Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn

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Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn
Streckennummer 840
Strecke WinterthurRomanshorn
Eröffnung 16. Mai 1855
Ursprüngliche Gesellschaft Schweizerische Nordostbahn (NOB)
Heutige Eigentümerin Schweizerische Bundesbahnen (SBB)
Streckenlänge ca. 53 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Elektrifizierung 1928
Gleise überwiegend zweigleisig
Kantone Zürich, Thurgau
Wichtige Bahnhöfe Winterthur, Frauenfeld, Weinfelden, Romanshorn

Die Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn, häufig auch Thurtallinie genannt, ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke in den Kantonen Zürich und Thurgau. Sie verbindet Winterthur über Frauenfeld, Weinfelden und Amriswil mit Romanshorn am Bodensee. Die rund 53 Kilometer lange Strecke gehört zu den ältesten Eisenbahnlinien der Schweiz und bildet bis heute eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Ostschweiz.

Die Strecke wurde am 16. Mai 1855 durch die Schweizerische Nordostbahn (NOB) eröffnet.[1] Sie entstand als Teil einer geplanten Eisenbahnverbindung zwischen Zürich und dem Bodensee. Die Fortsetzung von Winterthur in Richtung Zürich wurde in mehreren Schritten bis 1856 fertiggestellt.

Die Bahn erschloss das Thurtal und trug wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kantons Thurgau bei. Orte wie Frauenfeld, Weinfelden, Amriswil und Romanshorn erhielten direkte Eisenbahnverbindungen nach Winterthur und später nach Zürich. Romanshorn entwickelte sich durch die Bahn und den damaligen Eisenbahnfährverkehr über den Bodensee zu einem bedeutenden Verkehrsknoten.

Heute gehört die Strecke zur Infrastruktur der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Sie wird vom nationalen Fernverkehr sowie von Zügen der Thurbo befahren. Die Linie IC8 verbindet Romanshorn über Weinfelden, Frauenfeld, Winterthur und Zürich mit Bern und Brig.[2] Zwischen Winterthur und Weinfelden verkehren zudem Regional- und S-Bahn-Züge; weitere Linien erschliessen den Abschnitt Weinfelden–Romanshorn.

Bezeichnung

Die Bahnstrecke wird aufgrund ihres Verlaufes durch das Thurtal als Thurtallinie bezeichnet. In historischen Quellen erscheint sie auch als Teil der Bodenseebahn, da sie ursprünglich als Verbindung zwischen Zürich und dem Bodensee konzipiert wurde.

Der Name Thurtallinie ist besonders für den Abschnitt Winterthur–Romanshorn gebräuchlich. Zwischen Winterthur und Weinfelden folgt die Bahn weitgehend dem Talraum der Thur. Weiter östlich führt sie über Sulgen und Amriswil nach Romanshorn.

Im schweizerischen Kursbuch gehört die Strecke zum Fahrplanfeld 840.

Vorgeschichte

Die Entwicklung der Eisenbahn in der Schweiz beschleunigte sich nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das eidgenössische Eisenbahngesetz von 1852 überliess den Bau und Betrieb der Eisenbahnen grundsätzlich privaten Gesellschaften und den Kantonen.[3]

In Zürich und der Ostschweiz entstanden daraufhin mehrere Projekte für Eisenbahnverbindungen. Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung war eine Strecke von Zürich über Winterthur und Frauenfeld zum Bodensee.

Zwischen den Kantonen Zürich und Thurgau wurde im Dezember 1852 ein Vertrag über die Erstellung einer Eisenbahn von Zürich über Winterthur und Frauenfeld nach Romanshorn abgeschlossen.[4]

Die geplante Bahn sollte einerseits die Städte und Industriegebiete im Raum Zürich und Winterthur miteinander verbinden und andererseits einen Zugang zum Bodensee schaffen. Von Romanshorn aus waren Weiterverbindungen über den See nach Süddeutschland vorgesehen.

Zürich-Bodenseebahn

Für den Bau der Verbindung wurde die Zürich-Bodenseebahn gegründet. Noch während der Bauarbeiten kam es jedoch zu einer grundlegenden Veränderung der schweizerischen Eisenbahnlandschaft.

