Bremgarten-Dietikon-Bahn

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Bremgarten-Dietikon-Bahn
Strecke Wohlen–Bremgarten–Dietikon
Kantone Aargau, Zürich
Eröffnung 1876 / 1902
Durchgehender Betrieb seit 1912
Betreiber Aargau Verkehr AG
Linie S17
Streckenlänge 18,91 km
Spurweite 1000 mm
Stromsystem 1200 V Gleichstrom
Maximale Neigung 60 ‰
Anzahl Haltestellen 20

Die Bremgarten-Dietikon-Bahn ist eine meterspurige Eisenbahnstrecke zwischen Wohlen, Bremgarten und Dietikon. Sie verbindet das aargauische Freiamt und die Region Mutschellen mit dem Zürcher Limmattal. Die 18,91 Kilometer lange Strecke wird heute von der Aargau Verkehr AG (AVA) betrieben und als Linie S17 geführt. Sie gehört sowohl zum Angebot der S-Bahn Zürich als auch der S-Bahn Aargau.

Die Bahn weist einen für die Schweiz ungewöhnlich abwechslungsreichen Streckencharakter auf. Zwischen Wohlen und Bremgarten verläuft sie weitgehend wie eine klassische Regionalbahn, während der Abschnitt über den Mutschellen und nach Dietikon teilweise einen strassenbahnähnlichen Charakter besitzt. Besonders markant sind die Überquerung der Reuss bei Bremgarten, die starken Steigungen am Mutschellen sowie der letzte Abschnitt durch das Stadtgebiet von Dietikon.

Geschichte

Wohlen-Bremgarten-Bahn

Der älteste Teil der heutigen Strecke wurde am 1. September 1876 zwischen Wohlen und Bremgarten West eröffnet. Diese Wohlen-Bremgarten-Bahn war ursprünglich normalspurig und stellte in Wohlen den Anschluss an das schweizerische Normalspurnetz her.[1]

Der damalige Bahnhof Bremgarten lag westlich der Reuss. Das eigentliche Stadtzentrum von Bremgarten befand sich auf der anderen Seite des Flusses, sodass die Eisenbahn ihre wichtigste Zielregion zunächst nicht direkt erreichte.

Bau der Bremgarten-Dietikon-Bahn

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand eine neue Bahnverbindung von Bremgarten über den Mutschellen nach Dietikon. Anders als die bestehende Strecke nach Wohlen wurde sie in Meterspur mit einer Spurweite von 1000 Millimetern gebaut und von Anfang an elektrisch betrieben.

Die Bremgarten-Dietikon-Bahn nahm 1902 ihren Betrieb zwischen Bremgarten und Dietikon auf.[1] Damit erhielt das Freiamt eine wesentlich direktere Verbindung in Richtung Zürich. Dietikon war bereits an die Hauptbahn Zürich–Baden angeschlossen und entwickelte sich dadurch zu einem wichtigen Umsteigepunkt.

Trotz der neuen Bahn bestanden zunächst zwei voneinander getrennte Strecken. Die meterspurige Bahn endete in Bremgarten östlich der Reuss, während die normalspurige Strecke aus Wohlen in Bremgarten West endete. Zwischen den beiden Bahnhöfen musste die verbleibende Distanz auf anderem Weg zurückgelegt werden.

Durchgehende Verbindung Wohlen–Dietikon

Die Bahngesellschaft vereinbarte 1910 die langfristige Nutzung der Strecke zwischen Wohlen und Bremgarten West. Diese wurde elektrifiziert und mit einer zusätzlichen Schiene ausgestattet, sodass sowohl normalspurige als auch meterspurige Fahrzeuge verkehren konnten.

Gleichzeitig wurde eine neue Eisenbahnbrücke über die Reuss gebaut. Am 8. Februar 1912 konnte dadurch der durchgehende elektrische Betrieb zwischen Wohlen und Dietikon aufgenommen werden.[2]

Die Verbindung bestand nun aus zwei historisch sehr unterschiedlichen Streckenteilen: der ehemaligen normalspurigen Bahn Wohlen–Bremgarten West und der als elektrische Schmalspurbahn gebauten Strecke Bremgarten–Dietikon.

