S-Bahn Aargau
S-Bahn Aargau ist die Bezeichnung für das Netz des regionalen Schienenverkehrs im Kanton Aargau und in den angrenzenden Regionen. Anders als bei manchen städtisch geprägten S-Bahn-Systemen bildet die S-Bahn Aargau kein vollständig eigenständiges Netz mit einem einzigen zentralen Knoten. Vielmehr verbinden zahlreiche Linien die Aargauer Zentren und Regionen untereinander sowie mit Zürich, Basel, Luzern, Olten, Winterthur, Schaffhausen, Rotkreuz und dem süddeutschen Waldshut.
Zu den wichtigsten Knoten gehören die Bahnhöfe Aarau, Baden, Brugg AG, Lenzburg, Wohlen AG, Turgi und Zofingen. Das Liniennetz wird hauptsächlich von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) bedient. Die meterspurigen Linien S14 und S17 werden von Aargau Verkehr (AVA) betrieben; auf einzelnen weiteren Verbindungen ist Thurbo tätig.
Im Fahrplanjahr 2026 umfasst der offizielle SBB-Netzplan «S-Bahnen Aargau» Linien verschiedener benachbarter S-Bahn-Systeme. Dadurch bestehen direkte regionale Verbindungen weit über die Kantonsgrenzen hinaus.[1]
| S-Bahn Aargau | |
|---|---|
| Gebiet | Kanton Aargau und angrenzende Regionen |
| Verkehrsart | S-Bahn und Regionalverkehr |
| Wichtige Betreiber | SBB, AVA, Thurbo |
| Wichtige Knoten | Aarau, Baden, Brugg, Lenzburg, Wohlen, Zofingen |
| Tarifverbund | vor allem Tarifverbund A-Welle |
| Grenzüberschreitende Verbindung | nach Waldshut |
| Normalspur | 1435 mm auf dem SBB-Netz |
| Meterspur | 1000 mm auf S14 und S17 |
Charakter des Netzes
Die S-Bahn Aargau unterscheidet sich strukturell von der Zürcher S-Bahn. Der Kanton besitzt kein einzelnes dominierendes Zentrum, auf das sämtliche Linien ausgerichtet sind. Stattdessen liegt Aargau zwischen mehreren grossen schweizerischen Wirtschaftsräumen.
Im Osten bestehen starke Verkehrsbeziehungen nach Zürich, im Nordwesten nach Basel, im Westen nach Olten und Bern sowie im Süden nach Luzern und in die Zentralschweiz. Entsprechend verlaufen viele S-Bahn-Linien durch den Kanton hindurch und gehören gleichzeitig zu den Netzen benachbarter Regionen.
Ein typisches Beispiel ist die S11 von Aarau über Lenzburg nach Zürich und Winterthur. Sie ist Teil der Zürcher S-Bahn, erfüllt innerhalb des Kantons Aargau jedoch eine wichtige regionale Funktion. Ähnliches gilt für die S1 im Fricktal, die in das Netz der S-Bahn Basel integriert ist, oder für die S9 zwischen Lenzburg und Luzern.
Der offizielle Liniennetzplan wird deshalb von den SBB als «S-Bahnen Aargau» bezeichnet und zeigt sowohl die kantonsinternen als auch die überregionalen Verbindungen.[1]
Geschichte
Frühe Eisenbahnentwicklung
Der Kanton Aargau spielte bereits in der Frühgeschichte der schweizerischen Eisenbahn eine zentrale Rolle. Am 9. August 1847 wurde zwischen Zürich und Baden die Schweizerische Nordbahn eröffnet. Die sogenannte Spanisch-Brötli-Bahn war die erste ausschliesslich auf Schweizer Gebiet verkehrende Eisenbahnstrecke mit regelmässigem Personenverkehr.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich im Aargau ein dichtes Eisenbahnnetz. Wichtige Hauptachsen entstanden durch das Limmattal, das Aaretal, das Fricktal und das Freiamt.
Die geografische Lage zwischen Zürich, Basel, Bern und der Zentralschweiz führte dazu, dass der Kanton früh zu einem bedeutenden Durchgangsgebiet des nationalen Eisenbahnverkehrs wurde.
Mit der Verstaatlichung der grossen privaten Bahngesellschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen die meisten normalspurigen Hauptstrecken an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.