Die Zürich-Bodenseebahn schloss sich mit der Schweizerischen Nordbahn zusammen. Aus dieser Fusion entstand 1853 die Schweizerische Nordostbahn (NOB), die sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer der grössten privaten Eisenbahngesellschaften der Schweiz entwickelte.

Die NOB übernahm den Bau der Strecke und führte die Arbeiten zwischen Winterthur und Romanshorn weiter.

Eröffnung

Am 16. Mai 1855 wurde die Bahnstrecke zwischen Winterthur und Romanshorn eröffnet.[1]

Sie gehört damit zu den frühesten Eisenbahnstrecken im heutigen schweizerischen Eisenbahnnetz. Älter waren unter anderem die 1847 eröffnete Spanisch-Brötli-Bahn zwischen Zürich und Baden sowie einzelne frühe Streckenabschnitte in der West- und Nordwestschweiz.

Die Verbindung nach Zürich war bei der Eröffnung der Thurtallinie noch nicht vollständig fertiggestellt. Am 27. Dezember 1855 wurde die Strecke von Winterthur nach Oerlikon eröffnet. Im Juni 1856 konnte schliesslich die durchgehende Verbindung zum Zürcher Bahnhof hergestellt werden.

Das Historische Lexikon der Schweiz nennt die 1855 eröffneten Linien Winterthur–Romanshorn und Winterthur–Oerlikon als wichtige Schritte bei der Entwicklung Winterthurs zum Eisenbahnknoten.[5]

Bedeutung für den Kanton Thurgau

Für den Kanton Thurgau war die Bahnstrecke von ausserordentlicher Bedeutung. Sie durchquerte den Kanton von Westen nach Osten und verband mehrere seiner wichtigsten Orte miteinander.

Die kantonale Hauptstadt Frauenfeld erhielt erstmals einen direkten Eisenbahnanschluss. Auch Weinfelden, Sulgen, Amriswil und Romanshorn wurden in das neue Verkehrsnetz eingebunden.

Das Historische Lexikon der Schweiz nennt Winterthur–Romanshorn als eine der ersten grossen Eisenbahnlinien, die 1855–1856 die Verkehrserschliessung des Thurgaus grundlegend veränderten.[6]

Die Eisenbahn erleichterte den Transport von landwirtschaftlichen Produkten, Textilien, Maschinen und anderen Waren. Gleichzeitig verkürzten sich die Reisezeiten zwischen dem Thurgau, Winterthur und Zürich erheblich.

Entlang der Strecke entstanden neue Gewerbe- und Industriebetriebe. In vielen Gemeinden beeinflusste die Lage des Bahnhofs die spätere Siedlungsentwicklung.

Romanshorn als Endpunkt

Romanshorn wurde als Endpunkt der Strecke gewählt, weil der Ort über einen geeigneten Hafen am Bodensee verfügte.

Mit dem Eisenbahnbau wurde der Hafen stark ausgebaut. Romanshorn entwickelte sich zu einem wichtigen Umschlagplatz zwischen Eisenbahn und Schifffahrt.

Eine besondere Rolle spielte der Eisenbahnfährverkehr über den Bodensee. Eisenbahnwagen konnten auf Fähren verladen und ohne Umladen der Güter nach Deutschland transportiert werden.

Es bestanden Eisenbahnfährverbindungen unter anderem zwischen:

  • Romanshorn und Friedrichshafen,
  • Romanshorn und Lindau.

Diese Verbindungen ermöglichten einen internationalen Güterverkehr zwischen dem Schweizer Eisenbahnnetz und den Bahnen in Süddeutschland.

Der Trajektverkehr verlor im 20. Jahrhundert durch neue Eisenbahnverbindungen, veränderte Güterströme und den Ausbau des Strassenverkehrs an Bedeutung und wurde schliesslich eingestellt.

Romanshorn blieb jedoch ein bedeutender Eisenbahn- und Schifffahrtsknoten am Bodensee.

Übergang an die SBB

Die Schweizerische Nordostbahn geriet gegen Ende des 19. Jahrhunderts wie andere grosse Privatbahnen zunehmend unter politischen und wirtschaftlichen Druck.

Nachdem die Schweizer Stimmberechtigten 1898 die Verstaatlichung der wichtigsten privaten Eisenbahngesellschaften beschlossen hatten, wurde das Netz der Nordostbahn 1902 Teil der neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen.

