Zell ZH

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Zell ZH

Zell ZH

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Bezirk

Winterthur

BFS-Nummer

0231

Postleitzahl

8483–8487

Koordinaten

47.44611° N, 8.82139° E

Höhe

552 m ü. M.

Fläche

12.99 km²

Einwohner

6850
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.zell.ch

Zell, zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten häufig Zell ZH genannt, ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich. Sie liegt im mittleren Tösstal südöstlich der Stadt Winterthur und grenzt an das Zürcher Oberland. Zur Gemeinde gehören die Ortschaften Zell, Kollbrunn, Rikon und Rämismühle sowie Oberlangenhard, Unterlangenhard und mehrere kleinere Siedlungen und Einzelhöfe.

Die Gemeinde besitzt keinen einzigen geschlossenen Siedlungsschwerpunkt. Ihre Bevölkerung verteilt sich auf mehrere Ortsteile beidseits der Töss und an den angrenzenden Talhängen. Kollbrunn ist die grösste Ortschaft, während sich die Gemeindeverwaltung und wichtige öffentliche Einrichtungen in Rikon befinden.

Geographie

Zell liegt im mittleren Tösstal in einer hügeligen, von der Töss, bewaldeten Hängen und landwirtschaftlich genutzten Hochflächen geprägten Landschaft. Der Talboden erstreckt sich ungefähr von Kollbrunn im Nordwesten über Rikon und Rämismühle bis in Richtung Turbenthal.

Die Töss durchfliesst das Gemeindegebiet von Südosten nach Nordwesten. Mehrere kleinere Bäche entwässern die Seitentäler und Hänge. Zu ihnen gehören der Bäntalbach, der Wissenbach und der Zellerbach. Das Gelände steigt auf beiden Seiten des Flusses zu bewaldeten Höhen und offenen Landwirtschaftsflächen an.

Die Fläche der Gemeinde beträgt knapp 13 Quadratkilometer. Ein grosser Teil davon ist von Wald bedeckt oder wird landwirtschaftlich genutzt. Die Siedlungsflächen konzentrieren sich auf den Talboden, die Verkehrsachsen und die historischen Dorfkerne.

Nachbargemeinden sind Winterthur im Nordwesten, Schlatt im Nordosten, Turbenthal im Osten, Wildberg und Weisslingen im Süden sowie das zur Stadt Illnau-Effretikon gehörende Kyburg im Westen.

Ortsteile

Zell

Zell ist der namensgebende Ortsteil der Gemeinde. Das Dorf liegt auf der nördlichen Seite des Tösstals am Rand der Zeller Ebene und vor dem Eingang in das sogenannte Königstal. Der kompakte historische Dorfkern mit der reformierten Kirche und mehreren bemerkenswerten Gebäuden steht unter überregionalem Schutz.[1]

Das Dorf Zell war über Jahrhunderte das kirchliche Zentrum der umliegenden Siedlungen. Seine Bedeutung als politischer und administrativer Mittelpunkt ging im 20. Jahrhundert teilweise auf das verkehrsgünstiger gelegene Rikon über.

Kollbrunn

Kollbrunn liegt im nordwestlichen Teil der Gemeinde und grenzt unmittelbar an das Gebiet der Stadt Winterthur. Mit mehr als 3000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Kollbrunn der bevölkerungsreichste Ortsteil der Gemeinde.[1]

Das Dorf entwickelte sich während des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Standort der Textilindustrie. Die Fabriken nutzten zunächst die Wasserkraft der Töss und ihrer Zuflüsse. Neben den ehemaligen Industrieanlagen prägen Wohnquartiere, Gewerbebetriebe und die umliegenden bewaldeten Hänge das Ortsbild.

Rikon

Rikon liegt beidseits der Töss ungefähr im geografischen Zentrum der Gemeinde. Hier befinden sich die Gemeindeverwaltung, der Gemeindesaal, die Sekundarschule, das Schwimmbad, Sportanlagen und verschiedene Industriebetriebe.[1]

Überregional bekannt ist Rikon durch das Tibet-Institut Rikon, ein buddhistisches Kloster und kulturelles Zentrum der tibetischen Gemeinschaft in der Schweiz. Der Ort verfügt zudem über einen Bahnhof an der Tösstalbahn.

Rämismühle

Rämismühle liegt südöstlich von Rikon an der Töss und nahe dem Bahnhof Rämismühle-Zell. Die Siedlung entwickelte sich rund um eine Mühle und die im 19. Jahrhundert entstandenen Textilbetriebe.

