Bahnhof Zürich Wiedikon

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Bahnhof Zürich Wiedikon
Offizielle Bezeichnung Zürich Wiedikon
Bahnhofstyp Zwischenbahnhof
Bauform Durchgangs- und Reiterbahnhof
Stadt Zürich
Quartier Alt-Wiedikon
Stadtkreis Kreis 3
Kanton Zürich
Eröffnung 20. September 1875
Eröffnung des heutigen Bahnhofs 1. März 1927
Baujahre des Aufnahmegebäudes 1927–1928
Architekt Hermann Herter
Ingenieur Ernst Rathgeb
Eigentümerin und Betreiberin Schweizerische Bundesbahnen
IBNR 8503011
Perrongleise 3
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 110
Adresse Birmensdorferstrasse 80, 8003 Zürich
Website sbb.ch

Der Bahnhof Zürich Wiedikon ist ein Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) im Zürcher Stadtkreis Wiedikon. Er liegt an der linksufrigen Zürichseebahn zwischen dem Zürcher Hauptbahnhof und dem Bahnhof Zürich Enge und wird von mehreren Linien der S-Bahn Zürich bedient.

Das heutige Aufnahmegebäude wurde 1927 und 1928 nach Plänen des damaligen Zürcher Stadtbaumeisters Hermann Herter errichtet. Es steht quer über den tiefer gelegten Gleisen und bildet gleichzeitig das nördliche Portal des Ulmbergtunnels. Aufgrund dieser Bauweise gilt Zürich Wiedikon als einziger Reiterbahnhof der Schweiz.[1]

Der Bahnhof ist nicht nur ein wichtiger Umsteigepunkt zwischen Bahn, Tram und Bus, sondern auch ein bedeutendes Werk der Zürcher Architektur- und Verkehrsgeschichte. Das Aufnahmegebäude, die Perrondächer, das ehemalige Reiterstellwerk und der zugehörige Brunnen bilden eine denkmalpflegerisch wertvolle Gesamtanlage.

Lage

Der Bahnhof befindet sich im Quartier Alt-Wiedikon an der Birmensdorferstrasse. Das Aufnahmegebäude liegt zwischen der Birmensdorferstrasse, der Schimmelstrasse und der Baumgartnerstrasse. Es bildet einen markanten städtebaulichen Abschluss der Schimmelstrasse, die auf der Überdeckung des Ulmbergtunnels angelegt wurde.

Nördlich des Bahnhofs verlaufen die Gleise in einem offenen Einschnitt in Richtung Aussersihl und Zürich Hauptbahnhof. Südlich des Aufnahmegebäudes verschwinden sie im Ulmbergtunnel, der die Verbindung zum Bahnhof Zürich Enge herstellt.

In der näheren Umgebung befinden sich unter anderem:

  • der Schmiede-Wiedikon-Platz,
  • die Sportanlage Sihlhölzli,
  • das Tramdepot Elisabethenstrasse,
  • die Brandwache Süd,
  • das Quartierzentrum von Alt-Wiedikon,
  • das Gebiet Lochergut,
  • die Sihl und der Bahnhof Zürich Giesshübel.

Der Bahnhof liegt rund zwei Kilometer südwestlich des Zürcher Hauptbahnhofs. Die Fahrt zwischen beiden Stationen dauert mit der S-Bahn nur wenige Minuten.

Geschichte

Erste Station von 1875

Die erste Station Wiedikon wurde am 20. September 1875 zusammen mit der linksufrigen Zürichseebahn der Schweizerischen Nordostbahn eröffnet. Die neue Bahnstrecke führte vom Zürcher Hauptbahnhof über Thalwil, Wädenswil, Pfäffikon SZ und Ziegelbrücke nach Näfels.[2]

Die Gleise verliefen zunächst auf Strassenniveau durch die damals rasch wachsenden Quartiere Aussersihl und Wiedikon. Zahlreiche Niveauübergänge mussten mit Barrieren gesichert werden. Mit der Zunahme des Bahn- und Strassenverkehrs blieben diese Barrieren immer länger geschlossen und behinderten den Verkehr zwischen den Quartierteilen.

