Historisches Lexikon der Schweiz

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Historisches Lexikon der Schweiz
Abkürzung HLS
Französischer Name Dictionnaire historique de la Suisse (DHS)
Italienischer Name Dizionario storico della Svizzera (DSS)
Rätoromanischer Name Lexicon istoric da la Svizra (LIS)
Art Wissenschaftliches historisches Online-Lexikon
Themengebiet Geschichte der Schweiz
Gründung 1988
Erste Online-Ausgabe 1998
Gedruckte Ausgabe 13 Bände, 2002–2014
Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch; Auswahl auf Rätoromanisch
Sitz Bern
Aussenstellen Mendrisio und Chur
Direktorin Sonja Matter
Trägerschaft Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Zugang kostenlos, ohne Registrierung
Website hls-dhs-dss.ch

Das Historische Lexikon der Schweiz (HLS) ist ein frei zugängliches, wissenschaftlich erarbeitetes und multimediales Online-Lexikon zur Geschichte der Schweiz. Die Website ist unter hls-dhs-dss.ch erreichbar und veröffentlicht ihre Inhalte parallel auf Deutsch, Französisch und Italienisch. Eine Auswahl der Artikel steht zudem in rätoromanischer Sprache zur Verfügung.

Das Lexikon behandelt die Geschichte des Gebiets der heutigen Schweiz von der Ur- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart. Neben der nationalen Geschichte berücksichtigt es regionale und lokale Entwicklungen sowie die grenzüberschreitenden und globalen Verflechtungen der Schweiz. Die Beiträge richten sich sowohl an Fachleute als auch an eine historisch interessierte Öffentlichkeit.[1]

Das HLS entstand ursprünglich als mehrbändiges gedrucktes Nachschlagewerk. Zwischen 2002 und 2014 erschienen in deutscher, französischer und italienischer Sprache jeweils dreizehn Bände. Bereits 1998 wurde parallel zur Vorbereitung der Druckausgabe eine elektronische Version im Internet veröffentlicht. Nach Abschluss des gedruckten Werks wurde das HLS zu einem fortlaufend aktualisierten digitalen Lexikon weiterentwickelt.

Bezeichnungen und Sprachversionen

Die Bezeichnung des Lexikons richtet sich nach der jeweiligen Sprachversion:

  • Auf Deutsch lautet der Name Historisches Lexikon der Schweiz, abgekürzt HLS.
  • Auf Französisch heisst das Werk Dictionnaire historique de la Suisse, abgekürzt DHS.
  • Auf Italienisch lautet die Bezeichnung Dizionario storico della Svizzera, abgekürzt DSS.
  • Die rätoromanische Ausgabe trägt den Namen Lexicon istoric da la Svizra, abgekürzt LIS.

Die drei umfangreichsten Sprachversionen auf Deutsch, Französisch und Italienisch beruhen grundsätzlich auf denselben Artikelkonzepten. Beiträge wurden für die jeweilige Ausgabe redaktionell bearbeitet und übersetzt. Dadurch ist das HLS eines der wenigen grossen historischen Nachschlagewerke, die systematisch in mehreren Sprachen parallel erscheinen.

Die rätoromanische Ausgabe stellt eine Auswahl aus dem Gesamtbestand bereit. Sie konzentriert sich insbesondere auf Personen, Orte, Familien und Sachthemen mit Bezug zu Graubünden und zur rätoromanischen Schweiz.

Die Internetadresse enthält die Abkürzungen der drei Hauptsprachversionen: HLS für Deutsch, DHS für Französisch und DSS für Italienisch. Die Sprache kann auf der Website über die jeweilige Sprachversion gewählt werden.

Gegenstand und Zielsetzung

Das Historische Lexikon der Schweiz vermittelt den aktuellen Forschungsstand zur schweizerischen Geschichte in wissenschaftlich fundierter, aber allgemein verständlicher Form. Es versteht sich als nationales Referenzwerk und arbeitet mit Universitäten, Archiven, Bibliotheken, Museen und weiteren Gedächtnisinstitutionen zusammen.[1]

Die Artikel behandeln sämtliche historischen Epochen. Das Spektrum reicht von archäologischen Kulturen und römischen Siedlungen über das Mittelalter, die Alte Eidgenossenschaft, die Helvetische Republik und die Entstehung des Bundesstaates bis zur Zeitgeschichte.

