S28 (S-Bahn Aargau)

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S28
System S-Bahn Aargau
Strecke LenzburgSuhrZofingen
Betreiber SBB
Anzahl Stationen 10
Takt 30 Minuten
Fahrzeit ca. 30–35 Minuten
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem 15 kV 16,7 Hz ~
Kantone Aargau, im Grenzgebiet zum Kanton Solothurn

Die S28 ist eine Linie der S-Bahn Aargau. Sie verbindet Lenzburg über Hunzenschwil, Suhr, Oberentfelden, Kölliken und Safenwil mit Zofingen. Die Linie wird von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) betrieben und erschliesst einen wichtigen regionalen Verkehrskorridor im zentralen und westlichen Kanton Aargau.

Die S28 verkehrt auf dem noch im Personenverkehr genutzten westlichen Abschnitt der historischen Bahnstrecke Zofingen–Wettingen, die von der Schweizerischen Nationalbahn (SNB) gebaut und 1877 eröffnet wurde. Die Strecke wird deshalb bis heute häufig als Nationalbahn bezeichnet; in der Region ist auch der umgangssprachliche Name «Nazeli» verbreitet.[1]

Seit Dezember 2015 bildet ein weitgehend durchgehender Halbstundentakt das Grundangebot der S28. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 wurde der 30-Minuten-Takt auch am Abend weiter ausgedehnt.[2]

Verlauf

Die S28 beginnt im Bahnhof Lenzburg, einem der wichtigsten Eisenbahnknoten im zentralen Aargau. Dort bestehen Anschlüsse an den Fernverkehr sowie an mehrere Linien der S-Bahn Aargau und der S-Bahn Zürich.

Vom Bahnhof Lenzburg führt die S28 zunächst westwärts. Nach wenigen Kilometern erreicht sie Hunzenschwil und anschliessend Suhr.

In Suhr kreuzt die Strecke den Raum südlich von Aarau. Der Bahnhof besitzt Anschlüsse an Buslinien sowie an das meterspurige Netz von Aargau Verkehr. Die S28 fährt jedoch nicht über den Bahnhof Aarau, sondern folgt der historischen Nationalbahn direkt in Richtung Zofingen.

Von Suhr führt die Strecke nach Oberentfelden. Dort kreuzt die normalspurige Bahnstrecke der S28 niveaugleich die meterspurige Strecke Aarau–Schöftland von Aargau Verkehr, die von der S14 bedient wird. Diese betrieblich aufwendige Kreuzung gehört zu den Besonderheiten der Strecke.

Anschliessend fährt die S28 über Kölliken, die Haltestelle Kölliken Oberdorf und Safenwil weiter nach Westen.

Nach Safenwil folgen die Stationen Walterswil-Striegel und Küngoldingen. Schliesslich erreicht die S28 den Bahnhof Zofingen, wo Anschlüsse an den Fernverkehr sowie an weitere Regionalverkehrslinien bestehen.

Stationen

Die S28 bedient im regulären Verkehr folgende zehn Stationen:[3]

Nr. Bahnhof / Haltestelle Gemeinde Kanton
1 Lenzburg Lenzburg Aargau
2 Hunzenschwil Hunzenschwil Aargau
3 Suhr Suhr Aargau
4 Oberentfelden Oberentfelden Aargau
5 Kölliken Kölliken Aargau
6 Kölliken Oberdorf Kölliken Aargau
7 Safenwil Safenwil Aargau
8 Walterswil-Striegel Grenzgebiet Walterswil SO / Safenwil Aargau / Solothurn
9 Küngoldingen Oftringen Aargau
10 Zofingen Zofingen Aargau

Die Fahrt über die gesamte Strecke dauert je nach Fahrplanlage ungefähr eine halbe Stunde.

