Bahnhof Oberrieden
| Bahnhof Oberrieden | |
|---|---|
| Bildtext | Bahnhof Oberrieden |
| Lage | Oberrieden, Kanton Zürich |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Bahnsteiggleise | 2 |
| Abkürzung | ORD |
| IBNR | 8503203 |
| Eröffnung | 20. September 1875 |
| Höhe | 424 m ü. M. |
| Eigentümerin | SBB |
| Betreiberin | SBB |
| Strecke | Linksufrige Zürichseebahn |
| Verkehr | S-Bahn Zürich S8 und SN8 |
| Koordinaten | 47° 16′ 46,8″ N, 8° 34′ 42,4″ O |
Der Bahnhof Oberrieden ist ein Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) in der Gemeinde Oberrieden im Bezirk Horgen des Kantons Zürich. Er liegt nahe dem westlichen Ufer des Zürichsees an der linksufrigen Zürichseebahn zwischen den Bahnhöfen Thalwil und Horgen.
Der Bahnhof wird von der Linie S8 der S-Bahn Zürich bedient. Zur Unterscheidung vom weiter oben am Hang gelegenen Bahnhof Oberrieden Dorf wird er im örtlichen Sprachgebrauch und teilweise auch in amtlichen Dokumenten als Bahnhof Oberrieden See bezeichnet.[1]
Lage
Der Bahnhof befindet sich im unteren, seenahen Teil der Gemeinde Oberrieden. Die Gleisanlagen verlaufen annähernd parallel zum Zürichsee zwischen dem besiedelten Hang und dem Seeufer. Der Bahnhof erschliesst vor allem die tiefer gelegenen Wohnquartiere, das Seeufer und Teile des Oberriedner Gewerbegebiets.
Der Bahnhof Oberrieden Dorf liegt rund 400 Meter entfernt, jedoch deutlich höher am Hang. Die beiden Stationen befinden sich an unterschiedlichen Bahnstrecken und besitzen keine direkte Gleisverbindung. Der Bahnhof Oberrieden liegt an der linksufrigen Zürichseebahn, während Oberrieden Dorf zur Bahnstrecke Thalwil–Arth-Goldau gehört.
Unmittelbar beim Bahnhof befinden sich eine Bushaltestelle, Veloabstellplätze und eine Park-and-Rail-Anlage. Nach Angaben der SBB stehen 30 überdachte Veloabstellplätze sowie 16 reguläre Parkplätze und ein Behindertenparkplatz zur Verfügung.[2]
Geschichte
Eröffnung durch die Nordostbahn
Der Bahnhof wurde zusammen mit der linksufrigen Zürichseebahn von Zürich über Thalwil, Horgen, Wädenswil und Pfäffikon nach Ziegelbrücke und Näfels errichtet. Bauherrin und erste Betreiberin war die Schweizerische Nordostbahn (NOB). Die festliche Einweihungsfahrt fand am 18. September 1875 statt; der fahrplanmässige Betrieb wurde am 20. September 1875 aufgenommen.[3]
Die Lage der Station nahe dem See war in Oberrieden weniger umstritten als in mehreren anderen Gemeinden entlang der Strecke. Die Gemeinde leistete allerdings nur einen vergleichsweise kleinen finanziellen Beitrag an den Bahnbau. Entsprechend einfach fiel das erste Stationsgebäude aus.
Als Aufnahmegebäude diente ursprünglich ein eingeschossiger Holzbau. Dieser wurde später zum Güterschuppen umgenutzt und blieb bis in die Gegenwart erhalten. Das Gebäude gilt als Zeugnis der frühen Baugeschichte der linksufrigen Zürichseebahn und steht unter kantonaler Denkmalpflege.[3]
Der Bahnanschluss verbesserte die Verbindung Oberriedens mit Zürich und den übrigen Gemeinden am linken Zürichseeufer erheblich. Neben dem Personenverkehr spielte zunächst auch der lokale Güterverkehr eine Rolle. In der Umgebung der Station bestanden Gewerbe- und Produktionsbetriebe, die von der Nähe zur Bahn und zum See profitierten.
Übergang an die SBB
Im Zuge der Verstaatlichung der grossen schweizerischen Privatbahnen ging die Nordostbahn 1902 in den neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen auf. Damit wurde auch der Bahnhof Oberrieden Eigentum der SBB.
Mit dem Ausbau der linksufrigen Zürichseebahn wurde die ursprünglich eingleisige Strecke abschnittsweise auf Doppelspur erweitert und elektrifiziert. Dadurch konnten mehr Züge verkehren und die Reisezeiten zwischen Zürich und den Gemeinden am Zürichsee verkürzt werden.
