Kanton Appenzell Innerrhoden

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Kanton Appenzell Innerrhoden
Flagge des Kantons Appenzell Innerrhoden Wappen des Kantons Appenzell Innerrhoden
Flagge Wappen

Lage des Kantons Appenzell Innerrhoden in der Schweiz

Hauptort Appenzell
Beitritt zur Eidgenossenschaft 1513 als ungeteiltes Land Appenzell
Entstehung des Kantons 1597 durch die Landteilung
Amtssprache Deutsch
Fläche 172,48 km²
Bevölkerung 16'960
Stand: 31. Dezember 2025
Bevölkerungsdichte rund 98 Einwohner je km²
Bezirke 5
Höchster Punkt Säntis (2501,9 m ü. M.)
Exekutive Standeskommission mit 7 Mitgliedern
Parlament Grosser Rat mit 50 Mitgliedern
Standesstimme ½
Vertretung im Ständerat 1 Sitz
Vertretung im Nationalrat 1 Sitz
Kantonskürzel AI
ISO-Code CH-AI

Der Kanton Appenzell Innerrhoden ist ein Kanton im Nordosten der Schweiz. Die amtliche Kurzform lautet Appenzell I. Rh., das Kantonskürzel ist AI. Hauptort und politisches Zentrum ist der Ort Appenzell.

Appenzell Innerrhoden ist mit einer Fläche von 172,48 Quadratkilometern der flächenmässig zweitkleinste Kanton der Schweiz. Ende 2025 lebten 16'960 Menschen im Kanton.[1] Das Kantonsgebiet besteht aus dem zusammenhängenden inneren Landesteil sowie dem davon räumlich getrennten Bezirk Oberegg und kleineren Klostergebieten.

Der Kanton ist stark durch die Landschaft des Alpsteins, die Vieh- und Milchwirtschaft, eine katholisch geprägte Kultur sowie ein aussergewöhnlich lebendiges Brauchtum bestimmt. Besonders bekannt ist Appenzell Innerrhoden für seine Landsgemeinde, an der die Stimmberechtigten einmal jährlich unter freiem Himmel die obersten kantonalen Behörden wählen und über wichtige Sachgeschäfte entscheiden.

Die fünf Bezirke Appenzell, Schwende-Rüte, Schlatt-Haslen, Gonten und Oberegg bilden die unterste allgemeine Verwaltungsebene. Sie übernehmen im Kanton weitgehend jene Aufgaben, die in den meisten anderen Kantonen von den politischen Gemeinden erfüllt werden.

Name

Der Name Appenzell wird gewöhnlich auf die mittellateinische Bezeichnung abbatis cella zurückgeführt. Sie bedeutet sinngemäss «Zelle des Abtes» und verweist auf den früheren Grundbesitz und Herrschaftsbereich der Fürstabtei St. Gallen.

Aus mittelalterlichen Bezeichnungen wie Abbacella, Abbatiscella und Appacella entwickelte sich der heutige Name Appenzell.

Der Zusatz Innerrhoden geht auf die historischen Rhoden zurück. Diese waren ursprünglich keine ausschliesslich territorialen Verwaltungseinheiten, sondern Verbände von Familien und Bevölkerungsteilen mit militärischen, wirtschaftlichen und politischen Aufgaben.

Die Bezeichnungen «innere Rhoden» und «äussere Rhoden» unterschieden die näher beim Hauptort Appenzell gelegenen katholischen Gebiete von den weiter aussen gelegenen, später mehrheitlich reformierten Landesteilen.

Seit der Teilung des Landes Appenzell im Jahr 1597 bestehen:

Die ältere Bezeichnung Halbkanton wird in der geltenden Bundesverfassung nicht mehr verwendet. Staatsrechtlich ist Appenzell Innerrhoden ein vollwertiger Kanton. Er besitzt jedoch nur eine halbe Standesstimme und entsendet ein Mitglied in den Ständerat.

Geografie

Reliefkarte des Kantons Appenzell Innerrhoden

Lage

Appenzell Innerrhoden liegt in der Ostschweiz. Der innere Landesteil grenzt an die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen.

Der Kanton besteht aus mehreren räumlich getrennten Gebietsteilen. Das eigentliche Kerngebiet wird als innerer Landesteil oder Inneres Land bezeichnet. Es umfasst die Bezirke:

  • Appenzell;
  • Schwende-Rüte;
  • Schlatt-Haslen;
  • Gonten.

Der Bezirk Oberegg liegt nordöstlich des inneren Landesteils und ist von diesem durch ausserrhodisches Gebiet getrennt. Er befindet sich zwischen dem Appenzeller Vorderland und dem St. Galler Rheintal.

Zum Kantonsgebiet gehören ausserdem die Klostergebiete Wonnenstein und Grimmenstein, die innerhalb von Appenzell Ausserrhoden liegen. Wonnenstein wird statistisch dem Bezirk Schlatt-Haslen, Grimmenstein dem Bezirk Oberegg zugerechnet.[1]

Die gesamte Kantonsfläche beträgt 17'248 Hektaren oder 172,48 Quadratkilometer.[2]

Landschaft

Die Landschaft lässt sich grob in zwei Räume gliedern:

  • die voralpine Hügel- und Streusiedlungslandschaft;
  • das Hochgebirge des Alpsteins.

Der nördliche und mittlere Teil des inneren Landes besteht aus grünen Hügelzügen, Weiden, Wiesen, Waldflächen, Einzelhöfen und kleinen Siedlungen. Die Landschaft ist durch die traditionelle Vieh- und Milchwirtschaft geprägt.

Im Süden erhebt sich der Alpstein mit steilen Felswänden, schmalen Graten, tief eingeschnittenen Tälern, Karstformen und Bergseen.

Der Alpstein prägt den südlichen Teil des Kantons

Zu den bekannten Erhebungen gehören:

Der Säntis erreicht 2501,9 Meter über Meer und bildet den höchsten Punkt des Kantons. Im Gipfelgebiet treffen die Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen aufeinander.

