Beinwil am See
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Beinwil am See |
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Gemeindedaten |
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Staat |
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Kanton |
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Bezirk |
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BFS-Nummer |
4131 |
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Postleitzahl |
5712 |
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Koordinaten |
47.26645° N, 8.20270° E |
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Höhe |
520 m ü. M. |
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Fläche |
3.82 km² |
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Einwohner |
3686 |
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Website |
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Beinwil am See (in einheimischer Mundart Böiu) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm des Kantons Aargau. Sie liegt im Seetal am Westufer des Hallwilersees und grenzt im Süden an den Kanton Luzern. Bis 1950 trug die Gemeinde die amtliche Bezeichnung Beinwil (Bezirk Kulm).
Die Gemeinde zählt zum südlichen Teil der Aargauer Seenlandschaft. Neben ihrer Funktion als Wohn- und Gewerbestandort besitzt sie wegen des Hallwilersees, der Schifffahrt, des Strandbads und der Wanderwege eine Bedeutung als Naherholungs- und Ausflugsort. Die unter Wasser liegende prähistorische Seeufersiedlung Beinwil-Ägelmoos gehört zum seriellen UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen».
Ende 2025 waren in Beinwil am See 3686 Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptwohnsitz registriert.[1]
Geographie
Lage
Beinwil am See liegt am oberen, südwestlichen Ende des Hallwilersees. Das langgestreckte Siedlungsgebiet erstreckt sich auf einer Terrasse am Osthang des Hombergs und des Ischlags. Der grösste Teil des Dorfs liegt rund 70 Meter über dem Seespiegel. Nur das Unterdorf reicht unmittelbar an das Seeufer heran.
Das Dorf besteht aus mehreren historisch gewachsenen Ortsteilen. Zu ihnen gehören das Hinterdorf, die Vorstatt, der Büel und das Unterdorf. Durch die bauliche Entwicklung des 20. und 21. Jahrhunderts sind die einzelnen Siedlungsteile weitgehend zusammengewachsen.
Westlich der Gemeinde befindet sich der Übergang vom Seetal in das Wynental. Beinwil am See bildet zusammen mit Reinach, Menziken, Burg und dem luzernischen Pfeffikon einen weitgehend zusammenhängenden Siedlungsraum. Die politischen Gemeindegrenzen sind innerhalb dieses Gebiets teilweise nur noch anhand der Ortstafeln erkennbar.
Gemeindegebiet
Die statistisch ausgewiesene Landfläche beträgt rund 3,82 Quadratkilometer. Die politische Gemeinde besitzt darüber hinaus einen Anteil am Hallwilersee. Nach Angaben der Gemeinde umfasst das gesamte Hoheitsgebiet einschliesslich der Wasserfläche 576 Hektaren.
Davon entfallen:
| Flächennutzung | Fläche |
|---|---|
| Gebäude und überbaute Fläche | 23 ha |
| Acker- und Wiesenflächen | 167 ha |
| Wald | 63 ha |
| Gewässer | 194 ha |
| Übrige Flächen | rund 129 ha |
| Gesamtes Gemeindegebiet | 576 ha |
Die unterschiedlichen Flächenangaben ergeben sich daraus, dass die amtliche Arealstatistik für die Landfläche und die kommunale Übersicht für das gesamte Hoheitsgebiet einschliesslich des Seeanteils verschiedene Abgrenzungen verwenden.[1]
Der tiefste Punkt des Gemeindegebiets liegt auf 449 Metern über Meer am Hallwilersee. Der höchste Punkt befindet sich am Osthang des Hombergs auf 659,5 Metern über Meer. Das Dorfzentrum liegt auf rund 520 Metern über Meer.[1]
Nachbargemeinden
Nachbargemeinden im Kanton Aargau sind:
- Menziken im Südwesten;
- Reinach im Westen;
- Birrwil im Norden;
- Meisterschwanden im Nordosten;
- Fahrwangen im Osten.
Auf der luzernischen Seite grenzt Beinwil am See an Mosen, das zur Gemeinde Hitzkirch gehört, sowie an Beromünster. Ein Teil dieser Gemeindegrenzen verläuft durch den Hallwilersee.
