Frauenfeld
| Frauenfeld | |
|---|---|
| Wappen von Frauenfeld | |
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Thurgau |
| Bezirk | Frauenfeld |
| BFS-Nummer | 4566 |
| Postleitzahl | 8500–8503 |
| Koordinaten | 47° 33′ 22″ N, 8° 53′ 53″ O |
| Höhe | 417 m ü. M. |
| Fläche | 27,43 km² |
| Einwohner | 26'919 (31. Dezember 2025) |
| Einwohnerdichte | rund 981 Einwohner je km² |
| Stadtpräsident | Claudio Bernold (FDP) |
| Website | frauenfeld.ch |
Frauenfeld ist eine politische Gemeinde und Stadt im Kanton Thurgau in der Schweiz. Sie ist Hauptort des Kantons sowie Verwaltungssitz des gleichnamigen Bezirks Frauenfeld. Die Stadt liegt an der Murg wenige Kilometer vor deren Mündung in die Thur und bildet das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des westlichen Thurgaus.
Frauenfeld entstand im 13. Jahrhundert als befestigte Siedlung bei einer Burg und wurde 1246 erstmals urkundlich erwähnt. Nach der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen im Jahr 1460 entwickelte sich die Stadt zum Verwaltungszentrum der gemeinen Herrschaft Thurgau. Von 1712 bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft war Frauenfeld ein regelmässiger Tagungsort der Tagsatzung. Seit der Verselbständigung des Thurgaus 1798 ist die Stadt Kantonshauptort.
Ende 2025 lebten 26'919 Menschen in Frauenfeld. Mit einer Fläche von 27,43 Quadratkilometern ist Frauenfeld nach der Einwohnerzahl die grösste Stadt des Kantons Thurgau.[1]
Das historische Zentrum mit Schloss, Rathaus, Kirchen, Gesandtschaftshäusern und Bürgerhäusern besitzt ein geschlossenes kleinstädtisches Erscheinungsbild. Ausserhalb der Altstadt prägen Wohnquartiere, Verwaltungsgebäude, Industrieareale, ehemalige Fabrikanlagen und weitläufige Grünräume das Stadtgebiet.
Geographie
Lage
Frauenfeld liegt im westlichen Teil des Kantons Thurgau nahe der Grenze zum Kanton Zürich. Die Altstadt befindet sich beidseits der Murg in einem Übergangsgebiet zwischen dem breiten Thurtal und den südlich ansteigenden Hügelzügen des Hinterthurgaus.
Das Zentrum liegt auf rund 417 Metern über Meer. Der tiefste Bereich des Gemeindegebiets befindet sich im Norden in der Ebene der Thur. Gegen Süden und Südosten steigt das Gelände deutlich an. Die höchsten Punkte liegen in den bewaldeten Hügelgebieten bei Herten, Huben und Gerlikon.
Die Murg durchquert das Stadtgebiet von Süden nach Norden. Ihr Lauf und die davon abgeleiteten Gewerbekanäle waren für die mittelalterliche Stadtentwicklung und die spätere Industrialisierung von grosser Bedeutung. Nördlich der Stadt fliesst die Murg in die Thur.
Frauenfeld grenzt an die Thurgauer Gemeinden Aadorf, Felben-Wellhausen, Gachnang, Matzingen, Thundorf, Uesslingen-Buch und Warth-Weiningen. Im Westen bestehen Grenzen zu Gemeinden des Kantons Zürich, darunter Ellikon an der Thur, Hagenbuch und Wiesendangen.
Stadtgebiet und Quartiere
Das heutige Stadtgebiet umfasst neben der historischen Kernstadt mehrere ehemalige Dörfer und ländliche Siedlungen. Die Stadt wird in acht grössere Quartiergebiete gegliedert:
- Erzenholz-Horgenbach;
- Ergaten-Talbach;
- Gerlikon;
- Herten-Bannhalde;
- Huben;
- Kurzdorf;
- Langdorf;
- Vorstadt.