Täler und Siedlungsräume

Der zentrale Siedlungsraum liegt im Talkessel von Appenzell. Von dort führen Täler in Richtung Weissbad, Schwende, Wasserauen, Gonten und Haslen.

Zu den wichtigsten Tälern und Landschaftsräumen gehören:

  • der Talkessel von Appenzell;
  • das Schwendetal;
  • das Brüeltal;
  • das Weissbachtal;
  • das Gebiet von Gonten und Jakobsbad;
  • das Hügelland von Schlatt und Haslen;
  • das Gebiet von Oberegg am Übergang zum St. Galler Rheintal.

Appenzell Innerrhoden ist traditionell ein Streusiedlungsgebiet. Neben den geschlossenen Ortschaften gibt es zahlreiche Weiler, Hofgruppen, Alpen und weit voneinander entfernte Einzelhöfe.

Gewässer

Der grösste Teil des inneren Landes wird durch die Sitter und ihre Zuflüsse entwässert. Die Sitter entsteht im Raum Weissbad aus mehreren Bächen des Alpsteins und fliesst später durch Appenzell Ausserrhoden und den Kanton St. Gallen zur Thur.

Zu den bedeutenden Fliessgewässern gehören:

  • Sitter;
  • Schwendibach;
  • Brüelbach;
  • Weissbach;
  • Rotbach;
  • Schwarz;
  • Kronbach.

Im Alpstein liegen drei bekannte Bergseen:

Die Seen sind wichtige Landschafts-, Natur- und Erholungsräume. Sie reagieren aufgrund ihrer Lage und ihres begrenzten Wasseraustauschs empfindlich auf Veränderungen des Nährstoffhaushalts.[3]

Der Fälensee im Alpstein

Klima

Das Klima ist durch die Lage am nördlichen Alpenrand geprägt. Feuchte Luftmassen aus westlichen und nordwestlichen Richtungen stauen sich am Alpstein und führen zu hohen Niederschlagsmengen.

Die tieferen Lagen besitzen ein feucht-gemässigtes voralpines Klima. Im Alpstein herrschen alpine Bedingungen mit langen, schneereichen Wintern, kurzen Sommern und raschen Wetterwechseln.

Der Föhn kann zeitweise trockene und ungewöhnlich warme Luft aus südlicher Richtung bringen. Gleichzeitig können starke Gewitter, Hochwasser, Rutschungen, Lawinen und Steinschlag auftreten.

Natur und Landschaftsschutz

Ein grosser Teil des Alpsteins besitzt hohe landschaftliche und ökologische Bedeutung. Der Kanton schützt Moore, Trockenwiesen, Bergwälder, Gewässer, besondere Pflanzenstandorte und geologisch wertvolle Gebiete.

Die drei Alpsteinseen und ihre Umgebung sind wichtige Lebensräume und zugleich stark besuchte Ausflugsziele.[4]

Die hohe touristische Nutzung des Alpsteins stellt den Kanton vor die Aufgabe, den Zugang zur Landschaft mit dem Schutz empfindlicher Lebensräume und der landwirtschaftlichen Nutzung zu vereinbaren.

Bevölkerung

Einwohnerzahl

Am 31. Dezember 2025 verzeichnete die kantonale Einwohnerkontrolle 16'960 Einwohnerinnen und Einwohner. Davon lebten 15'027 im inneren Landesteil und 1'933 im Bezirk Oberegg.[1]

Bezirk Bevölkerung
31. Dezember 2025
Appenzell 6'264
Schwende-Rüte 6'197
Schlatt-Haslen 1'093
Gonten 1'473
Oberegg 1'933
Kanton Appenzell Innerrhoden 16'960

Von der Gesamtbevölkerung waren 2'262 Personen ausländische Staatsangehörige. In dieser kantonalen Zahl sind auch Asylsuchende und Personen mit Schutzstatus S enthalten.

Bevölkerungsentwicklung

Appenzell Innerrhoden gehörte während langer Zeit zu den Kantonen mit vergleichsweise schwachem Bevölkerungswachstum. Viele Menschen verliessen das landwirtschaftlich geprägte Gebiet wegen begrenzter Erwerbsmöglichkeiten.

Seit dem späten 20. Jahrhundert wächst die Bevölkerung wieder stärker. Gründe sind unter anderem:

  • neue Arbeitsplätze;
  • bessere Verkehrsverbindungen;
  • zunehmende Bautätigkeit;
  • die Nähe zu St. Gallen und zum Rheintal;
  • die hohe Wohn- und Landschaftsqualität;
  • Zuwanderung aus anderen Kantonen und dem Ausland.

Das Wachstum konzentriert sich besonders auf den Hauptort Appenzell und den Bezirk Schwende-Rüte.

Sprache

Die Amtssprache ist Deutsch. Im schriftlichen Verkehr verwenden Behörden und Schulen Schweizer Hochdeutsch.

Im Alltag wird überwiegend der Innerrhoder Dialekt gesprochen. Er gehört zu den ostschweizerischen alemannischen Dialekten und weist eine markante Aussprache, einen eigenen Wortschatz und teilweise alte grammatische Formen auf.

Der Dialekt ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen Identität. Er wird in Alltag, Musik, Theater, Humor und mündlicher Überlieferung gepflegt.[5]

Religion

Appenzell Innerrhoden ist historisch stark römisch-katholisch geprägt. Die katholische Kirche beeinflusste über Jahrhunderte das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben.

Die katholische Prägung zeigt sich unter anderem in:

  • Kirchen und Kapellen;
  • Klöstern;
  • Prozessionen;
  • Wallfahrten;
  • Feiertagen;
  • religiösem Brauchtum;
  • der traditionellen Kulturlandschaft.