Hallwilersee und Uferlandschaft
Das Ufer auf dem Gebiet von Beinwil am See ist ausserhalb des Unterdorfs und der Freizeitanlagen über weite Strecken unverbaut. Schilfgürtel, Ufergehölze und Flachwasserbereiche bilden Lebensräume für Wasservögel, Fische, Amphibien und zahlreiche Pflanzenarten.
Der Hallwilersee und seine Umgebung gehören zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Die landschaftliche Schutzwürdigkeit beruht auf dem weitgehend erhaltenen Wechsel von Seeufer, Kulturland, Waldflächen, historischen Siedlungen und archäologischen Fundstellen.[2]
Am Seeufer befinden sich die Schiffsstation, das Strandbad, Bootsanlagen und mehrere öffentliche Zugänge. Der Uferweg ist Bestandteil des Wanderwegs rund um den Hallwilersee.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte
Das Gebiet von Beinwil am See war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Funde stammen aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Hallstattzeit. Die bedeutendste archäologische Fundstelle liegt im Gebiet Ägelmoos unter der Wasseroberfläche des Hallwilersees.
Die Seeufersiedlung Beinwil-Ägelmoos wurde 1996 bei einer Tauchprospektion entdeckt. Sie lag ursprünglich wahrscheinlich auf einer kleinen Insel oder Halbinsel nahe dem Westufer. Nachgewiesen wurden Pfähle, liegende Hölzer und mehrere Kulturschichten.
Keramikfunde aus der Zeit um 4400 bis 4100 v. Chr. weisen darauf hin, dass Ägelmoos zu den frühesten bekannten Seeufersiedlungen des Schweizer Mittellands gehört. Weitere Siedlungsphasen stammen aus der frühen und späten Bronzezeit. Ein dendrochronologisch untersuchtes Holz wurde auf das Jahr 1046 v. Chr. datiert.[3]
Seit 2011 gehört die Fundstelle zum UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen». Zusammen mit der Fundstelle Seengen-Riesi bildet sie eine der beiden Aargauer Teilstätten dieses länderübergreifenden Welterbes.
Da die Kulturschichten teilweise offen auf dem Seegrund lagen und durch Wellenschlag, Strömung und Bootsanker gefährdet waren, liess die Kantonsarchäologie 2017 besonders empfindliche Bereiche mit Geotextilien und einer Kiesschicht abdecken. Die Fundstelle wird regelmässig durch Taucher kontrolliert.[4]
Auch aus der Römerzeit sind Besiedlungsspuren bekannt. Bei Grabungen zwischen 1928 und 1931 wurden Mauerreste eines römischen Gutshofs, ein Ziegelstempel der 21. Legion und Terra-Sigillata-Gefässe aus dem späten 2. Jahrhundert gefunden.
Ortsname und erste Erwähnung
Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1036 in der Form Beinwile. Eine weitere Urkunde von 1045 nennt den Ort Peinuuilare.
Der Ortsname setzt sich wahrscheinlich aus einem althochdeutschen Personennamen wie Beino oder Peino und der Endung -wīlāri zusammen. Diese bezeichnete bei alemannischen Siedlungsgründungen einen Hof oder kleinen Weiler. Der Name kann entsprechend als «Hofsiedlung des Beino» gedeutet werden.
Die heutige mundartliche Bezeichnung Böiu entwickelte sich durch die lautliche Veränderung des historischen Ortsnamens.
Mittelalter
Im Hochmittelalter gehörte Beinwil zum Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg. Nach deren Aussterben gelangte die Landesherrschaft 1173 an die Grafen von Kyburg und 1273 an die Habsburger.
Die örtliche Herrschaft wurde von den Herren von Beinwil ausgeübt, die erstmals 1153 erwähnt werden. Sie standen nacheinander im Dienst der Lenzburger, Kyburger und Habsburger und besassen nur regionale Bedeutung. Das Geschlecht erlosch im 14. Jahrhundert. Der genaue Standort seiner Burg ist nicht mehr bekannt; vermutet wird er im Gebiet Wigart oder oberhalb der Bachtalen.
