Zürich-Zug-Luzern-Bahn
| Zürich-Zug-Luzern-Bahn | |
|---|---|
| Abkürzung | ZZL |
| Unternehmensform | Eisenbahngesellschaft |
| Gründung | 1861 |
| Betriebsaufnahme | 1. Juni 1864 |
| Auflösung | 1. Januar 1892 |
| Sitz | Zürich |
| Muttergesellschaft | Schweizerische Nordostbahn |
| Spurweite | 1435 mm |
| Streckenlänge | rund 67 km |
| Nachfolger | Schweizerische Nordostbahn |
Die Zürich-Zug-Luzern-Bahn (ZZL) war eine schweizerische Eisenbahngesellschaft, die von 1861 bis 1892 bestand. Sie baute und betrieb die 1864 eröffnete Eisenbahnverbindung von Zürich über das Knonaueramt nach Zug und weiter nach Luzern. Die Gesellschaft war eng mit der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) verbunden und wurde 1892 vollständig von dieser übernommen.
Die von der ZZL errichteten Strecken bilden heute Teile der Bahnstrecke Zürich–Zug und der Bahnstrecke Zug–Luzern. Obwohl die direkte Hauptverbindung zwischen Zürich und Zug seit 1897 über Thalwil und Baar führt, ist die ursprüngliche Strecke durch das Knonaueramt weiterhin in Betrieb und gehört zum Netz der S-Bahn Zürich.
Vorgeschichte
Die Entstehung der Zürich-Zug-Luzern-Bahn ist eng mit den Konkurrenzkämpfen zwischen den privaten Schweizer Eisenbahngesellschaften in der Mitte des 19. Jahrhunderts verbunden.
1857 unterstützte Bundesrat Jakob Stämpfli die Gründung der Schweizerischen Ostwestbahn (OWB). Diese plante eine grosse Ost-West-Verbindung von La Neuveville über Biel, Bern, Langnau, Luzern und Zug nach Zürich.[1]
Die neue Bahn sollte insbesondere eine Konkurrenz zur Schweizerischen Centralbahn (SCB) bilden, die bereits wichtige Bahnverbindungen im schweizerischen Mittelland kontrollierte.
Die Ostwestbahn begann mit Bauarbeiten, obwohl ihre Finanzierung nicht ausreichend gesichert war. Bereits 1861 geriet die Gesellschaft in Konkurs. Die im Kanton Bern gelegenen Strecken und Projekte wurden von der neu gegründeten Bernischen Staatsbahn übernommen.
Für die bereits begonnenen Bahnprojekte zwischen Luzern, Zug und Zürich ergab sich dagegen eine andere Lösung.
Gründung
Die Schweizerische Nordostbahn übernahm aus der Konkursmasse der Ostwestbahn die Projektierung und die Konzession für die Verbindung Zürich–Zug–Luzern.
1861 verständigte sich die Nordostbahn mit den Kantonen Zürich, Zug und Luzern über die Gründung einer eigenen Gesellschaft für den Bau der Strecke. Daraus entstand die Zürich-Zug-Luzern-Bahn.[2]
Die ZZL war faktisch eine Tochtergesellschaft der Nordostbahn. Die NOB beteiligte sich massgeblich an der Finanzierung und übernahm auch wesentliche Aufgaben bei Planung und Betrieb.
Für die Fertigstellung der Verbindung Zürich Altstetten–Zug–Luzern wurden Kosten von ungefähr zwölf Millionen Franken veranschlagt, wovon die Nordostbahn etwa die Hälfte übernehmen sollte.[2]
Bau der Strecke
Die ursprüngliche Planung sah eine möglichst direkte Eisenbahnverbindung zwischen Zürich und Luzern unter Einbezug der Stadt Zug vor.
Die topografischen Verhältnisse machten eine einfache durchgehende Linienführung jedoch schwierig. Deshalb entstand im Gebiet der Kollermühle westlich von Zug ein grosses Gleisdreieck.
Dieses ermöglichte drei direkte Fahrbeziehungen:
- Zürich–Zug
- Zug–Luzern
- Zürich–Luzern
Dadurch konnten Züge zwischen Zürich und Luzern verkehren, ohne den damaligen Kopfbahnhof Zug anfahren und dort die Fahrtrichtung wechseln zu müssen.
Die Strecke von Zürich führte vom bestehenden Bahnhof Zürich Altstetten durch das Knonaueramt über Urdorf, Birmensdorf, Bonstetten, Affoltern am Albis, Mettmenstetten und Knonau in Richtung Zug.
Von der Kollermühle führte ein Streckenast zum Bahnhof Zug, während die Hauptverbindung über Cham und Rotkreuz nach Luzern weiterführte.
