Baar ZG

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Baar
Wappen Wappen von Baar
Staat Schweiz
Kanton Zug
Bezirk keine Bezirkseinteilung
BFS-Nummer 1701
Postleitzahlen 6319 Allenwinden
6340–6342 Baar
Koordinaten 47,196° N, 8,529° E
Höhe 444 m ü. M.
Fläche 24,78 km²
Einwohner 25'004 (31. Dezember 2025)
Einwohnerbezeichnung Baarerin, Baarer
Ortsteile Baar, Allenwinden, Blickensdorf, Deinikon, Inwil, Sihlbrugg
Website www.baar.ch

Baar ist eine politische Gemeinde im Kanton Zug in der Schweiz. Sie liegt nördlich der Stadt Zug im Tal der Lorze und ist nach Zug die bevölkerungsreichste Gemeinde des Kantons. Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort Baar unter anderem die Ortsteile Allenwinden, Blickensdorf, Deinikon, Inwil und Teile von Sihlbrugg.

Baar entwickelte sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts von einer industriell und landwirtschaftlich geprägten Ortschaft zu einem bedeutenden Wohn- und Wirtschaftsstandort innerhalb der Agglomeration Zug. Die Gemeinde weist sowohl dicht bebaute Wohn- und Gewerbegebiete als auch ausgedehnte Wälder, Landwirtschaftsflächen und naturnahe Landschaften entlang der Lorze auf.

Ende 2025 hatte Baar eine ständige Wohnbevölkerung von 25'004 Personen. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Einwohnerzahl um rund zwei Prozent zu.[1]

Geographie

Baar liegt im nördlichen Teil des Kantons Zug zwischen dem Zugerseebecken und dem Übergang zum Kanton Zürich. Das historische Dorfzentrum befindet sich auf etwa 444 Metern über Meer. Das Gemeindegebiet umfasst 2478 Hektaren beziehungsweise 24,78 Quadratkilometer und gehört damit zu den flächenmässig grösseren Gemeinden des Kantons Zug.[2]

Die Gemeinde wird von der Lorze durchflossen. Der Fluss kommt aus dem Ägerisee, durchquert das tief eingeschnittene Lorzentobel und erreicht bei Baar das flachere Talgebiet. Anschliessend fliesst er in Richtung Cham und mündet in den Zugersee. Im Laufe der Geschichte war die Wasserkraft der Lorze für den Betrieb von Mühlen und später für industrielle Anlagen von grosser Bedeutung.

Der Hauptort Baar ist heute baulich weitgehend mit der südlich gelegenen Stadt Zug sowie mit dem Ortsteil Inwil verbunden. Zwischen Baar und den westlich gelegenen Gemeinden Steinhausen und Cham bestehen ebenfalls eng verflochtene Siedlungs- und Verkehrsräume.

Im Osten steigt das Gemeindegebiet in Richtung Allenwinden, Zugerberg und Ägeri an. Nördlich des Hauptortes erhebt sich die bewaldete Baarburg, ein markanter Hügel mit prähistorischen Siedlungsspuren. Im Nordosten reicht das Gemeindegebiet bis in die Landschaft von Sihlbrugg und an die Grenze zum Kanton Zürich.

Ortsteile

Der Hauptort Baar bildet das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Gemeinde. Er umfasst das historische Dorfzentrum rund um die Pfarrkirche St. Martin sowie zahlreiche neuere Wohn- und Gewerbequartiere.

Allenwinden liegt südöstlich des Hauptortes auf einer Anhöhe am Übergang zum Zugerberg. Der Ortsteil besitzt eine eigene katholische Kirche, ein Schulhaus und verschiedene lokale Einrichtungen. Trotz der baulichen Entwicklung hat Allenwinden einen dörflichen Charakter bewahrt.

Blickensdorf liegt westlich des Hauptortes in Richtung Steinhausen und Knonaueramt. Der Ort wurde bereits im Mittelalter erwähnt und weist einen historischen Dorfkern auf. Seit dem 20. Jahrhundert entstanden rund um den alten Siedlungskern zahlreiche Wohnbauten.

