Wirtschaft der Schweiz
Die Wirtschaft der Schweiz gehört zu den wohlhabendsten, produktivsten und international am stärksten verflochtenen Volkswirtschaften der Welt. Sie zeichnet sich durch eine hohe Wertschöpfung, einen bedeutenden Dienstleistungssektor, eine wettbewerbsfähige Exportindustrie, gut ausgebaute Infrastrukturen sowie ein vergleichsweise stabiles politisches und institutionelles Umfeld aus. Der Schweizer Franken dient als eigenständige Landeswährung und gilt international als verhältnismässig sicherer Anlagewert.
Da die Schweiz nur über einen kleinen Binnenmarkt und wenige mineralische Rohstoffe verfügt, ist ihre Wirtschaft in besonderem Mass auf Wissen, Spezialisierung, internationalen Handel und den Zugang zu ausländischen Märkten ausgerichtet. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehören die chemisch-pharmazeutische Industrie, der Maschinen- und Präzisionsinstrumentenbau, die Uhrenindustrie, der Finanz- und Versicherungssektor, der Gross- und Detailhandel, das Gesundheitswesen, die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie der Tourismus.
Rund drei Viertel der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung entstehen im Dienstleistungssektor. Die Industrie trägt ungefähr einen Viertel bei, während die Landwirtschaft weniger als ein Prozent des Bruttoinlandprodukts erwirtschaftet.[1] Trotz dieses geringen Anteils besitzt die Landwirtschaft eine grosse gesellschaftliche, landschaftliche und versorgungspolitische Bedeutung.
Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beruht nicht nur auf international tätigen Grossunternehmen. Mehr als 99 Prozent der marktwirtschaftlichen Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten.[2] Sie bilden zusammen mit den Grossunternehmen, den Hochschulen, dem dualen Bildungssystem und der öffentlichen Infrastruktur das Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft.
Wirtschaftliche Kennzahlen
Die statistischen Werte können je nach Erhebungsmethode, Abgrenzung und Revisionsstand voneinander abweichen. Besonders beim Arbeitsmarkt wird zwischen der Zahl der bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren registrierten Arbeitslosen und der international vergleichbaren Erwerbslosenquote nach den Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation unterschieden.
| Kennzahl | Wert | Bezugsjahr |
|---|---|---|
| Bruttoinlandprodukt zu laufenden Preisen | rund 854 Milliarden Franken | 2024 |
| Reales BIP-Wachstum, Sportevent-bereinigt | rund 1,4 Prozent | 2025, provisorisch |
| Anteil des Dienstleistungssektors am BIP | rund 74 Prozent | langfristige Grössenordnung |
| Anteil des Industriesektors am BIP | rund 25 Prozent | langfristige Grössenordnung |
| Anteil des Primärsektors am BIP | weniger als 1 Prozent | langfristige Grössenordnung |
| Warenexporte, konjunkturelles Total | 287,0 Milliarden Franken | 2025 |
| Warenimporte, konjunkturelles Total | 232,7 Milliarden Franken | 2025 |
| Warenhandelsüberschuss | 54,3 Milliarden Franken | 2025 |
| Registrierte Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt | 2,8 Prozent | 2025 |
| Bruttomedianlohn bei einer Vollzeitstelle | 7024 Franken pro Monat | 2024 |
| Anteil der KMU an allen marktwirtschaftlichen Unternehmen | mehr als 99 Prozent | laufende Strukturstatistik |
Das nominale Bruttoinlandprodukt der Schweiz erreichte 2024 rund 854 Milliarden Franken.[3] Das BIP pro Einwohner gehört weltweit zu den höchsten. Internationale Vergleiche müssen jedoch das ebenfalls hohe Preisniveau, die Wohnkosten, die obligatorischen Krankenkassenprämien und die unterschiedliche Kaufkraft berücksichtigen.
Grundzüge der Schweizer Volkswirtschaft
Die Schweiz wird häufig als liberale, marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaft bezeichnet. Der Staat setzt die rechtlichen Rahmenbedingungen, stellt öffentliche Leistungen bereit, betreibt Sozialversicherungen und greift in einzelnen Bereichen regulierend oder fördernd ein. Gleichzeitig geniessen private Unternehmen einen grossen wirtschaftlichen Handlungsspielraum.
Kennzeichnend ist das Zusammenspiel von Marktwirtschaft, Föderalismus, direkter Demokratie und Sozialpartnerschaft. Wirtschaftspolitische Entscheidungen werden nicht nur vom Bund, sondern auch von den Kantonen und Gemeinden getroffen. Dadurch unterscheiden sich Steuern, Bewilligungsverfahren, Infrastrukturangebote und wirtschaftspolitische Schwerpunkte teilweise erheblich zwischen den Regionen.
Volksinitiativen und Referenden geben der Bevölkerung die Möglichkeit, über wirtschaftlich bedeutende Fragen abzustimmen. Dazu gehören Steuerreformen, Sozialversicherungen, Arbeitsrecht, Energiepolitik, Landwirtschaft, Verkehrsinfrastruktur und internationale Wirtschaftsabkommen. Dieses System kann politische Entscheidungsprozesse verlängern, verleiht beschlossenen Regelungen jedoch häufig eine breite demokratische Legitimation.
Die Schweiz verfügt über einen kleinen Binnenmarkt, liegt aber im Zentrum Europas. Ihre wirtschaftliche Entwicklung ist deshalb eng mit jener der Nachbarländer und der Europäischen Union verbunden. Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, China, Japan und weitere asiatische Volkswirtschaften wichtige Absatz-, Beschaffungs- und Investitionsmärkte.
Wirtschaftsgeschichte
Landwirtschaft, Handwerk und Fernhandel
Bis in die frühe Neuzeit war die Wirtschaft des Gebiets der heutigen Schweiz überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Die natürlichen Voraussetzungen unterschieden sich stark: Während im Mittelland Ackerbau und Viehzucht betrieben wurden, dominierten in den Alpen und Voralpen die Viehhaltung, Milchwirtschaft, Alpwirtschaft und Forstwirtschaft. Käse, Vieh, Häute und später auch Textilien gehörten zu den frühen Exportgütern.
