Aarau
| Aarau | |
|---|---|
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Kanton Aargau |
| Bezirk | Bezirk Aarau |
| Gemeindenummer | 4001 |
| Gemeindetyp | Politische Gemeinde, Stadt sowie Kantons- und Bezirkshauptort |
| Fläche | 12,34 km² |
| Höhe | 385 m ü. M. |
| Einwohner | 22'892 (31. Dezember 2025) |
| Sprache | Deutsch |
| Stadtpräsident | Hanspeter Hilfiker |
| Exekutive | Siebenköpfiger Stadtrat |
| Legislative | 50-köpfiger Einwohnerrat |
| Eingemeindung | Rohr, 1. Januar 2010 |
| Gewässer | Aare |
| Postleitzahlen | 5000, 5001, 5004 und 5032 |
| Website | www.aarau.ch |
Aarau ist eine politische Gemeinde, Stadt sowie der Hauptort des Kantons Aargau und des Bezirks Aarau. Die Stadt liegt am Südrand des Juras beidseits der Aare, ungefähr in der Mitte zwischen Zürich, Basel, Bern und Luzern. Ende 2025 zählte Aarau 22'892 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]
Aarau ist das politische und administrative Zentrum des Kantons Aargau. Hier befinden sich der Sitz des Regierungsrats, des Grossen Rats, der kantonalen Verwaltung und zahlreicher Gerichte und Kulturinstitutionen. Aufgrund seiner zentralen Lage und der sehr guten Eisenbahnverbindungen besitzt Aarau zugleich eine bedeutende Funktion als regionaler Arbeitsplatz-, Bildungs-, Einkaufs- und Dienstleistungsstandort.
Die Stadt wurde um 1240 von den Grafen von Kyburg gegründet. Von 1415 bis 1798 stand sie unter bernischer Herrschaft. Im Frühjahr 1798 war Aarau für kurze Zeit die Hauptstadt der neu geschaffenen Helvetischen Republik und damit der erste Regierungssitz eines gesamtschweizerischen Zentralstaats. Seit der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 ist Aarau dessen Hauptstadt.
Besonders bekannt ist die gut erhaltene Altstadt mit ihren bemalten Dachuntersichten. Mehr als 70, nach anderen Zählungen rund 90, verzierte Dachhimmel gaben Aarau den Beinamen Stadt der schönen Giebel. Zu den Wahrzeichen gehören der Obertorturm, das Rathaus mit dem mittelalterlichen Turm Rore, die Stadtkirche und das Haus zum Schlossgarten.
Name
Der Ortsname ist erstmals 1248 in der Form Arowe belegt. Weitere historische Schreibweisen waren unter anderem Arowa, Arowe und Arouw.
Der Name setzt sich aus dem Gewässernamen Aare und dem althochdeutschen beziehungsweise mittelhochdeutschen Wort ouwe für eine feuchte, am Wasser gelegene Landschaft zusammen. Aarau bedeutet somit sinngemäss «Au an der Aare».
Der Name verweist auf die ursprüngliche Lage der Siedlung auf einer erhöhten Terrasse unmittelbar über der Flussniederung.
Wappen
Das Wappen der Stadt zeigt in Weiss einen schwarzen, rot bewehrten und rot gezungten Adler.
Der Adler ist seit dem Mittelalter als städtisches Wappentier belegt. Seine Herkunft wird mit dem Reichsadler und den Herrschaftszeichen der Gründerstadt in Verbindung gebracht.
Die ältesten Darstellungen unterschieden sich in Einzelheiten. Die heute gebräuchliche Form wurde im Verlauf der Neuzeit vereinheitlicht.
Der Adler erscheint auf der Stadtflagge, in amtlichen Publikationen, auf Gebäuden und im öffentlichen Raum.
Geografie
Lage
Aarau liegt im nördlichen Schweizer Mittelland unmittelbar am Übergang zum Faltenjura. Die historische Altstadt befindet sich auf einer Geländeterrasse südlich der Aare.
Nördlich des Flusses steigen die bewaldeten Hänge in Richtung Hungerberg und Küttigen an. Südlich der Stadt erstrecken sich die Siedlungsgebiete über die Ebene in Richtung Buchs, Suhr und Unterentfelden.
Die Stadt liegt rund:
- 40 Kilometer westlich von Zürich;
- 40 Kilometer südöstlich von Basel;
- 65 Kilometer nordöstlich von Bern;
- 45 Kilometer nordwestlich von Luzern.
Die zentrale Lage zwischen den grossen schweizerischen Wirtschaftsräumen förderte die Entwicklung Aaraus als Verwaltungs- und Arbeitszentrum.
Aare
Die Aare durchquert das Gemeindegebiet von Westen nach Osten. Sie ist das wichtigste landschaftliche Element der Stadt.
Im Bereich von Aarau besitzt der Fluss mehrere Seitenarme, Inseln, Kraftwerksanlagen und naturnahe Uferabschnitte. Der Schachen bildet eine breite Flusslandschaft mit Wald, Sportanlagen, Wiesen und Freizeitwegen.
Historisch war die Aare zugleich Verkehrsweg, Energiequelle und natürliche Begrenzung der Siedlung. Hochwasser bedrohten regelmässig tiefer gelegene Gebiete.
Durch Uferverbauungen, Kraftwerksbauten und Hochwasserschutzmassnahmen wurde der Fluss seit dem 19. Jahrhundert stark verändert. Neuere Projekte verfolgen teilweise das Ziel, Ufer aufzuwerten und naturnähere Lebensräume wiederherzustellen.
Mehrere Brücken verbinden die Stadtteile südlich und nördlich der Aare. Zu den wichtigsten Übergängen gehören die Kettenbrücke, die Zurlindenstege und weitere Fuss-, Velo- und Strassenverbindungen.
Stadtbach
Der Aarauer Stadtbach wurde über Jahrhunderte zur Versorgung der Bevölkerung, des Handwerks und der Gewerbebetriebe genutzt.