Die niedere Gerichtsbarkeit gelangte durch Heirat an die Truchsessen von Wolhusen. Hans Heinrich von Wolhusen übertrug den Twing Beinwil 1501 an das Stift Beromünster.
Berner Herrschaft
Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den bis dahin habsburgischen Aargau. Beinwil fiel an die Stadt und Republik Bern und wurde Teil des Berner Aargaus. Die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den bernischen Behörden.
1520 verkaufte das Stift Beromünster seine Rechte über Twing, Bann und Gericht für 400 Pfund Berner Währung an Bern. Beinwil bildete danach einen eigenen Gerichtsbezirk innerhalb des Amts Lenzburg. An seiner Spitze stand ein Untervogt.
Mit der Einführung der Reformation im Berner Aargau wurde Beinwil 1528 reformiert. Kirchlich gehörte das Dorf danach zur neu geschaffenen Pfarrei Reinach. Zehnten und Bodenzinsen mussten jedoch teilweise weiterhin an das katholische Stift Beromünster entrichtet werden. Erst 1814 kaufte sich die Gemeinde von den verbliebenen Verpflichtungen gegenüber dem Stift los.[5]
Helvetik und Kanton Aargau
Im März 1798 brach die bernische Herrschaft nach dem Einmarsch französischer Truppen zusammen. Beinwil wurde Teil des helvetischen Kantons Aargau. Mit der Mediationsakte von 1803 entstand der Kanton Aargau in seiner heutigen Grundform, und Beinwil wurde dem Bezirk Kulm zugeteilt.
Die politischen Rechte wurden fortan von der Einwohnergemeinde und der Ortsbürgergemeinde wahrgenommen. Die Landwirtschaft blieb zunächst die wichtigste Lebensgrundlage. Daneben bestanden Weinbau, Fischerei, Handwerk und Heimarbeit.
Baumwoll- und Tabakindustrie
Im 18. Jahrhundert verbreitete sich die Verarbeitung von Baumwolle als zusätzlicher Erwerbszweig. Viele Familien arbeiteten in Heimarbeit für auswärtige Verleger.
Einen entscheidenden wirtschaftlichen Aufschwung löste Johann Jakob Eichenberger aus, der 1841 die erste Zigarrenfabrik in Beinwil gründete. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Dorf zu einem bedeutenden Standort der schweizerischen Tabakindustrie.
Zeitweise bestanden mehr als zwanzig Zigarrenfabriken und zahlreiche Heimarbeitsbetriebe. Ein grosser Teil der Bevölkerung fand in der Herstellung von Zigarren und anderen Tabakwaren Beschäftigung. Das Ortsbild wurde durch Fabrikgebäude, Arbeiterhäuser und die Wohnsitze von Unternehmerfamilien geprägt.
Die Zigarrenindustrie trug wesentlich zum Bevölkerungswachstum und zur Verbesserung der Gemeindefinanzen bei. Gleichzeitig führte sie zu einer stärkeren Arbeitsteilung und zu einem Wandel von der bäuerlichen zur industriell geprägten Gesellschaft.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlor die Tabakindustrie an Bedeutung. Andere Branchen wie Confiserieherstellung, Elektro- und Metallindustrie, Möbelproduktion, Glashandel und Baustoffprüfung traten an ihre Stelle.[5]
Eisenbahn und Siedlungsentwicklung
Am 3. September 1883 wurde der erste Abschnitt der Seetalbahn zwischen Luzern und Beinwil am See eröffnet. Am 15. Oktober desselben Jahres folgte die Verlängerung nach Lenzburg. Der Bahnanschluss erleichterte den Transport von Rohstoffen und Fertigwaren und förderte die industrielle Entwicklung.
Am 23. Januar 1887 nahm die Zweigstrecke von Beinwil am See nach Reinach den Betrieb auf. Sie wurde später über Menziken bis Beromünster verlängert. Die Nebenlinie diente sowohl dem Personenverkehr als auch dem Gütertransport für die Industrie des oberen Wynentals.
