ETH Zürich
| ETH Zürich | |
|---|---|
| Eidgenössische Technische Hochschule Zürich | |
| Frühere Bezeichnung | Eidgenössisches Polytechnikum |
| Gründung | 1855 |
| Trägerschaft | Schweizerische Eidgenossenschaft |
| Rechtsform | autonome öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes |
| Sitz | Zürich, Kanton Zürich |
| Präsident | Joël Mesot |
| Rektor | Günther Dissertori |
| Studierende | 26'942, davon 4'266 Doktorierende (2025) |
| Professorinnen und Professoren | 557 (2025) |
| Personal | 10'618 Vollzeitäquivalente (2025) |
| Departemente | 16 |
| Hauptstandorte | Campus Zentrum, Campus Hönggerberg |
| Website | ethz.ch |
Die ETH Zürich, amtlich Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, ist eine technisch-naturwissenschaftliche Hochschule des Bundes mit Hauptsitz in Zürich. Sie wurde 1855 als Eidgenössische Polytechnische Schule eröffnet und gehört heute zu den international bedeutenden Lehr- und Forschungsinstitutionen für Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Architektur, Mathematik, Informatik und verwandte Fachgebiete.
Gemeinsam mit der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) sowie den Forschungsanstalten Paul Scherrer Institut, WSL, Empa und Eawag bildet die ETH Zürich den ETH-Bereich. Dieser wird vom ETH-Rat strategisch geführt und vom Bund getragen. Die Hochschule besitzt innerhalb der gesetzlichen Vorgaben eine weitgehende Autonomie in Lehre, Forschung und Organisation.
Die ETH Zürich ist eng mit der Entwicklung des modernen Schweizer Bundesstaates und der Industrialisierung der Schweiz verbunden. Sie sollte von Beginn an Fachkräfte ausbilden, wissenschaftliche Kenntnisse fördern und zum Aufbau nationaler Infrastrukturen beitragen. Im Laufe ihrer Geschichte entwickelte sie sich von einer technischen Lehranstalt zu einer international ausgerichteten Forschungsuniversität.
Name
Die Hochschule wurde 1855 als Eidgenössische Polytechnische Schule eröffnet. Im allgemeinen Sprachgebrauch setzte sich rasch die Bezeichnung Polytechnikum oder kurz Poly durch. Diese Bezeichnung ist in Zürich bis heute gebräuchlich, etwa im Namen der Polybahn und der vor dem Hauptgebäude gelegenen Polyterrasse.
Seit 1911 trägt die Institution den Namen Eidgenössische Technische Hochschule. Die heute verwendete Kurzform ETH Zürich dient zugleich der Unterscheidung von der zweiten eidgenössischen technischen Hochschule, der EPFL in Lausanne.
Im Englischen verwendet die Hochschule die Bezeichnung ETH Zurich. Eine wörtliche Übersetzung des vollständigen deutschen Namens wird in der internationalen Kommunikation nur noch ergänzend verwendet.
Auftrag und rechtliche Stellung
Die ETH Zürich ist eine autonome öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes mit eigener Rechtspersönlichkeit. Ihre Stellung und ihre Aufgaben werden insbesondere durch das ETH-Gesetz geregelt. Dieses bestimmt die Zuständigkeiten des Bundesrates, des Parlaments, des ETH-Rates und der Institutionen des ETH-Bereichs.[1]
Zu den grundlegenden Aufgaben der Hochschule gehören:
- die Ausbildung von Fachleuten und wissenschaftlichem Nachwuchs;
- die Durchführung von Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung;
- die Förderung des Wissens- und Technologietransfers;
- die Weiterbildung von Fach- und Führungskräften;
- die Bereitstellung wissenschaftlicher Dienstleistungen;
- der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Die ETH Zürich wird überwiegend durch den Bund finanziert. Daneben erhält sie Drittmittel aus Forschungsprogrammen, Stiftungen, Kooperationen mit Unternehmen, Schenkungen und weiteren Quellen. Die Finanzierung soll wissenschaftliche Unabhängigkeit ermöglichen, führt jedoch regelmässig zu politischen Debatten über Bundesbeiträge, Studiengebühren, Wachstum und Prioritätensetzung.