Er führte Wasser aus der Suhre beziehungsweise aus einem künstlich geschaffenen Kanalsystem in die Stadt. Das Wasser diente unter anderem:
- der Brandbekämpfung;
- dem Waschen;
- der Reinigung;
- dem Betrieb von Mühlen;
- handwerklichen und gewerblichen Tätigkeiten;
- der Versorgung von Brunnen.
Die regelmässige Reinigung des Stadtbachs bildete die Grundlage für den traditionellen Bachfischet.
Teile des Bachsystems verlaufen heute unterirdisch. An verschiedenen Stellen ist der Stadtbach weiterhin sichtbar und bildet ein wichtiges Element der historischen Stadtstruktur.
Landschaft und Natur
Das Gemeindegebiet umfasst neben dicht bebauten Stadtteilen auch Wald-, Landwirtschafts- und Flusslandschaften.
Bedeutende Naturräume sind:
- die Aare und ihre Ufer;
- der Schachen;
- der Hungerberg;
- der Roggenhausenwald;
- das Roggenhausental;
- die Auenlandschaft bei Rohr;
- kleinere Bäche und Feuchtgebiete.
Im Roggenhausental befindet sich der Wildpark Roggenhausen. Er wurde im 19. Jahrhundert gegründet und beherbergt einheimische Wildtiere in naturnahen Gehegen.
Der Stadtteil Rohr besitzt noch grössere Landwirtschaftsflächen und naturnahe Bereiche entlang der Aare.
Stadtgliederung
Die Stadt wird in fünf grössere Stadtteile und zahlreiche Quartiere gegliedert.
| Stadtteil | Bedeutende Quartiere | Charakter |
|---|---|---|
| Zentrum | Altstadt, Innenstadt, Damm, Torfeld Nord | Historisches, politisches, kulturelles und kommerzielles Zentrum |
| Aarau-Süd | Binzenhof, Goldern, Gönhard, Torfeld Süd, Zelgli | Überwiegend Wohnquartiere, Schulen und Entwicklungsgebiete |
| Aare-Nord | Hungerberg, Scheibenschachen | Wohngebiete, Wälder, Sport- und Erholungsräume |
| Telli | Telli | Grosses Wohn-, Gewerbe- und Verwaltungsquartier |
| Aarau Rohr | Ausserfeld, Hinterdorf, Siebenmatten und weitere Gebiete | Ehemaliges Dorf, Wohngebiete, Landwirtschaft und Auenlandschaft |
Die Grenzen der Quartiere besitzen hauptsächlich planerische, statistische und gesellschaftliche Bedeutung. Quartiervereine vertreten lokale Anliegen und organisieren Veranstaltungen.
Altstadt
Die Altstadt liegt auf einer langgestreckten Terrasse südlich der Aare. Ihr Grundriss geht weitgehend auf die mittelalterliche Stadtanlage zurück.
Die wichtigsten Gassen und Plätze sind:
- Rathausgasse;
- Pelzgasse;
- Kronengasse;
- Metzgergasse;
- Kirchgasse;
- Graben;
- Schlossplatz;
- Holzmarkt;
- Zollrain.
Die Altstadt ist weitgehend verkehrsberuhigt. Sie dient als Wohn-, Einkaufs-, Gastronomie- und Kulturzentrum.
Telli
Die Telli liegt östlich des Stadtzentrums zwischen Aare, Bahnlinie und Stadtbach.
Das Quartier ist durch die langgestreckten Wohnbauten der Grossüberbauung Telli geprägt, die in den 1970er-Jahren nach Plänen des Architekten Hans Marti entstanden.
Neben Wohnungen befinden sich dort kantonale Verwaltungsgebäude, Schulen, Einkaufsangebote, Gewerbe und Sportanlagen.
Die Wohnblöcke werden wegen ihrer gestuften Form und Länge umgangssprachlich teilweise als «Staumauern» bezeichnet.
Rohr
Rohr war bis Ende 2009 eine selbstständige politische Gemeinde. Am 1. Januar 2010 schloss es sich mit Aarau zusammen.
Das ehemalige Strassendorf liegt östlich des bisherigen Stadtgebiets auf einer Niederterrasse über der Aarelandschaft. Trotz des starken Siedlungswachstums sind der historische Dorfkern, Landwirtschaftsflächen und Teile der früheren dörflichen Struktur erhalten geblieben.
Die Stimmberechtigten von Aarau und Rohr hatten der Fusion am 24. Februar 2008 jeweils mit einer deutlichen Mehrheit zugestimmt.[2]
Klima
Aarau besitzt ein gemässigtes mitteleuropäisches Klima.
Die Sommer sind warm und teilweise feucht, die Winter vergleichsweise kühl. Schnee fällt regelmässig, bleibt im Stadtgebiet jedoch meist nicht über längere Zeit liegen.
Die Jurahöhen im Norden beeinflussen Niederschläge und Windverhältnisse. Bei bestimmten Wetterlagen kann sich im Aaretal Nebel oder Hochnebel bilden.
Der Klimawandel führt zu häufigeren Hitzeperioden, trockeneren Sommerabschnitten und intensiveren Starkniederschlägen. Die Stadt reagiert darauf unter anderem mit zusätzlicher Begrünung, Baumpflanzungen, Entsiegelung und einer klimaangepassten Gestaltung öffentlicher Räume.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Das Gebiet von Aarau war bereits lange vor der mittelalterlichen Stadtgründung besiedelt.
Archäologische Funde belegen menschliche Aktivitäten in der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Im Bereich des heutigen Bahnhofs wurden Spuren einer bronzezeitlichen Siedlung entdeckt.
Die günstige Lage an der Aare, fruchtbare Böden und natürliche Verkehrswege boten gute Voraussetzungen für Siedlungen.
Römische Zeit
In römischer Zeit führte eine wichtige Strassenverbindung von Vindonissa über das Gebiet von Aarau nach Salodurum.
Die Umgebung gehörte zum wirtschaftlichen und militärischen Hinterland des römischen Legionslagers Vindonissa.