Der Bahnhof gewann 1892 durch eine Verbindung zum Bahnhof Zürich Giesshübel der Sihltalbahn zusätzliche Bedeutung. Über diese Verbindung konnten Fahrzeuge und Güterwagen zwischen dem Netz der Nordostbahn und der Sihltalbahn ausgetauscht werden.

Im Jahr 1902 ging die Schweizerische Nordostbahn im Zuge der Verstaatlichung der grossen Privatbahnen in den Schweizerischen Bundesbahnen auf. Damit wurden auch der Bahnhof Wiedikon und die linksufrige Zürichseebahn Eigentum der SBB.

Planung der Tieferlegung

Die ebenerdige Bahnlinie entwickelte sich zu einem der grössten Verkehrshindernisse im wachsenden Zürich. Die Nordostbahn und später die SBB bevorzugten zunächst eine Hochbahn auf einem Viadukt. Die Stadt Zürich setzte sich dagegen für eine Tieferlegung der Gleise ein.

Nach langen Verhandlungen beschlossen Bund, SBB und Stadt die Verlegung der Seebahn in einen offenen Einschnitt sowie in mehrere Tunnelabschnitte. Die Arbeiten wurden zwischen 1918 und 1928 ausgeführt.[3]

Für das Grossprojekt mussten zahlreiche technische und städtebauliche Probleme gelöst werden. Zwischen Wiedikon, Enge und Wollishofen wurden neue Tunnel, Brücken, Stützmauern, Böschungen und Strassenverbindungen gebaut. Für die Unterquerung der Sihl musste zeitweise sogar das Flussbett verlegt werden. Insgesamt mussten für die neue Linienführung 53 Häuser weichen.[3]

Die technische Gesamtplanung lag unter anderem beim SBB-Ingenieur Robert Grünhut. Für die architektonische und städtebauliche Gestaltung war der Zürcher Stadtbaumeister Hermann Herter verantwortlich.

Neubau von 1927

Die neue, tiefer gelegte Bahnstrecke wurde am 1. März 1927 eröffnet. Der bisherige Bahnhof wurde durch das heutige Aufnahmegebäude ersetzt. Die abschliessenden Bauarbeiten dauerten teilweise bis 1928.[1]

Das Gebäude wurde quer über die Gleise gestellt. Dadurch konnte der begrenzte Raum optimal genutzt und gleichzeitig ein unmittelbarer Zugang von der Birmensdorferstrasse zu beiden Perrons geschaffen werden.

Der neue Bahnhof war von Beginn an ausschliesslich für den Personenverkehr bestimmt. Zusammen mit dem gleichzeitig errichteten Bahnhof Zürich Enge gehörte Wiedikon zu den ersten innerstädtischen Bahnhöfen der Schweiz, die keine Anlagen für den Güterumschlag mehr besassen. Die beiden Stationen orientierten sich typologisch an den damals bereits bekannten Untergrund- und Stadtbahnstationen in Städten wie London und Paris.[1]

Die Tieferlegung beseitigte die früheren Niveauübergänge und gab grosse Flächen für den Wohnungsbau und neue öffentliche Anlagen frei. Rund um den Bahnhof entstanden moderne Wohn- und Geschäftshäuser sowie die Sportanlage Sihlhölzli.

Spätere Erneuerungen

Zwischen 1995 und 1998 wurde das Aufnahmegebäude umfassend renoviert. Die Arbeiten erfolgten unter der Leitung des Architekten Ruggero Tropeano. Dabei wurden historische Bauteile restauriert, die Haustechnik erneuert und die Räume an die veränderten Anforderungen des Bahnbetriebs angepasst.[1]

Im Jahr 2004 wurden das ehemalige Reiterstellwerk renoviert und die Perrons erhöht. Die Anpassung erleichterte den Einstieg in die Fahrzeuge der Zürcher S-Bahn und verbesserte die Zugänglichkeit.

