Geschichte des Kantons Obwalden

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Geschichte des Kantons Obwalden
Flagge des Kantons Obwalden
Gebiet Kanton Obwalden
Hauptort Sarnen
Historische Bezeichnung Unterwalden ob dem Wald
Erste fassbare Talgemeinde 13. Jahrhundert
Ersterwähnung der «Leute von Sarnen» 1247
Reichsunmittelbarkeit 1309 für Unterwalden bestätigt
Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft spätestens im frühen 14. Jahrhundert als Teil Unterwaldens
Landsgemeinde erstmals belegt 1373
Engelberg bei Obwalden seit 1815
Heutige Kantonsverfassung angenommen 19. Mai 1968
in Kraft seit 27. April 1969
Abschaffung der Landsgemeinde 29. November 1998
Amtliche Bezeichnung «Obwalden» seit 1999
Bedeutende historische Quellen Weisses Buch von Sarnen, Landbücher, Ratsprotokolle und Bestände des Staatsarchivs Obwalden

Die Geschichte des Kantons Obwalden umfasst die Entwicklung des Gebiets vom prähistorisch genutzten Alpenraum über die mittelalterliche Talgemeinde und den eidgenössischen Ort Unterwalden ob dem Wald bis zum modernen Kanton Obwalden. Das historische Kerngebiet liegt im Tal der Sarner Aa zwischen dem Brünigpass und dem Alpnachersee. Hinzu kommen Seitentäler und seit 1815 das vom übrigen Kantonsgebiet getrennte Engelberg.

Obwalden gehört zu den sogenannten Waldstätten und wird zusammen mit Uri und Schwyz zu den Gründungsgebieten der Alten Eidgenossenschaft gezählt. Seine genaue Stellung beim Bund von 1291 ist allerdings quellenkritisch nicht eindeutig. Im Text des Bundesbriefs wird nur das «untere Tal» Unterwaldens, also wahrscheinlich Nidwalden, ausdrücklich genannt. An der Urkunde hängt jedoch ein gemeinsames Siegel Unterwaldens. Als politischer Partner der übrigen Waldstätten ist Unterwalden spätestens im frühen 14. Jahrhundert sicher belegt.[1]

Obwalden und Nidwalden bildeten keinen einheitlich verwalteten Kanton. Beide Täler entwickelten eigene Landsgemeinden, Räte, Gerichte und Ämter. Nach aussen traten sie während Jahrhunderten jedoch gemeinsam als eidgenössischer Ort Unterwalden auf und verfügten an der Tagsatzung grundsätzlich über eine gemeinsame Stimme.

Bis 1798 hiess das Gebiet gewöhnlich Unterwalden ob dem Wald oder Ob dem Wald. Während der Helvetischen Republik gehörte es als Distrikt Sarnen zum Kanton Waldstätten. Von 1803 bis 1999 lautete die amtliche Bezeichnung erneut Unterwalden ob dem Wald. Mit der Bundesverfassung von 1999 wurde Obwalden zum offiziellen Kantonsnamen und der Begriff «Halbkanton» aus dem Verfassungstext entfernt. Obwalden entsendet weiterhin nur ein Mitglied in den Ständerat und besitzt bei Abstimmungen über das Ständemehr eine halbe Standesstimme.[1]

Die politische Geschichte wurde lange durch die Landsgemeinde, die katholische Konfession, eine stark landwirtschaftlich geprägte Wirtschaftsweise und einflussreiche Familienverbände bestimmt. Seit dem 19. Jahrhundert wandelte sich Obwalden schrittweise zu einem modernen Verfassungs-, Industrie-, Dienstleistungs- und Tourismuskanton.

Raum und historische Bezeichnungen

Der historische Kern Obwaldens umfasst das Tal der Sarner Aa mit den Gemeinden Alpnach, Sarnen, Sachseln, Giswil und Lungern sowie das östlich gelegene Kerns. Das Gebiet wird von Gebirgen umschlossen, besitzt über den Brünigpass aber einen natürlichen Übergang in das Berner Oberland. Über den Alpnachersee und den Vierwaldstättersee bestehen Verbindungen nach Luzern, Nidwalden und Uri.

Das Melchtal, das Kleine Melchtal, das Grosstal bei Giswil und weitere Seitentäler dienten seit dem Mittelalter vor allem der Alp- und Viehwirtschaft. Die nutzbaren Talböden waren durch Seen, Flüsse, Sümpfe und Schwemmland begrenzt. Siedlungen entstanden daher bevorzugt auf Schuttkegeln, Terrassen und leicht erhöhten Flächen.

