Bahnhof Rafz
| Bahnhof Rafz | |
|---|---|
| Bahnhofstyp | Durchgangs- und Kreuzungsbahnhof |
| Gemeinde | Rafz |
| Kanton | Zürich |
| Eröffnung | 1. Juni 1897 |
| Betreiberin | SBB |
| Bahnstrecke | Eglisau–Neuhausen |
| Perrongleise | 2 |
| Bahnsteig | Mittelperron |
| Spurweite | 1435 mm |
| Stromsystem | 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom |
| Betriebsstellenkürzel | RZ |
| IBNR | 8503404 |
| Tarifzone | 114 (ZVV) |
| S-Bahn-Linie | S9 |
| Buslinien | 545, 675 |
| Aufnahmegebäude | 1895–1897 |
| Architekt | Gustav Wülfke |
| Adresse | Bahnhofstrasse 37, 8197 Rafz |
| Website | Bahnhof Rafz bei den SBB |
Der Bahnhof Rafz ist ein Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen in der Gemeinde Rafz im Bezirk Bülach. Er liegt an der internationalen Bahnstrecke von Eglisau über deutsches Staatsgebiet nach Neuhausen am Rheinfall und Schaffhausen. Rafz ist die letzte Station auf Schweizer Gebiet, bevor die Strecke bei Lottstetten die deutsche Grenze überquert.
Im Personenverkehr wird der Bahnhof von der Linie S9 der S-Bahn Zürich bedient. Sie verbindet Rafz mit Bülach, Zürich Oerlikon, Zürich Hauptbahnhof, Stettbach und Uster. Ein Teil der Züge fährt über die deutschen Bahnhöfe Lottstetten und Jestetten weiter nach Schaffhausen.[1]
Der Bahnhof besitzt neben seiner verkehrlichen Funktion eine besondere baugeschichtliche Bedeutung. Das Aufnahmegebäude mit dem angebauten Güterschuppen wurde von 1895 bis 1897 nach Plänen des Nordostbahn-Architekten Gustav Wülfke errichtet. Es gehört zu einer Gruppe spätklassizistischer Landstationen, welche die Schweizerische Nordostbahn an ihren spät verwirklichten Strecken baute.[2]
Lage
Der Bahnhof befindet sich südlich des historischen Dorfkerns in der Ortslage Bölli. Zwischen der Station und dem alten Zentrum erstreckt sich das im 19. und 20. Jahrhundert gewachsene Bahnhofquartier.
Die Gleise verlaufen im Bahnhof annähernd von Südwesten nach Nordosten. In südwestlicher Richtung führt die Strecke über Hüntwangen-Wil zum Rheinviadukt bei Eglisau und weiter nach Bülach und Zürich. Nordöstlich des Bahnhofs verläuft sie zur schweizerisch-deutschen Grenze und durch den Jestetter Zipfel nach Neuhausen und Schaffhausen.
Das Aufnahmegebäude steht auf der nordwestlichen Seite der Bahnanlagen an der Bahnhofstrasse. Auf der gegenüberliegenden Seite der Gleise liegen landwirtschaftlich und gewerblich genutzte Flächen sowie Teile des Siedlungsgebiets.
Bei der Eröffnung befand sich die Station weit ausserhalb des damaligen Dorfes. Die Entfernung ergab sich aus der gewählten Linienführung und den betrieblichen Anforderungen der Verbindung Eglisau–Neuhausen. Durch die Anlage der Bahnhofstrasse und die spätere Siedlungsentwicklung wurde der Bahnhof schrittweise mit dem Dorfzentrum verbunden.
Der Bahnhof erschliesst nicht nur Rafz, sondern dient auch Reisenden aus Wil ZH, Hüntwangen, Wasterkingen, Buchberg, Rüdlingen und weiteren Gemeinden des Rafzerfeldes und des angrenzenden Kantons Schaffhausen.
Bedeutung im Bahnnetz
Rafz liegt auf der kürzesten Eisenbahnverbindung zwischen Zürich und Schaffhausen. Die Strecke ist sowohl für den Regional- als auch für den Fern- und Güterverkehr von Bedeutung.
Personenzüge des Fernverkehrs durchfahren den Bahnhof in der Regel ohne Halt. Dazu gehören Verbindungen zwischen Zürich, Schaffhausen, Singen und Stuttgart sowie weitere Züge des nationalen und internationalen Verkehrs.