Die Quartiere unterscheiden sich deutlich in ihrer Siedlungsstruktur. Während die Vorstadt und die zentrumsnahen Gebiete dicht bebaut sind, besitzen Herten, Huben, Horgenbach und Gerlikon teilweise einen dörflichen Charakter. Zwischen den Siedlungsgebieten liegen Landwirtschaftsflächen, Wälder und kleinere Naturräume.
1919 wurden die damaligen Ortsgemeinden Frauenfeld, Herten, Horgenbach, Huben, Kurzdorf und Langdorf zur Einheitsgemeinde Frauenfeld zusammengeschlossen. Seit dem 1. Januar 1998 gehören auch Gerlikon, Zelgli und Schönenhof zur Stadt.[2]
Landschaft und Naherholung
Trotz ihrer Funktion als Kantons- und Regionalzentrum besitzt die Gemeinde einen hohen Anteil an Wald-, Landwirtschafts- und Grünflächen. Zu den bedeutenden Naherholungsgebieten gehören die Grosse und die Kleine Allmend, das Murgufer, der Murg-Auen-Park sowie die Wälder und Höhenzüge südlich der Stadt.
Ein bekanntes Ausflugsziel ist der Stählibuck südöstlich des Zentrums. Auf seiner Höhe steht ein Aussichtsturm, von dem sich bei guter Sicht ein Panorama über das Thurtal, den Seerücken, die Voralpen und Teile der Alpen eröffnet.
Die Thurauen nördlich der Stadt sind Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Sie dienen zugleich dem Hochwasserschutz und der Naherholung. Die Murg wurde innerhalb des Siedlungsgebiets abschnittsweise aufgewertet und stärker in den öffentlichen Stadtraum einbezogen.
Name und Wappen
Der Ortsname ist 1246 erstmals in der Form Vrowinfelt belegt. Er bedeutet «Feld der Frau». Mit der Frau war ursprünglich wahrscheinlich die Gottesmutter Maria gemeint. Das Gebiet gehörte im Frühmittelalter dem Kloster Reichenau, dessen Hauptkirche Maria geweiht war. Frauenfeld entstand demnach auf einem Feld, das rechtlich und symbolisch der Schutzpatronin des Klosters zugerechnet wurde.
Das Stadtwappen zeigt auf weissem Grund einen steigenden roten Löwen, der von einer rot gekleideten Frau an einer goldenen Kette geführt wird. Hautpartien, einzelne Verzierungen und die Kette erscheinen in Gold beziehungsweise Gelb.
Der Löwe wird meist mit der habsburgischen Herrschaft in Verbindung gebracht. Die weibliche Figur verweist vermutlich auf Maria und damit auf den Namen der Stadt sowie auf das Kloster Reichenau. Das Motiv ist bereits auf mittelalterlichen Siegeln und Bannern überliefert. Die heutige Form des Gemeindewappens wurde 1943 amtlich festgelegt.[3]
Geschichte
Frühgeschichte und Erchingen
Das Gebiet des heutigen Frauenfelds war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde stammen unter anderem aus der Latènezeit. Während der römischen Epoche führte eine wichtige Strassenverbindung von Vitudurum, dem heutigen Oberwinterthur, über das Gebiet von Frauenfeld nach Pfyn, dem römischen Ad Fines.
Im Bereich von Thalbach und Oberkirch wurden Reste römischer Gutshöfe entdeckt. Nach dem Ende der römischen Herrschaft entwickelten sich frühmittelalterliche Siedlungen. Eine besondere Bedeutung besass Erchingen, das im 9. Jahrhundert als Königshof, Kirche und Gerichtsstätte nachgewiesen ist.
Erchingen wurde 853 oder 854 erstmals in Urkunden des Klosters St. Gallen erwähnt. König Arnulf bestätigte 888 und 889 die Übertragung des Hofs an das Kloster Reichenau. Zur Anlage gehörte bereits eine Kirche, deren Nachfolgerin die heutige Oberkirche ist.
Entstehung der Stadt
Der Bergfried des heutigen Schlosses Frauenfeld wurde um 1230 errichtet. Seine Lage über einem Übergang der Murg erlaubte die Kontrolle eines regionalen Verkehrswegs. Neben der Burg entstand im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts eine befestigte Siedlung.