Rund um den Bahnhof entstanden neue Gewerbe- und Wohnbauten. Die Siedlung dehnte sich zunehmend in Richtung Reinach und Menziken aus. Im 20. Jahrhundert wuchs das Dorf ausserdem hangaufwärts und entlang der wichtigsten Verkehrsachsen.
Der Personenverkehr auf der Zweigstrecke nach Beromünster wurde 1991 eingestellt. Der Güterverkehr endete 1999. Teile der ehemaligen Bahntrasse wurden später für den Fuss- und Veloverkehr umgestaltet.
Namensänderung
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lautete die offizielle Bezeichnung Beinwil (Bezirk Kulm). Der Zusatz diente der Unterscheidung von Beinwil (Freiamt) im Bezirk Muri und Beinwil im Kanton Solothurn.
1950 nahm die Gemeinde den Namen Beinwil am See an. Die neue Bezeichnung stellte die geografische Verbindung zum Hallwilersee in den Vordergrund und war zugleich einfacher von den gleichnamigen Orten zu unterscheiden.
Wappen
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss schräglinke blaue Spitze.»
Das Wappen geht auf das Siegel der mittelalterlichen Herren von Beinwil zurück. Die blaue Spitze verläuft vom heraldisch rechten oberen Rand schräg nach links unten.
Ein älteres Gemeindewappen, das seit dem Ende des 16. Jahrhunderts nachweisbar ist, zeigte einen Kahn mit zwei Fährleuten auf dem See. Das detailreiche Motiv liess sich jedoch nur schwer in einer einheitlichen heraldischen Form darstellen.
Ab 1945 verwendeten verschiedene örtliche Unternehmen das einfachere Wappen der Herren von Beinwil auf ihren Verpackungen und Geschäftsdrucksachen. Das Zeichen wurde in der Bevölkerung rasch bekannt und 1952 offiziell als Gemeindewappen eingeführt.[6]
Bevölkerung
Ende 2025 lebten 3686 Personen in Beinwil am See. Davon besassen 3013 das Schweizer Bürgerrecht, während 673 ausländische Staatsangehörige waren. Die Gemeinde zählte 1868 Haushaltungen.[1]
Die Bevölkerungsentwicklung war im 19. Jahrhundert stark von der Industrialisierung und besonders von der Zigarrenherstellung geprägt. Nach einer Phase der Stagnation und eines zeitweiligen Rückgangs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte um die Jahrtausendwende erneut ein deutliches Wachstum ein.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1558 | 85 |
| 1653 | 200 |
| 1764 | 641 |
| 1850 | 1544 |
| 1900 | 1831 |
| 1950 | 2271 |
| 1980 | 2278 |
| 2000 | 2616 |
| 2010 | 2840 |
| 2015 | 3038 |
| 2020 | 3405 |
| 2025 | 3686 |
Das Wachstum seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts hängt unter anderem mit der Wohnlage am See, der Bahnverbindung nach Lenzburg und Luzern sowie der Nähe zu den Arbeitsplätzen im oberen Wynental zusammen.
Die traditionelle Umgangssprache ist eine hochalemannische Mundart des Aargauer Seetals. Durch die Zuwanderung aus anderen Teilen der Schweiz und aus dem Ausland hat die sprachliche Vielfalt zugenommen.
Politik und Verwaltung
Die Legislative der Einwohnergemeinde ist die Gemeindeversammlung. An ihr können die stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner über Budget, Rechnung, Reglemente, Bauvorhaben, Kredite und weitere kommunale Geschäfte entscheiden.
Gemeindeversammlungsbeschlüsse werden abschliessend, wenn das gesetzlich vorgeschriebene Anwesenheitsquorum erreicht ist. Andernfalls können sie dem fakultativen Referendum und damit einer Urnenabstimmung unterstellt werden. Eine ausserordentliche Gemeindeversammlung kann auf begründetes Begehren eines Teils der Stimmberechtigten einberufen werden.[5]
Die Exekutive besteht aus einem fünfköpfigen Gemeinderat. Seine Mitglieder werden für eine vierjährige Amtsperiode im Majorzverfahren gewählt. Der Gemeindeammann und der Vizeammann werden ebenfalls durch die Stimmberechtigten bestimmt.
