Bahnstrecke Winterthur–Koblenz

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Bahnstrecke Winterthur–Koblenz ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke in den Kantonen Zürich und Aargau. Sie führt von Winterthur über Pfungen, Embrach, Bülach, Eglisau, Kaiserstuhl und Bad Zurzach nach Koblenz am Zusammenfluss von Aare und Rhein. Die rund 48 Kilometer lange Strecke wurde am 1. August 1876 von der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) eröffnet.[1]

Die Linie wird teilweise auch als Dättenberglinie bezeichnet. Sie gehört heute zum Netz der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Im Personenverkehr wird der Abschnitt Winterthur–Bülach hauptsächlich von der Linie S41 der Zürcher S-Bahn bedient, während zwischen Bülach und Koblenz die S36 verkehrt und über Koblenz hinaus bis Waldshut in Deutschland führt.[2]

Bahnstrecke Winterthur–Koblenz
Streckenanfang Winterthur
Streckenende Koblenz
Länge rund 48,4 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Eröffnung 1. August 1876
Erbauer Schweizerische Nordostbahn (NOB)
Heutiger Eigentümer Schweizerische Bundesbahnen (SBB)
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Gleise überwiegend 1; Bülach–Eglisau 2
Kantone Zürich, Aargau
Personenverkehr S41, S36; weitere Züge auf Teilstrecken

Die Strecke entstand während des intensiven Wettbewerbs zwischen den privaten Schweizer Eisenbahngesellschaften des 19. Jahrhunderts. Neben ihrer regionalen Erschliessungsfunktion bildete sie eine Verbindung zwischen dem Eisenbahnknoten Winterthur und der bereits bestehenden Strecke von Turgi über Koblenz nach Waldshut. Bis heute besitzt sie neben dem Personenverkehr auch Bedeutung für den Güterverkehr, insbesondere als Verbindung zwischen dem Raum Winterthur, dem Zürcher Unterland und dem Hochrhein.

Geschichte

Eisenbahnbau in der Nordostschweiz

Die Entstehung der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz steht im Zusammenhang mit dem raschen Ausbau des schweizerischen Eisenbahnnetzes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Winterthur hatte sich bereits in den 1850er-Jahren zu einem bedeutenden Eisenbahnknoten entwickelt. Von dort führten Bahnlinien nach Zürich, Romanshorn, Schaffhausen und St. Gallen. Gleichzeitig gewann die Industriestadt als Zentrum des Maschinenbaus und der Textilindustrie stark an wirtschaftlicher Bedeutung.

Im Westen bestand seit 1859 eine Eisenbahnverbindung von Turgi über Bad Zurzach und Koblenz nach Waldshut. Dort bestand Anschluss an das badische Eisenbahnnetz.

Eine direkte Bahnverbindung zwischen Winterthur und Koblenz versprach daher sowohl für den regionalen Verkehr als auch für den Gütertransport Vorteile.

Konkurrenz der Eisenbahngesellschaften

Die Planung fiel in eine Zeit scharfer Konkurrenz zwischen der Schweizerischen Nordostbahn und anderen privaten Eisenbahngesellschaften.

Ende der 1860er-Jahre entstanden in Winterthur Pläne für ein eigenständiges Eisenbahnnetz, dessen Mittelpunkt die Stadt bilden sollte. Zu den vorgesehenen Projekten gehörte eine sogenannte Rheinbahn von Winterthur in Richtung Waldshut.

Ein entsprechendes Initiativkomitee erhielt 1870 eine Konzession für eine Strecke, die teilweise anders verlaufen sollte als die später tatsächlich gebaute Linie.

Die Nordostbahn machte jedoch bestehende Prioritätsrechte geltend. In der Folge gelangte die Konzession an die NOB, welche die Linienführung nach ihren Vorstellungen änderte.

Die geplante Bahn sollte nun von Winterthur über das Tösstal bei Pfungen und Embrach, durch den Dättenberg nach Bülach und anschliessend über Eglisau dem Rhein entlang nach Koblenz führen.

Bau der Strecke

Die endgültige Linienführung wurde in der ersten Hälfte der 1870er-Jahre festgelegt. Der Bau stellte insbesondere im Bereich zwischen Embrach und Bülach erhebliche technische Anforderungen.