Das Lexikon beschränkt sich nicht auf politische Geschichte. Es umfasst auch Gesellschafts-, Wirtschafts-, Kultur-, Rechts-, Kirchen-, Militär-, Umwelt-, Technik-, Wissenschafts- und Geschlechtergeschichte.

Ein besonderes Merkmal ist die Verbindung nationaler, kantonaler, regionaler und lokaler Perspektiven. Artikel über Gemeinden, Städte, Kantone, historische Herrschaften und Landschaften stehen neben Biografien und übergreifenden Sachartikeln.

Die Redaktion betrachtet die Geschichte der Schweiz zudem nicht als isolierte Entwicklung. Neuere Beiträge thematisieren verstärkt Migration, Kolonialismus, internationale Wirtschaftsbeziehungen, grenzüberschreitende Räume und globale Verflechtungen.

Artikelarten

Der Bestand des HLS ist in mehrere grundlegende Artikelarten gegliedert.

Personenartikel

Biografische Artikel behandeln Personen, die für die Geschichte der Schweiz oder einzelner Regionen von Bedeutung sind. Dazu gehören Politiker, Unternehmer, Geistliche, Wissenschaftler, Künstler, Militärpersonen, Aktivisten und Vertreter zahlreicher weiterer Tätigkeitsbereiche.

Die Artikel enthalten üblicherweise Lebensdaten, Herkunft, Ausbildung, berufliche Tätigkeit und historische Bedeutung. Am Ende werden Quellen und weiterführende Literatur angegeben.

Neuere Redaktionsprojekte widmen sich verstärkt Personengruppen, die in älteren historischen Nachschlagewerken unterrepräsentiert waren. Dazu gehören insbesondere Frauen, Personen aus sozial benachteiligten Gruppen und Akteure mit Migrationsgeschichte.

Familienartikel

Familienartikel stellen bedeutende Geschlechter, Bürgerfamilien, Adelsfamilien und Unternehmerdynastien vor. Sie erläutern Herkunft, gesellschaftliche Stellung, politische Funktionen, wirtschaftliche Tätigkeiten und verwandtschaftliche Verbindungen.

Besonders häufig sind Familien vertreten, deren Angehörige über mehrere Generationen hinweg öffentliche Ämter ausübten oder Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft prägten.

Orts- und Raumartikel

Ortsartikel behandeln heutige und ehemalige Gemeinden, Städte, Dörfer, Weiler, Kantone, Regionen, Täler und historische Territorien. Sie enthalten Angaben zu Namen, Siedlungsentwicklung, Herrschaftsverhältnissen, Bevölkerung, Wirtschaft, Religion und politischer Organisation.

Bei Gemeinden werden häufig historische Einwohnerzahlen, frühere Namensformen und territoriale Veränderungen dokumentiert. Gemeindefusionen und Gebietsreformen werden bei der Überarbeitung der Artikel berücksichtigt.

Raumartikel können auch grenzüberschreitende Landschaften, historische Herrschaften und Regionen behandeln, deren Grenzen nicht mit den heutigen politischen Einheiten übereinstimmen.

Sachartikel

Sachartikel erläutern historische Begriffe, Institutionen, Ereignisse und langfristige Entwicklungen. Das Spektrum reicht von Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte bis zu Alltag, Ernährung, Gesundheit, Verkehr, Religion und Medien.

Umfangreiche Überblicksartikel können in chronologische oder thematische Unterabschnitte gegliedert sein. Viele Beiträge werden von mehreren Fachautoren verfasst.

Aufbau der Artikel

Die Beiträge des HLS folgen einem redaktionell festgelegten Aufbau. Am Anfang stehen die Artikelüberschrift und je nach Thema eine kurze Definition oder Einordnung.