Im Fluss wurden Reste einer spätantiken Holzbrücke entdeckt. Sie zeigen, dass die Aare bereits in römischer Zeit an dieser Stelle oder in der näheren Umgebung überquert wurde.
Im Stadtgebiet und in den Nachbargemeinden kamen zudem Münzen, Keramik, Gebäudereste und weitere Gegenstände aus römischer Zeit zum Vorschein.
Stadtgründung durch die Kyburger
Aarau wurde um 1240 von den Grafen von Kyburg gegründet.
Die neue Stadt lag strategisch günstig an einer Aarequerung und an Verkehrswegen zwischen Zürich, Bern, Basel und der Zentralschweiz.
Die erste urkundliche Erwähnung als Arowe stammt aus dem Jahr 1248. 1256 wird Aarau erstmals ausdrücklich als Stadt bezeichnet.
Die ursprüngliche Stadtanlage war klein. Sie umfasste einen befestigten Kern mit Stadtmauer, Toren, Gassen und dem Turm Rore.
Nach dem Aussterben der Kyburger gelangte Aarau 1273 an die Habsburger. König Rudolf I. bestätigte und erweiterte 1283 die städtischen Rechte.
Habsburgische Zeit
Unter habsburgischer Herrschaft erhielt Aarau weitere Rechte und Freiheiten.
Die Stadt verfügte über:
- Marktrechte;
- eine eigene Verwaltung;
- ein Stadtgericht;
- Befestigungsanlagen;
- wirtschaftliche Vorrechte.
Handwerk, Handel und Landwirtschaft bildeten die wirtschaftliche Grundlage.
Aarau blieb jedoch eine relativ kleine Stadt. Die Nähe zu grösseren Zentren und die begrenzte Fläche innerhalb der Befestigungen setzten dem Wachstum Grenzen.
Eroberung durch Bern
Im Jahr 1415 eroberten eidgenössische Orte auf Aufforderung König Sigismunds die habsburgischen Gebiete im Aargau.
Aarau ergab sich den Berner Truppen und wurde Teil des bernischen Untertanengebiets.
Im Gegensatz zu vielen Dörfern behielt die Stadt einen beträchtlichen Teil ihrer kommunalen Rechte. Bern kontrollierte jedoch die höhere Gerichtsbarkeit, die Aussenpolitik und wichtige Bereiche der Verwaltung.
Aarau wurde zum Hauptort des bernischen Amts Aarau.
Reformation
Bern führte 1528 in seinem Herrschaftsgebiet die Reformation ein. Aarau wurde reformiert.
Kirchenbesitz und religiöses Leben wurden neu organisiert. Die Stadtkirche diente fortan dem reformierten Gottesdienst.
Die Reformation stärkte zugleich die Bedeutung von Schule und Armenfürsorge unter städtischer und bernischer Aufsicht.
Wirtschaft in der frühen Neuzeit
In der frühen Neuzeit entwickelten sich Textilherstellung, Handel und Handwerk.
Aarauer Kaufleute beteiligten sich am internationalen Handel mit Baumwoll- und Seidenwaren. In der Stadt entstanden wohlhabende Bürgerfamilien, die repräsentative Häuser errichten oder ältere Gebäude umbauen liessen.
Aus dieser Zeit stammen zahlreiche bemalte Dachuntersichten der Altstadt.
Im 18. Jahrhundert wurde Aarau zu einem Zentrum der aufklärerischen und patriotischen Bewegung. Gebildete Bürger diskutierten politische Reformen, Wissenschaft und eine Erneuerung der Eidgenossenschaft.
Helvetische Revolution
Im Januar 1798 versammelten sich in Aarau Abgeordnete der bernischen Untertanengebiete. Sie forderten politische Gleichberechtigung und das Ende der alten Herrschaftsordnung.
Die Versammlung und die revolutionären Ereignisse machten Aarau zu einem wichtigen Zentrum des Umbruchs.
Nach dem Einmarsch französischer Truppen und dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft wurde die Helvetische Republik geschaffen.
Hauptstadt der Helvetischen Republik
Aarau wurde im Frühjahr 1798 zur ersten Hauptstadt der Helvetischen Republik bestimmt.
Die Wahl fiel unter anderem auf die zentrale Lage, die revolutionäre Haltung vieler Bürger und die Distanz zu den traditionellen Machtzentren.
Am 12. April 1798 trat die neue staatliche Ordnung in Kraft. Regierung und Parlament nahmen in Aarau ihre Arbeit auf.
Da die Stadt nur wenige tausend Einwohner besass und nicht über ausreichende Verwaltungs- und Unterkunftsgebäude verfügte, war ihre Funktion als Hauptstadt von kurzer Dauer. Bereits im September 1798 verlegten die Behörden ihren Sitz nach Luzern.
Trotzdem besitzt Aarau eine besondere Stellung in der Geschichte des modernen schweizerischen Bundesstaats. Das Haus zum Schlossgarten diente als erstes Regierungsgebäude der Helvetischen Republik.
Die kurze Hauptstadtzeit führte zu städtebaulichen Planungen und zum Ausbau der Laurenzenvorstadt.[3]
Gründung des Kantons Aargau
Mit der Mediationsakte von 1803 schuf Napoleon Bonaparte den heutigen Kanton Aargau.
Der neue Kanton vereinigte Gebiete mit unterschiedlichen politischen, konfessionellen und wirtschaftlichen Traditionen:
- den bernischen Aargau;
- die Grafschaft Baden;
- das Fricktal;
- die Freien Ämter.
Aarau wurde als zentral gelegene Stadt zum dauerhaften Kantonshauptort bestimmt.
Die neue Funktion führte zur Errichtung von Regierungs-, Parlaments-, Verwaltungs-, Bildungs- und Militärgebäuden.
Bildungsstadt
Im Jahr 1802 wurde die Kantonsschule Aarau eröffnet. Sie war eine der ersten nichtkirchlichen höheren Schulen der Schweiz und entwickelte sich zu einer bedeutenden Bildungsinstitution.