Die Bezeichnung Unterwalden bezog sich ursprünglich auf das Gebiet südlich beziehungsweise unterhalb eines als Kernwald bezeichneten Wald- und Grenzraums. Dieser lag ungefähr zwischen dem Sarner Tal und Nidwalden. Im Laufe des Mittelalters setzte sich die Unterscheidung zwischen ob dem Wald und nid dem Wald durch.

Die Formen Obwalden und Nidwalden sind verkürzte neuere Bezeichnungen. In amtlichen eidgenössischen Dokumenten hielt sich bis ins späte 20. Jahrhundert die Form Unterwalden ob dem Wald beziehungsweise Unterwalden nid dem Wald.

Engelberg liegt südöstlich des Hauptgebiets und ist durch Nidwaldner beziehungsweise Berner Gebiet von diesem getrennt. Das Hochtal war bis 1798 eng mit dem Kloster Engelberg verbunden. Seine heutige Zugehörigkeit zu Obwalden geht auf die Neuordnung von 1815 zurück.

Ur- und Frühgeschichte

Steinzeit

Die ältesten bekannten menschlichen Spuren im heutigen Kantonsgebiet stammen aus der Mittelsteinzeit. Beim Brand oberhalb von Lungern wurde 1987 ein saisonal genutzter Rast- oder Jagdplatz entdeckt. Zu den Funden gehört eine kleine Feuersteinklinge aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrtausends v. Chr.[2]

Die Menschen lebten damals als Jäger und Sammler. Sie hielten sich wahrscheinlich nur zeitweise in den höheren Lagen auf und folgten Wildtieren oder nutzten saisonal verfügbare Pflanzen. Dauerhafte Dörfer sind aus dieser Epoche nicht nachgewiesen.

Aus der Jungsteinzeit stammen einzelne Steinwerkzeuge und weitere Funde aus Sarnen, Wilen, Giswil und Engelberg. Sie zeigen, dass das Gebiet seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. regelmässig aufgesucht wurde. Ob bereits eine dauerhaft sesshafte bäuerliche Bevölkerung bestand, lässt sich aus den bisher bekannten Funden nicht sicher ableiten.

Die Lage zwischen Mittelland und Alpen machte das Gebiet für Jagd, Weidewirtschaft und den Austausch über Gebirgspässe interessant. Die archäologische Überlieferung ist jedoch lückenhaft, weil viele ältere Siedlungsplätze von Schwemmmaterial bedeckt oder später überbaut wurden.

Bronzezeit

In der Bronzezeit nahm die menschliche Nutzung des Sarner Tals zu. Funde von Werkzeugen, Waffen und Schmuck weisen auf Kontakte zu benachbarten Regionen hin.

Siedlungsspuren konzentrieren sich auf erhöhte Standorte rund um den Sarnersee. Solche Plätze waren besser vor Überschwemmungen geschützt und ermöglichten die Kontrolle von Wegen durch das Tal.

Die Alpen wurden zunehmend als Weidegebiete genutzt. Die saisonale Viehhaltung in höheren Lagen dürfte eine frühe Grundlage jener Alpwirtschaft gebildet haben, die Obwalden später wirtschaftlich und kulturell stark prägte.

Metallgegenstände mussten teilweise aus entfernten Regionen eingeführt werden. Sie belegen, dass die Täler der Zentralschweiz trotz ihrer gebirgigen Lage in grössere Austauschsysteme eingebunden waren.

Eisenzeit

Aus der Eisenzeit sind im Kantonsgebiet weniger Funde bekannt. Einzelne Objekte, unter anderem aus dem Gebiet von Alpnach, bezeugen jedoch eine fortgesetzte Besiedlung und Nutzung.

Das Gebiet lag im weiteren Einflussraum keltischer Bevölkerungsgruppen. Schriftliche Nachrichten über die Bewohner des Sarner Tals aus dieser Zeit fehlen.

Die Wege über den Brünig und durch die Zentralschweiz dürften bereits vor der römischen Eroberung für regionalen Handel und Viehtrieb genutzt worden sein.

Römische Zeit

Nach der römischen Eroberung des Alpenraums gehörte das heutige Obwalden zum Einflussgebiet des Römischen Reiches. Eine städtische Siedlung entstand nicht, doch Funde belegen eine dauerhafte oder wiederkehrende Nutzung des Gebiets.

