Linksufrige Zürichseebahn
| Bild | Bahnstrecke am linken Zürichseeufer |
|---|---|
| Streckenverlauf | Zürich Hauptbahnhof – Thalwil – Wädenswil – Pfäffikon SZ – Ziegelbrücke – Näfels-Mollis |
| Kantone | Zürich, Schwyz, St. Gallen, Glarus |
| Streckenlänge | 61,31 km |
| Spurweite | 1435 mm |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Maximale Neigung | 17 ‰ |
| Gleise | Zürich–Ziegelbrücke zweigleisig Ziegelbrücke–Näfels-Mollis überwiegend eingleisig |
| Eröffnung | 20. September 1875 |
| Ursprünglicher Betreiber | Schweizerische Nordostbahn |
| Eigentümer | Schweizerische Bundesbahnen |
| Personenverkehr | Fernverkehr, S-Bahn Zürich, Regionalverkehr |
Die Linksufrige Zürichseebahn, auch Linksufrige Seebahn oder kurz Seebahn genannt, ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke in der Schweiz. Sie führt vom Zürcher Hauptbahnhof über Thalwil, Horgen, Wädenswil, Richterswil, Pfäffikon SZ und Ziegelbrücke nach Näfels-Mollis. Der grösste Teil der Strecke verläuft am linken, westlichen beziehungsweise südwestlichen Ufer des Zürichsees.
Die Strecke wurde am 20. September 1875 durch die Schweizerische Nordostbahn (NOB) eröffnet. Mit der Verstaatlichung der NOB ging sie 1902 an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) über.[1]
Die Linksufrige Zürichseebahn gehört zu den wichtigsten Bahnstrecken der Ostschweiz. Sie dient dem Regional- und S-Bahn-Verkehr entlang des Zürichsees, dem Fernverkehr zwischen Zürich und Graubünden sowie dem Güterverkehr auf der Nord-Süd- und Ost-West-Achse. Zwischen Zürich und Thalwil wird sie zusätzlich von Zügen in Richtung Zug und Luzern benutzt, wobei ein grosser Teil des Fernverkehrs seit 2003 durch den parallel verlaufenden Zimmerberg-Basistunnel geführt wird.
Im Jahr 2025 wurde das 150-jährige Bestehen der Bahnstrecke mit Veranstaltungen in Wädenswil und Richterswil gefeiert.[2]
Name
Bei ihrer Eröffnung war die Strecke die einzige Eisenbahnlinie entlang des Zürichsees und wurde deshalb meist einfach als Seebahn bezeichnet. Erst nach der Eröffnung der rechtsufrigen Zürichseebahn im Jahr 1894 setzte sich die genauere Bezeichnung Linksufrige Zürichseebahn durch.
Der Ausdruck «linksufrig» bezieht sich auf die Blickrichtung vom Zürichsee-Ausfluss in Zürich in Richtung oberes Seeende. Das westliche beziehungsweise südwestliche Seeufer liegt in dieser Richtung links.
In Zürich erinnern zahlreiche geografische Bezeichnungen an die Bahnstrecke. Dazu gehören die Seebahnstrasse, der Seebahneinschnitt und verschiedene Wohn- und Gewerbeareale entlang der früheren und heutigen Trasse.
Streckenverlauf
Zürich Hauptbahnhof–Zürich Wollishofen
Die Strecke beginnt im Zürcher Hauptbahnhof. Die S-Bahn-Züge der Linien S2 und S8 benutzen in der Regel die unterirdischen Gleise des Bahnhofs Löwenstrasse und erreichen die Linksufrige Zürichseebahn über die Verbindung durch den Kohlendreieck- und den Wiedikertunnel.
Andere Züge können je nach Linie und Betriebslage die oberirdische Gleishalle benutzen. Südwestlich des Hauptbahnhofs vereinigen sich die verschiedenen Zufahrten im Raum Aussersihl.
Die Bahn verläuft anschliessend im tiefer gelegten Seebahneinschnitt zum Bahnhof Zürich Wiedikon. Das Aufnahmegebäude steht als sogenannter Reiterbahnhof quer über den Gleisen. Südlich des Bahnhofs führt die Strecke durch den Wiedikon-Ulmbergtunnel.