Die Bahnstrecke südwestlich des Bahnhofs ist bis Hüntwangen-Wil zweigleisig. Der Doppelspurabschnitt wurde am 24. November 2010 in Betrieb genommen. Nordöstlich von Rafz ist die Strecke in Richtung Lottstetten und Jestetten überwiegend eingleisig.[3]
Rafz bildet damit einen betrieblich wichtigen Übergang zwischen einem leistungsfähigeren Doppelspurabschnitt und der eingleisigen grenzüberschreitenden Strecke. Im Bahnhof können Züge kreuzen, überholen, wenden oder auf die Weiterfahrt in den eingleisigen Abschnitt warten.
Geschichte
Erste Bahnprojekte
Schaffhausen war bereits seit 1857 über die Rheinfallbahn mit Winterthur verbunden. Eine direkte Eisenbahnverbindung von Zürich über Bülach und Eglisau nach Schaffhausen fehlte jedoch zunächst.
Die Schweizerische Nordostbahn plante deshalb eine neue Strecke, die von der bereits bestehenden Linie Bülach–Eglisau abzweigen und über Rafz, Lottstetten, Jestetten und Neuhausen nach Schaffhausen führen sollte.
Eine Konzession für den Bau lag bereits 1873 vor. Die Umsetzung verzögerte sich jedoch infolge der Wirtschaftskrise der 1870er-Jahre und eines vom Bundesrat verhängten Eisenbahnmoratoriums. Dieses sollte die finanziell angeschlagenen privaten Bahngesellschaften vor weiteren, wirtschaftlich nicht tragbaren Bauprojekten bewahren.[2]
Die Strecke gehörte deshalb zu den sogenannten Moratoriumslinien, die erst nach einer längeren Unterbrechung des schweizerischen Eisenbahnbaus verwirklicht wurden.
Planung der Linienführung
Die Bahn sollte das Rafzerfeld erschliessen und zugleich eine möglichst direkte Verbindung nach Schaffhausen ermöglichen. Für die Lage der Stationen wurden verschiedene Varianten diskutiert.
Die Interessen der Gemeinden Rafz, Wil und Hüntwangen waren nicht immer deckungsgleich. Jede Gemeinde wollte eine möglichst günstige Anbindung, während die Nordostbahn eine technisch einfache und kostengünstige Linienführung anstrebte.
Der Bahnhof Rafz wurde schliesslich südlich des Dorfes angelegt. Der Standort bot ausreichend Raum für Gleise, Aufnahmegebäude, Güteranlagen und spätere Erweiterungen. Der Nachteil war die zunächst grosse Entfernung zum Ortskern.
Zwischen Rafz und Neuhausen musste die Strecke deutsches Gebiet durchqueren. Die Schweiz und das Deutsche Reich schlossen deshalb Vereinbarungen über Betrieb, Zollabfertigung und die Nutzung der Stationen Lottstetten und Jestetten.
Bau und Eröffnung
Die Arbeiten an der Bahnstrecke und am Bahnhof begannen in der Mitte der 1890er-Jahre. Das Aufnahmegebäude und der Güterschuppen entstanden zwischen 1895 und 1897.
Am 1. Juni 1897 eröffnete die Schweizerische Nordostbahn die Strecke Eglisau–Neuhausen. Damit war die direkte Bahnverbindung von Zürich über Bülach nach Schaffhausen vollständig.[3]
Die neue Linie verkürzte die Reisezeit zwischen Zürich und Schaffhausen erheblich. Züge mussten nicht mehr den längeren Weg über Winterthur und Andelfingen benutzen.
Für Rafz bedeutete die Eröffnung einen grundlegenden Wandel. Personen, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Gewerbewaren konnten nun schneller nach Zürich, Bülach und Schaffhausen transportiert werden.
Nordostbahn und Übergang an die SBB
Die Schweizerische Nordostbahn betrieb den Bahnhof bis zur Verstaatlichung der grossen Privatbahnen. Am 1. Januar 1902 gingen ihre Strecken und Anlagen an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.
Die SBB übernahmen das Aufnahmegebäude, den Güterschuppen, die Gleise und die weiteren Bahnhofeinrichtungen. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Anlagen mehrfach erweitert und modernisiert.
Der Bahnhof blieb zugleich ein regionaler Personenbahnhof, eine Station für den Güterverkehr und ein betrieblicher Kreuzungspunkt auf der Verbindung Zürich–Schaffhausen.