Eröffnung 1864
Die Strecken der Zürich-Zug-Luzern-Bahn wurden am 1. Juni 1864 eröffnet.[3]
Gleichzeitig gingen im Wesentlichen folgende Streckenabschnitte in Betrieb:
- Zürich Altstetten–Knonau–Kollermühle
- Kollermühle–Zug
- Kollermühle–Cham–Rotkreuz–Luzern
- die Verbindungskurve zwischen den Streckenästen Richtung Zürich und Luzern
Damit erhielten der Kanton Zug und das Knonaueramt erstmals einen Eisenbahnanschluss.
Für Rotkreuz hatte die Eröffnung besonders langfristige Folgen. Der damals noch kleine Ort erhielt 1864 eine Haltestelle an der neuen Bahn. Nach der Eröffnung weiterer Linien entwickelte sich Rotkreuz zu einem bedeutenden Eisenbahnknoten.[4]
Strecke nach Zürich
Die Strecke der ZZL begann betrieblich im Bahnhof Zürich Altstetten. Dort bestand Anschluss an die bereits 1847 eröffnete Bahnstrecke Zürich–Baden.
Für den Bau der neuen Linie wurde der Bahnhof Altstetten zu einem Abzweigbahnhof umgebaut. Das neue Stationsgebäude wurde nach Plänen des Architekten Jakob Friedrich Wanner errichtet.[1]
Die ZZL-Züge nutzten zwischen Zürich Altstetten und dem Zürcher Hauptbahnhof die bereits bestehende Strecke der Nordostbahn.
Die eigene Strecke führte von Altstetten zunächst in südwestlicher Richtung und anschliessend durch das Knonaueramt. Aufgrund dieser Linienführung wurde sie später auch als Knonauerstrecke oder Ämtlerlinie bezeichnet.
Für die Gemeinden des heutigen Bezirks Affoltern bedeutete die Eisenbahn eine erhebliche Verbesserung ihrer Verkehrsverbindungen nach Zürich und Zug.
Bahnhof Zug
Der erste Bahnhof Zug wurde ebenfalls 1864 eröffnet. Er lag ungefähr beim heutigen Bundesplatz und war als Kopfbahnhof angelegt.
Das Aufnahmegebäude stammte ebenfalls von Jakob Friedrich Wanner.
Die besondere Streckenführung führte dazu, dass Züge zwischen Zürich und Luzern den Bahnhof Zug nicht zwingend berühren mussten. Sie konnten über die Verbindungskurve des Gleisdreiecks bei der Kollermühle direkt zwischen Knonau und Cham verkehren.
Für Züge von Zürich nach Zug war dagegen der Streckenast zum Kopfbahnhof erforderlich.
Diese für Zug eher unbefriedigende Situation bestand bis zum grundlegenden Umbau der Bahnanlagen im Zusammenhang mit den neuen Bahnstrecken nach Thalwil und Arth-Goldau im Jahr 1897.
Strecke Zug–Luzern
Von Zug beziehungsweise der Kollermühle führte die Bahn über Cham, Rotkreuz und das Gebiet des heutigen Kantons Luzern in Richtung Bahnhof Luzern.
Die Strecke endete zunächst bei der Dienststation Untergrund, wo sie auf die bereits bestehende Strecke der Schweizerischen Centralbahn zwischen Luzern und Emmenbrücke traf.[1]
Für die Einfahrt in den Bahnhof Luzern mussten die Züge somit Anlagen der Centralbahn mitbenutzen.
Die Luzerner Bahnhofszufahrt wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach verändert. 1875 wurde im Zusammenhang mit der Einführung der Bern-Luzern-Bahn eine neue Zufahrt durch den Gibraltartunnel geschaffen.
1896 erfolgte mit dem Neubau des zweiten Luzerner Bahnhofs eine weitere grundlegende Neuordnung. Die Bahnstrecken wurden nun durch den Schönheim- und den Gütschtunnel in den Bahnhof eingeführt.
Bedeutung für den Verkehr Zürich–Luzern
Die Zürich-Zug-Luzern-Bahn schuf erstmals eine durchgehende Eisenbahnverbindung zwischen Zürich und Luzern.
Züge zwischen den beiden Städten konnten über Altstetten, das Knonaueramt, die Verbindungskurve bei der Kollermühle, Cham und Rotkreuz verkehren.
Die Stadt Zug lag dabei an einer Stichstrecke. Direkte Züge Zürich–Luzern konnten den Bahnhof Zug umgehen.
Die Strecke blieb während mehr als drei Jahrzehnten die wichtigste Bahnverbindung von Zürich in Richtung Zug und Zentralschweiz.