Neben dem früheren hölzernen Aufnahmegebäude entstand ein grösseres, zweigeschossiges Stationsgebäude. Der ältere Bau wurde danach als Güterschuppen verwendet. Mit dem Rückgang des lokalen Güterverkehrs verlor dieser Bereich seine ursprüngliche betriebliche Bedeutung, blieb jedoch als historischer Bestandteil der Bahnhofsanlage erhalten.
Einbindung in die S-Bahn Zürich
Mit der Einführung der S-Bahn Zürich im Mai 1990 wurde Oberrieden in das neue regionale Schnellbahnnetz integriert. Die Bedienung übernahm die Linie S8, die eine direkte Verbindung nach Zürich und Winterthur sowie in Richtung Pfäffikon SZ herstellt.
Die Einführung des systematischen Halbstundentakts stärkte die Rolle des Bahnhofs für den Pendlerverkehr. Oberrieden entwickelte sich gleichzeitig zu einer stark vom Wohnen geprägten Gemeinde innerhalb der Agglomeration Zürich.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden die Perrons erhöht und die Publikumsanlagen modernisiert. Das Bundesamt für Verkehr bewilligte die Erhöhung der Perrons und die Sanierung der Bahnhofsanlagen am 6. November 2002. Im Rahmen des SBB-Programms «Facelifting Stationen» entstanden neue Wartehallen, Perrondächer, Informationsanlagen und eine erneuerte Beleuchtung.[1]
Anlage
Der Bahnhof ist als Durchgangsbahnhof mit zwei durchgehenden Hauptgleisen angelegt. Jedes Gleis besitzt einen seitlich angeordneten Aussenperron. Die beiden Perrons sind jeweils rund 320 Meter lang.[1]
| Gleis | Übliche Fahrtrichtung | Bedienung |
|---|---|---|
| 1 | Thalwil–Zürich–Winterthur | S8 und SN8 in Richtung Zürich und Winterthur beziehungsweise Pfäffikon ZH |
| 2 | Horgen–Wädenswil–Pfäffikon SZ | S8 und SN8 in Richtung Horgen, Wädenswil, Pfäffikon SZ und Lachen |
Gleis 1 liegt auf der hang- beziehungsweise dorfseitigen Seite der Anlage. Gleis 2 befindet sich auf der Seeseite. Teile der Perrons sind überdacht; auf beiden Seiten stehen gläserne Wartehallen zur Verfügung.
Die Station ist unbedient. Billette werden über Automaten, die Website der SBB oder mobile Anwendungen verkauft. Neben den beiden Perrongleisen sind keine regelmässig für den Personenverkehr verwendeten Abstell- oder Überholgleise vorhanden. Fernverkehrs-, Güter- und andere durchgehende Züge passieren den Bahnhof ohne Halt.
Zur Bahnhofsanlage gehören das Aufnahmegebäude und der ehemalige Güterschuppen. Der frühere Holzbau ist wegen seiner Entstehungsgeschichte von besonderem kulturhistorischem Wert. Er erinnert an die einfache Ausstattung kleinerer Stationen bei der Eröffnung der linksufrigen Zürichseebahn.
Beleuchtungsverfahren
Die bei der Modernisierung der Publikumsanlagen installierte Beleuchtung führte zu einer längeren rechtlichen Auseinandersetzung. Eigentümer einer rund 80 Meter oberhalb des Bahnhofs gelegenen Liegenschaft verlangten eine Verringerung der nächtlichen Lichtimmissionen.
Der Streit gelangte über das Bundesamt für Verkehr und das Bundesverwaltungsgericht bis vor das Bundesgericht. Dieses entschied 2014, dass die intensive Beleuchtung der überdachten Perronbereiche während der Nachtruhe zwischen 22.00 und 06.00 Uhr betrieblich nicht vollständig erforderlich sei. Die SBB mussten die Beleuchtung während der betriebsfreien Zeiten reduzieren. Bei einer Erneuerung oder einem Ersatz der Leuchten sind zudem Abschirmungen anzubringen, um eine unnötige seitliche Abstrahlung in Richtung des Hangs zu verhindern.[1]
Der Entscheid wird über den Bahnhof hinaus als Beispiel für die rechtliche Beurteilung von Lichtimmissionen bei öffentlichen Verkehrsanlagen betrachtet.