In Alpnach wurden Überreste eines römischen Gutshofs entdeckt. Die Anlage diente wahrscheinlich der Landwirtschaft und der Versorgung der weiteren Region. Münzen, Keramik und andere Gegenstände stammen auch aus weiteren Teilen des Kantons.

Der Brünigweg bildete eine Verbindung zwischen dem Raum Luzern, dem Haslital und dem Berner Oberland. Seine genaue Bedeutung innerhalb des römischen Verkehrsnetzes ist nicht vollständig geklärt.

Nach dem Zusammenbruch der weströmischen Herrschaft im 5. Jahrhundert bestanden lokale Siedlungen und Wirtschaftsformen teilweise weiter. Ein abrupter vollständiger Bevölkerungsaustausch lässt sich archäologisch nicht belegen.

Frühmittelalter

Im Frühmittelalter gelangte der Raum schrittweise unter alemannischen Einfluss. Alemannische Siedler und bereits ansässige Bevölkerungsgruppen vermischten sich. Orts- und Flurnamen sowie Grabfunde geben Hinweise auf diese Entwicklung.

Die Besiedlung erfolgte vor allem auf den nutzbaren Talflächen und an den Verkehrswegen. Einzelhöfe und kleine Hofgruppen bildeten lange die vorherrschende Siedlungsform.

Mit der Christianisierung entstanden erste Kirchen und Seelsorgebezirke. Sarnen, Kerns, Sachseln, Giswil, Lungern und Alpnach entwickelten sich zu kirchlichen Mittelpunkten. Die Pfarrorganisation prägte später auch Gemeinde- und Gerichtsgrenzen.

Klöster und geistliche Stifte erwarben im Sarner Tal umfangreichen Grundbesitz. Zu den bedeutenden Grundherren gehörten die Abtei Murbach beziehungsweise ihr Luzerner Besitz, das Stift Beromünster und später das Kloster Engelberg.

Die Grundherrschaften bestanden aus verstreuten Höfen, Abgabenrechten, Kirchenrechten und Gerichtsrechten. Das Gebiet bildete daher zunächst keine geschlossene politische Einheit.

Herrschaftsbildung im Hochmittelalter

Geistliche und weltliche Grundherren

Im Hochmittelalter lagen Rechte und Güter in den Händen verschiedener geistlicher und weltlicher Herren. Neben Klöstern besassen die Grafen von Lenzburg, Habsburg, Habsburg-Laufenburg, die Freiherren von Wolhusen und die Herren von Ringgenberg Einfluss.

Diese Herrschaften überschnitten sich. Ein Bauer konnte einem Grundherrn Abgaben schulden, einem anderen Gerichtsdienst leisten und kirchlich einer Pfarrei unterstehen, deren Patronatsrecht wiederum bei einem Kloster lag.

Bedeutende lokale Adels- und Ministerialenfamilien waren die Herren von Hunwil, von Rudenz und die Kellner von Sarnen. Sie verwalteten herrschaftliche Rechte, besassen Burgen und stellten Amtsträger.

Die Burg Landenberg oberhalb von Sarnen war ein wichtiger Herrschaftssitz. Weitere befestigte Anlagen bestanden in Giswil, Kerns und an strategischen Verkehrswegen.

Entstehung gemeinsamer Interessen

Trotz der zersplitterten Herrschaftsverhältnisse entstanden zunehmend gemeinsame Interessen der Talbewohner. Dazu gehörten die Nutzung von Alpen und Wäldern, der Unterhalt von Wegen und Brücken, der Schutz vor Überschwemmungen sowie die Regelung von Weiderechten.

Die Bewohner organisierten sich in Nachbarschaften, Kirchgenossenschaften, Nutzungsgemeinschaften und später in politischen Gemeinden. Gemeinsames Eigentum an Wald und Weiden spielte dabei eine zentrale Rolle.

Die alpine Wirtschaftsweise erforderte verbindliche Absprachen. Grenzen, Viehtrieb, Nutzungszeiten und Unterhaltsarbeiten mussten gemeinsam festgelegt werden.

Aus solchen lokalen und wirtschaftlichen Zusammenschlüssen entwickelte sich schrittweise eine Talgemeinde, die gegenüber auswärtigen Herren geschlossen auftreten konnte.