2017 ersetzten die SBB die herkömmlichen Fahrleitungen über den Gleisen 1 und 2 durch feste Stromschienen. Diese Lösung war wegen der verhältnismässig geringen Höhe der Tunnel und der zunehmenden Verwendung hoher Doppelstockzüge erforderlich.[1]

Architektur

Aufnahmegebäude

Das Aufnahmegebäude ist ein zweigeschossiger, neoklassizistischer Bau mit Walmdach. Es wurde vollständig aus Eisenbeton errichtet und gilt als erstes vollständig in dieser Bauweise ausgeführtes Bahnhofgebäude der Schweiz.[1]

Die nach Südosten zur Birmensdorferstrasse ausgerichtete Hauptfassade ist streng symmetrisch gestaltet. Sie wird von sieben hohen, senkrechten Fensteröffnungen geprägt. Über den Fenstern befindet sich der weithin sichtbare Schriftzug «ZÜRICH–WIEDIKON–SBB» aus blauen Metallbuchstaben.

Die drei mittleren Öffnungen enthalten die Haupteingänge. Sie führen in eine zweigeschossige Bahnhofshalle. Die Seitenfassaden besitzen regelmässig angeordnete Rechteckfenster, während die Rückseite zum Bahneinschnitt hin stärker horizontal gegliedert ist.

Der Bau verbindet neoklassizistische Monumentalität mit funktionalen Elementen der frühen Moderne. Die klare Symmetrie, die hohen Fenster und die zurückhaltende Fassadengestaltung verleihen dem Gebäude einen repräsentativen, aber nicht überladenen Ausdruck.

Bahnhofshalle

Die hohe Schalterhalle bildet den Mittelpunkt des Aufnahmegebäudes. Ursprünglich waren dort Billetschalter, Gepäckaufgabe, Wartsaal, Toiletten und ein Kiosk angeordnet. Heute werden Teile der Räume von Geschäften, gastronomischen Angeboten und Dienstleistungen genutzt.

An den beiden Schmalseiten der Halle befinden sich grossformatige Wandbilder des Zürcher Grafikers und Plakatkünstlers Otto Baumberger. Die 1926 geschaffenen Bilder warben für das Warenhaus Jelmoli und gehören zu den wenigen erhaltenen grossflächigen Werbemalereien dieser Epoche in einem Schweizer Bahnhof.[1]

Zur historischen Ausstattung gehören ausserdem Beschriftungen, Uhren, Sitzbänke und Trinkbrunnen. Zahlreiche Details wurden von Hermann Herter selbst entworfen und bilden mit Architektur, Grafik und Bildhauerei ein gestalterisches Gesamtkunstwerk.

= Reiterbahnhof

Als Reiterbahnhof wird ein Bahnhof bezeichnet, dessen Aufnahmegebäude wie eine Brücke quer über den Gleisen steht. Der Bahnhof Zürich Wiedikon ist der einzige erhaltene Bahnhof dieser Bauform in der Schweiz.

Die Halle liegt unmittelbar über dem nördlichen Portal des Ulmbergtunnels. Von einem Zwischenpodest führen zwei Treppen und zwei Lifte hinunter zu den Perrons. Die Reisenden gelangen dadurch auf kurzem Weg von der Strassenebene zu den tiefer liegenden Gleisen.

Die Lage über der Bahnstrecke war nicht nur betrieblich zweckmässig. Das Gebäude bildet zugleich den nordwestlichen Abschluss der Schimmelstrasse und besitzt dadurch eine starke städtebauliche Wirkung.

Perrondächer

Die beiden Perrondächer wurden vom Ingenieur Ernst Rathgeb entworfen. Sie bestehen aus filigranen Stahlstützen und genieteten Stahlbindern, die eine Dachplatte aus Eisenbeton tragen.

Die Verbindung von Stahlkonstruktion und Eisenbetondach wurde in dieser Form bei den Bahnhöfen Wiedikon und Enge erstmals in der Schweiz verwendet. Die Dächer sind daher nicht nur Bestandteile des Bahnhofbetriebs, sondern auch bedeutende Zeugnisse der schweizerischen Ingenieurbaukunst.[1]

Das längere Perrondach erstreckt sich über rund 195 Meter. Teile der Dächer sind in das Aufnahmegebäude und die Überführung der Zweierstrasse integriert.