Daneben bestehen reformierte Kirchgemeinden und weitere Religionsgemeinschaften. Der Anteil konfessionsloser Einwohnerinnen und Einwohner hat wie in der übrigen Schweiz zugenommen.

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Die ältesten Spuren menschlicher Anwesenheit im Appenzellerland wurden im Wildkirchli unterhalb der Ebenalp entdeckt.

Bei Ausgrabungen zwischen 1903 und 1908 kamen Steinwerkzeuge und zahlreiche Knochen von Höhlenbären zum Vorschein. Die ältesten menschlichen Funde werden in die Zeit vor etwa 45'000 bis 30'000 Jahren eingeordnet.[6]

Eine dauerhafte prähistorische Besiedlung ist nicht nachgewiesen. Das Appenzellerland war lange ein schwer zugängliches Wald- und Berggebiet zwischen dem Bodenseeraum und dem Alpenrheintal.

Herrschaft der Abtei St. Gallen

Im frühen Mittelalter gehörte das Gebiet zum Einflussbereich der Abtei St. Gallen. Die Besiedlung und landwirtschaftliche Erschliessung erfolgten schrittweise.

1071 wird die Pfarrei St. Mauritius in Appenzell fassbar. Sie entwickelte sich zum kirchlichen und später auch politischen Mittelpunkt des Landes.

Zur Sicherung ihrer Herrschaft liessen die Äbte von St. Gallen zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Burg Clanx oberhalb von Appenzell errichten.

Im 13. Jahrhundert wurden die Bewohner in Rhoden organisiert. Diese dienten der Erhebung von Abgaben, der Leistung von Frondiensten und der Aufstellung militärischer Verbände. Aus ihnen entwickelten sich später wichtige politische Körperschaften.[7]

Appenzellerkriege

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts verschärfte sich der Konflikt zwischen der Bevölkerung des Appenzellerlandes und dem Abt von St. Gallen.

Die Appenzeller widersetzten sich der erneuten Einforderung älterer Abgaben und Herrschaftsrechte. 1401 verbündeten sie sich mit der Stadt St. Gallen.

Nach der Zerstörung der Burg Clanx errangen die Appenzeller wichtige militärische Erfolge:

Die Siege stärkten die politische Eigenständigkeit des Landes. Die Appenzeller unternahmen anschliessend Feldzüge in weite Teile der Ostschweiz, konnten ihre vorübergehend errichtete Herrschaft jedoch nicht dauerhaft sichern.[8]

1411 wurde das Land Appenzell in ein Burg- und Landrecht mit den eidgenössischen Orten aufgenommen. Es war zunächst noch kein vollberechtigtes Mitglied der Eidgenossenschaft.

Beitritt zur Eidgenossenschaft

Am 17. Dezember 1513 wurde das damals noch ungeteilte Land Appenzell als dreizehnter Ort in die Alte Eidgenossenschaft aufgenommen.

Appenzell erhielt Sitz und Stimme an der Tagsatzung und wurde an gemeinsamen Einkünften und Herrschaftsrechten beteiligt.[9]

Reformation

Ab den 1520er-Jahren verbreiteten sich reformatorische Ideen im Appenzellerland.

Die Landsgemeinde beschloss 1525, dass jede Kirchhöri selbst über ihre Konfession entscheiden sollte. Gleichzeitig wurde Angehörigen der jeweiligen konfessionellen Minderheit grundsätzlich die Übersiedlung in ein Gebiet ihres Glaubens ermöglicht.

In den äusseren Rhoden setzte sich mehrheitlich die reformierte Konfession durch. Die inneren Rhoden blieben überwiegend katholisch.[10]

Landteilung von 1597

Die konfessionellen und aussenpolitischen Gegensätze verschärften sich während des 16. Jahrhunderts.

Die inneren Rhoden unterstützten eine engere Verbindung mit den katholischen Orten und mit Spanien. Die reformierten äusseren Rhoden lehnten diese Politik ab.

Nachdem eine Einigung gescheitert war, stimmten die beiden Landesteile 1597 ihrer Trennung zu. Der Landteilungsbrief vom 8. September 1597 besiegelte die Bildung zweier selbstständiger Staatswesen:

  • Appenzell Innerrhoden;
  • Appenzell Ausserrhoden.

Beide erhielten in der Eidgenossenschaft den Status eines Halbkantons.[11]

Nach der Teilung festigte Innerrhoden seine katholische Ordnung. Kapuziner, Klöster, Pfarreien, Wallfahrten und zahlreiche Kapellen prägten die Gegenreformation und die barocke Frömmigkeit.

Helvetik und Mediation

1798 besetzten französische Truppen die Alte Eidgenossenschaft. Appenzell Innerrhoden wurde Teil der zentralistisch organisierten Helvetischen Republik.

Innerrhoden verlor vorübergehend seine kantonale Selbstständigkeit und wurde zunächst dem Kanton Säntis zugeteilt.

Mit der Mediationsakte von 1803 wurde die föderale Ordnung wiederhergestellt. Appenzell Innerrhoden erhielt seine Eigenständigkeit zurück.

19. Jahrhundert

1814 erliess Appenzell Innerrhoden eine eigenständige Kantonsverfassung.

Der Kanton blieb stark katholisch, ländlich und politisch konservativ. Die Landwirtschaft, Viehzucht und Heimarbeit bildeten die wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen.

Während der Entstehung des schweizerischen Bundesstaates bestanden erhebliche Spannungen zwischen konservativen und liberalen Kräften. Appenzell Innerrhoden nahm 1847 nicht aktiv am Sonderbundskrieg teil.

Nach 1848 musste die kantonale Ordnung schrittweise an die Anforderungen des neuen Bundesstaates angepasst werden.

Kantonsverfassung von 1872

Nach langjährigen Auseinandersetzungen zwischen konservativen und liberalen Kräften nahm eine ausserordentliche Landsgemeinde am 24. November 1872 eine neue Kantonsverfassung an.