Betrieb und Fahrplan

Die S28 verkehrt täglich. Das Grundangebot besteht im Fahrplanjahr 2026 aus einem 30-Minuten-Takt zwischen Lenzburg und Zofingen.[4]

Mit dem Fahrplanjahr 2026 wurde das Angebot am Abend verbessert. Der Kanton Aargau führte auf der S28 einen zusätzlichen 30-Minuten-Takt in den Abendstunden ein. Damit wurde eine frühere Lücke im Angebotsstandard gegenüber anderen wichtigen Linien der S-Bahn Aargau reduziert.[2]

In Lenzburg ist der Fahrplan auf Anschlüsse an Züge in Richtung Zürich, Aarau, Olten, Bern, Luzern und das Seetal abgestimmt.

In Zofingen bestehen Anschlüsse unter anderem in Richtung Olten, Luzern, Bern und Langenthal.

Bedeutung

Die S28 erfüllt vor allem eine regionale Funktion. Sie verbindet mehrere grössere Gemeinden zwischen Lenzburg und Zofingen miteinander, ohne den Umweg über Aarau und Olten zu nehmen.

Besonders wichtig ist die Linie für:

  • Pendler zwischen Zofingen, Suhr und Lenzburg;
  • den Schüler- und Ausbildungsverkehr;
  • Anschlüsse an den Fernverkehr in Lenzburg und Zofingen;
  • die Erschliessung von Kölliken, Safenwil und Hunzenschwil;
  • Verbindungen zwischen dem Raum Zofingen und dem östlichen Aargau.

Die Strecke bildet zudem eine Querverbindung zwischen zwei bedeutenden Hauptachsen des Schweizer Eisenbahnnetzes. In Lenzburg erreicht sie die Bahnverbindungen Zürich–Aarau–Bern beziehungsweise Basel, während Zofingen an der Achse Olten–Luzern liegt.

Nationalbahn

Die heutige Strecke der S28 ist ein Teil der historischen Schweizerischen Nationalbahn.

Die Schweizerische Nationalbahn (SNB) wurde in den 1870er-Jahren mit dem Ziel gegründet, eine neue Eisenbahnverbindung vom Bodensee quer durch das Schweizer Mittelland bis in die Westschweiz aufzubauen.

Das Unternehmen verstand sein Projekt als Konkurrenz zu den damals dominierenden privaten Bahngesellschaften, insbesondere zur Schweizerischen Nordostbahn (NOB) und zur Schweizerischen Centralbahn (SCB).

Die Nationalbahn sollte möglichst direkt von der Ostschweiz durch das Zürcher Unterland und den Aargau nach Westen verlaufen. Dabei wurden bewusst verschiedene bestehende Bahnknoten umfahren.

Ein bedeutender Teil dieser Strecke führte von Wettingen über Baden Oberstadt, Mellingen, Lenzburg und Suhr nach Zofingen.

Eröffnung 1877

Der Abschnitt zwischen Zofingen und Lenzburg wurde am 6. September 1877 zusammen mit weiteren Teilen der westlichen Nationalbahn eröffnet.[5]

Am gleichen Tag nahm auch die Verbindung von Suhr nach Aarau den Betrieb auf. Die Strecke von Baden Oberstadt über Lenzburg nach Zofingen bildete damit einen wichtigen Teil der geplanten Nationalbahnverbindung.

Am 15. Oktober 1877 wurde schliesslich auch der Abschnitt Richtung Wettingen und Winterthur eröffnet.

Die ehrgeizigen Pläne erwiesen sich jedoch als wirtschaftlich nicht tragfähig.

Konkurs der Schweizerischen Nationalbahn

Die Nationalbahn befand sich bereits während des Baus in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten.

Ihre Streckenführung orientierte sich stark am Ziel, die bestehenden Privatbahnen zu konkurrenzieren. Dadurch wurden teilweise wichtige Wirtschaftszentren umfahren, während gleichzeitig teure Kunstbauten gebaut werden mussten.

Hinzu kam die Wirtschaftskrise der 1870er-Jahre.

Bereits 1878, nur wenige Monate nach Aufnahme des durchgehenden Betriebs, ging die Schweizerische Nationalbahn in Konkurs.[1]

Mehrere Gemeinden, die sich mit hohen Beträgen am Projekt beteiligt hatten, erlitten dadurch schwere finanzielle Verluste.