Inwil befindet sich zwischen Baar und der Stadt Zug. Der Ortsteil ist heute weitgehend in den zusammenhängenden Siedlungsraum der Agglomeration integriert. Die historische Siedlung wurde 1279 als Ingwile erwähnt.[3]

Deinikon liegt westlich des Baarer Zentrums. Der früher vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Ortsteil wurde im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts durch Wohn-, Gewerbe- und Infrastrukturbauten erweitert.

Sihlbrugg liegt im nördlichen Gemeindegebiet an der Sihl. Das Gebiet ist ein historisch bedeutender Verkehrsknoten am Übergang zwischen dem Kanton Zug, dem Knonaueramt und dem Raum Horgen. Der Name Sihlbrugg bezeichnet ein Siedlungs- und Gewerbegebiet, das sich über mehrere Gemeinde- und Kantonsgrenzen erstreckt.

Geschichte

Frühgeschichte und Antike

Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet der heutigen Gemeinde bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Eine besondere Bedeutung besitzt die Baarburg. Der von steilen Hängen geschützte Hügel bot günstige Voraussetzungen für eine befestigte Siedlung.

Auf der Baarburg wurden Spuren aus verschiedenen Epochen entdeckt. Sie reichen von der Bronze- und Eisenzeit bis in die römische und frühmittelalterliche Zeit. Die Lage ermöglichte die Kontrolle über Verkehrswege zwischen dem Mittelland, dem Zugerseegebiet und der Zentralschweiz.

Auch im übrigen Gemeindegebiet wurden Funde aus römischer Zeit gemacht. Das Gebiet lag in der Nähe von Verkehrsverbindungen, welche die Siedlungsräume am Zürich- und Zugersee miteinander verbanden. Eine durchgehende Siedlungskontinuität für sämtliche Ortsteile lässt sich jedoch nicht nachweisen.

Mittelalter

Baar wurde 1045 erstmals urkundlich als Barra erwähnt.[4] Die Herkunft des Ortsnamens ist nicht abschliessend geklärt. In der historischen Forschung werden sowohl keltische als auch althochdeutsche Ursprünge diskutiert.

Im Hochmittelalter bestanden im Gebiet von Baar verschiedene grundherrschaftliche Rechte. Zu den bedeutenden Grundbesitzern gehörten das Kloster Kappel, das Kloster Muri und weitere geistliche Institutionen. Daneben besassen adelige Familien und die Habsburger Herrschafts- und Gerichtsrechte.

Die Pfarrkirche St. Martin bildete den Mittelpunkt einer grossen mittelalterlichen Pfarrei. Zu ihrem Einzugsgebiet gehörten zeitweise auch umliegende Siedlungen. Der Kirchenbezirk und die angrenzenden Höfe bildeten den Kern des späteren Dorfes.

Baar war aufgrund seiner Lage an den Verbindungen zwischen Zürich, Zug und der Innerschweiz wiederholt von kriegerischen Ereignissen betroffen. Während des Alten Zürichkriegs kam es 1443 zu einem Einfall in das Gemeindegebiet. Im Zweiten Kappelerkrieg von 1531 lag Baar ebenfalls im Bereich der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den reformierten Zürchern und den katholischen Orten der Innerschweiz.[4]

«Alt fry Baar»

Im Jahr 1526 erwarben die Baarer von der Abtei Kappel verschiedene Rechte und Besitzungen. Dieses Ereignis gilt in der lokalen Geschichtstradition als wichtiger Schritt zur grösseren Selbständigkeit der Gemeinde und wird mit der Bezeichnung «alt fry Baar» verbunden.

Die Einwohnergemeinde erinnerte 2026 mit Veranstaltungen an das 500-jährige Jubiläum dieses historischen Vorgangs. Die Formel «alt fry Baar» ist bis heute Bestandteil der lokalen Identität und wird bei politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Anlässen verwendet.

Nach der Reformation blieb Baar wie der übrige Stand Zug katholisch. Die nahe Grenze zum reformierten Zürich führte jedoch zu engen wirtschaftlichen Beziehungen und zugleich zu konfessionellen Spannungen, insbesondere während der Kappelerkriege und der späteren konfessionellen Konflikte.