Die Lage an wichtigen Alpenübergängen förderte den Transitverkehr. Pässe wie der Gotthardpass, der Simplonpass, der Grosse St. Bernhard und der Splügenpass verbanden Nord- und Südeuropa. Städte wie Basel, Genf, Zürich, St. Gallen, Luzern und Bern entwickelten sich zu regionalen Handels- und Handwerkszentren.
In den Städten regelten Zünfte vielerorts den Zugang zu Berufen, die Ausbildung, die Produktion und den Handel. Gleichzeitig entstand in ländlichen Regionen eine exportorientierte Heimindustrie. Familien verarbeiteten in ihren Häusern Garn, Leinen, Baumwolle oder Seide für städtische Kaufleute. Diese dezentral organisierte Produktion bereitete in mehreren Regionen den Übergang zur Industrialisierung vor.
Industrialisierung
Die Schweiz gehörte im 19. Jahrhundert zu den früh industrialisierten Ländern Europas. Da es kaum Kohle und nur wenige metallische Rohstoffe gab, konzentrierte sich die Industrie auf Produkte, bei denen Fachwissen, Präzision und Qualität wichtiger waren als der Rohstoffverbrauch.
In der Ostschweiz und im Raum Zürich entwickelte sich eine bedeutende Textilindustrie. Aus dem Bau und Unterhalt von Textilmaschinen ging ein leistungsfähiger Maschinenbau hervor. Im Jurabogen entstand die Uhrenindustrie, während Basel zu einem Zentrum der chemischen Industrie wurde. Genf spielte eine wichtige Rolle im Handel, im Finanzwesen und in der Herstellung hochwertiger Güter.
Die Wasserkraft ersetzte teilweise die fehlenden Kohlevorkommen. Flüsse und Gefälle wurden zunächst mechanisch und später zur Stromerzeugung genutzt. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes beschleunigte den Güter- und Personenverkehr und verband die regionalen Wirtschaftsräume miteinander. Die Eröffnung des Gotthard-Eisenbahntunnels im Jahr 1882 stärkte die Funktion der Schweiz als Transitland.
Parallel dazu entstanden Banken, Versicherungen und Handelsgesellschaften. Sie finanzierten Industrie, Eisenbahnen, Infrastruktur und internationalen Handel. Die politische Einigung im Bundesstaat von 1848 schuf einen gemeinsamen Wirtschaftsraum, vereinheitlichte wichtige Rechtsgrundlagen und erleichterte den freien Verkehr von Personen, Waren und Kapital innerhalb des Landes.
Entwicklung im 20. Jahrhundert
Die beiden Weltkriege unterbrachen internationale Lieferketten und führten zeitweise zu Rohstoffmangel, Rationierungen und staatlichen Eingriffen. Obwohl die Schweiz militärisch neutral blieb, war ihre Wirtschaft stark von den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa abhängig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Land eine lange Wachstumsphase. Die Nachfrage nach Maschinen, Chemieprodukten, Medikamenten, Uhren, Finanzdienstleistungen und hochwertigen Konsumgütern nahm zu. Für Industrie, Bauwirtschaft, Gastronomie und Dienstleistungen wurden zahlreiche Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben, zunächst vor allem aus Italien, später auch aus Spanien, Portugal, der Türkei, den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens und weiteren Staaten.
Die Erdölkrisen der 1970er-Jahre beendeten die lange Hochkonjunktur. Traditionelle Branchen wie die Textilindustrie und Teile des Maschinenbaus gerieten unter Druck. Die Schweizer Uhrenindustrie musste sich während der sogenannten Quarzkrise grundlegend neu ausrichten. Durch Automatisierung, Konzentration auf hochwertige Produkte und neue Vermarktungsstrategien konnte sie ihre internationale Stellung später wieder stärken.
Seit den 1980er- und 1990er-Jahren nahm die Bedeutung wissensintensiver Dienstleistungen, der Pharmaindustrie, der Medizintechnik, der Informationswirtschaft und internationaler Unternehmensfunktionen weiter zu. Gleichzeitig wurden Teile der Telekommunikation, des Verkehrs- und Energiesektors liberalisiert oder in eigenständige Unternehmen überführt.
Wirtschaft im frühen 21. Jahrhundert
Zu den prägenden Ereignissen des frühen 21. Jahrhunderts gehörten die globale Finanzkrise ab 2007, die europäische Schuldenkrise, die starke Aufwertung des Frankens, die COVID-19-Pandemie, zeitweilige Lieferengpässe sowie geopolitische und energiepolitische Spannungen.
Die Finanzkrise führte zu einer Verschärfung der Aufsicht über systemrelevante Banken und zu höheren Anforderungen an Eigenkapital und Liquidität. Die Pandemie verursachte 2020 einen starken, aber im internationalen Vergleich relativ kurzen Wirtschaftseinbruch. Bund und Kantone unterstützten Unternehmen und Beschäftigte unter anderem durch Kurzarbeitsentschädigung, Erwerbsersatz und verbürgte Überbrückungskredite.
In den 2020er-Jahren erwiesen sich die chemisch-pharmazeutische Industrie, das Gesundheitswesen und Teile des Dienstleistungssektors als wichtige Stützen. Gleichzeitig litten exportorientierte Industriebetriebe unter der schwachen Auslandnachfrage, dem starken Franken, höheren Kosten und handelspolitischer Unsicherheit.
Wirtschaftsstruktur
Primärsektor
Zum Primärsektor gehören Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Rohstoffgewinnung. Sein direkter Beitrag zum Bruttoinlandprodukt ist gering, seine Bedeutung für die Versorgung, die Kulturlandschaft, den ländlichen Raum, die Biodiversität und den Tourismus jedoch erheblich.
