Glarner Alpen
| Die Glarner Alpen vom Schweizer Mittelland aus gesehen | |
| Gebirgsgruppe | Alpen |
|---|---|
| Teil der | Zentralalpen und Nordostschweizer Alpen |
| Lage | Schweiz |
| Kantone | Glarus, Graubünden, Uri und St. Gallen |
| Höchster Gipfel | Tödi beziehungsweise Piz Russein |
| Maximale Höhe | 3614 m ü. M. |
| Wichtige Täler | Linthtal, Sernftal, Klöntal, Urnerboden, Maderanertal, Surselva, Calfeisental |
| Bedeutende Flüsse | Linth, Sernf, Vorderrhein, Seez, Tamina |
| Bedeutende Gletscher | Bifertenfirn, Claridenfirn, Hüfifirn, Limmernfirn, Glärnischfirn |
| Welterbe | UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona |
Die Glarner Alpen sind eine Gebirgsgruppe der Alpen in der östlichen Zentralschweiz. Ihr Kerngebiet liegt im Kanton Glarus; angrenzende Teile befinden sich in den Kantonen Graubünden, Uri und St. Gallen. Höchster Gipfel ist der 3614 Meter hohe Tödi, dessen höchster Punkt den rätoromanischen Namen Piz Russein trägt.[1]
Die Gebirgsgruppe umfasst stark vergletscherte Hochgebirgsmassive ebenso wie ausgedehnte Voralpen, Karstlandschaften, Alpweiden und tief eingeschnittene Täler. Zu den bekanntesten Teilgebieten gehören die Tödi- und Claridengruppe, der Glärnisch, die Kärpfgruppe, die Hausstockgruppe sowie die Gebirgslandschaft um den Piz Sardona, die Tschingelhörner und den Ringelspitz.
Von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung ist die Glarner Hauptüberschiebung. Entlang dieser weithin sichtbaren geologischen Linie liegen ältere Gesteine über deutlich jüngeren Schichten. Ein grosser Teil der östlichen Glarner Alpen gehört seit 2008 zum UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona.[2]
Begriff und Abgrenzung
Die Grenzen der Glarner Alpen sind nicht in allen geografischen und alpinistischen Einteilungen identisch. Der Name wird sowohl für das Gebirge rund um das Glarner Haupttal als auch für eine grössere Gruppe der Nordostschweizer Alpen verwendet.
Im engeren Sinn werden dazu vor allem die Berge im Einzugsgebiet der Linth südlich des Walensees gezählt. Dazu gehören der Tödi, der Glärnisch, der Clariden, der Kärpf, der Hausstock und die Bergketten rund um das Sernftal.
In einem weiteren alpinistischen Verständnis erstreckt sich die Gebirgsgruppe:
- von der Linthebene und dem Walensee im Norden;
- bis zum Vorderrheintal beziehungsweise zur Surselva im Süden;
- vom Reusstal und dem Klausenpassgebiet im Westen;
- bis zum Rheintal, zum Sarganserland und zum Seeztal im Osten.
Bei dieser weiten Abgrenzung werden auch der Oberalpstock, der Ringelspitz, die Sardonagruppe, die Tschingelhörner und teilweise die Grauen Hörner den Glarner Alpen zugerechnet. Andere Einteilungen behandeln einzelne dieser Gebiete als Teile der Urner, Bündner oder St. Galler Alpen.
Die Bezeichnung ist somit keine administrative oder amtlich exakt vermessene Raumeinheit. Sie beschreibt eine naturräumlich, geologisch und alpinistisch zusammenhängende Gebirgslandschaft.
Lage und Landschaft
Die Glarner Alpen liegen zwischen dem Schweizer Mittelland und dem Alpenhauptkamm. Sie erheben sich auf vergleichsweise kurzer horizontaler Distanz von der Linthebene bis zu mehr als 3600 Metern Höhe.
Im Norden öffnen sich die Täler in Richtung Walensee, Zürichsee und Schweizer Mittelland. Nach Süden fallen die Gebirgsketten zur Surselva und zum Vorderrhein ab. Die westlichen Hänge entwässern teilweise zur Reuss, während die östlichen Gebiete über Seez, Tamina und Alpenrhein entwässert werden.
Die Landschaft ist durch grosse Höhenunterschiede gekennzeichnet. Tief eingeschnittene Täler werden von steilen Kalk- und Schieferwänden, bewaldeten Hängen, Alpterrassen und hochalpinen Gipfelregionen umgeben.
Die Täler verlaufen überwiegend entlang geologischer Schwächezonen. Gletscher und Fliessgewässer formten Trogtäler, Schluchten, Felsterrassen, Moränen und Schwemmebenen. Bergstürze, Lawinen und Murgänge veränderten die Landschaft zusätzlich.
Glarner Haupttal
Das Glarner Haupttal wird von der Linth durchflossen. Es erstreckt sich von Linthal im Süden über Rüti, Diesbach, Hätzingen, Luchsingen, Schwanden und Glarus bis zur Linthebene.
Das Tal ist von hohen und teilweise sehr steilen Bergflanken umgeben. Im Süden beherrschen Tödi, Bifertenstock, Ortstock und Clariden die Landschaft. Weiter nördlich prägen Glärnisch, Schilt und Rautispitz das Panorama.
