Schweizerische Südostbahn

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Schweizerische Südostbahn AG
Kurzbezeichnung SOB
Unternehmensform Aktiengesellschaft
Gründung 2001
Sitz St. Gallen
Branche Eisenbahnverkehr und Bahninfrastruktur
Tätigkeitsgebiet Deutschschweiz und Südschweiz
Verwaltungsratspräsident Benedikt Würth
Geschäftsleitung Armin Weber, CEO
Eigene Streckenlänge 111 km
Gleislänge 145 km
Mitarbeitende 1001 Vollzeitstellen (2025)
Website www.sob.ch

Die Schweizerische Südostbahn AG (SOB) ist ein schweizerisches Eisenbahnverkehrsunternehmen mit Sitz in St. Gallen. Sie betreibt Regional- und Fernverkehrslinien in der Deutsch- und Südschweiz, unterhält ein eigenes Eisenbahnnetz und erbringt Dienstleistungen in den Bereichen Fahrzeugunterhalt, Infrastruktur, Reiseberatung und Bahnbetrieb. Die heutige Gesellschaft entstand 2001 durch den Zusammenschluss der früheren Schweizerischen Südostbahn mit der Bodensee-Toggenburg-Bahn.[1]

Zu den bekanntesten Angeboten gehören der Voralpen-Express zwischen St. Gallen und Luzern, der Treno Gottardo nach Locarno, der Aare Linth zwischen Bern und Chur sowie der Alpenrhein-Express durch das St. Galler Rheintal. Im Fernverkehr arbeitet die SOB mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zusammen.

Geschichte

Vorgängerbahnen

Die Wurzeln der Südostbahn reichen in das 19. Jahrhundert zurück. Die frühere Schweizerische Südostbahn entstand 1889 durch den Zusammenschluss der Wädenswil-Einsiedeln-Bahn und der Zürichsee-Gotthardbahn. Ihr Netz verband den Raum am oberen Zürichsee über Biberbrugg und Einsiedeln mit Arth-Goldau. Wegen der anspruchsvollen Topografie mussten auf den Strecken starke Steigungen, enge Kurven und zahlreiche Kunstbauten bewältigt werden.

Die zweite bedeutende Vorgängerin war die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT). Ihre Aktiengesellschaft wurde 1904 gegründet. Die Strecke von Romanshorn über St. Gallen, Herisau und Wattwil nach Rapperswil wurde im Oktober 1910 eröffnet. Der Bau war wegen der vielen Brücken, Viadukte und Tunnel technisch und finanziell anspruchsvoll. Zu den auffälligsten Bauwerken gehörte der 99 Meter hohe Sitterviadukt bei St. Gallen.[2]

Die Elektrifizierung schuf die Grundlage für eine engere Zusammenarbeit der beiden Unternehmen. Die Bodensee-Toggenburg-Bahn beschloss ihre Elektrifizierung in den 1930er-Jahren. 1939 elektrifizierte auch die damalige Südostbahn ihre Strecken zwischen Rapperswil und Arth-Goldau. Dadurch konnten durchgehende Züge zwischen der Ost- und der Zentralschweiz angeboten werden.

Ab 1949 bestand eine direkte Zugverbindung zwischen Romanshorn und Luzern, ohne dass in Arth-Goldau umgestiegen werden musste. An dieser als «direkte Linie» bezeichneten Verbindung waren die BT, die SOB und die SBB beteiligt. 1982 wurde der Taktfahrplan eingeführt. Seit 1992 trägt die Verbindung den Namen Voralpen-Express.[2]

Entstehung der heutigen SOB

Im Jahr 2001 fusionierten die damalige Schweizerische Südostbahn und die Bodensee-Toggenburg-Bahn zur heutigen Schweizerischen Südostbahn AG. Damit wurden die Netze zwischen Bodensee, Toggenburg, Zürichsee und Zentralschweiz unter einem gemeinsamen Unternehmen zusammengeführt.

Bei einer Netzbereinigung mit den SBB übernahm die SOB 2006 die Streckenabschnitte Lichtensteig–Wattwil und Wattwil–Ebnat-Kappel sowie die Bahnhöfe Wattwil und Lichtensteig vollständig. Im Gegenzug gab sie Beteiligungen an gemeinschaftlich genutzten Bahnhöfen, darunter am Bahnhof St. Gallen, ab.[3]

In den folgenden Jahren erneuerte die SOB ihr Rollmaterial und positionierte sich verstärkt als Anbieterin durchgehender Verbindungen über das eigene Netz hinaus. 2019 begann der planmässige Einsatz der kupferfarbenen Traverso-Triebzüge auf dem Voralpen-Express.