Die landwirtschaftliche Produktion wird von den topografischen und klimatischen Bedingungen geprägt. Im Mittelland werden Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Ölsaaten, Gemüse und Obst angebaut. In den Voralpen und Alpen dominieren Grasland, Viehzucht und Milchwirtschaft. Weinbau wird unter anderem in den Kantonen Wallis, Waadt, Genf, Neuenburg, Tessin, Graubünden, Zürich und Schaffhausen betrieben.
Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe geht seit Jahrzehnten zurück, während die durchschnittliche Betriebsfläche zunimmt. 2024 wurden noch 47'075 Landwirtschaftsbetriebe gezählt.[4] Der Strukturwandel wird durch hohe Bodenpreise, technische Veränderungen, den Arbeitsaufwand und den schwierigen Generationenwechsel beschleunigt.
Die Schweizer Agrarpolitik verbindet Marktordnung, Grenzschutz, Direktzahlungen und ökologische Anforderungen. Direktzahlungen entschädigen Leistungen, die nicht vollständig über den Marktpreis abgegolten werden, etwa die Pflege der Kulturlandschaft, die dezentrale Besiedlung, die Förderung der Biodiversität und eine besonders tierfreundliche Produktion. Gleichzeitig führt der Schutz des Agrarmarkts bei verschiedenen Lebensmitteln zu höheren Preisen als im benachbarten Ausland.
Industrie und verarbeitendes Gewerbe
Obwohl der Dienstleistungssektor dominiert, besitzt die Industrie weiterhin eine aussergewöhnlich grosse Bedeutung. Sie ist stark exportorientiert und auf Produkte mit hoher Wertschöpfung spezialisiert. Viele Industriebetriebe sind in internationale Lieferketten eingebunden und erzielen einen grossen Teil ihres Umsatzes ausserhalb der Schweiz.
Chemische und pharmazeutische Industrie
Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist der bedeutendste Schweizer Exportzweig. Ihr Zentrum liegt in der Region Basel, doch Produktions-, Forschungs- und Unternehmensstandorte befinden sich auch in anderen Kantonen. Hergestellt werden Medikamente, Diagnostika, Vitamine, chemische Grundstoffe, Pflanzenschutzmittel, Aromen und weitere Spezialprodukte.
Im Jahr 2024 entfielen 52,7 Prozent der Schweizer Warenausfuhren auf chemisch-pharmazeutische Produkte.[5] Der hohe Anteil macht die Gesamtwirtschaft einerseits widerstandsfähiger gegenüber konjunkturellen Schwankungen in traditionellen Industrien, erhöht andererseits aber die Abhängigkeit von wenigen grossen Unternehmen und Produktgruppen.
Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie
Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, häufig als MEM-Industrie bezeichnet, entwickelte sich aus der Textilmaschinenproduktion, der Elektrotechnik und dem traditionellen Maschinenbau. Sie stellt unter anderem Werkzeugmaschinen, Turbinen, Pumpen, elektrische Ausrüstungen, Metallkomponenten, Automatisierungssysteme und industrielle Spezialanlagen her.
Die Branche besteht aus einigen Grossunternehmen und einer grossen Zahl spezialisierter KMU. Sie ist stark von der Nachfrage in Europa, Asien und Nordamerika sowie vom Wechselkurs des Frankens abhängig. Ihre Wettbewerbsfähigkeit beruht auf technischer Qualität, kundenspezifischen Lösungen, Forschung, Fachkräften und langfristigen Geschäftsbeziehungen.
Uhren und Präzisionsinstrumente
Die Schweizer Uhrenindustrie ist besonders im Jurabogen, in Genf und im Kanton Schaffhausen konzentriert. Sie produziert sowohl mechanische Luxusuhren als auch industrielle Komponenten. Der wirtschaftliche Erfolg der Branche beruht auf einer Verbindung von handwerklicher Tradition, technischer Entwicklung, Markenpflege und internationalem Vertrieb.
Eng mit der Uhrmacherei verbunden sind Präzisionsmechanik, Mikrotechnik, Optik, Sensorik und Medizintechnik. Diese Kompetenzen werden für chirurgische Instrumente, Implantate, Messgeräte, Analysegeräte und hochpräzise industrielle Bauteile genutzt.
Lebensmittelindustrie
Die Lebensmittelindustrie verarbeitet landwirtschaftliche Rohstoffe und importierte Vorprodukte zu Käse, Milchprodukten, Schokolade, Kaffeeprodukten, Getränken, Backwaren, Fertiggerichten und Spezialnahrungsmitteln. Einige Schweizer Lebensmittelunternehmen sind weltweit tätig. Die Branche verbindet einen starken Binnenmarkt mit exportorientierten Marken und spezialisierten Produkten.
Bauwirtschaft
Die Bauwirtschaft wird durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Verkehrsinfrastruktur, Renovationen und energetische Gebäudesanierungen getragen. Sie reagiert empfindlich auf Zinsen, Bodenpreise, Baubewilligungsverfahren und regionale Nachfrageunterschiede. In städtischen Gebieten stellen knapper Boden und hohe Wohnkosten zentrale wirtschafts- und sozialpolitische Herausforderungen dar.
Dienstleistungssektor
Der Dienstleistungssektor erzeugt rund drei Viertel des Bruttoinlandprodukts und beschäftigt den grössten Teil der Erwerbstätigen. Er umfasst sehr unterschiedliche Tätigkeiten, vom Finanzwesen und internationalen Handel bis zum Gesundheitswesen, Detailhandel, Bildungswesen und Gastgewerbe.
Banken und Versicherungen
Der Finanzplatz Schweiz umfasst Banken, Versicherungen, Vermögensverwaltungen, Pensionskassen, Börsen- und Finanzmarktinfrastrukturen, Treuhandunternehmen, Fintech-Unternehmen und weitere spezialisierte Dienstleister. Bedeutende Finanzzentren sind Zürich, Genf, Basel, Lugano und Lausanne.
Traditionell stark sind die Vermögensverwaltung, das Privatkundengeschäft, die Unternehmensfinanzierung, der Zahlungsverkehr und das Versicherungsgeschäft. Die Schweiz gehört zu den wichtigsten Standorten für grenzüberschreitende Vermögensverwaltung. Der Versicherungssektor ist sowohl im Inland als auch international tätig und umfasst Erstversicherer und Rückversicherer.