Nach dem Tunnel erreicht sie den Bahnhof Zürich Enge. Das 1927 eröffnete Aufnahmegebäude am Tessinerplatz wurde mit Tessiner Granit verkleidet und gehört zu den bedeutenden Bahnhofsbauten der Zwischenkriegszeit.
Südlich von Zürich Enge führt die Bahn durch den Engetunnel nach Zürich Wollishofen. Der Bahnhof Zürich Wollishofen liegt zwischen dem gleichnamigen Stadtquartier und dem Seeufer.
Die heutige Linienführung zwischen Aussersihl und Wollishofen wurde am 1. März 1927 eröffnet. Sie ersetzte die ursprüngliche, weitgehend auf Strassenniveau verlaufende Strecke von 1875.[3]
Zürich Wollishofen–Thalwil
Von Wollishofen führt die Strecke in südlicher Richtung durch dicht besiedelte Vororte am linken Zürichseeufer. Sie bedient zunächst die Bahnhöfe Kilchberg und Rüschlikon.
Die Bahnanlage liegt in diesem Abschnitt meist oberhalb des Seeufers. Zwischen den Gleisen und dem See verlaufen Strassen, Wohngebiete, Parkanlagen und teilweise Industrie- und Hafenanlagen.
Der Bahnhof Thalwil ist der erste bedeutende Eisenbahnknoten südlich von Zürich. Dort zweigt die 1897 eröffnete Bahnstrecke Thalwil–Arth-Goldau über Horgen Oberdorf, den Zimmerbergtunnel, Sihlbrugg, Baar und Zug ab.
Seit der Inbetriebnahme des ersten Teils des Zimmerberg-Basistunnels im April 2003 erreichen die meisten Fernverkehrszüge aus Zürich den Bahnhof Thalwil durch den rund 9,4 Kilometer langen Tunnel. Die ältere oberirdische Strecke über Wollishofen, Kilchberg und Rüschlikon wird vorwiegend von S-Bahn- und Güterzügen benutzt.[4]
Thalwil–Wädenswil
Südlich von Thalwil folgt die Bahn weiterhin dem Zürichseeufer. Der erste Bahnhof ist Oberrieden. Er ist nicht mit dem an der Strecke nach Zug gelegenen Bahnhof Oberrieden Dorf zu verwechseln.
Danach erreicht die Strecke den Bahnhof Horgen. Horgen bildet ein regionales Zentrum und besitzt mit Horgen Oberdorf einen zweiten Bahnhof an der Strecke Thalwil–Zug.
Zwischen Horgen und Wädenswil liegt der Bahnhof Au ZH. Er erschliesst die Halbinsel Au und die umliegenden Wohngebiete.
Der Bahnhof Wädenswil ist ein bedeutender Umsteigeknoten. Dort zweigt die von der Schweizerischen Südostbahn betriebene Strecke über Samstagern nach Einsiedeln ab. Der Bahnhof wird von S-Bahn-, Regional- und Fernverkehrszügen bedient.
Wädenswil–Pfäffikon SZ
Nach Wädenswil führt die Bahn nach Richterswil. Südlich des Bahnhofs verläuft sie nahe dem Seeufer und überquert anschliessend die Kantonsgrenze zwischen Zürich und Schwyz.
Im Kanton Schwyz folgen die Stationen:
Pfäffikon ist einer der wichtigsten Bahn- und Busknoten am oberen Zürichsee. Dort zweigen die Strecken der Südostbahn über den Seedamm nach Rapperswil und über Samstagern nach Arth-Goldau ab.
Der Bahnhof Pfäffikon wird neben den Zürcher S-Bahn-Linien auch von Fernverkehrszügen und Verbindungen der Südostbahn bedient.
Pfäffikon SZ–Ziegelbrücke
Östlich von Pfäffikon führt die Strecke durch die dicht besiedelte Landschaft der March. Sie bedient die Bahnhöfe:
Zwischen Lachen und Siebnen-Wangen entfernt sich die Strecke etwas vom Seeufer. Sie folgt anschliessend der Ebene zwischen Zürichsee, Obersee, Linth und den Voralpen.
Nach Reichenburg erreicht die Bahn bei Bilten den Kanton Glarus. Die frühere Station Bilten wird seit 2013 nicht mehr im Personenverkehr bedient.
Der Bahnhof Ziegelbrücke liegt in der Gemeinde Glarus Nord nahe der Grenze zum Kanton St. Gallen. Er ist ein bedeutender Knoten zwischen den Strecken nach Zürich, Rapperswil, Sargans und Linthal.