Einstieg in den Fernverkehr

Im Dezember 2020 übernahm die SOB in Kooperation mit den SBB den Betrieb des Treno Gottardo. Die Züge verbinden Basel beziehungsweise Zürich über die historische Gotthard-Bergstrecke mit Bellinzona und Locarno. Zwischen Arth-Goldau und Locarno entsteht durch die abwechselnd aus Basel und Zürich kommenden Züge ein stündliches Angebot.[4]

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 betreibt die SOB zusammen mit den SBB ausserdem den Interregio Aare Linth. Die Linie führt stündlich von Bern über Olten, Zürich, Pfäffikon SZ, Ziegelbrücke und Sargans nach Chur.[5]

Am 15. Dezember 2024 nahm die SOB mit dem Alpenrhein-Express ihre dritte Fernverkehrslinie in Betrieb. Sie verkehrt als IR 13 zwischen St. Gallen und Chur und ergänzt die SBB-Verbindungen im Rheintal zu einem annähernden Halbstundentakt. In St. Gallen werden die Züge als S81 bis Herisau weitergeführt.[6]

Unternehmen und Eigentumsverhältnisse

Die SOB ist ein integriertes Eisenbahnunternehmen. Neben dem eigentlichen Zugbetrieb gehören die Angebots- und Fahrplanplanung, die Ausbildung des Personals, die Fahrzeugwartung, die Betreuung der Reisenden, das Immobilienmanagement sowie der Bau und Unterhalt der eigenen Infrastruktur zum Unternehmen.[1]

Das Aktienkapital besteht aus 8'925'000 Namenaktien mit einem Nennwert von je einem Franken. Ende 2025 hielt der Bund 35,83 Prozent der Aktien. Der Kanton St. Gallen besass 23,84 Prozent, der Kanton Schwyz 5,79 Prozent und der Kanton Zürich 3,81 Prozent. Weitere Aktien befanden sich im Eigentum von Gemeinden, Bezirken und privaten Aktionärinnen und Aktionären. Die privaten Beteiligungen machten 15,27 Prozent aus.[7]

Der Regionalverkehr und die Eisenbahninfrastruktur sind nicht vollständig eigenwirtschaftlich. Die bestellten Verkehrsleistungen werden durch den Bund und die beteiligten Kantone abgegolten. Für die Infrastruktur schliesst der Bund mehrjährige Leistungsvereinbarungen mit der SOB ab. Im kooperativ betriebenen Fernverkehr behält die SBB die Konzession und das Einnahmerisiko, während die SOB insbesondere für die Bahnproduktion, das Personal, das Rollmaterial und die Vermarktung ihrer Linien zuständig ist.[8]

Streckennetz und Infrastruktur

Das eigene Streckennetz der SOB weist eine effektive Streckenlänge von 111 Kilometern auf. Einschliesslich Doppelspurabschnitten, Bahnhofsgleisen, Rangiergleisen und Stumpengleisen beträgt die gesamte Gleislänge 145 Kilometer. Die Strecken sind normalspurig und vollständig elektrifiziert.[9]

Das Netz besteht aus mehreren geografisch getrennten beziehungsweise über Strecken anderer Infrastrukturbetreiber verbundenen Abschnitten. Es umfasst unter anderem Verbindungen zwischen Romanshorn, St. Gallen, Wattwil und Nesslau sowie zwischen Rapperswil, Wädenswil, Einsiedeln und Arth-Goldau.

Charakteristisch sind die erheblichen Höhenunterschiede. Die maximale Steigung beziehungsweise das maximale Gefälle beträgt 50 Promille. Der höchste Punkt des SOB-Netzes liegt bei Biberegg auf 933 Metern über Meer, der tiefste Punkt bei Romanshorn auf 399 Metern über Meer.[9]

Zur Infrastruktur gehören 19 Tunnel mit einer Gesamtlänge von rund 7,1 Kilometern. Der längste ist der 3557 Meter lange Wasserfluhtunnel. Die SOB zählt zudem 192 Brücken, Viadukte, Unterführungen und Überführungen. Zu den bekanntesten Bauwerken gehören:

  • der 365 Meter lange und 99 Meter hohe Sitterviadukt bei St. Gallen;
  • der Seedamm zwischen Rapperswil und Pfäffikon SZ;
  • die Viadukte bei Lichtensteig;
  • der Rickentunnel zwischen Kaltbrunn und Wattwil;
  • der Wasserfluhtunnel zwischen Brunnadern-Neckertal und Lichtensteig.