Die Verfassung trat 1873 in Kraft und schuf territorial abgegrenzte Bezirke. Diese ersetzten die Rhoden als allgemeine politische Verwaltungseinheiten.

Die Verfassung von 1872 wurde später vielfach revidiert, blieb jedoch während mehr als 150 Jahren die Grundlage des kantonalen Staatsrechts.[12]

Verkehr und wirtschaftlicher Wandel

1886 erreichte die Eisenbahn den Hauptort Appenzell. Später wurden die Verbindungen nach Gais und Wasserauen ausgebaut.

Die bessere Erschliessung förderte:

  • den Fremdenverkehr;
  • den Handel;
  • die Lebensmittelproduktion;
  • die Stickerei und Textilverarbeitung;
  • den Zugang zu Arbeitsmärkten ausserhalb des Kantons.

Im 20. Jahrhundert entstanden Seilbahnen auf die Ebenalp, den Hohen Kasten und den Kronberg. Sie machten den Alpstein für einen breiten Tourismus zugänglich.

Frauenstimmrecht

Appenzell Innerrhoden führte das kantonale Frauenstimmrecht als letzter Kanton der Schweiz ein.

Vorlagen zur Einführung der politischen Rechte für Frauen wurden an mehreren Landsgemeinden abgelehnt. Auch am 29. April 1990 verweigerte die Landsgemeinde den Frauen das kantonale und kommunale Stimm- und Wahlrecht.

Am 27. November 1990 entschied das Bundesgericht, dass der Ausschluss der Frauen gegen die verfassungsrechtliche Gleichberechtigung verstosse. Das Frauenstimmrecht galt damit unmittelbar.[13]

1991 nahmen Frauen erstmals an der Innerrhoder Landsgemeinde teil. An derselben Landsgemeinde wurde eine Initiative zur Abschaffung der Institution abgelehnt.

Staatsreformen der 1990er-Jahre

In den 1990er-Jahren wurden mehrere politische Strukturen modernisiert.

Zu den Reformen gehörten:

  • Trennung der Mitgliedschaft in Regierung und Grossem Rat;
  • Verkleinerung der Standeskommission von neun auf sieben Mitglieder;
  • Neuordnung kantonaler Verwaltungsstrukturen;
  • Aufhebung des Inneren Landes als eigener Rechtsperson;
  • Einführung eines Verwaltungsgerichts;
  • Abschaffung historischer Sondergerichte.

Fusion von Schwende und Rüte

Bis 2022 bestand der Kanton aus sechs Bezirken.

Die Landsgemeinde vom 24. April 2022 genehmigte den Zusammenschluss der Bezirke Schwende und Rüte. Die Fusion zum neuen Bezirk Schwende-Rüte trat am 1. Mai 2022 in Kraft.[14]

Seither bestehen fünf Bezirke.

Totalrevision der Kantonsverfassung

Die Landsgemeinde nahm am 28. April 2024 eine totalrevidierte Kantonsverfassung deutlich an.[15]

Die neue Verfassung ordnet und modernisiert das bestehende Staatsrecht. Für ihre vollständige Umsetzung sind umfangreiche Anpassungen der kantonalen Gesetzgebung erforderlich. Die entsprechenden Folgeerlasse wurden ab 2025 schrittweise vorbereitet; wichtige Gesetzesvorlagen sollen der Landsgemeinde 2027 unterbreitet werden.[16]

Politisches System

Appenzell Innerrhoden besitzt eine der eigenständigsten politischen Ordnungen der Schweiz.

Die wichtigsten kantonalen Organe sind:

  • die Landsgemeinde;
  • der Grosse Rat;
  • die Standeskommission;
  • die kantonalen Gerichte.

Landsgemeinde

Der Hauptort Appenzell mit dem Landsgemeindeplatz

Die Landsgemeinde ist das oberste gesetzgebende und wahlberechtigte Organ des Kantons.

Sie findet grundsätzlich jedes Jahr am letzten Sonntag im April auf dem Landsgemeindeplatz in Appenzell statt. Stimmberechtigt sind die im Kanton wohnhaften Schweizer Bürgerinnen und Bürger, welche die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.

Die Landsgemeinde ist spätestens seit 1403 urkundlich belegt. Nach der Landteilung von 1597 führten Innerrhoden und Ausserrhoden eigene Landsgemeinden durch.

Die Landsgemeinde:

  • wählt die Mitglieder der Standeskommission;
  • wählt die Präsidentin oder den Präsidenten und die Mitglieder des Kantonsgerichts;
  • beschliesst über Änderungen der Kantonsverfassung;
  • beschliesst über kantonale Gesetze;
  • entscheidet über bestimmte Finanzvorlagen;
  • behandelt Initiativen;
  • entscheidet über weitere Geschäfte, die ihr durch Verfassung oder Gesetz zugewiesen sind.

Abgestimmt wird gewöhnlich durch das Hochhalten der rechten Hand. Der regierende Landammann schätzt das Mehr. Ist das Ergebnis nicht eindeutig erkennbar, kann eine genauere Auszählung angeordnet werden.

Stimmberechtigte können während der Beratung das Wort ergreifen und Änderungsanträge stellen. Diese Möglichkeit unterscheidet die Landsgemeinde wesentlich von einer gewöhnlichen Urnenabstimmung.

Die Landsgemeinde wählt den regierenden und den stillstehenden Landammann sowie fünf weitere Mitglieder der Standeskommission. Sie wählt ausserdem das Kantonsgericht.[17]

Grosser Rat

Der Grosse Rat ist das Kantonsparlament.