Damit ging auch die Strecke Winterthur–Romanshorn an die SBB über.

Die Bundesbahnen begannen in den folgenden Jahrzehnten mit umfangreichen Modernisierungen. Dazu gehörten insbesondere der Ausbau auf Doppelspur, grössere Bahnhofanlagen und später die Elektrifizierung.

Ausbau auf Doppelspur

Die Bahn war ursprünglich weitgehend eingleisig. Mit dem rasch wachsenden Personen- und Güterverkehr wurde ein zweites Gleis erforderlich.

Der Doppelspurausbau erfolgte abschnittsweise zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Zwischen Winterthur und Oberwinterthur wurden die vorhandenen Gleisanlagen 1903 zu einer echten Doppelspurstrecke zusammengeführt.

Weitere Abschnitte folgten in den nächsten Jahren. Zu den Ausbauetappen gehörten unter anderem:

  • Frauenfeld–Müllheim-Wigoltingen ab 1905,
  • Oberwinterthur–Wiesendangen ab 1906,
  • Islikon–Frauenfeld ab 1906,
  • Müllheim-Wigoltingen–Sulgen ab 1907,
  • Sulgen–Amriswil ab 1907,
  • Wiesendangen–Islikon ab 1907.

Der Doppelspurausbau erhöhte die Kapazität der Strecke und ermöglichte dichtere Fahrpläne.

Die Förderung des Doppelspurausbaus war auch ein wichtiges verkehrspolitisches Anliegen im Kanton Thurgau. Der Frauenfelder Politiker Karl Alfred Fehr setzte sich nach Angaben des Historischen Lexikons besonders für den Ausbau der Strecke Winterthur–Romanshorn ein.[7]

Heute ist die Strecke praktisch vollständig zweigleisig und gehört zu den leistungsfähigsten Bahnverbindungen der Ostschweiz.

Elektrifizierung

Die Elektrifizierung der Bahnstrecke erfolgte 1928.

Die Strecke Winterthur–Romanshorn und die anschliessende Verbindung in Richtung Rorschach wurden mit dem bei den SBB üblichen Stromsystem von 15 Kilovolt Wechselspannung und einer Frequenz von ursprünglich 16⅔ Hertz ausgerüstet. Heute wird die Frequenz mit 16,7 Hertz angegeben.

Die Elektrifizierung war Teil eines grossen Programms der SBB zur Ablösung der Dampflokomotiven.

Gerade nach dem Ersten Weltkrieg war die Abhängigkeit der Schweiz von importierter Kohle als strategisches Problem erkannt worden. Die Nutzung der einheimischen Wasserkraft für elektrische Eisenbahnen erhielt deshalb grosse Bedeutung.

Mit dem elektrischen Betrieb konnten leistungsfähigere und wirtschaftlichere Züge eingesetzt werden. Gleichzeitig verschwanden die Dampflokomotiven schrittweise aus dem regulären Betrieb auf der Strecke.

Streckenverlauf

Winterthur

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Winterthur, einer der wichtigsten Eisenbahnknoten der Schweiz.

Die Strecke verlässt den Hauptbahnhof in östlicher Richtung. Im Bereich des Winterthurer Gleisfeldes bestehen Verbindungen zu mehreren anderen Bahnstrecken.

Von Winterthur führen Bahnlinien unter anderem nach:

Die Strecke nach Romanshorn führt zunächst durch den nördlichen Teil des Winterthurer Stadtgebiets.

Oberwinterthur

Nach dem Hauptbahnhof wird Oberwinterthur erreicht.

Oberwinterthur entwickelte sich zu einem bedeutenden Standort der Eisenbahn. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs befindet sich die Service- und Abstellanlage für Fahrzeuge der Zürcher S-Bahn.

Das Gebiet ist ausserdem Standort des Swiss Science Center Technorama.

In Oberwinterthur bestehen Verzweigungen zu anderen Bahnstrecken. Die Strecke nach Romanshorn führt von hier weiter ostwärts in Richtung Wiesendangen.

Wiesendangen

Der nächste grössere Ort ist Wiesendangen. Die Strecke steigt von Winterthur zunächst leicht an.