Wegen der grossen Zahl an Kunstbauten ist der Unterhalt des Netzes vergleichsweise aufwendig. Brücken, Tunnel, Stützmauern, Fahrleitungen und Sicherungsanlagen müssen regelmässig kontrolliert und erneuert werden. Die SOB bündelt grössere Arbeiten häufig zu sogenannten Clustern, bei denen mehrere Anlagen während einer zeitlich begrenzten Streckensperre gleichzeitig saniert werden.

Linien und Verkehrsangebot

Die SOB betreibt Fernverkehrs-, Interregio- und S-Bahn-Verbindungen. Ein erheblicher Teil der Züge verkehrt dabei auch auf dem Schienennetz der SBB und anderer Infrastrukturunternehmen.[10]

Angebot Linie Strecke Verkehrsart
Treno Gottardo IR 26 Basel–Olten–Luzern–Arth-Goldau–Göschenen–Bellinzona–Locarno Fernverkehr
Treno Gottardo IR 46 Zürich–Zug–Arth-Goldau–Göschenen–Bellinzona–Locarno Fernverkehr
Aare Linth IR 35 Bern–Olten–Zürich–Pfäffikon SZ–Ziegelbrücke–Sargans–Chur Fernverkehr
Alpenrhein-Express IR 13 St. Gallen–Rorschach–St. Margrethen–Buchs SG–Sargans–Chur Fernverkehr
Voralpen-Express IR St. Gallen–Herisau–Wattwil–Rapperswil–Biberbrugg–Arth-Goldau–Luzern Regionalverkehr
S-Bahn St. Gallen S4 Rapperswil–St. Gallen–Sargans Regionalverkehr
S-Bahn St. Gallen S17 Rapperswil–Ziegelbrücke–Sargans Regionalverkehr
S-Bahn St. Gallen S81 St. Gallen–Herisau Regionalverkehr
S-Bahn St. Gallen S6 Rapperswil–Schwanden, teilweise bis Linthal Regionalverkehr
S-Bahn Zürich S13 Wädenswil–Einsiedeln Regionalverkehr
S-Bahn Zürich S40 Rapperswil–Einsiedeln Regionalverkehr
S-Bahn Zentralschweiz S31 Biberbrugg–Arth-Goldau Regionalverkehr
Regionalverkehr S27 Ziegelbrücke–Siebnen-Wangen Regionalverkehr

Der 125 Kilometer lange Voralpen-Express bildet die traditionelle Hauptverbindung der SOB. Er verbindet Luzern und St. Gallen stündlich über Arth-Goldau, Biberbrugg, Rapperswil, Wattwil und Herisau. Die Linie erschliesst sowohl bedeutende Pendlerregionen als auch touristisch wichtige Gebiete am Vierwaldstättersee, im Kanton Schwyz, am Zürichsee und im Toggenburg.[11]

Rollmaterial

Das moderne Erscheinungsbild der SOB wird vor allem durch elektrische Niederflurtriebzüge des Herstellers Stadler Rail geprägt. Die Fahrzeuge gehören zur FLIRT-Familie und können je nach Verkehrsaufkommen in Mehrfachtraktion eingesetzt werden.

Für die längeren Interregio-Verbindungen verwendet die SOB achtteilige, kupferfarbene Traverso-Triebzüge. Ende 2025 umfasste diese Flotte 30 Einheiten. Ein Traverso ist rund 150 Meter lang, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und verfügt einschliesslich Klappsitzen über 380 Sitzplätze. Die Züge besitzen Niederflureinstiege, klimatisierte Fahrgasträume, ein Familienabteil, ein Bistroabteil, Veloabstellplätze, Steckdosen und ein behindertengerechtes WC.[12]

Daneben setzt die SOB vierteilige FLIRT-3-Triebzüge ein. Ende 2025 waren 13 dieser Fahrzeuge vorhanden. Sie bieten je nach Ausführung rund 205 Sitzplätze und werden vorwiegend im Regional- und S-Bahn-Verkehr eingesetzt.

Zur älteren Niederflurflotte gehören 23 vierteilige FLIRT-Triebzüge der ersten und zweiten Serie, die ab 2007 beziehungsweise 2013 in Betrieb genommen wurden. Auch diese Fahrzeuge erreichen 160 km/h. Die SOB unterhält ausserdem spezielle Triebfahrzeuge für Bau-, Instandhaltungs- und Interventionseinsätze.

Die Wartung und Reparatur der Züge erfolgt hauptsächlich in den Service-Zentren Herisau und Samstagern. Dort führt die SOB auch Arbeiten an Fahrzeugen anderer Bahnunternehmen aus.