1874 waren zeitweise rund 1400 Arbeiter auf den verschiedenen Baustellen der Strecke beschäftigt. Zu den aufwendigsten Bauwerken gehörte der Tunnel durch den Dättenberg.

Auch zahlreiche Brücken, Einschnitte und Dämme mussten errichtet werden. Besonders anspruchsvoll war die Überquerung der Töss sowie die Linienführung durch die hügelige Landschaft zwischen dem Tösstal und dem Glatttal.

Eröffnung 1876

Die Strecke wurde am 1. August 1876 eröffnet.[3]

Zusammen mit der Bahnlinie wurden zahlreiche neue Bahnhöfe und Stationen in Betrieb genommen. Dazu gehörte auch der Bahnhof Winterthur Töss. Die Eisenbahn gab der industriellen Entwicklung entlang der Strecke zusätzliche Impulse.[3]

In Weiach wird die Eröffnung der Bahnlinie Winterthur–Koblenz im Jahr 1876 ebenfalls als bedeutender Schritt in der Verkehrsgeschichte der Gemeinde genannt.[4]

Bülach als Eisenbahnknoten

Bülach besass bereits vor 1876 einen Eisenbahnanschluss. Die von der Bülach-Regensberg-Bahn errichtete Strecke von Oerlikon nach Bülach war 1865 eröffnet worden.[5]

Mit dem Bau der Strecke Winterthur–Koblenz musste die Bahnanlage in Bülach grundlegend angepasst werden. Der Bahnhof wurde an einen neuen Standort verlegt, damit die verschiedenen Linien sinnvoll miteinander verbunden werden konnten.

Bülach entwickelte sich dadurch zu einem wichtigen regionalen Eisenbahnknoten. Heute treffen hier unter anderem die Strecken aus Zürich, Winterthur, Schaffhausen und Koblenz zusammen.

Verbindung nach Schaffhausen

Eine entscheidende Veränderung erfolgte mit dem Bau der Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen.

Die Nordostbahn eröffnete diese Verbindung am 1. Juni 1897. Dadurch wurde der Abschnitt Bülach–Eglisau Teil der wichtigen Hauptverbindung von Zürich über Bülach nach Schaffhausen.

Im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Linie wurde der Abschnitt zwischen Bülach und Eglisau zweigleisig ausgebaut.

Seitdem unterscheiden sich die Funktionen der einzelnen Abschnitte der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz deutlich:

  • Winterthur–Bülach dient vor allem dem Regional- und Güterverkehr;
  • Bülach–Eglisau ist zusätzlich Bestandteil der stark befahrenen Verbindung Zürich–Schaffhausen;
  • Eglisau–Koblenz erschliesst das Rheintal zwischen dem Zürcher Unterland und dem Zurzibiet.

Übergang an die SBB

Die Schweizerische Nordostbahn wurde 1902 verstaatlicht. Ihre Strecken gingen an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.

Damit gelangte auch die gesamte Verbindung Winterthur–Koblenz in das Netz der SBB.

In den folgenden Jahrzehnten modernisierten die SBB die Strecke schrittweise. Neben der Elektrifikation wurden Bahnhöfe umgebaut, Sicherungsanlagen erneuert und verschiedene Brücken ersetzt.

Elektrifikation

Die Elektrifikation der Strecke erfolgte in mehreren Etappen.

Der stark belastete Abschnitt Bülach–Eglisau wurde bereits am 15. Dezember 1928 elektrifiziert. Er gehörte zur Hauptachse Zürich–Schaffhausen und erhielt deshalb früher eine Fahrleitung als die übrigen Abschnitte.

Die restliche Strecke folgte während beziehungsweise unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

Abschnitt Elektrischer Betrieb ab
Bülach–Eglisau 15. Dezember 1928
Eglisau–Koblenz 1. Juli 1945
Winterthur–Bülach 15. Juli 1945

In Eglisau ist die Elektrifikation des Abschnitts Koblenz–Eglisau für 1945 dokumentiert.[6]

Die Strecke wird seither mit dem in der Schweiz üblichen Bahnstromsystem von 15 kV Wechselstrom betrieben. Die frühere Frequenzangabe von 16⅔ Hz wurde später auf 16,7 Hz vereinheitlicht.