Zu ihren Schülern gehörte 1895 und 1896 Albert Einstein. Er bereitete sich in Aarau auf das Studium am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich vor.
Die liberale Schultradition trug wesentlich zum Ruf Aaraus als Bildungsstadt bei.
Industrialisierung
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Aarau von einer kleinen Verwaltungs- und Handwerkerstadt zu einem Industriezentrum.
Wichtige Branchen waren:
- Textilindustrie;
- Vermessungsinstrumente;
- Metallverarbeitung;
- Maschinenbau;
- Schuhherstellung;
- grafisches Gewerbe;
- Lebensmittelproduktion.
1819 gründete Jakob Kern eine Werkstatt für mathematische und vermessungstechnische Instrumente. Die spätere Kern & Co. AG entwickelte sich zu einem international bekannten Hersteller von Theodoliten, Vermessungs- und optischen Geräten.
Die 1887 gegründete Schokoladenfabrik Frey gehörte ebenfalls zu den bekannten Aarauer Unternehmen. Der Betrieb wurde später in die Nachbargemeinde Buchs verlegt.
Eisenbahn und Stadterweiterung
1856 erhielt Aarau einen Eisenbahnanschluss. Die Strecke verband die Stadt mit Olten und Zürich.
Der Bahnhof wurde südlich der Altstadt angelegt. Zwischen Bahnhof und historischem Zentrum entstanden neue Strassen, öffentliche Gebäude, Wohnhäuser und Geschäftsbauten.
Die Eisenbahn förderte Industrie, Handel und Bevölkerungswachstum. Aarau entwickelte sich zu einem wichtigen regionalen Verkehrsknoten.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden die Quartiere Gönhard, Zelgli, Damm und weitere Stadterweiterungen.
20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert verlagerte sich die Wirtschaft zunehmend von der traditionellen Industrie zu Dienstleistungen, Verwaltung, Bildung und Gesundheitswesen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen die Siedlungen über die Gemeindegrenzen hinaus mit Buchs, Suhr, Küttigen und Unterentfelden zusammen.
In den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden grosse Wohn- und Verwaltungsgebiete, insbesondere in der Telli.
Der motorisierte Verkehr führte zum Ausbau von Strassen, Parkhäusern und Umfahrungen. Gleichzeitig wurde die Altstadt schrittweise verkehrsberuhigt und als Einkaufs- und Aufenthaltsraum aufgewertet.
Eingemeindung von Rohr
Aarau und Rohr beschlossen nach mehrjähriger Zusammenarbeit den Zusammenschluss.
Am 1. Januar 2010 wurde Rohr als neuer Stadtteil in die Stadt Aarau eingegliedert. Die Fläche der Gemeinde vergrösserte sich dadurch deutlich, und die Einwohnerzahl stieg auf fast 20'000.
Rohr behielt eine ausgeprägte lokale Identität, obwohl die politische Gemeinde aufgehoben wurde.
Entwicklung im 21. Jahrhundert
Die Stadtentwicklung konzentriert sich zunehmend auf die Umnutzung ehemaliger Industrie- und Bahnareale.
Zu den bedeutenden Entwicklungsgebieten gehören:
- Torfeld Süd;
- Torfeld Nord;
- Bahnhofgebiet;
- Telli Ost;
- Gebiete im Stadtteil Rohr.
Im Torfeld Süd entstand ein neues urbanes Quartier mit Wohnungen, Arbeitsplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeiteinrichtungen.
Im Juni 2026 erhielt Aarau den Titel «Kulturhauptstadt Schweiz 2030». Die Stadt soll damit 2030 zur ersten Kulturhauptstadt der Deutschschweiz werden.[4]
Bevölkerung
Ende 2025 zählte Aarau 22'892 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]
Die Bevölkerungsentwicklung war eng mit der Industrialisierung, dem Ausbau der kantonalen Verwaltung und der Eingemeindung von Rohr verbunden.
| Jahr | Einwohner | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1764 | rund 1'800 | Kleine bernische Untertanenstadt |
| 1850 | rund 4'600 | Beginnende Industrialisierung |
| 1900 | rund 7'800 | Wachstum durch Industrie und Eisenbahn |
| 1950 | rund 11'700 | Ausbau zum Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum |
| 2000 | rund 15'500 | Gemeindegebiet noch ohne Rohr |
| 2010 | 19'652 | Erste Jahresendzahl nach der Fusion mit Rohr |
| 2020 | rund 21'500 | Wachstum neuer Wohnquartiere |
| 2025 | 22'892 | Aktueller kommunaler Bevölkerungsstand |
Deutsch ist die Amtssprache. Im Alltag wird überwiegend eine regionale Form des Schweizerdeutschen gesprochen.
Durch Zuwanderung sind auch Italienisch, Albanisch, Portugiesisch, Serbokroatisch, Englisch, Französisch, Türkisch und weitere Sprachen verbreitet.
Die Bevölkerung war historisch mehrheitlich reformiert. Heute leben in Aarau Angehörige verschiedener christlicher Kirchen, muslimischer und anderer Religionsgemeinschaften sowie zahlreiche konfessionslose Menschen.
Politik
Aarau ist als Parlamentsgemeinde organisiert.
Die kommunalen Hauptorgane sind:
- die Stimmberechtigten;
- der Einwohnerrat;
- der Stadtrat.
Die Stimmberechtigten entscheiden an der Urne über kommunale Vorlagen und wählen Parlament, Regierung sowie weitere Behörden.
Einwohnerrat
Der Einwohnerrat ist das Parlament der Einwohnergemeinde. Er besteht aus 50 Mitgliedern und wird alle vier Jahre nach dem Verhältniswahlverfahren gewählt.[5]
Zu seinen Aufgaben gehören:
- Erlass kommunaler Reglemente;
- Genehmigung von Budget und Jahresrechnung;
- Festlegung des Steuerfusses;
- Bewilligung grösserer Kredite;
- Aufsicht über den Stadtrat und die Verwaltung;
- Beschluss über Planungs- und Infrastrukturvorlagen;
- Behandlung parlamentarischer Vorstösse.