Gotthardbahn
Mit dem Bau der Gotthardbahn gewann die Strecke zusätzliche strategische Bedeutung.
1881 erreichte die Aargauische Südbahn von Muri her Rotkreuz. Im folgenden Jahr wurde die Verbindung von Rotkreuz über Immensee eröffnet. Damit erhielt Rotkreuz einen Anschluss an die Gotthardbahn.[4]
Nach der vollständigen Eröffnung der Gotthardbahn 1882 konnten Züge von Zürich über das Knonaueramt, Rotkreuz und Immensee in Richtung Gotthard verkehren.
Die Streckenführung war jedoch nicht optimal. Von Zürich nach Zug und weiter in Richtung Gotthard fehlte eine direkte Verbindung über die südliche Seite des Zugersees.
Deshalb wurden bereits früh direktere Zufahrtsstrecken vorgesehen.
Übernahme durch die Nordostbahn
Obwohl die Zürich-Zug-Luzern-Bahn formal als eigene Gesellschaft bestand, war sie wirtschaftlich und betrieblich eng mit der Schweizerischen Nordostbahn verbunden.
Am 1. Januar 1892 wurde die ZZL vollständig von ihrer Muttergesellschaft NOB übernommen und verlor damit ihre rechtliche Selbständigkeit.[1]
Damit endete die Geschichte der Zürich-Zug-Luzern-Bahn als eigenständige Eisenbahngesellschaft nach rund drei Jahrzehnten.
Die Nordostbahn selbst ging im Zuge der Verstaatlichung der grossen schweizerischen Privatbahnen 1902 in den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) auf.
Neue Gotthardzufahrt 1897
Eine grundlegende Veränderung brachte das Jahr 1897.
Am 1. Juni 1897 wurden die Bahnstrecke Thalwil–Zug und die Verbindung von Zug nach Arth-Goldau eröffnet. Damit entstand eine wesentlich direktere Bahnverbindung von Zürich über Thalwil, Baar und Zug in Richtung Gotthard.
Der alte Kopfbahnhof Zug wurde aufgegeben. An seiner Stelle entstand weiter nördlich ein neuer Bahnhof in Nord-Süd-Ausrichtung.
Seitdem verkehrten die wichtigen Fernverkehrszüge zwischen Zürich und Zug nicht mehr über das Knonaueramt, sondern über Thalwil und Baar.
Die frühere ZZL-Strecke Zürich Altstetten–Knonau–Zug verlor dadurch ihre Funktion als Hauptstrecke, blieb jedoch für den Regional- und Güterverkehr erhalten.
Gleisdreieck Kollermühle
Eine Besonderheit der ursprünglichen Zürich-Zug-Luzern-Bahn war das Gleisdreieck bei der Kollermühle.
Es bestand aus den Streckenrichtungen:
- Knonau–Zug
- Zug–Cham
- Knonau–Cham
Die Verbindung Knonau–Cham erlaubte direkte Fahrten zwischen Zürich und Luzern, ohne den Bahnhof Zug anzufahren.
Auch nach dem Bau der neuen Zürcher Zufahrt von Thalwil blieb diese Verbindung zunächst bestehen und wurde unter anderem von Güterzügen genutzt.
Am 19. November 1970 wurde die Verbindungskurve zwischen Steinhausen und Cham stillgelegt und anschliessend abgebaut.[5]
Damit verschwand das ursprüngliche Gleisdreieck der Zürich-Zug-Luzern-Bahn.
Weitere Entwicklung der Strecken
Die ehemaligen ZZL-Strecken wurden im 20. und 21. Jahrhundert umfassend modernisiert und teilweise zweigleisig ausgebaut.
Die Strecke durch das Knonaueramt wurde in das Netz der S-Bahn Zürich integriert. Seit der Eröffnung der Zürcher S-Bahn 1990 gewann die frühere Nebenstrecke wieder deutlich an Bedeutung.
Nach dem Ausbau auf Doppelspur und der Eröffnung des Zimmerberg-Basistunnels sowie weiterer Infrastruktur wird das Knonaueramt heute mit dichten S-Bahn-Verbindungen erschlossen.
Auch die Strecke zwischen Zug und Luzern entwickelte sich zu einer stark belasteten Hauptstrecke.
Mit der Einführung der Stadtbahn Zug im Dezember 2004 wurde das Regionalverkehrsangebot stark ausgebaut. Dafür entstanden zusätzliche Haltestellen und verschiedene Streckenabschnitte wurden auf Doppelspur erweitert.
Der Abschnitt Cham–Rotkreuz wurde im Dezember 2008 vollständig zweigleisig.