Frühe Neuzeit

In der Frühen Neuzeit bildeten Landwirtschaft, Viehzucht, Waldwirtschaft und handwerkliche Betriebe die wirtschaftliche Grundlage. Die Lorze trieb mehrere Mühlen, Sägen und andere wasserbetriebene Anlagen an.

Die politische Organisation beruhte auf der Gemeindeversammlung und den traditionellen Korporationen. Neben der heutigen Einwohnergemeinde bestehen in Baar weiterhin eine Bürgergemeinde sowie Korporationen, die historische gemeinschaftliche Vermögen und Aufgaben verwalten.

Baar gehörte innerhalb des alten Standes Zug zum sogenannten Äusseren Amt. Die Bewohner waren an den politischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Zug und den Landgemeinden beteiligt. Mit der Helvetischen Republik von 1798 wurden die bisherigen Herrschaftsstrukturen vorübergehend aufgehoben.

Nach der Mediationsakte von 1803 und der kantonalen Neuordnung entwickelte sich Baar zur modernen politischen Gemeinde. Die Gemeindeversammlung blieb das zentrale Organ der direkten kommunalen Demokratie.

Industrialisierung

Die Industrialisierung setzte in Baar im 19. Jahrhundert ein. Entscheidende Standortvorteile waren die Wasserkraft der Lorze, verfügbare Arbeitskräfte und die Lage an den Verkehrswegen zwischen Zürich und Zug.

Entlang des Flusses entstanden Spinnereien, Webereien, Papierfabriken und weitere Industriebetriebe. Die Textilindustrie prägte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben über Jahrzehnte. Fabrikbauten, Arbeiterhäuser und Kanalanlagen veränderten das Landschafts- und Ortsbild.

Die Eröffnung der Bahnstrecke zwischen Zürich und Zug im Jahr 1864 verbesserte die Verkehrsverbindungen wesentlich. Baar erhielt einen Bahnhof und wurde stärker in die Wirtschaftsregionen Zürich und Zentralschweiz eingebunden.

1862 wurde die Brauerei Baar gegründet. Sie entwickelte sich zu einem bekannten lokalen Unternehmen und ist eine der wenigen bis heute unabhängigen Brauereien der Schweiz. Ihre Produkte werden vor allem in der Zentralschweiz vertrieben.

Mit der Industrialisierung nahm die Bevölkerung zu. Arbeiterinnen und Arbeiter aus anderen Teilen der Schweiz und aus dem Ausland liessen sich in der Gemeinde nieder. Neben dem historischen Dorfkern entstanden neue Wohnquartiere und öffentliche Einrichtungen.

20. und 21. Jahrhundert

Während des 20. Jahrhunderts verlor die traditionelle Textilindustrie schrittweise an Bedeutung. An ihre Stelle traten vielfältige Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Ehemalige Industrieareale wurden teilweise umgenutzt oder neu überbaut.

Seit den 1950er-Jahren wuchs Baar stark. Die Nähe zur Stadt Zug, gute Verkehrsverbindungen und die wirtschaftliche Entwicklung des Kantons machten die Gemeinde zu einem begehrten Wohn- und Unternehmensstandort. Die Siedlungsflächen von Baar, Inwil und Zug rückten zunehmend zusammen.

Das Wachstum führte zum Ausbau von Schulen, Sportanlagen, Strassen und öffentlichen Diensten. Gleichzeitig bemühte sich die Gemeinde, historische Gebäude, Landschaftsräume und Naherholungsgebiete zu bewahren.

Zwischen 1981 und 2025 nahm die Bevölkerung der Gemeinde erheblich zu. Allein zwischen 2024 und 2025 verzeichnete Baar mit rund zwei Prozent eines der stärksten relativen Bevölkerungswachstümer unter den Zuger Gemeinden.[1]

Bevölkerung

Ende 2025 lebten 25'004 Personen mit ständigem Wohnsitz in Baar. Damit war Baar nach der Stadt Zug die zweitgrösste Gemeinde des Kantons.[5]

Das Bevölkerungswachstum ist vor allem auf Zuzüge aus anderen Kantonen und aus dem Ausland zurückzuführen. Baar ist Teil des international geprägten Wirtschaftsraums Zug und weist eine entsprechend vielfältige Bevölkerung auf.