Am 24. August 1246 erschien ein «B. de Vrowinfelt» als Zeuge in einer Zürcher Urkunde. Dies gilt als erste schriftliche Erwähnung des Stadtnamens. In einer Urkunde von 1286 wurde Frauenfeld erstmals ausdrücklich als Stadt bezeichnet.
Die Entwicklung erfolgte auf Grundbesitz des Klosters Reichenau. Die Vogteirechte lagen zunächst bei den Grafen von Kyburg und gingen nach deren Aussterben 1264 an die Habsburger über. Die Stadt erhielt eigene Organe, Markt- und Gerichtsrechte. Ein dreiköpfiger Rat ist 1312 belegt, die erste bekannte Stadtverfassung stammt von 1331.
Frauenfeld bestand aus einer kleinen, von Mauern und Gräben umgebenen Kernstadt. Tore führten zu den regionalen Verkehrswegen. Die Murg und mehrere Gewerbekanäle versorgten Mühlen, Werkstätten und andere Betriebe mit Wasser.
Reichsstadt und österreichische Herrschaft
Nach der Ächtung Herzog Friedrichs IV. von Österreich während des Konstanzer Konzils löste sich Frauenfeld zeitweise aus der habsburgischen Herrschaft. Von 1415 bis 1442 besass die Stadt den Status einer Reichsstadt und stand unter dem Schutz eines Reichslandvogts.
Anschliessend fiel Frauenfeld nochmals an Österreich. Die Stadt blieb jedoch klein und war wirtschaftlich stark von ihrem ländlichen Umland abhängig. Landwirtschaft, Weinbau, Handwerk und regionaler Handel bildeten die wichtigsten Lebensgrundlagen.
Unter eidgenössischer Herrschaft
1460 eroberten mehrere eidgenössische Orte den Thurgau. Frauenfeld wurde Teil der gemeinsam verwalteten gemeinen Herrschaft Thurgau. Die Eidgenossen bestätigten der Stadt ihre bestehenden Rechte und Freiheiten.
Aufgrund ihrer zentralen Lage und ihrer Verwaltungstradition wurde Frauenfeld schrittweise zum politischen Mittelpunkt der Landgrafschaft. Um 1500 fanden erstmals eidgenössische Tagsatzungen in der Stadt statt. Der eidgenössische Landvogt residierte zunächst an verschiedenen Orten und bezog 1532 das Schloss Frauenfeld.
1529 setzte sich in Frauenfeld die Reformation durch. Die konfessionellen Spannungen zwischen reformierten und katholischen Einwohnern führten zu einer besonderen Form der kirchlichen Parität. 1558 wurden die Rechte und die gemeinsame Nutzung kirchlicher Einrichtungen zwischen den Konfessionen geregelt.
Von 1712 bis 1798 tagte die eidgenössische Tagsatzung regelmässig in Frauenfeld. Gesandte der eidgenössischen Orte wohnten in repräsentativen Häusern, von denen mehrere erhalten sind. Die Funktion als Tagsatzungsort erhöhte das politische Ansehen der Stadt und prägte ihr bauliches Erscheinungsbild.
Stadtbrände und Wiederaufbau
Am 19. Juli 1771 zerstörte ein grosser Brand die östliche Hälfte der Altstadt. Zahlreiche Wohnhäuser, Werkstätten und öffentliche Gebäude gingen verloren. 62 Familien wurden obdachlos.
Ein zweiter Stadtbrand verwüstete 1788 grosse Teile der westlichen Altstadt. Dabei brannten unter anderem das Rathaus, das evangelische Schulhaus und mehr als 30 Wohnhäuser nieder.
Der Wiederaufbau erfolgte nach geordneten Plänen. Viele Gebäude erhielten barocke und frühklassizistische Fassaden. Das heutige Rathaus wurde zwischen 1791 und 1793 errichtet. Sein repräsentativer Saal diente der Tagsatzung und wird heute unter anderem vom Grossen Rat des Kantons Thurgau genutzt.