Geschichte
Gründung des Polytechnikums
Bereits im 18. und frühen 19. Jahrhundert wurden verschiedene Pläne für eine gesamtschweizerische Hochschule entwickelt. Nach der Gründung des modernen Bundesstaates im Jahr 1848 erhielt die Idee einer nationalen Bildungsinstitution neue politische Bedeutung.
Am 7. Februar 1854 verabschiedete die Bundesversammlung das Gesetz zur Gründung einer eidgenössischen polytechnischen Schule. Als Standort wurde Zürich bestimmt. Im Herbst 1855 nahm die neue Lehranstalt ihren Betrieb auf.[2]
Bei ihrer Eröffnung umfasste die Schule sechs Abteilungen. Vertreten waren unter anderem Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Chemie, Forstwirtschaft und eine allgemeine Abteilung für mathematische, naturwissenschaftliche, literarische und staatswissenschaftliche Fächer. Die Verbindung technischer Ausbildung mit allgemeinbildenden und gesellschaftswissenschaftlichen Inhalten gehörte somit bereits zum ursprünglichen Konzept.
Die junge Schule zog Lehrkräfte und Studierende aus verschiedenen europäischen Ländern an. Zu ihren frühen Professoren gehörten der Architekt Gottfried Semper, der Physiker Rudolf Clausius und der Kulturhistoriker Jacob Burckhardt.
Aufbau im 19. Jahrhundert
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts leistete das Polytechnikum einen wichtigen Beitrag zur Industrialisierung und Modernisierung der Schweiz. Seine Absolventinnen und Absolventen arbeiteten am Ausbau von Eisenbahnen, Strassen, Brücken, Wasserversorgungen, Kraftwerken, Vermessungssystemen und industriellen Produktionsanlagen.
Die Schule bildete Ingenieure, Architekten, Chemiker, Förster und Lehrpersonen aus. Zugleich entstanden zunehmend wissenschaftliche Labore und Sammlungen. Die Grenzen zwischen Lehranstalt, Versuchsbetrieb und Forschungsinstitution waren zunächst fliessend.
Von 1859 bis 1864 entstand nach Plänen von Gottfried Semper das monumentale Hauptgebäude oberhalb der Zürcher Altstadt. Es wurde zunächst gemeinsam vom Polytechnikum und der Universität Zürich genutzt. Der Bau unterstrich den Anspruch des jungen Bundesstaates, Wissenschaft und technische Bildung als Grundlagen der nationalen Entwicklung zu fördern.
Entwicklung zur Forschungsuniversität
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Schule grundlegend reformiert. In den Jahren 1905 und 1908 wurden die gemeinsam mit Stadt, Kanton und Universität Zürich genutzten Einrichtungen organisatorisch getrennt. Gleichzeitig erhielten die Studierenden mehr Freiheit bei der Gestaltung ihres Studiums.
1908 erhielt das Polytechnikum das Recht, Doktortitel zu verleihen. Die ersten Doktorate wurden 1909 abgeschlossen. 1911 erfolgte die Umbenennung in Eidgenössische Technische Hochschule.[3]
Mit dem Promotionsrecht und der organisatorischen Neuordnung gewann die Forschung gegenüber der reinen Berufsausbildung an Bedeutung. Neue Institute und Laboratorien entstanden, während sich die Zusammenarbeit mit der Industrie und staatlichen Stellen intensivierte.
Wachstum im 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die ETH Zürich zu einem zentralen Bestandteil der schweizerischen Wissenschafts- und Innovationspolitik. Während der beiden Weltkriege und in der Zwischenkriegszeit war sie in verschiedene nationale Forschungs-, Infrastruktur- und Verteidigungsprojekte eingebunden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die Zahl der Studierenden, die wissenschaftliche Spezialisierung und der Raumbedarf stark zu. Da die Gebäude im Zentrum von Zürich nicht mehr ausreichten, begann die Hochschule ab 1961 mit dem Aufbau eines zweiten Campus auf dem Hönggerberg.