Bei Personenartikeln werden Lebensdaten und Tätigkeitsbereiche angegeben. Ortsartikel beginnen häufig mit der politischen oder geografischen Zuordnung sowie historischen Namensformen.

Der Haupttext fasst den Forschungsstand in konzentrierter Form zusammen. Längere Artikel sind nach Zeitabschnitten oder Themen gegliedert.

Am Ende eines Beitrags stehen Angaben zur Autorschaft und zur Fassung des Artikels. Überarbeitete Beiträge können ein neues Publikations- oder Änderungsdatum tragen.

Ein Quellen- und Literaturapparat nennt Archive, Editionen, Monografien, Zeitschriftenbeiträge und weitere wissenschaftliche Veröffentlichungen. Die verwendeten Abkürzungen werden in eigenen Hilfeseiten erklärt.

Wissenschaftliche Arbeitsweise

Die Artikel werden von Historikern und weiteren Fachpersonen verfasst. Je nach Thema beteiligt das HLS Spezialisten aus Archäologie, Kunstgeschichte, Rechtsgeschichte, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften oder verwandten Disziplinen.

Die Redaktion prüft die Beiträge sprachlich, formal und wissenschaftlich. Sie koordiniert Übersetzungen und stellt sicher, dass die Sprachversionen aufeinander abgestimmt sind.

Als wissenschaftliches Nachschlagewerk nennt das HLS die Autorinnen und Autoren seiner Artikel. Damit unterscheidet es sich von gemeinschaftlich bearbeiteten Enzyklopädien, bei denen einzelne Beiträge keine fest ausgewiesene Verfasserschaft besitzen.

Die Redaktion veröffentlicht Richtlinien zur Wissenschaftlichkeit und ethische Leitlinien. Zu den Grundsätzen gehören eine nachvollziehbare Darstellung des Forschungsstandes, eine sachliche Sprache und die Berücksichtigung unterschiedlicher Forschungsperspektiven.

Artikel sind als wissenschaftliche Veröffentlichungen zitierbar. Neben Titel und Autorschaft sollte dabei die jeweilige Version oder das angegebene Publikationsdatum berücksichtigt werden.

Entstehungsgeschichte

Frühere Schweizer Lexika

Das HLS steht in einer langen Tradition schweizerischer Lexikografie. Bereits im 18. Jahrhundert entstanden mehrbändige Nachschlagewerke zur Geschichte und Geografie der Eidgenossenschaft.

Als unmittelbarer Vorgänger gilt das Historisch-Biographische Lexikon der Schweiz. Dieses erschien zwischen 1921 und 1934 und behandelte Personen, Familien, Orte und Sachthemen.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts veralteten zahlreiche Inhalte dieses Werks. Neue Forschungsmethoden, gesellschaftliche Veränderungen und die Erweiterung historischer Fragestellungen machten die Schaffung eines neuen Referenzwerks erforderlich.

Projektierung

Seit den 1950er-Jahren wurden wiederholt Vorschläge für ein neues schweizerisches Geschichtslexikon diskutiert. Eine konkrete Projektierungsphase begann Mitte der 1980er-Jahre.

Eine Arbeitsgruppe der Schweizerischen Akademie der Geisteswissenschaften entwickelte zwischen 1985 und 1987 das Konzept. Zu den wichtigen Aufgaben gehörten die Festlegung der Artikelstruktur, die Auswahl der Stichwörter, die Organisation der Sprachversionen und die Planung der Finanzierung.

1987 wurden die institutionellen Voraussetzungen für die Realisierung geschaffen. Das eigentliche Lexikonprojekt nahm am 1. Januar 1988 in Bern seine Arbeit auf.[2]

Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz

Für die Durchführung wurde die Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz geschaffen. An ihrer Errichtung waren die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften und die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte beteiligt.

Der Aufbau erforderte die Zusammenarbeit zahlreicher Autoren, wissenschaftlicher Berater, Übersetzer, Redaktoren und kantonaler Arbeitsstellen. Für die Orts- und Regionalgeschichte waren Kontakte zu den Kantonen und lokalen Institutionen besonders wichtig.

