgelegenen Gebieten eine starke Abwanderung ein. Besonders deutlich war diese Entwicklung in Sternenberg.

Seit dem späten 20. Jahrhundert stabilisierte sich die Bevölkerungsentwicklung. Neue Wohnbauten entstanden vor allem in Bauma und Saland. Die landschaftliche Lage und die Verkehrsverbindungen machen die Gemeinde auch für Personen attraktiv, die in Wetzikon, Winterthur, Uster oder Zürich arbeiten.

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird eine zum Zürichdeutschen gehörende Mundart gesprochen. Die lokale Sprachform weist Einflüsse aus dem Tösstal und dem voralpinen Raum auf.

Politik

Gemeindeorganisation

Bauma ist eine Versammlungsgemeinde. Die Stimmberechtigten bilden die Legislative und entscheiden an der Gemeindeversammlung über kommunale Erlasse, Budget, Steuerfuss, Jahresrechnung, Kredite und weitere Geschäfte.

Bestimmte Vorlagen werden zwingend an der Urne entschieden. Dazu gehören insbesondere Änderungen der Gemeindeordnung, grössere Ausgaben, Zusammenschlüsse und weitere Geschäfte von besonderer politischer oder finanzieller Bedeutung.

Die Gemeindeversammlung findet in der Regel in der reformierten Kirche Bauma statt.[7]

Gemeinderat

Der Gemeinderat ist die Exekutive der politischen Gemeinde. Er besteht einschliesslich des Gemeindepräsidenten aus sieben Mitgliedern. Die Präsidentin oder der Präsident der Schulpflege gehört dem Gemeinderat von Amtes wegen an.

Der Gemeinderat ist für die politische Planung, die Führung der Gemeindeverwaltung, den Vollzug der Beschlüsse und die Vertretung der Gemeinde nach aussen verantwortlich. Seine Mitglieder leiten verschiedene Ressorts.

Gemeindepräsident für die Amtsdauer 2026–2030 ist Andreas Sudler. Dem Gemeinderat gehören ausserdem Manuela Burkhalter, Karin Götz, Karin Inauen, Sebastian Köstli, Rudolf Rüegg und Daniel Schmidt an.[8]

Schule

Bauma ist eine Einheitsgemeinde und nimmt die Aufgaben der Volksschule wahr. Die Schulpflege ist eine eigenständige Gemeindebehörde. Ihr Präsidium ist gleichzeitig Mitglied des Gemeinderats.

Die Schule umfasst Kindergärten, Primarschulen und die Sekundarstufe. Aufgrund der grossen Gemeindefläche und der verstreuten Siedlungen werden verschiedene Schulstandorte geführt. Für Schülerinnen und Schüler aus abgelegenen Weilern spielt der organisierte Schultransport eine wichtige Rolle.

Wirtschaft

Die Wirtschaftsstruktur Baumas ist durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt. Bedeutende Bereiche sind das Bau- und Ausbaugewerbe, die Metall- und Holzverarbeitung, Handel, Landwirtschaft, Gastgewerbe, Tourismus und persönliche Dienstleistungen.

Die Textilindustrie besitzt nicht mehr die frühere wirtschaftliche Bedeutung, prägt aber weiterhin das Ortsbild und die lokale Identität. Ehemalige Fabrikareale werden für Gewerbe, Kultur, Bildung und Wohnen genutzt.

In Bauma befinden sich verschiedene Einkaufsmöglichkeiten und Einrichtungen für den täglichen Bedarf. Saland besitzt ein kleineres Versorgungsangebot, während in Sternenberg unter anderem eine Käserei besteht.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner pendeln zu Arbeitsplätzen ausserhalb der Gemeinde. Wichtige Zielorte sind Wetzikon, Winterthur, Uster und der Grossraum Zürich.

Landwirtschaft und Forstwirtschaft

Land- und Forstwirtschaft prägen grosse Teile des Gemeindegebiets. Aufgrund der Höhenlage und der Hanglagen stehen Viehhaltung und Milchwirtschaft im Vordergrund. Ackerbau ist hauptsächlich in günstigeren Lagen des Talbodens möglich.

In Sternenberg und den höher gelegenen Weilern bestehen zahlreiche Einzelhöfe. Die Landwirtschaft trägt wesentlich zur Pflege der offenen Kulturlandschaft bei. Ohne regelmässige Bewirtschaftung würden viele Wiesen und Weiden allmählich verwalden.