Das frühere Bankgeheimnis gegenüber ausländischen Steuerbehörden verlor durch den internationalen automatischen Informationsaustausch erheblich an Bedeutung. Zugleich wurden die Vorschriften gegen Geldwäscherei, Terrorismusfinanzierung, Steuerdelikte und die Umgehung internationaler Sanktionen ausgebaut.
Die starke Konzentration im Bankensektor und die Grösse einzelner Institute im Verhältnis zur Volkswirtschaft stellen besondere Anforderungen an Regulierung und Krisenvorsorge. Systemrelevante Banken müssen deshalb erhöhte Anforderungen an Kapital, Liquidität, Sanierungsfähigkeit und Notfallplanung erfüllen.
Handel und Rohstoffhandel
Gross- und Detailhandel gehören zu den grössten Beschäftigungsbereichen. Der Detailhandel steht unter dem Einfluss des Onlinehandels, des Einkaufstourismus, hoher Miet- und Personalkosten sowie veränderter Konsumgewohnheiten.
Die Schweiz ist ausserdem ein international bedeutender Standort des Rohstoffhandels. Besonders in Genf, Zug, Lugano und der Genferseeregion befinden sich Unternehmen, die Erdöl, Metalle, Getreide, Kaffee und andere Rohstoffe handeln. Ein erheblicher Teil dieser Waren gelangt nie physisch in die Schweiz; die Unternehmen organisieren Finanzierung, Transport, Versicherung und Vertragsabwicklung von hier aus. Der Sektor ist wirtschaftlich bedeutend, steht aber wegen Transparenz, Besteuerung, Menschenrechten, Korruptionsrisiken und Umweltfolgen internationaler Lieferketten in der Kritik.
Tourismus
Der Tourismus besitzt insbesondere in den Alpen, im Tessin, in den Städten und in den Seeregionen grosse Bedeutung. Er umfasst Hotellerie, Parahotellerie, Gastronomie, Bergbahnen, Reiseveranstalter, Kulturangebote und Teile des Verkehrs. 2024 entsprach die direkte touristische Bruttowertschöpfung rund 2,9 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung.[6]
Zu den wichtigsten touristischen Regionen gehören das Berner Oberland, das Wallis, Graubünden, die Zentralschweiz, das Tessin und die Genferseeregion. Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne und Luzern sind wichtige Ziele des Städte-, Geschäfts-, Kultur- und Kongresstourismus.
Die Branche ist von Wechselkursen, Konjunktur, Wetter, Schneesicherheit und internationalen Reisebewegungen abhängig. Der Klimawandel erhöht den Anpassungsdruck auf tiefer gelegene Wintersportgebiete. Viele Destinationen versuchen deshalb, den Ganzjahrestourismus, den öffentlichen Verkehr, den Sommertourismus und weniger schneeabhängige Angebote auszubauen.
Gesundheitswesen und öffentliche Dienstleistungen
Das Gesundheitswesen ist einer der grössten und am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereiche. Spitäler, Arztpraxen, Apotheken, Pflegeeinrichtungen, Krankenkassen und medizintechnische Unternehmen beschäftigen einen erheblichen Teil der Arbeitskräfte. Bevölkerungsalterung, medizinischer Fortschritt und steigende Ansprüche erhöhen die Nachfrage, führen aber auch zu wachsenden Kosten.
Bildung, öffentliche Verwaltung, soziale Dienste, Energieversorgung, Abfallwirtschaft und öffentlicher Verkehr tragen ebenfalls wesentlich zur Beschäftigung und zur Funktionsfähigkeit der Volkswirtschaft bei. Viele dieser Leistungen werden von Bund, Kantonen, Gemeinden oder öffentlich kontrollierten Unternehmen erbracht.
Informations- und Kommunikationstechnologie
Die Informations- und Kommunikationstechnologie hat sich zu einem wichtigen Querschnittsbereich entwickelt. Sie umfasst Softwareentwicklung, Telekommunikation, Rechenzentren, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz, digitale Finanzdienstleistungen und elektronische Verwaltung.
Zürich und Lausanne gehören dank der ETH Zürich, der École polytechnique fédérale de Lausanne, weiterer Hochschulen und internationaler Technologieunternehmen zu den wichtigsten Schweizer Technologiezentren. Auch Basel, Bern, Genf, Zug, St. Gallen und das Tessin verfügen über spezialisierte Cluster.
Unternehmen und Eigentumsformen
Die Schweizer Unternehmenslandschaft reicht von Einzelunternehmen und Familienbetrieben bis zu multinationalen Konzernen. KMU stellen die überwiegende Mehrheit der Unternehmen und einen grossen Teil der Arbeitsplätze. Sie sind besonders im Gewerbe, Bauwesen, Handel, Gastgewerbe, in der Unternehmensberatung und in spezialisierten Industriezweigen vertreten.
Grossunternehmen spielen vor allem in der Pharmaindustrie, im Finanzwesen, in der Versicherung, im Maschinenbau, im Lebensmittelbereich, im Rohstoffhandel und in der Logistik eine wichtige Rolle. Zahlreiche Unternehmen steuern ihre internationalen Aktivitäten von einem Schweizer Hauptsitz oder einer regionalen Konzernzentrale aus.
Daneben besitzen Genossenschaften eine starke Stellung. Sie sind im Detailhandel, im Bankwesen, in der Landwirtschaft, im Wohnungsbau und in der Energieversorgung tätig. Kantonalbanken, kommunale Versorgungsunternehmen und Unternehmen wie die Schweizerische Bundesbahnen, die Schweizerische Post und die Swisscom zeigen, dass neben privaten auch öffentliche und gemischtwirtschaftliche Eigentumsformen verbreitet sind.