Die gesellschaftlichen Veränderungen um 1968 führten auch an der ETH zu Debatten über demokratische Mitwirkung, die Rolle der Wissenschaft, die Verantwortung der Forschenden und die Organisation der Hochschule. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Mitwirkungsrechte der verschiedenen Hochschulgruppen ausgebaut.
Neue Forschungsfelder wie Informatik, Molekularbiologie, Materialwissenschaft, Umweltwissenschaften und Systemtechnik gewannen an Bedeutung. Gleichzeitig wurden traditionelle Fachgebiete neu organisiert und stärker interdisziplinär ausgerichtet.
Entwicklung seit dem späten 20. Jahrhundert
Seit den 1990er-Jahren ist die ETH Zürich stark gewachsen. Die Hochschule internationalisierte ihre Master- und Doktoratsprogramme, baute Forschungsnetzwerke aus und verstärkte die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen.
Mit der Umsetzung der Bologna-Reform wurden die bisherigen Diplomstudiengänge schrittweise durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt. Gleichzeitig entstanden zahlreiche spezialisierte und interdisziplinäre Studienangebote.
Im 21. Jahrhundert rückten Themen wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Quantenwissenschaft, Klima, Energie, nachhaltiges Bauen, Gesundheit, Ernährung, Weltraumforschung und die digitale Transformation in den Vordergrund. Die ETH Zürich versteht sich dabei sowohl als Ort der Grundlagenforschung als auch als Institution, die wissenschaftliche Erkenntnisse in praktische Anwendungen überführt.
Standorte und Campus
Campus Zentrum
Der Campus Zentrum bildet den historischen Ursprung der ETH Zürich. Er liegt im Zürcher Hochschulquartier oberhalb der Altstadt und grenzt unmittelbar an die Universität Zürich und das Universitätsspital Zürich.
Zentrales Bauwerk ist das von Gottfried Semper entworfene Hauptgebäude an der Rämistrasse. Es wurde 1864 bezogen und später mehrfach erweitert und umgebaut. Die heute charakteristische Kuppel entstand im frühen 20. Jahrhundert. Das Hauptgebäude beherbergt Hörsäle, Büros, Bibliotheks- und Veranstaltungsräume sowie die repräsentative Semperaula.
Vor dem Hauptgebäude liegt die Polyterrasse, die einen weiten Blick über die Zürcher Altstadt, den Hauptbahnhof und den Zürichsee ermöglicht. Sie ist über die Polybahn mit dem Central verbunden und gehört zu den bekanntesten öffentlichen Aussichtspunkten der Stadt.
Zum Campus Zentrum gehören zahlreiche weitere Gebäude im Hochschulquartier, darunter Labor-, Maschinenbau-, Informatik- und Verwaltungsgebäude. Der Campus ist eng mit der städtischen Umgebung verflochten und besitzt im Gegensatz zu vielen ausserhalb gelegenen Universitätsanlagen keine klar abgeschlossene Grenze.
Campus Hönggerberg
Der Campus Hönggerberg liegt im Norden der Stadt Zürich. Sein Aufbau begann 1961 und wurde in mehreren Etappen fortgesetzt.[4]
Auf dem Hönggerberg befinden sich vor allem Einrichtungen der Naturwissenschaften, der Architektur und verschiedener Ingenieurwissenschaften. Der Campus umfasst Forschungs- und Lehrgebäude, Laboratorien, Bibliotheken, Werkstätten, Sportanlagen, Gastronomiebetriebe und studentischen Wohnraum.