Kantonshauptort
Mit dem Einmarsch französischer Truppen und dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft wurde der Thurgau 1798 zu einem selbständigen Kanton der Helvetischen Republik. Frauenfeld wurde zu dessen Hauptort bestimmt.
Nach der Mediationsakte von 1803 blieb Frauenfeld Sitz der kantonalen Behörden. Die Wahl war nicht unumstritten, da auch das zentraler im Kanton gelegene Weinfelden Ansprüche auf die Hauptortfunktion erhob. Frauenfeld behauptete sich jedoch als politisches Zentrum.
Zwischen 1804 und 1846 wurden die Stadttore, grosse Teile der Befestigung und mehrere Mauerabschnitte abgebrochen. Die Stadtgräben wurden aufgefüllt und in Promenaden sowie Strassen umgewandelt. Dadurch konnte sich die Bebauung über den mittelalterlichen Stadtkern hinaus ausdehnen.
Industrialisierung
1805 eröffnete der Textilunternehmer Bernhard Greuter am rechtsufrigen Murgkanal eine Niederlassung. Dieser Betrieb gilt als Ausgangspunkt der modernen Industrialisierung Frauenfelds.
Im 19. Jahrhundert entstanden Unternehmen der Textil-, Leder-, Nahrungsmittel-, Metall- und chemischen Industrie. Viele Fabriken nutzten die Wasserkraft der Murgkanäle. Industrieanlagen entwickelten sich insbesondere im Gebiet der Walzmühle, des Eisenwerks und entlang der Bahnlinie.
Die Eröffnung der Bahnstrecke Winterthur–Romanshorn im Jahr 1855 verbesserte die Verkehrsverbindungen erheblich. 1863 wurden die Kaserne und der Artillerie-Waffenplatz eröffnet. Seit 1887 verbindet die Frauenfeld-Wil-Bahn die Stadt mit Wil.
Frauenfeld entwickelte sich zu einem wichtigen Industrie-, Verwaltungs- und Bildungsstandort. Die Bevölkerung wuchs, und ausserhalb der Altstadt entstanden neue Wohnquartiere, öffentliche Bauten und Verkehrsanlagen.
Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert
1919 wurden die Stadt und die umliegenden Ortsgemeinden Frauenfeld, Herten, Horgenbach, Huben, Kurzdorf und Langdorf zur Einheitsgemeinde zusammengeschlossen. Damit entstand die Grundlage des heutigen ausgedehnten Stadtgebiets.
1946 wählte Frauenfeld erstmals ein 40 Mitglieder umfassendes Gemeindeparlament. Der Plättli Zoo wurde 1958 eröffnet, der Stadtbus nahm 1981 den Betrieb auf. Das ehemalige Industrieareal Eisenwerk wurde ab den 1980er-Jahren zu einem Wohn-, Gewerbe- und Kulturzentrum umgenutzt.
Am 1. Januar 1998 wurden Gerlikon, Zelgli und Schönenhof eingemeindet. 1999 wurde der neu gestaltete Bahnhof eröffnet. Nach dem Abzug der Artillerie im Jahr 2007 veränderte sich die militärische Nutzung des Waffenplatzes, der als Ausbildungs- und Infrastrukturstandort der Schweizer Armee weiterhin Bedeutung besitzt.
In den letzten Jahrzehnten entstanden neue Wohngebiete, Dienstleistungsbetriebe und öffentliche Anlagen. Frühere Industriekomplexe wie Walzmühle und Eisenwerk wurden teilweise zu Wohn-, Arbeits- und Kulturarealen umgestaltet.[4]
Bevölkerung
Frauenfeld blieb bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts eine kleine Landstadt. Die Industrialisierung, die Funktion als Kantonshauptort und der Ausbau der Verkehrswege führten zu einem kontinuierlichen Wachstum.
Einen besonders deutlichen Bevölkerungszuwachs erlebte die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Neue Wohnquartiere entstanden vor allem im Langdorf, im Kurzdorf, in Ergaten-Talbach, Huben und Herten.