Besonders stark betroffen war Zofingen. Die Stadt gehörte zu den grössten Geldgebern der Nationalbahn und musste noch jahrzehntelang finanzielle Folgen des Konkurses tragen.[1]

Übernahme der Strecke

Nach dem Konkurs wurde das Streckennetz der Nationalbahn aufgeteilt beziehungsweise von anderen Eisenbahngesellschaften übernommen.

Ein grosser Teil gelangte an die Schweizerische Nordostbahn. Andere Abschnitte standen zeitweise unter dem Einfluss der Centralbahn.

Mit der Verstaatlichung der grossen privaten Bahngesellschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen die Strecken schliesslich an die neu gegründeten SBB über.

Der Abschnitt Lenzburg–Zofingen blieb als regionale Bahnverbindung erhalten.

«Nazeli»

Der Name «Nazeli» ist eine schweizerdeutsche Kurz- beziehungsweise Koseform, die sich von Nationalbahn ableitet.

Insbesondere im Raum Zofingen, Kölliken und Suhr ist die Bezeichnung für die Bahnstrecke bis heute bekannt.

Sie erinnert daran, dass die heutige S28 auf einer Bahnlinie verkehrt, deren Entstehung auf eines der spektakulärsten und wirtschaftlich folgenreichsten Privatbahnprojekte des 19. Jahrhunderts zurückgeht.

Elektrifizierung

Die Nationalbahnstrecke war ursprünglich für Dampfbetrieb gebaut worden.

Im Jahr 1946 wurden die noch nicht elektrifizierten Abschnitte der Strecke zwischen Zofingen und Lenzburg auf elektrischen Betrieb umgestellt.

Der Abschnitt Zofingen–Suhr wurde am 15. Juli 1946 beziehungsweise im Verlauf des Sommers 1946 elektrifiziert. Die Elektrifizierung zwischen Suhr und Lenzburg folgte am 17. Dezember 1946.[6]

Heute wird die Strecke mit dem bei den SBB üblichen Stromsystem von 15 kV 16,7 Hz Wechselstrom betrieben.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlor die ursprüngliche Idee einer durchgehenden Nationalbahn zunehmend an Bedeutung.

Die einzelnen Streckenabschnitte wurden in das übrige SBB-Netz integriert und entwickelten unterschiedliche Funktionen.

Der Abschnitt zwischen Lenzburg und Zofingen blieb vor allem für den regionalen Personenverkehr und den Güterverkehr wichtig.

Östlich von Lenzburg wurde ein Teil der ehemaligen Nationalbahn beim Bau der Heitersbergstrecke in eine wichtige Hauptverkehrsachse integriert. Andere Abschnitte Richtung Wettingen verloren hingegen ihren Personenverkehr.

Damit wurde aus der ursprünglich durchgehenden Konkurrenzbahn ein Netz von Strecken mit sehr unterschiedlichen Aufgaben.

Veränderungen in Suhr

Eine besondere Rolle in der Streckengeschichte spielt Suhr.

Von Suhr führte ursprünglich eine normalspurige Nationalbahnstrecke nach Aarau. Der Personenverkehr auf diesem Abschnitt wurde im Dezember 2004 eingestellt.

Die Verbindung wurde anschliessend für die Verlegung der meterspurigen Bahnstrecke von Aargau Verkehr beziehungsweise der ehemaligen Wynental- und Suhrentalbahn umgebaut.

Heute wird der Personenverkehr zwischen Suhr und Aarau unter anderem von der S14 und von Buslinien übernommen.

Die S28 folgt von Suhr dagegen weiterhin der normalspurigen Nationalbahn in Richtung Lenzburg beziehungsweise Zofingen.

Ausbau für die S-Bahn Aargau

Ein entscheidender Modernisierungsschritt erfolgte im Rahmen des Programms S-Bahn Aargau 2016 ff.

Der Kanton Aargau beschloss, das Angebot auf der S28 deutlich auszubauen. Dafür mussten verschiedene Teile der Infrastruktur modernisiert werden.[7]

Zu den Massnahmen gehörten unter anderem:

  • Anpassungen von Gleis- und Perronanlagen;
  • Ausbau von Kreuzungsmöglichkeiten;
  • Modernisierung verschiedener Bahnhöfe;
  • Verlegung der Haltestelle Küngoldingen;
  • Verbesserung der Fahrplanstabilität.