Elektrifizierung
Die SBB elektrifizierten die Strecke von Zürich Oerlikon über Bülach und Rafz nach Schaffhausen. Am 15. Dezember 1928 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen.[3]
Die Fahrleitungen werden mit Einphasenwechselstrom von 15 Kilovolt und einer Frequenz von heute 16,7 Hertz gespeist. Elektrische Lokomotiven und Triebwagen ersetzten die Dampflokomotiven.
Die Elektrifizierung ermöglichte kürzere Fahrzeiten, eine höhere Leistungsfähigkeit und einen wirtschaftlicheren Betrieb. Sie war besonders für die stark befahrene Verbindung zwischen Zürich und Schaffhausen von Bedeutung.
Zollstation
Aufgrund seiner Lage unmittelbar vor der deutschen Grenze besass der Bahnhof zeitweise eine wichtige Funktion für die Zollabfertigung.
1935 und 1936 wurde an der Nordostseite des Aufnahmegebäudes ein Zollbüro mit darüberliegender Terrasse angebaut. Der Bahnhof erhielt dadurch den Charakter einer Grenzstation.[2]
Die Zollanlagen dienten der Kontrolle von Reisenden und Waren im grenzüberschreitenden Verkehr. Die betrieblichen und rechtlichen Verhältnisse waren besonders, weil die von den SBB betriebene Strecke zwischen zwei Schweizer Gebieten durch Deutschland führt.
Spätere Änderungen der Zollabfertigung, der Personenfreizügigkeit und des europäischen Grenzverkehrs verminderten die Bedeutung des örtlichen Zollbüros. Der historische Anbau blieb jedoch als Teil des Bahnhofgebäudes erhalten.
Umbauten im 20. Jahrhundert
Der Güterschuppen wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vergrössert. Damit reagierte die Bahn auf das wachsende Volumen des lokalen Warenverkehrs.
1961 erfolgte ein Umbau des Erdgeschosses des Aufnahmegebäudes. Gleichzeitig wurde auf der Gleisseite ein Vorbau für das Stellwerk errichtet.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Fenster, Türen, Fassadenteile und Innenräume verändert. Der Güterschuppen erhielt eine Betonrampe und verschiedene neue Öffnungen und Anbauten.
1990 entstand das lange Perrondach. Es dient als Wetterschutz für Reisende, als Überdachung der Unterführung zum Mittelperron und teilweise als gedeckter Veloabstellbereich.[2]
1996 wurden im Güterschuppen Garderoben und Aufenthaltsräume für eine betriebliche Arbeitsgruppe beziehungsweise Rotte eingerichtet. 2013 wurde das Äussere des Aufnahmegebäudes renoviert.
Ausbau des Abschnitts Hüntwangen-Wil–Rafz
Die Strecke zwischen Hüntwangen-Wil und Rafz war ursprünglich eingleisig. Dieser Abschnitt begrenzte die Zahl der möglichen Zugverbindungen und erschwerte die gegenseitige Abstimmung von Regional-, Fern- und Güterverkehr.
Die SBB bauten den Abschnitt auf Doppelspur aus. Die neue Infrastruktur wurde am 24. November 2010 in Betrieb genommen.[3]
Der Ausbau verbesserte die Fahrplanstabilität und ermöglichte zusätzliche Zugkreuzungen. Der Bahnhof Rafz blieb jedoch ein wichtiger Engpass, weil die Strecke nördlich der Station weiterhin eingleisig ist.
Aufnahmegebäude
Das Aufnahmegebäude wurde von Gustav Wülfke als Typenbau für eine ländliche Station der Schweizerischen Nordostbahn entworfen.
Wülfke entwickelte ab etwa 1890 einen Normtypus für kleinere Bahnhöfe. Vergleichbare Bauten entstanden auch an anderen Stationen der Strecke Eglisau–Schaffhausen.
Der Bahnhof Rafz verbindet eine spätklassizistische Grundhaltung mit Elementen des traditionellen Schweizer Holzstils und des damals aufkommenden Reformstils.
Zu den charakteristischen Merkmalen gehören:
- ein verputzter Massivbau;
- zwei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss;
- ein hohes Kniestockgeschoss;
- ein Viertel- beziehungsweise Krüppelwalmdach;
- geschnitzte Konsolen, Pfetten- und Rafenköpfe;
- geohrte Stichbogenrahmen an Fenstern und Türen des Erdgeschosses;
- regelmässig gegliederte Fassaden;
- ein flacher Mittelrisalit mit Giebel und Oculus;
- Eckbossen, Lisenen und Zierbänder.