Der Gemeinderat leitet die Verwaltung, vertritt die Gemeinde nach aussen und vollzieht die Beschlüsse der Gemeindeversammlung sowie die von Bund und Kanton übertragenen Aufgaben. Die Mitglieder teilen die Bereiche Finanzen, Planung, Bau, Bildung, Soziales, Sicherheit, Umwelt, Verkehr und Liegenschaften untereinander auf.
Gemeindeammann ist mit Stand 2026 Martin Grütter. Dem Gemeinderat gehören ausserdem Jacqueline Widmer als Vizeammann sowie Lilian Wick, Marc Lehmann und Patrik d’Allens an.[7]
Neben der Einwohnergemeinde besteht eine Ortsbürgergemeinde. Sie verwaltet das Ortsbürgervermögen und erfüllt Aufgaben im Zusammenhang mit dem Ortsbürgerrecht und dem gemeinschaftlichen Eigentum.
Für zivil- und strafrechtliche Verfahren ist auf Bezirksebene das Bezirksgericht Kulm zuständig. Die Gemeindeverwaltung befindet sich am Gemeindehausplatz 1.
Wirtschaft
Historische Entwicklung
Die Landwirtschaft bildete bis ins 18. Jahrhundert die wirtschaftliche Grundlage. Angebaut wurden Getreide, Obst und Wein. Ergänzt wurde die bäuerliche Tätigkeit durch Fischerei, Handwerk und Heimarbeit.
Die Baumwollverarbeitung und vor allem die ab 1841 entstandene Zigarrenindustrie wandelten Beinwil zu einem Industrieort. Die Tabakunternehmen beschäftigten zeitweise einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung und vergaben zusätzlich Arbeiten an Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter.
Mit der Eisenbahn erhielt die Industrie Zugang zu überregionalen Märkten. Neben Tabakwaren wurden Confiserieprodukte, Möbel, Maschinen, Elektrotechnik und weitere Erzeugnisse hergestellt.
Gegenwärtige Wirtschaftsstruktur
Heute weist Beinwil am See eine gemischte Wirtschaftsstruktur auf. Neben kleineren Industrieunternehmen bestehen zahlreiche Handwerks-, Bau-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe. Von Bedeutung sind unter anderem:
- Baustoffprüfung und Ingenieurdienstleistungen;
- Glasverarbeitung;
- Kunstharz- und Kunststofftechnik;
- Holzbau und Möbelherstellung;
- Elektroinstallation und Informationstechnik;
- Bau- und Transportgewerbe;
- Detailhandel, Gastronomie und Gesundheitsdienstleistungen;
- Bootswerften, Segel- und Bootsschulen.
Die Lage am Hallwilersee unterstützt touristische und freizeitbezogene Betriebe. Dazu gehören Restaurants, Übernachtungsmöglichkeiten, Bootsbetriebe, die Jugendherberge und das Strandbad.
Ein grosser Teil der erwerbstätigen Bevölkerung pendelt in die benachbarten Wirtschaftszentren Reinach und Menziken sowie in Richtung Lenzburg, Aarau, Luzern und Zürich. Gleichzeitig bietet die Gemeinde Arbeitsplätze für Beschäftigte aus den umliegenden Orten.
Verkehr
Strassenverkehr
Durch Beinwil am See führt die Hauptstrasse 26 von Lenzburg über das Seetal nach Hochdorf und Luzern. Sie verläuft im Dorf als Luzernerstrasse und Aarauerstrasse.
Eine Kantonsstrasse verbindet Beinwil mit Reinach und dem Wynental. Weitere lokale Strassen führen nach Birrwil, Menziken und zu den Uferanlagen.
Die Lage zwischen Seetal und Wynental macht die Gemeinde zu einem regionalen Übergangspunkt. Der Durchgangsverkehr wird jedoch durch die topografische Lage und die teilweise schmale historische Bebauung begrenzt.