Ziegelbrücke–Näfels-Mollis
Die historische Linksufrige Zürichseebahn führt von Ziegelbrücke weiter in südlicher Richtung durch das Glarner Unterland.
Der erste Personenhalt ist Nieder- und Oberurnen. Danach erreicht die Strecke ihren historischen Endpunkt Näfels-Mollis.
Bereits bei der Eröffnung konnten die Züge über bestehende Strecken weiter nach Glarus und Chur verkehren. Heute bildet der Abschnitt Ziegelbrücke–Näfels-Mollis einen Teil der Bahnstrecke nach Glarus und Linthal.
Bahnhöfe und Haltestellen
| Bahnhof | Gemeinde | Kanton | Eröffnung beziehungsweise Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Zürich Hauptbahnhof | Zürich | Zürich | Ausgangspunkt der Strecke |
| Zürich Wiedikon | Zürich | Zürich | heutige Anlage seit 1927 |
| Zürich Enge | Zürich | Zürich | heutige Anlage seit 1927 |
| Zürich Wollishofen | Zürich | Zürich | Bahnhof am südlichen Stadtrand |
| Kilchberg | Kilchberg ZH | Zürich | Regionalbahnhof |
| Rüschlikon | Rüschlikon | Zürich | Regionalbahnhof |
| Thalwil | Thalwil | Zürich | Abzweigung nach Zug |
| Oberrieden | Oberrieden | Zürich | Bahnhof an der Seelinie |
| Horgen | Horgen | Zürich | regionaler Verkehrsknoten |
| Au ZH | Wädenswil | Zürich | Erschliessung der Halbinsel Au |
| Wädenswil | Wädenswil | Zürich | Abzweigung nach Einsiedeln |
| Richterswil | Richterswil | Zürich | letzter Bahnhof im Kanton Zürich |
| Bäch SZ | Freienbach | Schwyz | Regionalbahnhof |
| Freienbach SBB | Freienbach | Schwyz | zur Abgrenzung von Freienbach SOB |
| Pfäffikon SZ | Freienbach | Schwyz | Abzweigungen nach Rapperswil und Arth-Goldau |
| Altendorf | Altendorf SZ | Schwyz | Regionalbahnhof |
| Lachen SZ | Lachen SZ | Schwyz | regionaler Verkehrsknoten |
| Siebnen-Wangen | Schübelbach und Wangen SZ | Schwyz | Bahnhof für mehrere Gemeinden der March |
| Schübelbach-Buttikon | Schübelbach | Schwyz | Regionalbahnhof |
| Reichenburg | Reichenburg | Schwyz | letzter Bahnhof im Kanton Schwyz |
| Bilten | Glarus Nord | Glarus | Personenverkehr 2013 eingestellt |
| Ziegelbrücke | Glarus Nord | Glarus | Abzweigungen nach Rapperswil, Sargans und Linthal |
| Nieder- und Oberurnen | Glarus Nord | Glarus | Regionalbahnhof |
| Näfels-Mollis | Glarus Nord | Glarus | historischer Endpunkt |
Geschichte
Planung
Bereits in den 1850er- und 1860er-Jahren wurden verschiedene Eisenbahnprojekte entlang des linken Zürichseeufers diskutiert. Die Gemeinden am See verlangten eine direkte Verbindung nach Zürich und in Richtung Glarus und Graubünden.
Die Planung war mit politischen und wirtschaftlichen Konflikten verbunden. Als mögliche Alternativen galten eine Bahn durch das Sihltal und eine Strecke durch das Knonaueramt nach Zug.
Die Schweizerische Nordostbahn erhielt schliesslich die Konzession für eine Verbindung von Zürich über das linke Zürichseeufer nach Ziegelbrücke und Näfels. Die Gemeinden und Kantone beteiligten sich finanziell am Bau. Für die Strecke Zürich–Weesen war ein Beitrag von fünf Millionen Franken vorgesehen.[5]
Bau und Eröffnung
Der Streckenbau begann in den frühen 1870er-Jahren. Die Trasse musste zwischen bestehenden Dörfern, steilen Hängen, Strassen und dem Seeufer angelegt werden.