Die Ortschaften liegen überwiegend auf Schwemmkegeln, Flussterrassen und flacheren Talabschnitten. Die engen räumlichen Verhältnisse beeinflussten Siedlungsentwicklung, Industrie, Verkehr und Schutz vor Naturgefahren.
Sernftal
Das Sernftal zweigt bei Schwanden nach Osten vom Linthtal ab. Der Sernf durchfliesst die Dörfer Engi, Matt und Elm.
Das Tal wird vom Kärpfmassiv im Westen sowie von den Bergen der Hausstock- und Sardonagruppe im Osten und Süden begrenzt. Der Panixerpass verbindet Elm mit der Surselva.
Bei Elm sind die Glarner Hauptüberschiebung, die Tschingelhörner und das Martinsloch besonders gut sichtbar. Das Gebiet gehört zu den bekanntesten geologischen Landschaften der Schweiz.
Klöntal
Das Klöntal liegt westlich von Glarus und wird vom Glärnisch im Süden sowie von Voralpenketten im Norden umschlossen.
Im Tal liegt der Klöntalersee, ein natürlicher Bergsturzsee, dessen Wasserstand für die Stromproduktion reguliert wird. Steile Felswände, Wälder und Alpweiden prägen das Landschaftsbild.
Das Klöntal ist ein wichtiges Naherholungsgebiet. Wanderwege führen unter anderem zur Glärnischhütte, zum Pragelpass und in Richtung Muotatal.
Urnerboden und Schächentaler Seite
Der Urnerboden liegt westlich des Klausenpasses und gehört politisch zum Kanton Uri. Die ausgedehnte Alp wird von den Nordwänden des Clariden und weiterer Glarner Hochgipfel überragt.
Über den Fisetenpass bestehen Übergänge in das Glarnerland. Der Claridenpass und der Hüfipass verbinden die Gletschergebiete des Kantons Glarus mit dem Maderanertal.
Die hohen Bergketten bilden hier die Wasserscheide zwischen Linth und Reuss.
Surselva
Die südlichen Flanken von Tödi, Bifertenstock, Hausstock und Oberalpstock fallen zur Surselva ab. Täler wie das Val Russein, das Val Frisal und das Val Punteglias führen vom Vorderrhein tief in das Gebirge.
Die Südseite ist stellenweise trockener und stärker von rätoromanischer Kultur geprägt. Zahlreiche Gipfel besitzen deshalb neben deutschen auch rätoromanische Namen.
Sardona- und Ringelspitzgebiet
Im Südosten gehen die Glarner Alpen in die Landschaft um Piz Sardona, Piz Segnas, Tschingelhörner und Ringelspitz über.
Das Gebiet liegt im Grenzraum der Kantone Glarus, Graubünden und St. Gallen. Es wird durch das Sernftal, das Vorderrheintal, das Calfeisental, das Weisstannental und die Flimser Landschaft erschlossen.
Der Piz Sardona gab dem UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona seinen Namen.[3]
Gebirgsgruppen
Die Glarner Alpen lassen sich in mehrere Teilgruppen gliedern. Die genaue Einteilung unterscheidet sich je nach Kartenwerk und alpinem Führer.
Tödi- und Bifertengruppe
Die Tödi- und Bifertengruppe bildet das höchste und am stärksten vergletscherte Gebiet der Glarner Alpen.
Der Tödi besteht aus mehreren Gipfeln. Höchster Punkt ist der Piz Russein mit 3614 Metern. Weitere Erhebungen des Massivs sind der Glarner Tödi und der Sandgipfel.
Östlich des Tödi erhebt sich der 3419 Meter hohe Bifertenstock, rätoromanisch Piz Durschin. Er gilt als zweithöchster bedeutender Gipfel des Glarner Kerngebiets und ist von ausgedehnten Firnflächen umgeben.[4]
Die Gipfel werden durch Bifertenfirn, Sandfirn, Tödifirn und weitere Gletscher geprägt. Die Hauptzugänge führen von Tierfehd und den Fridolinshütten, von der Planurahütte sowie von der Bündner Seite über das Val Russein und das Val Punteglias.
Claridengruppe
Die Claridengruppe liegt westlich und nordwestlich des Tödi. Ihr namensgebender Gipfel ist der 3267 Meter hohe Clariden.[5]
Der vergletscherte Höhenzug erstreckt sich zwischen dem Klausenpass, dem Urnerboden, dem Hüfital und dem hinteren Linthtal. Weitere Gipfel sind Schärhorn, Chammliberg, Gemsfairenstock und Gross Düssi.
Der Claridenfirn und der Hüfifirn bilden ausgedehnte Gletscherflächen. Der Claridenpass beziehungsweise Hüfipass ist ein breiter Gletschersattel auf der Grenze zwischen Glarus und Uri.[6]
Glärnischgruppe
Der Glärnisch erhebt sich unmittelbar westlich des Hauptortes Glarus und bildet eine weithin sichtbare Kalksteinmauer.
Das Massiv besitzt mehrere Hauptgipfel. Am bekanntesten ist das 2904 Meter hohe Vrenelisgärtli. Weitere Erhebungen sind der 2901 Meter hohe Ruchen und der Bächistock.
Der Glärnischfirn liegt zwischen den Gipfelkämmen. Trotz seiner für die Alpen vergleichsweise geringen Höhe hielt sich auf dem abgeschatteten Hochplateau lange eine bedeutende Eisfläche.