Regionale Bahnen
Neben den grossen Hauptstrecken entstanden mehrere Regional- und Lokalbahnen.
Zu den wichtigsten gehörten die Wynentalbahn, die Aarau-Schöftland-Bahn und die Bremgarten-Dietikon-Bahn. Diese Linien erschlossen Gebiete, die abseits der grossen SBB-Hauptachsen lagen.
Aus mehreren historischen Regionalbahnen entwickelte sich später Aargau Verkehr. Die heutige AVA betreibt unter anderem die S14 durch das Wynen- und Suhrental sowie die S17 zwischen Wohlen, Bremgarten und Dietikon.
Einfluss der Zürcher S-Bahn
Mit der Eröffnung der Zürcher S-Bahn im Jahr 1990 wurden auch die Verkehrsbeziehungen zwischen dem Aargau und dem Grossraum Zürich grundlegend verändert.
Mehrere Linien der Zürcher S-Bahn wurden in den folgenden Jahren über die Kantonsgrenze hinaus verlängert beziehungsweise in Aargauer Angebotskonzepte integriert.
Besonders der Raum Baden–Wettingen, das untere Aaretal, Lenzburg und Aarau erhielten zunehmend direkte S-Bahn-Verbindungen nach Zürich.
Der Ausbau führte dazu, dass die Grenzen zwischen einem eigenständigen Aargauer Regionalverkehr und den angrenzenden S-Bahn-Netzen immer weniger eindeutig wurden.
S-Bahn Aargau 2016 ff.
Ein entscheidender Entwicklungsschritt war das kantonale Angebotskonzept S-Bahn Aargau 2016 ff.. Ziel war es, auf den meisten S-Bahn-Strecken einen durchgehenden Halbstundentakt zu schaffen und zusätzliche Direktverbindungen zwischen den Regionen einzuführen.[2]
Die Umsetzung begann mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 und erfolgte schrittweise.
Zu den Massnahmen gehörten unter anderem:
- Einführung der S25 zwischen Brugg und Muri;
- Ausbau der S28 zwischen Lenzburg und Zofingen;
- Verlängerung der S26 von Aarau nach Olten;
- zusätzliche Direktverbindungen zwischen dem Freiamt und Zürich;
- bessere Verbindungen zwischen Koblenz, Baden und Zürich;
- Ausbau der S29 zwischen Turgi, Aarau, Olten und Zofingen.
Ein wesentlicher Teil der Angebotsverbesserungen war von neuen oder erweiterten Infrastrukturanlagen abhängig.[2]
Eppenbergtunnel und Vierspurausbau Olten–Aarau
Zu den wichtigsten Infrastrukturprojekten für die Entwicklung der S-Bahn Aargau gehörte der Vierspurausbau zwischen Olten und Aarau.
Die Bahnstrecke gehört zu den am stärksten belasteten Abschnitten des Schweizer Eisenbahnnetzes. Fernverkehr, Regionalverkehr und Güterzüge teilen sich hier eine zentrale Ost-West-Achse.
Kernelement des Ausbaus war der rund 3,1 Kilometer lange Eppenbergtunnel. Mit seiner Inbetriebnahme Ende 2020 standen zwischen Däniken und Aarau durchgehend vier Gleise zur Verfügung.
Dadurch konnten zusätzliche Regionalzüge verkehren. Besonders die S29 profitierte vom Ausbau.