Zu den aufwendigen Arbeiten gehörten:
- der Bau des ursprünglichen Ulmbergtunnels in Zürich;
- Geländeeinschnitte und Stützmauern;
- Aufschüttungen im Seeuferbereich;
- Brücken über Bäche und Strassen;
- der Bau zahlreicher Bahnhöfe;
- die Regulierung von Zufahrtsstrassen und Uferwegen.
Am 18. September 1875 fand eine Eröffnungsfahrt statt. Der reguläre Betrieb wurde am 20. September 1875 aufgenommen.[6]
Nur wenige Tage nach der Eröffnung ereignete sich bei Horgen ein Erdrutsch. Rund 250 Meter Gleis wurden in den Zürichsee verschoben, wodurch die Strecke vorübergehend unterbrochen war.[2]
Auswirkungen auf die Gemeinden
Die Eisenbahn veränderte die Gemeinden am linken Zürichseeufer grundlegend. Die Reisezeiten nach Zürich verkürzten sich erheblich, und landwirtschaftliche sowie industrielle Produkte konnten schneller transportiert werden.
Die Strecke förderte insbesondere:
- die Industrialisierung in Horgen, Wädenswil und Richterswil;
- den Bau neuer Wohnquartiere;
- den Pendlerverkehr nach Zürich;
- den Tourismus am Zürichsee;
- die Entwicklung von Pfäffikon und der March;
- den Güterverkehr zwischen Zürich, Glarus und Graubünden.
Viele Bahnhöfe lagen bei ihrer Eröffnung ausserhalb der historischen Dorfkerne. Mit dem Bevölkerungswachstum wurden die Bahnhofgebiete später in die Siedlungen integriert.
Übergang an die SBB
Die Schweizerische Nordostbahn wurde 1902 verstaatlicht. Die Strecke ging damit an die Schweizerischen Bundesbahnen über.
Die SBB modernisierten die Sicherungs-, Gleis- und Bahnhofanlagen schrittweise. Die steigende Zahl von Personen-, Güter- und Schnellzügen machte einen Ausbau auf Doppelspur und die Elektrifizierung erforderlich.
Doppelspurausbau und Elektrifizierung
Die Strecke wurde zwischen 1923 und 1925 weitgehend auf Doppelspur ausgebaut und gleichzeitig elektrifiziert.[7]
Die Fahrleitung wurde für das schweizerische Bahnstromsystem mit 15 Kilovolt Wechselstrom ausgerüstet. Die heutige Frequenz beträgt 16,7 Hertz.
Der elektrische Betrieb brachte mehrere Vorteile:
- kürzere Fahrzeiten;
- bessere Beschleunigung der Regionalzüge;
- höhere Zuggewichte;
- weniger Rauch und Russ in Tunneln und Bahnhöfen;
- einen wirtschaftlicheren Betrieb;
- eine höhere Streckenkapazität.
In einzelnen Bahnhöfen mussten die Doppelspur- und Elektrifizierungsarbeiten mit umfassenden Umbauten verbunden werden.
Tieferlegung in Zürich
Die ursprüngliche Strecke verlief zwischen dem Zürcher Hauptbahnhof und Wollishofen weitgehend auf Strassenniveau. Mit dem Wachstum der Stadt entstanden immer grössere Probleme an den zahlreichen Bahnübergängen.
Die Schranken blieben wegen des zunehmenden Zugverkehrs häufig geschlossen. Strassenbahnen, Fuhrwerke, Automobile und Fussgänger mussten lange warten, und die Bahnlinie trennte die wachsenden Stadtquartiere voneinander.
Die Nordostbahn und später die SBB prüften zunächst eine Hochbahn. Die Stadt Zürich setzte sich jedoch für eine Tieferlegung der Strecke ein.
Zwischen Aussersihl und Wollishofen entstand eine neue Trasse mit:
- dem Seebahneinschnitt;
- dem Bahnhof Zürich Wiedikon;
- dem Wiedikon-Ulmbergtunnel;
- dem Bahnhof Zürich Enge;
- dem Engetunnel;
- neuen Brücken und Strassenverbindungen.
Für die Bauarbeiten mussten 53 Häuser abgebrochen werden.[3]
Die neue Strecke wurde am 1. März 1927 eröffnet. Gleichzeitig verschwanden zahlreiche niveaugleiche Bahnübergänge. Die frei gewordene alte Trasse wurde teilweise für Strassen, Grünanlagen und andere städtische Nutzungen verwendet.
