Zugersee
| Lage | Zentralschweiz |
|---|---|
| Kantone | Zug, Schwyz und Luzern |
| Koordinaten | 47° 8′ N, 8° 29′ O |
| Höhe über Meer | etwa 413 m ü. M. |
| Fläche | 38,4 km² |
| Länge | 13,7 km |
| Grösste Breite | 4,6 km |
| Maximale Tiefe | 198 m |
| Mittlere Tiefe | 83,2 m |
| Volumen | rund 3,2 km³ |
| Einzugsgebiet | rund 163 km² |
| Mittlere Abflussmenge | 7,1 m³/s |
| Wassererneuerungszeit | etwa 14,7 Jahre |
| Hauptzuflüsse | Lorze, Rigiaa |
| Abfluss | Lorze zur Reuss |
| Teilbecken | Obersee und Untersee |
| Uferorte | Zug, Cham, Walchwil, Arth, Immensee, Risch, Buonas, Meierskappel |
Der Zugersee ist ein See in der Zentralschweiz. Er liegt überwiegend im Kanton Zug, während sein südlicher Teil zum Kanton Schwyz und ein kleiner Abschnitt des Westufers zum Kanton Luzern gehören. Mit einer Fläche von rund 38,4 Quadratkilometern zählt er zu den zehn grössten Seen der Schweiz. Seine maximale Tiefe von 198 Metern erreicht er im südlichen Becken auf Schwyzer Kantonsgebiet.[1]
Der See erstreckt sich von der Stadt Zug und der Gemeinde Cham im Norden bis nach Arth am Fuss der Rigi im Süden. Die bewaldete Halbinsel Chiemen und das gegenüberliegende Ostufer bei Lotenbach verengen den See auf ungefähr einen Kilometer und teilen ihn in den breiteren, flacheren Untersee im Norden und den schmaleren, wesentlich tieferen Obersee im Süden. Trotz dieser Einschnürung findet zwischen beiden Becken ein weitgehend ungehinderter Wasser- und Stoffaustausch statt.[1]
Für den Kanton Zug ist der See ein landschaftliches Wahrzeichen und ein bedeutender Erholungsraum. Die Uferpromenaden, Strandbäder, Schiffsverbindungen und der Blick auf Rigi, Rossberg, Pilatus und die Voralpen prägen das Bild der Region. Zugleich ist der Zugersee ein ökologisch stark belastetes Gewässer. Obwohl sich die Wasserqualität seit den Höchstständen der Überdüngung in den 1970er- und 1980er-Jahren deutlich verbessert hat, werden die gesetzlichen Anforderungen an den Phosphorgehalt und an die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers weiterhin nicht erfüllt.[2]
Geografie
Lage und Gestalt
Der Zugersee liegt im Übergangsgebiet vom Schweizer Mittelland zu den Voralpen. Sein nördliches Becken ist von den dichter besiedelten Gebieten um Zug, Cham, Hünenberg und Risch umgeben. Im Osten steigen der Zugerberg und die Hänge von Walchwil an. Südlich des Sees liegen Arth, der Rossberg und das Massiv der Rigi. Das Westufer wird im mittleren und südlichen Abschnitt von der Landschaft um Buonas, Risch, Meierskappel, Chiemen und Immensee begleitet.
Der See ist etwa 13,7 Kilometer lang und erreicht im nördlichen Becken eine Breite von rund 4,6 Kilometern. Die Uferlinie misst mehr als 40 Kilometer. Während der Untersee breite Flachwasserzonen besitzt, fallen die Hänge im Obersee teilweise steil zum tiefen Seebecken ab. Die tiefste Stelle liegt im trichterförmigen Südbecken zwischen Walchwil und dem westlichen Ufer.