Die Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend Schweizerdeutsch gesprochen, insbesondere eine zugerische Variante des Hochalemannischen. Aufgrund der internationalen Bevölkerung sind auch Englisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch und zahlreiche weitere Sprachen verbreitet.

Die römisch-katholische Kirche war historisch die dominierende Religionsgemeinschaft. Durch Zuwanderung und gesellschaftlichen Wandel nahm die konfessionelle Vielfalt zu. Neben der katholischen und der reformierten Kirche bestehen freikirchliche, orthodoxe, muslimische und weitere religiöse Gemeinschaften. Gleichzeitig wächst der Anteil der konfessionslosen Bevölkerung.

Politik

Baar ist eine politische Gemeinde nach dem Recht des Kantons Zug. Die Stimmberechtigten entscheiden an der Gemeindeversammlung über Budget, Rechnung, Reglemente, Bauvorhaben und weitere kommunale Geschäfte. Bei bestimmten Vorlagen findet eine Urnenabstimmung statt.

Die Exekutive bildet der Gemeinderat. Er leitet die Gemeindeverwaltung und ist für die Umsetzung der Beschlüsse der Gemeindeversammlung sowie für die laufenden Geschäfte zuständig. Die Mitglieder des Gemeinderats werden von den Stimmberechtigten gewählt.

Baar bildet einen eigenen Wahlkreis für den Kantonsrat des Kantons Zug. Für die Amtsperiode nach den Wahlen von 2026 stehen der Gemeinde 15 der insgesamt 80 Kantonsratsmandate zu.[5]

Die kommunale Politik wird insbesondere von der Mitte, der FDP.Die Liberalen, der SVP, der SP, den Grünliberalen und den Grünen geprägt. Die politischen Kräfteverhältnisse können sich je nach Wahl und Sachfrage unterscheiden.

Auf dem Gebiet der Gemeinde bestehen mehrere öffentlich-rechtliche Körperschaften. Dazu gehören neben der Einwohnergemeinde die Bürgergemeinde, die katholische Kirchgemeinde, die reformierte Kirchgemeinde sowie verschiedene Korporationen.

Wappen

Das Wappen von Baar zeigt in Silber einen schwarzen, nach rechts schreitenden Bären. Der Bär ist ein redendes Wappenbild, da die ältere Form des Ortsnamens mit dem Tiernamen in Verbindung gebracht wurde.

Das Motiv ist seit Jahrhunderten überliefert und erscheint in unterschiedlichen historischen Darstellungen. Der Baarer Bär wird auch ausserhalb des Gemeindewappens als lokales Symbol verwendet.

Wirtschaft

Baar ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort im Kanton Zug. Die Gemeinde verfügt über eine breite Mischung aus Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben. Zahlreiche Unternehmen sind in den Bereichen Handel, Rohstoffe, Finanzdienstleistungen, Unternehmensberatung, Informationstechnik, Pharma, Medizintechnik und Logistik tätig.

Ein wichtiger Standortfaktor ist die Nähe zur Stadt Zug und zum Wirtschaftsraum Zürich. Hinzu kommen gute Verkehrsverbindungen, die zentrale Lage innerhalb der Schweiz und die im internationalen Vergleich niedrige Steuerbelastung des Kantons und der Gemeinde.

Der Steuerfuss der Einwohnergemeinde Baar gehört zu den tiefsten im Kanton Zug. Im Jahr 2026 betrug er rund 47,53 Prozent der einfachen kantonalen Steuer.[6]

Zu den bekannten Unternehmen mit Sitz oder bedeutender Niederlassung in Baar gehören international tätige Rohstoff-, Handels- und Industriekonzerne. Das Gemeindegebiet beherbergt ausserdem zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen.

Die traditionellen Industrien entlang der Lorze haben ihre frühere Bedeutung weitgehend verloren. Einzelne historische Industriegebäude und Anlagen sind jedoch erhalten geblieben und werden teilweise für Gewerbe, Wohnen oder kulturelle Zwecke genutzt.