Verkehr
S-Bahn
Im regulären Tagesverkehr wird der Bahnhof Oberrieden durch die Linie S8 der S-Bahn Zürich bedient. Die Züge verkehren grundsätzlich im Halbstundentakt.[4]
- S8 Winterthur–Wallisellen–Zürich Oerlikon–Zürich HB–Zürich Enge–Thalwil–Oberrieden–Horgen–Wädenswil–Pfäffikon SZ
In den Wochenendnächten wird Oberrieden zusätzlich von der Nacht-S-Bahn SN8 bedient. Sie verbindet die Gemeinden am linken Zürichseeufer mit Zürich und verkehrt je nach Fahrtrichtung weiter nach Lachen SZ oder Pfäffikon ZH.[5]
Die Fahrt von Oberrieden nach Zürich Hauptbahnhof dauert mit der S8 rund 20 Minuten. Durch die direkte Verbindung ohne Umsteigen besitzt die Bahn vor allem für den Berufs- und Ausbildungsverkehr eine grosse Bedeutung.
Busverkehr
Bei der Station befindet sich die Bushaltestelle Oberrieden, Bahnhof. Sie wird durch die regionale Buslinie 136 bedient, die den Bahnhof Oberrieden mit dem Bahnhof Horgen verbindet. In den Nächten am Wochenende verkehrt zudem die Nachtbuslinie N25.[5]
Die Busverbindung erschliesst Gebiete, die nicht unmittelbar an der Bahnstrecke liegen, und ergänzt die höher gelegene Bahnverbindung über den Bahnhof Oberrieden Dorf.
Bahnhof Oberrieden Dorf
Oberrieden besitzt als eine der kleineren Schweizer Gemeinden zwei Bahnhöfe an verschiedenen Hauptstrecken. Der Bahnhof Oberrieden Dorf liegt oberhalb des Ortszentrums an der Bahnstrecke Thalwil–Arth-Goldau und wird von der Linie S24 der S-Bahn Zürich bedient.
| Merkmal | Bahnhof Oberrieden | Bahnhof Oberrieden Dorf |
|---|---|---|
| Lage | Nahe dem Zürichsee | Oberhalb des Dorfzentrums am Hang |
| Bahnstrecke | Linksufrige Zürichseebahn | Bahnstrecke Thalwil–Arth-Goldau |
| Eröffnung | 1875 | 1897 |
| S-Bahn-Linie | S8 | S24 |
| Direkte Richtung südlich | Horgen–Wädenswil–Pfäffikon SZ | Horgen Oberdorf–Baar–Zug |
Trotz der geringen Luftliniendistanz bilden die beiden Stationen keinen gemeinsamen Bahnhofskomplex. Der Fussweg führt über ansteigende Strassen durch das Siedlungsgebiet. Bei der Reiseplanung ist deshalb auf die genaue Stationsbezeichnung zu achten.
Bedeutung
Der Bahnhof Oberrieden bildet gemeinsam mit dem Bahnhof Oberrieden Dorf das Rückgrat der öffentlichen Verkehrserschliessung der Gemeinde. Während Oberrieden Dorf vor allem Verbindungen nach Zug und über den Flughafen in die Nordostschweiz ermöglicht, stellt der Bahnhof am See die direkte Verbindung entlang des linken Zürichseeufers her.
Für den unteren Gemeindeteil ist der Bahnhof die wichtigste Haltestelle des öffentlichen Verkehrs. Seine Lage nahe dem See erleichtert zudem den Zugang zu Uferwegen, Badeanlagen und Naherholungsgebieten. Der Bahnhof wird überwiegend von Pendlerinnen und Pendlern genutzt, besitzt aber auch Bedeutung für den Freizeitverkehr entlang des Zürichsees.
Die erhaltenen historischen Gebäude erinnern an die Eröffnung der linksufrigen Zürichseebahn im Jahr 1875. Der Bahnhof verbindet damit eine moderne S-Bahn-Funktion mit Teilen einer Bahnhofsanlage aus der Frühzeit des schweizerischen Eisenbahnwesens.
Siehe auch
Weblinks
- Bahnhof Oberrieden auf der Website der SBB
- Fahrpläne des Zürcher Verkehrsverbundes
- Geschichte der linksufrigen Zürichseebahn
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 BGE 140 II 214: Lichtimmissionen des Bahnhofs Oberrieden See, Schweizerisches Bundesgericht, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Bahnhof Oberrieden, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 100 Jahre Eisenbahnlinie, Verein 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Linie S8, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 Haltestellenfahrplan Oberrieden, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 4. August 2026.
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