Streckenverlauf

Winterthur

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Winterthur, einer der grössten Eisenbahnknoten der Schweiz.

Die Strecke verlässt den Hauptbahnhof zunächst in westlicher Richtung. Sie führt gemeinsam mit anderen Gleisanlagen durch das westliche Stadtgebiet und erreicht anschliessend Winterthur Wülflingen beziehungsweise den Raum Töss.

Die eigentliche Strecke nach Koblenz führt über Winterthur Töss.

Winterthur Töss

Der Bahnhof beziehungsweise die heutige Haltestelle Winterthur Töss wurde zusammen mit der Linie am 1. August 1876 eröffnet.[3]

Die Bahn war für das damals stark industrialisierte Töss von grosser Bedeutung. Zu den bedeutenden Unternehmen in Bahnhofsnähe gehörte die Maschinenfabrik Rieter, deren Güterverkehr wesentlich zum Verkehrsaufkommen beitrug.[3]

Von Töss folgt die Bahn zunächst dem Tal der Töss in Richtung Westen.

Pfungen

Die Strecke erreicht anschliessend Pfungen. Der Bahnhof liegt im unteren Tösstal und dient heute hauptsächlich dem regionalen Personenverkehr.

Die Bahn folgt weiterhin dem Tal, bevor sie in Richtung Embrach abbiegt.

Embrach-Rorbas

Der Bahnhof Embrach-Rorbas erschliesst die Gemeinden Embrach und Rorbas.

Von hier beginnt der topografisch anspruchsvollste historische Abschnitt der Strecke. Um das Tösstal mit dem Raum Bülach zu verbinden, musste die Bahn die Hügelkette des Dättenbergs überwinden.

Dättenbergtunnel

Das bedeutendste Tunnelbauwerk der Strecke ist der Dättenbergtunnel zwischen Embrach-Rorbas und Bülach.

Der rund 1,8 Kilometer lange Tunnel durchquert den Dättenberg und ermöglicht den direkten Übergang vom Tösstal in das Glatttal.

Sein Bau gehörte zu den technisch anspruchsvollsten Arbeiten beim Bau der Bahnlinie. Der Durchstich beziehungsweise die Fertigstellung des Tunnels erfolgte 1876.

Der Tunnel gab der Verbindung auch den gelegentlich verwendeten Namen Dättenberglinie.

Nach dem Verlassen des Tunnels führt die Strecke nach Bülach.

Bülach–Eglisau

Vom Bahnhof Bülach verläuft die Bahn nach Norden in Richtung Glattfelden.

Dieser Abschnitt unterscheidet sich von der übrigen Strecke durch seine Doppelspur. Seit 1897 dient er gleichzeitig der Verbindung Zürich–Schaffhausen.

Nach Bülach erreicht die Bahn Glattfelden. Der Bahnhof liegt ausserhalb des historischen Dorfkerns.

Nördlich von Glattfelden führt die Strecke weiter nach Eglisau. Das Gebiet ist von der tief eingeschnittenen Glatt und dem Übergang zum Rheintal geprägt.

Glattbrücke

Zwischen Glattfelden und Eglisau muss die Bahn die Glatt überqueren.

Die heutige Glattbrücke ersetzte ein älteres Bauwerk und gehört zu den grösseren Kunstbauten der Strecke. Die Lage im tief eingeschnittenen Tal erforderte bereits beim ursprünglichen Streckenbau eine aufwendige Brückenkonstruktion.

Nach der Überquerung erreicht die Bahn den Bahnhof Eglisau.

Bahnhof Eglisau

Der Bahnhof Eglisau wurde 1876 mit der Strecke Winterthur–Koblenz eröffnet. Er liegt südlich des Rheins und ausserhalb des historischen Städtchens.

Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen 1897 entwickelte sich Eglisau zu einem Abzweigbahnhof.

Seitdem trennen sich hier die Strecken:

  • Richtung Schaffhausen über die grosse Rheinbrücke von Eglisau;
  • Richtung Koblenz entlang des südlichen Rheinufers.