Er besteht aus 50 Mitgliedern, die in den fünf Bezirken gewählt werden. Jeder Bezirk besitzt Anspruch auf mindestens vier Sitze. Die übrigen Sitze werden entsprechend der Bevölkerungszahl auf die Bezirke verteilt.[18]

Zu seinen Aufgaben gehören:

  • Vorberatung der Verfassungs- und Gesetzesvorlagen für die Landsgemeinde;
  • Erlass kantonaler Verordnungen;
  • Beschluss über Geschäfte im eigenen Zuständigkeitsbereich;
  • Genehmigung der Jahresrechnung;
  • Festlegung von Budget und Steuersatz;
  • Aufsicht über Regierung, Verwaltung und weitere Behörden;
  • Entscheidung über die Erteilung des Landrechts;
  • Behandlung parlamentarischer Vorstösse.

Die politische Arbeit ist stark personenorientiert. Parteien spielen eine geringere Rolle als in vielen anderen Kantonen. Bei Bezirkswahlen treten teilweise parteiunabhängige Kandidatinnen und Kandidaten an.

Standeskommission

Die Standeskommission ist die siebenköpfige Kantonsregierung.

Ihr gehören an:

  • der regierende Landammann;
  • der stillstehende Landammann;
  • der Statthalter;
  • der Säckelmeister;
  • der Landeshauptmann;
  • der Bauherr;
  • der Landesfähnrich.

Die historischen Amtsbezeichnungen sind ein besonderes Merkmal der Innerrhoder Staatsorganisation.

Der regierende und der stillstehende Landammann wechseln sich im Zweijahresrhythmus ab. Der regierende Landammann leitet die Sitzungen der Standeskommission und führt die Landsgemeinde.

Säckelmeister, Landeshauptmann, Bauherr und Landesfähnrich werden von der Landsgemeinde unmittelbar in die ihnen zugeordneten Departemente gewählt. Weitere Departemente werden innerhalb der Standeskommission verteilt.[19]

Zu den Aufgaben der Standeskommission gehören:

  • Vollzug der Gesetze und Landsgemeindebeschlüsse;
  • Vollzug der Verordnungen und Beschlüsse des Grossen Rates;
  • Leitung der kantonalen Verwaltung;
  • Vorbereitung politischer Geschäfte;
  • Vertretung des Kantons nach aussen;
  • Verteilung der Regierungsgeschäfte;
  • Erlass von Verfügungen und Regierungsbeschlüssen.

Gerichte

Die kantonale Rechtspflege umfasst Zivil-, Straf- und Verwaltungsgerichtsbarkeit.

Das Kantonsgericht wird von der Landsgemeinde gewählt. Es erfüllt Aufgaben als oberes kantonales Zivil- und Strafgericht.

Daneben bestehen erstinstanzliche Gerichte, Schlichtungsbehörden sowie besondere gerichtliche und verwaltungsgerichtliche Instanzen.

Urteile der höchsten kantonalen Gerichte können unter den gesetzlichen Voraussetzungen an das Schweizerische Bundesgericht weitergezogen werden.

Politische Rechte

Die Bevölkerung verfügt auf kantonaler Ebene über weitgehende direktdemokratische Rechte.

Dazu gehören:

  • Teilnahme an der Landsgemeinde;
  • kantonale Volksinitiative;
  • obligatorische Abstimmungen;
  • ausserordentliche Urnenabstimmungen;
  • Wahl der kantonalen Behörden;
  • Antrags- und Rederecht an der Landsgemeinde;
  • Finanzreferenden nach kantonalem Recht.

Eidgenössische Abstimmungen und Wahlen werden an der Urne beziehungsweise brieflich durchgeführt.

Vertretung im Bund

Appenzell Innerrhoden bildet für die Wahl des Nationalrates einen Einerwahlkreis und entsendet ein Mitglied.

Der Kanton besitzt einen Sitz im Ständerat. Die Wahl erfolgt traditionell an der Landsgemeinde.

Bei eidgenössischen Vorlagen, die dem Ständemehr unterstehen, zählt das kantonale Abstimmungsergebnis als eine halbe Standesstimme.

Bezirke

Die Bezirke sind die unterste allgemeine Verwaltungseinheit des Kantons. Sie entsprechen funktional weitgehend den politischen Gemeinden anderer Kantone.

Seit der Fusion von Schwende und Rüte im Jahr 2022 bestehen fünf Bezirke:[20]

Bezirk Hauptsiedlungen und Ortsteile Bevölkerung
31. Dezember 2025
Appenzell Appenzell und umliegende Streusiedlungen 6'264
Schwende-Rüte Schwende, Weissbad, Wasserauen, Brülisau, Steinegg, Eggerstanden und weitere Ortsteile 6'197
Schlatt-Haslen Haslen, Schlatt, Enggenhütten und Klostergebiet Wonnenstein 1'093
Gonten Gonten, Gontenbad, Jakobsbad und weitere Siedlungen 1'473
Oberegg Oberegg und weitere Siedlungen des äusseren Landesteils sowie Klostergebiet Grimmenstein 1'933

Die Bezirke erfüllen insbesondere Aufgaben im Bau- und Strassenwesen. Sie besitzen eigene Bezirksorgane und Bezirksgemeindeversammlungen.

Feuerschaugemeinde Appenzell

Eine besondere öffentlich-rechtliche Körperschaft ist die Feuerschaugemeinde Appenzell.

Sie umfasst den erweiterten Dorfbereich von Appenzell, der sich über Teile der Bezirke Appenzell und Schwende-Rüte erstreckt.

Die seit dem 16. Jahrhundert bestehende Spezialgemeinde übernimmt in ihrem Gebiet Aufgaben wie:

  • Baupolizei;
  • Feuerpolizei;
  • Feuerwehr;
  • Wasserversorgung;
  • Energieversorgung.

Innerhalb ihres Gebiets erfüllt sie damit Aufgaben, die ausserhalb des Dorfkreises von den Bezirken oder anderen Trägern wahrgenommen werden.

Wirtschaft

Struktur

Die Wirtschaft Appenzell Innerrhodens ist durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt.

