Ellikon an der Thur

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Ellikon an der Thur

Wappen von Ellikon an der Thur

Wappen

Lage von Ellikon an der Thur

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Region

Zürcher Weinland

Bezirk

Winterthur

BFS-Nummer

0218

Postleitzahl

8548

Koordinaten

47.56444° N, 8.82583° E

Höhe

390 m ü. M.

Fläche

5,02 km²

Einwohner

1'025
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.ellikonanderthur.ch

Ellikon an der Thur ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt am Südrand der Thurebene unmittelbar an der Grenze zum Kanton Thurgau und gehört zum östlichen Teil des Zürcher Weinlands. Das Dorf befindet sich abseits der grossen Verkehrsachsen zwischen Winterthur und Frauenfeld.

Die Gemeinde ist ländlich geprägt. Landwirtschaftsflächen und Wälder nehmen den grössten Teil des rund fünf Quadratkilometer grossen Gemeindegebiets ein. Die Thur und ihre Uferlandschaft bilden im Norden einen bedeutenden Natur- und Erholungsraum. Überregional bekannt ist Ellikon als Gründungsort der Forel Klinik, einer traditionsreichen Fachklinik für die Behandlung von Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit.

Ellikon an der Thur ist nicht mit Ellikon am Rhein zu verwechseln, einem Dorf in der Gemeinde Marthalen.

Name

Der Ortsname wird auf einen alemannischen Siedler namens Ello oder Allo zurückgeführt. Dessen Nachkommen sollen als Ellinger bezeichnet worden sein. Aus einer Bezeichnung im Sinn von «bei den Höfen der Ellinger» entwickelten sich Formen wie Ellinghofen, Ellinkhofen und schliesslich Ellikon.[1]

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1257, als der Ort als Ellinkon genannt wurde.[2] Die örtliche Geschichtsüberlieferung führt die Ansiedlung bis in das 9. Jahrhundert zurück und erwähnt frühe Besitzbeziehungen zum Kloster Reichenau.

Der Zusatz «an der Thur» dient der geografischen Einordnung und der Unterscheidung von anderen Orten mit dem Namen Ellikon.

Geografie

Lage

Ellikon an der Thur liegt rund zehn Kilometer nordöstlich von Winterthur und etwa fünf Kilometer westlich des Stadtzentrums von Frauenfeld. Das Dorf befindet sich am südlichen Rand der breiten Thurebene auf ungefähr 390 Metern über Meer.

Das Gemeindegebiet grenzt im Norden an Uesslingen-Buch, im Osten an Frauenfeld, im Südosten an Gachnang, im Südwesten an Wiesendangen, im Westen an Rickenbach und im Nordwesten an Altikon. Die Grenzen zu Uesslingen-Buch, Frauenfeld und Gachnang sind zugleich Kantonsgrenzen zwischen Zürich und Thurgau.

Die Gemeindefläche beträgt rund fünf Quadratkilometer. Der höchste Punkt liegt im Gebiet Eigi auf etwa 421 Metern über Meer, der tiefste Punkt im Untergries auf ungefähr 376 Metern über Meer.[3]

Landschaft

Die Landschaft ist durch die flache Thurebene, sanfte Geländeerhebungen, Wälder und ausgedehnte Landwirtschaftsflächen geprägt. Nach Angaben der Gemeinde entfallen rund 341 Hektaren auf Äcker und Wiesen sowie mehr als 95 Hektaren auf Wald.[3]

Der geschlossene Dorfkern liegt leicht erhöht am südlichen Rand der Ebene. Ausserhalb des Dorfes befinden sich einzelne Höfe, landwirtschaftliche Betriebsgebäude und kleinere Gewerbeanlagen. Die Siedlungsentwicklung blieb im Vergleich mit den Agglomerationsgemeinden rund um Winterthur begrenzt.

Ellikon gehört geografisch zum Übergangsgebiet zwischen dem Zürcher Weinland, dem Thurtal und dem westlichen Teil des Kantons Thurgau. Die nahe Kantonsgrenze beeinflusste die Geschichte, die Verkehrsbeziehungen und die wirtschaftliche Ausrichtung der Gemeinde.

Thur

Die Thur verläuft nördlich des Dorfes durch die breite Talebene. Der Fluss entspringt im Toggenburg, durchquert die Kantone St. Gallen, Thurgau und Zürich und mündet bei Flaach in den Rhein.