Mehr als die Hälfte des Gemeindegebiets ist mit Wald bedeckt. Die Wälder liefern Holz, schützen Siedlungen und Verkehrswege vor Naturgefahren, speichern Wasser und dienen als Erholungsraum.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Bauma liegt an der Tösstallinie Winterthur–Bauma–Rüti. Die Linie S26 der S-Bahn Zürich verbindet die Gemeinde mit Winterthur, Turbenthal, Wald und Rüti.

Saland besitzt ebenfalls einen Bahnhof an dieser Strecke. Die Bahn bildet das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs im Tal und ermöglicht Anschlüsse in Richtung Zürich, St. Gallen und Rapperswil.

Der Bahnhof Bauma verfügt über historische Bahnanlagen. Die ehemalige Strecke nach Hinwil wird vom Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland für Museumsfahrten genutzt. Die Dampfzüge verkehren während der Saison an ausgewählten Sonntagen zwischen Bauma und Hinwil.[1]

Busverkehr

Postautoverbindungen führen von Bauma über Saland und Hittnau nach Pfäffikon ZH sowie von Bauma nach Sternenberg. Eine Buslinie der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland verbindet Bauma über Bäretswil mit Wetzikon.[1]

Die Buslinien erschliessen Orte, die nicht unmittelbar an der Bahnstrecke liegen. Wegen der zahlreichen Streusiedlungen können jedoch nicht alle Einzelhöfe direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden.

Strassen

Die Hauptstrasse durch das Tösstal verbindet Bauma mit Turbenthal und Winterthur im Nordwesten sowie mit Wald und Rüti im Südosten. Weitere Strassen führen nach Bäretswil, Wetzikon, Hittnau und über die Höhen nach Sternenberg.

Die topografischen Verhältnisse mit steilen Hängen, engen Ortsdurchfahrten und hoch gelegenen Weilern stellen besondere Anforderungen an Unterhalt und Winterdienst.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Reformierte Kirche Bauma

Die reformierte Kirche Bauma wurde 1651 errichtet und bildete die Grundlage für die Entstehung einer eigenständigen Kirchgemeinde. Sie steht erhöht über der Töss und prägt gemeinsam mit den umliegenden historischen Gebäuden das Ortsbild.

Die Kirche dient neben Gottesdiensten auch als Versammlungs- und Veranstaltungsort. In ihr finden gewöhnlich die Gemeindeversammlungen statt.

Reformierte Kirche Sternenberg

Die reformierte Kirche Sternenberg wurde 1706 und 1707 errichtet. Sie steht in aussichtsreicher Lage bei Oschwald und bildet den historischen Mittelpunkt der weit verstreuten Siedlungen.

Der schlichte Bau und das benachbarte Pfarrhaus gehören zu den wichtigsten Baudenkmälern des Ortsteils Sternenberg.

Schlossruine Altlandenberg

Die Ruine Altlandenberg liegt auf einem Geländesporn oberhalb von Bauma. Erhalten sind Teile der Grundmauern der mittelalterlichen Burg.

Die Anlage erinnert an die Herren von Landenberg und an die mittelalterliche Herrschaftsorganisation im oberen Tösstal. Das Ruinengelände ist über Wanderwege erreichbar.

Industrieensemble Neuthal

Das Industrieensemble Neuthal umfasst ehemalige Textilfabriken, Maschinen, Wasserkraftanlagen, Kanäle, Arbeiterhäuser und weitere Bauten. Es vermittelt die technische und soziale Geschichte der Textilindustrie.

Historische Maschinen werden bei Vorführungen in Betrieb gesetzt. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie Baumwolle verarbeitet, Garn gesponnen und Textilien hergestellt wurden.

Bahnhof Bauma und Dampfbahn

Der historische Bahnhof und die Anlagen des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland gehören zu den bekanntesten Ausflugszielen Baumas. Dampflokomotiven, historische Personenwagen und weitere Schienenfahrzeuge werden betriebsfähig erhalten.

Die Museumszüge verkehren auf der Strecke Bauma–Bäretswil–Hinwil. Der Verein versteht die Bahn als ein erlebbares technisches Kulturgut und betreibt seine Anlagen überwiegend mit freiwilliger Arbeit.

Guyer-Zeller-Wanderwege

Die Guyer-Zeller-Wanderwege wurden im späten 19. Jahrhundert auf Initiative von Adolf Guyer-Zeller angelegt. Sie führen durch die bewaldeten Tobel und über die Höhen rund um Neuthal.

Charakteristisch sind historische Brücken, Stege und sorgfältig in die Landschaft eingefügte Wegabschnitte. Die Wege verbinden Naturerlebnis mit der Industrie- und Familiengeschichte des Neuthals.