Marco Jorio leitete das Projekt von 1988 bis zum Abschluss der gedruckten Ausgabe als Chefredaktor. Unter seiner Leitung wurden die Stichwortliste, die redaktionellen Verfahren und die drei vollständigen Sprachfassungen aufgebaut.

Gedruckte Ausgabe

Die gedruckte Ausgabe erschien in dreizehn Bänden. Der erste Band wurde 2002 veröffentlicht, der dreizehnte und letzte Band im Jahr 2014.

Jede der drei Hauptsprachen erhielt eine eigene vollständige Ausgabe. Die deutsche Ausgabe erschien als Historisches Lexikon der Schweiz, die französische als Dictionnaire historique de la Suisse und die italienische als Dizionario storico della Svizzera.

Die Bände waren alphabetisch geordnet. Sie enthielten Artikel zu Personen, Familien, Orten und Sachthemen sowie Karten, Tabellen, Abbildungen und Literaturangaben.

Die drei vollständigen Ausgaben umfassten jeweils mehr als 36'000 Artikel. Da die Inhalte parallel in drei Sprachen veröffentlicht wurden, entstand ein Gesamtbestand von mehr als 100'000 sprachlich unterschiedlichen Artikelfassungen.

Gedruckte deutschsprachige Ausgabe
Band Erscheinungsjahr Alphabetischer Bereich
1 2002 Aa–Basel
2 2003 Basel–Bümpliz
3 2004 Bund–Ducros
4 2005 Dudan–Frowin
5 Fruchtbarkeit–Gyssling 2006
6 Haab–Juon 2007
7 Jura–Lobsigen 2008
8 Locarnini–Muoth 2009
9 Mur–Privilegien 2010
10 Pro–Schafroth 2011
11 Schaichet–StGB 2012
12 Stich–Vinzenz Ferrer 2013
13 Viol–Zyro 2014

Die alphabetischen Grenzen der einzelnen Bände können je nach Sprachfassung abweichen. Neben der dreizehnbändigen Hauptausgabe erschien eine rätoromanische Teilausgabe in zwei Bänden.

Erste Online-Ausgabe

Obwohl das HLS zunächst als gedrucktes Werk geplant war, berücksichtigte das Projekt früh die elektronische Speicherung und Weiterverwendung seiner Inhalte.

1998 ging die erste Online-Ausgabe unter der Bezeichnung e-HLS ins Internet. Dies geschah noch vor dem Erscheinen des ersten gedruckten Bandes und mehrere Jahre vor der Gründung der Wikipedia.[3]

Die elektronische Ausgabe stellte die Lexikontexte kostenlos zur Verfügung. Sie erleichterte die Volltextsuche und den Zugriff auf Beiträge, die in der gedruckten Ausgabe auf mehrere Bände verteilt waren.

Das e-HLS wurde parallel zur Buchausgabe erweitert. Nach dem Abschluss des Druckwerks 2014 wurde die digitale Weiterentwicklung zur zentralen Aufgabe der Institution.

Neuer digitaler Auftritt

Ende 2018 präsentierte das HLS einen grundlegend erneuerten Webauftritt. Die neue Plattform löste das frühere e-HLS ab und war für die ausschliesslich digitale Weiterführung des Lexikons konzipiert.[3]

Die Artikel wurden systematisch indexiert und mit Kategorien, Themen, Epochen und geografischen Räumen verknüpft. Dadurch entstanden zusätzliche Zugänge neben der klassischen alphabetischen Suche.

Bilder, Karten, Infografiken, Ton- und Filmdokumente können seither direkt mit den Artikeln verbunden und als eigene multimediale Inhalte erschlossen werden.

Die Website ist für Computer, Tablets und Smartphones gestaltet. Eine Registrierung ist für den Zugriff auf die Artikel nicht erforderlich.

Such- und Navigationsmöglichkeiten

Die Website bietet mehrere Wege zur Erschliessung der Inhalte. Über die Volltextsuche können Begriffe in Titeln und Artikeln gefunden werden.