Die Thur war früher durch häufige Hochwasser geprägt. Überschwemmungen konnten Felder, Wege und Siedlungen in der Ebene gefährden. Flusskorrektionen, Dämme und Entwässerungsanlagen ermöglichten eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung der Talböden.

Heute besitzt die Flusslandschaft auch eine grosse ökologische Bedeutung. Ufergehölze, Kiesflächen, Altarme und angrenzende Feuchtgebiete bieten Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Wege entlang der Thur werden zum Wandern, Velofahren und zur Naherholung genutzt.

Ellikerbach

Der Ellikerbach durchquert das Dorf und fliesst in Richtung Thur. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bildete er zeitweise eine bedeutende Verwaltungs- und Gerichtsgrenze.

An dieser Grenze stiessen die Herrschaftsbereiche der Grafschaft Kyburg und der Landgrafschaft Thurgau aufeinander. Die Lage des Dorfes auf beiden Seiten dieser Grenzlinie führte während Jahrhunderten zu komplizierten Herrschaftsverhältnissen.

Geschichte

Frühe Besiedlung

Die fruchtbaren Böden der Thurebene und die Nähe zum Fluss boten günstige Voraussetzungen für eine frühe landwirtschaftliche Besiedlung. Der alemannische Ortsname deutet auf eine Entstehung im frühen Mittelalter hin.

Nach der örtlichen Überlieferung gelangte Ellikon um das Jahr 880 an das Kloster Reichenau. Später gehörte das Gebiet zum Einflussbereich der Grafen von Kyburg. Nach dem Aussterben der Kyburger im Jahr 1264 übernahmen die Habsburger deren Rechte und Besitzungen.[1]

Um 1300 wird das mittelalterliche Dorf in den schriftlichen Quellen deutlicher fassbar. Das Haus Habsburg besass in Ellikon einen Kelnhof, eine Mühle sowie die niedere und hohe Gerichtsbarkeit.[2]

Geteilte Herrschaft

Die Herrschaftsverhältnisse wurden im 15. Jahrhundert besonders kompliziert. Das Landgericht Thurgau wurde 1417 an die Reichsstadt Konstanz verpfändet, während die Grafschaft Kyburg 1424 und erneut 1452 an die Stadt Zürich gelangte.

Der Ellikerbach trennte die beiden Verwaltungsgebiete. Dadurch wurde das Dorf unterschiedlichen Obrigkeiten unterstellt. Mit der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen im Jahr 1460 wurde diese Teilung dauerhaft gefestigt und bestand bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798.[2]

Ein Teil der hohen Gerichtsbarkeit gehörte zur Grafschaft Kyburg und damit zu Zürich, während der andere Teil im Herrschaftsbereich des Thurgaus lag. Diese besondere Lage führte zu Auseinandersetzungen um Steuern, Zölle, gerichtliche Zuständigkeiten und die Ausübung obrigkeitlicher Rechte.

Die alte Zollbrücke im Dorf erinnerte an die Grenze zwischen dem Zürcher und dem thurgauischen Herrschaftsgebiet. Für die Bevölkerung bedeutete die geteilte Zuständigkeit, dass alltägliche Rechtsfragen von unterschiedlichen Behörden beurteilt werden konnten.

Herren von Goldenberg

1361 verliehen die Habsburger die niedere Gerichtsbarkeit und die Vogtei über Ellikon an Egli von Goldenberg. Die Herren von Goldenberg waren auf der Mörsburg bei Winterthur ansässig.

Das Geschlecht behielt die Gerichtsherrschaft bis zum Aussterben seiner männlichen Linie im Jahr 1569. Zürich erwarb das Lehen anschliessend und verfügte damit über die niedere sowie einen Teil der hohen Gerichtsbarkeit.[4]

Die historische Verbindung zu den Herren von Goldenberg lebt im Gemeindewappen weiter.

Kirche und Reformation

Eine Kirche in Ellikon ist um 1400 schriftlich als Filiale der Pfarrei Gachnang nachweisbar. Nach der örtlichen Überlieferung wurde der heutige Kirchenbau 1489 errichtet. Das Gotteshaus wurde später mehrfach verändert und 1748 renoviert und erweitert.[1]

1470 erhielt Ellikon einen eigenen Helfer. Nach der Einführung der Reformation in Zürich wurde 1529 ein reformierter Prädikant eingesetzt. Formell blieb Ellikon jedoch weiterhin der katholischen Pfarrei Gachnang unterstellt, und der Geistliche musste zunächst dort wohnen.