Die Sitzungen finden in der Regel öffentlich statt.
Stadtrat
Der Stadtrat bildet die siebenköpfige Exekutive.
Er wird vom Stimmvolk für vier Jahre gewählt und leitet die Stadtverwaltung. Die Legislaturperiode 2026–2029 begann am 1. Januar 2026.
Stadtpräsident ist Hanspeter Hilfiker. Vize-Stadtpräsidentin ist Suzanne Marclay-Merz.[6]
| Person | Funktion | Partei |
|---|---|---|
| Hanspeter Hilfiker | Stadtpräsident | FDP |
| Suzanne Marclay-Merz | Vize-Stadtpräsidentin | FDP |
| Silvia Dell’Aquila | Stadträtin | SP |
| Petra Ohnsorg | Stadträtin | Grüne |
| Gabriela Suter | Stadträtin | SP |
| Daniel Fondado | Stadtrat | SP |
| Nina Suma | Stadträtin | FDP |
Der Stadtrat bereitet Geschäfte für den Einwohnerrat vor, vollzieht dessen Beschlüsse und vertritt die Stadt nach aussen.
Ortsbürgergemeinde
Neben der Einwohnergemeinde besteht die Ortsbürgergemeinde Aarau.
Ihr gehören Personen an, die das Ortsbürgerrecht besitzen. Die Ortsbürgergemeinde verwaltet Wald, Grundstücke, Liegenschaften und weiteres Vermögen.
Sie unterstützt kulturelle, soziale und gemeinnützige Aufgaben und leistet damit einen Beitrag zum öffentlichen Leben.
Kantonshauptstadt
Aarau ist seit 1803 Sitz der zentralen Behörden des Kantons Aargau.
Zu den kantonalen Institutionen in der Stadt gehören:
- Regierungsrat;
- Grosser Rat;
- Staatskanzlei;
- kantonale Departemente;
- Obergericht;
- Spezialverwaltungsgericht;
- Kantonsbibliothek;
- Staatsarchiv;
- Kantonspolizei;
- verschiedene Fachstellen und Bildungsinstitutionen.
Das Regierungsgebäude und das Grossratsgebäude befinden sich südlich der Altstadt.
Die kantonale Verwaltung zählt zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt und prägt deren politische und wirtschaftliche Bedeutung.
Wirtschaft
Aarau ist das bedeutendste Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum des westlichen Aargaus.
Die Zahl der Arbeitsplätze ist deutlich höher als die Einwohnerzahl. Täglich pendeln zahlreiche Beschäftigte aus den umliegenden Gemeinden und weiteren Regionen nach Aarau.
Wichtige Wirtschaftsbereiche sind:
- kantonale und kommunale Verwaltung;
- Gesundheits- und Sozialwesen;
- Bildung;
- Finanz- und Versicherungswesen;
- Handel;
- Unternehmensdienstleistungen;
- Informatik;
- Medien;
- Bau und Immobilien;
- Industrie und Gewerbe.
In Aarau befinden sich der Hauptsitz der Aargauischen Kantonalbank sowie verschiedene Versicherungen, Verbände und öffentliche Unternehmen.
Die Stadt ist zudem ein regionales Einkaufszentrum. Die Altstadt, die Bahnhofstrasse, das Bahnhofgebiet und das Einkaufszentrum Telli besitzen eine grosse Bedeutung für den Detailhandel.
Industriegeschichte
Die Industrie spielte im 19. und 20. Jahrhundert eine zentrale Rolle.
Besonders bekannt waren:
- Kern & Co. für Vermessungs- und optische Instrumente;
- Chocolat Frey;
- Textilbetriebe;
- Schuhfabriken;
- Metall- und Maschinenbetriebe;
- Druckereien und Verlage.
Viele ehemalige Industrieareale wurden inzwischen für Wohnen, Dienstleistungen, Kultur oder Handel umgenutzt.
Medien
Aarau ist ein wichtiger Medienstandort.
Die Stadt ist eng mit der Geschichte der Aargauer Zeitung und ihrer Vorgängerblätter verbunden. Medienunternehmen berichten von Aarau aus über den Kanton und die Nordwestschweiz.
Daneben bestehen lokale Online-, Radio- und Kulturmedien.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Aarau gehört zu den wichtigsten Bahnhöfen im schweizerischen Mittelland.
Er liegt an der Ost-West-Hauptachse zwischen Zürich, Olten, Bern und Basel.
Direkte Fernverkehrsverbindungen bestehen unter anderem nach:
- Zürich;
- Basel;
- Bern;
- Olten;
- Biel;
- Lausanne;
- Genf;
- St. Gallen;
- Chur;
- Luzern.
Regionalzüge verbinden Aarau mit Lenzburg, Brugg, Baden, Zofingen und weiteren Orten.
Das heutige Bahnhofsgebäude wurde 2010 eröffnet. Es bildet gemeinsam mit dem Bahnhofplatz ein bedeutendes regionales Umsteige-, Einkaufs- und Dienstleistungszentrum.
Aargau Verkehr
Vom Bahnhof Aarau führen meterspurige Bahnlinien von Aargau Verkehr in das Wynental und das Suhrental.
Die Linien verbinden Aarau mit:
- Suhr;
- Gränichen;
- Unterkulm;
- Reinach;
- Menziken;
- Unterentfelden;
- Oberentfelden;
- Muhen;
- Schöftland.
Die Bahnen besitzen eine grosse Bedeutung für den Pendlerverkehr aus den südlich gelegenen Tälern.
Busverkehr
Das städtische und regionale Busnetz wird hauptsächlich durch Busbetrieb Aarau und weitere Verkehrsunternehmen betrieben.
Die Linien verbinden den Bahnhof mit den Quartieren und Nachbargemeinden, darunter:
- Buchs;
- Suhr;
- Küttigen;
- Biberstein;
- Erlinsbach;
- Unterentfelden;
- Oberentfelden;
- Rohr;
- Rupperswil.