Die Glärnischhütte dient als wichtigster Ausgangspunkt für Hochtouren im Massiv. Die Normalroute auf das Vrenelisgärtli wird vom Schweizer Alpen-Club als Gletschertour eingestuft.[7]
Kärpfgruppe
Die Kärpfgruppe liegt zwischen dem Linthtal und dem Sernftal. Ihr höchster Gipfel ist der 2794 Meter hohe Kärpf.
Das Massiv besitzt weniger ausgedehnte Gletscher als die Tödi- und Claridengruppe. Es wird durch alpine Matten, Felsgrate, kleine Seen und weite Hochflächen geprägt.
Ein grosser Teil gehört zum ältesten Wildschutzgebiet Europas, dem Freiberg Kärpf. Die Leglerhütte ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Wanderungen, Skitouren und Gipfelbesteigungen.
Hausstockgruppe
Der 3158 Meter hohe Hausstock steht südlich von Elm auf der Grenze zwischen den Kantonen Glarus und Graubünden.[8]
Das Massiv wird im Westen vom Sernftal und im Süden von der Surselva begrenzt. Der Panixerpass trennt es teilweise von den westlich anschliessenden Tödi- und Bifertengebieten.
Der Hausstock ist ein bekanntes Skitourenziel. Seine langen Grate und steilen Flanken verlangen jedoch alpine Erfahrung.
Sardonagruppe
Zur Sardonagruppe gehören der 3099 Meter hohe Piz Segnas, der 3056 Meter hohe Piz Sardona, die Tschingelhörner und weitere Gipfel um den Segnespass.
Der Piz Segnas ist der höchste Gipfel dieser Teilgruppe.[9] Der Piz Sardona wird auch Surenstock genannt.[10]
Die Tschingelhörner besitzen gezackte Gipfel und steile Felswände. Durch eine natürliche Öffnung im Grossen Tschingelhorn, das Martinsloch, scheint die Sonne an bestimmten Tagen bis zur Kirche von Elm.
Ringelspitzgruppe
Der 3247 Meter hohe Ringelspitz beziehungsweise Piz Barghis ist der höchste Berg des Kantons St. Gallen.[11]
Das Massiv erhebt sich zwischen dem Calfeisental, dem Taminatal und der Bündner Rheintalseite. Die Ringelspitzhütte und die Sardonahütte dienen als alpine Stützpunkte.
Je nach Gebirgseinteilung wird auch der Calanda nordöstlich des Ringelspitzes zu den Glarner Alpen oder als selbstständige Gruppe gerechnet.
Oberalpstockgruppe
Im Südwesten schliesst die Gruppe um den Oberalpstock an. Der auch Piz Tgietschen genannte Berg erreicht 3328 Meter und ist ringsum von Gletschern umgeben.[12]
Das Gebiet liegt zwischen dem Maderanertal, dem Etzlital und der Surselva. Manche Gebirgseinteilungen rechnen es zu den Urner Alpen, andere zu den Glarner Alpen.
Bedeutende Gipfel
| Gipfel | Höhe | Lage und Bedeutung |
|---|---|---|
| Tödi / Piz Russein | 3614 m | Höchster Gipfel der Glarner Alpen und des Kantons Glarus |
| Bifertenstock / Piz Durschin | 3419 m | Stark vergletscherter Gipfel östlich des Tödi |
| Oberalpstock / Piz Tgietschen | 3328 m | Grenzbereich zwischen Glarner und Urner Alpen |
| Clariden | 3267 m | Bedeutender Gletscherberg oberhalb des Urnerbodens |
| Ringelspitz / Piz Barghis | 3247 m | Höchster Berg des Kantons St. Gallen |
| Hausstock | 3158 m | Markanter Grenzgipfel zwischen Glarus und Graubünden |
| Piz Segnas | 3099 m | Höchster Gipfel der Sardonagruppe |
| Piz Sardona | 3056 m | Namensgeber der Tektonikarena Sardona |
| Vrenelisgärtli | 2904 m | Bekanntester Gipfel des Glärnischmassivs |
| Kärpf | 2794 m | Hauptgipfel der Kärpfgruppe |
| Ortstock | 2717 m | Markanter Kalkberg oberhalb von Braunwald |
Pässe und Übergänge
Die hohen Gebirgsketten erschwerten lange Zeit den Verkehr zwischen den Tälern. Zahlreiche Saumwege und alpine Übergänge hatten dennoch lokale und regionale Bedeutung.
Klausenpass
Der Klausenpass verbindet Linthal im Kanton Glarus mit dem Schächental und Altdorf im Kanton Uri.
Die Passstrasse führt über den Urnerboden. Sie bildet zugleich eine wichtige Grenze zwischen der Claridengruppe im Süden und den nördlich anschliessenden Voralpen.
Panixerpass
Der Panixerpass verbindet Elm mit Pigniu und Ilanz in der Surselva. Der Übergang liegt auf 2407 Metern.
Im Oktober 1799 überquerte die russische Armee unter General Alexander Suworow den verschneiten Pass. Hunger, Kälte und schwierige Geländeverhältnisse führten zu grossen Verlusten bei Menschen, Pferden und Material.
Heute ist der Panixerpass Teil eines alpinen Wanderwegs. Eine einfache Schutzhütte steht auf der Passhöhe.