Betrieb, Qualität und Barrierefreiheit

Die SOB betreibt eigene Bahnreisezentren, eine Betriebszentrale und technische Serviceeinrichtungen. Zudem bildet sie Lokpersonal, Zugverkehrsleitende und weitere Fachkräfte aus. Gemeinsam mit Partnerunternehmen beteiligt sie sich am Bildungsunternehmen Rail4mation.

Im Jahr 2025 waren alle 33 von der SOB ausgewiesenen Bahnhöfe gemäss den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes zugänglich. Sämtliche 66 Fahrzeuge der für den Personenverkehr eingesetzten Flotte waren barrierefrei. Die Drei-Minuten-Pünktlichkeit aller SOB-Linien betrug 97,2 Prozent.[7]

Neben dem Personenverkehr und der Infrastrukturpflege erbringt die SOB Leistungen für Dritte. Dazu gehören die Wartung von Schienenfahrzeugen, Bau- und Planungsarbeiten, die Vermietung von Fahrzeugen, die Bereitstellung von Fachpersonal sowie Beratungs- und Ausbildungsleistungen.

Wirtschaftliche Kennzahlen

Im Geschäftsjahr 2025 transportierte die SOB rund 32,8 Millionen Fahrgäste. Ihre Züge legten insgesamt etwa 12,7 Millionen Zugkilometer zurück. Die Verkehrsleistung belief sich auf rund 1,06 Milliarden Personenkilometer.[7]

Kennzahl 2025
Transportierte Fahrgäste 32'757'775
Zugkilometer 12'678'870 km
Personenkilometer 1'058'735'466
Mitarbeitende 1073 Personen
Vollzeitstellen 1001
Verkehrsertrag 75,1 Millionen Franken
Gesamtertrag 313,0 Millionen Franken
Betriebsergebnis 6,5 Millionen Franken
Jahresgewinn 5,3 Millionen Franken

Die Einnahmen des Unternehmens stammen aus Billett- und Abonnementerlösen, Abgeltungen für den regionalen Personenverkehr und die Infrastruktur, Leistungen für Dritte, Immobilienerträgen sowie weiteren betrieblichen Tätigkeiten. Die Finanzierung der Infrastruktur und des bestellten Regionalverkehrs erfolgt zu einem wesentlichen Teil durch öffentliche Mittel.

Bedeutung

Die Schweizerische Südostbahn verbindet mehrere Regionen, die durch die grossen nationalen Hauptachsen nur teilweise direkt erschlossen werden. Besonders wichtig ist ihre Funktion als Verbindung zwischen der Ostschweiz, dem oberen Zürichsee, der Zentralschweiz, dem Tessin und Graubünden.

Mit der Übernahme von Fernverkehrsleistungen entwickelte sich die SOB von einer regional verankerten Privatbahn zu einer überregional tätigen Partnerin im Schweizer Eisenbahnsystem. Gleichzeitig blieb sie Eigentümerin und Betreiberin eines topografisch anspruchsvollen Streckennetzes mit zahlreichen historisch und technisch bedeutenden Kunstbauten.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Schweizerische Südostbahn AG: Über uns, abgerufen am 2. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Schweizerische Südostbahn AG: Von der Bodensee-Toggenburg-Bahn zum heutigen Voralpen-Express, 29. März 2022, abgerufen am 2. August 2026.
  3. Schweizerische Südostbahn AG: Zug um Zug in die Zukunft, Unternehmensbroschüre, 2020.
  4. Schweizerische Südostbahn AG: Treno Gottardo, abgerufen am 2. August 2026.
  5. Schweizerische Südostbahn AG: Aare Linth, abgerufen am 2. August 2026.
  6. Schweizerische Südostbahn AG: Fahrplanwechsel 2024: Südostbahn nimmt Fernverkehrslinie Alpenrhein-Express in Betrieb, 27. November 2024, abgerufen am 2. August 2026.
  7. 7,0 7,1 7,2 Schweizerische Südostbahn AG: Geschäftsbericht 2025, St. Gallen 2026.
  8. Schweizerische Südostbahn AG: Finanzierung, abgerufen am 2. August 2026.
  9. 9,0 9,1 Schweizerische Südostbahn AG: Zahlen und Fakten, abgerufen am 2. August 2026.
  10. Schweizerische Südostbahn AG: Die Linien der SOB, abgerufen am 2. August 2026.
  11. Schweizerische Südostbahn AG: Voralpen-Express, abgerufen am 2. August 2026.
  12. Schweizerische Südostbahn AG: SOB-Flotte, abgerufen am 2. August 2026.