Der Bahnhofplatz ist der zentrale Knoten des öffentlichen Nahverkehrs.
Strassenverkehr
Aarau liegt nahe der Autobahn A1 zwischen Zürich und Bern.
Die wichtigsten Autobahnanschlüsse befinden sich bei Aarau-Ost und Aarau-West.
Hauptstrassen führen nach Olten, Brugg, Lenzburg, Frick, Zofingen und in die umliegenden Täler.
Die starke regionale Zentrumsfunktion verursacht ein hohes Verkehrsaufkommen. Die Stadt fördert deshalb den öffentlichen Verkehr, den Fuss- und Veloverkehr sowie eine bessere Abstimmung von Siedlungs- und Verkehrsentwicklung.
Fuss- und Veloverkehr
Aarau besitzt ein dichtes Netz von Fuss- und Velowegen.
Entlang der Aare verlaufen nationale und regionale Routen. Die flache Talebene ermöglicht kurze Wege zwischen Innenstadt, Bahnhof, Telli, Rohr und den Nachbargemeinden.
Mehrere Stege und Brücken sind ausschliesslich oder hauptsächlich für Fussgänger und Velofahrende vorgesehen.
Bildung und Forschung
Aarau ist einer der wichtigsten Bildungsstandorte des Kantons.
Volksschule
Die Stadt führt Kindergärten, Primarschulen, Real-, Sekundar- und Bezirksschulen.
Die Schulen sind auf verschiedene Standorte verteilt, darunter:
- Aare;
- Gönhard;
- Schachen;
- Telli;
- Zelgli;
- Rohr.
Ein Teil der Volksschule ist in der Kreisschule Aarau-Buchs organisiert.
Alte Kantonsschule
Die Alte Kantonsschule Aarau wurde 1802 gegründet.
Sie gilt als älteste nichtkirchliche Kantonsschule beziehungsweise als ältestes nichtkirchliches Gymnasium der Schweiz.
Zu ihren bekannten Schülern gehörte Albert Einstein. Die vergleichsweise liberale Unterrichtskultur in Aarau beeinflusste ihn positiv.
Die Schule bietet gymnasiale Bildung und verschiedene Schwerpunktfächer an.
Neue Kantonsschule
Die Neue Kantonsschule Aarau entwickelte sich aus einem Lehrerinnenseminar und besteht in ihrer heutigen Form seit 1979.
Sie ergänzt das gymnasiale Bildungsangebot der Stadt.
Berufsbildung
In Aarau bestehen mehrere Berufs- und Weiterbildungsschulen.
Sie bieten Ausbildungen in kaufmännischen, technischen, gestalterischen, gesundheitlichen und sozialen Berufen.
Zentrum für Demokratie Aarau
Das Zentrum für Demokratie Aarau wurde 2009 eröffnet.
Es ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum, das von der Universität Zürich, der Fachhochschule Nordwestschweiz, dem Kanton Aargau und der Stadt Aarau getragen wird.
Seine Forschung beschäftigt sich mit:
- direkter Demokratie;
- politischer Beteiligung;
- Föderalismus;
- politischer Bildung;
- digitaler Demokratie;
- Abstimmungen und Wahlen.
Die Standortwahl knüpft an Aaraus historische Rolle während der Helvetischen Revolution an.
Kultur
Aarau besitzt trotz seiner vergleichsweise kleinen Einwohnerzahl ein vielfältiges kulturelles Angebot.
Die Stadt und der Kanton betreiben oder unterstützen Museen, Theater, Konzertsäle, Bibliotheken, Archive und Kulturveranstaltungen.
Aargauer Kunsthaus
Das Aargauer Kunsthaus wurde 1959 eröffnet und gehört zu den bedeutenden Kunstmuseen der Schweiz.
Seine Sammlung konzentriert sich auf Schweizer Kunst vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
2003 wurde das Gebäude durch einen Neubau der Architekten Herzog & de Meuron und Rémy Zaugg erweitert.
Das Museum zeigt die eigene Sammlung sowie wechselnde Ausstellungen.[7]
Stadtmuseum Aarau
Das Stadtmuseum befindet sich im Schlössli, einem mittelalterlichen Wohnturm und späteren Bürgerhaus.
Es dokumentiert die Geschichte der Stadt, die Industrialisierung, Fotografie, Politik und Alltagskultur.
Ein moderner Erweiterungsbau ergänzt das historische Gebäude.
Naturama Aargau
Das Naturama ist das kantonale Naturmuseum.
Die Ausstellungen behandeln Naturgeschichte, Geologie, Landschaft, Umwelt und Biodiversität des Kantons Aargau.
Das Museum verbindet wissenschaftliche Sammlungen mit Umweltbildung und Veranstaltungen.
Forum Schlossplatz
Das Forum Schlossplatz befindet sich im Haus zum Schlossgarten.
Es zeigt Ausstellungen zu Kunst, Gesellschaft, Geschichte und Gegenwart.
Das Gebäude war 1798 der erste Regierungssitz der Helvetischen Republik.
Kultur- und Kongresshaus
Das Kultur- und Kongresshaus Aarau dient Konzerten, Tagungen, Theateraufführungen und gesellschaftlichen Veranstaltungen.
Es befindet sich in unmittelbarer Nähe der Altstadt und des Aargauer Kunsthauses.
Alte Reithalle
Die Alte Reithalle wurde ursprünglich als militärische Reithalle errichtet.
Nach einem umfassenden Umbau dient sie als Veranstaltungsort für Theater, Tanz, Musik und weitere Kulturproduktionen.
KiFF
Das KiFF ist ein Kultur- und Konzertzentrum auf einem ehemaligen Industrieareal.
Es wurde besonders durch Konzerte aus den Bereichen Rock, Pop, elektronische Musik und alternative Kultur bekannt.
Sehenswürdigkeiten
Obertorturm
Der Obertorturm ist das auffälligste Wahrzeichen der Stadt.
Der mittelalterliche Torturm wurde in mehreren Bauphasen erhöht und erreicht eine Höhe von ungefähr 61 Metern.