Die gegen die Gleise gerichtete Längsfassade ist vierachsig. Die beiden mittleren Achsen werden durch den leicht vorspringenden Risalit zusammengefasst.
Das Gebäude enthielt ursprünglich den Billettschalter, Diensträume, Wartesäle, die Gepäckabfertigung und Wohnungen für Bahnpersonal. Durch die spätere Automatisierung und Zentralisierung des Bahnbetriebs verloren viele dieser Räume ihre frühere Funktion.
Im historischen Wartesaal befindet sich seit 2024 ein Blumenladen.[4]
Güterschuppen
Der Güterschuppen ist an der südwestlichen Seite des Aufnahmegebäudes angebaut. Er wurde gleichzeitig mit diesem zwischen 1895 und 1897 errichtet.
Der Bau besitzt ein Holzskelett mit Bretterverkleidung und ein flaches Satteldach. Tiefe Vordächer schützten die Ladeflächen und Waren vor Niederschlag.
Der Sockel besteht aus Mauerwerk und ist teilweise mit Kalkstein und Granit verkleidet. Auf der Seite zur Bahnhofstrasse befindet sich eine Rampe, über welche Güter auf Fuhrwerke und später auf Lastwagen verladen werden konnten.
Die dekorativ geschnittenen Bretter, Konsolen und Holzelemente zeigen, dass selbst ein funktionaler Güterschuppen gestalterisch in das Bahnhofensemble einbezogen wurde.
Zu den früher in Rafz umgeschlagenen Gütern gehörten:
- Getreide und Kartoffeln;
- Wein und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse;
- Vieh;
- Holz;
- Kohle;
- Düngemittel;
- Baumaterialien;
- Stückgüter für Handel und Gewerbe.
Mit der Verlagerung des lokalen Güterverkehrs auf die Strasse verlor der Schuppen seine ursprüngliche Funktion. Er blieb jedoch als wichtiger Bestandteil der historischen Bahnstation erhalten.
Denkmalpflege
Das Aufnahmegebäude und der angebaute Güterschuppen sind im Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung des Kantons Zürich verzeichnet. Die Anlage besitzt eine regionale Einstufung.[2]
Die Aufnahme in das Inventar bedeutet eine Schutzvermutung, jedoch nicht automatisch eine formelle Unterschutzstellung. Bei baulichen Veränderungen müssen die historischen und architektonischen Qualitäten geprüft werden.
Der Bahnhof gilt als wichtiger Zeuge der Spätphase des privaten Eisenbahnbaus in der Schweiz. Besonders bedeutend sind:
- die weitgehend erhaltene Form des Normbahnhofs;
- die Verbindung von Massiv- und Holzbau;
- das Aufnahmegebäude mit dem Güterschuppen;
- der Zollanbau von 1935 und 1936;
- die Stellung innerhalb der Bahnhofbauten der Strecke Eglisau–Schaffhausen;
- die Lage am Übergang zwischen Dorf und Kulturlandschaft.
Der Schutzzweck umfasst den Erhalt der Bauvolumen, der historischen Substanz und der für den Typenbau charakteristischen Bauteile.
Bahnhofsanlage
Der Personenverkehr wird über zwei Perrongleise an einem Mittelperron abgewickelt. Der Bahnsteig ist durch eine Unterführung mit dem Aufnahmegebäude und der Bahnhofstrasse verbunden.
Das lange Perrondach von 1990 bietet Schutz vor Regen und Schnee. Auf dem Bahnsteig befinden sich Sitzgelegenheiten, Fahrgastinformationen, Beleuchtung, Uhren und Lautsprecher.
Neben den beiden Perrongleisen bestehen zusätzliche Durchfahr-, Überhol- und Abstellgleise. Diese sind für den dichten Mischverkehr auf der Strecke erforderlich.
Der Bahnhof wird nicht nur von haltenden S-Bahn-Zügen, sondern auch von durchfahrenden Fern- und Güterzügen genutzt. Die Geschwindigkeiten und betrieblichen Anforderungen sind deshalb höher als bei einer reinen Regionalbahnstation.