Bahnverkehr
Der Bahnhof Beinwil am See liegt an der Seetalbahn zwischen Lenzburg und Luzern. Er wird von der Linie S9 bedient. Diese stellt direkte Verbindungen unter anderem nach:
- Lenzburg;
- Seon;
- Hochdorf;
- Emmenbrücke;
- Luzern
her.
Die Züge verkehren im Grundangebot regelmässig in beide Richtungen. In Lenzburg bestehen Anschlüsse nach Aarau, Zürich, Brugg und in weitere Teile des Schweizer Mittellands. Die Seetalbahn wird auf dem Abschnitt durch Beinwil von den SBB betrieben.
Der Bahnhof verfügt über Billettautomaten, ein Ladengeschäft, gedeckte Veloabstellplätze und eine P+Rail-Anlage. Nach Angaben der SBB stehen 77 gedeckte Veloabstellplätze und 68 Autoparkplätze zur Verfügung.[8]
Die ehemalige Zweigstrecke nach Beromünster zweigte im südlichen Bahnhofsteil ab. Nach ihrer Stilllegung wurde der öffentliche Verkehr in das obere Wynental und in das Luzerner Michelsamt durch Buslinien ersetzt.
Busverkehr
Postautolinien verbinden den Bahnhof mit Beromünster, Sursee und verschiedenen Ortschaften der Umgebung. Die Busse erschliessen damit Gebiete, die nach der Stilllegung der Bahnstrecke Beinwil–Beromünster keinen direkten Bahnanschluss mehr besitzen.
Weitere Busverbindungen bestehen im regionalen Netz des oberen Wynentals und des Seetals. Die Fahrpläne sind auf die Bahnanschlüsse in Beinwil am See und in den benachbarten Zentren abgestimmt.
Schifffahrt
Am Seeufer befindet sich die Schiffsstation Beinwil am See. Sie wird während der Schifffahrtssaison von den Kursschiffen der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee bedient.
Die Schiffe verbinden Beinwil unter anderem mit Mosen, Birrwil, Boniswil, Seengen und Meisterschwanden. Je nach Wochentag und Saison werden Teilstrecken oder Rundfahrten angeboten.[9]
Der Fussweg zwischen Bahnhof und Schiffsstation dauert ungefähr 15 bis 20 Minuten.[10]
Tarif
Beinwil am See gehört zum Tarifverbund A-Welle. Für Fahrten innerhalb des Verbundgebiets gilt ein Zonentarif, der Bahn- und Busverbindungen innerhalb der gelösten Zonen einschliesst.
Für Fahrten in den Kanton Luzern können je nach Verbindung Fahrausweise des nationalen Direkten Verkehrs oder verbundübergreifende Angebote zur Anwendung kommen. Abonnemente werden in der Regel auf dem SwissPass gespeichert.
Bildung
Die Gemeinde führt Kindergärten und eine Primarschule. Der Unterricht findet in mehreren kommunalen Schulgebäuden statt. Ergänzt wird das Angebot durch schulische Fördermassnahmen, Tagesstrukturen und weitere familienergänzende Einrichtungen.[11]
Die Oberstufe wird regional organisiert. Schülerinnen und Schüler besuchen die Real-, Sekundar- oder Bezirksschule in der Regel in Reinach. Dort befindet sich ein gemeinsames Bildungszentrum für die Gemeinden des oberen Wynentals und des südlichen Seetals.
Die nächstgelegenen kantonalen Mittelschulen befinden sich in Aarau. Berufsfachschulen und weitere Ausbildungsangebote bestehen unter anderem in Aarau, Lenzburg, Wohlen und Luzern.
Religion
Reformierte Kirchgemeinde
Vor der Reformation gehörten Beinwil und Reinach zur luzernischen Pfarrei Pfeffikon. Nach der Einführung der Reformation im bernischen Aargau wurden beide Orte der neuen reformierten Pfarrei Reinach zugeteilt.