Die bemalte Turmuhr und der markante Dachaufbau prägen das Stadtbild.
Das angrenzende Obertor bildete bis zum Abbruch der Stadtmauer einen wichtigen Zugang zur Stadt.
Rathaus und Turm Rore
Das Rathaus entstand durch den Umbau mehrerer mittelalterlicher Gebäude.
In den Bau integriert ist der Turm Rore, der älteste erhaltene Baukörper der Stadt. Er diente vermutlich als Sitz eines kyburgischen Dienstmannengeschlechts und als Herrschaftsturm.
Im Rathaus befinden sich repräsentative spätgotische Säle und Räume der Stadtverwaltung.
Stadtkirche
Die reformierte Stadtkirche steht am nordwestlichen Rand der Altstadt.
Der spätgotische Bau entstand im 15. Jahrhundert und ersetzte eine ältere Kirche.
Nach der Reformation wurde der Innenraum mehrfach verändert. Die Kirche besitzt moderne Glasfenster des Künstlers Felix Hoffmann.
Haus zum Schlossgarten
Das Haus zum Schlossgarten wurde im 18. Jahrhundert als repräsentatives Bürgerhaus errichtet.
1798 diente es während der kurzen Hauptstadtzeit Aaraus als Sitz der helvetischen Regierung.
Heute beherbergt das Gebäude das Forum Schlossplatz.
Schlössli
Das Schlössli ist ein mittelalterlicher Wohnturm am Schlossplatz.
Seine ältesten Bauteile stammen wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert. Es zählt damit zu den ältesten erhaltenen Gebäuden Aaraus.
Heute ist es Teil des Stadtmuseums.
Dachhimmel
Eine Besonderheit der Aarauer Altstadt sind die reich bemalten Unterseiten der vorspringenden Dächer.
Die Malereien zeigen:
- geometrische Ornamente;
- Blumen;
- Wappen;
- Tiere;
- religiöse Motive;
- Figuren und Fantasiewesen.
Viele Dachhimmel entstanden oder wurden im 16. und 17. Jahrhundert erneuert.
Sie gaben Aarau den Beinamen «Stadt der schönen Giebel».[8]
Regierungsgebäude und Grossratsgebäude
Der kantonale Regierungsbezirk liegt südlich der Altstadt.
Das Regierungsgebäude, das Grossratsgebäude, das Aargauer Kunsthaus und weitere kantonale Institutionen bilden ein zusammenhängendes politisches und kulturelles Zentrum.
Meyersche Stollen
Die Meyerschen Stollen sind ein unterirdisches System von Gängen und Kanälen.
Der Unternehmer Johann Rudolf Meyer liess sie im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert zur Nutzung von Grundwasser und zum Betrieb industrieller Anlagen anlegen.
Teile des Systems sind erhalten und können im Rahmen besonderer Führungen besichtigt werden.
Brauchtum
Maienzug
Der Maienzug ist das wichtigste Stadtfest Aaraus.
Seine Ursprünge reichen mehr als 400 Jahre zurück. Ursprünglich zogen Lehrer und Schüler in den Wald, um frische Ruten für den Schulunterricht zu schneiden. Ruten wurden damals auch als «Meyen» bezeichnet, woraus der Name entstand.[9]
Heute umfasst der Maienzug:
- einen Festumzug;
- mit Blumen geschmückte Brunnen und Tore;
- eine Morgenfeier;
- ein Bankett;
- Musik;
- Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Das Fest findet jeweils Anfang Juli statt und gilt als identitätsstiftender Höhepunkt des Aarauer Jahres.
Bachfischet
Der Bachfischet findet im September statt.
Seine Ursprünge liegen in der jährlichen Reinigung des Stadtbachs. Nach der sogenannten Bachputzete wurde das Wasser wieder in die Stadt geleitet und feierlich begrüsst.
Heute ziehen Schulkinder mit selbst gebastelten, von Kerzen beleuchteten Lampions durch die verdunkelte Altstadt.
Der Umzug endet traditionell mit einem lauten Feuerwerksknall, dem sogenannten Mordschlapf.
Der Bachfischet gehört zu den ältesten noch gepflegten Bräuchen der Schweiz.[10]
Märkte
In Aarau finden regelmässig Wochen-, Waren- und Spezialmärkte statt.
Besonders bekannt ist der Rüeblimärt, der die Bedeutung der Karotte als symbolisches Produkt des Kantons Aargau aufgreift.
Weitere Veranstaltungen sind:
- Weihnachtsmarkt;
- Flohmarkt;
- Markt Aarauer Gewerbetreibender;
- Aargauer Messe Aarau.
Sport
Der bekannteste Sportverein ist der FC Aarau.
Der Fussballclub wurde 1902 gegründet und gewann dreimal die Schweizer Meisterschaft. Seine Heimspiele trägt er im Stadion Brügglifeld aus.
Weitere bedeutende Sportarten und Vereine bestehen in den Bereichen:
- Handball;
- Leichtathletik;
- Schwimmen;
- Eishockey;
- Pferdesport;
- Turnen;
- Volleyball;
- Radsport;
- Rudern.
Im Schachen befinden sich zahlreiche Sportanlagen, darunter Fussballfelder, Leichtathletikanlagen, eine Pferderennbahn und das Freibad.
Die Kunsteisbahn Aarau wird für Eislauf, Eishockey und weitere Eissportarten genutzt.
Naherholung
Die Aareufer und der Schachen gehören zu den beliebtesten Erholungsräumen.
Spazier- und Velowege führen entlang des Flusses nach Biberstein, Rupperswil, Schönenwerd und in weitere Gemeinden.
Der Wildpark Roggenhausen ist ein häufig besuchtes Familienziel.
Weitere Naherholungsgebiete sind:
- Hungerberg;
- Gönhardwald;
- Suhren- und Wynental;
- Jurahöhen bei Küttigen und Erlinsbach;
- Auenlandschaft bei Rohr.