Die Landwirtschaft spielt flächenmässig weiterhin eine Rolle, besonders in den höher gelegenen und nördlichen Teilen der Gemeinde. Betriebe bewirtschaften Grünland, Ackerflächen und Wälder. Die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen ist im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung jedoch gering.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Baar liegt an der Bahnstrecke Zürich–Zug. Er wird von Zügen der S-Bahn Zürich und der Stadtbahn Zug bedient. Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach Zug, Zürich, Thalwil, Luzern und in weitere Orte der Region.

Der Bahnhof bildet einen wichtigen Umsteigepunkt zwischen Bahn und Bus. Seine zentrale Lage erleichtert den Zugang zum Dorfzentrum, zu Wohnquartieren und zu den Gewerbegebieten.

Im südlichen Gemeindegebiet liegt die Haltestelle Baar Neufeld. Sie erschliesst insbesondere Inwil und angrenzende Quartiere. Weitere Bahnverbindungen führen über Zug und Thalwil in das nationale Eisenbahnnetz.

Die frühere Bahnlinie von Zug über Baar und Sihlbrugg nach Thalwil wurde durch den Ausbau des Bahnnetzes mehrfach verändert. Sihlbrugg war zeitweise ein wichtiger Eisenbahnknoten, verlor diese Funktion jedoch weitgehend.

Busverkehr

Baar wird durch mehrere Linien der Zugerland Verkehrsbetriebe erschlossen. Busverbindungen führen unter anderem nach Zug, Steinhausen, Allenwinden, Menzingen, Neuheim und in weitere Gemeinden des Kantons.

Der Busbahnhof beim Bahnhof Baar ist der zentrale Knoten des lokalen öffentlichen Verkehrs. Innerhalb der Gemeinde verbinden Buslinien die verschiedenen Ortsteile und Quartiere.

Strassenverkehr

Baar liegt an wichtigen Strassenverbindungen zwischen Zug, Zürich, Ägeri und Sihlbrugg. Die Autobahn A14 führt westlich des Zentrums durch das Gemeindegebiet und verbindet den Raum Zug mit der A4.

Mehrere Autobahnanschlüsse erschliessen die Gemeinde und die angrenzenden Gewerbegebiete. Die starke Bevölkerungs- und Arbeitsplatzentwicklung führt insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten zu einer hohen Belastung des Strassennetzes.

Die Kantonsstrasse durch das Zentrum war historisch die wichtigste Verbindung zwischen Zug und Zürich. Umfahrungen und Autobahnen entlasteten den Ortskern teilweise, dennoch bleibt die Verkehrsplanung eine bedeutende kommunale Aufgabe.

Fuss- und Veloverkehr

Baar verfügt über ein Netz von Fuss- und Velowegen. Besonders beliebt sind Wege entlang der Lorze, durch das Lorzentobel und in Richtung Zugerberg, Baarburg und Sihlbrugg.

Die Gemeinde und der Kanton bauen Veloverbindungen zwischen Baar, Zug, Steinhausen und den umliegenden Gemeinden aus. Ziel ist es, den Alltagsverkehr mit dem Velo zu fördern und gefährliche Abschnitte zu verbessern.

Bildung

Die Gemeinde Baar führt mehrere Kindergärten, Primarschulhäuser und Schulen der Sekundarstufe I. Schulstandorte befinden sich im Hauptort sowie in verschiedenen Ortsteilen und Quartieren.

Zu den kommunalen Bildungsangeboten gehören die Musikschule Baar, die Bibliothek und Ludothek sowie Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Die Schulen sind aufgrund des Bevölkerungswachstums wiederholt erweitert oder neu gebaut worden.

Weiterführende Schulen und Berufsfachschulen befinden sich insbesondere in der Stadt Zug. Hochschulen in Luzern und Zürich sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

In Baar befindet sich ausserdem das Heilpädagogische Schul- und Beratungszentrum Sonnenberg. Die Einrichtung bietet Bildungs-, Förder- und Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen.

Religion

Katholische Kirche

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Martin steht im historischen Zentrum von Baar. Ihre Ursprünge reichen ins Mittelalter zurück. Der heutige Bau wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert und erweitert.

Zur katholischen Kirchgemeinde gehören weitere Kirchen und Kapellen, darunter die Kirche St. Thomas in Inwil und die Kirche St. Wendelin in Allenwinden. Die zahlreichen Kapellen im Gemeindegebiet erinnern an die traditionell katholische Prägung des Kantons Zug.