Die Wasserfläche verteilt sich auf drei Kantone. Zum Kanton Zug gehören die grössten Anteile und die Ufer der Gemeinden Zug, Cham, Hünenberg, Risch und Walchwil. Der Kanton Schwyz grenzt mit den Gemeinden Küssnacht und Arth an den See; zu Küssnacht gehört der Ort Immensee. Die Gemeinde Meierskappel bildet den einzigen luzernischen Seeanstoss. Im südwestlichen Teil des Sees befindet sich ein Dreikantonseck von Zug, Schwyz und Luzern.
Entstehung
Das Becken geht auf tektonische Bewegungen und die formende Wirkung eiszeitlicher Gletscher zurück. Eine Bruchzone schuf die geologische Grundstruktur. Flüsse und frühe Gletscherströme im System von Reuss und Muota vertieften das Becken. Während der letzten grossen Vereisungen schliff das Eis die Täler weiter aus und hinterliess nach seinem Rückzug einen langgestreckten, übertieften See.[1]
Moränen, Schwemmfächer und Ablagerungen aus Seekreide formten die heutigen Ufer. Besonders in der Bucht von Zug liegen mächtige, teilweise instabile Sedimentschichten. Sie spielten bei den historischen Uferabbrüchen von 1435 und 1887 eine entscheidende Rolle. Die Uferlandschaft wurde später durch Seeabsenkungen, Aufschüttungen, Strassen, Bahnlinien, Hafenanlagen und Siedlungsbau stark verändert.
Uferlandschaft
Ein grosser Teil des Ufers ist heute verbaut oder durch Verkehrswege und private Grundstücke vom natürlichen Hinterland getrennt. Besonders im Stadtgebiet von Zug, bei Cham, entlang der Bahnlinie am Ostufer und in den Ortschaften des Südbeckens entstanden Quaianlagen, Mauern, Häfen und künstlich gestaltete Ufer. Grössere zusammenhängende Schilfbestände sind vor allem am nördlichen und nordwestlichen Ufer erhalten geblieben.
Die Flachwasserbereiche bilden wichtige Lebensräume für Wasserpflanzen, Fische, Amphibien und Wasservögel. Nach Angaben des Kantons Schwyz ist etwa ein Drittel der Flachwasserzone mit Wasserpflanzen bewachsen. Naturnahe Ufer, Schilfgürtel und Mündungsbereiche werden durch Schutz- und Aufwertungsmassnahmen gefördert. Die künstlich aufgeschüttete Lorzeninsel bei der Mündung der neuen Lorze dient unter anderem als Vogelschutzgebiet und Wellenbrecher.
Hydrologie
Zuflüsse und Abfluss
Der wichtigste Zu- und Abfluss ist die Lorze. Sie entspringt im Einzugsgebiet des Ägerisees, durchfliesst das Lorzentobel und die Ebene von Baar und mündet im nördlichen Teil in den Zugersee. Nur wenige Kilometer weiter westlich verlässt sie den See bei Cham wieder. Anschliessend fliesst die Lorze durch das Zugerland und mündet in die Reuss, die über die Aare und den Rhein zur Nordsee entwässert.
Der zweitwichtigste Zufluss ist die Rigiaa, die einen Teil der Rigi entwässert und bei Arth in das Südbecken mündet. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Bäche von Zugerberg, Walchwilerberg, Rooterberg, Chiemen, Rossberg und Rigi. Wegen des im Verhältnis zum Seevolumen geringen Zuflusses wird das Wasser nur langsam erneuert.
