Matterhorn-Gotthard-Bahn

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Matterhorn Gotthard Bahn
Offizielle Schreibweise Matterhorn Gotthard Bahn
Abkürzung MGBahn, MGB
Unternehmenssitz Brig-Glis, Kanton Wallis
Gründung 2003
Vorgängerbahnen BVZ Zermatt-Bahn, Furka-Oberalp-Bahn
Tätigkeitsgebiet Wallis, Uri, Graubünden
Streckennetz 144 km
Spurweite 1'000 mm (Meterspur)
Stromsystem 11 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Zahnstangensystem System Abt
Maximale Steigung 181 ‰
Höchster Punkt Oberalppass, 2'033 m ü. M.
Tiefster Punkt Visp, 625 m ü. M.
Hauptstrecke Zermatt–Visp–BrigAndermattDisentis/Mustér
Zweigstrecke Andermatt–Göschenen
Besonderheiten kombinierter Adhäsions- und Zahnradbetrieb, Furka-Basistunnel, Autoverlad Furka
Website matterhorngotthardbahn.ch

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn, in der offiziellen Markenschreibweise Matterhorn Gotthard Bahn und meist als MGBahn oder MGB abgekürzt, ist ein Schweizer Eisenbahnunternehmen und ein zusammenhängendes meterspuriges Bahnnetz in den Kantonen Wallis, Uri und Graubünden. Die Bahn führt von Zermatt über Visp, Brig, das Goms, Andermatt und den Oberalppass nach Disentis/Mustér. Eine Zweigstrecke verbindet Andermatt durch die Schöllenenschlucht mit Göschenen an der Gotthardbahn.

Das gesamte Streckennetz ist 144 Kilometer lang. Die Züge überwinden auf ihren Fahrten grosse Höhenunterschiede und verkehren sowohl im reinen Adhäsionsbetrieb als auch auf Zahnstangenabschnitten des Systems Abt. Der tiefste Punkt des Netzes befindet sich in Visp auf 625 Metern über Meer, der höchste auf dem Oberalppass auf 2'033 Metern über Meer. Die maximale Steigung von 181 Promille wird auf der Strecke zwischen Göschenen und Andermatt erreicht.[1]

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn entstand 2003 aus dem Zusammenschluss der BVZ Zermatt-Bahn und der Furka-Oberalp-Bahn. Ihr Name verweist auf zwei der bekanntesten Landschafts- und Tourismusregionen entlang des Netzes: das Matterhorn bei Zermatt und das Gotthardmassiv um Andermatt.

Neben dem regionalen Personenverkehr betreibt die Bahn den Autoverlad durch den Furka-Basistunnel und ist gemeinsam mit der Rhätischen Bahn an der Glacier Express AG beteiligt. Auf dem Netz der MGBahn verkehren damit sowohl Regionalzüge als auch die international bekannten Panoramazüge des Glacier Express.

Schreibweise und Bezeichnung

Die offizielle Unternehmens- und Markenbezeichnung lautet Matterhorn Gotthard Bahn ohne Bindestriche. In allgemeinen deutschsprachigen Texten und als zusammengesetzter Eisenbahnname ist daneben die Form Matterhorn-Gotthard-Bahn gebräuchlich.

Die Kurzbezeichnung MGB kann sowohl das Bahnunternehmen als auch dessen Netz bezeichnen. Das Unternehmen verwendet in seiner Kommunikation häufig die Schreibweise MGBahn, um eine eindeutige Unterscheidung von anderen Abkürzungen zu ermöglichen.

Der Name wurde bei der Zusammenführung der BVZ Zermatt-Bahn und der Furka-Oberalp-Bahn gewählt. Das Matterhorn steht für den westlichen Endpunkt des Netzes in Zermatt, während der Gotthard auf die zentrale Alpenregion um Andermatt und Göschenen verweist.

Streckennetz

Das Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn bildet eine 144 Kilometer lange Verbindung durch die Zentral- und Südalpen. Die Hauptachse verläuft von Zermatt nach Disentis/Mustér. In Andermatt zweigt die kurze, aber sehr steile Schöllenenbahn nach Göschenen ab.[1]

Die Bahn durchquert drei Kantone und mehrere deutlich voneinander verschiedene Landschaftsräume. Dazu gehören das Mattertal, das Rhonetal, das Goms, das Urserental, die Schöllenenschlucht, der Oberalppass und die obere Surselva.

Auf dem gesamten Netz werden rund 3'300 Höhenmeter überwunden. Nach Angaben des Unternehmens durchfahren die Züge 80 Tunnels und Galerien und überqueren mehr als 170 Brücken.[1]

Zermatt–Visp

Die Strecke von Zermatt nach Visp führt durch das Mattertal. Sie beginnt im autofreien Ferienort Zermatt auf rund 1'600 Metern über Meer. Der Bahnhof liegt unweit der Talstation der Gornergratbahn, die jedoch ein eigenes Bahnunternehmen und ein technisch getrenntes Netz bildet.

Zwischen Zermatt und Täsch besitzt die Bahn eine besondere Bedeutung für den lokalen und touristischen Verkehr. Da der private motorisierte Verkehr nach Zermatt grundsätzlich nicht zugelassen ist, dient Täsch als wichtiger Umsteigeort. Beim Bahnhof befindet sich das Matterhorn Terminal mit einem grossen Parkhaus. Pendelzüge verbinden Täsch in dichter Folge mit Zermatt.