Die neue Verbindung von Eglisau nach Neuhausen erhöhte die verkehrliche Bedeutung des Bahnhofs erheblich. Die historischen Bahnanlagen von Eglisau sind als bedeutende Zeugnisse der Eisenbahngeschichte im kantonalen Inventar verzeichnet.[6]

Eglisau–Zweidlen

Die Strecke nach Koblenz verlässt Eglisau in westlicher Richtung und folgt anschliessend weitgehend dem Rhein.

Nächster Halt ist Zweidlen, ein Ortsteil der Gemeinde Glattfelden.

In der Umgebung von Zweidlen befinden sich bedeutende Kiesabbaugebiete. Anschlussgleise ermöglichen den Transport grosser Mengen von Kies mit der Eisenbahn.

Damit besitzt dieser Abschnitt neben dem Personenverkehr eine erhebliche Bedeutung für den Güterverkehr.

Kaiserstuhl und Weiach

Von Zweidlen führt die Bahn weiter nach Westen. Sie passiert das Gebiet der Gemeinde Weiach und erreicht anschliessend den Kanton Aargau.

Die historische Station Weiach-Kaiserstuhl lag zwischen Weiach und dem aargauischen Städtchen Kaiserstuhl.

Sie wurde 1995 für den Personenverkehr geschlossen. Stattdessen wurde eine neue Haltestelle näher bei Kaiserstuhl eingerichtet.

Die Bahnstrecke prägte die Verkehrsentwicklung von Weiach seit ihrer Eröffnung 1876.[4]

Aargauisches Rheintal

Westlich von Kaiserstuhl folgt die Strecke dem Rhein durch das Zurzibiet.

Sie bedient beziehungsweise durchquert mehrere Gemeinden und Ortschaften:

Der Rhein bildet auf weiten Teilen dieses Abschnitts die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Deutschland.

Die Bahn verläuft überwiegend auf der südlichen, schweizerischen Seite des Flusses.

Bad Zurzach

Bad Zurzach ist der bedeutendste Zwischenbahnhof im aargauischen Abschnitt.

Der Ort besitzt aufgrund seiner regionalen Zentrumsfunktion, des Thermalbads und verschiedener Arbeitsplätze eine wichtige Bedeutung für den Personenverkehr.

Von Bad Zurzach verkehren Regionalzüge sowohl in Richtung Bülach als auch nach Koblenz und weiter in Richtung Baden beziehungsweise Waldshut.

Koblenz Dorf

Im Zuge der Modernisierung des Regionalverkehrs wurde in Koblenz eine zusätzliche Haltestelle näher beim Dorfzentrum geschaffen.

Die Haltestelle Koblenz Dorf verbessert die Erschliessung der Siedlungsgebiete gegenüber dem etwas ausserhalb des historischen Dorfkerns gelegenen Bahnhof Koblenz.

Bahnhof Koblenz

Endpunkt der Strecke ist der Bahnhof Koblenz.

Koblenz war bereits vor dem Bau der Verbindung aus Winterthur ein wichtiger Eisenbahnort. Die Strecke Turgi–Koblenz–Waldshut war 1859 eröffnet worden.

Im Bahnhof bestehen Verbindungen:

Damit bildet Koblenz einen regionalen Bahnknoten unmittelbar an der deutsch-schweizerischen Grenze.

Bahnhöfe und Haltestellen

Die Strecke weist heute folgende für den Personenverkehr bedeutende Stationen auf:

Bahnhof oder Haltestelle Gemeinde Kanton Bemerkung
Winterthur Winterthur Zürich Grosser Eisenbahnknoten
Winterthur Töss Winterthur Zürich Regionalverkehr
Pfungen Pfungen Zürich Regionalverkehr
Embrach-Rorbas Embrach Zürich Erschliesst Embrach und Rorbas
Bülach Bülach Zürich Eisenbahnknoten
Glattfelden Glattfelden Zürich Regionalverkehr
Eglisau Eglisau Zürich Abzweig Richtung Schaffhausen
Zweidlen Glattfelden Zürich Regional- und Güterverkehr
Kaiserstuhl AG Kaiserstuhl Aargau Regionalverkehr
Rümikon AG Rümikon Aargau Regionalverkehr
Mellikon Mellikon Aargau Regionalverkehr
Rekingen AG Rekingen Aargau Regionalverkehr
Bad Zurzach Bad Zurzach Aargau Regionaler Knoten
Rietheim Rietheim Aargau Regionalverkehr
Koblenz Dorf Koblenz Aargau Ortsnahe Haltestelle
Koblenz Koblenz Aargau Bahnknoten und Anschluss nach Waldshut