Forschung, Bildung und Innovation
Wissen und Innovation sind zentrale Produktionsfaktoren der Schweizer Wirtschaft. Da Unternehmen hohe Lohn-, Boden- und Infrastrukturkosten tragen, können sie im internationalen Wettbewerb meist nicht über niedrige Preise bestehen. Wettbewerbsvorteile entstehen vielmehr durch Forschung, Spezialisierung, Qualität, Zuverlässigkeit und den Schutz geistigen Eigentums.
Die Schweiz gibt mehr als drei Prozent ihres Bruttoinlandprodukts für Forschung und Entwicklung aus. Der grösste Teil dieser Ausgaben wird von privaten Unternehmen getragen, insbesondere von der Pharma-, Chemie-, Maschinen- und Technologieindustrie.[7]
Zum Forschungs- und Innovationssystem gehören die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen, kantonale Universitäten, Fachhochschulen, pädagogische Hochschulen, Forschungsanstalten des ETH-Bereichs, private Forschungszentren sowie Förderorganisationen wie der Schweizerische Nationalfonds und Innosuisse.
Eine Besonderheit des Bildungssystems ist die duale Berufsbildung. Jugendliche verbinden dabei eine praktische Ausbildung in einem Betrieb mit Unterricht an einer Berufsfachschule. Die Berufsmaturität ermöglicht den Zugang zu Fachhochschulen. Über Passerellen und weiterführende Bildungswege bleibt das System durchlässig. Die enge Verbindung zwischen Betrieben und Ausbildung erleichtert vielen Jugendlichen den Eintritt in den Arbeitsmarkt und trägt zur Versorgung der Wirtschaft mit Fachkräften bei.
Zu den innovationsstarken Bereichen gehören Biotechnologie, Medizintechnik, Robotik, Mikrotechnik, künstliche Intelligenz, Finanztechnologie, Umwelttechnik, neue Werkstoffe sowie Präzisions- und Quantentechnologien. Eine Herausforderung besteht darin, Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Produkte und wachsende Unternehmen zu überführen.
Arbeitsmarkt
Der Schweizer Arbeitsmarkt weist im internationalen Vergleich eine hohe Erwerbsbeteiligung und meist eine niedrige registrierte Arbeitslosigkeit auf. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 2,8 Prozent der Erwerbspersonen bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren als arbeitslos registriert.[8]
Die Erwerbslosenquote nach internationaler Definition liegt gewöhnlich höher, weil sie auch Personen erfasst, die Arbeit suchen, aber nicht als arbeitslos registriert sind. Die beiden Quoten dürfen daher nicht unmittelbar miteinander gleichgesetzt werden.
Ein grosser Teil der Bevölkerung arbeitet in Teilzeit. Dies erleichtert teilweise die Vereinbarkeit von Familie, Ausbildung und Beruf, führt aber auch zu Unterschieden bei Einkommen, Karrierechancen und Altersvorsorge. Teilzeitarbeit ist bei Frauen deutlich stärker verbreitet als bei Männern.
Der Schweizer Arbeitsmarkt ist stark auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Sie arbeiten sowohl in hoch qualifizierten Tätigkeiten als auch im Bauwesen, in der Landwirtschaft, Gastronomie, Reinigung, Pflege und Logistik. In den Grenzregionen sind zudem mehrere hunderttausend Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich tätig.
Die Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union und der Europäischen Freihandelsassoziation erleichtert die Rekrutierung von Arbeitskräften. Für Personen aus Drittstaaten gelten Kontingente und strengere Zulassungsbedingungen, die sich vor allem auf gut qualifizierte Arbeitskräfte konzentrieren.
Die Arbeitsbeziehungen werden wesentlich durch die Sozialpartnerschaft geprägt. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften handeln Gesamtarbeitsverträge aus, in denen Löhne, Arbeitszeiten, Ferien, Weiterbildung und Kündigungsbedingungen geregelt werden können. Einen allgemeinen nationalen gesetzlichen Mindestlohn gibt es nicht. Einzelne Kantone haben jedoch kantonale Mindestlöhne eingeführt.
Der Bruttomedianlohn einer Vollzeitstelle betrug 2024 monatlich 7024 Franken.[9] Hinter diesem Wert stehen grosse Unterschiede nach Branche, Ausbildung, beruflicher Stellung, Geschlecht, Region und Unternehmensgrösse.
Geld- und Währungspolitik
Die Landeswährung ist der Schweizer Franken. Für die Geldpolitik ist die Schweizerische Nationalbank zuständig. Ihr gesetzlicher Auftrag besteht darin, die Preisstabilität zu gewährleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung zu tragen.
Die Nationalbank setzt einen Leitzins fest und beeinflusst die Bedingungen am Geldmarkt. Bei Bedarf kann sie zusätzliche Instrumente einsetzen, darunter Devisenkäufe oder Devisenverkäufe. Als Referenzzinssatz für den besicherten Franken-Geldmarkt dient der SARON.
Der Franken wird in Zeiten internationaler Unsicherheit häufig als sicherer Anlagewert nachgefragt. Eine starke Aufwertung verbilligt Importe und Reisen ins Ausland, erschwert aber die Lage exportorientierter Unternehmen und des Tourismus. Unternehmen reagieren darauf mit Produktivitätssteigerungen, Automatisierung, Verlagerung einzelner Produktionsschritte, Fremdwährungsabsicherung und der Konzentration auf weniger preissensitive Qualitätsprodukte.
Da die Schweiz weder der Europäischen Union noch der Eurozone angehört, kann sie eine eigenständige Geldpolitik betreiben. Gleichzeitig ist ihr wirtschaftlicher Handlungsspielraum durch die enge Verflechtung mit dem Euroraum begrenzt.
Aussenhandel
Die Schweiz gehört zu den am stärksten globalisierten Volkswirtschaften. Der Aussenhandel ist für Industrie, Finanzwesen, Forschung, Logistik und zahlreiche Dienstleistungen von zentraler Bedeutung. Das Land importiert Rohstoffe, Energieträger, Fahrzeuge, Maschinen, Elektronik, Vorprodukte und Konsumgüter. Exportiert werden vor allem chemisch-pharmazeutische Erzeugnisse, Maschinen, Präzisionsinstrumente, Uhren, medizinische Produkte, Nahrungsmittel und hochwertige Dienstleistungen.