Im Bereich zwischen Wiesendangen und Rickenbach erreicht die Linie einen ihrer topografisch höheren Abschnitte. Danach fällt sie in Richtung Thurtal ab.

Rickenbach-Attikon

Die Station Rickenbach-Attikon wurde erst nach der ursprünglichen Streckeneröffnung eingerichtet.

Nach Attikon verläuft die Strecke auf einem längeren Damm und verliert deutlich an Höhe, bevor sie das flachere Thurtal erreicht.

Islikon

Bei Islikon tritt die Bahn in den Kanton Thurgau ein beziehungsweise verläuft nun durch das westliche Thurgauer Siedlungs- und Landwirtschaftsgebiet.

Islikon gehört zur Gemeinde Gachnang.

Der Ort entwickelte sich bereits im 19. Jahrhundert als Gewerbe- und Industriestandort. Die Eisenbahn unterstützte diese Entwicklung erheblich.

Frauenfeld

Anschliessend erreicht die Strecke Frauenfeld, die Hauptstadt des Kantons Thurgau.

Frauenfeld ist einer der wichtigsten Zwischenbahnhöfe der Strecke. Hier bestehen Anschlüsse an die schmalspurige Frauenfeld-Wil-Bahn, die heute von Thurbo betrieben wird.

Der Bahnhof entwickelte sich seit 1855 zu einem bedeutenden Verkehrsknoten. Die ursprünglichen Bauten wurden im Laufe der Zeit mehrfach erweitert und verändert.

Der Bau der Nordostbahnlinie Zürich–Winterthur–Romanshorn in den Jahren 1853 bis 1855 hatte einen wesentlichen Einfluss auf die städtebauliche Entwicklung Frauenfelds.[1]

Felben-Wellhausen

Östlich von Frauenfeld führt die Bahn durch das flache Thurtal nach Felben-Wellhausen.

Der Bahnhof besitzt historische Eisenbahnbauten. Teile des früheren Güterschuppens gehen noch auf die Zeit der Streckeneröffnung zurück.

Die Region wird stark durch Landwirtschaft und Siedlungsflächen geprägt.

Hüttlingen-Mettendorf

Die Bahn erreicht anschliessend die Haltestelle Hüttlingen-Mettendorf.

Sie erschliesst die Gemeinden beziehungsweise Ortsteile Hüttlingen und Mettendorf im zentralen Thurgau.

Der frühere Bahnhof wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach betrieblich verändert und wird heute als Haltestelle genutzt.

Thurquerung bei Eschikofen

Zwischen Hüttlingen-Mettendorf und Müllheim-Wigoltingen überquert die Strecke die Thur.

Die Querung erfolgt über die Eschikofer Brücke. Die heutige Anlage entstand im Zusammenhang mit dem Doppelspurausbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die ursprüngliche Bahn besass hier eine eingleisige gedeckte Holzbrücke. Diese wurde durch eine leistungsfähigere Stahlkonstruktion ersetzt.

Die beiden parallel liegenden Fachwerkbrücken sind jeweils rund 174 Meter lang.

Die Thurquerung gehört zu den bedeutendsten Kunstbauten der Strecke.

Müllheim-Wigoltingen

Nach der Thurbrücke erreicht die Linie Müllheim-Wigoltingen.

Der Bahnhof liegt zwischen den Ortschaften Müllheim und Wigoltingen und erschliesst einen grösseren Teil des mittleren Thurgaus.

Von hier verläuft die Bahn weiter durch ein landwirtschaftlich geprägtes Gebiet nach Märstetten.

Märstetten

Märstetten liegt unmittelbar an der historischen Hauptverkehrsachse des Thurtals.

Die Eisenbahn begünstigte auch hier die Entwicklung neuer Wohn- und Gewerbegebiete in Bahnhofsnähe.

Von Märstetten aus wird nach wenigen Kilometern Weinfelden erreicht.

Weinfelden

Der Bahnhof Weinfelden ist neben Winterthur, Frauenfeld und Romanshorn der wichtigste Knoten an der Strecke.

Hier kreuzt beziehungsweise verzweigt sich die Ost-West-Verbindung mit mehreren Bahnlinien.