Ende 2025 lebten 26'919 Personen in Frauenfeld. Davon besassen 19'610 die schweizerische und 7'309 eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die Bevölkerung ist sprachlich, kulturell und religiös vielfältig.
Die früher dominierenden reformierten und römisch-katholischen Landeskirchen umfassen heute zusammen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Ein wachsender Teil gehört einer anderen Religionsgemeinschaft oder keiner Landeskirche an.
Politik und Verwaltung
Frauenfeld besitzt als eine der grösseren Gemeinden des Kantons Thurgau ein Gemeindeparlament. Die politischen Organe sind der Gemeinderat als Legislative und der Stadtrat als Exekutive.
Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht aus 40 Mitgliedern und wird im Verhältniswahlverfahren gewählt. Er berät das Budget, städtische Reglemente, Bau- und Sachkredite sowie weitere kommunale Geschäfte. Bestimmte Beschlüsse unterstehen dem fakultativen oder obligatorischen Referendum.
Im Parlament sind mehrere Parteien und lokale Gruppierungen vertreten. Die Ratsmitglieder bilden Fraktionen und arbeiten in ständigen sowie besonderen Kommissionen. Die Sitzungen finden in der Regel im Rathaus statt.[5]
Stadtrat
Der Stadtrat bildet die fünfköpfige Exekutive. Seine Mitglieder werden von den Stimmberechtigten gewählt und führen jeweils ein Departement.
Seit dem 1. Juni 2025 ist Claudio Bernold von der FDP Stadtpräsident. Zum Stadtrat gehören ausserdem Barbara Dätwyler Weber, Andrea Hofmann Kolb, Stefan Leuthold und Regine Siegenthaler.[6]
Als Kantonshauptort beherbergt Frauenfeld die Regierung, einen Teil der kantonalen Verwaltung und das Kantonsparlament. Der Grosse Rat tagt im Rathaus. Weitere kantonale Dienststellen befinden sich in verschiedenen Gebäuden innerhalb und ausserhalb des historischen Zentrums.
Wirtschaft
Frauenfeld ist das wichtigste Arbeitsplatzzentrum des westlichen Thurgaus. Die Wirtschaftsstruktur umfasst öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen, Bildung, Industrie, Gewerbe, Handel, Logistik und weitere Dienstleistungen.
Die Funktion als Kantonshauptort sorgt für zahlreiche Arbeitsplätze in Verwaltung, Justiz und kantonsnahen Betrieben. Mit dem Kantonsspital Frauenfeld verfügt die Stadt über einen bedeutenden Gesundheitsstandort.
Die Industrie konzentriert sich vor allem auf Gebiete entlang der Bahnlinie, der Zürcherstrasse und im Norden der Stadt. Bedeutende Branchen sind Maschinenbau, Metallverarbeitung, Nahrungsmittelproduktion, Chemie, Verpackung, Logistik und technische Dienstleistungen.
Ein weithin sichtbarer Industriebetrieb ist das Werk Frauenfeld der Schweizer Zucker AG. Es gehört neben dem Werk in Aarberg zu den beiden grossen Zuckerfabriken der Schweiz. Während der jährlich stattfindenden Rübenkampagne werden grosse Mengen Zuckerrüben aus der Ostschweiz verarbeitet.[7]
Der Detailhandel konzentriert sich auf die Altstadt, die Vorstadt, das Langdorf und grössere Einkaufsgebiete entlang der Hauptverkehrsachsen. Die historische Innenstadt steht dabei im Wettbewerb mit Einkaufszentren und dem Onlinehandel.
Die Landwirtschaft besitzt in den äusseren Quartieren weiterhin Bedeutung. Auf dem Gemeindegebiet bestehen Ackerbau-, Viehhaltungs- und Spezialkulturbetriebe. Die Nähe zur landwirtschaftlich geprägten Region fördert die Verbindung zwischen Nahrungsmittelindustrie und Landwirtschaft.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Frauenfeld liegt an der Hauptstrecke von Winterthur nach Romanshorn. Er wird von Fernverkehrs- und Regionalzügen bedient. Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach Zürich, Winterthur, Weinfelden, Romanshorn, Kreuzlingen, Konstanz und St. Gallen.