2025 erreichten die Warenexporte nach dem konjunkturellen Total des Bundesamtes für Zoll und Grenzsicherheit 287,0 Milliarden Franken. Die Importe beliefen sich auf 232,7 Milliarden Franken. Daraus ergab sich ein Warenhandelsüberschuss von 54,3 Milliarden Franken.[10] Das konjunkturelle Total schliesst unter anderem Gold in Barren und weitere Wertgegenstände aus.
Neben dem Warenhandel ist der Dienstleistungshandel bedeutend. Dazu gehören Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Lizenzgebühren, Unternehmensberatung, Forschung, Transport, Tourismus und digitale Dienstleistungen.
Beziehungen zur Europäischen Union
Die Europäische Union ist mit Abstand die wichtigste Wirtschaftspartnerin der Schweiz. Rund die Hälfte der Schweizer Warenexporte geht in EU-Staaten, während deutlich mehr als die Hälfte der Warenimporte aus der EU stammt. Besonders eng sind die Beziehungen zu Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich.
Das Verhältnis wird durch das Freihandelsabkommen von 1972, die bilateralen Abkommen und zahlreiche sektorielle Regelungen bestimmt. Sie betreffen unter anderem Personenfreizügigkeit, technische Handelshemmnisse, Landverkehr, Luftverkehr, Landwirtschaft, Forschung und öffentliche Beschaffungen.
Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt ist für viele Unternehmen entscheidend. Unterschiedliche Regulierungen oder eine fehlende gegenseitige Anerkennung können zusätzliche Prüfungen, Zulassungen und Kosten verursachen. Die Weiterentwicklung der Beziehungen zur EU gehört deshalb zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Fragen der Schweiz.
Freihandelsabkommen und internationale Organisationen
Die Schweiz ist Mitglied der Europäischen Freihandelsassoziation, der Welthandelsorganisation, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.
Zusammen mit den EFTA-Staaten und teilweise auf bilateraler Grundlage verfügt sie über ein weitreichendes Netz von Freihandelsabkommen. Diese sollen Zölle abbauen, Ursprungsregeln festlegen, den Dienstleistungsverkehr erleichtern, Investitionen schützen und den Zugang zu öffentlichen Beschaffungsmärkten verbessern.
Öffentliche Finanzen und Steuern
Die öffentlichen Finanzen verteilen sich auf Bund, Kantone, Gemeinden und Sozialversicherungen. Diese föderale Struktur führt zu einer ausgeprägten Aufgabenteilung. Der Bund finanziert unter anderem Landesverteidigung, grosse Teile der Sozialversicherungen, nationale Verkehrsinfrastrukturen und Bundeshochschulen. Kantone und Gemeinden tragen wesentliche Teile der Ausgaben für Bildung, Gesundheit, Polizei, Sozialhilfe und lokale Infrastruktur.
Der Bund erhebt direkte Bundessteuern, Mehrwertsteuer, Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, Verbrauchssteuern und Zölle. Kantone und Gemeinden erheben eigene Einkommens-, Vermögens-, Gewinn- und Kapitalsteuern. Die Steuersätze unterscheiden sich erheblich nach Kanton und Gemeinde.
Dieser Steuerwettbewerb soll einen effizienten Umgang mit öffentlichen Mitteln und attraktive Standortbedingungen fördern. Kritiker sehen darin die Gefahr, dass sich Kantone bei der Besteuerung wohlhabender Personen und internationaler Unternehmen gegenseitig unterbieten.
Der Nationale Finanzausgleich vermindert Unterschiede in der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kantone und gleicht besondere geografische oder soziodemografische Belastungen teilweise aus. Ressourcenstarke Kantone und der Bund leisten Zahlungen an ressourcenschwächere Kantone.
Seit 2003 unterliegt der Bundeshaushalt der Schuldenbremse. Sie begrenzt die Ausgaben über einen Konjunkturzyklus grundsätzlich auf die strukturell bereinigten Einnahmen. Ausserordentliche Ausgaben bleiben in besonderen Situationen möglich. Die öffentliche Verschuldung ist im internationalen Vergleich niedrig. Für 2025 wurde eine Maastricht-Schuldenquote von rund 24 Prozent des Bruttoinlandprodukts erwartet.[11]
Sozialversicherungen und Lebensstandard
Die hohe Wirtschaftsleistung ermöglicht einen hohen materiellen Lebensstandard. Dieser zeigt sich in hohen Einkommen, einer gut ausgebauten Infrastruktur, einem umfassenden Bildungsangebot und einer hohen Lebenserwartung. Gleichzeitig sind Wohnen, Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung, Gastronomie und persönliche Dienstleistungen teuer.
Das System der sozialen Sicherheit umfasst unter anderem die Alters- und Hinterlassenenversicherung, die Invalidenversicherung, die Arbeitslosenversicherung, die berufliche Vorsorge, die Unfallversicherung, Erwerbsersatzleistungen und kantonal organisierte Sozialhilfe.
Die Altersvorsorge beruht auf dem Drei-Säulen-System. Die erste Säule soll den Existenzbedarf sichern, die zweite Säule die gewohnte Lebenshaltung zusammen mit der ersten angemessen fortsetzen und die freiwillige dritte Säule die individuelle Vorsorge ergänzen.
Die Krankenversicherung ist für die Wohnbevölkerung obligatorisch und wird durch private, rechtlich regulierte Krankenkassen angeboten. Die Prämien werden grundsätzlich pro Person erhoben und nicht direkt vom Einkommen abhängig berechnet. Personen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen können Prämienverbilligungen erhalten. Steigende Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien gehören zu den bedeutendsten sozial- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen.
Verkehr und Infrastruktur
Die Schweiz verfügt über ein dichtes Strassen- und Eisenbahnnetz. Die Eisenbahn besitzt sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr eine wichtige Stellung. Neben den Schweizerischen Bundesbahnen betreiben zahlreiche regionale Unternehmen Bahn-, Bus-, Schiffs- und Bergbahnlinien.
Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale mit dem Gotthard-, Lötschberg- und Ceneri-Basistunnel verbessert die Nord-Süd-Verbindungen durch die Alpen. Sie soll den europäischen Güterverkehr stärker von der Strasse auf die Schiene verlagern.
Die wichtigsten internationalen Flughäfen befinden sich in Zürich, Genf und Basel-Mülhausen. Der Rheinhafen in Basel verbindet die Schweiz über den Rhein mit den Nordseehäfen und ist besonders für den Import von Rohstoffen, Treibstoffen und Massengütern bedeutend.
Eine zuverlässige Telekommunikations- und Dateninfrastruktur ist für Banken, Industrie, Forschung und digitale Dienstleistungen unverzichtbar. Herausforderungen bestehen beim Ausbau leistungsfähiger Fest- und Mobilfunknetze, bei der Cybersicherheit und bei der digitalen Modernisierung der öffentlichen Verwaltung.
Energieversorgung
Die Schweiz verfügt über keine bedeutenden Vorkommen fossiler Energieträger und importiert Erdölprodukte, Erdgas und zeitweise Elektrizität. Die inländische Stromerzeugung beruht vor allem auf Wasserkraft und Kernenergie. Hinzu kommen Photovoltaik, Biomasse, Windkraft und konventionell-thermische Anlagen.
Speicherseen und Pumpspeicherkraftwerke besitzen eine besondere Bedeutung, weil sie Stromproduktion und Verbrauch zeitlich ausgleichen können. Im Winterhalbjahr ist die Schweiz dennoch häufig auf Stromimporte angewiesen.
Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung von Verkehr und Wärmeversorgung, die Versorgungssicherheit im Winter und die Zukunft der Kernenergie gehören zu den zentralen energiepolitischen Fragen. Der Umbau des Energiesystems erfordert Investitionen in Stromnetze, Speicher, Produktionsanlagen und Energieeffizienz.
Regionale Wirtschaftsräume
Die Wirtschaftsstruktur unterscheidet sich deutlich zwischen den Regionen.
Zürich und Umgebung bilden den grössten Schweizer Wirtschaftsraum. Zürich ist ein Zentrum für Banken, Versicherungen, Unternehmensdienstleistungen, Informations- und Kommunikationstechnologie, Forschung, Medien und Verkehr. Der Flughafen Zürich stärkt die internationale Vernetzung.
Basel und die Nordwestschweiz sind von Pharmaindustrie, Chemie, Life Sciences, Logistik und dem Rheinhafen geprägt. Die Region ist eng mit dem deutschen und französischen Grenzgebiet verflochten.
Die Genferseeregion mit Genf, Lausanne und dem Kanton Waadt besitzt starke Finanz-, Handels-, Technologie-, Forschungs- und Verwaltungsfunktionen. Genf ist ein Zentrum des Rohstoffhandels, der Privatbanken und internationalen Organisationen. Lausanne verfügt über bedeutende Hochschulen und Technologieunternehmen.
Bern und das Mittelland sind durch Bundesverwaltung, Gesundheitswesen, Telekommunikation, Verkehr, Lebensmittelindustrie, Maschinenbau und Präzisionstechnik geprägt. Die Bundesstadt Bern ist zudem ein bedeutender Arbeitsort des öffentlichen Sektors.
Der Jurabogen ist ein Zentrum der Uhrenindustrie, Mikrotechnik, Präzisionsmechanik und Medizintechnik. Die starke Spezialisierung schafft hohe Exporterlöse, führt aber auch zu einer erhöhten Abhängigkeit von einzelnen Branchen und internationalen Luxusgütermärkten.
Die Ostschweiz verfügt über eine vielfältige Industrie mit Maschinenbau, Metallverarbeitung, Textilien, Lebensmittelproduktion und Präzisionstechnik. St. Gallen ist ein wichtiges Bildungs-, Dienstleistungs- und Versicherungszentrum.
Die Zentralschweiz verbindet Tourismus, Finanz- und Unternehmensdienstleistungen, Bauwirtschaft, Industrie und internationale Konzernstandorte. Der Kanton Zug weist eine besonders hohe Dichte international tätiger Unternehmen auf.
Das Tessin ist wirtschaftlich eng mit Norditalien verbunden. Bedeutend sind Finanzdienstleistungen, Handel, Bauwirtschaft, Tourismus, Logistik, Mode, Medizintechnik und einzelne industrielle Spezialgebiete. Grenzgängerinnen und Grenzgänger spielen auf dem Tessiner Arbeitsmarkt eine besonders grosse Rolle.
Die Alpenregionen sind stärker von Tourismus, Wasserkraft, Landwirtschaft, Bauwirtschaft und öffentlichen Leistungen abhängig. Die wirtschaftliche Entwicklung wird durch geringe Bevölkerungsdichte, längere Verkehrswege und saisonale Schwankungen erschwert.
Umwelt und nachhaltige Entwicklung
Die Wirtschaftsleistung der Schweiz ist mit einem erheblichen Verbrauch von Energie, Boden, Rohstoffen und importierten Gütern verbunden. Ein bedeutender Teil der durch den Schweizer Konsum verursachten Umweltbelastung entsteht ausserhalb des Landes. Deshalb umfasst die Diskussion über Nachhaltigkeit neben den inländischen Emissionen auch internationale Lieferketten, Finanzflüsse und den sogenannten Konsumfussabdruck.
Das Klima- und Innovationsgesetz verankert das Ziel, die Treibhausgasemissionen der Schweiz bis 2050 auf netto null zu vermindern.[12] Für Unternehmen bedeutet dies Investitionen in Energieeffizienz, erneuerbare Energien, emissionsarme Produktionsverfahren, Gebäudesanierung und klimafreundliche Mobilität.