Von Weinfelden bestehen Verbindungen unter anderem nach:

Weinfelden entwickelte sich durch den Eisenbahnbau zu einem der wichtigsten Verkehrsknoten im Kanton Thurgau.

Die Strecke nach Romanshorn verlässt den Bahnhof in östlicher Richtung.

Bürglen

Nach Weinfelden wird Bürglen erreicht.

Die Bahn verläuft hier durch das mittlere Thurgauer Hügelland beziehungsweise den Übergangsbereich zwischen Thurtal und Oberthurgau.

Sulgen

Der Bahnhof Sulgen ist ein weiterer Abzweigbahnhof.

Von hier führt die Bahnstrecke Sulgen–Gossau über Bischofszell in Richtung Gossau SG.

Dadurch besitzt Sulgen trotz seiner vergleichsweise geringen Grösse eine wichtige Funktion im regionalen Eisenbahnverkehr.

Erlen

Die nächste Station liegt in Erlen.

Das Gebiet zwischen Sulgen und Amriswil weist eine Mischung aus Wohnsiedlungen, Landwirtschaft und Gewerbezonen auf.

Amriswil

Amriswil gehört zu den bedeutendsten Bahnhöfen auf dem östlichen Abschnitt.

Die Eisenbahn war für die Entwicklung Amriswils besonders wichtig. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wuchs der Ort stark und entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der Textilindustrie.

Heute ist Amriswil eine der grössten Städte des Kantons Thurgau.

Fernverkehrszüge der Linie IC8 halten in Amriswil und schaffen direkte Verbindungen nach Winterthur, Zürich und in Richtung Bern sowie nach Romanshorn.[2]

Romanshorn

Endpunkt der Strecke ist der Bahnhof Romanshorn unmittelbar beim Bodensee.

Der Bahnhof entstand 1855 zusammen mit der Bahnlinie und entwickelte sich zu einer ausgedehnten Anlage für Personen- und Güterverkehr.

Von Romanshorn führen weitere Bahnstrecken entlang des Bodensees in Richtung Kreuzlingen sowie über Rorschach in Richtung St. Gallen und Rheintal.

Direkt neben dem Bahnhof liegt der Hafen. Dadurch bestehen kurze Übergänge zwischen Bahn und Bodenseeschifffahrt.

Romanshorn besitzt darüber hinaus eine Autofähre nach Friedrichshafen.

Bahnhöfe und Haltestellen

Die Strecke bedient von Westen nach Osten insbesondere folgende Stationen:

  1. Winterthur
  2. Oberwinterthur
  3. Wiesendangen
  4. Rickenbach-Attikon
  5. Islikon
  6. Frauenfeld
  7. Felben-Wellhausen
  8. Hüttlingen-Mettendorf
  9. Müllheim-Wigoltingen
  10. Märstetten
  11. Weinfelden
  12. Bürglen
  13. Sulgen
  14. Erlen
  15. Amriswil
  16. Romanshorn

Nicht alle Züge halten an allen Stationen. Die kleineren Haltestellen werden vor allem durch Regionalzüge bedient, während der Fernverkehr nur die wichtigsten Knoten anfährt.

Fernverkehr

IC8

Die wichtigste Fernverkehrslinie auf der vollständigen Strecke Winterthur–Romanshorn ist der IC8.

Im Fahrplanjahr 2026 verkehrt der IC8 grundsätzlich auf der Relation:

Brig–Visp–Spiez–Bern–Zürich HB–Zürich Flughafen–Winterthur–Frauenfeld–Weinfelden–Amriswil–Romanshorn.[2]

Dadurch bestehen aus dem Thurgau direkte Fernverkehrsverbindungen nach Zürich, Bern und ins Berner Oberland beziehungsweise Wallis.

Zwischen Winterthur und Romanshorn benötigt ein schneller Fernverkehrszug ungefähr 40 bis 45 Minuten. Die SBB weisen für eine Reise von Winterthur nach Romanshorn mit einer Direktverbindung eine Fahrzeit von rund 41 Minuten aus.[8]

IR75

Zwischen Winterthur und Weinfelden wird die Strecke zusätzlich durch den IR75 befahren.