Ein alphabetisches Verzeichnis ermöglicht den Zugriff auf sämtliche Stichwörter von A bis Z. Daneben bestehen thematische und räumliche Zugänge.

Zu den Hauptbereichen gehören:

  • Themen
  • Personen
  • Familien
  • Orte und Räume
  • Multimedia
  • Projekte
  • Autorinnen und Autoren
  • Artikel von A bis Z

Suchergebnisse können nach Artikelart, Zeitraum, Thema, geografischem Bezug oder Sprachversion eingegrenzt werden. Querverweise innerhalb der Artikel führen zu verwandten Beiträgen.

Laufende Aktualisierung

Anders als die abgeschlossene Druckausgabe ist das Online-Lexikon nicht auf einen unveränderlichen Stand festgelegt. Neue Artikel werden laufend produziert und ältere Beiträge projektweise überarbeitet.[1]

Überarbeitungen können aufgrund neuer Forschungsergebnisse, gesellschaftlicher Debatten, politischer Veränderungen oder territorialer Neuordnungen erfolgen. Dazu gehören beispielsweise Gemeindefusionen, neue biografische Erkenntnisse und veränderte Bewertungen historischer Ereignisse.

Die Redaktion setzt thematische Schwerpunkte. Projekte können mehrere miteinander verbundene Artikel umfassen und durch Bilder, Videos, Infografiken oder digitale Dossiers ergänzt werden.

Zu den neueren Arbeitsfeldern gehören unter anderem Frauen- und Geschlechtergeschichte, koloniale Verflechtungen der Schweiz, fürsorgerische Zwangsmassnahmen, Migration und Zeitgeschichte.

Multimediale Inhalte

Das digitale HLS versteht sich nicht mehr ausschliesslich als Textlexikon. Historische Fotografien, Gemälde, Druckgrafiken, Pläne und Karten ergänzen zahlreiche Beiträge.

Daneben werden Audio- und Filmdokumente eingebunden. Sie können beispielsweise historische Reden, Interviews, Radioaufnahmen oder Ausschnitte aus Wochenschauen dokumentieren.

Infografiken bereiten geografische, statistische und chronologische Daten visuell auf. Sie werden besonders bei komplexen wirtschafts-, sozial- oder globalgeschichtlichen Themen eingesetzt.

Die Bildredaktion klärt Herkunft, Rechte und wissenschaftliche Einordnung der verwendeten Materialien. Bildlegenden nennen in der Regel Urheber, Datierung, Institution und Signatur.

Thematische Projekte

Das HLS veröffentlicht neben einzelnen Artikeln auch grössere thematische Projekte. Diese verbinden neu geschriebene und überarbeitete Beiträge mit multimedialen Materialien.

Ein Beispiel ist das Projekt zu den kolonialen Verflechtungen der Schweiz. Es untersucht, wie Schweizer Personen, Familien, Unternehmen, Wissenschaftler und Institutionen in koloniale Herrschafts- und Wirtschaftsstrukturen eingebunden waren.

Weitere Projekte befassen sich mit Frauenbiografien, Menschenrechten, sozialer Fürsorge, Zwangsmassnahmen und der Geschichte gesellschaftlicher Minderheiten.

Die projektbezogene Arbeitsweise ermöglicht es, Lücken des älteren Artikelbestands gezielt zu schliessen und neuere Forschungsansätze in das Lexikon zu integrieren.

Organisation

Das Historische Lexikon der Schweiz ist ein Institut der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften. Die frühere Stiftung wurde nach Abschluss der gedruckten Ausgabe in eine neue institutionelle Struktur überführt.[4]

Die Redaktion hat ihren Hauptsitz in Bern. Aussenstellen befinden sich in Mendrisio und Chur. Dadurch sind die italienische und die rätoromanische Sprachregion institutionell in die Redaktionsarbeit eingebunden.[5]

Eine wissenschaftliche Kommission begleitet die strategische und fachliche Entwicklung. In ihr sind verschiedene historische Epochen, Fachrichtungen, Sprachregionen und Gedächtnisinstitutionen vertreten.