Unterhalb von Täsch folgt die Bahn der Mattervispa. Sie durchquert das enge Mattertal und passiert unter anderem Randa, Herbriggen und St. Niklaus. Der Abschnitt ist durch steile Talflanken, Lawinenzüge, Wildbäche und Hochwassergefahren geprägt.

Zwischen St. Niklaus und Kalpetran verläuft die Strecke teilweise in unmittelbarer Nähe der Mattervispa. Mehrere Tunnels, Schutzgalerien und Stützmauern sichern die Bahn gegen Naturgefahren. Bei Kalpetran beginnt ein besonders steiler Abschnitt, auf dem Zahnstangen den Aufstieg beziehungsweise die Talfahrt ermöglichen.

Über Stalden-Saas und Staldenried erreicht die Bahn den Talboden bei Visp. Der Bahnhof Visp ist ein bedeutender Knotenpunkt mit Anschlüssen an die normalspurigen Fern- und Regionalzüge der SBB und von RegionAlps.

Visp–Brig

Zwischen Visp und Brig verläuft die Matterhorn-Gotthard-Bahn weitgehend parallel zur normalspurigen Simplonlinie. Der Abschnitt ist für den Regionalverkehr im Oberwallis sowie für die Verbindung der beiden bedeutenden Eisenbahnknoten wichtig.

In Visp wurde die meterspurige Strecke im Rahmen des Bahnhofumbaus neu angeordnet und besser mit den übrigen Bahnsteigen verknüpft. Die Weiterfahrt führt durch den dicht besiedelten Talboden nach Brig.

In Brig befindet sich der Unternehmenssitz der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Der Bahnhof bildet einen Übergang zwischen dem normalspurigen Netz der SBB und BLS, der Simplonstrecke, der Lötschbergachse und dem meterspurigen Netz der MGBahn.

Die Meterspurgleise der Matterhorn-Gotthard-Bahn wurden früher in einem separaten Kopfbahnhof auf dem Bahnhofplatz geführt. Mit dem Bau einer neuen Trasse durch die Stadt entstand ein Durchgangsbahnhof, wodurch die betriebliche Verbindung zwischen Visp und dem Goms vereinfacht wurde.

Brig–Oberwald

Östlich von Brig steigt die Bahn in mehreren Stufen in das Goms an. Sie folgt zunächst dem Lauf der Rhone und bedient Orte wie Mörel, Betten Talstation, Grengiols und Fiesch.

Der Bahnhof Betten Talstation erschliesst über eine Luftseilbahn die Bettmeralp. In Fiesch besteht eine direkte Verbindung zur Seilbahn auf die Fiescheralp. Der öffentliche Verkehr entlang der Strecke ist deshalb eng mit den autofreien Tourismusorten des Aletschgebiets verbunden.

Zwischen Grengiols und Lax überwindet die Bahn einen erheblichen Höhenunterschied. Auf diesem Abschnitt kommen Zahnstangen zum Einsatz. Tunnels, Viadukte und enge Kurven ermöglichen die Linienführung durch das steile Gelände.

Von Fiesch führt die Strecke über Münster, Geschinen und Ulrichen nach Oberwald. Das obere Goms ist durch einen breiten Talboden, die junge Rhone und traditionelle Walliser Siedlungen geprägt.

Oberwald bildet das westliche Portal des Furka-Basistunnels und eine der beiden Verladestationen des Autoverlads Furka.

Furka-Basistunnel

Der 15,4 Kilometer lange Furka-Basistunnel verbindet Oberwald im Kanton Wallis mit Realp im Kanton Uri. Er wurde am 26. Juni 1982 eröffnet und ermöglichte erstmals einen zuverlässigen ganzjährigen Bahnbetrieb zwischen dem Goms und dem Urserental.[2]

Vor seiner Eröffnung führte die Bahn über die Furka-Bergstrecke und den mehr als 2'100 Meter hohen Furkapass. Wegen grosser Schneemengen und Lawinengefahr musste die Bergstrecke jeweils während des Winters geschlossen werden. Teile der Fahrleitung und die Steffenbachbrücke wurden vor Wintereinbruch abgebaut oder gesichert.

Der Basistunnel verläuft weitgehend ohne Zahnstange. Er verkürzte die Fahrzeit und schuf eine wintersichere Verbindung zwischen dem Wallis und der Gotthardregion. Neben Reisezügen verkehren durch den Tunnel die Züge des Autoverlads.

Die historische Furka-Bergstrecke gehört heute nicht mehr zum regulären Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Sie wird von der Dampfbahn Furka-Bergstrecke als touristische Museumsbahn betrieben.

Realp–Andermatt

Am östlichen Tunnelportal erreicht die Strecke Realp. Der Ort liegt im Urserental und ist Ausgangspunkt der Dampfbahn über die historische Furka-Bergstrecke.

Von Realp führt die Strecke entlang der Furkareuss nach Hospental und weiter nach Andermatt. Das Urserental ist ein hoch gelegenes Alpental, das von den Übergängen über Furka, Gotthard und Oberalp geprägt wird.

Andermatt ist der wichtigste betriebliche Knotenpunkt im östlichen Teil des Netzes. Hier treffen die Verbindungen aus dem Wallis, aus Disentis und aus Göschenen zusammen. Der Bahnhof wurde im Zusammenhang mit der touristischen Entwicklung des Ortes und dem Ausbau des regionalen Verkehrs umfassend erneuert.