Der IR75 verbindet im Fahrplanjahr 2026 Luzern beziehungsweise Zürich über Zürich Flughafen, Winterthur, Frauenfeld und Weinfelden mit Konstanz.[9]

In Weinfelden verlässt der IR75 die Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn und fährt über die Verbindung nach Kreuzlingen und Konstanz weiter.

Damit besteht zwischen Winterthur, Frauenfeld und Weinfelden ungefähr ein deutlich dichteres Fernverkehrsangebot als auf dem östlichen Abschnitt zwischen Weinfelden und Romanshorn.

Regionalverkehr

Der Regionalverkehr wird überwiegend von Thurbo betrieben. Das Unternehmen ist auf den Regionalverkehr in der Ostschweiz spezialisiert und bedient ein weit verzweigtes Netz in den Kantonen Thurgau, St. Gallen, Schaffhausen und Zürich sowie grenzüberschreitende Strecken.

S24

Die S24 verkehrt über Winterthur und Frauenfeld nach Weinfelden.

Sie verbindet den Thurgau direkt mit dem Zürcher S-Bahn-Netz. Dadurch bestehen umsteigefreie Regionalverbindungen von verschiedenen Stationen im Thurtal nach Winterthur und weiter in Richtung Zürich.

Auf dem Abschnitt Frauenfeld–Weinfelden gehört die S24 zusammen mit der S30 zum regionalen Grundangebot. Thurbo führt beide Linien auch im Zusammenhang mit Bauarbeiten im Fahrplanjahr 2026 als betroffene Linien dieses Streckenabschnitts.[10]

S30

Die S30 verbindet Winterthur mit Weinfelden.

Sie bedient einen grossen Teil der kleineren Stationen entlang der Strecke und bildet damit eine wichtige Regionalverbindung für Pendlerinnen und Pendler im Thurtal.

Thurbo führt Winterthur–Weinfelden als eine seiner zentralen Regionalverkehrsachsen.[10]

S10

Östlich von Weinfelden wird die Strecke von der S10 bedient.

Die S10 verkehrt auf der Relation Wil–Weinfelden–Romanshorn und verbindet dadurch die Orte zwischen Weinfelden und Romanshorn mit dem Knoten Weinfelden und dem westlichen St. Galler Kantonsgebiet.[11]

In Romanshorn bestehen Anschlüsse an weitere Thurbo-Linien in Richtung Kreuzlingen, Schaffhausen, Rorschach und St. Gallen.

Güterverkehr

Die Strecke besass von Beginn an grosse Bedeutung für den Güterverkehr.

Im 19. Jahrhundert wurden insbesondere landwirtschaftliche Produkte, Textilien, Maschinen und Importwaren über die Bahn transportiert.

Romanshorn war durch seinen Hafen ein wichtiger Umschlagplatz. Güterwagen konnten zeitweise direkt auf Eisenbahnfähren verladen werden.

Auch entlang der Strecke entstanden Anschlussgleise zu Industriebetrieben.

In Frauenfeld wurde beispielsweise das Paketpostzentrum nördlich der Bahnlinie mit einem eigenen Gleisanschluss ausgestattet.

Mit dem Strukturwandel der Wirtschaft und der zunehmenden Konzentration des Güterverkehrs auf grössere Terminals nahm die Zahl lokaler Güteranschlüsse teilweise ab. Die Strecke selbst bleibt jedoch aufgrund ihrer Lage eine wichtige Ost-West-Verbindung.

Bedeutung für die Industrialisierung

Die Eröffnung der Bahnstrecke fiel in eine Zeit rascher Industrialisierung.

Winterthur entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Industriezentren der Schweiz. Unternehmen aus Maschinenbau und Textilindustrie erhielten durch die Bahn günstigere Transportmöglichkeiten.

Auch im Thurgau profitierte die Industrie von der neuen Infrastruktur. Besonders die Textilindustrie, die Nahrungsmittelproduktion und verschiedene Maschinen- und Metallbetriebe nutzten die Eisenbahn.

Die Bahnhöfe wurden häufig zu neuen Entwicklungsschwerpunkten der Gemeinden. Gewerbebetriebe siedelten sich in Bahnhofsnähe an, während neue Strassen die historischen Ortskerne mit den Stationen verbanden.