Kistenpass
Der Kistenpass verbindet das hintere Linthtal mit Brigels in der Surselva. Der Übergang verläuft zwischen Tödi- und Hausstockgebiet.
Die Kistenpasshütte liegt auf einem Felssporn oberhalb der Route. Der Pass wird heute hauptsächlich von Bergwandernden genutzt.
Segnespass
Der Segnespass verbindet Elm mit Flims. Er führt unmittelbar durch das Gebiet der Tschingelhörner und der Glarner Hauptüberschiebung.
Der Pass war ein historischer Vieh- und Warenübergang. Heute gehört er zu den wichtigsten Wanderverbindungen innerhalb der Tektonikarena Sardona.
Richetlipass
Der Richetlipass verbindet das hintere Sernftal mit dem oberen Linthtal. Er trennt die Kärpfgruppe von den südlich anschliessenden Gebirgszügen.
Clariden- und Hüfipass
Der Claridenpass beziehungsweise Hüfipass ist ein vergletscherter Übergang zwischen dem hinteren Glarnerland und dem Maderanertal.
Die Route ist keine gewöhnliche Passwanderung, sondern eine Hochtour über Gletscher. Sie verbindet die Planurahütte, Claridenhütte und Hüfihütte.
Gewässer
Die Glarner Alpen sind ein wichtiges Quellgebiet. Fast sämtliche Gewässer gelangen über verschiedene Wege in das Flusssystem des Rheins.
Linth
Die Linth entspringt im Tödi- und Claridengebiet. Ihre Quellbäche sammeln Schmelz-, Regen- und Grundwasser aus dem hinteren Glarnerland.
Sie durchfliesst das gesamte Glarner Haupttal und gelangt über den Escherkanal in den Walensee. Anschliessend fliesst das Wasser durch den Linthkanal in den Zürichsee und über Limmat und Aare zum Rhein.
Sernf
Der Sernf entwässert das Sernftal. Er entsteht aus zahlreichen Bergbächen bei Elm und mündet bei Schwanden in die Linth.
Starke Niederschläge und Schneeschmelze können den Wasserstand rasch ansteigen lassen. Der Fluss und seine Zuflüsse wurden deshalb an zahlreichen Stellen verbaut.
Vorderrhein und Seitenbäche
Die südlichen Flanken des Gebirges entwässern über Bäche wie den Russein, den Flem und weitere Zuflüsse zum Vorderrhein.
Das Wasser fliesst durch die Rheinschlucht und den Alpenrhein weiter zum Bodensee und Rhein.
Seen und Stauseen
Zu den bedeutenden Seen gehören:
- der Klöntalersee;
- der Garichtisee;
- der Oberblegisee;
- der Muttsee;
- der Limmernsee;
- mehrere kleine Karseen und Gletscherseen.
Der Limmernsee und der Muttsee sind Bestandteile der Kraftwerksanlagen Linth-Limmern. Das hoch gelegene Pumpspeichersystem nutzt den Höhenunterschied zwischen den beiden Speichern zur Produktion und Speicherung elektrischer Energie.
Gletscher
Die höchsten Teile der Glarner Alpen sind vergletschert. Im Vergleich zu den Berner und Walliser Alpen sind die Gletscher kleiner, prägen aber weiterhin grosse Teile der Hochgebirgslandschaft.
Zu den wichtigsten Eisflächen gehören:
- Bifertenfirn;
- Claridenfirn;
- Hüfifirn;
- Limmernfirn;
- Sandfirn;
- Tödifirn;
- Glärnischfirn;
- Staldenfirn;
- Puntegliasgletscher.
Der Bifertenfirn liegt zwischen Tödi und Bifertenstock. Er bildet einen wichtigen Bestandteil der Normalroute von den Fridolinshütten auf den Tödi.
Der Claridenfirn erstreckt sich zwischen Clariden, Planurahütte und Claridenpass. Frühere Eisflächen reichten wesentlich näher an die Claridenhütte heran. Heute liegt vor der Hütte ein ausgedehntes Gletschervorfeld mit Schutt, jungen Böden und Pionierpflanzen.[13]
Der Hüfifirn fliesst auf der Urner Seite in Richtung Maderanertal. Der Glärnischfirn liegt in einer hoch gelegenen Mulde zwischen den Hauptgipfeln des Glärnisch.
Sämtliche Gletscher der Region verloren in den vergangenen Jahrzehnten erheblich an Fläche und Volumen. Der Rückgang verändert Routen, Wasserhaushalt, Landschaft und Naturgefahren. Neu freigelegte Felsflächen und Moränen werden instabil, während Randklüfte und Übergänge zwischen Fels und Eis schwieriger werden.[14]
Geologie
Die Glarner Alpen gehören zu den weltweit bedeutendsten Gebieten für die Erforschung der Gebirgsbildung.
Glarner Hauptüberschiebung
Die Glarner Hauptüberschiebung ist eine markante tektonische Grenzfläche. Entlang dieser Linie wurden alte Gesteinspakete über wesentlich jüngere Gesteine geschoben.
Oberhalb der Überschiebung liegen häufig rötliche oder grünlich-graue Verrucano-Gesteine, die vor etwa 250 bis 300 Millionen Jahren entstanden. Darunter befinden sich jüngere Kalk-, Schiefer- und Flyschgesteine, die teilweise nur etwa 35 bis 50 Millionen Jahre alt sind.[15]
Die Überschiebung entstand während der Alpenbildung. Durch die Annäherung der afrikanischen und europäischen Kontinentalplatten wurden Gesteinsschichten gefaltet, zerbrochen und als grosse Decken übereinandergeschoben.