Wohnmuseum Undalen

Das Wohnmuseum Undalen befindet sich in einem historischen Flarzhaus. Es zeigt Wohnräume, Werkzeuge, Hausrat und Einrichtungen aus der Zeit der bäuerlichen Heimindustrie.

Das Gebäude veranschaulicht die beengten Lebensverhältnisse früherer Kleinbauern- und Weberfamilien.

Baumer Märt

Der Baumer Märt setzt die lange Markttradition des Ortes fort. Märkte besitzen in Bauma seit dem 17. Jahrhundert eine wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Funktion.

Der heutige Markt bringt Gewerbe, Landwirtschaft, Vereine und Bevölkerung zusammen und zieht auch Besucherinnen und Besucher aus den umliegenden Gemeinden an.

Freizeit und Tourismus

Bauma ist Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen und Velotouren. Wege führen entlang der Töss, durch die Tobel von Neuthal, über Sternenberg und auf das Hörnli.

Zu den touristischen Angeboten gehören:

  • die Museumsfahrten des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland;
  • die Guyer-Zeller-Wanderwege;
  • das Industrieensemble Neuthal;
  • der Industrie- und Wasserlehrpfad;
  • das Wohnmuseum Undalen;
  • die Schlossruine Altlandenberg;
  • das Hallenbad Bauma;
  • Velorouten und Mountainbike-Strecken;
  • der Campingplatz in Saland.

Das Hörnli ist ein beliebtes Wanderziel und ein Aussichtspunkt über das Zürcher Oberland, das Toggenburg und die Alpen. Sternenberg bietet ebenfalls zahlreiche Aussichtslagen und ruhige Wanderwege.

Wappen

Das Wappen der Gemeinde zeigt in Silber auf grünem Boden eine grüne Tanne mit rotem Stamm. Die Tanne nimmt Bezug auf den Ortsnamen und auf das historische Gasthaus zur Tanne.

Das Motiv ist damit ein sogenanntes redendes Wappen, auch wenn der Ortsname sprachgeschichtlich nicht zwingend unmittelbar von einem einzelnen Baum abgeleitet sein muss.

Persönlichkeiten

Adolf Guyer-Zeller

Adolf Guyer-Zeller (1839–1899) war Textilunternehmer, Bankier und Eisenbahnpionier. Er wuchs in Neuthal auf und übernahm das Textilunternehmen seiner Familie.

Bekannt wurde er insbesondere als treibende Kraft hinter der Jungfraubahn. In seiner Heimat liess er ein weitläufiges Netz von Wanderwegen anlegen.

Heinrich Gujer

Heinrich Gujer (1801–1868), bekannt als Heiri Gujer, war Landwirt und Politiker. Er engagierte sich in der demokratischen Bewegung des Kantons Zürich und gehörte dem Kantonsrat an.

Paul Burkhard

Der Komponist Paul Burkhard (1911–1977) verbrachte einen Teil seines Lebens in Zell im Tösstal und war mit der Region eng verbunden. Sein musikalisches Werk, darunter das Lied O mein Papa, erlangte internationale Bekanntheit.

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Schärli: Geschichte der Gemeinde Bauma. Gemeinde Bauma, Bauma 1994.
  • Hans Kläui: Aus der Geschichte der Gemeinde Sternenberg. Sternenberg 1956.
  • Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1978.
  • Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland: Veröffentlichungen zur Geschichte der Eisenbahn und des Bahnhofs Bauma.
  • Industrieensemble Neuthal: Dokumentationen zur Textil- und Industriegeschichte des oberen Tösstals.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Gemeinde in Zahlen. In: Gemeinde Bauma. Abgerufen am 2026-07-23.
  2. Forstwirtschaft. In: Gemeinde Bauma. Abgerufen am 2026-07-23.
  3. Gasthaus zur Tanne vor Neuausrichtung. In: Gemeinde Bauma. 2025-01-29. Abgerufen am 2026-07-23.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Thomas Schärli: Bauma. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2016-11-24. Abgerufen am 2026-07-23.
  5. Dampfexpress – Geschichte des Bahnhofs Bauma. In: Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland. Abgerufen am 2026-07-23.
  6. Ueli Müller: Sternenberg ZH. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2016-11-24. Abgerufen am 2026-07-23.
  7. Rechtssammlung der Gemeinde Bauma. In: Gemeinde Bauma. Abgerufen am 2026-07-23.
  8. Gemeinderat. In: Gemeinde Bauma. Abgerufen am 2026-07-23.