Wichtige Bereiche sind:

  • Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion;
  • Gewerbe und Handwerk;
  • Bauwirtschaft;
  • Maschinen- und Metallverarbeitung;
  • Holzverarbeitung;
  • Textilien und Stickerei;
  • Handel;
  • Gesundheits- und Sozialwesen;
  • öffentliche Dienstleistungen;
  • Tourismus und Gastronomie.

Der Kanton besitzt nur wenige Grossbetriebe. Viele Unternehmen sind familiengeführt und regional verankert.

Landwirtschaft

Brülisau mit landwirtschaftlich genutzten Wiesen und dem Hohen Kasten

Die Landwirtschaft besitzt im schweizerischen Vergleich eine hohe wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung.

Die natürlichen Bedingungen begünstigen Graswirtschaft, Viehzucht und Milchproduktion. Ackerbau spielt nur eine geringe Rolle.

Typisch sind:

  • Milchwirtschaft;
  • Rinderzucht;
  • Alpsömmerung;
  • Käseproduktion;
  • Heuwirtschaft;
  • Streusiedlungen mit Einzelhöfen;
  • kleinstrukturierte Familienbetriebe.

Historisch entwickelte sich eine Arbeitsteilung zwischen Heubauern im Tal und Sennen mit grösseren Viehbeständen. Diese Wirtschaftsweise prägte die Landschaft und die soziale Ordnung.[21]

Bekannte Erzeugnisse der Region sind:

  • Appenzeller Käse;
  • Milch- und Fleischprodukte;
  • Appenzeller Biber und Biberli;
  • Kräuterprodukte;
  • regionale Back- und Süsswaren.

Die Bezeichnung Appenzeller Käse bezieht sich auf eine überkantonale Produktionsregion, die auch Gebiete ausserhalb Appenzell Innerrhodens umfasst.

Gewerbe und Industrie

Das lokale Gewerbe spielt eine zentrale Rolle. Dazu gehören Bauunternehmen, Schreinereien, Sägereien, Metallbaubetriebe, Lebensmittelproduzenten, Druckereien und zahlreiche spezialisierte Handwerksbetriebe.

Die Textilwirtschaft entwickelte sich später und weniger stark als im benachbarten Appenzell Ausserrhoden. Dennoch wurden Heimarbeit, Stickerei und Weberei besonders im 19. und 20. Jahrhundert zu wichtigen Erwerbszweigen.

Die handwerkliche Stickerei wird weiterhin in Trachten, Schmuckstücken und dekorativen Arbeiten gepflegt.

Dienstleistungen

Der Dienstleistungssektor umfasst:

  • Handel;
  • Banken und Versicherungen;
  • kantonale und lokale Verwaltung;
  • Bildung;
  • Gesundheit;
  • Pflege;
  • Gastronomie;
  • Beherbergung;
  • Verkehr;
  • persönliche Dienstleistungen.

Die Appenzeller Kantonalbank besitzt ihren Sitz im Hauptort Appenzell.

Tourismus

Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftszweig. Nach Angaben des Kantons trug er in einer kantonalen Untersuchung rund 12,8 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei.[22]

Wichtige Reiseziele sind:

  • der Ort Appenzell;
  • Alpstein;
  • Seealpsee;
  • Ebenalp;
  • Wildkirchli;
  • Berggasthaus Äscher;
  • Hoher Kasten;
  • Säntis;
  • Fälensee;
  • Sämtisersee;
  • Kronberg;
  • Weissbad;
  • Wasserauen;
  • Brülisau.

Beliebt sind Wandern, Bergsteigen, Gleitschirmfliegen, Wintersport, Wellness, Kulturreisen und Ausflüge zu Berggasthäusern.

Der starke Tagestourismus führt zeitweise zu Verkehrsbelastungen, Parkierungsproblemen und Nutzungskonflikten zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Erholung.

Verkehr

Eisenbahn

Die Eisenbahnverbindungen werden durch die Appenzeller Bahnen betrieben.

Der Hauptort Appenzell ist ein regionaler Bahnknoten. Von hier bestehen Verbindungen in Richtung:

  • Gossau und Herisau;
  • St. Gallen und Gais;
  • Weissbad und Wasserauen.

Die Bahnstrecke nach Wasserauen erschliesst den Zugang zum östlichen Alpstein und zur Ebenalpbahn.

Der Bezirk Oberegg besitzt keine direkte Bahnverbindung mit dem Hauptort. Er ist verkehrlich stärker auf das Appenzeller Vorderland und das St. Galler Rheintal ausgerichtet.

Strassen

Der Kanton besitzt keinen eigenen Autobahnanschluss.

Die wichtigsten Strassen führen nach:

  • St. Gallen;
  • Herisau;
  • Gais;
  • Urnäsch;
  • Altstätten;
  • dem St. Galler Rheintal.

Der Hauptort Appenzell ist über mehrere Kantonsstrassen mit den umliegenden Regionen verbunden.

Der motorisierte Ausflugsverkehr in Richtung Wasserauen, Brülisau und Alpstein kann an stark besuchten Tagen zu erheblichen Belastungen führen.

Seilbahnen

Zu den wichtigsten touristischen Bergbahnen gehören:

  • Luftseilbahn Wasserauen–Ebenalp;
  • Luftseilbahn Brülisau–Hoher Kasten;
  • Luftseilbahn Jakobsbad–Kronberg;
  • Luftseilbahn Schwägalp–Säntis in unmittelbarer Nähe des Kantonsgebiets.

Die Innerrhoder Schwebebahnen wurden zwischen den 1950er- und 1960er-Jahren eröffnet und veränderten den Tourismus im Alpstein grundlegend.[23]

Bildung

Das Bildungswesen steht unter kantonaler Aufsicht. Die Bezirke und weitere lokale Körperschaften wirken bei Betrieb und Finanzierung der Schulen mit.