Bekannt ist Rämismühle auch durch die Heimstätte Rämismühle, die aus einer früheren sozialen Einrichtung hervorging und heute als Alters- und Pflegezentrum dient.[1]

Oberlangenhard und Unterlangenhard

Oberlangenhard und Unterlangenhard liegen auf einer Sonnenterrasse an der nördlichen Seite des Tösstals oberhalb von Zell und Rikon. Landwirtschaftsbetriebe und stattliche Wohnhäuser bestimmen das Ortsbild. Von den beiden Dörfern reicht die Aussicht bei klarem Wetter bis zu den Glarner Alpen.[1]

Geschichte

Frühzeit und Namensherkunft

Die ältesten bekannten Spuren menschlicher Besiedlung auf dem Gemeindegebiet stammen aus der Römerzeit. Bei der Restaurierung der reformierten Kirche Zell wurden 1958 Fundamentreste eines römischen Landhauses entdeckt und freigelegt.[2]

Nach dem Ende der römischen Herrschaft besiedelten Alemannen das Tösstal. Mauerreste unter der Kirche werden als mögliche Überreste einer frühmittelalterlichen Mönchsklause gedeutet. Eine solche Zelle, lateinisch cella, soll dem Ort seinen Namen gegeben haben.[2]

Zell wurde 741 als Cella erstmals urkundlich erwähnt. Damit gehört die Ortschaft zu den früh schriftlich belegten Siedlungen des Kantons Zürich. Nach einer Schenkungsurkunde gehörte Zell zusammen mit Turbenthal einer alemannischen Adelsfamilie. Eine Angehörige dieser Familie namens Beata übertrug die beiden Orte dem von ihr gegründeten Kloster Lützelau.[2]

Bereits 744 gelangte Zell an das Kloster St. Gallen. Die Abtei vergab ihre Besitzungen im Tösstal später als Lehen an die Grafen von Kyburg.

Herrschaft Kyburg und Zürich

Nach dem Aussterben der Grafen von Kyburg kamen deren Besitzungen an die Habsburger. Zell bildete mit mehreren Höfen und Siedlungen ein eigenes Amt, das später mit dem Amt Kyburg vereinigt wurde.

Zwischen 1377 und 1452 wurde die Grafschaft Kyburg wiederholt verpfändet. Nach dem Alten Zürichkrieg gelangte das Gebiet endgültig unter die Herrschaft der Stadt Zürich. Zell gehörte fortan zur Landvogtei Kyburg.

Mit der Reformation wurde die Pfarrei Zell in den 1520er-Jahren evangelisch-reformiert. Die Kirche blieb Mittelpunkt einer ausgedehnten Kirchgemeinde, zu der mehrere Siedlungen des mittleren Tösstals gehörten.

Landwirtschaft und Heimarbeit

Bis in das 18. Jahrhundert beruhte die Wirtschaft fast vollständig auf Landwirtschaft. Das Bevölkerungswachstum und die begrenzten landwirtschaftlichen Erträge führten jedoch zu zunehmender Armut. Krankheiten, schlechte Ernährung und fehlende Verdienstmöglichkeiten belasteten viele Familien.

Die textile Heimarbeit eröffnete einen zusätzlichen Erwerbszweig. In zahlreichen Häusern wurde gesponnen oder gewebt, während die Familien daneben weiterhin kleine Landwirtschaftsbetriebe führten. Trotzdem wanderten viele Einwohner zunächst in benachbarte deutsche Gebiete und später nach Nordamerika aus.[2]

Entstehung der politischen Gemeinde

Der französische Einmarsch von 1798 beendete die alten Herrschaftsverhältnisse. In der Helvetischen Republik wurden die feudalen Rechte aufgehoben und neue Verwaltungsstrukturen geschaffen.

Die heutige politische Gemeinde entstand schrittweise aus mehreren Dorf- und Zivilgemeinden. Zu ihr gehörten Zell, Oberlangenhard, Unterlangenhard, Au-Kollbrunn und Rikon sowie verschiedene Einzelsiedlungen. Die Zivilgemeinden wurden 1933 aufgehoben. Im folgenden Jahr wurde Hinterrikon von Wildberg abgetrennt und Zell zugeteilt.[3]

Industrialisierung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Tösstal zu einer der am stärksten industrialisierten Regionen der Schweiz. Die Wasserkraft der Töss und die Erfahrung der Bevölkerung mit der textilen Heimarbeit schufen günstige Voraussetzungen für mechanische Spinnereien.

In Rikon nahm 1817 oder 1818 eine erste Spinnerei den Betrieb auf. Weitere Fabriken entstanden in Rämismühle und Kollbrunn. Zu den bedeutenden Unternehmen gehörten die Spinnerei Stahel, Boller Winkler und die Firma Bühler.