Der Bahnhof Wiedikon wurde nach Plänen des Zürcher Stadtbaumeisters Hermann Herter als Reiterbahnhof errichtet. Der Bahnhof Enge entstand nach einem Entwurf der Brüder Otto und Werner Pfister.
Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach 1945 nahm der Pendlerverkehr entlang des Zürichsees stark zu. Die Gemeinden zwischen Zürich und Pfäffikon entwickelten sich zu dicht bebauten Wohn- und Arbeitsstandorten.
Die SBB bauten die Bahnhöfe, Perrons und Sicherungsanlagen aus. Der Regionalverkehr wurde schrittweise vertaktet und durch zusätzliche Züge während der Hauptverkehrszeiten ergänzt.
Gleichzeitig blieb die Strecke eine wichtige Fernverkehrsverbindung nach Graubünden. Internationale Züge nach Österreich und in frühere südosteuropäische Destinationen nutzten ebenfalls die Walenseeroute über Ziegelbrücke.
Zürcher S-Bahn
Am 27. Mai 1990 wurde die Zürcher S-Bahn eröffnet. Die regionalen Züge auf der Linksufrigen Zürichseebahn erhielten feste Liniennummern und wurden mit den neuen unterirdischen Stammstrecken durch Zürich verknüpft.
Die S-Bahn führte zu einem deutlichen Angebotsausbau. Viele Bahnhöfe erhielten mindestens zwei Verbindungen pro Stunde. Auf den stärker nachgefragten Abschnitten entstanden durch die Überlagerung mehrerer Linien dichtere Takte.
Die Bahnhöfe wurden in den folgenden Jahrzehnten mit höheren Perrons, Rampen, Aufzügen, elektronischen Anzeigen und längeren Perrondächern modernisiert.
Zimmerberg-Basistunnel
Der Abschnitt Zürich–Thalwil gehört zu den am stärksten ausgelasteten Bahnstrecken der Schweiz. Neben S-Bahn-Zügen verkehren dort Fern- und Güterzüge in Richtung Zug, Luzern, Gotthard und Graubünden.
Zur Entlastung der oberirdischen Seebahn wurde im Rahmen von Bahn 2000 der Zimmerberg-Basistunnel zwischen Zürich und Thalwil gebaut. Er ging im April 2003 in Betrieb.
Der Tunnel verkürzte die Fahrzeit der Fernzüge und schuf zusätzliche Kapazität auf der bestehenden Seebahn. Die oberirdische Strecke wird seither vorwiegend durch S-Bahn- und Güterzüge benutzt.
Heutiger Betrieb
Fernverkehr
Zwischen Thalwil und Ziegelbrücke ist die Linksufrige Zürichseebahn Teil der Fernverkehrsachse Zürich–Sargans–Chur.
Im Fahrplanjahr 2026 wird sie unter anderem von folgenden Zugskategorien benutzt:
- InterCity-Züge zwischen Basel beziehungsweise Zürich und Chur;
- InterRegio-Züge zwischen Zürich, Ziegelbrücke, Sargans und Chur;
- internationale Züge zwischen Zürich und Österreich;
- einzelne zusätzliche RegioExpress- und Verstärkungszüge.
Fernverkehrshalte bestehen insbesondere in Zürich Hauptbahnhof, Thalwil, Wädenswil, Pfäffikon SZ und Ziegelbrücke. Nicht jede Linie hält an allen genannten Bahnhöfen.
Zwischen Zürich und Thalwil benutzen die meisten Fernverkehrszüge den Zimmerberg-Basistunnel und nicht die oberirdische Strecke über Wollishofen.