Das Angebot umfasst:

  • Kindergarten;
  • Primarschule;
  • Sekundarstufe I;
  • Gymnasium;
  • Berufsbildung;
  • Musikschule;
  • Erwachsenenbildung.

Das Gymnasium St. Antonius Appenzell bietet eine gymnasiale Ausbildung bis zur Matura.

Für zahlreiche Berufslehren, Fachschulen und Hochschulausbildungen nutzen Innerrhoder Schülerinnen, Schüler und Studierende Einrichtungen in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und weiteren Kantonen.

Aufgrund der geringen Kantonsgrösse ist die interkantonale Zusammenarbeit im Bildungswesen besonders wichtig.

Gesundheitswesen

Der Kanton organisiert die medizinische Grundversorgung gemeinsam mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Pflegeeinrichtungen, Spitex-Diensten und ausserkantonalen Spitälern.

Das Gesundheitszentrum Appenzell erfüllt ambulante und weitere medizinische Aufgaben. Für spezialisierte und stationäre Behandlungen bestehen enge Verbindungen zu Spitälern in St. Gallen, Herisau und anderen Regionen.

Weitere wichtige Bereiche sind:

  • Alters- und Pflegeheime;
  • ambulante Pflege;
  • Rettungswesen;
  • Gesundheitsförderung;
  • psychiatrische Versorgung;
  • Zusammenarbeit mit ausserkantonalen Leistungserbringern.

Kultur und Brauchtum

Appenzell Innerrhoden besitzt eine eigenständige, stark wahrnehmbare Volkskultur.

Die Traditionen beruhen wesentlich auf:

  • katholischer Religion;
  • Vieh- und Alpwirtschaft;
  • dörflicher und bäuerlicher Lebensweise;
  • Landsgemeindedemokratie;
  • Musik und Dialekt;
  • handwerklicher Gestaltung.

Der Kanton betont, dass Volkskultur und Brauchtum nicht nur museal gepflegt werden, sondern weiterhin Teil des Alltags sind.[24]

Alpfahrt

Die Auf- und Abfahrt des Viehs zwischen Tal und Alpen gehört zu den bekanntesten Traditionen.

Bei einer traditionellen Alpfahrt tragen Sennen farbige Trachten. Die Viehherde wird in einer festgelegten Reihenfolge geführt. Schellenkühe, Ziegen, Sennen und weitere Beteiligte bilden einen weithin sichtbaren Zug.

Die genauen Formen richten sich nach Familie, Betrieb und örtlicher Tradition.

Musik und Gesang

Die Appenzeller Volksmusik ist über die Region hinaus bekannt.

Typische Elemente sind:

  • Streichmusik;
  • Hackbrett;
  • Geige;
  • Kontrabass;
  • Handorgel;
  • natürliche Jodel- und Gesangsformen;
  • Ruggusseli;
  • Talerschwingen.

Neben der Volksmusik bestehen Chöre, Blasmusikgesellschaften, klassische Konzertangebote und zeitgenössische Kulturveranstaltungen.

Trachten und Handwerk

Die Innerrhoder Trachten zeichnen sich durch aufwendige Stickereien, farbige Stoffe, Schmuck und regional festgelegte Formen aus.

Traditionelle Handwerksbereiche sind:

  • Handstickerei;
  • Sennensattlerei;
  • Herstellung von Schellenriemen;
  • Goldschmiedearbeiten;
  • Bauernmalerei;
  • Holzhandwerk;
  • Trachtenschneiderei.

Religiöses Brauchtum

Die katholische Tradition zeigt sich in kirchlichen Festen und Prozessionen.

Von besonderer Bedeutung sind:

  • Fronleichnam;
  • St. Mauritius;
  • Wallfahrten;
  • Alpsegnungen;
  • kirchliche Festtage;
  • Kloster- und Kapellentraditionen.

Die Stosswallfahrt erinnert an die Schlacht am Stoss von 1405.

Bauernhäuser

Streusiedlungen und Berglandschaft im Appenzellerland

Die Appenzeller Hauslandschaft ist durch farbige Holzhäuser, Einzelhöfe und kombinierte Wohn- und Wirtschaftsgebäude geprägt.

Typische Bauformen sind:

  • Kreuzfirsthaus;
  • Gadenhaus;
  • Heidenhaus.

Das Bauerngut mit Wohnhaus, Stall und umgebendem Land wird im Dialekt als «Heemed» bezeichnet.

Seit dem 19. Jahrhundert wurden Fassaden, Fensterläden, Türen und Ställe vielfach mit kräftigen Farben gestaltet. Dadurch entstand das heute bekannte Bild der Appenzeller Kulturlandschaft.[25]

Museen und Kulturinstitutionen

Wichtige Institutionen sind:

  • Museum Appenzell;
  • Kunstmuseum Appenzell;
  • Kunsthalle Ziegelhütte;
  • Landesarchiv Appenzell Innerrhoden;
  • Kantonsbibliothek Appenzell Innerrhoden;
  • Volksbibliothek Appenzell;
  • verschiedene lokale Sammlungen und Kulturvereine.

Das Landesarchiv bewahrt staatliche Unterlagen seit dem Mittelalter auf. Dort befindet sich auch das gemeinsame Archiv beider Appenzell mit Dokumenten aus der Zeit vor der Landteilung von 1597.[26]

Sehenswürdigkeiten

Hauptort Appenzell

Der Ort Appenzell bildet das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Kantons.

Zu den bekannten Bauwerken und Orten gehören:

  • Landsgemeindeplatz;
  • Hauptgasse mit farbig bemalten Häusern;
  • Pfarrkirche St. Mauritius;
  • Rathaus;
  • Schloss Appenzell;
  • Kapuzinerkloster;
  • Museum Appenzell;
  • Kunstmuseum und Kunsthalle Ziegelhütte.

Appenzell ist keine gewöhnliche politische Gemeinde. Der Siedlungsraum liegt in mehreren Bezirksgebieten und wird teilweise durch die Feuerschaugemeinde organisiert.