Erst 1651 einigten sich Zürich, der Bischof von Konstanz und der Gerichtsherr von Gachnang über die vollständige Loslösung Ellikons von der katholischen Pfarrei. Bis 1853 gehörten auch die reformierten Einwohnerinnen und Einwohner von Uesslingen zur Kirchgemeinde Ellikon.[2]

Helvetik und Freiheitsbaum

Der Einmarsch französischer Truppen und der Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft beendeten 1798 die komplizierten Herrschafts- und Gerichtsverhältnisse.

Am 27. Februar 1798 pflanzten Einwohner von Ellikon als Symbol der neuen politischen Ordnung einen Freiheitsbaum. Bei dem Baum handelt es sich um eine Platane. Sie steht im Dorfzentrum und ist seit 1947 geschützt.[2]

Der Elliker Freiheitsbaum zählt zu den wenigen erhaltenen lebenden Erinnerungszeichen an die Helvetische Republik und die politischen Umwälzungen des Jahres 1798.

Landwirtschaft und Gewerbe

Ellikon blieb während Jahrhunderten ein Bauerndorf. Ackerbau, Viehzucht, Milchwirtschaft und Waldnutzung bildeten die wirtschaftlichen Grundlagen. Die fruchtbaren Böden der Thurebene eigneten sich besonders für Getreide-, Futter- und später auch für intensiveren Feldbau.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verbreitete sich die textile Heimarbeit. Familien verbanden die Landwirtschaft mit Spinnen und Weben und arbeiteten im Auftrag auswärtiger Handelshäuser.

Die beiden Mühlenanlagen des Dorfes veranschaulichen den Übergang vom traditionellen Gewerbe zur industriellen Produktion. Die Müllerdynastie Egg erwarb die Gewerbebauten 1630. Johann Jakob Egg richtete dort 1803 eine mechanische Baumwollspinnerei ein.

Die Spinnerei stellte 1876 ihren Betrieb ein. Von 1897 bis 1972 wurden Teile der Gebäude von einer Kartonfabrik genutzt.[2] Die historischen Mühlen- und Gewerbebauten gehören zu den wichtigsten Zeugnissen der Wirtschafts- und Industriegeschichte Ellikons.

Verkehrserschliessung

1851 wurde Ellikon an das kantonale Strassennetz angeschlossen. Die Verbesserung der Strassen erleichterte den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse und gewerblicher Waren nach Winterthur und Frauenfeld.

Die 1855 eröffnete Bahnstrecke Winterthur–Frauenfeld führte südlich an Ellikon vorbei. Das Dorf erhielt keinen eigenen Bahnhof. 1866 wurde deshalb eine Gemeindestrasse zum Bahnhof Islikon gebaut.[2]

Die fehlende direkte Eisenbahnerschliessung trug dazu bei, dass Ellikon im 19. und frühen 20. Jahrhundert weniger stark industrialisiert und besiedelt wurde als verschiedene andere Gemeinden der Region.

Forel Klinik

1888 gründeten der Psychiater und Sozialreformer Auguste Forel, der Psychiater Eugen Bleuler und weitere Beteiligte in Ellikon eine Einrichtung zur Behandlung alkoholabhängiger Menschen.

Am 3. Januar 1889 trat der erste Patient in die damalige «Trinkerheilstätte Ellikon» ein. Die Institution gehörte zu den Pionieren einer spezialisierten Behandlung von Alkoholabhängigkeit ausserhalb einer psychiatrischen Anstalt.[5]

Aus der Trinkerheilstätte entwickelte sich die heutige Forel Klinik. Sie ist auf die stationäre Behandlung von Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit spezialisiert und gehört zu den bedeutendsten Arbeitgebern der Gemeinde.

Die Klinik besitzt auch historische Bedeutung für die Entwicklung der schweizerischen Suchtmedizin. Behandlungsmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse wurden im Verlauf der Jahrzehnte mehrfach weiterentwickelt.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Zwischen 1942 und 1945 wurden eine Güterzusammenlegung und eine Melioration durchgeführt. Die Neuordnung der Grundstücke erleichterte die maschinelle Bewirtschaftung und verbesserte die Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen.