Frauenfeld ist Ausgangspunkt der schmalspurigen Frauenfeld-Wil-Bahn. Sie führt über Matzingen und Münchwilen nach Wil und erschliesst zahlreiche Ortschaften des Hinterthurgaus.
Neben dem Hauptbahnhof besitzt Frauenfeld weitere Haltestellen im regionalen Bahnnetz, darunter Frauenfeld Marktplatz und Frauenfeld Lüdem.
Stadt- und Regionalbusse
Der Stadtbus Frauenfeld nahm 1981 den Betrieb auf. Das Liniennetz verbindet den Bahnhof und die Innenstadt mit den Wohnquartieren, Einkaufsgebieten, Schulen, dem Kantonsspital und den Randgebieten der Gemeinde.
Regionalbusse führen in umliegende Gemeinden und ländliche Gebiete des Bezirks. Frauenfeld gehört zum Tarifverbund Ostwind.
Strassenverkehr
Frauenfeld liegt an der Autobahn A7, die Winterthur mit Kreuzlingen und der deutschen Grenze bei Konstanz verbindet. Über Winterthur besteht Anschluss an die A1 in Richtung Zürich, Bern und St. Gallen.
Die wichtigsten Kantonsstrassen führen nach Winterthur, Schaffhausen, Weinfelden, Wil, Steckborn und Kreuzlingen. Der Durchgangsverkehr belastet insbesondere die zentrumsnahen Hauptachsen. Zur Entlastung und Aufwertung der Innenstadt werden seit mehreren Jahrzehnten unterschiedliche Verkehrs- und Umfahrungsprojekte diskutiert.
Die Stadt fördert den Fuss- und Veloverkehr durch Radwege, Abstellanlagen und Verbindungen entlang der Murg und der Thur.
Bildung
Frauenfeld ist ein bedeutender Bildungsstandort des Kantons Thurgau. Die Primar- und Sekundarschulen werden von eigenständigen Schulgemeinden geführt. Im Stadtgebiet befinden sich zahlreiche Kindergärten und Schulanlagen.
Die Kantonsschule Frauenfeld wurde 1851 eröffnet und ist eine der ältesten kantonalen Mittelschulen der Ostschweiz. Sie bietet gymnasiale Bildungsgänge und weitere Mittelschulangebote an.[8]
Weitere Bildungseinrichtungen vermitteln Berufsbildung, technische Ausbildung, Erwachsenenbildung und überbetriebliche Kurse. Die Nähe zu den Hochschulstandorten Winterthur, Zürich, St. Gallen und Konstanz erweitert das Bildungsangebot für die Bevölkerung.
Eine wichtige Rolle spielen zudem die Kantonsbibliothek Thurgau, das Staatsarchiv, die städtische Bibliothek sowie die Sammlungen der kantonalen Museen.
Religion
Die Reformation wurde 1529 in Frauenfeld eingeführt. Wegen der eidgenössischen Herrschaft und der konfessionell gemischten Bevölkerung entwickelte sich eine paritätische Ordnung, in der reformierte und katholische Gläubige zeitweise dieselben Kirchen nutzten.
Die evangelische Stadtkirche und die katholische Kirche St. Nikolaus prägen gemeinsam das Bild der Altstadt. Weitere historische Kirchen befinden sich in Kurzdorf und Oberkirch.
Heute bestehen neben den evangelisch-reformierten und römisch-katholischen Kirchgemeinden verschiedene Freikirchen, orthodoxe Gemeinden, muslimische Gemeinschaften und weitere Religionsgemeinschaften.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Altstadt
Die Frauenfelder Altstadt besitzt einen weitgehend geschlossenen Grundriss. Ihre heutige Erscheinung wird stark durch den Wiederaufbau nach den Stadtbränden von 1771 und 1788 geprägt.