Reiterstellwerk

Nordwestlich des Aufnahmegebäudes befindet sich das ehemalige Reiterstellwerk. Der kleine, mit Kupferblech verkleidete Bau steht als Brücke über den Gleisen 1 und 2 und ruht auf den Kanten der Perrondächer.

Seine abgerundete Dachform und die langen Fensterbänder erinnern an einen Eisenbahnwagen. Von einer kleinen Kanzel aus konnte früher auch das Gleis 3 beobachtet werden.

Das Reiterstellwerk ist ein schweizweit einzigartiges Bauwerk. Nach der Zentralisierung der Sicherungsanlagen verlor es seine ursprüngliche betriebliche Funktion, blieb jedoch als Teil der historischen Gesamtanlage erhalten.

Brunnen und Kunstwerk

Südwestlich des Aufnahmegebäudes befindet sich ein Brunnen mit einem runden Becken. Auf der dahinterliegenden Brüstungsmauer steht die Figur Liegender Mann des Bildhauers Julius Schwyzer.

Der Brunnen wurde gleichzeitig mit dem Bahnhof geschaffen und gehört zum ursprünglichen künstlerischen Ausstattungskonzept. Architektur, Brunnenfigur und Platzgestaltung bilden einen gemeinsamen Übergang zwischen Bahnhofgebäude und öffentlichem Strassenraum.

Gleisanlagen

Der Bahnhof verfügt über drei Perrongleise. Die Gleise liegen unterhalb des Aufnahmegebäudes in einem Einschnitt beziehungsweise im Übergang zum Ulmbergtunnel.

Die beiden Hauptgleise der linksufrigen Zürichseebahn werden im Regelbetrieb von den Zügen der Zürcher S-Bahn benutzt. Das dritte Gleis steht mit der Verbindung zum nahe gelegenen Bahnhof Zürich Giesshübel und damit zum Netz der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn in Zusammenhang. Es dient vor allem betrieblichen Fahrten, Überführungen und besonderen Zugbewegungen.

Die zwei überdachten Perrons sind von der Bahnhofshalle über Treppen und Lifte erreichbar. Die Perrons reichen in nordwestlicher Richtung unter der Überführung der Zweierstrasse hindurch bis in die Nähe der Kalkbreitestrasse.

Nördlich des Bahnhofs führt die Doppelspur im offenen Seebahneinschnitt in Richtung Zürcher Vorbahnhof. Südlich des Bahnhofs beginnt unmittelbar unter dem Aufnahmegebäude der Ulmbergtunnel nach Zürich Enge.

Bahnverkehr

Der Bahnhof wird im Fahrplanjahr 2026 von drei regulären Linien der S-Bahn Zürich bedient:[4]

  • S2: Zürich Flughafen–Zürich Hauptbahnhof–Zürich Wiedikon–Thalwil–Pfäffikon SZ–Ziegelbrücke,
  • S8: Winterthur–Zürich Oerlikon–Zürich Hauptbahnhof–Zürich Wiedikon–Thalwil–Pfäffikon SZ,
  • S24: Thayngen–Schaffhausen–Winterthur–Zürich Flughafen–Zürich Hauptbahnhof–Zürich Wiedikon–Thalwil–Zug.

Die S2 stellt eine schnelle Verbindung zum Flughafen Zürich, zum linken Zürichseeufer, zum Obersee und zum Glarnerland her. Die S8 verbindet Wiedikon mit Winterthur und Pfäffikon SZ. Die S24 schafft direkte Verbindungen nach Schaffhausen, in den Kanton Zug und zu zahlreichen Orten entlang des Zürichsees.

In den Nächten vor Samstagen und Sonntagen wird der Bahnhof zusätzlich von Nachtzügen des Zürcher Nachtnetzes bedient. Das genaue Angebot kann je nach Fahrplanperiode und Bauarbeiten variieren.