Die Anlage wurde ursprünglich als funktional gegliederter Hochschulcampus am Stadtrand geplant. Durch spätere Erweiterungen entwickelte sie sich zu einem dichter bebauten Forschungs- und Lebensraum. Heute studiert und arbeitet ein erheblicher Teil der ETH-Angehörigen auf dem Hönggerberg.
Zwischen dem Campus Zentrum und dem Campus Hönggerberg verkehren öffentliche Verkehrsmittel sowie ein hochschuleigener Shuttlebus.
Weitere Standorte
Neben den beiden grossen Zürcher Campus betreibt die ETH Zürich weitere Einrichtungen im Kanton Zürich und in anderen Teilen der Schweiz. Dazu gehören Versuchsbetriebe, Feldstationen, Forschungsanlagen und gemeinsam mit Partnerinstitutionen genutzte Standorte.
Das Departement Biosysteme befindet sich hauptsächlich in Basel. Mit dem Standort Basel stärkte die ETH ihre Forschung in den Bereichen Systembiologie, Biotechnologie, medizinische Forschung und computergestützte Biowissenschaften.
Mit dem Singapore-ETH Centre verfügt die Hochschule zudem über eine dauerhafte Forschungspräsenz in Singapur. Dort werden insbesondere Fragen der nachhaltigen Stadtentwicklung, der Gesundheit, der Mobilität und der Versorgung wachsender urbaner Regionen untersucht.
Organisation
Die ETH Zürich wird von der Schulleitung geführt. Oberstes operatives Leitungsgremium ist die Schulleitung mit dem Präsidenten, dem Rektor und mehreren Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten. Der Präsident trägt die Gesamtverantwortung und vertritt die Hochschule nach aussen. Der Rektor ist insbesondere für die Lehre zuständig.
Seit 2019 ist der Physiker Joël Mesot Präsident der ETH Zürich. Im Juni 2026 bestimmte der Bundesrat den bisherigen Rektor Günther Dissertori zu seinem Nachfolger. Dissertori soll das Präsidentenamt am 1. Januar 2027 übernehmen.[5]
Die wissenschaftlichen Einheiten sind in 16 Departementen organisiert. Diese verantworten Lehre, Forschung und Dienstleistungen in ihren jeweiligen Fachgebieten. Sie gliedern sich ihrerseits in Institute, Laboratorien, Professuren und weitere Einrichtungen.
| Kürzel | Departement | Fachbereich |
|---|---|---|
| D-ARCH | Architektur | Architektur und Bauwissenschaften |
| D-BAUG | Bau, Umwelt und Geomatik | Architektur und Bauwissenschaften |
| D-BSSE | Biosysteme | Ingenieurwissenschaften |
| D-INFK | Informatik | Ingenieurwissenschaften |
| D-ITET | Informationstechnologie und Elektrotechnik | Ingenieurwissenschaften |
| D-MATL | Materialwissenschaft | Ingenieurwissenschaften |
| D-MAVT | Maschinenbau und Verfahrenstechnik | Ingenieurwissenschaften |
| D-BIOL | Biologie | Naturwissenschaften und Mathematik |
| D-CHAB | Chemie und Angewandte Biowissenschaften | Naturwissenschaften und Mathematik |
| D-MATH | Mathematik | Naturwissenschaften und Mathematik |
| D-PHYS | Physik | Naturwissenschaften und Mathematik |
| D-EAPS | Erd- und Planetenwissenschaften | Systemorientierte Naturwissenschaften |
| D-HEST | Gesundheitswissenschaften und Technologie | Systemorientierte Naturwissenschaften |
| D-USYS | Umweltsystemwissenschaften | Systemorientierte Naturwissenschaften |
| D-MTEC | Management, Technologie und Ökonomie | Management- und Sozialwissenschaften |
| D-GESS | Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften | Management- und Sozialwissenschaften |
Neben den Departementen bestehen zahlreiche interdisziplinäre Kompetenzzentren, Forschungsnetzwerke und strategische Initiativen. Sie verbinden Forschende aus verschiedenen Fachgebieten und erleichtern die Zusammenarbeit mit externen Institutionen.