Entstehung der Talgemeinde

Die Leute von Sarnen

1247 erscheinen in einer päpstlichen Urkunde die «Leute von Sarnen» als erkennbare Gemeinschaft. Der Begriff bezeichnete wahrscheinlich nicht nur die Bewohner des heutigen Hauptorts, sondern einen grösseren Verband im Sarner Tal.[2]

Die Talgemeinde besass zunächst keine moderne staatliche Organisation. Sie war vielmehr ein Zusammenschluss freier und teilweise abhängiger Bewohner, lokaler Führungsschichten, Kirchgemeinden und Nutzungsgemeinschaften.

Gemeinsame Versammlungen regelten Fragen, die das ganze Tal betrafen. Daraus entwickelten sich Landsgemeinde, Landrat, Landgericht und das Amt des Landammanns.

Die Entstehung der politischen Gemeinschaft war kein einzelner Gründungsakt. Sie vollzog sich über mehrere Generationen und wurde durch die Schwächung auswärtiger Grundherren begünstigt.

Konflikte mit Habsburg

Im 13. Jahrhundert versuchten die Habsburger, ihre Rechte in der Zentralschweiz auszubauen und zu einer geschlossenen Landesherrschaft zusammenzufassen.

Auch im Sarner Tal verfügten sie über Besitz, Vogteirechte und Gefolgsleute. Die wachsende Talgemeinde stand diesen Bestrebungen zunehmend selbstbewusst gegenüber.

Die späteren eidgenössischen Befreiungserzählungen berichten von habsburgischen Vögten, Burgenbrüchen und einem gemeinsamen Aufstand der Waldstätten. Die historische Forschung unterscheidet jedoch zwischen den im 15. Jahrhundert aufgezeichneten Erzählungen und den zeitgenössisch belegbaren politischen Vorgängen.

Sicher ist, dass die lokalen Gemeinden ihre Gerichts- und Selbstverwaltungsrechte im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert erweiterten und sich mit benachbarten Talschaften verbanden.

Unterwalden und der Bund von 1291

Der Bundesbrief von Anfang August 1291 gilt traditionell als Gründungsurkunde der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Er nennt die Gemeinschaften von Uri, Schwyz und der «unteren Talschaft» Unterwaldens.

Die Bezeichnung der unteren Talschaft wird gewöhnlich auf Nidwalden bezogen. Ob Vertreter Obwaldens unmittelbar am Abschluss beteiligt waren, ist nicht eindeutig belegt.

An der Urkunde befindet sich jedoch ein Siegel, das Unterwalden als gemeinsame Einheit vertritt. Möglich ist, dass es sich um ein gemeinsames Siegel beider Talschaften handelte oder dass Obwalden dem Bündnis kurz darauf beitrat.

Die offizielle Obwaldner Geschichtsdarstellung hält deshalb fest, dass Obwalden vielleicht kurz nach 1291, wahrscheinlich aber spätestens vor 1309 als Teil Unterwaldens zum Kreis der eidgenössischen Orte gehörte.[1]

Die spätere Tradition betrachtete Obwalden, Nidwalden, Uri und Schwyz gemeinsam als Waldstätten. Diese Vorstellung prägte die politische Erinnerung, die Geschichtsschreibung und die staatliche Symbolik der Zentralschweiz.

Reichsunmittelbarkeit

1309 bestätigte König Heinrich VII. den Leuten von Uri, Schwyz und Unterwalden ihre Reichsfreiheiten. Unterwalden sollte keinem fremden Gericht unterstehen und unmittelbar dem König beziehungsweise dem Reich zugeordnet sein.

Die Urkunde stärkte die Stellung der Talgemeinden gegenüber regionalen Adelsfamilien und den Habsburgern. Sie beseitigte ältere Herrschaftsrechte jedoch nicht automatisch.

1316 bestätigte König Ludwig der Bayer die Privilegien erneut. Die Waldstätten hatten sich zuvor im Konflikt zwischen Ludwig und dem habsburgischen Gegenkönig Friedrich auf Ludwigs Seite gestellt.

Die Reichsunmittelbarkeit war für das politische Selbstverständnis Obwaldens von grosser Bedeutung. Sie legitimierte den Anspruch, die inneren Angelegenheiten ohne einen zwischen König und Gemeinde stehenden Landesherrn zu regeln.