Entlang der Freien Strasse, der Zürcherstrasse, des Bankplatzes und des Rathausplatzes stehen Bürgerhäuser mit barocken und klassizistischen Fassaden. Mehrere Gebäude dienten im 18. Jahrhundert als Unterkünfte und Vertretungen der eidgenössischen Orte.
Zu den bedeutenden historischen Bauwerken gehören:
- Schloss Frauenfeld;
- das Rathaus;
- die evangelische Stadtkirche;
- die katholische Kirche St. Nikolaus;
- die Baliere;
- das Bernerhaus;
- das Luzernerhaus;
- die Oberkirche;
- die Kirche St. Johann im Kurzdorf.
Schloss Frauenfeld
Das Schloss ist das älteste erhaltene weltliche Bauwerk der Stadt. Sein mächtiger Turm entstand um 1230. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Anlage mehrfach erweitert und umgebaut.
Von 1532 bis 1798 diente das Schloss als Residenz der eidgenössischen Landvögte. Nach der Gründung des Kantons Thurgau nutzte die kantonale Verwaltung Teile des Gebäudes.
Seit 1960 beherbergt das Schloss das Historische Museum Thurgau. Die Ausstellung befasst sich mit der Geschichte des Kantons, der eidgenössischen Herrschaft, der Reformation und der Lebenswelt früherer Jahrhunderte.[9]
Rathaus
Das Rathaus wurde zwischen 1791 und 1793 nach dem zweiten grossen Stadtbrand errichtet. Der klassizistische Bau steht am Rathausplatz und bildet das politische Zentrum der Stadt.
Im grossen Saal tagte in den letzten Jahren der Alten Eidgenossenschaft die Tagsatzung. Heute dient er als Sitzungssaal des Grossen Rates des Kantons Thurgau. Im Gebäude befinden sich zudem Teile der Stadtverwaltung.
Museen
Frauenfeld verfügt über mehrere Museen von kantonaler Bedeutung. Das Historische Museum Thurgau nutzt das Schloss und das Alte Zeughaus.
Das Naturmuseum Thurgau vermittelt die Naturgeschichte, Tierwelt, Pflanzenwelt und Landschaftsentwicklung des Kantons. Das Museum für Archäologie Thurgau zeigt Funde von der Steinzeit bis in die Neuzeit.
Die Museen arbeiten mit Schulen, wissenschaftlichen Einrichtungen und kulturellen Organisationen zusammen und bieten Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen an.
Kulturleben
Das Kulturzentrum Eisenwerk entstand in einem ehemaligen Industriekomplex. Es beherbergt Wohnungen, Werkstätten, Ateliers, Gastronomie und Veranstaltungsräume. Konzerte, Theater, Ausstellungen und gesellschaftliche Anlässe prägen das Programm.
Weitere Kulturorte sind das Casino Frauenfeld, das Cinema Luna, die Kantonsbibliothek, das Staatsarchiv und verschiedene Galerien. Die Stadt und der Kanton unterstützen regionale Kulturprojekte und Vereine.
Veranstaltungen
Das international bekannteste Ereignis ist das Openair Frauenfeld. Das Festival entstand 1987 unter dem Namen «Out in the Green» und entwickelte sich später zu einem auf Hip-Hop und urbane Musik ausgerichteten Grossanlass. Es findet auf der Grossen Allmend statt und zieht Gäste aus der Schweiz und dem Ausland an.[10]
Das Mitsommerfest wird in mehrjährigen Abständen im Stadtzentrum durchgeführt. Vereine, Kulturschaffende, Gastronomiebetriebe und Institutionen gestalten gemeinsam ein umfangreiches Programm.
Weitere regelmässige Veranstaltungen sind Märkte, Altstadtkonzerte, Sportanlässe, Fasnachtsveranstaltungen, Adventsanlässe und das internationale Street-Art-Festival.
Freizeit und Sport
Die Grosse und die Kleine Allmend bilden wichtige Sport- und Veranstaltungsräume. Dort befinden sich Sportplätze, Reitanlagen, Schiessanlagen und weitere Einrichtungen.