Die Hochschulversammlung vertritt die Interessen der Professorenschaft, der wissenschaftlichen Mitarbeitenden, des administrativ-technischen Personals und der Studierenden. Die Studierenden werden insbesondere durch den Verband der Studierenden an der ETH Zürich vertreten.
Studium und Lehre
Die ETH Zürich bietet Bachelor-, Master- und Doktoratsprogramme sowie akademische Weiterbildungen an. Im Jahr 2025 waren 26'942 Studierende aus rund 130 Ländern eingeschrieben, darunter 4'266 Doktorierende.[6]
Das Bachelorstudium vermittelt die wissenschaftlichen und methodischen Grundlagen eines Fachgebiets. In vielen Bachelorstudiengängen ist Deutsch die hauptsächliche Unterrichtssprache, wobei englischsprachige Lehrveranstaltungen zunehmend verbreitet sind.
Das Masterstudium dient der fachlichen Vertiefung und Spezialisierung. Zahlreiche Masterprogramme werden vollständig oder überwiegend auf Englisch angeboten. Dies trägt zum hohen Anteil internationaler Studierender auf der Masterstufe bei.
Der Masterabschluss befähigt grundsätzlich zur Aufnahme eines Doktorats. Das Doktorat beruht auf einer eigenständigen Forschungsarbeit und wird meist innerhalb einer Professur oder eines strukturierten Doktoratsprogramms durchgeführt.[7]
Die Lehre an der ETH gilt als anspruchsvoll. Besonders in den ersten Studienjahren ist der Unterricht häufig durch umfangreiche Grundlagenfächer, Übungen, Laborpraktika und Prüfungsblöcke geprägt. Ein wichtiges Element ist die Verbindung theoretischer Kenntnisse mit experimenteller und projektorientierter Arbeit.
Neben den klassischen technischen und naturwissenschaftlichen Fächern gehören auch Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaften zur Ausbildung. Das Programm Wissenschaft im Kontext soll Studierende dazu befähigen, wissenschaftliche und technische Entwicklungen in historische, ethische, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge einzuordnen.
Zulassung
Die Zulassungsbedingungen unterscheiden sich nach Ausbildungsstufe und Vorbildung. Inhaberinnen und Inhaber einer anerkannten schweizerischen gymnasialen Maturität können grundsätzlich ohne Aufnahmeprüfung in ein Bachelorstudium eintreten.
Bei ausländischen Bildungsabschlüssen hängt die Zulassung von der Art des Abschlusses, dem Herkunftsland, den belegten Fächern und den erzielten Leistungen ab. Je nach Vorbildung kann eine reduzierte oder umfassende Aufnahmeprüfung verlangt werden.
Die Zulassung zu Masterprogrammen erfolgt aufgrund der fachlichen Vorbildung und der bisherigen Studienleistungen. Bei stark nachgefragten oder spezialisierten Programmen können zusätzliche Anforderungen gelten.
Forschung
Die Forschung der ETH Zürich reicht von mathematischen und naturwissenschaftlichen Grundlagen bis zur Entwicklung technischer Systeme, medizinischer Anwendungen, neuer Materialien und gesellschaftlicher Lösungsansätze.
Zu den bedeutenden Forschungsfeldern gehören:
- Mathematik, theoretische Physik und Quantenwissenschaften;
- Informatik, Datenwissenschaft und künstliche Intelligenz;
- Robotik und autonome Systeme;
- Energieerzeugung, Energiespeicherung und nachhaltige Technologien;
- Klima-, Umwelt- und Erdsystemforschung;
- Architektur, Raumplanung und ressourcenschonendes Bauen;
- Materialwissenschaft, Nanotechnologie und Mikroelektronik;
- Chemie, Biologie und Biotechnologie;
- Gesundheitswissenschaften, Medizintechnik und pharmazeutische Forschung;
- Landwirtschaft, Ernährung und globale Versorgungssysteme;
- Management, Innovationsforschung und Technologiefolgen;
- Sicherheits-, Friedens- und Wissenschaftspolitik.