S-Bahn Zürich
Die wichtigsten S-Bahn-Linien auf der Linksufrigen Zürichseebahn sind:
- S2: Zürich Flughafen – Zürich Oerlikon – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Enge – Thalwil – Horgen – Wädenswil – Pfäffikon SZ – Ziegelbrücke beziehungsweise Unterterzen
- S8: Winterthur – Zürich Oerlikon – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Enge – Zürich Wollishofen – Kilchberg – Rüschlikon – Thalwil – Oberrieden – Horgen – Au ZH – Wädenswil – Richterswil – Pfäffikon SZ
- S24: Zug – Horgen Oberdorf – Thalwil – Rüschlikon – Kilchberg – Zürich Wollishofen – Zürich Enge – Zürich Hauptbahnhof – Zürich Oerlikon – Zürich Flughafen – Winterthur und weiter in die Nordostschweiz
- S25: Zürich Hauptbahnhof – Zürich Enge – Wädenswil – Pfäffikon SZ – Lachen SZ – Siebnen-Wangen – Ziegelbrücke – Glarus – Schwanden – Linthal
Die S8 bedient zwischen Zürich Wollishofen und Pfäffikon SZ grundsätzlich alle Stationen. Die S2 und S25 verkehren beschleunigt und lassen mehrere kleinere Bahnhöfe aus.
Die Linienführung und einzelne Endpunkte können je nach Fahrplanperiode, Tageszeit und Bauarbeiten abweichen. Der ZVV-Netzplan für das Fahrplanjahr 2026 weist die S2, S8, S24 und S25 als wichtigste Linien der Strecke aus.[8]
Regionalverkehr in der March und im Glarnerland
Auf den Abschnitten Pfäffikon–Ziegelbrücke und Ziegelbrücke–Näfels-Mollis verkehren neben den Zürcher S-Bahn-Linien weitere Regionalzüge.
Sie stellen Verbindungen nach Rapperswil, Uznach, Glarus, Schwanden und Linthal her. Ziegelbrücke dient dabei als zentraler Umsteigeknoten.
Das regionale Angebot wurde mehrfach verändert. Die kleineren Bahnhöfe der oberen March werden je nach Fahrplanperiode durch unterschiedliche Linien oder nur während bestimmter Tageszeiten bedient.
Güterverkehr
Die Strecke besitzt grosse Bedeutung für den Güterverkehr. Güterzüge verbinden den Raum Zürich und das Schweizer Mittelland mit der Ostschweiz, dem Rheintal, Graubünden und dem Ausland.
Zwischen Zürich und Thalwil verkehren Güterzüge weiterhin über die oberirdische Seebahn, da der Zimmerberg-Basistunnel hauptsächlich dem Personenfernverkehr dient.
Die dichte Belegung durch S-Bahn-, Fern- und Güterzüge stellt hohe Anforderungen an die Fahrplangestaltung und die Betriebsführung.
Infrastruktur
Die Strecke ist normalspurig und mit 15 Kilovolt Wechselstrom bei 16,7 Hertz elektrifiziert. Zwischen Zürich und Ziegelbrücke besteht grundsätzlich Doppelspur.
Der Abschnitt Ziegelbrücke–Näfels-Mollis besitzt teilweise nur ein Streckengleis und wird gemeinsam mit den Verbindungen ins Glarnerland genutzt.
Zu den bedeutenden Kunstbauten gehören:
- der Wiedikon-Ulmbergtunnel;
- der Engetunnel;
- der Seebahneinschnitt in Zürich;
- verschiedene Brücken über Strassen und Gewässer;
- Stützmauern entlang des Zürichsees;
- Dämme und Aufschüttungen in Ufernähe;
- der parallel verlaufende Zimmerberg-Basistunnel zwischen Zürich und Thalwil.
Die Strecke wird durch elektronische Stellwerke überwacht. Der Betrieb wird weitgehend aus Fernsteuerzentren der SBB gesteuert.
Bedeutung
Die Linksufrige Zürichseebahn ist sowohl eine regionale Pendlerstrecke als auch eine nationale Hauptlinie.
Für die Agglomeration Zürich erschliesst sie dicht besiedelte Gemeinden mit zahlreichen Arbeitsplätzen. Thalwil, Horgen, Wädenswil und Pfäffikon sind wichtige regionale Zentren.
Die Strecke ermöglicht direkte Verbindungen:
- von den Zürichseegemeinden nach Zürich;
- von Zürich nach Graubünden;
- aus der March und dem Glarnerland in den Wirtschaftsraum Zürich;
- zwischen Zürich, Zug und Luzern;
- zu den Bahnknoten Thalwil, Pfäffikon und Ziegelbrücke.
Sie spielte eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung des linken Zürichseeufers zu einem zusammenhängenden Siedlungs- und Wirtschaftsraum.
Städtebau und Landschaft
Der Bau der Bahn veränderte das Seeufer erheblich. Für Trasse, Bahnhöfe und Zufahrten wurden Böschungen abgetragen, Dämme aufgeschüttet und Uferbereiche neu gestaltet.