Die Weichen und Signale werden von der Betriebszentrale Ost in Zürich Flughafen aus ferngesteuert. Das heutige elektronische Stellwerk nahm 2009 den Betrieb auf.[5]
Eisenbahnverkehr
Im Jahresfahrplan 2026 wird der Bahnhof durch die S-Bahn-Linie S9 bedient.[1]
| Linie | Verbindung über Rafz | Angebot |
|---|---|---|
| S9 | Schaffhausen – Neuhausen – Neuhausen Rheinfall – Jestetten – Lottstetten – Rafz – Hüntwangen-Wil – Eglisau – Glattfelden – Bülach – Oberglatt – Zürich Oerlikon – Zürich Hardbrücke – Zürich HB – Zürich Stadelhofen – Stettbach – Dübendorf – Uster | grundsätzlich halbstündlich zwischen Rafz und Uster; ausserhalb der Hauptverkehrszeiten teilweise nur stündlich bis Schaffhausen |
Richtung Zürich und Uster
In südlicher Richtung fährt die S9 über Hüntwangen-Wil, Eglisau, Glattfelden, Bülach, Niederglatt, Oberglatt, Rümlang und Glattbrugg nach Zürich Oerlikon.
Anschliessend verkehrt sie über Zürich Hardbrücke zum unterirdischen Bahnhof Museumstrasse im Zürich Hauptbahnhof. Von dort führt sie durch den Hirschengrabentunnel nach Zürich Stadelhofen und weiter über Stettbach und Dübendorf nach Uster.
Zwischen Rafz und Uster besteht grundsätzlich ein Halbstundentakt. Einige Züge beginnen oder enden in Rafz.
Richtung Schaffhausen
In nördlicher Richtung überquert die S9 kurz nach Rafz die schweizerisch-deutsche Grenze. Sie hält in Lottstetten und Jestetten, bevor sie bei Neuhausen wieder Schweizer Gebiet erreicht.
Nach den Halten Neuhausen Rheinfall und Neuhausen endet die Linie in Schaffhausen. Ausserhalb der Hauptverkehrszeiten fährt in der Regel nur einer der beiden halbstündlichen S9-Züge über Rafz hinaus nach Schaffhausen.
Der grenzüberschreitende Abschnitt besitzt eine besondere tarifliche und rechtliche Stellung. Die Strecke wird von den SBB betrieben und unterliegt den schweizerischen Bahnbetriebsvorschriften, obwohl sie mehrere Kilometer durch Deutschland führt.
Fernverkehr
Die Fernverkehrszüge zwischen Zürich und Schaffhausen halten nicht regulär in Rafz. Sie benutzen jedoch dieselben Gleise und durchfahren den Bahnhof.
Auf der Strecke verkehren unter anderem:
- InterCity- und InterRegio-Verbindungen zwischen Zürich und Schaffhausen;
- internationale Züge nach Singen und Stuttgart;
- einzelne zusätzliche Regional- und Entlastungszüge.
Der Mischverkehr aus haltenden S-Bahnen und schnelleren durchfahrenden Zügen stellt hohe Anforderungen an Fahrplan, Signalisierung und Sicherungstechnik.
Güterverkehr
Die Bahnstrecke dient auch dem nationalen und internationalen Güterverkehr. Güterzüge verbinden die Ost- und Nordschweiz mit dem Raum Zürich sowie mit Deutschland.
Der Bahnhof ermöglicht das Überholen langsamerer Züge und die betriebliche Koordination vor dem eingleisigen Abschnitt in Richtung Lottstetten.
Der lokale Güterumschlag in Rafz besitzt heute dagegen nur noch eine geringe Bedeutung.
Nachtverkehr
In den Nächten vor Samstagen und allgemeinen Feiertagen besteht eine Nacht-S-Bahn-Verbindung zwischen Bülach, Rafz und Schaffhausen.
Die Nachtzüge bedienen neben Rafz unter anderem Hüntwangen-Wil, Eglisau, Lottstetten, Jestetten und Neuhausen. Das genaue Angebot kann von der regulären Linienführung der S9 abweichen.[6]
Busverkehr
Die Bushaltestelle trägt die offizielle Bezeichnung Rafz, Bahnhof. Im Fahrplanjahr 2026 wird sie von den Linien 545 und 675 bedient.[6]
| Linie | Verbindung | Bedeutung |
|---|---|---|
| 545 | Rafz, Bahnhof – Rafz, Post – Pflegeheim Peteracker – Wil ZH – Hüntwangen – Hüntwangen-Wil, Bahnhof | Erschliessung von Rafz, Wil und Hüntwangen sowie Verbindung zur Bahnstation Hüntwangen-Wil |
| 675 | Rafz, Bahnhof – Buchberg – Rüdlingen – Flaach – Volken – Humlikon – Henggart, Bahnhof | Verbindung ins Zürcher Weinland und in den Kanton Schaffhausen |
Linie 545
Die Linie 545 erschliesst das Dorf Rafz und führt über Wil und Hüntwangen zum Bahnhof Hüntwangen-Wil.