Die Hochschule verbindet Grundlagenforschung mit anwendungsorientierten Projekten. Viele Forschungsfragen werden departementsübergreifend bearbeitet. Rechenzentren, Reinräume, Versuchsanlagen, wissenschaftliche Sammlungen und spezialisierte Labore bilden dafür eine umfangreiche Infrastruktur.
Eine wichtige Rolle spielt die Zusammenarbeit innerhalb des ETH-Bereichs. Forschende der ETH Zürich nutzen beispielsweise Grossforschungsanlagen des Paul Scherrer Instituts und arbeiten mit der Empa in der Materialforschung, mit der Eawag in der Wasserforschung sowie mit der WSL in den Bereichen Wald, Landschaft, Schnee und Naturgefahren zusammen.
Weitere Kooperationen bestehen mit der Universität Zürich, den Universitätsspitälern, kantonalen Hochschulen, internationalen Forschungseinrichtungen und Unternehmen.
Wissens- und Technologietransfer
Die ETH Zürich betrachtet den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in Wirtschaft und Gesellschaft als eine ihrer zentralen Aufgaben. Forschungsergebnisse werden unter anderem durch Patente, Lizenzen, Beratungsleistungen, Kooperationen und Unternehmensgründungen nutzbar gemacht.
Die Hochschule unterstützt Forschende und Studierende bei der Gründung eigener Unternehmen. Als ETH-Spin-offs gelten Unternehmen, deren Geschäftsidee wesentlich auf Forschungsergebnissen oder Technologien der ETH beruht. Seit 2025 wird zusätzlich die Kategorie ETH-Start-up für Unternehmen verwendet, die von ETH-Angehörigen gegründet wurden, ohne unmittelbar auf geschützten Forschungsergebnissen der Hochschule aufzubauen.
Im Jahr 2025 wurden 46 neue ETH-Unternehmen anerkannt, darunter 24 Spin-offs und 22 Start-ups. In öffentlich bekannt gegebenen Finanzierungsrunden nahmen Unternehmen mit ETH-Ursprung im selben Jahr insgesamt rund 540 Millionen Franken auf.[8]
Ausgründungen entstehen besonders häufig in den Bereichen Informatik, künstliche Intelligenz, Robotik, Biotechnologie, Medizintechnik, Energie und neue Materialien. Verschiedene Förderprogramme, Innovationsräume und das Student Project House unterstützen frühe Projekt- und Unternehmensphasen.
Internationale Bedeutung
Die ETH Zürich besitzt eine stark internationale Ausrichtung. Ein grosser Teil der Professorenschaft, der wissenschaftlichen Mitarbeitenden sowie der Master- und Doktoratsstudierenden stammt aus dem Ausland.
Die Hochschule beteiligt sich an europäischen und weltweiten Forschungsnetzwerken und unterhält Partnerschaften mit Universitäten auf allen Kontinenten. Forschende der ETH arbeiten unter anderem an Projekten des CERN, der Europäischen Weltraumorganisation und internationaler Klima-, Energie- und Gesundheitsprogramme mit.
In internationalen Hochschulvergleichen wird die ETH Zürich regelmässig unter den führenden Universitäten aufgeführt. Besonders hohe Bewertungen erzielt sie häufig in den Ingenieurwissenschaften, der Informatik, den Naturwissenschaften sowie den Erd- und Umweltwissenschaften. Solche Ranglisten unterscheiden sich allerdings erheblich in Methodik und Gewichtung und können die Qualität einer Hochschule nur teilweise abbilden.
Die internationale Stellung der ETH trägt zur Attraktivität des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts Schweiz bei. Gleichzeitig führt die starke Nachfrage zu Herausforderungen bei Infrastruktur, Betreuung, Finanzierung und Wohnraum.
Bedeutende Persönlichkeiten
Zahlreiche bekannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren als Studierende, Lehrende oder Forschende mit der ETH Zürich verbunden.