Mit dem Fahrplan 2021 wurde das Projekt «S-Bahn Aargau 2016 ff.» im Wesentlichen abgeschlossen.[3]
Liniennetz 2026
Der offizielle SBB-Liniennetzplan für das Fahrplanjahr 2026 führt folgende S-Bahn-Linien im Aargauer Netz beziehungsweise in dessen unmittelbarem Einzugsgebiet.[1]
| Linie | Verbindung | Funktion im Aargau |
|---|---|---|
| S1 | Laufenburg/Frick–Basel SBB | Verbindung des Fricktals mit Rheinfelden und Basel |
| S6 | Baden–Zürich HB–Uetikon | Verbindung Baden–Limmattal–Zürich |
| S9 | Lenzburg–Luzern | Verbindung Seetal–Luzern |
| S11 | Aarau–Zürich HB–Winterthur–Seuzach/Wila | Hauptverbindung Aarau und Lenzburg mit Zürich |
| S11 | Basel SBB–Stein-Säckingen | Zusätzliche Verbindung im Fricktal |
| S12 | Brugg AG–Zürich HB–Winterthur–Schaffhausen/Wil | Direkte Verbindung Brugg–Baden–Zürich |
| S14 | Menziken–Aarau–Schöftland | Wynental- und Suhrentalbahn |
| S17 | Wohlen AG–Dietikon | Bremgarten-Dietikon-Bahn |
| S19 | Koblenz–Zürich HB–Pfäffikon ZH | Zeitweise Direktverbindung Unteres Aaretal–Zürich |
| S23 | Baden–Langenthal | Regionale Ost-West-Verbindung über Lenzburg, Aarau und Olten |
| S25 | Muri AG–Brugg AG | Verbindung Freiamt–Birrfeld–Brugg |
| S26 | Olten–Aarau–Rotkreuz | Verbindung Aaretal–Freiamt–Rotkreuz |
| S27 | Baden–Waldshut/Bad Zurzach | Verbindung Baden–Unteres Aaretal–Hochrhein |
| S28 | Lenzburg–Zofingen | Verbindung über Suhr |
| S29 | Turgi–Aarau–Olten–Sursee | Schnelle regionale Hauptachse durch den Kanton |
| S36 | Bülach–Waldshut | Verbindung Zürcher Unterland–Zurzibiet–Deutschland |
| S42 | Muri AG–Zürich HB | Direkte Verbindung Freiamt–Zürich |
Die doppelte Liniennummer S11 ist kein Fehler. Die Liniennummern werden innerhalb verschiedener regionaler S-Bahn-Systeme vergeben und sind schweizweit nicht zwingend eindeutig. Im Fahrplanjahr 2026 existiert daher sowohl die Zürcher S11 Aarau–Zürich–Winterthur als auch eine S11 der S-Bahn Basel zwischen Basel SBB und Stein-Säckingen.[1]
RegioExpress-Linien
Der Netzplan «S-Bahnen Aargau» enthält zusätzlich mehrere RegioExpress-Verbindungen, die gemeinsam mit den S-Bahn-Linien das regionale Bahnangebot bilden.
| Linie | Verbindung |
|---|---|
| RE6 | Baden–Lenzburg–Rotkreuz–Arth-Goldau |
| RE12 | Olten–Wettingen |
| RE24 | Olten–Luzern |
| RE37 | Aarau–Lenzburg–Zürich HB |
Die Grenzen zwischen S-Bahn und RegioExpress sind für die praktische Erschliessung des Kantons weniger bedeutend als das gesamte aufeinander abgestimmte Angebot. RegioExpress-Züge halten an weniger Stationen und stellen dadurch schnellere Verbindungen zwischen regionalen Zentren her.
S1 im Fricktal
Die S1 verbindet Laufenburg beziehungsweise Frick mit Basel SBB.
Sie bildet die zentrale Regionalverkehrsachse des Fricktals und bedient unter anderem Stein-Säckingen, Eiken, Möhlin und Rheinfelden.
Der westliche Teil des Kantons ist verkehrlich stark auf Basel ausgerichtet. Die Linie gehört deshalb zur S-Bahn Basel, erscheint gleichzeitig aber auf dem Aargauer S-Bahn-Netzplan.
Seit dem Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2025 wurde das Angebot in der Region Basel umfangreich ausgebaut. Dies wirkt sich auch auf die Anschlüsse aus dem Fricktal aus.[4]
S6 Baden–Zürich
Die S6 verbindet Baden über Wettingen und das Limmattal mit Zürich Hauptbahnhof und führt anschliessend über die rechtsufrige Zürichseebahn bis Uetikon.
Damit ist Baden direkt in das Zürcher S-Bahn-Netz eingebunden.
Die Verkehrsbeziehungen zwischen Baden, dem Limmattal und Zürich gehören zu den stärksten Pendlerachsen des Kantons.
S9 Lenzburg–Luzern
Die S9 verbindet Lenzburg über das Seetal mit Luzern.