Reformierte Kirche

Die reformierte Bevölkerung nahm vor allem durch die Industrialisierung und den Zuzug aus protestantisch geprägten Kantonen zu. Die reformierte Kirche Baar dient als Gottesdienst- und Gemeindezentrum.

Heute arbeiten die Landeskirchen in sozialen, kulturellen und ökumenischen Projekten zusammen. Daneben bestehen weitere christliche und nichtchristliche Religionsgemeinschaften.

Kultur

Das kulturelle Leben wird von Vereinen, Musikgesellschaften, Theatergruppen, Kirchen, privaten Veranstaltern und der Gemeinde getragen. Baar verfügt über ein ausgeprägtes Vereinswesen mit Sport-, Musik-, Kultur-, Jugend- und Brauchtumsvereinen.

Die Rathus-Schüür ist ein kommunaler Veranstaltungsort in der Nähe des Rathauses. Sie bietet ein Programm mit Theater, Musik, Kabarett, Lesungen und weiteren kulturellen Veranstaltungen.

Die Bibliothek Baar stellt Bücher, Zeitschriften und digitale Medien zur Verfügung. Mit der Ludothek ist sie eine wichtige Bildungs- und Freizeiteinrichtung für Familien.

Zu den regelmässigen Veranstaltungen gehören Märkte, Konzerte, Fasnachtsanlässe und Dorffeste. Der Baarer Samschtig-Märt findet während eines Teils des Jahres jeweils am Samstagvormittag statt.

Fasnacht

Die Fasnacht besitzt in Baar wie in vielen Gemeinden der Zentralschweiz eine grosse Bedeutung. Guggenmusiken, Maskengruppen und Vereine organisieren Umzüge, Bälle und weitere Veranstaltungen.

Eine bekannte Figur der Baarer Fasnacht ist die Räbefasnacht. Der Begriff verweist auf die Räbe, die in der regionalen Volkskultur unter anderem für Laternen und Dekorationen verwendet wird.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Martin

Die katholische Pfarrkirche St. Martin prägt das historische Ortszentrum. Der Bau enthält Bestandteile aus verschiedenen Epochen und bildet zusammen mit dem Friedhof und benachbarten historischen Gebäuden ein bedeutendes Ensemble.

Baarburg

Die Baarburg ist ein bewaldeter Hügel nördlich des Dorfes. Wegen ihrer archäologischen Funde gehört sie zu den wichtigsten frühgeschichtlichen Fundstellen des Kantons Zug.

Wanderwege führen auf und um die Baarburg. Der Hügel ist zugleich ein Naherholungsgebiet und ein bedeutender Naturraum.

Lorzentobel

Das Lorzentobel liegt östlich von Baar zwischen dem Ägerital und dem Zugerseegebiet. Die Lorze hat sich dort tief in die Landschaft eingeschnitten.

Durch das Tobel führen historische und moderne Verkehrswege. Besonders bekannt sind die verschiedenen Lorzentobelbrücken, welche die Entwicklung des Strassenbaus vom 18. bis zum 20. Jahrhundert veranschaulichen.

Höllgrotten

Die Höllgrotten sind Tropfsteinhöhlen im Lorzentobel. Sie entstanden im vergleichsweise jungen Kalktuff und wurden im 19. Jahrhundert entdeckt.

Die Höhlen sind touristisch erschlossen und können während der Öffnungssaison besichtigt werden. Beleuchtete Gänge führen an Tropfsteinformationen, kleinen Seen und unterirdischen Räumen vorbei.

Industrieanlagen an der Lorze

Entlang der Lorze sind ehemalige Fabrikgebäude, Kanäle und weitere Spuren der Industrialisierung erhalten. Sie erinnern an die Bedeutung der Wasserkraft und der Textilindustrie für die Entwicklung Baars.

Einige Bauten wurden umgenutzt, während andere weiterhin gewerblichen Zwecken dienen. Die Industriegeschichte ist ein wichtiger Bestandteil des lokalen Kulturerbes.