Die tektonischen Bewegungen fanden vor Millionen Jahren in grosser Tiefe statt. Spätere Hebung und Erosion legten die heute sichtbaren Strukturen frei.
Erforschung
Hans Conrad Escher von der Linth beschrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts auffällige Gesteinsfolgen in den Glarner Alpen. Sein Sohn Arnold Escher von der Linth erkannte, dass ältere Gesteine über jüngeren lagen, scheute jedoch zunächst vor der weitreichenden Erklärung einer grossen Überschiebung zurück.
Albert Heim entwickelte die geologischen Vorstellungen weiter, vertrat zunächst aber ein kompliziertes Faltenmodell. Spätere Forschungen bestätigten, dass mächtige Gesteinsdecken über grosse Entfernungen verschoben worden waren.
Die Beobachtungen in den Glarner Alpen trugen entscheidend zur modernen Deckentheorie und zum Verständnis der Alpenbildung bei.[16]
Lochsite
Die Lochsite bei Sool und Schwanden ist eine besonders gut zugängliche Stelle der Glarner Hauptüberschiebung.
Dort trennt ein schmales helles Band aus Lochseitenkalk ältere Verrucano-Gesteine von jüngeren Flyschschichten. Die Aufschlussstelle wird für Forschung, Lehre und öffentliche Führungen genutzt.
Martinsloch und Tschingelhörner
An den Tschingelhörnern ist die Überschiebungslinie über grosse Distanz sichtbar. Die älteren Gesteine bilden die gezackten Gipfel, während jüngere Schichten darunterliegen.
Das Martinsloch ist eine natürliche, etwa durch Erosion entstandene Felsöffnung. Von Elm aus ist an wenigen Tagen im Frühjahr und Herbst zu beobachten, wie die Sonne durch das Loch auf den Ort scheint.[17]
UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona
Die Tektonikarena Sardona wurde 2008 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.
Das Welterbe umfasst eine Gebirgsfläche von 32'850 Hektaren in den Kantonen Glarus, Graubünden und St. Gallen. Innerhalb des Gebietes liegen sieben Gipfel mit einer Höhe von mehr als 3000 Metern.[2]
Die UNESCO würdigte das Gebiet als aussergewöhnliches Beispiel für Gebirgsbildung durch Kontinentalkollision. Die geologischen Strukturen sind dreidimensional sichtbar und vergleichsweise gut zugänglich.
Das Welterbe umfasst nicht die gesamten Glarner Alpen. Die westlichen Hochgebiete um Tödi, Clariden und Glärnisch liegen grösstenteils ausserhalb seiner Grenzen.
Zu den besonders bekannten Landschaften innerhalb des Welterbes gehören:
- Piz Sardona und Piz Segnas;
- Tschingelhörner und Martinsloch;
- Segnespass und Segnesböden;
- Ringelspitz;
- Calfeisental;
- Weisstannental;
- Lochsite;
- Flimser Bergsturz und Rheinschlucht.
Besucherzentren in Glarus, Elm, Flims und Sargans informieren über Geologie, Natur und Geschichte der Region.
Klima
Die Glarner Alpen liegen am Nordrand der Alpen und sind häufig feuchten Luftmassen aus westlichen und nördlichen Richtungen ausgesetzt.
An den Nordhängen fallen vergleichsweise grosse Niederschlagsmengen. Staulagen können intensive Regen- und Schneefälle verursachen. In höheren Gebieten bleibt der Schnee oft bis weit in den Sommer liegen.
Südlich der Hauptkämme ist das Klima teilweise trockener. Der Föhn kann in den Tälern kurzfristig hohe Temperaturen und starke Windgeschwindigkeiten verursachen.
Die grossen Höhenunterschiede führen zu ausgeprägten klimatischen Stufen. Während in der Linthebene ein mildes Voralpenklima herrscht, bestehen auf den höchsten Gipfeln hochalpine Bedingungen mit Frost, Schnee und Eis.
Der Klimawandel zeigt sich in steigenden Temperaturen, kürzerer Schneebedeckung, Gletscherrückgang und auftauendem Permafrost. Starkniederschläge und längere Trockenperioden stellen zusätzliche Herausforderungen dar.
Flora und Fauna
Die Vegetation reicht von Laubwäldern in den unteren Tälern bis zu hochalpinen Schutt- und Felsfluren.
In tieferen Höhen wachsen Buchen, Ahorne, Eschen und weitere Laubbäume. Mit zunehmender Höhe treten Fichten, Tannen, Bergföhren und Lärchen auf.
Oberhalb der Waldgrenze liegen Alpweiden, Zwergstrauchheiden und alpine Rasen. Kalkreiche und silikatische Gesteine schaffen unterschiedliche Lebensräume und eine hohe Vielfalt an Pflanzenarten.
Typische Tiere der Gebirgsregion sind:
- Steinbock;
- Gämse;
- Rothirsch;
- Reh;
- Murmeltier;
- Schneehase;
- Steinadler;
- Bartgeier;
- Alpenschneehuhn;
- Birkhuhn.