Sie bedient unter anderem:
- Seon;
- Hallwil;
- Boniswil;
- Birrwil;
- Beinwil am See;
- Mosen;
- Hitzkirch;
- Hochdorf;
- Emmenbrücke;
- Luzern.
Damit stellt die Linie eine wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen dem zentralen Aargau und dem Kanton Luzern dar.[5]
S11 Aarau–Zürich
Die Zürcher S11 gehört zu den wichtigsten Pendlerlinien des Kantons.
Sie verbindet Aarau und Lenzburg über Dietikon mit Zürich HB und fährt anschliessend weiter über Winterthur in Richtung Seuzach beziehungsweise Wila.
Der Abschnitt Aarau–Zürich wurde schrittweise verdichtet. Zunächst bestand der Halbstundentakt nur während der Hauptverkehrszeiten.
Im Rahmen des STEP-Ausbauschritts 2025 wurde der durchgehende 30-Minuten-Takt zwischen Aarau und Zürich umgesetzt.[2]
Damit bestehen von Aarau und Lenzburg neben dem Fernverkehr zusätzliche direkte und regelmässige Verbindungen in den Grossraum Zürich.
S12 Brugg–Zürich
Die S12 beginnt in Brugg AG und führt über Baden und das Limmattal nach Zürich HB.
Von dort fährt sie weiter über Winterthur und wird in Richtung Schaffhausen beziehungsweise Wil geführt.
Für Brugg und Baden stellt die S12 eine wichtige direkte Verbindung mit dem Wirtschaftsraum Zürich dar.
Die Linie ergänzt die Fernverkehrs- und weiteren S-Bahn-Verbindungen auf dem stark ausgelasteten Korridor Baden–Dietikon–Zürich.
S14 Wynental- und Suhrentalbahn
Die S14 wird von Aargau Verkehr betrieben und unterscheidet sich technisch vom grössten Teil des Aargauer S-Bahn-Netzes.
Sie ist meterspurig und verbindet:
Menziken–Reinach–Unterkulm–Gränichen–Aarau–Muhen–Schöftland.
Die Strecke besteht historisch aus der Wynentalbahn und der Aarau-Schöftland-Bahn. Beide Äste werden heute unter der gemeinsamen Liniennummer S14 betrieben.
Aarau bildet den zentralen Verbindungspunkt.
Im Fahrplan 2026 wurde das Angebot weiter verdichtet. Von Montag bis Samstag besteht auf wichtigen Abschnitten bis spät am Abend ein Viertelstundentakt. Auch an Sonntagen wurde das Angebot ausgebaut.[6]
Die auf der S14 eingesetzten modernen Fahrzeuge verkehren auf einer Spurweite von 1000 Millimetern.[7]
S17 Bremgarten-Dietikon-Bahn
Die S17 wird ebenfalls von Aargau Verkehr betrieben.
Sie verbindet Wohlen mit Bremgarten, Berikon-Widen und Dietikon. In Dietikon bestehen zahlreiche Anschlüsse an die Zürcher S-Bahn und den Fernverkehr im Limmattal.
Die Strecke spielt insbesondere für das Freiamt und den Raum Mutschellen eine wichtige Rolle.
Wie die S14 ist auch die S17 meterspurig.
Im Fahrplan 2026 wurde der Viertelstundentakt zwischen Bremgarten West und Dietikon von Montag bis Samstag bis Betriebsschluss ausgedehnt. Auch am Sonntag verkehren während eines grossen Teils des Tages vier Züge pro Stunde.[6]
S23 Baden–Langenthal
Die S23 bildet eine lange regionale Ost-West-Verbindung.
Sie verbindet Baden über Othmarsingen, Lenzburg, Rupperswil und Aarau mit Olten und Langenthal.
Damit erschliesst sie zahlreiche kleinere und mittlere Bahnhöfe, die von den Fernverkehrszügen nicht bedient werden.
Auf dem Abschnitt Aarau–Olten ergänzt sie andere Regionalverkehrslinien und trägt zu einem dichten Zugangebot im unteren Aaretal bei.
S25 Muri–Brugg
Die S25 wurde im Rahmen des Konzepts «S-Bahn Aargau 2016 ff.» eingeführt.
Sie verbindet Muri über Wohlen, Dottikon-Dintikon, Hendschiken, Othmarsingen, Birr und Lupfig mit Brugg.