Heutige Bedeutung
Die Zürich-Zug-Luzern-Bahn existiert seit 1892 nicht mehr als Bahngesellschaft. Ihre Infrastruktur ist jedoch bis heute ein wichtiger Teil des Schweizer Eisenbahnnetzes.
Die einstige ZZL lässt sich im Wesentlichen in zwei heute bestehende Bahnstrecken gliedern:
| Historischer Abschnitt | Heutige Strecke | Bedeutung |
|---|---|---|
| Zürich Altstetten–Knonau–Zug | Bahnstrecke Zürich–Zug | Regionalverkehr und S-Bahn Zürich |
| Zug–Cham–Rotkreuz–Luzern | Bahnstrecke Zug–Luzern | Fernverkehr, Stadtbahn Zug und Regionalverkehr |
Die Verbindung über das Knonaueramt dient heute vor allem dem Zürcher S-Bahn-Verkehr. Der Abschnitt Zug–Luzern dagegen gehört weiterhin zur direkten Fernverkehrsachse Zürich–Zug–Luzern.
Die heutige Hauptverbindung Zürich–Zug benutzt allerdings nicht mehr die ursprüngliche ZZL-Strecke, sondern die 1897 eröffnete Strecke über Thalwil und Baar.
Historische Streckenführung
Die ursprüngliche Verbindung der Zürich-Zug-Luzern-Bahn führte über folgende wichtige Orte:
| Abschnitt | Wichtige Orte |
|---|---|
| Zürich–Knonau | Zürich – Altstetten – Urdorf – Birmensdorf – Bonstetten-Wettswil – Hedingen – Affoltern am Albis – Mettmenstetten – Knonau |
| Knonau–Zug | Knonau – Steinhausen – Kollermühle – Zug |
| Kollermühle–Luzern | Kollermühle – Cham – Rotkreuz – Gisikon-Root – Ebikon – Luzern |
Die genaue Zahl und Lage der Stationen veränderte sich im Lauf der Zeit. Zahlreiche heutige S-Bahn-Haltestellen entstanden erst Jahrzehnte nach der Eröffnung der Strecke.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Eisenbahn beeinflusste die Entwicklung vieler Orte entlang ihrer Strecke erheblich.
Im Knonaueramt verbesserte sie die Verbindung der ländlich geprägten Gemeinden mit der Stadt Zürich. Für Zug und Cham erleichterte sie den Personen- und Güterverkehr mit Zürich und Luzern.
Besonders ausgeprägt war die Wirkung in Rotkreuz. Der kleine Ort entwickelte sich nach der Eröffnung der Zürich-Zug-Luzern-Bahn und der späteren Kreuzung mit der Aargauischen Südbahn zu einem bedeutenden Verkehrsknoten und Eisenbahnort.[4]
Auch die spätere industrielle und wirtschaftliche Entwicklung des Kantons Zug wurde durch den Ausbau der Eisenbahnverbindungen wesentlich begünstigt.
Einordnung
Die Zürich-Zug-Luzern-Bahn gehört zu den zahlreichen privaten Eisenbahngesellschaften, die während der ersten grossen Phase des schweizerischen Eisenbahnbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden.
Ihre Geschichte zeigt zugleich die starke Konkurrenz zwischen den damaligen Bahnunternehmen. Das ursprüngliche Projekt der Ostwestbahn scheiterte finanziell, während die Nordostbahn wesentliche Teile des Projekts über ihre Tochtergesellschaft ZZL realisierte.
Mit der Übernahme durch die NOB 1892 und der späteren Verstaatlichung der Nordostbahn verschwanden diese Unternehmensstrukturen. Die von der ZZL geschaffenen Verkehrsachsen blieben hingegen erhalten und prägen das Bahnnetz zwischen Zürich, Zug und Luzern bis heute.
Siehe auch
- Bahnstrecke Zürich–Zug
- Bahnstrecke Zug–Luzern
- Bahnstrecke Thalwil–Zug
- Bahnstrecke Zug–Arth-Goldau
- Schweizerische Nordostbahn
- Schweizerische Ostwestbahn
- Bahnhof Zug
- Bahnhof Luzern
- Bahnhof Zürich Altstetten
- Stadtbahn Zug
- S-Bahn Zürich
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Zürich-Zug-Luzern-Bahn. In: Wikipedia. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 2,0 2,1 Zürich-Zug-Luzern-Bahn. In: Bahnweb.ch. 2023-05-02. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Bahnstrecke Zürich–Zug. In: Wikipedia. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Renato Morosoli: Rotkreuz. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).
- ↑ Bahnstrecke Zug–Luzern. In: Wikipedia. Abgerufen am 2026-08-25.