Fernverkehrszüge durchfahren den Bahnhof in der Regel ohne Halt. Reisende können am wenige Minuten entfernten Zürcher Hauptbahnhof auf nationale und internationale Fernverkehrsverbindungen umsteigen.

Tram- und Busverkehr

Unmittelbar vor dem Aufnahmegebäude liegt die Haltestelle Zürich, Bahnhof Wiedikon. Sie bildet einen wichtigen Umsteigepunkt zwischen Bahn, Tram sowie städtischen und regionalen Bussen.

Im Fahrplanjahr 2026 wird die Haltestelle unter anderem von folgenden Linien bedient:[4]

  • Tramlinie 9 zwischen Triemli, Wiedikon, Stauffacher, Bellevue und Hirzenbach,
  • Tramlinie 14 zwischen Triemli, Wiedikon, Stauffacher und Zürich Hauptbahnhof,
  • Buslinie 67 in Richtung Dunkelhölzli,
  • Buslinie 76 in Richtung Binz Center,
  • regionale Buslinien 215, 220, 235, 236 und 245 ins Knonauer Amt,
  • Buslinie 350 in Richtung Berikon-Widen.

Mehrere Nachtbuslinien halten ebenfalls beim Bahnhof. Wegen Baustellen und Anpassungen des Zürcher Tramnetzes können Linienführungen vorübergehend geändert werden.

Die Tramgleise verlaufen unmittelbar vor der Hauptfassade auf der Birmensdorferstrasse. Die kurzen Wege zwischen den Bahnperrons und den Haltestellen erleichtern den Umstieg in Richtung Innenstadt, Triemli, Albisrieden und in die Gemeinden südwestlich von Zürich.

Fahrgastaufkommen

Der Bahnhof Zürich Wiedikon gehört zu den stark genutzten Quartierbahnhöfen der Stadt. Im Jahr 2024 wurden durchschnittlich rund 12'600 Ein- und Aussteigende pro Tag gezählt. An Werktagen lag der Durchschnitt bei rund 14'500 Personen, an Wochenendtagen bei rund 8'300 Personen.[5]

Nicht vollständig berücksichtigt sind dabei Personen, die lediglich zwischen Tram- und Buslinien umsteigen, die Geschäfte besuchen oder den Bahnhof als Fussverbindung nutzen. Die Gesamtzahl der täglichen Nutzerinnen und Nutzer des Bahnhofareals liegt deshalb höher.

Das hohe Fahrgastaufkommen erklärt sich durch die dichte Wohnbebauung von Wiedikon, die Nähe zum Stadtzentrum sowie die direkten Bahnverbindungen zum Flughafen, nach Winterthur, Zug und an den Zürichsee.

Dienstleistungen und Zugänglichkeit

Im Aufnahmegebäude und in seinem unmittelbaren Umfeld befinden sich verschiedene Geschäfte und gastronomische Angebote. Dazu gehören ein Convenience-Shop und ein Café.[6]

Der Bahnhof verfügt ausserdem über:

  • Billettautomaten,
  • elektronische Abfahrtsanzeigen,
  • gedeckte Wartebereiche,
  • öffentliche Sitzgelegenheiten,
  • Veloabstellplätze,
  • Liftzugänge zu den Perrons,
  • Anschlüsse an Tram- und Buslinien.

Die Perrons wurden 2004 erhöht. Zusammen mit den Liften erleichtert dies den Zugang für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Personen mit Kinderwagen und Reisende mit Gepäck. Ob ein vollständig niveaugleicher Einstieg möglich ist, hängt vom jeweils eingesetzten Fahrzeug ab.

Denkmalschutz

Der Bahnhof Zürich Wiedikon ist im kantonalen Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung aufgeführt. Die Inventaranlage umfasst:

  • das Aufnahmegebäude,
  • zwei historische Perrondächer,
  • das ehemalige Reiterstellwerk,
  • den Brunnen mit der Figur von Julius Schwyzer.