Seit 2023 wird das HLS von der Historikerin Sonja Matter geleitet. Sie wurde Ende 2022 von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften zur Direktorin gewählt.[6]

Redaktion

Die Redaktion setzt sich aus Historikern, Sprachredaktoren, Übersetzern, Bild- und Multimediafachpersonen sowie Mitarbeitern für Technik und Administration zusammen.

Die deutschsprachige Redaktion befindet sich hauptsächlich in Bern. Die italienische Redaktion arbeitet in Mendrisio, während die rätoromanische Arbeit mit der Aussenstelle in Chur verbunden ist.

Die französischen und italienischen Artikel sind nicht lediglich automatisch erzeugte Übersetzungen. Sie werden von Fachpersonen sprachlich und redaktionell bearbeitet.

Die Redaktion koordiniert externe Autoren, begutachtet Manuskripte, prüft Quellenangaben und plant die laufende Erneuerung des Artikelbestands.

Autorinnen und Autoren

An der Entstehung der gedruckten und digitalen Ausgaben waren mehrere Tausend Autoren beteiligt. Viele von ihnen sind an Universitäten, Archiven, Museen oder anderen wissenschaftlichen Institutionen tätig.

Auf der Website kann nach Autorinnen und Autoren gesucht werden. Ein Autorenprofil führt zu den jeweils verfassten Artikeln.

Die namentliche Kennzeichnung der Beiträge ermöglicht es, fachliche Verantwortung und Entstehungszusammenhang nachzuvollziehen. Bei umfangreichen Artikeln können mehrere Autoren für unterschiedliche Zeitabschnitte oder Themenbereiche verantwortlich sein.

Bei späteren Überarbeitungen kann ein Artikel zusätzliche Autorennamen oder Hinweise zur Redaktion erhalten.

Finanzierung

Das Historische Lexikon der Schweiz wird im Rahmen der schweizerischen Wissenschafts- und Forschungsförderung finanziert. Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften bildet die institutionelle Trägerin.

Die langfristige öffentliche Finanzierung war notwendig, weil die parallele Herstellung mehrerer Sprachfassungen, die wissenschaftliche Redaktion und die Betreuung eines grossen historischen Datenbestands erhebliche personelle und technische Mittel erfordern.

Die kostenlose Nutzung der Website entspricht dem Auftrag, wissenschaftlich fundiertes Wissen zur Geschichte der Schweiz öffentlich zugänglich zu machen.

Offene Daten

Das HLS stellt Teile seiner strukturierten Daten für die Weiterverwendung bereit. Dazu gehören insbesondere Normdaten, Identifikatoren und Beziehungen zwischen Artikeln.

Offene Daten ermöglichen die Verknüpfung mit Bibliothekskatalogen, Archivportalen, Forschungsdatenbanken und anderen digitalen Angeboten.

Die maschinenlesbaren Daten können für wissenschaftliche Projekte, Visualisierungen und digitale Anwendungen genutzt werden. Für Artikeltexte, Bilder und andere Inhalte gelten jeweils die auf der Website angegebenen Nutzungs- und Lizenzbedingungen.

Die Verknüpfung mit Normdaten erleichtert die eindeutige Identifizierung von Personen, Orten und Institutionen. Das HLS beteiligt sich damit an der Entwicklung vernetzter historischer Forschungsinfrastrukturen.

Weitere Angebote

Über die Website sind weitere historische Nachschlagewerke und Dienstleistungen erreichbar.

Lexicon istoric retic

Das Lexicon istoric retic beziehungsweise Lexicon istoric da la Svizra erschliesst ausgewählte Artikel in rätoromanischer Sprache. Es legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Geschichte Graubündens und der rätoromanischen Regionen.

Familiennamenbuch der Schweiz

Das Familiennamenbuch dokumentiert die Bürgerorte schweizerischer Familiennamen. Es ermöglicht die Suche nach Namen und deren historischer Verbreitung in den Gemeinden.