Andermatt–Disentis/Mustér

Östlich von Andermatt steigt die Bahn zum Oberalppass an. Die Strecke verläuft zunächst durch das Urserental nach Nätschen und Oberalppass. Auf den steileren Abschnitten wird die Zugkraft durch das Zahnstangensystem unterstützt.

Der Bahnhof Oberalppass liegt auf 2'033 Metern über Meer und ist der höchste Punkt im Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Die Bahnstrecke ist eine der wenigen Eisenbahnverbindungen der Schweiz, die einen hoch gelegenen Alpenpass oberirdisch überqueren und dennoch ganzjährig betrieben werden.

Im Winter ist die Strecke starken Schneeverwehungen und Lawinengefahren ausgesetzt. Galerien, Schutzbauten, Schneeräumungsfahrzeuge und Lawinenüberwachung ermöglichen den Betrieb unter schwierigen hochalpinen Bedingungen.

Auf der Bündner Seite fällt die Strecke über Dieni, Rueras, Sedrun und verschiedene kleinere Stationen in die Surselva ab. Sie folgt dabei weitgehend dem Tal des Vorderrheins.

In Disentis/Mustér endet das Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Dort besteht ein direkter Übergang zur Rhätischen Bahn. Die technischen Gemeinsamkeiten der beiden Bahnen, insbesondere die Meterspur und das Wechselstromsystem, ermöglichen durchgehende Züge wie den Glacier Express.

Andermatt–Göschenen

Die Strecke von Andermatt nach Göschenen wird auch als Schöllenenbahn bezeichnet. Sie führt durch die enge und steile Schöllenenschlucht und verbindet das meterspurige Netz mit der normalspurigen Gotthardbahn.

Auf wenigen Kilometern überwindet die Strecke einen Höhenunterschied von rund 330 Metern. Mit einer maximalen Neigung von 181 Promille ist sie der steilste Abschnitt des Netzes. Der grösste Teil des Höhenunterschieds wird mithilfe einer Zahnstange des Systems Abt bewältigt.[3]

Die Bahn durchquert mehrere Tunnels und überquert die Reuss. Unterhalb von Andermatt verläuft sie in der Nähe der historischen Teufelsbrücke und des Suworow-Denkmals.

In Göschenen besteht Anschluss an die Züge der Gotthard-Bergstrecke. Die Verbindung ist insbesondere für Reisende zwischen der Zentralschweiz, Andermatt und dem Goms von Bedeutung.

Technische Merkmale

Spurweite

Das gesamte Hauptnetz der Matterhorn-Gotthard-Bahn ist in Meterspur mit einer Spurweite von 1'000 Millimetern ausgeführt. Die Meterspur erlaubt engere Kurvenradien als die schweizerische Normalspur und eignet sich deshalb besonders für die topografisch schwierigen Gebirgstäler.

In Brig, Visp und Göschenen treffen die Meterspurgleise auf das normalspurige Netz. Ein unmittelbarer Übergang gewöhnlicher Eisenbahnfahrzeuge zwischen beiden Spurweiten ist nicht möglich.

In Disentis ist das Netz mit der ebenfalls meterspurigen Rhätischen Bahn verbunden. Die unterschiedlichen Bahnunternehmen können dort Fahrzeuge und durchgehende Züge übergeben.

Adhäsions- und Zahnradbetrieb

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn ist eine gemischte Adhäsions- und Zahnradbahn. In Abschnitten mit mässiger Steigung übertragen die Räder ihre Kraft wie bei einer gewöhnlichen Eisenbahn allein durch Reibung auf die Schienen.

Auf besonders steilen Strecken ist zwischen den beiden Fahrschienen zusätzlich eine Zahnstange des Systems Abt eingebaut. Die Zahnradantriebe der Triebfahrzeuge greifen in diese Zahnstange ein. Dadurch können wesentlich grössere Steigungen sicher befahren werden.

Zahnstangenabschnitte befinden sich unter anderem im Mattertal, zwischen Grengiols und dem Goms, an den Rampen zum Oberalppass und auf der Schöllenenbahn. Die maximale Neigung beträgt 181 Promille.

Moderne Fahrzeuge können während der Fahrt vom Adhäsions- in den Zahnradbetrieb wechseln. Ein genau gesteuerter Übergang ist erforderlich, damit Zahnräder und Zahnstange korrekt ineinandergreifen.

Stromversorgung

Das Netz ist mit Einphasenwechselstrom von 11 Kilovolt und 16,7 Hertz elektrifiziert. Die Energie wird über eine Fahrleitung zugeführt.

Dieses Stromsystem ist auch auf dem Stammnetz der Rhätischen Bahn verbreitet. Es erleichtert den Einsatz durchgehender Triebfahrzeuge zwischen dem Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn und jenem der Rhätischen Bahn.

Neben der Fahrleitung gehören Unterwerke, Schaltanlagen und Energieversorgungsleitungen zur Bahninfrastruktur. Die Stromversorgung muss auch unter den schwierigen klimatischen Bedingungen der hochalpinen Strecken zuverlässig funktionieren.