Partnerstädte
Aarau pflegt partnerschaftliche Beziehungen mit mehreren Städten.
| Stadt | Staat | Charakter der Verbindung |
|---|---|---|
| Neuenburg | Schweiz | Verbindung zwischen zwei schweizerischen Kantonshauptorten |
| Reutlingen | Deutschland | Städtepartnerschaft und regelmässiger kultureller Austausch |
| Delft | Niederlande | Historische Städteverbindung und Austausch |
Die Partnerschaften werden durch Behörden, Schulen, Vereine und Kulturinstitutionen gepflegt.
Persönlichkeiten
Mit Aarau verbunden sind unter anderem:
- Albert Einstein, Physiker und Schüler der Kantonsschule Aarau;
- Heinrich Zschokke, Schriftsteller, Pädagoge und Politiker;
- Emil Welti, Bundesrat und Bundespräsident;
- Friedrich Frey-Herosé, Bundesrat und Bundespräsident;
- Hans Herzog, General der Schweizer Armee;
- Johann Rudolf Meyer, Unternehmer und Naturforscher;
- Johann Rudolf Meyer der Jüngere, Erstbesteiger der Jungfrau;
- Jakob Kern, Gründer der Instrumentenfirma Kern;
- Max Bircher-Benner, Arzt und Ernährungsreformer;
- Hansjörg Schneider, Schriftsteller und Dramatiker;
- Klaus Merz, Schriftsteller;
- Gabriela Suter, Politikerin;
- Irène Kälin, Politikerin.
Bedeutung
Aarau verbindet auf engem Raum mehrere Funktionen:
- Hauptstadt des Kantons Aargau;
- regionales Verwaltungszentrum;
- Arbeitsplatzstandort;
- Eisenbahnknoten;
- Bildungsstadt;
- Kulturstadt;
- Einkaufs- und Dienstleistungszentrum;
- historischer Ort der Helvetischen Revolution.
Die kurze Rolle als Hauptstadt der Helvetischen Republik besitzt eine besondere symbolische Bedeutung. Aarau war 1798 erstmals Sitz einer gesamtschweizerischen Regierung und eines nationalen Parlaments.
Die mittelalterliche Altstadt, die Dachhimmel und die städtischen Bräuche stehen neben modernen Verwaltungs-, Wohn- und Entwicklungsgebieten.
Zeittafel
| Zeitraum oder Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Jungsteinzeit und Bronzezeit | Früheste bekannte Siedlungsspuren im heutigen Stadtgebiet. |
| Römische Zeit | Eine Strasse zwischen Vindonissa und Salodurum führt durch die Region. |
| um 1240 | Gründung der Stadt durch die Grafen von Kyburg. |
| 1248 | Erste urkundliche Erwähnung als Arowe. |
| 1256 | Erste ausdrückliche Erwähnung als Stadt. |
| 1273 | Aarau gelangt an die Habsburger. |
| 1283 | König Rudolf I. bestätigt und erweitert die Stadtrechte. |
| 1415 | Eroberung durch Bern. |
| 1528 | Einführung der Reformation. |
| 18. Jahrhundert | Aufstieg des Textilgewerbes und Entwicklung eines aufgeklärten Bürgertums. |
| Januar 1798 | Politische Versammlungen fordern die Gleichberechtigung der bernischen Untertanengebiete. |
| April 1798 | Aarau wird Hauptstadt der Helvetischen Republik. |
| September 1798 | Die helvetischen Behörden verlegen ihren Sitz nach Luzern. |
| 1802 | Eröffnung der Kantonsschule Aarau. |
| 1803 | Gründung des Kantons Aargau; Aarau wird dauerhafte Kantonshauptstadt. |
| 1819 | Gründung der Werkstatt von Jakob Kern. |
| 1856 | Eröffnung der Eisenbahnstrecke Olten–Aarau–Zürich. |
| 1887 | Gründung der Schokoladenfabrik Frey. |
| 1895–1896 | Albert Einstein besucht die Kantonsschule Aarau. |
| 1902 | Gründung des FC Aarau. |
| 1959 | Eröffnung des Aargauer Kunsthauses. |
| 1970er-Jahre | Bau der Grossüberbauung Telli. |
| 2003 | Erweiterung des Aargauer Kunsthauses. |
| 2009 | Eröffnung des Zentrums für Demokratie Aarau. |
| 1. Januar 2010 | Zusammenschluss von Aarau und Rohr. |
| 2010 | Eröffnung des neuen Bahnhofsgebäudes. |
| 2026 | Aarau erhält den Titel «Kulturhauptstadt Schweiz 2030». |
Siehe auch
- Kanton Aargau
- Bezirk Aarau
- Aare
- Rohr AG
- Helvetische Republik
- Alte Kantonsschule Aarau
- Aargauer Kunsthaus
- FC Aarau
- Maienzug
- Bachfischet
- Liste der Gemeinden im Kanton Aargau
- Liste der Städte in der Schweiz
- Liste der Hauptorte der Schweiz
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Aarau
- Aarau Info
- Aarau im Historischen Lexikon der Schweiz
- Offizielle Website des Kantons Aargau
- Aargauer Kunsthaus
- Stadtmuseum Aarau
- Naturama Aargau
- Zentrum für Demokratie Aarau
- FC Aarau
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Statistiken, Stadt Aarau, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Gemeindefusion von Rohr mit Aarau, Kanton Aargau, 22. August 2008.
- ↑ Als Aarau die Hauptstadt der Schweiz war, Schweizerisches Nationalmuseum, 3. Mai 2018.
- ↑ Die Stadt Aarau erhält den Titel «Kulturhauptstadt Schweiz 2030», Stadt Aarau, 4. Juni 2026.
- ↑ Einwohnerrat, Stadt Aarau, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Stadtrat, Stadt Aarau, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Aargauer Kunsthaus, Kanton Aargau, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Aarau, die Stadt der schönen Giebel, Aarau Info, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Geschichte des Maienzugs, Stadt Aarau, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Das Brauchtum des Bachfischets, Stadt Aarau, abgerufen am 23. Juli 2026.