In mehreren Gemeinden trennte die Bahn historische Dorfkerne vom Zürichsee. Unterführungen, Brücken und Stege stellen heute die Verbindung zwischen den Wohngebieten und dem Ufer her.
Gleichzeitig förderte die Eisenbahn die bauliche Entwicklung rund um die Stationen. Ehemalige Landwirtschaftsflächen wurden zu Wohn-, Gewerbe- und Industriequartieren.
Mehrere Aufnahmegebäude, Güterschuppen, Stellwerke und Perrondächer stehen unter Denkmalschutz oder sind in kommunalen und kantonalen Inventaren verzeichnet.
Zukunft
Die Nachfrage auf der Linksufrigen Zürichseebahn nimmt wegen des Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstums in der Region weiter zu.
Langfristige Ausbauplanungen betreffen unter anderem:
- zusätzliche Kapazitäten im Knoten Zürich;
- den Ausbau der Bahnhöfe und Perrons;
- bessere hindernisfreie Zugänge;
- leistungsfähigere Sicherungsanlagen;
- zusätzliche Abstellanlagen;
- eine dichtere und systematischere S-Bahn;
- die Entflechtung von Fern-, Regional- und Güterverkehr.
Der geplante Zimmerberg-Basistunnel 2 soll den bestehenden Basistunnel von Thalwil bis in den Raum Litti bei Baar verlängern. Das Projekt besteht aus zwei rund 10,8 Kilometer langen einspurigen Tunnelröhren.[9]
Der neue Tunnel betrifft vor allem den Verkehr Zürich–Zug–Luzern. Durch die Trennung dieser Züge von den Verbindungen entlang des Zürichsees sollen aber auch die betrieblichen Verhältnisse im Raum Thalwil verbessert werden.
Für eine weitere Entlastung der Strecke Richtung Chur wird langfristig ein Meilibachtunnel diskutiert, der den Fernverkehr aus dem Zimmerberg-Basistunnel direkt in Richtung Wädenswil führen könnte. Das Projekt gehört jedoch zu einer späteren Ausbauperspektive und besitzt noch keinen festgelegten Eröffnungstermin.
Siehe auch
- Rechtsufrige Zürichseebahn
- Zürichsee
- Schweizerische Nordostbahn
- Schweizerische Bundesbahnen
- S-Bahn Zürich
- Zimmerberg-Basistunnel
- Bahnstrecke Thalwil–Arth-Goldau
- Bahnstrecke Ziegelbrücke–Sargans
- Bahnstrecke Ziegelbrücke–Linthal
- Bahnhof Zürich Enge
- Bahnhof Thalwil
- Bahnhof Wädenswil
- Bahnhof Pfäffikon SZ
- Bahnhof Ziegelbrücke
Literatur
- Martin Bosshard, René Guertner (Hrsg.): Der Zimmerberg-Basistunnel. Zürich HB–Thalwil. Basler & Hofmann, Zürich 2004, ISBN 3-033-00226-9.
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- Schweers + Wall: Eisenbahnatlas Schweiz. Schweers + Wall, Köln 2012, ISBN 978-3-89494-130-7.
- Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983, ISBN 3-280-01405-0.
- Verein 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn: 150 Jahre Zürichseebahn 1875–2025. Wädenswil 2025.
Weblinks
- 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn
- Dokumente zur Linksufrigen Zürichseebahn bei SBB Historic
- Historische Fotografien in der ETH-Bibliothek
- Zürcher Verkehrsverbund
- Schweizerische Bundesbahnen
- Projekt Zimmerberg-Basistunnel 2
Einzelnachweise
- ↑ Linksufrige Zürichseebahn Zürich Hauptbahnhof–Ziegelbrücke–Näfels, SBB Historic, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn, Verein 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 Seebahneinschnitt, ETH-Bibliothek, 2. Juni 2021, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Zimmerberg-Basistunnel 2, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 100 Jahre Eisenbahnlinie, Verein 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Die Linksufrige Zürichseebahn, ETH-Bibliothek, 31. Juli 2020, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn – Geschichte, Verein 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Liniennetzplan des Zürcher Verkehrsverbunds 2026, ZVV und SBB, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Zimmerberg-Basistunnel 2: Projektinhalt, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.