Gleichzeitig entstehen neue wirtschaftliche Chancen in der Umwelttechnik, Energieberatung, Kreislaufwirtschaft, Gebäudetechnik, nachhaltigen Finanzwirtschaft und Entwicklung emissionsarmer Materialien. Konflikte entstehen insbesondere dort, wo neue Energie- und Verkehrsanlagen Landschaft, Biodiversität oder lokale Interessen berühren.
Stärken der Schweizer Wirtschaft
Zu den wichtigsten Standortvorteilen gehören politische und rechtliche Stabilität, gut funktionierende Institutionen, eine hohe Ausbildungsqualität, eine leistungsfähige Infrastruktur, international anerkannte Forschungsstätten und ein vergleichsweise flexibler Arbeitsmarkt.
Hinzu kommen die zentrale Lage in Europa, die Mehrsprachigkeit, der Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften, die hohe Kapitalverfügbarkeit und die Fähigkeit vieler Unternehmen, sich auf technisch anspruchsvolle Marktnischen zu konzentrieren. Die Verbindung von Industrie, Dienstleistungen und Forschung vermindert die Abhängigkeit von einem einzigen Wirtschaftssektor.
Die eigenständige Währung und die vergleichsweise soliden öffentlichen Finanzen geben der Schweiz wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum. Gleichzeitig profitieren Unternehmen vom dichten Netz internationaler Handels-, Forschungs- und Investitionsbeziehungen.
Herausforderungen und Risiken
Die Offenheit der Schweizer Wirtschaft macht sie empfindlich gegenüber weltweiten Rezessionen, Handelskonflikten, geopolitischen Spannungen und Störungen internationaler Lieferketten. Besonders exportorientierte Industrien leiden unter einer schwachen Auslandnachfrage und einer starken Aufwertung des Frankens.
Ein weiteres Risiko ist die Konzentration auf wenige besonders erfolgreiche Branchen und Grossunternehmen. Die Pharmaindustrie trägt einen sehr grossen Teil der Exporte, während einzelne Banken, Versicherungen, Rohstoffhändler und Konzerne im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft eine erhebliche Grösse erreichen.
Die Alterung der Bevölkerung erhöht den Druck auf Altersvorsorge, Gesundheitswesen und Pflege. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel in Medizin, Pflege, Technik, Informatik, Bauwesen, Gastronomie und weiteren Bereichen. Die Schweiz bleibt deshalb auf Zuwanderung und eine bessere Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials angewiesen.
Hohe Wohnkosten und Wohnungsknappheit belasten insbesondere die städtischen Wirtschaftsräume. Lange Planungs- und Bewilligungsverfahren können den Wohnungsbau, den Ausbau der Energieversorgung und Infrastrukturprojekte verzögern.
Weitere Herausforderungen sind die Digitalisierung, Cybersicherheit, der internationale Steuerwettbewerb, die langfristige Finanzierung der Sozialversicherungen, die Beziehungen zur Europäischen Union sowie die Umstellung auf eine klimaverträgliche Energie- und Wirtschaftsstruktur.
Auch die Entwicklung des Wohlstands pro Einwohner wird zunehmend diskutiert. Ein wachsendes gesamtes Bruttoinlandprodukt bedeutet nicht automatisch, dass Einkommen, Produktivität und Lebensqualität pro Person im gleichen Ausmass steigen. Bevölkerungswachstum, hohe Lebenshaltungskosten, Umweltbelastungen und die Verteilung von Einkommen und Vermögen müssen deshalb zusätzlich berücksichtigt werden.
Bedeutung im internationalen Vergleich
Die Schweiz ist keine grosse Volkswirtschaft, besitzt aber in mehreren Bereichen überproportionalen internationalen Einfluss. Sie ist Sitz bedeutender Pharma-, Versicherungs-, Lebensmittel-, Technologie- und Rohstoffunternehmen. Der Finanzplatz verwaltet umfangreiche internationale Vermögen, während Schweizer Industrieunternehmen in zahlreichen spezialisierten Weltmärkten tätig sind.
Genf beherbergt zahlreiche internationale Organisationen und diplomatische Vertretungen. Basel ist eines der bedeutendsten europäischen Zentren der Pharmaindustrie. Zürich gehört zu den wichtigen Finanz-, Technologie- und Forschungsstandorten Europas. Der Jurabogen nimmt in der internationalen Uhren- und Präzisionsindustrie eine herausragende Stellung ein.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Schweiz beruht somit weniger auf der Grösse ihres Binnenmarkts als auf ihrer Rolle als Forschungs-, Finanz-, Handels-, Industrie- und Unternehmensstandort. Ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit hängt davon ab, ob es gelingt, politische Stabilität und bewährte Institutionen mit technologischer Erneuerung, gesellschaftlicher Offenheit und ökologischer Anpassung zu verbinden.
Siehe auch
- Schweizer Franken
- Schweizerische Nationalbank
- Finanzplatz Schweiz
- Aussenhandel der Schweiz
- Landwirtschaft in der Schweiz
- Industrie in der Schweiz
- Tourismus in der Schweiz
- Verkehr in der Schweiz
- Energieversorgung der Schweiz
- Sozialversicherungen in der Schweiz
- Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union
- Liste der grössten Unternehmen der Schweiz
Weblinks
- Volkswirtschaft – Bundesamt für Statistik
- Wirtschaftslage und Wirtschaftspolitik – Staatssekretariat für Wirtschaft
- Schweizerische Nationalbank
- Schweizerische Aussenhandelsstatistik
- Eidgenössische Finanzverwaltung
- Staatssekretariat für internationale Finanzfragen
Einzelnachweise
- ↑ Schweizer Wirtschaft – Überblick, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kleine und mittlere Unternehmen, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Bruttoinlandprodukt, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Landwirtschaftliche Strukturen, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Schweizer Aussenhandel 2024, Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Tourismusstatistik, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Forschung und Innovation in der Schweiz, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Dezember 2025, Staatssekretariat für Wirtschaft, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2024, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Schweizer Aussenhandel 2025: Chemie-Pharma hievt Exporte auf neuen Rekord, Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Schuldenbremse, Eidgenössische Finanzverwaltung, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Netto-Null-Ziel 2050, Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 23. Juli 2026.