Die Bahn beeinflusste damit nicht nur den Verkehr, sondern auch die Siedlungsstruktur des Thurgaus.

Eschikofer Brücke

Zu den bekanntesten Ingenieurbauten der Strecke gehört die Eschikofer Brücke über die Thur.

Die ursprüngliche Konstruktion war eine gedeckte Holzbrücke für ein einziges Gleis.

Im Zuge des Doppelspurausbaus wurde sie Anfang des 20. Jahrhunderts ersetzt.

Die neue Anlage besteht aus zwei nebeneinanderliegenden Stahlfachwerkbrücken. Jede Brücke ist rund 174 Meter lang.

Die Brücke befindet sich in einer S-Kurve zwischen Hüttlingen-Mettendorf und Müllheim-Wigoltingen.

Sie dokumentiert anschaulich den technischen Wandel vom frühen Eisenbahnbau mit Holzkonstruktionen zu den grossen Stahlbrücken des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Sicherungs- und Stellwerkstechnik

Die Sicherungstechnik der Strecke wurde seit dem 19. Jahrhundert mehrfach grundlegend modernisiert.

Anfangs wurden Weichen und Signale an den Bahnhöfen weitgehend mechanisch bedient. Später entstanden elektromechanische und elektrische Stellwerke.

Heute wird der Betrieb weitgehend durch moderne elektronische Stellwerk- und Leitsysteme gesteuert.

Die Strecke gehört zum stark ausgelasteten SBB-Netz und muss gleichzeitig Fernverkehr, Regionalverkehr und Güterzüge aufnehmen.

Die dichte Zugfolge erfordert eine leistungsfähige Sicherungstechnik und eine enge betriebliche Koordination.

Modernisierung und Beschleunigung

Die Strecke wurde im 21. Jahrhundert weiter modernisiert.

Insbesondere zwischen Winterthur und Weinfelden wurden Massnahmen umgesetzt, um höhere Fahrgeschwindigkeiten und kürzere Reisezeiten zu ermöglichen.

In den 2010er-Jahren wurden verschiedene Gleise, Fahrleitungsanlagen und Sicherungssysteme angepasst. Auf geeigneten Abschnitten können seither höhere Geschwindigkeiten gefahren werden.

Die Beschleunigung ist insbesondere für den Fernverkehr wichtig, da in den Knoten Winterthur, Weinfelden und Zürich kurze Anschlusszeiten eingehalten werden müssen.

Die Ostschweizer Kantone und der Bund planen auch langfristig weitere Kapazitäts- und Beschleunigungsmassnahmen auf den Achsen Winterthur–Konstanz und Winterthur–Romanshorn. Der vom Bund beschlossene Ausbauschritt 2035 sieht für diese Ostschweizer Korridore zusätzliche Infrastrukturmassnahmen vor.[12]

Bedeutung für den Pendlerverkehr

Die Bahnstrecke gehört zu den wichtigsten Pendlerachsen zwischen dem Kanton Thurgau und dem Wirtschaftsraum Zürich.

Viele Berufstätige aus Frauenfeld, Weinfelden und den umliegenden Gemeinden nutzen die Bahn für Fahrten nach Winterthur, Zürich Flughafen und Zürich.

In Gegenrichtung ist die Strecke auch für Arbeitsplätze in Frauenfeld, Weinfelden und anderen Thurgauer Zentren von Bedeutung.

Die Kombination aus Fernverkehr und Regionalzügen ermöglicht an den grösseren Bahnhöfen einen dichten Takt.

Besonders Frauenfeld profitiert von seiner Lage zwischen Winterthur und Weinfelden und besitzt schnelle Direktverbindungen nach Zürich.

Touristische Bedeutung

Die Strecke hat auch touristische Bedeutung.

Romanshorn ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Ausflüge am Bodensee. Direkt beim Bahnhof befinden sich der Hafen und die Anlegestellen der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt.

Von Romanshorn bestehen Schiffsverbindungen entlang des schweizerischen Bodenseeufers sowie die Autofähre nach Friedrichshafen.

Das Eisenbahnmuseum beziehungsweise Erlebniszentrum Locorama in Romanshorn erinnert an die lange Eisenbahngeschichte der Stadt.