Modernisierung

Ab den 1930er-Jahren wurde die Strecke über den Mutschellen schrittweise stärker vom Strassenverkehr getrennt. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine umfassende Modernisierung des Betriebs. Neues Rollmaterial, modernisierte Sicherungsanlagen und ausgebaute Haltestellen verwandelten die ursprünglich teilweise als Überlandstrassenbahn ausgeführte Strecke in eine leistungsfähige Vorortsbahn.

1969 wurde die Fahrleitungsspannung von ursprünglich 750 Volt auf 1200 Volt Gleichstrom erhöht.[2]

Mit der Einführung der S-Bahn Zürich im Jahr 1990 wurde die Verbindung als S17 in das Zürcher S-Bahn-Netz integriert. Gleichzeitig wurde das Angebot verdichtet und die Infrastruktur erweitert. Unter anderem entstanden neue Haltestellen und zusätzliche Kreuzungsmöglichkeiten.

1995 ging zwischen Rudolfstetten Hofacker und Berikon-Widen ein Doppelspurabschnitt in Betrieb. Zwei Jahre später wurde dieser in Richtung Belvédère verlängert.

BDWM Transport

Im Jahr 2000 fusionierte die Gesellschaft der Bremgarten-Dietikon-Bahn mit der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn zur BDWM Transport AG.[1]

Die Bezeichnung BDWM wurde in den folgenden Jahren auch im öffentlichen Erscheinungsbild der Bahn verwendet. Obwohl die ehemalige Bahnstrecke Wohlen–Meisterschwanden bereits zuvor auf Busbetrieb umgestellt worden war, blieb die Bremgarten-Dietikon-Bahn der wichtigste Bahnbetrieb des Unternehmens.

2018 fusionierte die BDWM Transport AG mit der Wynental- und Suhrentalbahn zur heutigen Aargau Verkehr AG.[1] Seither wird die S17 von Aargau Verkehr betrieben.

Strecke

Wohlen–Bremgarten West

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Wohlen, wo die meterspurigen Züge unmittelbar neben den Anlagen der normalspurigen Eisenbahn verkehren. Hier bestehen Anschlüsse an Züge in Richtung Lenzburg, Aarau, Muri und Rotkreuz.

Von Wohlen führt die Strecke zunächst über Wohlen Oberdorf und anschliessend durch überwiegend ländliches Gebiet. Im Bremgarterwald liegt die Haltestelle Erdmannlistein, die insbesondere für den Freizeitverkehr von Bedeutung ist.

Nach rund sieben Kilometern wird Bremgarten West erreicht. Dieser Abschnitt geht auf die 1876 eröffnete Wohlen-Bremgarten-Bahn zurück und besitzt deshalb trotz seiner heutigen Meterspur den Charakter einer klassischen Eisenbahnstrecke. Die Kurvenradien sind vergleichsweise gross und die Steigungen gering.

Bis 2015 war ein Teil dieses Abschnitts noch mit einem Dreischienengleis ausgestattet, das neben der Meterspur auch Normalspurfahrten ermöglichte. Der reguläre Güterverkehr hatte jedoch stark an Bedeutung verloren. Nach der Einstellung des verbliebenen Normalspurbetriebs wurden die entsprechenden Schienen 2016 entfernt.

Der Abschnitt Wohlen–Bremgarten West wurde anschliessend umfassend erneuert.

Bremgarten und Reussbrücke

Unmittelbar nach Bremgarten West verändert sich der Charakter der Strecke deutlich. Die Bahn führt durch enge Kurven in Richtung Reuss.

Die Reussbrücke Bremgarten ist eines der auffälligsten Bauwerke der Strecke. Die rund 156 Meter lange Brücke ermöglicht die direkte Verbindung zwischen dem westlich der Reuss gelegenen Streckenteil nach Wohlen und der Innenstadt von Bremgarten.

Auf der östlichen Flussseite liegen die Haltestellen Bremgarten Obertor und der Bahnhof Bremgarten. Letzterer ist der betriebliche Mittelpunkt der Strecke. In unmittelbarer Nähe befinden sich Depot- und Werkstattanlagen von Aargau Verkehr.

Bremgarten besitzt insgesamt mehrere Haltestellen und wird dadurch innerhalb des Stadtgebiets vergleichsweise fein erschlossen.

Bremgarten–Mutschellen

Östlich von Bremgarten beginnt der steile Aufstieg zum Mutschellen. Die Strecke folgt über längere Abschnitte der Hauptstrasse und erschliesst unter anderem Zufikon, Widen und Berikon.