Personenverkehr

Der Personenverkehr auf der historischen Gesamtstrecke wird heute nicht durch eine einzige durchgehende Linie Winterthur–Koblenz erbracht.

Die Verbindung ist betrieblich in mehrere Abschnitte gegliedert.

S41 Winterthur–Bülach

Zwischen Winterthur und Bülach verkehrt die S41 der Zürcher S-Bahn. Sie wird von Thurbo betrieben.

Die Linie bedient unter anderem:

Winterthur – Winterthur Töss – Pfungen – Embrach-Rorbas – Bülach.

Sie stellt damit eine direkte regionale Verbindung zwischen den beiden wichtigen Bahnknoten Winterthur und Bülach her.

Im Fahrplanjahr 2026 verkehren die S41-Züge weiterhin zwischen Winterthur und Bülach.[2]

S36 Bülach–Waldshut

Zwischen Bülach und Koblenz verkehrt die S36. Sie führt über Eglisau, das Rheintal und Bad Zurzach bis Koblenz und weiter über die Rheinbrücke nach Waldshut in Deutschland.[2]

Damit besitzt die historische Strecke auch heute eine grenzüberschreitende Funktion.

Die Verbindung erschliesst insbesondere das Zürcher Unterland und das Zurzibiet und stellt gleichzeitig Anschlüsse an die Netze der Zürcher und Aargauer S-Bahn her.

Bülach–Eglisau

Der Abschnitt Bülach–Eglisau weist deutlich mehr Personenverkehr auf als die übrigen Teile der historischen Linie.

Neben der S36 verkehrt hier die S9 der Zürcher S-Bahn auf ihrer Verbindung zwischen dem Raum Zürich und Schaffhausen.

Zusätzlich benutzen weitere Züge der Relation Zürich–Schaffhausen den Abschnitt.

Damit gehört Bülach–Eglisau heute funktional stärker zur Hauptachse Zürich–Schaffhausen als zur regionalen Verbindung Winterthur–Koblenz.

Güterverkehr

Die Bahnstrecke besitzt bis heute eine bemerkenswerte Bedeutung für den Güterverkehr.

Bereits beim Bau im 19. Jahrhundert spielte der Gütertransport eine entscheidende Rolle. Die Strecke sollte Industriegebiete miteinander verbinden und alternative Transportwege zwischen der Ostschweiz, dem Rhein und dem deutschen Eisenbahnnetz schaffen.

Heute werden einzelne Abschnitte weiterhin von Güterzügen genutzt.

Kiesverkehr

Von besonderer Bedeutung ist der Kiesabbau im Raum Weiach und Zweidlen.

Die grossen Kiesgruben verfügen über Bahnanschlüsse. Dadurch können erhebliche Mengen des schweren Massenguts per Bahn transportiert werden.

Dies reduziert die Zahl der notwendigen Lastwagenfahrten und macht die Strecke auch ausserhalb des Personenverkehrs wirtschaftlich wichtig.

Transit- und Umleitungsverkehr

Die Achse Koblenz–Eglisau–Bülach–Winterthur wird auch für den Güterverkehr zwischen verschiedenen Teilen der Schweiz genutzt.

Der Kanton Zürich zählt diese Verbindung zu den für den Schienengüterverkehr relevanten Strecken. Sie kann insbesondere Verkehrsströme zwischen dem Hochrhein, dem Raum Winterthur und anderen Teilen des Zürcher Bahnnetzes aufnehmen.[7]

Die Strecke ermöglicht zudem, den stark belasteten Bahnknoten Zürich bei bestimmten Güterverbindungen zu umfahren.