Die Linie verbessert insbesondere die Verbindungen zwischen dem Freiamt, dem Birrfeld und dem Raum Brugg.
Vor ihrer Einführung bestanden auf mehreren Relationen weniger direkte Regionalverbindungen.
S26 Olten–Aarau–Rotkreuz
Die S26 verbindet Olten über Aarau, Lenzburg und das Freiamt mit Rotkreuz.
Zu den wichtigen Zwischenstationen gehören:
- Schönenwerd;
- Aarau;
- Lenzburg;
- Hendschiken;
- Dottikon-Dintikon;
- Wohlen;
- Boswil-Bünzen;
- Muri;
- Sins;
- Rotkreuz.
Die Verlängerung der früher in Aarau endenden S26 nach Olten war Bestandteil des Ausbauprogramms «S-Bahn Aargau 2016 ff.». Gemeinsam mit anderen Regionalzügen entstand dadurch ein dichteres Angebot zwischen Aarau und Olten.[2]
S27 Baden–Waldshut
Die S27 verbindet Baden mit dem unteren Aaretal und dem Hochrhein.
Sie führt über Turgi, Siggenthal-Würenlingen, Döttingen und Koblenz nach Bad Zurzach beziehungsweise über die Rheinbrücke nach Waldshut in Deutschland.
Damit gehört sie zu den grenzüberschreitenden Regionalverkehrsverbindungen des Kantons.
Waldshut bietet Anschlüsse an die deutsche Hochrheinbahn in Richtung Basel Badischer Bahnhof, Schaffhausen und weiter nach Süddeutschland.
S28 Lenzburg–Zofingen
Die S28 verbindet Lenzburg über Hunzenschwil, Suhr und mehrere Stationen im Raum Oberentfelden und Kölliken mit Zofingen.
Sie stellt eine Querverbindung zwischen den grossen Ost-West-Bahnachsen dar.
Im Rahmen des Ausbauprogramms wurde das Angebot schrittweise zum durchgehenden Halbstundentakt erweitert.[2]
S29 Turgi–Aarau–Olten–Sursee
Die S29 gehört zu den wichtigsten Ergebnissen des Angebotsausbaus im Aargau.
Sie verbindet Turgi über Brugg, Wildegg und Aarau mit Olten und fährt weiter über Zofingen, Reiden und Sursee.
Zwischen Olten und Aarau verkehren die schnellen S29-Züge ohne Zwischenhalt. Dadurch können Zofingen und Aarau wesentlich schneller miteinander verbunden werden als mit den Regionalzügen, die alle Stationen bedienen.[3]
Die Voraussetzung für den systematischen Ausbau war die Inbetriebnahme des Vierspurausbaus Olten–Aarau mit dem Eppenbergtunnel.
Seit dem Fahrplan 2021 besteht auf der zentralen Relation Turgi–Aarau–Olten–Zofingen ein Halbstundentakt.[3]
S36 Bülach–Waldshut
Die S36 führt von Bülach über Eglisau und das Rheintal nach Waldshut.
Innerhalb des Kantons Aargau bedient sie unter anderem Kaiserstuhl, Rümikon, Mellikon, Rekingen, Bad Zurzach, Rietheim und Koblenz.
Die Strecke stellt damit eine wichtige Verbindung zwischen dem Zurzibiet und dem Zürcher Unterland her.
Der Betrieb der S36 gehört zu den Regionalverkehrsleistungen von Thurbo.
S42 Freiamt–Zürich
Die S42 verbindet Muri AG direkt mit Zürich HB.
Sie verkehrt als schnelle Direktverbindung insbesondere während nachfragestarker Zeiten und erspart Pendlerinnen und Pendlern aus dem Freiamt einen Umstieg.
Die Linie führt über Wohlen und die Verbindung Richtung Dietikon nach Zürich.
Der Ausbau dieser Direktverbindungen war ebenfalls Bestandteil des Konzepts «S-Bahn Aargau 2016 ff.».[2]
Aarau als zentraler Knoten
Bahnhof Aarau ist einer der wichtigsten Knoten der S-Bahn Aargau.
Hier treffen unter anderem S11, S14, S23, S26 und S29 sowie mehrere RegioExpress- und Fernverkehrslinien zusammen.