Die Familie Bühler gründete 1832 und 1835 zwei Spinnereien in Kollbrunn. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem der grössten Schweizer Textilbetriebe seiner Zeit und beschäftigte Mitte des 19. Jahrhunderts mehrere hundert Personen.[4]

Die Industrialisierung veränderte die Siedlungsstruktur. In der Nähe der Fabriken entstanden Arbeiterhäuser, neue Verkehrswege und Versorgungseinrichtungen. Die Arbeitsbedingungen waren jedoch hart. Niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten und Kinderarbeit gehörten im 19. Jahrhundert zum Alltag.

Viele Textilbetriebe wurden während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschlossen. Einzelne Fabrikgebäude blieben erhalten und wurden neuen Nutzungen zugeführt.

Eine wichtige Rolle in der jüngeren Industriegeschichte spielte die 1925 gegründete Metallwarenfabrik Kuhn in Rikon. Das unter dem Namen «Pfanni» bekannte Unternehmen entwickelte sich zu einem bedeutenden Arbeitgeber der Gemeinde.

Verkehrsausbau

Vor dem Bau einer befestigten Talstrasse diente bei günstigen Wasserverhältnissen teilweise das breite Bachbett der Töss als Verkehrsweg. Die Tösstalstrasse wurde 1837 fertiggestellt.

Wiederholte Hochwasser verursachten schwere Schäden. Ab 1876 wurde die Töss korrigiert und in ein befestigtes Flussbett verlegt. Diese Arbeiten verbesserten den Hochwasserschutz und ermöglichten eine bessere Nutzung des Talbodens.

Von grosser Bedeutung war der Bau der Tösstalbahn zwischen 1872 und 1876. Die zunächst private Bahnlinie wurde 1918 von den Schweizerischen Bundesbahnen übernommen und 1951 elektrifiziert.[2]

Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Zell zunehmend zu einer Wohngemeinde im Einflussbereich von Winterthur. Neue Quartiere entstanden insbesondere in Kollbrunn und Rikon. Gleichzeitig blieb die Gemeinde ein Standort von Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft.

Die Bevölkerung stieg von 2892 Personen im Jahr 1950 auf 4008 im Jahr 1970 und 4595 im Jahr 2000.[3] Ende 2025 lebten rund 6850 Menschen in der Gemeinde.[1]

Rikon entwickelte sich zum administrativen Zentrum. Mit dem Bau des Gemeindezentrums wurden die zuvor auf verschiedene Ortsteile verteilten Verwaltungsaufgaben zusammengeführt.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet:

In Silber eine grüne, nach heraldisch links kriechende Weinbergschnecke.

Die Gemeinde übernahm das Wappen 1930. Die Schnecke war bereits 1845 auf einem Windlicht der Feuerwehr des Dorfes Zell dargestellt. Sie wurde später als redendes beziehungsweise sinnbildliches Wappenmotiv mit dem Namen Zell und dem Schneckenhaus als schützender Zelle verbunden.[5]

Bevölkerung

Zell zählt rund 6850 Einwohnerinnen und Einwohner. Diese verteilen sich auf mehrere räumlich voneinander getrennte Ortschaften. Kollbrunn ist mit mehr als 3000 Einwohnern der grösste Ortsteil, gefolgt von Rikon.

Das Bevölkerungswachstum wurde seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch neue Wohnquartiere und die gute Verkehrsanbindung an Winterthur begünstigt. Die Gemeinde verbindet ländlich geprägte Ortsteile mit ehemaligen Industrie- und heutigen Wohnsiedlungen.

In Zell leben Menschen aus mehr als 70 Nationen. Die Alltagssprache ist überwiegend Schweizerdeutsch, während Behörden und Schulen Schweizer Hochdeutsch verwenden.[6]

Politik und Verwaltung

Die Legislative der politischen Gemeinde ist die Gemeindeversammlung. Die Stimmberechtigten entscheiden dort unter anderem über das Budget, die Jahresrechnung, kommunale Erlasse, Bauvorhaben und andere wichtige Sachgeschäfte.

Die Exekutive bildet der Gemeinderat. Er leitet die Gemeinde, setzt die Beschlüsse der Gemeindeversammlung um und beaufsichtigt die Verwaltung.

Die Gemeindeverwaltung befindet sich am Spiegelacker 5 in Rikon. Die Verlagerung des administrativen Zentrums nach Rikon entspricht dessen zentraler Lage innerhalb des langgestreckten Gemeindegebiets.