Wildkirchli und Äscher

Berggasthaus Äscher beim Wildkirchli

Das Wildkirchli besteht aus mehreren Höhlen unterhalb der Ebenalp.

Die Höhlen sind wegen ihrer prähistorischen Funde, der früheren Einsiedelei und der Kapelle von Bedeutung.

1658 gründete der Priester Paulus Ulmann im Wildkirchli eine Eremitenklause.[27]

In unmittelbarer Nähe liegt das an eine Felswand gebaute Berggasthaus Äscher.

Alpstein

Der Alpstein ist das wichtigste Wander- und Bergsportgebiet des Kantons.

Ein dichtes Netz von Wegen verbindet:

  • Wasserauen;
  • Seealpsee;
  • Ebenalp;
  • Wildkirchli;
  • Säntis;
  • Meglisalp;
  • Bollenwees;
  • Fälensee;
  • Sämtisersee;
  • Hoher Kasten;
  • Brülisau.

Charakteristisch ist die grosse Zahl traditioneller Berggasthäuser.

Sport und Freizeit

Wandern und Bergsport besitzen im Kanton einen hohen Stellenwert.

Weitere verbreitete Sportarten sind:

  • Skifahren;
  • Langlauf;
  • Schneeschuhwandern;
  • Gleitschirmfliegen;
  • Radfahren;
  • Mountainbiken;
  • Schwingen;
  • Turnen;
  • Fussball;
  • Schiesssport.

Jakobsbad und Gonten sind Ausgangspunkte für Freizeitangebote am Kronberg. Wasserauen, Schwende und Brülisau erschliessen den Alpstein.

Der Kanton muss in stark besuchten Gebieten regelmässig zwischen Freizeitnutzung, Verkehrssicherheit, Landwirtschaft und Naturschutz vermitteln.

Wappen und Flagge

Das Wappen zeigt auf weissem beziehungsweise silbernem Grund einen aufrecht schreitenden schwarzen Bären. Der Bär ist rot bewehrt.

Der Bär geht auf das Wappen des ungeteilten Landes Appenzell zurück und verweist zugleich auf die historische Verbindung zur Abtei St. Gallen, deren Wappentier ebenfalls ein Bär ist.

Nach der Landteilung von 1597 behielt Appenzell Innerrhoden den Bären ohne zusätzlichen Schriftzug.

Das Wappen von Appenzell Ausserrhoden zeigt ebenfalls einen Bären, ergänzt ihn jedoch durch die Buchstaben «V» und «R». Diese stehen für «Ussere Rhoden».

Die Kantonsflagge ist quadratisch und zeigt das Wappenbild auf weissem Grund.

Siehe auch

Literatur

  • Rainald Fischer, Walter Schläpfer und Franz Stark: Appenzeller Geschichte. Band 1 bis 3. Appenzell und Herisau.
  • Hermann Bischofberger: Rechtsarchäologie und rechtliche Volkskunde des eidgenössischen Standes Appenzell Innerrhoden. Appenzell.
  • Joe Manser: Innerrhoder Dialekt. Mundartwörter und Redewendungen aus Appenzell Innerrhoden. Appenzell.
  • Achilles Weishaupt und Karl Rechsteiner: Geschichte der Gemeinde Appenzell. Appenzell.
  • Schweizerische Gesellschaft für Kunstgeschichte: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Innerrhoden. Bern.
  • Landesarchiv Appenzell Innerrhoden: Innerrhoder Geschichtsfreund. Appenzell.
  • Bundesamt für Statistik: Statistisches Jahrbuch der Schweiz. Neuenburg.
  • Kanton Appenzell Innerrhoden: Unser Innerrhoden in Zahlen 2025/2026. Appenzell.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Innerrhoden in Zahlen – Bevölkerung und Einwohnerbestand. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  2. Geografische Kennzahlen der Kantone. In: Applikation der Schweizer Gemeinden. Hrsg.: Bundesamt für Statistik. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  3. Alpsteinseen. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  4. Pflanzenschutzgebiete bei Seen und Tümpeln. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  5. Innerrhoder Dialekt und Witze. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  6. Urzeitliche Jäger besuchen das Wildkirchli. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  7. Bau der Burg Clanx bei Appenzell. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  8. 1401 bis 1429 – Die Appenzeller führen Krieg. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  9. 1513 – Appenzell tritt der Eidgenossenschaft bei. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  10. 1522 bis 1531 – Zeitalter der Glaubensspaltung. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  11. 1597 – Die Landteilung. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  12. 1872 – Erlass der Kantonsverfassung. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  13. 1990 – Einführung des Frauenstimmrechtes. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  14. Ergebnisse der Landsgemeinde vom 24. April 2022. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. 24. April 2022. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  15. Ergebnisse der Landsgemeinde vom 28. April 2024. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. 28. April 2024. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  16. Folgegesetzgebung zur neuen Kantonsverfassung. In: Mitwirkungsplattform Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. 17. Juni 2025. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  17. Landsgemeinde. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  18. Grosser Rat. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  19. Standeskommission. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  20. Bezirke. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  21. 18. und 19. Jahrhundert – Sennen, Heubauern und Grempler. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  22. Tourismusstrategie für Innerrhoden. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. 15. Oktober 2021. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  23. 1955 bis 1964 – Eröffnung der Innerrhoder Schwebebahnen. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  24. Kultur und Brauchtum. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  25. Das Bauernhaus in Appenzell Innerrhoden. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  26. Landesarchiv Appenzell Innerrhoden. In: Website des Kantons Appenzell Innerrhoden. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.
  27. 1658 – Pfarrer Ulmann gründet eine Einsiedelei im Wildkirchli. In: Geschichte Appenzell Innerrhodens. Hrsg.: Kanton Appenzell Innerrhoden. Abgerufen am 21. Juli 2026.