Während eines Teils der Bauarbeiten musste der Bahnverkehr zwischen Zofingen und Suhr zeitweise durch Busse ersetzt werden.

Halbstundentakt ab 2015

Mit dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2015 wurde das Angebot auf der S28 grundlegend verbessert.

Zwischen Lenzburg und Zofingen wurde von morgens bis etwa 20 Uhr ein durchgehender 30-Minuten-Takt eingeführt.[8]

Zuvor bestand auf Teilen des Tages lediglich ein Stundentakt beziehungsweise ein weniger gleichmässiges Angebot.

Der Ausbau war eines der ersten sichtbar umgesetzten Projekte des Programms S-Bahn Aargau 2016 ff.

Haltestelle Küngoldingen

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der S28 wurde die Haltestelle Küngoldingen neu angeordnet beziehungsweise verlegt.

Küngoldingen ist ein Ortsteil der Gemeinde Oftringen unmittelbar östlich von Zofingen.

Die neue Anlage verbesserte den Zugang zum Siedlungsgebiet und ermöglichte einen zeitgemässeren Betrieb der S28. Sie ging mit dem erweiterten Fahrplan im Dezember 2015 in Betrieb.

Kreuzung in Oberentfelden

Eine aussergewöhnliche betriebliche Situation besteht in Oberentfelden.

Dort kreuzt die normalspurige Nationalbahnstrecke Lenzburg–Zofingen die meterspurige Strecke Aarau–Schöftland von Aargau Verkehr niveaugleich.

Auf der Normalspur verkehrt die S28, auf der Meterspur die S14.

Da beide Bahnlinien im dichten Takt verkehren, müssen die Fahrpläne aufeinander abgestimmt werden. Die niveaugleiche Kreuzung schränkt die mögliche Kapazität beider Strecken ein.[9]

Langfristig ist eine Entflechtung der beiden Bahnstrecken vorgesehen. Im Rahmen des Ausbauschritts 2035 sind dafür Infrastrukturmassnahmen eingeplant.[9]

Güterverkehr

Die Strecke der S28 wird nicht ausschliesslich vom Personenverkehr genutzt.

Die Nationalbahnstrecke Lenzburg–Zofingen besitzt auch für den Güterverkehr Bedeutung. Güterzüge können über sie zwischen dem Raum Limmattal, Lenzburg und dem Wiggertal verkehren.[9]

Damit müssen die Trassen der halbstündlich verkehrenden S28 mit dem Güterverkehr koordiniert werden.

Im Zusammenhang mit dem schweizerischen Bahnausbau bis 2035 soll die Kapazität der Strecke weiter erhöht werden. Diese Investitionen sollen sowohl zusätzlichen Güterverkehr als auch weitere Verbesserungen beim Personenverkehr ermöglichen.

Ausbau bis 2035

Für die Bahnstrecke Zofingen–Lenzburg sind im Rahmen des nationalen Bahnausbaus weitere Infrastrukturmassnahmen vorgesehen.

Der Kanton Aargau nennt für den Korridor einen Kapazitätsausbau Zofingen–Lenzburg. Bestandteil der Planungen ist auch die Entflechtung der Kreuzung zwischen der S28 und der S14 in Oberentfelden.[9]

Die Investitionen sollen eine stabilere Abwicklung des Personen- und Güterverkehrs ermöglichen.

Langfristig soll die Strecke dadurch auch bei dichterem Güterverkehr weiterhin einen zuverlässigen S-Bahn-Betrieb ermöglichen.

Verbesserung des Abendangebots 2026

Bis 2025 war der Halbstundentakt der S28 am Abend teilweise eingeschränkt.

Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 wurde das Angebot erweitert. Im Fahrplanjahr 2026 verkehrt die S28 auch am Abend häufiger im 30-Minuten-Takt.[2]

Der Kanton Aargau begründete die Massnahme insbesondere mit der Verbesserung des öffentlichen Verkehrs für Freizeit- und Abendfahrten.