Bei einem Volumen von ungefähr 3,2 Milliarden Kubikmetern und einer mittleren Abflussmenge von 7,1 Kubikmetern pro Sekunde beträgt die theoretische Wassererneuerungszeit rund 14,7 Jahre. Diese lange Aufenthaltszeit verlangsamt den Abtransport von Nährstoffen und Schadstoffen. Gleichzeitig durchmischt sich der fast 200 Meter tiefe Obersee in milden Wintern nicht vollständig. Das Tiefenwasser bleibt dadurch über lange Zeit vom Sauerstoffaustausch mit der Oberfläche abgeschnitten.[1]
Wasserstand und Seeabsenkung
Der heutige Wasserspiegel liegt ungefähr 413 bis 414 Meter über Meer. Bis zur frühen Neuzeit lag er deutlich höher. Um die Uferstrasse zwischen Zug und Cham besser vor Überschwemmungen zu schützen und zusätzliches Land zu gewinnen, vertiefte der Zuger Stadtwerkmeister Jost Knopfli 1591 und 1592 das Bett der abfliessenden Lorze bei Cham. Zusammen mit späteren Eingriffen wurde der See um insgesamt ungefähr 2,5 Meter abgesenkt.[3]
Die Absenkung verschob die Uferlinie seewärts. Ehemalige Flachwasserbereiche fielen trocken und konnten landwirtschaftlich oder baulich genutzt werden. Gleichzeitig veränderten sich archäologische Fundstellen: Siedlungsreste, die ursprünglich in Ufernähe lagen, befinden sich heute teilweise an Land oder im tieferen Wasser.
Wasserqualität und Sanierung
Überdüngung
Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich der Zugersee in einem mittel-nährstoffreichen Zustand. Bevölkerungswachstum, ungeklärte Siedlungsabwässer und die zunehmende Nährstoffproduktion der Landwirtschaft liessen die Phosphorbelastung danach stark ansteigen. Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre erreichte die Überdüngung ihren Höhepunkt. Das starke Algenwachstum und der Abbau abgestorbener Biomasse verbrauchten grosse Mengen Sauerstoff.
Der Bau der zentralen Abwasserreinigungsanlage Schönau und einer Ringleitung um den See leitete nahezu alle Siedlungsabwässer aus dem Einzugsgebiet zur Reinigung. Verbesserte Hofdüngerlager, strengere Vorschriften und landwirtschaftliche Massnahmen reduzierten die äussere Phosphorzufuhr erheblich. Die Konzentration im See sank gegenüber den Höchstwerten deutlich. Weil jedoch grosse Mengen Phosphor im Wasser und in den Sedimenten gespeichert sind, reagiert der tiefe und langsam erneuerte See nur verzögert.
Der Zugersee gilt weiterhin als der am stärksten mit Nährstoffen belastete grosse Schweizer See. In den tiefsten Wasserschichten fehlt zeitweise fast vollständig Sauerstoff; unterhalb von ungefähr 160 Metern herrschen besonders kritische Verhältnisse. Diese Bedingungen beeinträchtigen den Lebensraum von Fischen und wirbellosen Tieren und begünstigen die Rücklösung von Phosphor aus dem Sediment. Die gute hygienische Qualität an offiziellen Badestellen steht dazu nicht im Widerspruch: Sie betrifft vor allem Krankheitserreger im oberflächennahen Wasser, während die Sanierungsprobleme hauptsächlich Nährstoffe und Tiefenwasser betreffen.
Sanierungsmassnahmen
Die Kantone Zug, Schwyz und Luzern koordinieren den Schutz des Sees. Zu den seeexternen Massnahmen gehört der planerisch festgelegte Zuströmbereich Zo Zugersee. Landwirtschaftsbetriebe mit Nährstoffüberschüssen und deutlich überversorgten Böden dürfen dort grundsätzlich nur noch höchstens 80 Prozent des berechneten Phosphorbedarfs ausbringen, sofern Bodenproben keine günstigere Beurteilung erlauben.[2]
Als seeinterne Massnahme wurde eine Anlage zur künstlichen Unterstützung der winterlichen Zirkulation geplant. Von einer Station bei Walchwil soll Druckluft in das Südbecken geleitet werden. Aufsteigende grobe Luftblasen sollen das Wasser in Bewegung setzen, ohne den See im Sommer künstlich zu kühlen oder dauerhaft zu belüften. Ziel ist eine bessere winterliche Durchmischung, damit nährstoffreiches Tiefenwasser kontrolliert an die Oberfläche gelangt und Phosphor langfristig über die Lorze ausgetragen werden kann.