In diesem Abschnitt erreicht die Bahn Steigungen von bis zu rund 60 Promille. Die Station Berikon-Widen liegt nahe dem höchsten Punkt der Strecke auf dem Mutschellen.

Zwischen Belvédère, Berikon-Widen und Rudolfstetten Hofacker steht ein längerer Doppelspurabschnitt zur Verfügung. Er erleichtert die Zugkreuzungen und ermöglicht den dichten Fahrplan der S17.

Mutschellen–Dietikon

Nach dem Scheitelpunkt führt die Strecke über Rudolfstetten hinunter ins Limmattal. Bei Reppischhof wird die Kantonsgrenze zwischen Aargau und Zürich überquert.

Im Stadtgebiet von Dietikon folgen die Haltestellen Stoffelbach, Bergfrieden und Schöneggstrasse. Der letzte Abschnitt besitzt teilweise deutlichen Strassenbahncharakter.

Endpunkt ist der Bahnhof Dietikon. Die meterspurigen Gleise befinden sich unmittelbar neben den Anlagen der SBB. Dadurch bestehen kurze Umsteigewege zu den normalspurigen Bahnlinien des Limmattals.

Seit der vollständigen Eröffnung der Limmattalbahn im Dezember 2022 besteht in Dietikon zusätzlich eine direkte Verbindung zur meterspurigen Stadt- und Regionalbahn zwischen Zürich Altstetten und Killwangen. Beide Bahnen benutzen im Bereich Dietikon teilweise dieselbe Gleisinfrastruktur.

Haltestellen

Die regulär bediente Strecke umfasst 20 Bahnhöfe und Haltestellen.[3]

Nr. Bahnhof oder Haltestelle Gemeinde Kanton
1 Wohlen AG Wohlen Aargau
2 Wohlen Oberdorf Wohlen Aargau
3 Erdmannlistein Wohlen Aargau
4 Bremgarten West Bremgarten Aargau
5 Bremgarten Isenlauf Bremgarten Aargau
6 Bremgarten Obertor Bremgarten Aargau
7 Bremgarten Bremgarten Aargau
8 Bibenlos-Sonnenhof Bremgarten Aargau
9 Zufikon Zufikon Aargau
10 Zufikon Hammergut Zufikon Aargau
11 Widen Heinrüti Widen Aargau
12 Zufikon Belvédère Zufikon Aargau
13 Berikon-Widen Berikon / Widen Aargau
14 Rudolfstetten Hofacker Rudolfstetten-Friedlisberg Aargau
15 Rudolfstetten Rudolfstetten-Friedlisberg Aargau
16 Reppischhof Dietikon Zürich
17 Dietikon Stoffelbach Dietikon Zürich
18 Dietikon Bergfrieden Dietikon Zürich
19 Dietikon Schöneggstrasse Dietikon Zürich
20 Dietikon Dietikon Zürich

Betrieb

Die Bremgarten-Dietikon-Bahn wird im Personenverkehr als S17 betrieben.

Die Grundverbindung führt von Dietikon über Bremgarten nach Wohlen. Zwischen Dietikon und Bremgarten West besteht ein dichteres Angebot als auf dem westlichen Abschnitt nach Wohlen. Die Züge nach Wohlen verkehren üblicherweise im Halbstundentakt.

Mit dem Fahrplan 2026 wurde das Angebot zwischen Dietikon und Bremgarten West weiter ausgebaut. Von Montag bis Samstag besteht der Viertelstundentakt bis Betriebsschluss. Sonntags wurde der Viertelstundentakt zunächst am Nachmittag zwischen 12 und 20 Uhr eingeführt.[4]

Die S17 hat eine wichtige Funktion im Pendlerverkehr zwischen dem Freiamt und dem Raum Zürich. Insbesondere die Gemeinden am Mutschellen erhalten über Dietikon schnelle Anschlüsse in Richtung Zürich.

In Wohlen bestehen Anschlüsse an das normalspurige Bahnnetz, insbesondere in Richtung Lenzburg, Aarau, Muri und Rotkreuz. In Dietikon bestehen Anschlüsse an mehrere Linien der Zürcher S-Bahn sowie an die Limmattalbahn.