Innerhalb von Rafz bedient sie unter anderem die Haltestellen Post, Usserdorf, Bleiki und Pflegeheim Peteracker. Ein Teil der Kurse führt als Rundkurs durch das Gemeindegebiet.[7]
Die Linie verbindet Wohngebiete, das Dorfzentrum, soziale Einrichtungen und zwei Bahnhöfe miteinander.
Linie 675
Die Linie 675 führt von Rafz über Buchberg und Rüdlingen in den Kanton Zürich zurück. Danach bedient sie Flaach, Volken und Humlikon und endet am Bahnhof Henggart.[8]
Sie stellt eine wichtige Querverbindung zwischen dem Rafzerfeld, den schaffhausischen Gemeinden südlich des Rheins und dem Zürcher Weinland her.
In Henggart bestehen Anschlüsse an die Bahnlinie nach Winterthur und Stein am Rhein.
Tarif
Der Bahnhof Rafz liegt in der ZVV-Tarifzone 114.[9]
Rafz ist zugleich der letzte Bahnhof des Zürcher Verkehrsverbunds in Richtung Schaffhausen. Die Zone 114 ist im Z-Pass-System der OSTWIND-Zone 847 zugeordnet.[10]
Für Fahrten über Lottstetten und Jestetten nach Schaffhausen müssen Reisende ein Billett besitzen, das auch die entsprechenden OSTWIND- beziehungsweise Z-Pass-Zonen abdeckt. Ein ausschliesslich für den ZVV gültiges Abonnement endet tariflich grundsätzlich in Rafz.
Die Fahrt durch Deutschland führt nicht automatisch zu einem internationalen Spezialtarif. Die Schweizer und regionalen Verbundtarife berücksichtigen die besondere Streckenführung.
Ausstattung und Dienstleistungen
Der Bahnhof besitzt kein bedientes SBB-Reisezentrum. Billette können über Automaten, die SBB-App, die ZVV-App und weitere digitale Verkaufskanäle bezogen werden.
Zur Ausstattung gehören:
- elektronische Abfahrtsanzeigen;
- Lautsprecher und Bahnhofuhren;
- gedeckte Wartebereiche;
- Sitzgelegenheiten;
- öffentliche Toilette;
- Veloabstellplätze;
- P+Rail-Parkplätze;
- Behindertenparkplätze;
- Kurzhalte- und Abholmöglichkeiten.
Nach Angaben der SBB stehen 168 gedeckte Veloabstellplätze sowie weitere 18 überdachte Plätze für Zweiräder zur Verfügung.[11]
Die P+Rail-Anlage umfasst 103 Autoabstellplätze und zwei Behindertenparkplätze. Der Bahnhof besitzt damit für eine ländliche Gemeinde eine vergleichsweise grosse Anlage für den kombinierten Verkehr.
Viele Reisende aus den umliegenden Dörfern und Streusiedlungen erreichen den Bahnhof mit Velo, Bus oder Auto und setzen ihre Fahrt mit der S-Bahn fort.
Hindernisfreiheit
Der Mittelperron ist über eine Unterführung erreichbar. Die Perronanlagen wurden im Laufe der Zeit an die Anforderungen des modernen S-Bahn-Verkehrs angepasst.
Die SBB informieren im elektronischen Fahrplan über die konkrete Zugänglichkeit der einzelnen Verbindungen. Je nach eingesetztem Fahrzeug können beim Ein- und Ausstieg unterschiedliche Höhen- oder Spaltverhältnisse bestehen.
Für Personen mit eingeschränkter Mobilität sind insbesondere die Zugänge zur Unterführung und zum Mittelperron von Bedeutung. Bei notwendigen Hilfestellungen kann das SBB Contact Center Handicap kontaktiert werden.
Eisenbahnunfall von 2015
Am 20. Februar 2015 ereignete sich im nördlichen Bereich des Bahnhofs eine seitliche Kollision zwischen einer S-Bahn und einem durchfahrenden InterRegio-Zug.