Die Umsetzung ist politisch umstritten. Der Schwyzer Kantonsrat lehnte 2025 die beantragte Beteiligung an den Investitions- und Betriebskosten ab. Danach wurde im Kanton Schwyz die Volksinitiative «Ja zu gesunden Seen» zur Mitfinanzierung der Zirkulationsunterstützung eingereicht. Im Sommer 2026 war sie dem Kantonsrat als Geschäft zur Behandlung überwiesen.[4] Unabhängig vom endgültigen Entscheid über die Anlage bleibt die Reduktion der äusseren Nährstoffeinträge notwendig. Nach Einschätzung des Kantons Zug kann der gesetzlich geforderte Zielzustand selbst mit kombinierten Massnahmen frühestens um 2070 erreicht werden. Die Sanierung gilt deshalb als Generationenaufgabe.[2]
PFAS in Fischen
Neben der Überdüngung wurden PFAS zu einem weiteren Gewässerschutzthema. Untersuchungen bestätigten 2025, dass Hechte und Egli aus dem Zugersee die lebensmittelrechtlichen PFAS-Höchstwerte des Bundes deutlich überschreiten. Seit November 2025 dürfen diese beiden Fischarten aus dem See deshalb weder verkauft noch unentgeltlich als Lebensmittel abgegeben werden. Das Verbot gilt für Berufs- und Freizeitfischerei. Der private Eigenverzehr blieb rechtlich zulässig, wird von den Behörden jedoch nicht empfohlen. Bei untersuchten Felchen wurden die Höchstwerte eingehalten. Das Verkaufsverbot galt auch im Sommer 2026 weiterhin.[5]
Als mögliche Quellen gelten belastete frühere Industrieareale, Löschübungsplätze und Brandstellen. Die Eintragspfade und die Entwicklung der Belastung werden weiter untersucht. Die PFAS-Problematik betrifft nicht automatisch sämtliche Fischarten und sagt allein nichts über die hygienische Badewasserqualität aus.
Tier- und Pflanzenwelt
Der See bietet Lebensräume von der warmen Flachwasserzone bis zum kalten Tiefenwasser. Zu den vorkommenden Fischarten gehören Felchen, Egli, Hecht, Seeforelle, Trüsche und verschiedene Karpfenfische. Eine besondere kulturelle und kulinarische Bedeutung besitzt der Zuger Rötel, die lokale Bezeichnung für den Seesaibling. Während der Laichzeit färbt sich besonders die Bauchseite der Männchen intensiv orange bis rot.
Felchen und Rötel können im überdüngten See keine ausreichend stabilen Bestände allein durch natürliche Fortpflanzung erhalten. Die Fischbrutanlage Walchwil erbrütet deshalb im Auftrag des interkantonalen Fischereikonkordats Felchen, Rötel, Forellen und weitere Arten und setzt Jungfische in geeigneten Gewässern aus.[6]
Schilfröhrichte, Unterwasserpflanzen und Mündungsgebiete dienen als Laichplätze, Kinderstuben und Rückzugsräume. Haubentaucher, Blässhühner, Stockenten, Reiher und weitere Wasser- und Zugvögel nutzen den See. Der Rückgang naturnaher Ufer, Freizeitdruck, invasive Arten, Nährstoffbelastung und steigende Wassertemperaturen stellen den Lebensraum vor zusätzliche Herausforderungen.