Doppelspur Bülach–Eglisau

Die Strecke Winterthur–Koblenz wurde ursprünglich weitgehend eingleisig gebaut.

Eine Ausnahme bildet heute der Abschnitt Bülach–Eglisau. Dieser wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Bahnlinie Eglisau–Neuhausen zweigleisig ausgebaut und 1897 als Doppelspur in Betrieb genommen.

Der Ausbau war notwendig, weil die Strecke nun nicht mehr nur dem lokalen Verkehr nach Koblenz diente, sondern gleichzeitig Teil der neuen Hauptverbindung Zürich–Schaffhausen wurde.

Die übrigen Abschnitte Winterthur–Bülach und Eglisau–Koblenz sind im Wesentlichen eingleisig. Kreuzungsbahnhöfe ermöglichen einen regelmässigen Taktverkehr.

Bedeutende Kunstbauten

Die Strecke erforderte beim Bau mehrere grössere Ingenieurbauwerke.

Zu den wichtigsten gehören:

Bauwerk Lage Bedeutung
Dättenbergtunnel Embrach-Rorbas–Bülach rund 1,8 km langer Tunnel durch den Dättenberg
Tössbrücken Raum Winterthur/Pfungen Überquerung der Töss
Wildbachbrücke bei Embrach Talquerung
Etterbühlbrücke Raum Bülach modernes Brückenbauwerk über Verkehrswege
Glattbrücke zwischen Glattfelden und Eglisau Überquerung des tief eingeschnittenen Glatttals

Mehrere ursprüngliche Brücken wurden im 20. Jahrhundert aufgrund höherer Zuggewichte, grösserer Geschwindigkeiten oder neuer Strassenanlagen ersetzt.

Landschaft

Die Bahnstrecke durchquert auf ihrer relativ kurzen Länge mehrere unterschiedliche Landschaftsräume.

Zwischen Winterthur und Pfungen folgt sie dem industriell und siedlungsgeschichtlich geprägten unteren Tösstal.

Anschliessend durchquert sie den Dättenberg und erreicht bei Bülach das Zürcher Unterland.

Zwischen Bülach und Eglisau verläuft die Strecke durch eine Mischung aus Siedlungsgebieten, Landwirtschaftsflächen und bewaldeten Geländeeinschnitten.

Westlich von Eglisau folgt die Bahn dem Rhein. Dieser Abschnitt besitzt einen stärker ländlichen Charakter und führt durch das Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Deutschland.

Im Zurzibiet prägen Rhein, Rebberge, landwirtschaftliche Flächen und kleine historische Ortschaften das Landschaftsbild.

Bedeutung für die regionale Entwicklung

Die Eröffnung der Bahnstrecke hatte für zahlreiche Gemeinden entlang der Linie erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen.

In Winterthur Töss erleichterte die Bahn den Gütertransport der dortigen Industrie. Maschinen, Rohstoffe und andere Güter konnten nun direkt auf der Schiene transportiert werden.[3]

Auch Orte wie Pfungen, Embrach, Glattfelden und Weiach erhielten einen wesentlich besseren Zugang zu den regionalen Wirtschaftszentren.

Im aargauischen Rheintal erleichterte die Bahn den Personen- und Warenverkehr zwischen den einzelnen Gemeinden sowie zu den Industriezentren Baden, Winterthur und Zürich.

Mit der zunehmenden Motorisierung verlor der lokale Güterverkehr im 20. Jahrhundert teilweise an Bedeutung. Gleichzeitig entwickelte sich die Strecke zunehmend zu einer Pendlerbahn.

Zürcher S-Bahn

Mit der Einführung der Zürcher S-Bahn im Jahr 1990 wurde auch der Personenverkehr im Zürcher Teil der Strecke neu organisiert.

Bahnhöfe wurden modernisiert, Perrons angepasst und neue Umsteigebeziehungen geschaffen.

Die Strecke Winterthur–Bülach besitzt heute insbesondere für Pendlerinnen und Pendler zwischen dem Raum Embrach, Bülach und Winterthur Bedeutung.

Der Abschnitt Bülach–Eglisau ist gleichzeitig Teil einer der wichtigen radialen S-Bahn-Achsen zwischen Zürich und Schaffhausen.