Fahrzeuge

Den regulären Personenverkehr prägen die niederflurigen Triebzüge des Typs ABe 4/8 «Diamant». Insgesamt wurden 14 Fahrzeuge mit den Betriebsnummern 5001 bis 5014 beschafft. Die Züge wurden 2010 und 2011 in Dienst gestellt und von Stadler Rail hergestellt.[5]

Die Bezeichnung «Diamant» steht für «Dynamischer, innovativer, attraktiver, moderner und agiler Nahverkehrstriebzug». Die Fahrzeuge ermöglichen einen weitgehend stufenlosen Einstieg und sind für den dichten Vorortsverkehr ausgelegt.

Zuvor prägten verschiedene Generationen elektrischer Triebwagen die Strecke. Besonders charakteristisch waren die ab 1969 eingesetzten orange-weissen Doppeltriebwagen der Reihe BDe 8/8. Diese Fahrzeuge bestimmten während Jahrzehnten das Erscheinungsbild der Bremgarten-Dietikon-Bahn und wurden mit der Einführung der Diamant-Züge weitgehend aus dem regulären Betrieb genommen.

Einzelne historische Fahrzeuge blieben für Sonderfahrten erhalten.

Infrastruktur

Die gesamte Strecke besitzt heute eine Spurweite von 1000 Millimetern. Die Fahrleitung wird mit 1200 Volt Gleichspannung gespeist.

Die maximale Neigung beträgt etwa 60 Promille. Besonders anspruchsvoll ist der Streckenabschnitt zwischen Bremgarten und dem Mutschellen, während die ehemalige normalspurige Strecke zwischen Wohlen und Bremgarten West wesentlich grosszügigere Radien und geringere Steigungen aufweist.

Seit 2009 ist die Strecke mit dem Zugbeeinflussungssystem ZSI-127 ausgerüstet.

Die Strecke ist überwiegend eingleisig. Kreuzungsstellen an verschiedenen Bahnhöfen sowie der Doppelspurabschnitt im Raum Berikon–Rudolfstetten ermöglichen jedoch einen dichten Fahrplan.

Bedeutung

Die Bremgarten-Dietikon-Bahn erfüllt mehrere Verkehrsaufgaben. Sie dient einerseits dem regionalen Verkehr innerhalb des Bezirks Bremgarten und verbindet Wohlen, Bremgarten und die Gemeinden am Mutschellen miteinander. Andererseits ist sie eine wichtige Zubringerlinie zum Zürcher S-Bahn-Netz.

Besonders für Berikon, Widen, Rudolfstetten und Zufikon bietet die Bahn eine direkte Verbindung nach Dietikon und damit kurze Anschlüsse nach Zürich. Gleichzeitig verbindet sie diese Gemeinden mit dem regionalen Zentrum Bremgarten und dem Eisenbahnknoten Wohlen.

Die Strecke besitzt darüber hinaus eine besondere eisenbahngeschichtliche Bedeutung. Auf weniger als 19 Kilometern vereint sie Merkmale einer ehemaligen normalspurigen Nebenbahn, einer elektrischen Überlandbahn, einer Vorortsbahn und einer Strassenbahn.

Tarifverbünde

Die Bahn überschreitet zwischen Rudolfstetten und Dietikon die Kantonsgrenze zwischen Aargau und Zürich.

Der aargauische Teil der Strecke ist in den Tarifverbund A-Welle eingebunden. Für den Zürcher Streckenabschnitt gelten die Bestimmungen des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV). Für Fahrten über die Verbundgrenze hinweg gelten die entsprechenden verbundübergreifenden Tarife.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Wir stellen uns vor – Aargau Verkehr. Hrsg.: Aargau Verkehr AG. Abgerufen am 2026-08-25.
  2. 2,0 2,1 Bremgarten-Dietikon-Bahn. In: Wikipedia. Abgerufen am 2026-08-25.
  3. Aargau Verkehr – Angebote und Linien. Hrsg.: Aargau Verkehr AG. Abgerufen am 2026-08-25.
  4. Fahrplanangebot 2026 von Aargau Verkehr. Hrsg.: Aargau Verkehr AG. 2025-11-27. Abgerufen am 2026-08-25.
  5. Bremgarten-Dietikon-Bahn – Rollmaterial. In: Wikipedia. Abgerufen am 2026-08-25.