Aarau besitzt direkte Verbindungen nach Zürich, Olten, Basel, Bern, Lenzburg, Zofingen, Brugg, Baden, Rotkreuz sowie in das Wynen- und Suhrental.
Die Fahrpläne der regionalen Buslinien sind weitgehend auf die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Züge abgestimmt.
Der Ausbau der Bahninfrastruktur in und um Aarau ist deshalb für die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs im gesamten Kanton von besonderer Bedeutung.
Baden
Bahnhof Baden ist das wichtigste Bahnzentrum im Osten des Kantons.
Die Stadt liegt an der historischen Hauptachse Zürich–Baden–Brugg und besitzt besonders intensive Verkehrsbeziehungen zum Limmattal und nach Zürich.
Mehrere S-Bahn-Linien beginnen, enden oder halten in Baden. Dazu kommen InterRegio- und weitere Fernverkehrszüge.
Der Bahnhof ist zugleich ein zentraler Knoten des regionalen Busnetzes.
Brugg
Bahnhof Brugg AG verbindet das Aaretal, das Fricktal, das Freiamt und den Raum Zürich.
Die S12 stellt eine direkte Verbindung nach Zürich und Winterthur her. Die S25 verbindet Brugg mit dem Freiamt, während weitere Regional- und Fernverkehrszüge Verbindungen nach Baden, Aarau und Basel ermöglichen.
Auch der Busverkehr des unteren Aaretals ist stark auf den Bahnhof Brugg ausgerichtet.
Lenzburg
Bahnhof Lenzburg nimmt aufgrund seiner Lage an mehreren Bahnstrecken eine zentrale Stellung ein.
Hier treffen Verbindungen aus Aarau, Zürich, dem Seetal, Zofingen und dem Freiamt aufeinander.
Zu den Linien gehören unter anderem S9, S11, S23, S28 und verschiedene RegioExpress-Verbindungen.
Lenzburg ist damit einer der bedeutendsten Umsteigeknoten des regionalen Bahnverkehrs im Kanton.
Wohlen
Bahnhof Wohlen AG ist das Zentrum des Bahnverkehrs im Freiamt.
Hier treffen die normalspurige SBB-Strecke und die meterspurige S17 von Aargau Verkehr aufeinander.
Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach:
- Muri;
- Rotkreuz;
- Brugg;
- Lenzburg;
- Dietikon;
- Zürich.
Wohlen besitzt dadurch eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen zwei unterschiedlichen Bahnsystemen.
Zofingen
Bahnhof Zofingen ist der wichtigste Knoten im Südwesten des Kantons.
Die Stadt liegt an der Hauptstrecke Olten–Luzern und ist gleichzeitig Endpunkt der S28 aus Lenzburg.
Mit der S29 bestehen direkte Verbindungen über Olten nach Aarau, Brugg und Turgi sowie in Richtung Sursee.
Die Bahnverbindungen sind für die stark auf die Räume Olten, Aarau und Luzern ausgerichtete Region von grosser Bedeutung.
Turgi und Unteres Aaretal
Bahnhof Turgi ist ein wichtiger Verzweigungspunkt.
Hier trennt sich die Strecke durch das untere Aaretal Richtung Koblenz und Waldshut von der Hauptstrecke Baden–Brugg.
Die Linien S27 und S29 sowie weitere Regionalzüge verbinden Turgi mit Baden, Brugg, Aarau und dem Zurzibiet.
Das untere Aaretal weist aufgrund grosser Industrie- und Forschungsstandorte, darunter das Paul Scherrer Institut, erhebliche Pendlerströme auf.
Verbindung mit benachbarten S-Bahn-Systemen
Eine Besonderheit der S-Bahn Aargau ist die starke Verflechtung mit benachbarten Netzen.
Im Osten bestehen zahlreiche Linien der Zürcher S-Bahn. Im Nordwesten übernimmt die S-Bahn Basel einen wesentlichen Teil des Regionalverkehrs im Fricktal.
Im Süden bestehen direkte Verbindungen in die Netze von Luzern und Zug.
Dadurch können viele Ziele ausserhalb des Kantons ohne Umsteigen erreicht werden.
Diese Struktur entspricht der geografischen Situation des Kantons zwischen mehreren grossen Agglomerationen.