Aargauer S-Bahn

Im Kanton Aargau ist die Strecke in das Netz der S-Bahn Aargau eingebunden.

Koblenz und Bad Zurzach bilden wichtige Verknüpfungspunkte mit den Regionalverkehrslinien in Richtung Baden, Turgi und Waldshut.

Der Liniennetzplan für das Fahrplanjahr 2026 weist die S36 als Verbindung Bülach–Waldshut aus. Gleichzeitig bestehen in Koblenz beziehungsweise Bad Zurzach Anschlüsse an die S27.[8]

Grenzüberschreitende Bedeutung

Die Strecke endet zwar formal in Koblenz, ihre verkehrliche Funktion reicht jedoch über den Rhein hinaus.

Vom Bahnhof Koblenz führt eine kurze Bahnstrecke über die Rheinbrücke nach Waldshut. Dort besteht Anschluss an die deutsche Hochrheinbahn zwischen Basel Badischer Bahnhof, Waldshut, Schaffhausen und Konstanz.

Dadurch besteht über die Bahnstrecke Winterthur–Koblenz eine regionale Schienenverbindung zwischen dem Kanton Zürich, dem Zurzibiet und dem deutschen Landkreis Waldshut.

Diese grenzüberschreitende Funktion hat seit der Entstehungszeit der Strecke eine wichtige Rolle gespielt.

150-Jahr-Jubiläum

Am 1. August 2026 jährte sich die Eröffnung der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz zum 150. Mal.[1]

Das Jubiläum rückte die historische Bedeutung der Strecke für die Gemeinden zwischen Winterthur, Bülach, Eglisau und Koblenz erneut in den Mittelpunkt.

Die Linie dokumentiert mehrere zentrale Phasen der Schweizer Eisenbahngeschichte: den Konkurrenzkampf der Privatbahnen des 19. Jahrhunderts, die Verstaatlichung und Entstehung der SBB, die Elektrifikation, den Ausbau der Zürcher S-Bahn und die heutige Verbindung von Personen- und Güterverkehr.

Bedeutung im heutigen Bahnnetz

Die Bahnstrecke Winterthur–Koblenz ist heute keine einheitliche Hauptverkehrsachse. Ihre einzelnen Abschnitte erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Abschnitt Heutige Hauptfunktion
Winterthur–Bülach Regionalverkehr zwischen Winterthur und Zürcher Unterland
Bülach–Eglisau Regional- und überregionaler Verkehr Richtung Schaffhausen sowie Verkehr Richtung Koblenz
Eglisau–Koblenz Regionalverkehr im Rheintal und Güterverkehr
Koblenz Anschluss Richtung Baden, Basel und Waldshut

Gerade diese Kombination macht die Strecke eisenbahngeschichtlich und verkehrlich interessant. Ein Teil dient als stark befahrene Hauptachse, andere Abschnitte besitzen den Charakter einer eingleisigen Regionalbahn, während gleichzeitig Güterzüge die Verbindung als Teil überregionaler Transportwege nutzen.

Siehe auch

Literatur

  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983.
  • Ulrich Brandenberger: «Wann die Eröffnung indess stattfindet, ist Gott bekannt». 125 Jahre Eisenbahnlinie Winterthur–Koblenz. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juli 2001.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Winterthur – Koblenz – die Strecke, Jubiläumsprojekt 150 Jahre Winterthur–Koblenz, abgerufen am 9. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Haltestellen- und Linienfahrpläne Bülach, Jahresfahrplan 2026, Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 9. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 SBB Bahnareal Winterthur Töss, Archäologie und Denkmalpflege Kanton Zürich, abgerufen am 9. August 2026.
  4. 4,0 4,1 Weiach, Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), abgerufen am 9. August 2026.
  5. Bülach, Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), abgerufen am 9. August 2026.
  6. 6,0 6,1 Bahnhof Eglisau – Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, Kanton Zürich, 2021, abgerufen am 9. August 2026.
  7. Angebotsziele Schienengüterverkehr 2050, Kanton Zürich, 2023, abgerufen am 9. August 2026.
  8. Liniennetzplan S-Bahnen Aargau 2026, SBB, abgerufen am 9. August 2026.