Freiberg Kärpf
Der Freiberg Kärpf wurde 1548 als Wildschutzgebiet eingerichtet und gilt als ältester noch bestehender Wildbannbezirk Europas.
Das Schutzgebiet umfasst grosse Teile der Kärpfgruppe. Es dient dem Schutz von Wildtieren und ihren Lebensräumen, erlaubt aber weiterhin eine geregelte Alp-, Forst- und Freizeitnutzung.
Wald und Schutzfunktion
Die Wälder der Glarner Alpen schützen Siedlungen und Verkehrswege vor Lawinen, Steinschlag, Murgängen und Erosion.
Ihre Pflege ist besonders an steilen Hängen wichtig. Klimawandel, Trockenheit, Stürme und Schädlinge erschweren den langfristigen Erhalt stabiler Schutzwälder.
Besiedlung und Kulturlandschaft
Die Hochgebirgsregionen sind unbewohnt. Dauersiedlungen konzentrieren sich auf die Talböden, Schwemmkegel und sonnigen Terrassen.
Über Jahrhunderte prägten Viehzucht, Milchwirtschaft und Alpwirtschaft das Leben. Zahlreiche Alpen werden noch heute während der Sommermonate bestossen.
Typische Elemente der Kulturlandschaft sind:
- Alpweiden und Weidezäune;
- Ställe, Sennhütten und Speicher;
- Saumwege und Steinbrücken;
- Schutzwälder;
- Trockenmauern;
- Kapellen und Wegkreuze;
- historische Wasserfassungen und Kraftwerksanlagen.
Im Glarnerland entwickelte sich seit dem 18. und 19. Jahrhundert eine bedeutende Textilindustrie. Die Wasserkraft der Linth, des Sernf und ihrer Nebenbäche trieb Fabriken und Maschinen an.
Die Gebirgslandschaft lieferte ausserdem Holz, Schiefer, Kalkstein und weitere Rohstoffe. Der Abbau veränderte einzelne Hänge und Täler teilweise stark.
Bergbau und Steinabbau
Im Sernftal wurde während Jahrhunderten Schiefer gewonnen. Der Landesplattenberg Engi dokumentiert heute die Geschichte des Abbaus und die Arbeitsbedingungen unter Tage.
In Elm führte der unsachgemässe Schieferabbau am Tschingelberg zu einer Destabilisierung des Hanges. Am 11. September 1881 lösten sich mehrere Millionen Kubikmeter Fels.
Der Bergsturz tötete 114 Menschen, zerstörte 83 Gebäude und verschüttete rund 90 Hektaren Land.[18]
Das Ereignis gehört zu den schwersten Bergsturzkatastrophen der neueren Schweizer Geschichte. Es verdeutlichte die möglichen Folgen menschlicher Eingriffe in instabile Gebirgshänge.
Wasserkraft
Die grossen Höhenunterschiede und hohen Niederschläge bieten günstige Voraussetzungen für die Wasserkraftnutzung.
Kraftwerksanlagen befinden sich unter anderem im Linth-Limmern-Gebiet, am Klöntalersee, im Sernftal und an weiteren Zuflüssen der Linth.
Das Pumpspeicherwerk Linth-Limmern verbindet den Limmernsee mit dem höher gelegenen Muttsee. Bei grossem Stromangebot wird Wasser hinaufgepumpt; bei hoher Nachfrage fliesst es durch Turbinen zurück.
Die Anlagen besitzen nationale Bedeutung für die Stromproduktion und Netzstabilität. Gleichzeitig veränderten Stauseen, Druckleitungen, Stollen und Hochspannungsanlagen die Gebirgslandschaft.
Geschichte des Alpinismus
Die Glarner Alpen spielten eine wichtige Rolle in der frühen Erforschung und touristischen Erschliessung der Schweizer Hochalpen.
Erstbesteigung des Tödi
Pater Placidus a Spescha unternahm mehrere Versuche, den Tödi von der Bündner Seite aus zu besteigen.
Im September 1824 erreichten die von ihm beauftragten Gemsjäger Placi Curschellas aus Trun und Augustin Bisquolm aus Disentis den Piz Russein über die Südwestseite. Ihre Besteigung gilt als erste dokumentierte Besteigung des höchsten Tödipunkts.[19]
Von der Glarner Seite aus folgten weitere Versuche und Besteigungen über den Bifertenfirn. Die lange und anspruchsvolle Route machte den Tödi zu einem bedeutenden Ziel des frühen Alpinismus.
Gründung des Schweizer Alpen-Clubs
Der Tödi war eng mit der frühen Geschichte des Schweizer Alpen-Clubs verbunden. Nach der Gründung des SAC im Jahr 1863 wurde am Grünhorn oberhalb der Fridolinshütten eine einfache Unterkunft errichtet.
Die Grünhornhütte war die erste vom Schweizer Alpen-Club gebaute Berghütte.[20]
Sie erleichterte den Zugang zum Tödi und wurde zum Symbol für den Aufbau des schweizerischen Hüttenwesens. Heute wird die historische Hütte als unbewarteter Schutzraum erhalten.
Bergführerwesen
1864 entstand im Glarnerland eine frühe Bergführerorganisation. Einheimische Führer begleiteten Gäste auf Tödi, Clariden, Glärnisch und weitere Gipfel.