1965 erhielt die Gemeinde einen Zonenplan. Die erwartete starke Bautätigkeit blieb zunächst aus. Bei der Revision der Ortsplanung im Jahr 1984 wurden die Bauzonen deshalb verkleinert.[2]

Ellikon entwickelte sich nur langsam von einer fast ausschliesslich landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einer Wohn- und Arbeitsgemeinde. Viele Erwerbstätige pendeln heute nach Winterthur, Frauenfeld oder in andere Zentren der Region.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung stärker zu. Der ländliche Charakter und die kompakte Siedlungsstruktur blieben dennoch weitgehend erhalten.

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl ging während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück und nahm im 20. Jahrhundert zunächst nur langsam zu. Seit den 1990er-Jahren und besonders seit 2020 verzeichnet die Gemeinde ein deutlicheres Wachstum.

Jahr Einwohner
1634 321
1709 300
1850 441
1900 358
1950 437
1960 450
1970 513
1980 562
1990 606
2000 757
2010 889
2020 935
2021 1'044
2022 1'048
2023 1'024
2024 1'010
2025 1'025

Die jüngeren Werte beruhen auf der Einwohnerstatistik der Gemeinde.[3] Abweichungen gegenüber Angaben des Bundesamts für Statistik können sich aus unterschiedlichen Definitionen der Wohnbevölkerung und Erhebungszeitpunkten ergeben.

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird hauptsächlich eine nordostschweizerische Form des Zürichdeutschen gesprochen, die sprachliche Einflüsse aus dem benachbarten Thurgau aufweist.

Politik und Verwaltung

Ellikon an der Thur ist nach dem Gemeindegesetz des Kantons Zürich organisiert. Oberstes politisches Organ sind die Stimmberechtigten, die an Gemeindeversammlungen und bei Urnenabstimmungen über wichtige kommunale Geschäfte entscheiden.

Der Gemeinderat bildet die Exekutive. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem:

  • Gemeindeverwaltung und Finanzen
  • Hoch- und Tiefbau
  • Raumplanung und Heimatschutz
  • Land- und Forstwirtschaft
  • Wasserversorgung und Entsorgung
  • Sicherheit und Feuerwehr
  • Sozialwesen, Gesundheit und Asylwesen
  • Bildung, Jugend und Kultur
  • öffentlicher Verkehr und Umweltschutz

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Andelfingerstrasse 3.[6]

Wegen ihrer geringen Grösse arbeitet die Gemeinde bei zahlreichen Aufgaben mit den Nachbargemeinden zusammen. Solche Kooperationen betreffen unter anderem Schule, Feuerwehr, Zivilschutz, Abwasserreinigung, Sozialdienste und regionale Planung.

Wirtschaft

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist für Ellikon an der Thur weiterhin von grosser Bedeutung. Etwa zwei Drittel der Gemeindefläche werden als Ackerland oder Wiesen genutzt.

Zu den landwirtschaftlichen Betriebszweigen gehören Ackerbau, Milch- und Viehwirtschaft, Obstbau und die Produktion von Futtermitteln. Die flachen Böden der Thurebene ermöglichen eine vergleichsweise intensive Bewirtschaftung.

Landwirtschaftliche Betriebe prägen nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern auch das Landschaftsbild und die Siedlungsstruktur. Mehrere Höfe liegen am Rand des Dorfes oder ausserhalb des geschlossenen Siedlungsgebiets.

Gewerbe und Dienstleistungen

Neben der Landwirtschaft bestehen kleinere Gewerbe-, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Das lokale Angebot umfasst unter anderem Baugewerbe, Detailhandel, Gesundheitsdienstleistungen, Beratung und persönliche Dienstleistungen.

Ein grosser Teil der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet ausserhalb der Gemeinde. Bedeutende Arbeitsorte befinden sich in Frauenfeld, Winterthur und weiteren Gemeinden der Region.

Die Forel Klinik ist die bekannteste Institution und einer der wichtigsten Arbeitgeber im Dorf. Daneben tragen die Schule, die Gemeindeverwaltung und landwirtschaftliche Betriebe zum örtlichen Arbeitsplatzangebot bei.

Verkehr

Öffentlicher Verkehr

Ellikon an der Thur besitzt keinen eigenen Bahnhof. Das Dorf ist durch die Postautolinie 615 mit dem Bahnhof Rickenbach-Attikon verbunden.[7]

Am Bahnhof Rickenbach-Attikon bestehen Anschlüsse an die S-Bahn Zürich in Richtung Winterthur und Frauenfeld. Ein weiterer nahe gelegener Bahnhof befindet sich in Islikon im Kanton Thurgau.