Kurz nach 06:40 Uhr fuhr eine in Rafz gewendete S-Bahn in Richtung Schaffhausen ab, obwohl das für sie geltende Signal Halt zeigte. Die Zugsicherung löste nach dem Überfahren des Signals eine Zwangsbremsung aus.
Der Triebzug kam jedoch so zum Stillstand, dass sein vorderer Teil in das Lichtraumprofil der Fahrstrasse eines aus Richtung Zürich kommenden InterRegio-Zugs ragte.
Der InterRegio kollidierte seitlich mit der S-Bahn. Seine Lokomotive und die fünf Wagen entgleisten. Sechs Personen wurden verletzt, eine davon schwer.[12]
Untersuchung
Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle untersuchte den Unfall. Als unmittelbare Ursache stellte sie fest, dass die S-Bahn trotz des haltzeigenden Signals abgefahren war.
Zur Verwechslung trugen mehrere Faktoren bei:
- die Anordnung mehrerer Signale im Sichtfeld des Lokpersonals;
- unterschiedliche Helligkeiten der Signalbilder;
- die aussergewöhnliche betriebliche Situation;
- ein selbst erzeugter Zeitdruck;
- eine Lücke in der damals vorhandenen Zugbeeinflussung.
Das vorhandene System konnte die S-Bahn zwar nach dem Überfahren des Signals zwangsbremsen, verhinderte jedoch nicht, dass der Zug in den Gefahrenbereich der Weiche gelangte.
Die Untersuchung führte zu verschiedenen Sicherheitsempfehlungen. Die SBB ergänzten und verbesserten unter anderem die Zugbeeinflussung, die Signalisierung und die betrieblichen Vorschriften für wendende Züge.
Ausbau Richtung Schaffhausen
Die eingleisige Strecke zwischen Rafz und Neuhausen begrenzt die Zahl der möglichen S-Bahn- und Güterzüge.
Im Rahmen des Ausbauschritts 2035 plant die SBB einen 3,8 Kilometer langen Doppelspurabschnitt zwischen Lottstetten und Jestetten. Das Projekt soll Zugkreuzungen ermöglichen und die Voraussetzung für einen durchgehenden Halbstundentakt der S-Bahn zwischen Zürich und Schaffhausen schaffen.[13]
Zu den Projektbestandteilen gehören:
- 3,8 Kilometer Doppelspur;
- Umbau des Bahnhofs Lottstetten;
- zwei neue Aussenperrons in Lottstetten;
- eine neue Personenunterführung;
- Anpassung des Lottstettener Viadukts;
- Neubau mehrerer Strassenüberführungen;
- Lärmschutzmassnahmen.
Da sich der Ausbau auf deutschem Staatsgebiet befindet, müssen sowohl das Schweizer Bundesamt für Verkehr als auch das Regierungspräsidium Freiburg die erforderlichen Bewilligungen erteilen.
Das Genehmigungsverfahren verzögerte sich aufgrund zahlreicher Einwendungen. Die SBB rechnet nach dem Planungsstand von 2026 mit einem Baubeginn frühestens Ende der 2020er- beziehungsweise Anfang der 2030er-Jahre. Die Bauzeit soll rund vier Jahre betragen.
Die geschätzten Kosten belaufen sich auf ungefähr 180 Millionen Franken. Finanziert wird das Projekt über den Bahninfrastrukturfonds des Bundes.[13]
Für Rafz würde der Ausbau regelmässigere Direktverbindungen nach Schaffhausen, eine höhere Fahrplanstabilität und zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr ermöglichen.
Bahnhof und Ortsentwicklung
Die Eröffnung des Bahnhofs beeinflusste die räumliche und wirtschaftliche Entwicklung von Rafz.
Vor 1897 konzentrierte sich die Siedlung auf den historischen Dorfkern. Die weit ausserhalb gelegene Bahnstation führte zur Anlage neuer Strassen und zur Bebauung der Zwischenräume.
Entlang der Bahnhofstrasse entstanden:
- Wohnhäuser;
- Gasthäuser und Restaurants;
- Gewerbebetriebe;
- Lager- und Verkaufsgebäude;
- Einrichtungen für Reisende und Pendler.
Der Personenverkehr erleichterte das Pendeln nach Bülach, Zürich und Schaffhausen. Zugleich konnten landwirtschaftliche Produkte des Rafzerfeldes schneller auf städtische Märkte gelangen.