2024 wurde die invasive Quagga-Dreikantmuschel erstmals im Zugersee nachgewiesen. Sie kann sich massenhaft vermehren, Nahrungsnetze verändern und technische Anlagen besiedeln. Für Boote, die auf dem Zuger Kantonsgebiet eingewassert werden, gilt seit März 2025 eine Bewilligungspflicht. Die Behörden rufen zudem dazu auf, Boote und Wassersportausrüstung bei einem Gewässerwechsel zu reinigen, zu entleeren und zu trocknen, damit die Muschel und andere gebietsfremde Organismen nicht in weitere Seen verschleppt werden.[7]
Geschichte
Prähistorische Ufersiedlungen
Die Ufer des Zugersees gehören zu den bedeutenden prähistorischen Siedlungslandschaften der Schweiz. Im Kanton Zug sind an 33 Fundorten Reste von rund 50 Ufersiedlungen aus Jungsteinzeit und Bronzezeit bekannt. Drei Fundstellen – Zug-Sumpf, Zug-Riedmatt und Zug-Oterswil/Insel Eielen – sind Bestandteil des transnationalen UNESCO-Welterbes Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.[8]
Eine aussergewöhnliche Fundstelle liegt bei Cham-Eslen. Auf einer Untiefe wurden Überreste etwa 6000 Jahre alter Fischerhütten entdeckt. Die auf Pfählen errichteten kleinen Bauten lagen abseits der eigentlichen Dörfer und dienten vermutlich saisonal oder zeitweise dem Fischfang. Unterwasserarchäologische Untersuchungen bewahrten Teile der durch Erosion gefährdeten Fundschichten.[9] Auch bei Immensee wurden Reste einer jungsteinzeitlichen Ufersiedlung nachgewiesen.
Verkehr, Fischerei und Herrschaft
Über viele Jahrhunderte war der See ein wichtiger Verkehrs- und Wirtschaftsraum. Boote transportierten Personen, Vieh, Holz, Baumaterial und landwirtschaftliche Erzeugnisse zwischen den Uferorten. Verbindungen über den See verkürzten Reisen zwischen Zug, dem Ennetsee, Arth und den Wegen zur Rigi und zum Gotthard.
Die Fischerei lieferte Nahrung, Handelsware und Abgaben. Der Zuger Rötel galt als besondere Delikatesse und wurde zeitweise als Naturalzins abgeliefert. Fischereirechte waren an Herrschaften, Gemeinden, Korporationen und einzelne Berechtigte gebunden. Heute regelt ein Konkordat der Kantone Zug, Schwyz und Luzern die Fischerei im gesamten See. Berufsfischerei und Angelfischerei unterliegen gemeinsamen Schonzeiten, Fangmassen und Bewirtschaftungsmassnahmen.
Uferkatastrophen in Zug
Die instabilen Sedimente am Zuger Stadtufer führten zweimal zu schweren Katastrophen. Am 4. März 1435 rutschte die seeseitige Häuserzeile der damaligen Untergasse in den See. 26 Häuser wurden zerstört und etwa 60 Menschen kamen ums Leben. Das Stadtbild wurde danach neu geordnet.
Am 5. Juli 1887 ereignete sich die Vorstadtkatastrophe. Im Zusammenhang mit Bauarbeiten für eine neue Quaianlage gerieten die wassergesättigten Sedimente ins Rutschen. Etwa 35 Gebäude stürzten ein oder mussten abgebrochen werden, elf Menschen starben und Hunderte verloren vorübergehend ihre Unterkunft. Die Einbruchstelle wurde später als Katastrophenbucht gestaltet; Denkmäler und historische Aufnahmen erinnern an das Ereignis.
Dampfschifffahrt und Eisenbahn
1852 nahm der erste Raddampfer mit dem Namen Rigi den Betrieb auf. Die Dampfschifffahrt diente zunächst besonders dem Reiseverkehr in Richtung Rigi und Arth. Weitere Schiffe folgten; der Name Rigi blieb über mehrere Schiffsgenerationen erhalten.[10]
Der Eisenbahnbau veränderte die Verkehrsverhältnisse grundlegend. Seit 1864 verband die Linie Zürich–Zug–Luzern die nördlichen Uferorte mit den grossen Zentren. Die Strecken nach Immensee und Arth-Goldau sowie die 1897 eröffnete Bahn am Ostufer machten Rotkreuz und Arth-Goldau zu wichtigen Knoten des Gotthardverkehrs. Güter- und Alltagsverkehr verlagerten sich zunehmend auf Bahn und Strasse, während die Schifffahrt eine touristische und gesellschaftliche Funktion behielt.