Das Postauto erschliesst neben Ellikon auch benachbarte Gemeinden des Thurtals. Der öffentliche Verkehr ist in den Zürcher Verkehrsverbund eingebunden.

Strassenverkehr

Regionale Strassen verbinden Ellikon mit Frauenfeld, Rickenbach, Altikon, Uesslingen und Islikon. Über Frauenfeld und Gachnang besteht Zugang zur Autobahn A7, die Winterthur mit dem Thurgau und dem Raum Kreuzlingen verbindet.

Ellikon liegt abseits des überregionalen Durchgangsverkehrs. Diese Lage trägt zur vergleichsweise ruhigen Wohnsituation bei, führt jedoch zu einer starken Abhängigkeit vom privaten Fahrzeug und den regionalen Busverbindungen.

Fuss- und Veloverkehr

Landwirtschafts- und Uferwege erschliessen die Thurebene. Sie werden für den lokalen Fuss- und Veloverkehr sowie für Freizeitaktivitäten genutzt.

Regionale Velorouten verbinden Ellikon mit Frauenfeld, Winterthur und den Gemeinden entlang der Thur. Die weitgehend flache Ebene eignet sich besonders für Alltags- und Freizeitfahrten.

Bildung

Ellikon verfügt über eine eigene Primarschule. Sie umfasst den Kindergarten und die Primarstufe bis zur sechsten Klasse.

Die Sekundarschülerinnen und Sekundarschüler besuchen die Sekundarschule in Rickenbach.[8]

Berufsfachschulen, Mittelschulen und weitere Bildungseinrichtungen befinden sich hauptsächlich in Winterthur und Frauenfeld. Die Verkehrsverbindungen ermöglichen den Zugang zu beiden regionalen Bildungszentren.

Religion

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche steht leicht erhöht im historischen Dorfkern. Sie bildet zusammen mit dem Pfarrhaus und weiteren älteren Gebäuden ein prägendes Ensemble.

Die heutige Kirche wurde nach der örtlichen Überlieferung 1489 errichtet. 1748 erfolgten eine Renovation und eine Erweiterung. Spätere Restaurierungen dienten der Erhaltung der historischen Bausubstanz.

Die reformierte Bevölkerung gehört heute zur Reformierten Kirchgemeinde Seuzach-Thurtal.[9]

Katholische Bevölkerung

Die römisch-katholischen Einwohnerinnen und Einwohner gehören zur Pfarrei St. Stefan Wiesendangen. Daneben leben in der Gemeinde Angehörige weiterer christlicher Gemeinschaften, anderer Religionen und Personen ohne Konfessionszugehörigkeit.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Historischer Dorfkern

Der historische Dorfkern wird von traditionellen Bauernhäusern, ehemaligen Gewerbebauten, der Kirche und dem alten Strassennetz geprägt. Mehrere Gebäude stehen unter kommunalem oder kantonalem Schutz.

Die kompakte Struktur des Dorfes macht die frühere Verbindung von Landwirtschaft, Handwerk, Verwaltung und Kirche noch heute erkennbar.

Reformierte Kirche

Die spätmittelalterliche reformierte Kirche ist das wichtigste Sakralgebäude der Gemeinde. Ihre erhöhte Lage macht sie zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen Ellikons.

Das Gotteshaus dokumentiert die kirchliche Entwicklung von der Filialkirche der katholischen Pfarrei Gachnang zur selbstständigen reformierten Gemeinde.

Freiheitsbaum

Der 1798 gepflanzte Freiheitsbaum steht als lebendes Denkmal für den politischen Umbruch am Ende der Alten Eidgenossenschaft. Die geschützte Platane gehört zu den bekanntesten historischen Besonderheiten des Dorfes.

Alte Zollbrücke

Die alte Zollbrücke erinnert an die ehemalige Grenze zwischen den Zürcher und thurgauischen Herrschaftsgebieten. Sie steht sinnbildlich für die jahrhundertelange politische Teilung Ellikons.

Mühlen- und Fabrikbauten

Die historischen Mühlenanlagen dokumentieren die wirtschaftliche Entwicklung vom traditionellen Mühlengewerbe über die mechanische Baumwollspinnerei bis zur Kartonproduktion.

Teile der Anlagen wurden im Lauf der Zeit umgebaut oder neuen Nutzungen zugeführt. Sie bleiben wichtige Zeugnisse der lokalen Gewerbe- und Industriegeschichte.