Die Stadt verfügt über ein Hallen- und Freibad, eine Kunsteisbahn, Turnhallen, Tennisanlagen, Fussballplätze und zahlreiche frei zugängliche Bewegungsangebote.
Der FC Frauenfeld gehört zu den traditionsreichen Fussballvereinen der Region. Weitere Vereine betreiben Eishockey, Leichtathletik, Handball, Volleyball, Radsport, Turnen, Reiten und zahlreiche weitere Sportarten.
Der 1958 eröffnete Plättli Zoo liegt am bewaldeten Hang oberhalb des Stadtteils Herten. Er hält einheimische und exotische Tiere und ist ein beliebtes Familienausflugsziel.
Partnerstadt
Frauenfeld unterhält eine Städtepartnerschaft mit Kufstein im österreichischen Bundesland Tirol. Die Verbindung wird durch gegenseitige Besuche, kulturelle Veranstaltungen, Kontakte zwischen Vereinen und Begegnungen von Behörden gepflegt.
Persönlichkeiten
In Frauenfeld geboren
- Fridolin Anderwert (1828–1880), Politiker und Bundesrat
- Friedrich von Martini (1833–1897), Ingenieur und Unternehmer
- Walter Rudolf Hess (1881–1973), Physiologe und Nobelpreisträger
- Pascal Zuberbühler (* 1971), Fussballtorhüter und Trainer
- Patrick Heuscher (* 1976), Beachvolleyballspieler
- Fabian Frei (* 1989), Fussballspieler
- Leandro Riedi (* 2002), Tennisspieler
Mit Frauenfeld verbunden
- Johann Konrad Kern (1808–1888), Politiker, Diplomat und Ehrenbürger
- Hanna Brack (1873–1955), Lehrerin und Frauenrechtlerin
- Alfred Huggenberger (1867–1960), Schriftsteller und Landwirt in Gerlikon
- Hansjörg Walter (* 1951), Landwirt und Politiker
Siehe auch
- Kanton Thurgau
- Bezirk Frauenfeld
- Schloss Frauenfeld
- Frauenfeld-Wil-Bahn
- Openair Frauenfeld
- Liste der Städte in der Schweiz
- Liste der Gemeinden im Kanton Thurgau
Literatur
- Angelus Hux: Frauenfeld. Geschichte einer Stadt im 19. und 20. Jahrhundert. Frauenfeld 1996.
- Albert Knoepfli: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau. Band I: Der Bezirk Frauenfeld. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1950.
- Stadt Frauenfeld (Hrsg.): Frauenfeld – Geschichte und Gegenwart einer Thurgauer Stadt. Frauenfeld.
- Peter Erni: Frauenfeld. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Offizielle Website der Stadt Frauenfeld
- Frauenfeld im Historischen Lexikon der Schweiz
- Regio Frauenfeld
- Historisches Museum Thurgau
- Naturmuseum Thurgau
- Museum für Archäologie Thurgau
Einzelnachweise
- ↑ Zahlen und Fakten. Hrsg.: Stadt Frauenfeld. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Eckdaten zur Geschichte Frauenfelds. Hrsg.: Stadt Frauenfeld. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Name und Wappen der Stadt. Hrsg.: Stadt Frauenfeld. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Geschichte Frauenfelds. Hrsg.: Stadt Frauenfeld. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Gemeinderat. Hrsg.: Stadt Frauenfeld. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Stadtrat. Hrsg.: Stadt Frauenfeld. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Volkswirtschaftliche Bedeutung der Schweizer Zucker AG für ihre Standortregionen. Hrsg.: Stadt Frauenfeld. 2021. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Abriss zur Geschichte der Kantonsschule Frauenfeld. Hrsg.: Kantonsschule Frauenfeld. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Schloss Frauenfeld. Hrsg.: Historisches Museum Thurgau. Abgerufen am 2026-07-23.
- ↑ Von der Wiese zur Weltbühne – Vierzig Jahre Openair Frauenfeld. Hrsg.: Kanton Thurgau. 2026-06-17. Abgerufen am 2026-07-23.
Wikimedia Commons: Medien zu Frauenfeld