Schifffahrt
Die Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee betreibt saisonale Kurs- und Rundfahrten. Wichtigster Ausgangspunkt ist Zug; je nach Fahrplan werden unter anderem Cham, Hünenberg, Risch, Buonas, Immensee, Arth und Walchwil bedient. Die Schiffe dienen heute vor allem Ausflügen, Gastronomie, Gruppenreisen und Veranstaltungen. Seit 2025 wird eine touristische Reisekette von Zug über den See nach Arth und von dort mit Bus und Bahn auf die Rigi angeboten.
Neben der öffentlichen Schifffahrt wird der See von Segel-, Motor-, Ruder- und Fischerbooten genutzt. Häfen und Bootsanlagen befinden sich in mehreren Ufergemeinden. Die drei Kantone koordinieren Zulassung, Sicherheitsvorschriften, Fischerei und den Schutz empfindlicher Uferbereiche. Für die Navigation stehen amtliche Seekarten und eine digitale Kartenanwendung der Zuger Behörden zur Verfügung.
Siedlung, Verkehr und Wirtschaft
Die Stadt Zug liegt am Nordostufer und öffnet sich mit Altstadt, Landsgemeindeplatz, Vorstadtquai, Hafen und ausgedehnten Promenaden zum See. Westlich davon folgen die stark gewachsenen Siedlungs- und Wirtschaftsgebiete von Cham, Hünenberg und Risch. Am Ostufer reihen sich Oberwil bei Zug, Walchwil und kleinere Siedlungen entlang eines schmalen Streifens zwischen See und Berghang. Im Süden liegen Arth und Immensee, am Westufer Risch, Buonas und der luzernische Abschnitt bei Meierskappel.
Entlang des Ostufers verlaufen die Bahnstrecke Zug–Arth-Goldau und die Hauptstrasse. Am Nord- und Westufer erschliessen die Bahnlinien über Cham und Rotkreuz sowie die Autobahnen A4 und A14 die Region. Die gute Erreichbarkeit und die wirtschaftliche Entwicklung des Kantons Zug führten zu starkem Siedlungsdruck. Dadurch gewinnen der Schutz frei zugänglicher Ufer, ökologischer Korridore und unverbaute Landschaftsabschnitte an Bedeutung.
Der See wurde früher stärker für Gütertransport, Fischerei und lokale Versorgung genutzt. Heute überwiegen Wohn-, Freizeit-, Tourismus- und Landschaftsfunktionen. Fischerei, Gastronomie, Schifffahrt, Strandbäder und Wassersport bleiben unmittelbar mit dem Gewässer verbunden.
Freizeit und Tourismus
Der Zugersee ist ein beliebtes Gebiet zum Baden, Segeln, Rudern, Paddeln, Windsurfen, Angeln und für Fahrten mit dem Kursschiff. Öffentliche Strandbäder und Badeplätze bestehen unter anderem in Zug, Cham, Hünenberg, Buonas, Walchwil, Immensee und Arth. Die kantonalen Untersuchungen weisen an den kontrollierten Badestellen in der Regel eine gute bis sehr gute hygienische Wasserqualität aus.[1]
Die Zuger Seepromenade führt vom Chamer Fussweg über Hafen, Vorstadtquai und Altstadt bis zum Seebad Seeliken. Einen lückenlosen öffentlichen Rundweg unmittelbar am Wasser gibt es jedoch nicht: Verkehrswege, steile Hänge, Schutzgebiete und private Grundstücke unterbrechen den Zugang. Wander- und Velorouten weichen deshalb abschnittsweise vom Ufer ab.
Bekannt sind die Sonnenuntergänge über dem See. Von Zug aus senkt sich die Sonne je nach Jahreszeit über den westlichen Hügeln oder dem Voralpenpanorama, während Rigi und Pilatus im Abendlicht erscheinen. Die Kombination aus Stadt, Wasser und Bergen wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Zuger Landschaftsbildes und der touristischen Darstellung der Region.