Beinwil am See wurde 1932 eine eigenständige reformierte Kirchgemeinde. Die reformierte Kirche entstand nördlich des Friedhofs und wurde 1935 eingeweiht. Einzelne Bauteile und Ausstattungsstücke einer älteren, 1852 abgebrochenen Kapelle wurden in den Neubau einbezogen.[12]
Römisch-katholische Kirche
Durch die Zuwanderung von katholischen Arbeitskräften wuchs im 19. und 20. Jahrhundert erneut eine katholische Bevölkerung heran. Die römisch-katholische Kirche St. Martin wurde 1964 nach Plänen des Architekten Hanns Anton Brütsch errichtet.
Die katholische Gemeinde ist in die regionale Pfarreiorganisation des oberen Wynentals eingebunden. Daneben bestehen in Beinwil am See freikirchliche Gemeinschaften.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Pfahlbausiedlung Ägelmoos
Die bedeutendste kulturgeschichtliche Stätte ist die unter Wasser liegende Siedlung Beinwil-Ägelmoos. Da sie nicht direkt besichtigt werden kann, informieren archäologische Publikationen und Vermittlungsangebote im Hallwilerseegebiet über ihre Geschichte.
Die Fundstelle umfasst neolithische und bronzezeitliche Kulturschichten. Erhalten blieben neben Keramik auch Holzbauteile, Geräte zur Fischerei und organische Materialien. Die sauerstoffarmen Bedingungen unter Wasser ermöglichten eine aussergewöhnlich gute Erhaltung einzelner Funde.[13]
Reformierte Kirche
Die 1935 eingeweihte reformierte Kirche steht in erhöhter Lage nördlich des historischen Dorfkerns. Ihr Turm ist aus verschiedenen Richtungen sichtbar und prägt die Silhouette Beinwils.
Der Bau entstand in einer sachlichen Formensprache der Zwischenkriegszeit. Kirche, Friedhof und Pfarrhaus bilden ein zusammenhängendes kirchliches Ensemble.
Kirche St. Martin
Die katholische Kirche St. Martin von 1964 gehört zu den jüngeren Sakralbauten des Dorfs. Ihre Architektur entspricht den liturgischen und gestalterischen Vorstellungen der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Löwensaal
Der Löwensaal ist ein kommunaler Veranstaltungsraum und dient für Theater, Musik, Versammlungen und gesellschaftliche Anlässe. Überregional bekannt ist die Theatergesellschaft Beinwil am See, die regelmässig Operetten und weitere Bühnenwerke aufführt.
Das Laientheater gehört zu den prägenden Bestandteilen des kulturellen Lebens. Die Aufführungen ziehen auch Besucherinnen und Besucher aus anderen Gemeinden des Seetals und Wynentals an.
Historische Industriegebäude
Mehrere ehemalige Fabrik- und Gewerbebauten erinnern an die Zeit der Zigarrenindustrie. Sie sind teilweise umgenutzt worden und dienen heute als Wohn-, Gewerbe- oder Lagerräume.
Zusammen mit Unternehmerhäusern, Arbeiterwohnungen und älteren Bauernhäusern dokumentieren sie den Übergang Beinwils von einem landwirtschaftlichen Dorf zu einer Industriegemeinde.
Freizeit und Tourismus
Strandbad
Das Strandbad Beinwil am See liegt unmittelbar am Hallwilersee. Es verfügt über Liegewiesen, Zugänge zum See, Spielmöglichkeiten und ein Restaurant. Der reguläre Badebetrieb dauert in der Regel von Mai bis September.[14]
Die Anlage ist sowohl für Einheimische als auch für Besucherinnen und Besucher aus der Region von Bedeutung. Ausserhalb der beaufsichtigten Öffnungszeiten erfolgt das Baden auf eigene Verantwortung.
Wandern und Velofahren
Der Uferweg rund um den Hallwilersee führt durch Beinwil am See. Weitere Wanderwege verbinden das Dorf mit Birrwil, Menziken, dem Homberg und den Aussichtspunkten oberhalb des Seetals.
Die ehemalige Bahntrasse in Richtung Reinach und Beromünster wird abschnittsweise als Fuss- und Veloverbindung genutzt. Wegen der geringen Steigungen eignet sie sich besonders für den Alltags- und Freizeitverkehr.