Kunstbauten

Die Linienführung durch enge Täler und über Alpenpässe erforderte den Bau zahlreicher Tunnels, Galerien, Viadukte und Stützmauern. Nach Angaben der Matterhorn-Gotthard-Bahn umfasst das Netz 80 Tunnels und Galerien sowie mehr als 170 Brücken.[1]

Schutzgalerien sichern die Bahn insbesondere gegen Lawinen, Steinschlag und Schneeverwehungen. In den Tälern des Wallis bestehen zudem umfangreiche Schutzbauten gegen Hochwasser und Murgänge.

Zu den bedeutendsten Kunstbauten gehören der Furka-Basistunnel, die Tunnels und Viadukte der Strecke im Mattertal, die Bauwerke bei Grengiols sowie die Tunnels der Schöllenenbahn.

Geschichte

Visp-Zermatt-Bahn

Die Geschichte des westlichen Netzteils begann im späten 19. Jahrhundert mit dem Bau einer Bahnverbindung von Visp nach Zermatt. Der aufkommende Alpentourismus und die internationale Bekanntheit des Matterhorns führten zu einem wachsenden Verkehrsbedarf.

Die Visp-Zermatt-Bahn wurde zwischen 1890 und 1891 abschnittsweise eröffnet. Wegen der hohen Baukosten und der schwierigen klimatischen Verhältnisse war sie zunächst nur während der Sommersaison in Betrieb.

Die Strecke wurde ursprünglich mit Dampflokomotiven betrieben. Wegen der steilen Abschnitte erhielt sie Zahnstangen des Systems Abt. In den 1920er- und 1930er-Jahren erfolgten der Ausbau für den ganzjährigen Verkehr und die Elektrifizierung.

Im Jahr 1930 wurde die Strecke von Visp nach Brig verlängert. Dadurch entstand eine direkte Verbindung mit der Furka-Oberalp-Bahn und die Voraussetzung für den durchgehenden Glacier Express.

Die Gesellschaft führte später den Namen Brig-Visp-Zermatt-Bahn und trat ab 1991 unter der Bezeichnung BVZ Zermatt-Bahn auf.

Brig-Furka-Disentis-Bahn

Für die Verbindung von Brig über die Furka und den Oberalp nach Disentis wurde 1910 die Brig-Furka-Disentis-Bahn gegründet. Die Strecke sollte das Oberwallis, das Urserental und die Surselva miteinander verbinden.

Der erste Abschnitt zwischen Brig und Gletsch wurde 1914 eröffnet. Der Erste Weltkrieg und wirtschaftliche Schwierigkeiten verhinderten zunächst die Fertigstellung des gesamten Projekts.

Die ursprüngliche Gesellschaft geriet in Konkurs. 1925 entstand als Nachfolgeunternehmen die Furka-Oberalp-Bahn. Sie übernahm die vorhandenen Anlagen und setzte den Bau fort.[4]

Furka-Oberalp-Bahn

Am 3. Juli 1926 wurde die durchgehende Bahnverbindung zwischen Brig und Disentis feierlich eröffnet. Sie führte über die Furka-Bergstrecke und den Oberalppass.[4]

Die Furka-Bergstrecke erreichte eine Höhe von mehr als 2'100 Metern. Der Abschnitt war nicht wintersicher und musste wegen Schnee und Lawinengefahr jeweils während mehrerer Monate geschlossen werden.

Die Schöllenenbahn zwischen Göschenen und Andermatt war bereits 1917 eröffnet worden. Sie ging später in der Furka-Oberalp-Bahn auf und stellte den Anschluss an die Gotthardbahn her.

Ab 1941 beziehungsweise 1942 wurde das Netz der Furka-Oberalp-Bahn elektrifiziert. Das dabei eingeführte Wechselstromsystem bildete die Grundlage für den späteren gemeinsamen Fahrzeugbetrieb mit benachbarten Meterspurbahnen.

Glacier Express

Am 25. Juni 1930 verkehrte erstmals ein durchgehender Zug von Zermatt über Brig, die Furka, Andermatt, Disentis und Chur nach St. Moritz. Dieser Zug erhielt den Namen Glacier Express.

Die Strecke wurde von der damaligen Visp-Zermatt-Bahn, der Furka-Oberalp-Bahn und der Rhätischen Bahn gemeinsam bedient. Wegen der Wintersperre an der Furka war der Glacier Express zunächst nur während der Sommersaison möglich.

Der Zug entwickelte sich zu einem der bekanntesten touristischen Bahnangebote der Schweiz. Seine Bedeutung förderte die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Bahngesellschaften.

Seit 2017 wird das Angebot durch die Glacier Express AG organisiert. Die Matterhorn-Gotthard-Bahn und die Rhätische Bahn halten je die Hälfte des Unternehmens.[5]

Bau des Furka-Basistunnels

Der saisonal unterbrochene Betrieb über die Furka-Bergstrecke war ein grosses Hindernis für den Regionalverkehr und den Glacier Express. Deshalb wurde eine wintersichere Verbindung auf einer tieferen Höhenlage geplant.