Entlang der Strecke befinden sich weitere Ausflugsziele. Dazu gehören das Swiss Science Center Technorama in Oberwinterthur, die Altstadt von Frauenfeld sowie verschiedene Velorouten und Wandergebiete im Thurgau.

Tarifverbünde

Der grösste Teil der Strecke liegt im Gebiet des Tarifverbunds Ostwind.

Winterthur gehört zum Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Für Fahrten zwischen den Verbundgebieten bestehen Übergangs- und nationale Tarifangebote.

Die Strecke bildet dadurch auch tariflich eine wichtige Verbindung zwischen den Verkehrsregionen Zürich und Ostschweiz.

Fahrzeuge

Im Laufe ihrer Geschichte wurden auf der Strecke zahlreiche Fahrzeuggenerationen eingesetzt.

Während der ersten Jahrzehnte dominierten Dampflokomotiven der Nordostbahn.

Nach der Elektrifizierung kamen elektrische Lokomotiven und Triebwagen der SBB zum Einsatz.

Im Fernverkehr wurden im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert verschiedene lokomotivbespannte Züge sowie InterCity-Neigezüge verwendet.

Heute wird der Fernverkehr insbesondere mit InterCity-Fahrzeugen der SBB abgewickelt.

Im Regionalverkehr setzt Thurbo seit vielen Jahren elektrische Gelenktriebwagen ein. Ab 2026 begann das Unternehmen mit der Einführung der neuen Fahrzeugfamilie FLIRT Evo. Insgesamt sind 107 neue Regionalzüge vorgesehen, die die älteren Thurbo-Fahrzeuge schrittweise ersetzen sollen.[13]

Die ersten neuen Fahrzeuge gingen im Juli 2026 auf der S26 im Tösstal in den regulären Fahrgastbetrieb. Weitere Fahrzeuge sollen in den folgenden Jahren auf zusätzliche Thurbo-Linien verteilt werden.[13]

Bedeutung im Schweizer Bahnnetz

Die Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig.

Sie ist:

  • eine Fernverkehrsverbindung zwischen Zürich und dem Bodensee,
  • eine regionale Hauptachse des Kantons Thurgau,
  • eine Pendlerverbindung in den Wirtschaftsraum Zürich,
  • ein Zugang zu den Bahnlinien nach Konstanz, St. Gallen und Wil,
  • eine Verbindung zu den Häfen und touristischen Angeboten am Bodensee.

Die vier wichtigsten Knoten Winterthur, Frauenfeld, Weinfelden und Romanshorn ermöglichen zahlreiche Anschlüsse auf andere Bahn- und Buslinien.

Durch ihre Eröffnung im Jahr 1855 besitzt die Strecke ausserdem grosse eisenbahnhistorische Bedeutung.

Zukunft

Die Nachfrage im öffentlichen Verkehr zwischen Zürich, Winterthur und dem Thurgau ist langfristig gestiegen. Entsprechend wird die Infrastruktur weiterentwickelt.

Zu den zentralen Zielen gehören:

  • zusätzliche Kapazitäten,
  • dichtere Fahrpläne,
  • stabile Anschlüsse in Winterthur und Weinfelden,
  • schnellere Verbindungen,
  • modernisierte Bahnhöfe und Perrons,
  • barrierefreie Zugänge,
  • leistungsfähigere Sicherungsanlagen.

Der Ausbauschritt 2035 des Bundes berücksichtigt die Korridore Winterthur–Konstanz und Winterthur–Romanshorn ausdrücklich bei den geplanten Kapazitäts- und Beschleunigungsmassnahmen.

Die Strecke dürfte daher auch künftig zu den wichtigsten Eisenbahnverbindungen der Ostschweiz gehören.

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Peter Bärtschi, Adrian Ramsauer, Jürg Hauswirth: Die Bodenseebahn 1855–2005. Romanshorn–Winterthur–Zürich. Minirex, Luzern 2005.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich.
  • Hans-Peter Bärtschi: Industrialisierung, Eisenbahnschlachten und Städtebau. Die Entwicklung des Zürcher Industrie- und Arbeiterstadtteils Aussersihl. Zürich.
  • Schweizerische Bundesbahnen: historische und aktuelle Unterlagen zum Bahnnetz der Ostschweiz.

Einzelnachweise