Mit dem Wachstum der Gemeinde wurde der Bahnhof zu einem wichtigen Eingangspunkt des Ortes. Seine periphere Lage ist zwar weiterhin erkennbar, doch Wohn- und Gewerbegebiete reichen heute bis an das Bahnhofareal.
Die grosse Zahl der Velo- und P+Rail-Plätze zeigt, dass der Bahnhof auch für Gemeinden und Siedlungen ausserhalb des unmittelbar zu Fuss erreichbaren Gebiets eine wichtige Funktion besitzt.
Bedeutung
Der Bahnhof Rafz verbindet drei unterschiedliche Funktionen.
Als Regionalbahnhof erschliesst er die Gemeinde und das Rafzerfeld. Als grenznaher Bahnhof ist er Teil einer besonderen Strecke, die von der Schweiz durch Deutschland zurück in die Schweiz führt. Als Betriebsbahnhof ermöglicht er Kreuzungen, Überholungen und die Koordination von S-Bahn-, Fern- und Güterzügen.
Die historische Anlage dokumentiert die Spätphase des privaten Eisenbahnbaus. Aufnahmegebäude, Güterschuppen und Zollanbau erinnern an die Entwicklung des grenzüberschreitenden Verkehrs seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert.
Der Unfall von 2015 machte den Bahnhof zudem zu einem wichtigen Bezugspunkt der schweizerischen Eisenbahnsicherheitsgeschichte. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse führten zu Verbesserungen bei Zugbeeinflussung, Signalwahrnehmung und betrieblichen Verfahren.
Mit dem geplanten Doppelspurausbau zwischen Lottstetten und Jestetten soll die Bedeutung von Rafz als Teil der Verbindung Zürich–Schaffhausen weiter zunehmen.
Siehe auch
- Rafz
- Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen
- Bahnhof Hüntwangen-Wil
- Bahnhof Eglisau
- Bahnhof Schaffhausen
- Schweizerische Nordostbahn
- S-Bahn Zürich
- Zürcher Verkehrsverbund
- Jestetter Zipfel
- Liste der Bahnhöfe im Kanton Zürich
Literatur
- Hans Bölsterli u. a.: Brückenschlag. 100 Jahre Bahnlinie Eglisau–Neuhausen am Rheinfall, 1897–1997. Zürich 1997.
- Thomas Neukom: Rafz. Geschichte eines Zürcher Dorfes «ennet dem Rhein». Chronos Verlag, Zürich 2005.
- Walter von Andrian, Fabian Scheeder: «Die Kollision in Rafz». In: Schweizer Eisenbahn-Revue, 2015.
- Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle: Schlussbericht über die seitliche Kollision zwischen einem S-Bahn- und einem InterRegio-Zug vom 20. Februar 2015 in Rafz. Bern 2016.
- Kantonale Denkmalpflege Zürich: Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung – Bahnhof Rafz. Zürich 2021.
- Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.
Weblinks
- Bahnhof Rafz auf der Website der SBB
- Fahrpläne für Rafz beim Zürcher Verkehrsverbund
- Inventarblatt des Bahnhofs Rafz
- Projekt Doppelspurausbau Lottstetten–Jestetten
- Offizielle Website der Gemeinde Rafz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Zürcher Verkehrsverbund: Linienfahrplan S9, Jahresfahrplan vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Kanton Zürich: Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, Bahnhof Rafz, festgesetzt am 27. Mai 2021, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Schienenverkehr Schweiz: Bahnstrecke Zürich–Schaffhausen, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Gemeinde Rafz: «Flower-Dream – Blumenladen im historischen Wartsaal des Bahnhofs Rafz». In: Rafzer Weibel, April 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Stellwerksdatenbank: Rafz, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 6,0 6,1 Zürcher Verkehrsverbund: Haltestellen- und Linienfahrpläne Rafz, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Linienfahrplan 545, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Linienfahrplan 675, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Regionalnetz und Tarifzonen, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Z-Pass: Tarifverbund für den Lebens- und Wirtschaftsraum Zürich, Tarifstand vom 14. Dezember 2025, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ SBB: Bahnhof Rafz, Geschäfte und Dienstleistungen, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle: Schlussbericht über die seitliche Kollision zwischen einem S-Bahn- und einem InterRegio-Zug vom 20. Februar 2015 in Rafz, veröffentlicht 2016, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 13,0 13,1 SBB: Doppelspurausbau Lottstetten–Jestetten, abgerufen am 3. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Rafz