Brauerei Baar

Die 1862 gegründete Brauerei Baar ist ein traditionsreiches Unternehmen und ein Wahrzeichen der Gemeinde. Sie produziert verschiedene Biersorten für den regionalen Markt.

Das Unternehmen blieb trotz der Konzentration des Schweizer Brauereimarktes selbständig. Die Brauerei ist eng mit dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Gemeinde verbunden.

Natur und Erholung

Der Lauf der Lorze bildet eine wichtige Grün- und Erholungsachse. Spazier- und Velowege verbinden das Zentrum mit dem Lorzentobel, der Baarburg und den benachbarten Gemeinden.

Die Wälder im östlichen und nördlichen Gemeindegebiet dienen der Holzproduktion, dem Schutz der Landschaft und der Erholung. Sie bieten Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Allenwinden und die höher gelegenen Gebiete sind Ausgangspunkte für Wanderungen auf den Zugerberg und in Richtung Ägeri. Von verschiedenen Stellen bestehen Ausblicke über das Zugerseegebiet und das Mittelland.

Die Gemeinde setzt Massnahmen zur ökologischen Aufwertung von Bächen, Waldrändern, Hecken und Siedlungsräumen um. Gleichzeitig stehen naturnahe Flächen aufgrund des Siedlungs- und Verkehrswachstums unter Druck.

Sport

In Baar bestehen zahlreiche Sportvereine. Angeboten werden unter anderem Fussball, Leichtathletik, Turnen, Tennis, Unihockey, Kampfsport und Wintersport.

Das Sportzentrum Lättich umfasst ein Hallen- und Freibad sowie weitere Sportanlagen. Es dient Schulen, Vereinen und der Bevölkerung der gesamten Region.

Der FC Baar gehört zu den bekannten Sportvereinen der Gemeinde. Daneben bestehen Turnvereine und weitere Organisationen mit einer langen lokalen Tradition.

Die Umgebung bietet Möglichkeiten zum Wandern, Velofahren und Joggen. Im Winter werden bei geeigneten Bedingungen in höher gelegenen Gebieten Wege und kleinere Wintersportangebote genutzt.

Persönlichkeiten

In Baar geboren

Mit Baar verbunden

  • Melchior Paul von Deschwanden (1811–1881), Maler, zeitweise in St. Martin tätig
  • Martin Pfister (* 1963), Bundesrat und Einwohner der Gemeinde
  • verschiedene Unternehmer, Kulturschaffende und Sportler aus dem Wirtschaftsraum Zug

Name und Abgrenzung

Der Artikelname Baar ZG dient der Unterscheidung von anderen Orten und geografischen Bezeichnungen namens Baar. Das Kantonskürzel ZG steht für den Kanton Zug.

Weitere Orte mit diesem Namen sind unter anderem Baar VS im Kanton Wallis und Baar in Bayern. Ausserdem bezeichnet Baar (Landschaft) eine Hochebene im deutschen Bundesland Baden-Württemberg.

Im amtlichen Gebrauch trägt die Gemeinde den Namen Baar ohne Kantonskürzel.

Siehe auch

Literatur

  • Linus Birchler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug. Band 1: Einleitung und die Kunstdenkmäler von Zug-Land. Birkhäuser, Basel 1934.
  • Eugen Gruber: Geschichte des Kantons Zug. Francke, Bern 1968.
  • Renato Morosoli: Baar (ZG). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Einwohnergemeinde Baar: Baar – ein grosses Dorf. Baar.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Fachstelle für Daten und Statistik des Kantons Zug: Bevölkerungsstand 2025, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. Kanton Zug: Gemeinden im Kanton Zug, abgerufen am 26. Juli 2026.
  3. Anne-Marie Dubler: Inwil (ZG), in: Historisches Lexikon der Schweiz, 29. Januar 2007, abgerufen am 26. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 Renato Morosoli: Baar (ZG), in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 26. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 Kanton Zug: Kantonsratsbeschluss betreffend Anzahl Kantonsratsmandate für die einzelnen Gemeinden, Wahlen 2026, abgerufen am 26. Juli 2026.
  6. Kanton Zug, Fachstelle für Daten und Statistik: Steuerstatistik, abgerufen am 26. Juli 2026.

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