Der Furka-Basistunnel wurde zwischen Oberwald und Realp gebaut und am 26. Juni 1982 eröffnet. Damit war erstmals ein ganzjähriger Bahnverkehr zwischen dem Wallis, Andermatt und Graubünden möglich.[2]

Die frühere Bergstrecke wurde nach der Eröffnung des Tunnels stillgelegt. Eisenbahnfreunde verhinderten jedoch ihren vollständigen Abbruch. Seit 2010 ist die historische Verbindung zwischen Realp, dem Furkapass, Gletsch und Oberwald wieder durchgehend als Museumsbahn befahrbar.[4]

Zusammenschluss zur Matterhorn-Gotthard-Bahn

Die BVZ Zermatt-Bahn und die Furka-Oberalp-Bahn arbeiteten bereits lange vor ihrer formellen Vereinigung eng zusammen. Beide Unternehmen betrieben zusammenhängende Strecken, verwendeten dasselbe Strom- und Zahnstangensystem und waren am Glacier Express beteiligt.

Im September 2002 beschlossen die Generalversammlungen grundsätzlich den Zusammenschluss. Die Vereinigung wurde rückwirkend auf den 1. Januar 2003 vollzogen.

Das neue Unternehmen erhielt den Namen Matterhorn Gotthard Bahn. Es verband damit die international bekannte Tourismusregion Zermatt-Matterhorn mit der Gotthardregion und dem östlichen Streckennetz.

Durch den Zusammenschluss konnten Betrieb, Fahrzeugbeschaffung, Unterhalt, Marketing und Verwaltung vereinheitlicht werden.

Unternehmensstruktur

Die Bezeichnung Matterhorn Gotthard Bahn umfasst mehrere rechtlich getrennte Gesellschaften. Diese Aufteilung berücksichtigt die schweizerischen Vorgaben zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs und der Eisenbahninfrastruktur.

Die Matterhorn Gotthard Verkehrs AG ist für den eigentlichen Bahnbetrieb verantwortlich. Die BVZ Holding AG hält 75 Prozent der Gesellschaft; die übrigen Anteile befinden sich im Besitz der öffentlichen Hand.[6]

Die Matterhorn Gotthard Infrastruktur AG besitzt und betreibt wesentliche Teile der Bahninfrastruktur. Dazu gehören Fahrbahn, Fahrleitungen, Betriebsleitstellen, betrieblich notwendige Bahnhofgebäude und Werkstätten für technische Dienste. Die Gesellschaft befindet sich vollständig im Besitz des Bundes und der Kantone Wallis, Uri und Graubünden.[6]

Die Aktiengesellschaft Matterhorn Gotthard Bahn mit Sitz in Brig-Glis übernimmt zentrale Führungs- und Unterstützungsaufgaben. Sie stellt die einheitliche Leitung der verschiedenen Gesellschaften und Geschäftseinheiten sicher.

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn gehört zur BVZ-Gruppe. Zu dieser Unternehmensgruppe zählen unter anderem die Gornergrat Bahn und Beteiligungen am Glacier Express.

Personenverkehr

Regionalverkehr

Der Regionalverkehr bildet die Grundlage des Bahnangebots. Die Züge verbinden die Gemeinden entlang der Strecke miteinander und stellen Anschlüsse an das übergeordnete Bahn- und Busnetz her.

Wichtige Verkehrsknoten sind Zermatt, Visp, Brig, Fiesch, Andermatt, Göschenen und Disentis. In Visp, Brig und Göschenen bestehen Anschlüsse an normalspurige Züge. In Disentis schliesst das Netz der Rhätischen Bahn an.

Die Bahn erfüllt gleichzeitig Aufgaben des Service public und des Tourismusverkehrs. Für abgelegene Alpentäler wie das Goms und das Urserental ist sie ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Grundversorgung.

Besonders stark ausgelastet ist der Abschnitt zwischen Täsch und Zermatt. Die Bahn ersetzt dort für einen grossen Teil der Reisenden die nicht zugelassene Zufahrt mit privaten Motorfahrzeugen.

Glacier Express

Der Glacier Express verkehrt von Zermatt über Brig, Andermatt, Disentis und Chur nach St. Moritz. Auf dem Abschnitt von Zermatt bis Disentis nutzt er das Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn, anschliessend jenes der Rhätischen Bahn.

Die Reise über die Gesamtstrecke dauert ungefähr acht Stunden. Der Zug ist als touristischer Panoramazug mit grossen Fenstern, gastronomischen Angeboten und obligatorischer Sitzplatzreservierung konzipiert.

Der Glacier Express ist kein selbständiges Eisenbahnnetz. Die Züge verkehren auf der bestehenden Infrastruktur der beiden beteiligten Bahngesellschaften.

Neben den eigentlichen Glacier-Express-Zügen kann die Strecke grundsätzlich auch mit Regionalzügen bereist werden. Dabei sind je nach Verbindung mehrere Umstiege erforderlich.

Pendelverkehr Täsch–Zermatt

Der Pendelverkehr zwischen Täsch und Zermatt nimmt innerhalb des Netzes eine Sonderstellung ein. Die Züge verkehren in kurzen Abständen und transportieren Einheimische, Beschäftigte, Gäste und Gepäck in den autofreien Ferienort.

In Täsch bestehen grosse Parkmöglichkeiten und Umsteigeanlagen. Moderne Niederflurtriebzüge ermöglichen einen schnellen Fahrgastwechsel und einen weitgehend stufenlosen Einstieg.

Bei grossem Reiseaufkommen, etwa an Wochenenden oder während der Wintersaison, können zusätzliche Züge eingesetzt werden.