Tarifverbund A-Welle
Ein grosser Teil des öffentlichen Verkehrs im Aargau ist in den Tarifverbund A-Welle integriert.
Der Verbund umfasst den Kanton Aargau mit Ausnahme des Bezirks Rheinfelden sowie Teile des Kantons Solothurn, insbesondere die Region Olten-Gösgen-Gäu.[8]
Innerhalb der gelösten Tarifzonen können Bahn, Bus und andere einbezogene öffentliche Verkehrsmittel mit demselben Fahrausweis benutzt werden.
Für Fahrten zwischen dem Aargau und dem Zürcher Verkehrsverbund besteht zusätzlich der Z-Pass. Er kombiniert Tarifzonen von A-Welle und ZVV.
Die S-Bahn Aargau selbst ist jedoch nicht mit dem Tarifgebiet der A-Welle gleichzusetzen. Mehrere Linien reichen weit über dessen Grenzen hinaus.
Aargau Verkehr
Aargau Verkehr entstand 2018 durch den Zusammenschluss der Wynental- und Suhrentalbahn mit der BDWM Transport.
Das Unternehmen betreibt neben Buslinien zwei für die S-Bahn Aargau wichtige Schienenverbindungen:
- S14 Menziken–Aarau–Schöftland;
- S17 Wohlen–Bremgarten–Dietikon.
Beide Strecken besitzen eine Spurweite von 1000 Millimetern und unterscheiden sich damit technisch vom normalspurigen SBB-Netz.
Die Einbindung in das gemeinsame S-Bahn-System erfolgt vor allem über Fahrplan, Linienbezeichnung und Anschlüsse.
Rollmaterial
Aufgrund der unterschiedlichen Betreiber und Strecken kommt im Netz kein einheitlicher Fahrzeugtyp zum Einsatz.
Die SBB verwenden moderne elektrische Triebzüge unterschiedlicher Generationen. Niederflurtechnik, automatische Fahrgastinformation und Mehrzweckabteile gehören bei neueren Fahrzeugen zur Standardausstattung.
Thurbo erneuert seine Regionalverkehrsflotte schrittweise mit neuen FLIRT-Evo-Triebzügen.
Aargau Verkehr verwendet auf der S14 und S17 speziell für das meterspurige Netz konstruierte Fahrzeuge.
Die unterschiedlichen Fahrzeugtypen spiegeln den Charakter der S-Bahn Aargau als Zusammenschluss mehrerer regionaler Systeme wider.
Bedeutung für den Pendlerverkehr
Der Aargau gehört zu den Kantonen mit besonders starken Pendlerverflechtungen über die Kantonsgrenzen.
Viele Einwohnerinnen und Einwohner arbeiten im Grossraum Zürich, in Basel, in der Zentralschweiz oder in benachbarten Kantonen.
Gleichzeitig befinden sich im Aargau selbst bedeutende Arbeitsplatzzentren, insbesondere in Aarau, Baden, Brugg, Lenzburg und im unteren Aaretal.
Die S-Bahn übernimmt deshalb sowohl innerkantonale als auch stark ausgeprägte interkantonale Verkehrsaufgaben.
Direkte Linien reduzieren die Zahl notwendiger Umstiege und machen den Bahnverkehr insbesondere für tägliche Arbeitswege attraktiv.
Busanschlüsse
Die Bahn bildet das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs im Kanton. Ein dichtes Busnetz ergänzt die S-Bahn.
Wichtige Busknoten befinden sich unter anderem bei den Bahnhöfen:
- Aarau;
- Baden;
- Brugg;
- Lenzburg;
- Wohlen;
- Zofingen;
- Frick;
- Muri;
- Bad Zurzach.
Die Busfahrpläne werden soweit möglich auf die Bahnanschlüsse abgestimmt. In ländlichen Regionen übernehmen Buslinien die Feinerschliessung der Gemeinden zwischen den Bahnachsen.
Infrastruktur
Die S-Bahn Aargau nutzt überwiegend Strecken, die gleichzeitig vom Fern- und Güterverkehr befahren werden.
Dies betrifft insbesondere die Achsen:
- Zürich–Baden–Brugg–Aarau–Olten;
- Basel–Frick–Brugg;
- Olten–Zofingen–Luzern;
- Brugg–Turgi–Koblenz;
- Lenzburg–Wohlen–Rotkreuz.