Der Alpinismus schuf zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten in einer Region, die wirtschaftlich stark von Landwirtschaft und Industrie abhängig war.
Berghütten
In den Glarner Alpen bestehen zahlreiche Hütten des Schweizer Alpen-Clubs sowie private und kommunale Unterkünfte.
| Hütte | Höhe | Gebiet |
|---|---|---|
| Planurahütte SAC | 2947 m | Clariden- und Tödigebiet |
| Kistenpasshütte | 2714 m | Kistenpass |
| Camona da Cavardiras CAS | 2649 m | Oberalpstockgebiet |
| Muttseehütte SAC | 2501 m | Limmern- und Muttseegebiet |
| Bifertenhütte | 2482 m | Südseite des Bifertenstocks |
| Claridenhütte SAC | 2453 m | Claridengebiet |
| Grünhornhütte SAC | 2448 m | Tödigebiet |
| Hüfihütte SAC | 2334 m | Hüfifirn und Maderanertal |
| Camona da Punteglias CAS | 2311 m | Südseite von Tödi und Bifertenstock |
| Leglerhütte SAC | 2273 m | Kärpfgruppe |
| Sardonahütte SAC | 2158 m | Sardona- und Calfeisengebiet |
| Fridolinshütten SAC | 2111 m | Normalzugang zum Tödi |
| Martinsmadhütte SAC | 2002 m | Tschingelhörner und Segnespass |
| Ringelspitzhütte SAC | 1998 m | Ringelspitzgebiet |
| Glärnischhütte SAC | 1990 m | Glärnischmassiv |
Die Hütten dienen als Ausgangspunkte für Bergwanderungen, Hochtouren, Klettertouren und Skitouren. Einige liegen in vergletschertem Gelände und sind nur über alpine Wege erreichbar.
Der Gletscherrückgang verändert zahlreiche Zugänge. Hütten, die früher unmittelbar am Eis lagen, befinden sich heute teilweise weit vom Gletscherrand entfernt.
Bergsport und Tourismus
Die Glarner Alpen bieten ein breites Spektrum an Bergsportmöglichkeiten.
Wandern
Ein dichtes Netz markierter Wege erschliesst Täler, Alpen, Pässe und Aussichtspunkte.
Bekannte Fern- und Mehrtagestouren sind:
- der Sardona-Welterbe-Weg;
- die Via Alpina;
- die Route über den Segnespass;
- die Kistenpassroute;
- Übergänge zwischen Clariden-, Planura- und Fridolinshütte;
- Wanderungen im Freiberg Kärpf;
- Touren rund um den Klöntalersee.
Viele Wege verlaufen in anspruchsvollem alpinem Gelände. Wetterumschwünge, Altschneefelder und Steinschlag können auch im Sommer Gefahren darstellen.
Hochtouren
Tödi, Bifertenstock, Clariden, Oberalpstock, Ringelspitz und Glärnisch gehören zu den wichtigsten Hochtourenzielen.
Die Routen führen über Gletscher, Firnflanken, Felsgrate und teilweise steile Wände. Sie verlangen entsprechende Ausrüstung, Erfahrung und häufig eine Übernachtung in einer Berghütte.
Skitouren
Im Winter und Frühjahr werden zahlreiche Gipfel mit Tourenski bestiegen. Besonders bekannt sind Clariden, Hausstock, Kärpf, Tödi, Oberalpstock, Piz Sardona und Piz Segnas.
Die Kombination aus hohen Niederschlagsmengen, steilen Hängen und komplexem Gelände führt zu erheblicher Lawinengefahr. Aktuelle Lawinenbulletins und eine sorgfältige Tourenplanung sind deshalb unerlässlich.
= Klettern
Klettergebiete bestehen unter anderem am Glärnisch, im Mürtschengebiet, bei Braunwald, am Klausenpass und in den östlichen Gebirgsgruppen.
Das Gestein reicht von festem Kalkstein bis zu brüchigem Schiefer und Verrucano. Die Qualität kann innerhalb kurzer Distanz stark wechseln.
Wintersportorte
Touristisch erschlossene Wintersportgebiete befinden sich unter anderem in:
- Braunwald;
- Elm;
- Flumserberg;
- Pizol;
- Flims-Laax;
- Brigels;
- kleinere lokale Gebiete im Glarnerland.
Nicht alle dieser Feriengebiete liegen vollständig innerhalb jeder geografischen Abgrenzung der Glarner Alpen, sind jedoch eng mit der Gebirgslandschaft verbunden.
Verkehr und Erschliessung
Das Glarner Haupttal wird durch die Bahnstrecke von Ziegelbrücke nach Glarus, Schwanden und Linthal erschlossen.
Buslinien führen ins Sernftal, Klöntal und in kleinere Seitentäler. Seilbahnen verbinden Talorte mit Braunwald, Äugsten, Kies, Mettmen und weiteren Berggebieten.
Wichtige Strassenverbindungen sind:
- die Hauptstrasse durch das Linthtal;
- die Klausenpassstrasse;
- die Strasse ins Klöntal;
- die Zufahrten nach Elm und Tierfehd;
- die Bündner Strassen durch die Surselva;
- die Zufahrten in das Calfeisen- und Weisstannental.
Mehrere hoch gelegene Täler sind für den privaten Verkehr nur eingeschränkt oder saisonal erreichbar.