Autoverlad Furka

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn betreibt zwischen Oberwald und Realp den Autoverlad Furka. Personenwagen und andere zugelassene Fahrzeuge werden auf speziellen Transportwagen durch den Furka-Basistunnel befördert.

Die Fahrt durch den Tunnel dauert knapp 20 Minuten. Der Autoverlad bietet eine ganzjährige Verbindung zwischen dem Wallis und dem Kanton Uri. Die Strasse über den Furkapass ist dagegen im Winter geschlossen und benötigt während der Öffnungszeit wesentlich mehr Fahrzeit.[7]

Die Verladestationen befinden sich in Oberwald und Realp. Die Reisenden bleiben während der Fahrt in der Regel in ihren Fahrzeugen.

Der Autoverlad ist sowohl für den regionalen Verkehr als auch für den Tourismus von Bedeutung. Er entlastet die Passstrasse und stellt während des Winters die direkte Verbindung zwischen beiden Tälern sicher.

Güterverkehr und Dienstleistungen

Der klassische Schienengüterverkehr besitzt auf dem Netz eine geringere Bedeutung als der Personenverkehr. Dennoch erbringt die Matterhorn-Gotthard-Bahn verschiedene Logistik- und Transportleistungen.

Dazu gehören Güterumschlag, Lagerlogistik, Transporte auf Schiene und Strasse sowie Dienstleistungen für das örtliche Gewerbe. In einzelnen Regionen spielt die Versorgung mit Mineralölprodukten eine Rolle.[8]

In Zermatt ist der schienengebundene Gütertransport wegen der Einschränkungen für den Strassenverkehr besonders wichtig. Waren werden in Täsch oder Visp umgeschlagen und mit der Bahn in den Ferienort transportiert.

Der Güterverkehr muss mit dem dichten Personenverkehr und den besonderen Bedingungen des Zahnradbetriebs abgestimmt werden.

Fahrzeuge

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn besitzt Fahrzeuge für den Regionalverkehr, den touristischen Verkehr, den Autoverlad, den Gütertransport und den Infrastrukturunterhalt.

Da ein Teil des Netzes mit Zahnstangen ausgestattet ist, müssen viele Triebfahrzeuge sowohl für den Adhäsions- als auch für den Zahnradbetrieb geeignet sein. Fahrzeuge, die ausschliesslich auf flachen Strecken oder vor bestimmten Zügen eingesetzt werden, können dagegen als reine Adhäsionsfahrzeuge ausgeführt sein.

Lokomotiven

Zu den über lange Zeit prägenden Fahrzeugen gehören die elektrischen Gepäcktriebwagen und Lokomotiven der Reihen HGe 4/4 I und HGe 4/4 II. Die Bezeichnung HGe weist auf ein elektrisches Schmalspurfahrzeug für kombinierten Adhäsions- und Zahnradbetrieb hin.

Die HGe 4/4 II wurden gemeinsam mit ähnlichen Fahrzeugen der damaligen Furka-Oberalp-Bahn, der BVZ und der SBB Brünigbahn entwickelt. Bei der Matterhorn-Gotthard-Bahn kommen sie unter anderem vor Reisezügen, Glacier-Express-Kompositionen und Autozügen zum Einsatz.

Für den Autoverlad durch den Furka-Basistunnel werden zudem Lokomotiven eingesetzt, die auf den reinen Adhäsionsbetrieb im Tunnelbereich ausgerichtet sind.

KOMET-Triebzüge

Zwischen 2007 und 2014 beschaffte die Matterhorn-Gotthard-Bahn moderne Triebzüge, die unter dem Namen KOMET zusammengefasst werden. Die Bezeichnung steht für einen komfortablen Meterspurtriebzug.

Die Fahrzeuge besitzen Niederflurbereiche und können je nach Baureihe im Adhäsions- und Zahnradbetrieb eingesetzt werden. Sie verbesserten die Zugänglichkeit für Personen mit eingeschränkter Mobilität, Reisende mit Kinderwagen und Fahrgäste mit Gepäck.

KOMET-Triebzüge werden vor allem im Regional- und Pendelverkehr eingesetzt. Mehrere Einheiten können zu längeren Zugskompositionen verbunden werden.

ORION-Triebzüge

Seit dem Winter 2023 setzt die Matterhorn-Gotthard-Bahn neue dreiteilige Triebzüge des Typs ABeh 8/12 ein. Sie tragen den Projektnamen ORION, eine Abkürzung für «Optimaler Regionalzug im öffentlichen Nahverkehr».[3]

Die ORION-Züge sind für das gesamte Netz zwischen Zermatt und Disentis sowie für die Steilstrecke zwischen Andermatt und Göschenen ausgelegt. Sie können damit auch die maximale Neigung von 181 Promille bewältigen.

Ein Triebzug ist 56,6 Meter lang und bietet 146 Sitzplätze, davon 24 in der ersten Klasse. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt im Adhäsionsbetrieb 120 Kilometer pro Stunde und auf Zahnstangenabschnitten bergwärts 35 Kilometer pro Stunde.[3]

Die Fahrzeuge besitzen durchgehende Niederflureinstiege, Multifunktionsbereiche für Gepäck und Sportgeräte sowie WLAN. Sie können in Doppel- oder Dreifachtraktion eingesetzt werden.