Die Angaben beziehen sich auf das Bürgerrecht und sind nicht mit einer vollständigen genealogischen Datenbank gleichzusetzen.

Ortsnamenlexikon

Das Ortsnamenangebot stellt Informationen zu historischen und heutigen Namen von Orten und Siedlungen bereit. Es verbindet sprachwissenschaftliche und historische Angaben.

Metagrid

Über digitale Verknüpfungsdienste wie Metagrid können HLS-Artikel mit Datensätzen anderer schweizerischer Gedächtnisinstitutionen verbunden werden.

Nutzer können dadurch von einem Personen- oder Ortsartikel zu Archivbeständen, Bibliothekskatalogen, Museumsobjekten und weiteren Datenbanken gelangen.

Nutzung in Wissenschaft und Bildung

Das HLS wird häufig als erster Einstieg in historische Themen verwendet. Seine kompakten Artikel bieten eine Übersicht über Forschungsstand, zentrale Begriffe und weiterführende Literatur.

Für wissenschaftliche Arbeiten kann das Lexikon zur Orientierung und zur Suche nach Literatur dienen. Die Artikel ersetzen jedoch nicht die Auswertung der angegebenen Quellen und Fachpublikationen.

Lehrpersonen und Schüler nutzen das HLS für Unterricht, Referate und Projektarbeiten. Die parallelen Sprachversionen eignen sich auch für den zweisprachigen Unterricht und den Vergleich historischer Fachbegriffe.

Journalisten, Behörden, Museen und Heimatforscher greifen ebenfalls auf das Werk zurück. Besonders die Gemeinde-, Personen- und Familienartikel werden häufig als Referenz verwendet.

Zitierweise

Ein HLS-Artikel sollte mit Autor, Titel, Name des Lexikons, Versions- oder Publikationsdatum und Internetadresse zitiert werden.

Eine mögliche Form lautet:

Autorin oder Autor: «Titel des Artikels». In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom Datum, Internetadresse.

Da Artikel überarbeitet werden können, ist die Angabe der jeweiligen Version besonders wichtig. Zusätzlich kann das Datum des letzten Zugriffs genannt werden.

Die Artikelnummer in der Webadresse bleibt in der Regel als dauerhafter Identifikator erhalten. Sprachfassungen desselben Stichworts verwenden miteinander verknüpfte Datensätze.

Verhältnis zur Wikipedia

Das Historische Lexikon der Schweiz und die Wikipedia verfolgen unterschiedliche redaktionelle Modelle. Das HLS ist ein wissenschaftlich betreutes Fachlexikon mit beauftragten und namentlich genannten Autoren.

Wikipedia wird gemeinschaftlich von freiwilligen Benutzern bearbeitet und kann in kurzen Abständen verändert werden. Sie behandelt ein wesentlich breiteres Themenspektrum, während das HLS auf die Geschichte der Schweiz spezialisiert ist.

Beide Angebote sind frei zugänglich und werden häufig gegenseitig verlinkt. HLS-Artikel dienen in Wikipedia-Beiträgen regelmässig als Quellen.

Inhalt darf jedoch nicht ohne Beachtung der jeweiligen Urheber- und Nutzungsrechte übernommen werden. Bei einer Verwendung ist eine korrekte Quellenangabe erforderlich.

Bedeutung

Das HLS ist eines der wichtigsten wissenschaftlichen Nachschlagewerke zur Schweiz. Es verbindet nationale, kantonale und lokale Geschichte in einem gemeinsamen System.

Die gleichzeitige Publikation in mehreren Landessprachen trägt zur Verständigung zwischen den Sprachregionen bei. Historische Begriffe und Themen werden nicht nur übersetzt, sondern in sprachlich eigenständigen Fassungen vermittelt.

Für kleinere Gemeinden, historische Familien und regionale Institutionen bietet das Lexikon häufig die einzige kompakte wissenschaftliche Gesamtdarstellung im Internet.