Zell arbeitet in verschiedenen Aufgabenbereichen mit den Gemeinden des Tösstals, der Region Winterthur und kantonalen Stellen zusammen. Dazu gehören der öffentliche Verkehr, der Hochwasserschutz, die soziale Versorgung, die Abfallentsorgung und die regionale Planung.

Wirtschaft

Die wirtschaftliche Entwicklung Zells wurde während des 19. und 20. Jahrhunderts stark von der Textilindustrie geprägt. Zahlreiche Arbeitsplätze entstanden in den Spinnereien und Webereien von Kollbrunn, Rikon und Rämismühle.

Nach dem Niedergang der Textilindustrie wandelte sich die Wirtschaftsstruktur. Heute bestehen in der Gemeinde Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe unterschiedlicher Grösse. Schwerpunkte befinden sich insbesondere in Rikon und Kollbrunn.

Die Landwirtschaft ist auf den Hochflächen und an den Talhängen weiterhin von Bedeutung. Sie umfasst Viehhaltung, Milchwirtschaft, Ackerbau und Futterproduktion. Die bewaldeten Gebiete werden forstwirtschaftlich genutzt.

Viele Erwerbstätige pendeln nach Winterthur, Zürich oder in andere Gemeinden der Region. Aufgrund ihrer Verkehrsanbindung und der vorhandenen Gewerbeflächen ist Zell zugleich ein regionaler Arbeitsstandort.

Die Gemeinde trägt das Label Energiestadt. Damit verpflichtet sie sich zu einer nachhaltigen kommunalen Energie-, Verkehrs- und Umweltpolitik.

Verkehr

Zell wird durch die Tösstalbahn erschlossen. Auf dem Gemeindegebiet liegen die Bahnhöfe beziehungsweise Haltestellen Kollbrunn, Rikon und Rämismühle-Zell. Die Bahnstrecke verbindet die Gemeinde mit Winterthur, Turbenthal, Bauma und Rüti.

Die Züge sind in das Netz der S-Bahn Zürich und des Zürcher Verkehrsverbunds eingebunden. Ergänzende Busverbindungen erschliessen die einzelnen Ortsteile und benachbarten Gemeinden.

Die Tösstalstrasse bildet die wichtigste Strassenverbindung. Sie folgt weitgehend dem Talboden und verbindet Winterthur über Zell mit Turbenthal und dem oberen Tösstal. Weitere Strassen führen über die Hänge nach Weisslingen, Wildberg, Schlatt und Kyburg.

Ein dichtes Netz von Wander- und Velowegen erschliesst die Wälder, Flussufer und Höhenzüge. Der Tössuferweg gehört zu den beliebten Naherholungsrouten der Region.

Bildung

Die Schulen Zell umfassen Kindergarten, Primarschule und Sekundarstufe. Schulstandorte befinden sich in mehreren Ortsteilen. Die Sekundarschule und die zentrale Schulverwaltung liegen in Rikon.

Zum Bildungsangebot gehören schulergänzende Tagesstrukturen, sonderpädagogische Angebote und Schulsozialarbeit. Weiterführende Schulen, Gymnasien und Berufsfachschulen werden vor allem in Winterthur besucht.

Die dezentrale Siedlungsstruktur stellt besondere Anforderungen an Schülertransporte, Tagesbetreuung und die Verteilung der Schulanlagen.

Religion

Reformierte Kirche Zell

Die reformierte Kirche Zell steht im historischen Dorfkern und geht auf eine mittelalterliche Vorgängeranlage zurück. Bei ihrer Restaurierung im Jahr 1958 wurden römische Fundamentreste sowie ältere Mauerzüge freigelegt.

Der heutige Kirchenbau entstand durch mehrere Umbauten. Die Kirche wurde 2002 umfassend renoviert. Zusammen mit den umliegenden historischen Gebäuden prägt sie das geschützte Ortsbild von Zell.[1]

Tibet-Institut Rikon

Das Tibet-Institut Rikon wurde in den 1960er-Jahren als klösterliches und kulturelles Zentrum für tibetische Flüchtlinge gegründet. Die Initiative ging wesentlich von der Industriellenfamilie Kuhn aus, die tibetische Flüchtlinge in Rikon beschäftigte und unterstützte.

Das 1968 eröffnete Institut war das erste tibetisch-buddhistische Kloster ausserhalb Asiens. Da die schweizerische Gesetzgebung damals die Errichtung eines Klosters im traditionellen rechtlichen Sinn erschwerte, wurde es als Institut organisiert.