Beliebte Aussichtspunkte liegen auf dem Zugerberg, an den Hängen von Walchwil, auf dem Rooterberg und auf der Rigi. Von der Rigi bietet sich ein fast vollständiger Überblick über das langgestreckte Seebecken, den Chiemen und die dicht besiedelte Nordbucht.
Bedeutung für die Region
Der Zugersee verbindet drei Kantone und sehr unterschiedliche Landschaften. Für die Stadt und den Kanton Zug ist er zugleich Identifikationsraum, Naherholungsgebiet und prägendes Element der Siedlungsentwicklung. Für Arth und Immensee bildet er den nördlichen Abschluss der Rigi- und Rossberglandschaft; Meierskappel erhält durch seinen kurzen Seeanstoss eine direkte Verbindung zum Gewässer.
Seine Geschichte zeigt, wie eng natürliche Prozesse und menschliche Nutzung miteinander verbunden sind. Seeabsenkung, Uferbebauung, Verkehr, Abwasserentsorgung, Landwirtschaft und Fischerei haben den See tiefgreifend verändert. Die heutige Aufgabe besteht darin, Erholungsnutzung und Siedlungsentwicklung mit der langfristigen ökologischen Gesundung zu vereinbaren. Wegen der langen Wassererneuerungszeit werden die Folgen heutiger Entscheidungen noch während vieler Jahrzehnte sichtbar bleiben.
Siehe auch
- Liste der Seen in der Schweiz
- Ägerisee
- Lorze
- Zug
- Kanton Zug
- Rigi
- Zuger Rötel
- Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee
Literatur
- Renata Huber und Christian Harb (Hrsg.): Fischerhütten des frühen Jungneolithikums in Cham-Eslen (Kanton Zug). Antiqua 56, Archäologie Schweiz, Basel 2022, ISBN 978-3-906182-32-2.
- Amt für Umwelt des Kantons Zug: Die Sanierung des Zugersees ist eine Generationenaufgabe. In: Umwelt Zug, 2017.
- Eawag: Beurteilung see-interner Massnahmen zur beschleunigten Gesundung des Zugersees. Dübendorf 2019.
- Amt für Umwelt des Kantons Zug: Die Nährstoffgeschichte des Zugersees. Zug 2022.
Weblinks
- Informationen zur Wasserqualität beim Kanton Zug
- Gewässerporträt beim Kanton Schwyz
- Zugersee Schifffahrt
- Zuger Pfahlbauten beim Kanton Zug
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Kanton Schwyz, Amt für Gewässer: «Zugersee», abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Kanton Zug, Amt für Umwelt: «Zugersee – Wasserqualität», abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ «Die Geschichte der Raumplanung im Kanton Zug», in: Zug in der Welt, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Kanton Schwyz: «Volksinitiative ‹Ja zu gesunden Seen (Zugersee-Initiative)›», Geschäft 365/2026, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zug: «Hohe PFAS-Belastung in Hecht und Egli aus dem Zugersee bestätigt», Medienmitteilung vom 14. November 2025; «Regierungsrat spricht Notkredit zur Unterstützung der Berufsfischerei im Zugersee und für ökologische Abklärungen», Medienmitteilung vom 23. Februar 2026, beide abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zug: «Artenmanagement Gewässer», abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zug: «Kampagne ‹Wasch dein Zeug› zum Schutz der Zuger Gewässer wird fortgesetzt», Medienmitteilung vom 17. April 2025; Verordnung über das Einwassern von Booten, Stand 1. März 2025, beide abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zug: «UNESCO-Welterbe» und «Zuger Pfahlbauten entdecken», abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zug: «6000-jährige Fischerhütten», Medienmitteilung vom 10. März 2023, abgerufen am 22. Juli 2026.
- ↑ Zugersee Schifffahrt: «Die Geschichte der Zugersee-Schiffe», abgerufen am 22. Juli 2026.