Die Flottenstrategie sieht vor, den Regionalverkehr bis 2030 vollständig mit Triebzügen abzuwickeln. Dadurch sollen ältere lokomotivbespannte Regionalzüge schrittweise ersetzt werden.[3]

Panoramawagen

Für den Glacier Express stehen Panoramawagen mit grossen Seitenfenstern und teilweise verglasten Dachbereichen zur Verfügung. Sie bieten eine gute Aussicht auf die Gebirgslandschaft.

Die Wagen werden gemeinsam im Angebot der Glacier Express AG eingesetzt. Je nach Komfortklasse verfügen sie über unterschiedliche Bestuhlung und gastronomische Einrichtungen.

Da der Glacier Express über die Netze der Matterhorn-Gotthard-Bahn und der Rhätischen Bahn fährt, müssen die Wagen mit den technischen Bedingungen beider Bahnen kompatibel sein.

Bahnhöfe und Umsteigepunkte

Die Bahnhöfe entlang des Netzes erfüllen sowohl regionale als auch touristische Funktionen. Viele Stationen sind Ausgangspunkte für Bergbahnen, Wanderwege und Wintersportgebiete.

Zu den wichtigsten Bahnhöfen gehören:

  • Zermatt: Endbahnhof im Mattertal und Übergang zur Gornergratbahn;
  • Täsch: Matterhorn Terminal und Ausgangspunkt des Pendelverkehrs nach Zermatt;
  • Visp: Anschluss an die Simplon- und Lötschbergstrecke;
  • Brig: Unternehmenssitz und bedeutender Bahnknoten;
  • Fiesch: direkter Übergang zur Seilbahn auf die Fiescheralp;
  • Oberwald: westliche Verladestation des Autoverlads Furka;
  • Realp: östliche Verladestation und Ausgangspunkt der Dampfbahn Furka-Bergstrecke;
  • Andermatt: Knoten der Strecken nach Zermatt, Disentis und Göschenen;
  • Göschenen: Anschluss an die Gotthardbahn;
  • Disentis/Mustér: Übergang zur Rhätischen Bahn.

Mehrere Bahnhöfe wurden im 21. Jahrhundert modernisiert. Schwerpunkte sind stufenfreie Zugänge, längere Perrons, bessere Umsteigewege und die Anpassung an moderne Triebzüge.

Naturgefahren und Betriebssicherheit

Das Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn verläuft durch eine der topografisch und klimatisch anspruchsvollsten Regionen der Schweiz. Lawinen, Hochwasser, Murgänge, Steinschlag, Felsstürze und Schneeverwehungen können den Betrieb beeinträchtigen.

In hoch gelegenen Abschnitten bestehen umfangreiche Lawinengalerien und Schutzdämme. Der Zustand gefährlicher Hänge wird überwacht. Bei akuter Gefahr können Strecken vorsorglich gesperrt werden.

Wildbäche und Flüsse verursachten wiederholt Schäden an Gleisen, Brücken und Stützmauern. Besonders gefährdet sind das Mattertal, das Goms und enge Abschnitte entlang der Rhone und Reuss.

Die Bahn setzt Spezialfahrzeuge für Schneeräumung und Infrastrukturunterhalt ein. Auf dem Oberalppass müssen im Winter grosse Schneemengen beseitigt werden.

Der Furka-Basistunnel beseitigte eines der grössten saisonalen Betriebsrisiken der früheren Bahn. Die oberirdische Bergstrecke war wegen Lawinengefahr mehrere Monate pro Jahr nicht befahrbar.

Bedeutung für die erschlossenen Regionen

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn ist eine zentrale Verkehrsachse für das Oberwallis, die Gotthardregion und die obere Surselva. Sie verbindet zahlreiche kleinere Gemeinden mit regionalen Zentren und dem nationalen Bahnnetz.

Für Zermatt besitzt sie eine besonders grosse Bedeutung, da der Ferienort nicht allgemein mit privaten Motorfahrzeugen erreicht werden kann. Personen, Gepäck und ein Teil der Warenversorgung werden über die Bahn transportiert.

Im Goms stellt die Bahn ganzjährig die öffentliche Verbindung zwischen den Dörfern her. Sie erschliesst Tourismusgebiete, Langlaufzentren und Ausgangspunkte für Wanderungen.

Andermatt profitiert von seiner Lage am Schnittpunkt dreier Bahnrichtungen. Die Verbindung nach Göschenen schafft einen Zugang zur Gotthardachse, während die Strecken über Furka und Oberalp den Ort mit dem Wallis und Graubünden verbinden.

In der Surselva ergänzt die Matterhorn-Gotthard-Bahn das Netz der Rhätischen Bahn. Disentis bildet dabei den gemeinsamen Übergangspunkt.

Touristische Bedeutung

Das Bahnnetz erschliesst einige der bekanntesten alpinen Landschaften der Schweiz. Dazu gehören das Matterhorn, das Aletschgebiet, das Goms, die Furkaregion, das Urserental, der Oberalppass und die Surselva.

Die Fahrt von Zermatt nach Disentis vermittelt auf vergleichsweise kurzer Distanz grosse landschaftliche Unterschiede. Sie führt von tief eingeschnittenen Tälern über breite alpine Talböden bis auf einen mehr als 2'000 Meter hohen Pass.

Der Glacier Express ist das bekannteste touristische Angebot auf der Strecke. Daneben vermarktet die Matterhorn-Gotthard-Bahn regionale Ausflüge, kulinarische Fahrten und kombinierte Angebote mit Bergbahnen und Freizeitbetrieben.