Forel Klinik

Das historische Klinikareal erinnert an die Anfänge der spezialisierten Suchtbehandlung in der Schweiz. Die Entwicklung von der früheren Trinkerheilstätte zur modernen Fachklinik ist eng mit der Geschichte Ellikons verbunden.

Natur und Freizeit

Die Thur und ihre Uferlandschaft bilden den wichtigsten Naherholungsraum der Gemeinde. Spazier- und Velowege führen durch die Ebene und zu den benachbarten Gemeinden.

Die Wälder im südlichen und westlichen Gemeindegebiet werden zum Wandern, Joggen und zur Naturbeobachtung genutzt. Eine Waldhütte und öffentliche Feuerstellen ergänzen das Freizeitangebot.

Die Gemeinde betreibt ein Freibad an der Alten Horgenbachstrasse. Die Badi ist in der Regel von Mai bis September geöffnet.[10]

Ein Weiher mit öffentlicher Grillstelle und verschiedene Themen- und Spazierwege ergänzen die Naherholungsmöglichkeiten. Das Vereinsleben umfasst unter anderem Gesang, Theater, Schiesssport, Fitness, Pfadi und Landfrauen.[11]

Wappen

Die Blasonierung lautet:

In Silber ein blauer Schrägbalken, belegt mit drei goldenen Halbmonden.

Die Gemeinde übernahm das Familienwappen der Herren von Goldenberg auf der Mörsburg. Diese besassen seit 1368 die Gerichtsherrschaft über Ellikon. Nach dem Aussterben des Geschlechts ging die Gerichtsherrschaft 1572 vollständig an Zürich über.[4]

Die drei goldenen Halbmonde sind gleichmässig auf dem blauen Schrägbalken angeordnet. Das Wappen erinnert damit an die mittelalterliche Herrschaftsgeschichte der Gemeinde.

Persönlichkeiten

  • Hans Kaspar Egg (1764–1846), Müller und Unternehmer
  • Johann Jakob Egg (1765–1843), Textilunternehmer und Industriepionier; richtete 1803 in Ellikon eine mechanische Baumwollspinnerei ein und wirkte später in Neapel
  • Rudolf Kägi (1882–1959), Lehrer, Heimatforscher und Schriftsteller in Zürichdeutsch
  • Auguste Forel (1848–1931), Psychiater, Hirnforscher und Sozialreformer; Mitbegründer der später nach ihm benannten Forel Klinik

Siehe auch

Literatur

  • Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band VIII: Der Bezirk Winterthur. Nördlicher Teil. Ellikon. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1986, ISBN 978-3-7643-1812-3, S. 227–248.
  • Bernhard Schneider: Ellikon an der Thur: Vom Streitobjekt zwischen Zürich und Frauenfeld zur eigenständigen Gemeinde. Chronos Verlag, Zürich 1989.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Ellikon an der Thur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Geschichte von Ellikon an der Thur. Hrsg.: Gemeinde Ellikon an der Thur. Abgerufen am 2026-07-24.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Martin Illi: Ellikon an der Thur. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2015-11-19. Abgerufen am 2026-07-24.
  3. 3,0 3,1 3,2 Zahlen und Fakten. Hrsg.: Gemeinde Ellikon an der Thur. Abgerufen am 2026-07-24.
  4. 4,0 4,1 Wappen von Ellikon an der Thur. Hrsg.: Gemeinde Ellikon an der Thur. Abgerufen am 2026-07-24.
  5. Forel Klinik – seit 1889. Hrsg.: Forel Klinik. Abgerufen am 2026-07-24.
  6. Gemeindeverwaltung Ellikon an der Thur. Hrsg.: Gemeinde Ellikon an der Thur. Abgerufen am 2026-07-24.
  7. Zufahrtsplan und öffentlicher Verkehr. Hrsg.: Gemeinde Ellikon an der Thur. Abgerufen am 2026-07-24.
  8. Bildung in Ellikon an der Thur. Hrsg.: Gemeinde Ellikon an der Thur. Abgerufen am 2026-07-24.
  9. Kirchen in Ellikon an der Thur. Hrsg.: Gemeinde Ellikon an der Thur. Abgerufen am 2026-07-24.
  10. Badi Ellikon an der Thur. Hrsg.: Gemeinde Ellikon an der Thur. Abgerufen am 2026-07-24.
  11. Freizeitangebote. Hrsg.: Gemeinde Ellikon an der Thur. Abgerufen am 2026-07-24.