Die digitale Weiterführung ermöglicht es, neue Forschungsergebnisse schneller zu berücksichtigen als in einer abgeschlossenen Buchausgabe. Multimedia, offene Daten und Verknüpfungen mit anderen Institutionen erweitern den klassischen Charakter eines Lexikons.

Kritik und Herausforderungen

Wie jedes umfangreiche Nachschlagewerk spiegelt auch das HLS die Forschungsinteressen und gesellschaftlichen Perspektiven seiner Entstehungszeit. Im ursprünglichen Artikelbestand waren politische Eliten, Männer und institutionelle Geschichte teilweise stärker vertreten als andere Gruppen.

Die Redaktion versucht, solche Ungleichgewichte durch neue Projekte und gezielte Überarbeitungen zu vermindern. Besonders Frauen-, Geschlechter-, Migrations- und Kolonialgeschichte erhalten zunehmend grössere Aufmerksamkeit.

Eine weitere Herausforderung besteht in der laufenden Aktualisierung von mehr als 36'000 Stichwörtern in mehreren Sprachen. Nicht alle älteren Artikel können gleichzeitig überarbeitet werden.

Auch die Digitalisierung historischer Bilder und die Klärung von Nutzungsrechten erfordern beträchtliche Ressourcen. Bei multimedialen Inhalten müssen wissenschaftliche Aussagekraft, technische Formate und langfristige Verfügbarkeit miteinander verbunden werden.

Zeittafel

Entwicklung des Historischen Lexikons der Schweiz
Jahr Ereignis
1921–1934 Veröffentlichung des Historisch-Biographischen Lexikons der Schweiz
1958 Neue Initiativen für ein modernes schweizerisches Geschichtslexikon
1985–1987 Projektierung des Historischen Lexikons der Schweiz
1987 Schaffung der institutionellen und finanziellen Grundlagen
1. Januar 1988 Beginn der Redaktionsarbeit in Bern
1998 Veröffentlichung der ersten Online-Ausgabe e-HLS
2002 Erscheinen des ersten gedruckten Bandes
2010–2012 Veröffentlichung der zweibändigen rätoromanischen Teilausgabe
2014 Abschluss der dreizehnbändigen Druckausgaben
2016 Neuorganisation innerhalb der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
2018 Veröffentlichung des grundlegend erneuerten digitalen HLS
2023 Sonja Matter übernimmt die Direktion

Literatur

  • Franz Xaver Bischof: «Das Historische Lexikon der Schweiz und die Ostschweiz.» In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Band 123, 2005, S. 209–215.
  • Peter Haber: «Historisches Lexikon der Schweiz.» In: traverse. Zeitschrift für Geschichte, Band 14, Nr. 1, 2007, S. 127–133.
  • Marco Jorio: Das Historische Lexikon der Schweiz. Schlussbericht der Projektierungsphase 1. April 1985 bis 31. März 1987. Schweizerische Akademie der Geisteswissenschaften, Bern 1987.
  • Marco Jorio: «Das Historische Lexikon der Schweiz im digitalen Zeitalter.» In: verschiedene Beiträge zur schweizerischen Lexikografie und Geschichtsvermittlung.
  • Renato Morosoli: «Historisches Lexikon der Schweiz, Arbeitsstelle Kanton Zug.» In: Tugium. Jahrbuch des Kantons Zug, Band 16, 2000, S. 9–16.
  • Thomas Maissen: «Das letzte und das erste seiner Art. Das Historische Lexikon der Schweiz liegt mit dem dreizehnten Band abgeschlossen vor.» In: Neue Zürcher Zeitung, 31. Dezember 2014.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Das Historische Lexikon der Schweiz, HLS, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. Geschichte des HLS, HLS, abgerufen am 26. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 Das neue digitale HLS ist da!, HLS, 19. Dezember 2018, abgerufen am 26. Juli 2026.
  4. Datenschutz, HLS, abgerufen am 26. Juli 2026.
  5. Redaktion, HLS, abgerufen am 26. Juli 2026.
  6. Sonja Matter ist die neue Direktorin des HLS, HLS, 28. September 2023, abgerufen am 26. Juli 2026.