Damit nähert sich das Angebot der S28 stärker dem Standard der wichtigsten übrigen S-Bahn-Linien im Kanton an.

Anschlüsse in Lenzburg

Der Bahnhof Lenzburg ist der wichtigste Anschlussknoten am östlichen Ende der S28.

Hier bestehen Verbindungen unter anderem in Richtung:

Neben Regionalzügen halten in Lenzburg auch Fernverkehrszüge.

Die Anschlüsse in Lenzburg sind für Fahrgäste der S28 besonders wichtig, weil die Linie selbst weder Aarau noch Zürich direkt bedient.

Anschlüsse in Zofingen

Der Bahnhof Zofingen ist der westliche Endpunkt der S28 und ebenfalls ein bedeutender regionaler Verkehrsknoten.

Von hier bestehen Bahnverbindungen unter anderem in Richtung:

Zudem erschliessen zahlreiche Buslinien die Stadt Zofingen und die umliegenden Gemeinden des Wiggertals.

Durch die Verbindung mit der S28 ist Zofingen direkt mit Suhr und Lenzburg verbunden, ohne dass ein Umstieg in Olten oder Aarau erforderlich ist.

Fahrzeuge

Auf der S28 werden elektrische Regionalverkehrszüge der SBB eingesetzt.

Über viele Jahre waren auf der Strecke insbesondere Triebzüge der Reihe RABe 520 anzutreffen. Diese von Stadler Rail gebauten Gelenktriebwagen waren ursprünglich für die Seetalbahn beschafft worden und eigneten sich aufgrund ihrer Bauweise auch für regionale Nebenstrecken.

Mit der Modernisierung der Perrons und Veränderungen in der Fahrzeugdisposition änderte sich der Fahrzeugeinsatz im Laufe der Zeit. Die SBB können je nach betrieblicher Situation unterschiedliche für den Regionalverkehr geeignete Fahrzeuge einsetzen.

Tarif

Die S28 liegt im Tarifgebiet des Tarifverbunds A-Welle.

Für Fahrten innerhalb des Verbundgebiets gelten die entsprechenden Zonentarife. Nationale Fahrausweise wie Halbtax und Generalabonnement gelten gemäss den schweizerischen Tarifbestimmungen.

Da die Linie hauptsächlich innerhalb des Kantons Aargau verkehrt, hat sie eine besonders starke Funktion im kantonalen Regionalverkehr.

Besonderheiten

Die S28 unterscheidet sich in mehreren Punkten von anderen Linien der S-Bahn Aargau.

Sie verkehrt vollständig auf einer historischen Nebenbahnstrecke und berührt auf ihrem eigentlichen Linienweg keinen der grossen Bahnknoten Aarau oder Olten.

Zudem folgt sie einer Bahnstrecke, die ursprünglich nicht primär für den heutigen Regionalverkehr, sondern als Teil einer ehrgeizigen überregionalen Konkurrenzbahn gebaut worden war.

Weitere Besonderheiten sind:

  • die Herkunft der Strecke aus dem Netz der Schweizerischen Nationalbahn;
  • der bis heute verwendete Name «Nazeli»;
  • die niveaugleiche Kreuzung mit einer meterspurigen Bahn in Oberentfelden;
  • die gleichzeitige Nutzung durch Personen- und Güterverkehr;
  • die direkte Querverbindung zwischen Lenzburg und Zofingen.

Bedeutung für Suhr und das Suhrental

Suhr ist der bedeutendste Zwischenbahnhof der S28.

Der Ort liegt unmittelbar südlich von Aarau und besitzt neben der S28 Anschlüsse an das meterspurige Bahn- und Busnetz von Aargau Verkehr.

Die S28 ermöglicht von Suhr direkte Fahrten nach Lenzburg und Zofingen. Damit ergänzt sie die radial auf Aarau ausgerichteten Verkehrsangebote.

Für Fahrten aus dem Suhrental in Richtung Zürich kann beispielsweise der Umstieg in Lenzburg eine attraktive Alternative zur Fahrt über Aarau darstellen.

Bedeutung für Kölliken und Safenwil

Für Kölliken und Safenwil stellt die S28 die wichtigste direkte Eisenbahnverbindung dar.