Der Bahnhof wird im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter unter der Nummer KGS B12728 geführt. Er gilt als bedeutender verkehrs-, architektur-, konstruktions- und städtebaugeschichtlicher Zeuge der Zwischenkriegszeit.[1]

Besonders schützenswert sind die Bauform als Reiterbahnhof, die Eisenbetonkonstruktion, die Perrondächer, das Stellwerk, die historischen Oberflächen und die künstlerische Ausstattung der Bahnhofshalle.

Städtebauliche Bedeutung

Der Bahnhof ist Teil des grossen städtebaulichen Ensembles des Seebahneinschnitts. Dieses reicht vom Vorfeld des Zürcher Hauptbahnhofs über Wiedikon und Enge bis nach Wollishofen.

Die Tieferlegung der Bahnstrecke ermöglichte den Bau neuer Strassen, Wohnsiedlungen, Plätze und Grünanlagen. Gleichzeitig verschwanden die zahlreichen Niveauübergänge, die zuvor den Verkehr und die Entwicklung der Quartiere behindert hatten.

Hermann Herter gestaltete den Bahnhof nicht als isoliertes Verkehrsbauwerk, sondern als Bestandteil einer umfassenden Quartierplanung. In Sichtweite entstanden später weitere öffentliche Gebäude wie die Sportanlage Sihlhölzli, die Brandwache Süd und das Tramdepot Elisabethenstrasse.

Das Aufnahmegebäude bildet den architektonischen Fluchtpunkt der Schimmelstrasse und einen markanten Übergang zwischen Aussersihl und Wiedikon. Seine repräsentative Fassade verleiht dem Bahnhofplatz trotz des starken Verkehrs eine klare räumliche Ordnung.

Bedeutung für Wiedikon

Der erste Bahnhof von 1875 trug wesentlich zur Entwicklung Wiedikons vom Bauerndorf zum städtischen Wohn- und Gewerbequartier bei. Die Eisenbahn verbesserte die Erreichbarkeit und förderte die Bebauung entlang der Birmensdorferstrasse und der Seebahn.

Der Neubau von 1927 beseitigte eine der wichtigsten räumlichen Barrieren des Quartiers. Die frei werdenden Bahnflächen ermöglichten neue Wohnsiedlungen und öffentliche Anlagen. Dadurch beeinflusste der Bahnhof die heutige Struktur Wiedikons weit über seine eigentliche Verkehrsfunktion hinaus.

Heute ist der Bahnhof einer der wichtigsten Orientierungspunkte des Stadtkreises 3. Im lokalen Sprachgebrauch bezeichnet «Bahnhof Wiedikon» nicht nur die Bahnstation, sondern auch das umliegende Geschäfts-, Wohn- und Verkehrszentrum.

Literatur

  • Robert Grünhut, Martin Hürlimann: Der Umbau der linksufrigen Zürichseebahn im Gebiete der Stadt Zürich. Denkschrift anlässlich der Eröffnung, Zürich 1927.
  • Hans Naef: Die neuen Aufnahmegebäude Zürich-Enge und Zürich-Wiedikon. In: Das Werk, Jahrgang 1927, Heft 3, S. 83–91.
  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983.
  • Hochbaudepartement der Stadt Zürich: Baukultur in Zürich. Wiedikon, Albisrieden, Altstetten. Zürich 2005.
  • Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Die Stadt Zürich VI. Bern 2016.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Kanton Zürich, Baudirektion, kantonale Denkmalpflege: Bahnhof Zürich Wiedikon – Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Verein 150 Jahre linksufrige Zürichseebahn: Geschichte der linksufrigen Zürichseebahn, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 ETH-Bibliothek: Ruedi Weidmann, Seebahneinschnitt, 2. Juni 2021, abgerufen am 3. August 2026.
  4. 4,0 4,1 Zürcher Verkehrsverbund: Haltestellen- und Linienfahrpläne Zürich Wiedikon, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Schweizerische Bundesbahnen: Ein- und Aussteigende am Bahnhof Zürich Wiedikon, Datenbestand 2024, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Schweizerische Bundesbahnen: Bahnhof Zürich Wiedikon – Geschäfte und Services, abgerufen am 3. August 2026.

47,37148° N, 8,52349° E