Bahnhöfe wie Betten Talstation, Fiesch, Nätschen, Oberalppass und Dieni bieten direkte oder nahe Anschlüsse an Wintersport- und Wandergebiete.

Auch die Eisenbahntechnik selbst ist eine touristische Attraktion. Zahnstangenabschnitte, Kehrtunnels, Viadukte, der Furka-Basistunnel und die hochalpine Strecke über den Oberalppass machen die Bahn für Eisenbahnfreunde interessant.

Zusammenarbeit mit anderen Bahnen

Die Matterhorn-Gotthard-Bahn ist eng mit anderen schweizerischen Verkehrsbetrieben verbunden.

In Visp und Brig bestehen Anschlüsse an die SBB, BLS und RegionAlps. Göschenen ermöglicht den Übergang zur Gotthardbahn. In Disentis ist das Meterspurnetz unmittelbar mit der Rhätischen Bahn verbunden.

Mit der Rhätischen Bahn arbeitet die MGBahn insbesondere beim Glacier Express zusammen. Beide Unternehmen sind zu je 50 Prozent an der Glacier Express AG beteiligt.[5]

Die Gornergratbahn gehört zur selben Unternehmensgruppe, ist aber rechtlich und technisch eine eigenständige Bahn. Ihr Netz beginnt gegenüber dem MGB-Bahnhof in Zermatt und führt auf den Gornergrat.

Tariflich ist die Matterhorn-Gotthard-Bahn in das schweizerische System des direkten Verkehrs eingebunden. Viele landesweit gültige Fahrausweise können auch auf ihrem Regionalnetz benutzt werden. Für besondere touristische Züge können zusätzliche Reservierungen oder Zuschläge erforderlich sein.

Modernisierung und Ausbau

Seit der Gründung investiert die Matterhorn-Gotthard-Bahn in neue Fahrzeuge, Bahnhöfe, Gleisanlagen, Sicherungstechnik und Schutzbauten.

Ein Schwerpunkt ist die Erneuerung der Fahrzeugflotte. Mit den KOMET- und ORION-Triebzügen wird der Regionalverkehr schrittweise auf moderne, flexibel kuppelbare Niederflurfahrzeuge umgestellt.

Bahnhofsumbauten sollen stufenfreie Zugänge und einen zuverlässigeren Betrieb ermöglichen. Gleichzeitig werden Perrons verlängert und an die Einstiegshöhen der neuen Fahrzeuge angepasst.

Auf verschiedenen Streckenabschnitten werden Gleise, Zahnstangen, Fahrleitungen und Sicherungsanlagen erneuert. Besondere Anforderungen ergeben sich durch die hohe Belastung, das alpine Klima und die engen Zeitfenster für Bauarbeiten.

Die Modernisierung muss den Regionalverkehr, den touristischen Verkehr, den Glacier Express und den Autoverlad berücksichtigen. Viele Arbeiten können deshalb nur während kurzer Sperrpausen oder unter laufendem Betrieb erfolgen.

Umwelt und Nachhaltigkeit

Als elektrisch betriebene Bahn trägt die Matterhorn-Gotthard-Bahn zur Erschliessung touristischer Regionen mit öffentlichen Verkehrsmitteln bei. Dies ist insbesondere für Zermatt und andere stark besuchte Alpenorte von Bedeutung.

Der Bahnverkehr ermöglicht es, einen Teil des Personen- und Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. Der Autoverlad Furka verkürzt Fahrten zwischen dem Wallis und Uri und vermeidet während der Öffnungszeit der Passstrasse zusätzliche Passfahrten.

Gleichzeitig beanspruchen Gleisanlagen, Schutzbauten und Bahnhöfe empfindliche alpine Lebensräume. Ausbauprojekte müssen deshalb Anforderungen des Landschafts-, Gewässer- und Naturschutzes berücksichtigen.

Neue Fahrzeuge wie die ORION-Triebzüge verwenden Leichtbaumaterialien und energieeffiziente Antriebskomponenten. Beim Bremsen kann ein Teil der Energie in das Stromnetz zurückgespeist werden.

Die Bahn ist zudem mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Auftauender Permafrost, intensivere Starkniederschläge und Veränderungen der Schnee- und Lawinensituation können zusätzliche Schutz- und Unterhaltsmassnahmen erfordern.

Historische Fahrzeuge und Eisenbahnkultur

Mehrere Vereine und Organisationen befassen sich mit der Geschichte der Vorgängerbahnen und der Erhaltung historischer Fahrzeuge.

Die Dampfbahn Furka-Bergstrecke betreibt die frühere Gebirgsstrecke zwischen Realp und Oberwald. Historische Dampflokomotiven, Diesellokomotiven und Personenwagen erinnern an den Betrieb vor der Eröffnung des Basistunnels.

Der Verein MGBahn-Historic engagiert sich für die Erhaltung von Fahrzeugen und Gegenständen der BVZ, Furka-Oberalp-Bahn, Schöllenenbahn und Matterhorn-Gotthard-Bahn.

Historische Sonderzüge verkehren zu Jubiläen und besonderen Anlässen. Sie vermitteln die Entwicklung von der dampfbetriebenen Gebirgsbahn zu einem modernen elektrischen Regional- und Tourismusunternehmen.

Siehe auch

Einzelnachweise