Beide Gemeinden liegen abseits der grossen Fernverkehrsachsen, verfügen durch den Halbstundentakt der S28 jedoch über regelmässige Verbindungen zu den Knoten Lenzburg und Zofingen.

Von dort können zahlreiche Ziele im Schweizer Bahnnetz mit einem Umstieg erreicht werden.

Die gute Bahnverbindung ist insbesondere für den Pendlerverkehr in Richtung Aarau, Lenzburg, Zürich, Olten und Luzern von Bedeutung.

Nationalbahn und heutiges Bahnnetz

Von der ursprünglich geplanten durchgehenden Nationalbahn ist heute keine einzige durchgehende Regionalverkehrslinie mehr übrig geblieben.

Einzelne Abschnitte wurden jedoch zu wichtigen Teilen des modernen Schweizer Bahnnetzes.

Der Abschnitt Lenzburg–Zofingen wird von der S28 bedient.

Östlich von Lenzburg dient ein Teil der ehemaligen Strecke heute als Zufahrt zur Heitersbergstrecke, einer der wichtigsten Bahnverbindungen zwischen Zürich und dem Mittelland.

Andere Abschnitte in Richtung Mellingen und Wettingen werden vorwiegend für Güterverkehr oder als betriebliche Ausweichstrecken genutzt.

Die S28 ist damit einer der Abschnitte, auf denen die historische Identität der Nationalbahn bis heute besonders deutlich erhalten geblieben ist.

Chronologie

Jahr Ereignis
1877 Eröffnung der Nationalbahnstrecke Zofingen–Lenzburg am 6. September
1878 Konkurs der Schweizerischen Nationalbahn
1880 Teile des ehemaligen Nationalbahnnetzes gelangen an andere Privatbahngesellschaften
1902 Übernahme der wichtigsten Vorgängerbahnen durch die Schweizerischen Bundesbahnen
1946 Elektrifizierung der Strecke Zofingen–Suhr–Lenzburg
2004 Einstellung des normalspurigen Personenverkehrs zwischen Suhr und Aarau
2014–2015 umfangreiche Ausbauten der Strecke für die S-Bahn Aargau
13. Dezember 2015 Einführung des durchgehenden 30-Minuten-Takts bis etwa 20 Uhr
2015 Inbetriebnahme der neuen beziehungsweise verlegten Haltestelle Küngoldingen
14. Dezember 2025 weitere Ausdehnung des 30-Minuten-Takts am Abend
2026 S28 verkehrt weiterhin zwischen Lenzburg und Zofingen

Siehe auch

Literatur

  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich 1998.
  • Hans G. Wägli, Sébastien Jacobi: Schienennetz Schweiz / Réseau ferré suisse. AS Verlag, Zürich 2010.
  • Paul Bärtschi u. a.: Die Nationalbahn. Vision einer Volksbahn. Baden.
  • Placid Weissenbach: Das Eisenbahnwesen der Schweiz. Zürich 1913.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Zofingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 10. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Kanton Aargau: Fahrplanwechsel Dezember 2025, 26. November 2025, abgerufen am 10. August 2026.
  3. Bundesamt für Verkehr: Personenbeförderungskonzession SBB, Linie S28 Zofingen–Suhr–Lenzburg, Stand 14. Dezember 2025, abgerufen am 10. August 2026.
  4. SBB: Liniennetzplan S-Bahnen Aargau 2026, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 10. August 2026.
  5. SBB Historic: Nationalbahn Suhr–Zofingen, 1875–1877, abgerufen am 10. August 2026.
  6. Bahnstrecke Zofingen–Lenzburg: Eröffnungs- und Elektrifizierungsdaten, abgerufen am 10. August 2026.
  7. Kanton Aargau: S-Bahn Aargau 2016 ff. – Ausbauschritte bis 2024, abgerufen am 10. August 2026.
  8. Kanton Aargau: Grösster Fahrplanwechsel seit über zehn Jahren, 26. November 2015.
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 Kanton Aargau: Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr 2020, beschlossen am 3. Dezember 2019.