Der gemeinsame Betrieb verschiedener Zugarten stellt hohe Anforderungen an die Infrastruktur.
Schnelle Fernverkehrszüge, haltende S-Bahnen und schwere Güterzüge benötigen unterschiedliche Fahrplantrassen. Zusätzliche S-Bahn-Verbindungen können deshalb häufig erst nach dem Ausbau von Gleisen, Bahnhöfen oder Sicherungsanlagen eingeführt werden.
STEP-Ausbauschritte
Die weitere Entwicklung der Aargauer S-Bahn ist eng mit den nationalen Bahnausbauprogrammen verbunden.
Mit dem STEP-Ausbauschritt 2025 wurde unter anderem der Ausbau des Angebots der S11 zwischen Aarau und Zürich ermöglicht.[2]
Für spätere Ausbauphasen werden weitere Taktverdichtungen, zusätzliche Kapazitäten und Verbesserungen an wichtigen Bahnknoten untersucht.
Besondere Bedeutung besitzt dabei die stark belastete Ost-West-Hauptachse durch den Kanton.
Rolle des Kantons
Der Kanton Aargau bestellt gemeinsam mit dem Bund und teilweise mit Nachbarkantonen Leistungen des regionalen Personenverkehrs.
Die Entwicklung des Angebots wird mit der Siedlungs- und Verkehrsplanung abgestimmt.
Ziel ist insbesondere, dicht besiedelte Gebiete und kantonale Entwicklungsachsen mit einem attraktiven öffentlichen Verkehr zu erschliessen.[2]
Bahnangebot und Busnetz werden dabei als zusammenhängendes System geplant.
Bedeutung
Die S-Bahn Aargau ist heute eines der wichtigsten Elemente der Verkehrsinfrastruktur des Kantons.
Ihre besondere Bedeutung liegt in der Verbindung unterschiedlicher Regionen. Sie funktioniert nicht nur als innerkantonales Nahverkehrsnetz, sondern gleichzeitig als Bindeglied zwischen mehreren grossen Schweizer Agglomerationen.
Dadurch unterscheidet sie sich von S-Bahn-Systemen, deren Linien weitgehend auf ein einziges Stadtzentrum ausgerichtet sind.
Die direkte Anbindung nach Zürich, Basel, Luzern, Winterthur, Schaffhausen und Waldshut sowie die dichte Vernetzung innerhalb des Kantons machen die S-Bahn zu einem wesentlichen Bestandteil der wirtschaftlichen und räumlichen Integration des Aargaus.
Siehe auch
- Tarifverbund A-Welle
- Aargau Verkehr
- Schweizerische Bundesbahnen
- Thurbo
- Zürcher S-Bahn
- S-Bahn Basel
- S-Bahn Luzern
- Bahnhof Aarau
- Bahnhof Baden
- Bahnhof Brugg AG
- Bahnhof Lenzburg
- Bahnhof Wohlen AG
- Bahnhof Zofingen
- Eppenbergtunnel
- Spanisch-Brötli-Bahn
Literatur
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
- Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr und Umwelt: S-Bahn Aargau 2016 ff..
- Kanton Aargau: Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr.
Weblinks
- Öffentlicher Verkehr im Kanton Aargau
- Schweizerische Bundesbahnen
- Aargau Verkehr
- Tarifverbund A-Welle
- Liniennetzplan S-Bahnen Aargau 2026
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 S-Bahnen Aargau – Liniennetzplan 2026, SBB, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Entwicklung des öffentlichen Verkehrs, Kanton Aargau, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Mehr schnelle Züge Zofingen–Olten–Aarau, Kanton Aargau, 8. Juni 2020, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ SBB Fahrplan 2026: Was wird anders, was bleibt?, SBB, 26. November 2025, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Fahrplanänderungen wegen Bauarbeiten auf der Strecke Beinwil am See–Hochdorf, SBB, 23. März 2026, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Fahrplan 2026, Aargau Verkehr, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Neuer Zug S14 – technische Angaben, Aargau Verkehr/Stadler, abgerufen am 9. August 2026.
- ↑ Tarifverbund A-Welle, SBB, abgerufen am 9. August 2026.