Das Zentrum dient der Bewahrung der tibetischen Religion, Sprache und Kultur. Es verfügt über eine bedeutende Bibliothek und wird von Mönchen aus verschiedenen Traditionen des tibetischen Buddhismus betreut. Das Tibet-Institut machte Rikon international bekannt und ist ein wichtiges Symbol der tibetischen Gemeinschaft in der Schweiz.[2]

Neben der reformierten Kirchgemeinde und dem Tibet-Institut bestehen in der Gemeinde weitere christliche und religiöse Gemeinschaften. Die römisch-katholische Bevölkerung gehört zur katholischen Pfarrei der Region.

Sehenswürdigkeiten

Geschützter Dorfkern von Zell

Der kompakte Dorfkern von Zell umfasst die reformierte Kirche, historische Bauernhäuser und weitere architektonisch bedeutende Gebäude. Das Ensemble wurde vom Kanton als Ortsbild von überregionaler Bedeutung geschützt.[1]

Tüfelschilen

Die Tüfelschilen bei Kollbrunn ist eine bewaldete Tobellandschaft mit auffälligen Tuffsteinformationen. Kalkhaltiges Wasser lagerte über lange Zeit poröses Gestein ab und formte kleine Terrassen, Höhlen und Wasserfälle.

Im 19. Jahrhundert wurde dort Tuffstein als Baumaterial gewonnen. Unter anderem verwendete man ihn für Fabrikbauten in Rämismühle. Heute ist die Tüfelschilen ein geschütztes Naturgebiet und ein beliebtes Wanderziel.

Tibet-Institut Rikon

Die Gebäude des Tibet-Instituts verbinden traditionelle tibetische Gestaltungselemente mit europäischer Architektur. Zum Institut gehören ein Tempelraum, Wohnbereiche für die Mönche, eine Bibliothek und Gartenanlagen.

Industrieanlagen im Tösstal

Mehrere ehemalige Fabrikbauten in Kollbrunn, Rikon und Rämismühle erinnern an die Zeit der Industrialisierung. Sie dokumentieren die Entwicklung des Tösstals von einer landwirtschaftlich geprägten Region zu einem Zentrum der schweizerischen Textilindustrie.

Töss und Naherholungsgebiet

Die Töss und ihre Ufer bilden ein wichtiges Naherholungsgebiet. Wanderwege, Feuerstellen und Badeplätze werden von der lokalen Bevölkerung und von Gästen aus der Region Winterthur genutzt.

Die Höhenlagen bei Oberlangenhard und Unterlangenhard bieten weite Ausblicke über das Tösstal und bei guter Sicht bis zu den Glarner Alpen.

Kultur und Gemeindeleben

Das kulturelle und gesellschaftliche Leben verteilt sich auf die verschiedenen Ortsteile. Zahlreiche Sport-, Musik-, Kultur- und Freizeitvereine organisieren Veranstaltungen und fördern den Austausch innerhalb der Gemeinde.

Zu den traditionellen Anlässen gehört die Zeller Chilbi. Daneben finden Konzerte, Märkte, Ausstellungen, kirchliche Veranstaltungen und Vereinsfeste statt.

Eine besondere Rolle spielt das kulturelle Erbe der Industriezeit. Ehemalige Fabriken, Arbeiterhäuser und technische Anlagen erinnern an die wirtschaftliche Entwicklung des Tösstals.

Persönlichkeiten

  • Paul Burkhard (1911–1977), Komponist und Autor; lebte in Zell und schuf unter anderem das Lied O mein Papa sowie das musikalische Krippenspiel Zäller Wiehnacht
  • Jakob Stutz (1801–1877), Volksdichter und Schriftsteller; wurde in Isikon bei Hittnau geboren und wirkte zeitweise im Tösstal
  • Johann Jakob Stahel (1795–1852), Textilunternehmer und Mitinhaber einer Baumwollspinnerei in Rämismühle

Literatur

  • Hermann Kläui, Otto Sigg: Geschichte der Gemeinde Zell. Gemeinde Zell, Zell 1983.
  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band VIII: Der Bezirk Winterthur. Birkhäuser, Basel 1952.
  • Otto Sigg: Zell (ZH). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 26. Februar 2014.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Gemeinde Zell: Zell im Tösstal – natürlich, sympathisch, aktiv, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Gemeinde Zell: Geschichte der Gemeinde Zell, abgerufen am 26. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 Otto Sigg: Zell (ZH), in: Historisches Lexikon der Schweiz, 26. Februar 2014.
  4. Bühler, in: Historisches Lexikon der Schweiz.
  5. Gemeinde Zell: Wappen Zell, abgerufen am 26. Juli 2026.
  6. Gemeinde Zell: Integration, abgerufen am 26. Juli 2026.

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