Vom Homberg und den höher gelegenen Teilen des Gemeindegebiets reicht die Aussicht über den Hallwilersee, das Seetal und bei klarer Witterung bis zu den Alpen.
Wassersport
Der Hallwilersee wird zum Segeln, Rudern, Stand-up-Paddeln, Schwimmen und Sportfischen genutzt. In Beinwil am See bestehen Bootsliegeplätze, Werften, Bootsvermietungen sowie Segel- und Motorbootschulen.
Die Nutzung des Sees unterliegt kantonalen Vorschriften und Schutzbestimmungen. Im Bereich der Pfahlbaufundstelle Ägelmoos gelten besondere Einschränkungen zum Schutz der archäologischen Überreste.
Jugendherberge
Nahe dem See befindet sich eine Jugendherberge. Sie dient als Unterkunft für Einzelreisende, Familien, Schulklassen und Gruppen und stärkt die touristische Funktion der Gemeinde.
Vereine und gesellschaftliches Leben
Das gesellschaftliche Leben wird von Vereinen aus den Bereichen Sport, Musik, Theater, Natur, Politik und Gemeinnützigkeit getragen. Zu den Angeboten gehören unter anderem Turn- und Wassersport, Musikgesellschaften, Schützenvereine, kulturelle Vereinigungen und kirchliche Gruppen.
Neben dem Löwensaal stehen eine Gemeindebibliothek, Sportanlagen, Vereinslokale und eine Waldhütte für öffentliche und private Veranstaltungen zur Verfügung.
Persönlichkeiten
In Beinwil am See geboren
- Herbert Leupin (1916–1999), Grafiker, Plakatkünstler und Illustrator
- Ueli Mäder (* 1951), Soziologe
- Andreas Merz (* 1985), Handballspieler
Mit der Gemeinde verbunden
- Hans-Rudolf Merz (* 1942), ehemaliger Bundesrat; Beinwil am See ist sein Bürgerort
- Ludwig Weber (1891–1991), Pilot, Flugzeug- und Fahrzeugkonstrukteur; lebte ab 1975 in Beinwil am See
- Burkhard von Beinwil, auch Birk genannt († 1192), mittelalterlicher Geistlicher, dessen Grab zeitweise als Wallfahrtsort verehrt wurde
Literatur
- Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8.
- Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band 1: Die Bezirke Aarau, Kulm und Zofingen. Birkhäuser, Basel 1948.
- Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3.
- Hans Walti: Beinwil am See. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Siehe auch
- Hallwilersee
- Beinwil am See–Ägelmoos
- Seetalbahn
- Bahnhof Beinwil am See
- Bezirk Kulm
- Liste der Kulturgüter in Beinwil am See
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Beinwil am See
- Beinwil am See. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).
- UNESCO-Pfahlbaustätte Beinwil-Ägelmoos
- Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee
- Bahnhof Beinwil am See auf der Website der SBB
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Zahlen/Fakten. In: Gemeinde Beinwil am See. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ BLN 1303 Hallwilersee. Hrsg.: Kanton Aargau. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Beinwil am See–Ägelmoos. In: Swiss Coordination Group UNESCO Palafittes. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Schutz für den Pfahlbau in Beinwil. Hrsg.: Kanton Aargau. 2017-10-26. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Geschichte. In: Gemeinde Beinwil am See. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Joseph Galliker, Marcel Giger
- Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs, S. 112. ISBN 3-906738-07-8.
- ↑ Gemeinderat. In: Gemeinde Beinwil am See. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Bahnhof Beinwil am See. In: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Anfahrtsweg Schiffsstationen. Hrsg.: Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Bildung. In: Gemeinde Beinwil am See. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Evangelische Kirchgemeinde Beinwil am See. In: Gemeinde Beinwil am See. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Aargauer Pfahlbauten. Hrsg.: Kanton Aargau. 2025-06-20. Abgerufen am 2026-08-05.
- ↑ Strandbad Beinwil am See. In: Gemeinde Beinwil am See. Abgerufen am 2026-08-05.
Wikimedia Commons: Medien zu Beinwil am See