Der Physiker Albert Einstein studierte von 1896 bis 1900 am damaligen Polytechnikum und war später Professor an der ETH. Er gilt als bekanntester Alumnus der Hochschule. Den Nobelpreis für Physik erhielt er 1921 insbesondere für seine Erklärung des photoelektrischen Effekts.
Weitere bedeutende Persönlichkeiten mit Bezug zur ETH sind unter anderem:
- John von Neumann, Mathematiker und Wegbereiter der modernen Informatik;
- Wolfgang Pauli, Nobelpreisträger für Physik;
- Felix Bloch, Nobelpreisträger für Physik;
- Vladimir Prelog, Nobelpreisträger für Chemie;
- Richard R. Ernst, Nobelpreisträger für Chemie;
- Kurt Wüthrich, Nobelpreisträger für Chemie;
- Leopold Ružička, Nobelpreisträger für Chemie;
- Alfred Werner, Nobelpreisträger für Chemie;
- Aurel Stodola, Maschinenbauingenieur und Pionier der Turbinentechnik;
- Niklaus Wirth, Informatiker und Entwickler der Programmiersprache Pascal;
- Santiago Calatrava, Architekt und Bauingenieur;
- Jacques Herzog und Pierre de Meuron, Architekten;
- Didier Queloz, Nobelpreisträger für Physik.
Nach Angaben der Hochschule wurden bislang 22 Nobelpreise an Forschende vergeben, die mit der ETH Zürich in Verbindung standen oder stehen.[9]
ETH-Bibliothek und Sammlungen
Die ETH-Bibliothek ist die zentrale Hochschulbibliothek der ETH Zürich und zugleich eine der grössten technisch-naturwissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz. Sie versorgt Forschung und Lehre mit gedruckten und digitalen Medien, Forschungsdaten und Informationsdiensten.
Zu ihren Beständen gehören historische Bücher, Handschriften, Fotografien, Karten, Nachlässe und wissenschaftliche Instrumente. Das Hochschularchiv dokumentiert die institutionelle Geschichte der ETH. Verschiedene Sammlungen, darunter die Graphische Sammlung, das Bildarchiv und naturwissenschaftliche Lehrsammlungen, sind auch für die kultur- und wissenschaftshistorische Forschung von Bedeutung.
Die Forschungsarbeiten der ETH werden über institutionelle Repositorien und digitale Publikationsplattformen zugänglich gemacht. Die Hochschule unterstützt den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Forschungsdaten.
Verhältnis zu Stadt und Region Zürich
Die ETH Zürich prägt das Hochschul-, Wirtschafts- und Stadtbild von Zürich wesentlich. Der Campus Zentrum bildet gemeinsam mit der Universität Zürich und dem Universitätsspital eines der grössten schweizerischen Bildungs- und Forschungsquartiere.
Die Hochschule ist mit mehr als 13'000 Mitarbeitenden eine der bedeutenden Arbeitgeberinnen der Region Zürich. Studierende und Mitarbeitende tragen zur internationalen Zusammensetzung der Stadtbevölkerung bei. Gleichzeitig erzeugt das Wachstum der Hochschule zusätzlichen Bedarf an Wohnraum, Verkehrsangeboten, Laborflächen und öffentlicher Infrastruktur.
Die Zusammenarbeit mit Unternehmen und die Gründung neuer Firmen haben zur Entwicklung Zürichs als Standort für Informations- und Kommunikationstechnologie, Finanztechnologie, Biotechnologie, Robotik und künstliche Intelligenz beigetragen.
Die bauliche Entwicklung der Campus wird regelmässig mit Stadt, Kanton und Quartierbevölkerung abgestimmt. Besonders auf dem Hönggerberg stehen Ausbaupläne im Spannungsfeld zwischen Forschungsbedarf, Städtebau, Landschaftsschutz, Verkehr und Nachhaltigkeit.