Naturgefahren
Steile Hänge, hohe Niederschläge und instabile Gesteinsschichten führen zu einer ausgeprägten Naturgefahrensituation.
Zu den wichtigsten Gefahren gehören:
- Lawinen;
- Fels- und Bergstürze;
- Steinschlag;
- Murgänge;
- Hochwasser;
- Rutschungen;
- Eisabbrüche;
- instabiler Permafrost.
Siedlungen und Verkehrswege werden durch Schutzwälder, Lawinenverbauungen, Galerien, Dämme, Geschiebesammler und Überwachungssysteme geschützt.
Die Katastrophe von Elm im Jahr 1881 zeigt, dass menschliche Eingriffe natürliche Instabilitäten verstärken können.
Der Klimawandel verändert die Gefahrenlage. Schmelzender Permafrost destabilisiert Felswände, während der Gletscherrückgang neue Seen, steile Moränen und ungeschützte Hänge entstehen lässt.
Kulturelle Bedeutung
Die Glarner Alpen prägen die Identität des Glarnerlands und der angrenzenden Regionen.
Der Tödi erscheint als beherrschender Gipfel in Kunst, Literatur, Tourismuswerbung und regionalen Symbolen. Die SAC-Sektion Tödi und zahlreiche Vereine, Unternehmen und Produkte tragen seinen Namen.
Das Vrenelisgärtli ist mit einer bekannten Sage verbunden. Nach verschiedenen Fassungen wurde eine junge Frau auf dem Berg von Schnee und Eis eingeschlossen, nachdem sie dort einen Garten angelegt oder den Gipfel aus Übermut betreten hatte.
Das Martinsloch besitzt ebenfalls eine starke kulturelle Bedeutung. Das zweimal jährlich auftretende Sonnenphänomen zieht zahlreiche Besucherinnen und Besucher nach Elm.
Alpaufzüge, Käseherstellung, Viehzucht und traditionelle Bewirtschaftungsformen sind eng mit der Gebirgslandschaft verbunden. Historische Wege, Hütten und Alpen dokumentieren die jahrhundertelange Nutzung des Hochgebirges.
Bedeutung
Die Glarner Alpen besitzen eine aussergewöhnliche Verbindung von Natur-, Wissenschafts-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte.
Sie sind:
- Lebens- und Wirtschaftsraum für die Bevölkerung der Täler;
- Quellgebiet bedeutender Flüsse;
- Standort wichtiger Wasserkraftanlagen;
- Forschungsgebiet von internationaler geologischer Bedeutung;
- Lebensraum zahlreicher alpiner Tier- und Pflanzenarten;
- Erholungs- und Tourismusregion;
- Schauplatz der frühen schweizerischen Alpinismusgeschichte.
Die Glarner Hauptüberschiebung machte das Gebirge zu einem Schlüsselgebiet für das Verständnis der Entstehung von Faltengebirgen. Das UNESCO-Welterbe Sardona bewahrt und vermittelt diesen wissenschaftlichen Wert.
Gleichzeitig stehen die Glarner Alpen vor grossen Veränderungen. Gletscherschwund, auftauender Permafrost, veränderte Niederschläge und zunehmende Nutzungskonflikte beeinflussen Landschaft, Naturgefahren, Energiegewinnung und Tourismus.
Literatur
- Emil Zopfi: Die Glarner Alpen. SAC-Verlag, Bern.
- Werner Küng, Hansueli Rhyner: Alpinführer Glarner Alpen. Schweizer Alpen-Club, Bern.
- Jakob Oberholzer: Geologie der Glarner Alpen. Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz.
- Rudolf Trümpy: Geology of Switzerland. A Guide-Book. Wepf, Basel.
- UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona: Die Entstehung der Alpen sichtbar gemacht.
- Schweizer Alpen-Club: SAC-Tourenportal: Glarner Alpen.
- Hans Lauper: Der Tödi und seine Geschichte. Glarus.
- Kanton Glarus: Naturgefahren und Schutzwald im Glarnerland.
Weblinks
- SAC-Tourenportal
- UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona
- Tektonikarena Sardona beim UNESCO World Heritage Centre
- Touristische Informationen zum Glarnerland
- Schweizerisches Gletschermessnetz GLAMOS
- Glarner Alpen im Kartenviewer des Bundes
Einzelnachweise
- ↑ Tödi/Piz Russein im SAC-Tourenportal, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Swiss Tectonic Arena Sardona, UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Top-Geoattraktionen der Tektonikarena Sardona, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Bifertenstock/Piz Durschin im SAC-Tourenportal, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Clariden im SAC-Tourenportal, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Claridenpass/Hüfipass, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Vrenelisgärtli im SAC-Tourenportal, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Hausstock im SAC-Tourenportal, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Piz Segnas im SAC-Tourenportal, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Piz Sardona/Surenstock im SAC-Tourenportal, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Ringelspitz/Piz Barghis im SAC-Tourenportal, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Oberalpstock/Piz Tgietschen im SAC-Tourenportal, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Claridenhütte SAC, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Schweizerisches Gletschermessnetz GLAMOS, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Staunen: Glarner Hauptüberschiebung, UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Geologie, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Martinsloch und Tschingelhörner, UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Elm, Gemeinde Glarus Süd, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Geschichte der Tödibesteigungen, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Grünhornhütte SAC, Schweizer Alpen-Club, abgerufen am 3. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Glarner Alpen