Gesellschaftliche Verantwortung
Als öffentlich finanzierte Hochschule steht die ETH Zürich in besonderer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Dazu gehören wissenschaftliche Integrität, transparente Forschung, verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Mitteln und die Berücksichtigung ethischer Folgen neuer Technologien.
Kontrovers diskutiert werden unter anderem Forschungskooperationen mit Unternehmen, militärisch nutzbare Technologien, der Umgang mit künstlicher Intelligenz, wissenschaftliche Unabhängigkeit, Gleichstellung, Arbeitsbedingungen und die ökologische Wirkung des Hochschulbetriebs.
Die ETH fördert den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit durch Vorträge, Ausstellungen, Führungen, Schulprogramme, Medienarbeit und öffentliche Veranstaltungen. Forschende beteiligen sich ausserdem an politischen und gesellschaftlichen Debatten, indem sie wissenschaftliche Grundlagen und mögliche Handlungsoptionen darstellen.
Herausforderungen
Das starke Wachstum der Studierendenzahlen gehört zu den grössten langfristigen Herausforderungen der ETH Zürich. Es erhöht den Bedarf an Lehrpersonal, Laborplätzen, Hörsälen, digitaler Infrastruktur und studentischem Wohnraum.
Gleichzeitig steht die Hochschule unter dem Druck, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit trotz begrenzter öffentlicher Mittel zu erhalten. Grossforschungsanlagen, moderne Labore und die Rekrutierung führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verursachen erhebliche Kosten.
Weitere Herausforderungen sind die Verbesserung des Frauenanteils in technischen Fachgebieten und in Führungspositionen, die Förderung eines respektvollen Arbeits- und Studienumfelds sowie die Vereinbarkeit von internationaler Rekrutierung mit politischen Vorgaben zur Zuwanderung.
Im Bereich Nachhaltigkeit verfolgt die Hochschule das Ziel, den Energie- und Ressourcenverbrauch ihrer Gebäude und Forschungsanlagen zu verringern. Der wachsende Flächen- und Energiebedarf kann dabei in einem Spannungsverhältnis zu den eigenen Klima- und Nachhaltigkeitszielen stehen.
Siehe auch
- ETH-Bereich
- École polytechnique fédérale de Lausanne
- Universität Zürich
- Liste der Hochschulen in der Schweiz
- Bildungssystem in der Schweiz
- Forschung und Innovation in der Schweiz
- Hochschulquartier Zürich
- Polybahn
Literatur
- David Gugerli, Patrick Kupper, Daniel Speich: Die Zukunftsmaschine. Konjunkturen der ETH Zürich 1855–2005. Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0732-9.
- Eidgenössische Technische Hochschule Zürich: Eidgenössische Technische Hochschule 1855–1955. Buchverlag der Neuen Zürcher Zeitung, Zürich 1955.
- Thomas Gnägi, Barbara Campell, Michael Gnehm: Semper. Das Hauptgebäude der ETH Zürich. gta Verlag, Zürich 2014.
Weblinks
- Offizielle Website der ETH Zürich
- Geschichte der ETH Zürich
- ETH-Bibliothek
- ETH-Rat
- ETH Foundation
- ETH Alumni
Einzelnachweise
- ↑ Bundesgesetz über die Eidgenössischen Hochschulen. In: Fedlex. Hrsg.: Schweizerische Eidgenossenschaft. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ 1848–1855: Verwirklichung eines lange gehegten Traums. In: ETH Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ 1904–1911: Vom Polytechnikum zur Hochschule. In: ETH Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Campus Hönggerberg. In: ETH Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Günther Dissertori wird neuer ETH-Präsident. In: ETH Zürich. 2026-06-24. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Studierende. In: ETH Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Abschlüsse, Kredit- und Notensystem, Rechtliches. In: ETH Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Mehr Neugründungen, neue Regeln, neues Förderprogramm. In: ETH Zürich. 2026-02-25. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Nobelpreisträger. In: ETH Zürich. Abgerufen am 2026-07-23.