In der Praxis blieb die Durchsetzung dieser Rechte ein längerer Prozess. Klöster, Adlige und auswärtige Mächte verfügten weiterhin über Besitz und einzelne Rechtsansprüche.

Obwalden im eidgenössischen Bündnissystem

Konflikt von Morgarten und Bund von 1315

Im Konflikt zwischen Schwyz und Habsburg unterstützten die übrigen Waldstätten die Schwyzer. Nach dem eidgenössischen Sieg in der Schlacht am Morgarten von 1315 erneuerten Uri, Schwyz und Unterwalden ihr Bündnis im Bund von Brunnen.

Die Urkunde war stärker gegen fremde Herrschaft gerichtet als der Bundesbrief von 1291. Sie verpflichtete die Partner zu gegenseitiger Hilfe und zu einer gemeinsamen Aussenpolitik.

Obwaldner Beteiligung an den militärischen Ereignissen ist in den Einzelheiten nur unvollständig dokumentiert. Als Teil Unterwaldens war das Tal jedoch in die gemeinsame Politik eingebunden.

Bund mit Luzern

1332 schlossen Uri, Schwyz und Unterwalden ein Bündnis mit Luzern. Damit wurde erstmals eine Stadt dauerhaft in das Bündnissystem der Waldstätten aufgenommen.

Für Obwalden war die Verbindung wirtschaftlich besonders wichtig. Der Weg über den Alpnachersee und den Vierwaldstättersee führte zum Markt- und Handelsplatz Luzern.

Luzern erhielt seinerseits einen engeren Zugang zu den inneren Tälern und zu den Alpenpässen. Das Bündnis stärkte beide Seiten gegenüber Habsburg.

Obwalden beteiligte sich in den folgenden Jahrzehnten an weiteren eidgenössischen Bündnissen und wurde Teil der sich ausdehnenden Alten Eidgenossenschaft.

Landsgemeinde und politische Verselbständigung

Die Obwaldner Landsgemeinde ist erstmals 1373 schriftlich belegt. Wahrscheinlich bestanden bereits zuvor Versammlungen der Talleute.[3]

Die stimmberechtigten Männer versammelten sich unter freiem Himmel, um den Landammann und weitere Amtsträger zu wählen, Gesetze zu beschliessen, Bündnisse zu genehmigen und über wichtige politische Fragen zu entscheiden.

Die Landsgemeinde war ein wesentliches Element der politischen Selbstverwaltung. Sie darf jedoch nicht mit einer modernen allgemeinen Demokratie gleichgesetzt werden. Frauen, Hintersassen, Menschen ohne Landrecht und verschiedene abhängige Bevölkerungsgruppen waren ausgeschlossen.

Auch innerhalb des stimmberechtigten Kreises bestanden erhebliche soziale Unterschiede. Wohlhabende und verwandtschaftlich gut vernetzte Familien konnten grossen Einfluss auf Wahlen und Entscheidungen ausüben.

Neben der Landsgemeinde entwickelte sich der Landrat. Er bereitete Geschäfte vor, führte die laufende Verwaltung und vertrat das Land zwischen den Versammlungen.

Der Landammann leitete Regierung, Gericht und Landsgemeinde. Das Amt wurde zum wichtigsten politischen Ehrenamt des Landes.

Verhältnis zu Nidwalden

Obwalden und Nidwalden entwickelten spätestens im 14. Jahrhundert eigenständige innere Institutionen. Beide verfügten über eigene Landsgemeinden, Räte, Gerichte, Landbücher und Siegel.

Nach aussen traten sie meist gemeinsam als Unterwalden auf. An der eidgenössischen Tagsatzung verfügten sie grundsätzlich über eine gemeinsame Stimme.

Die Verteilung politischer Rechte führte wiederholt zu Spannungen. Obwalden beanspruchte aufgrund seiner grösseren Bevölkerung und seines grösseren Gebiets häufig zwei Drittel, Nidwalden ein Drittel der gemeinsamen Rechte und Lasten.

Bei gemeinsamen militärischen Unternehmungen, Vogteien und finanziellen Verpflichtungen musste die Beteiligung zwischen beiden Talschaften ausgehandelt werden.

Trotz wiederholter Konflikte bestand keine dauerhafte zentrale Regierung für Gesamtunterwalden. Der gemeinsame eidgenössische Auftritt beruhte auf Absprachen zweier weitgehend selbstständiger Gemeinwesen.

Innere Machtkämpfe im 14. Jahrhundert

Im 14. Jahrhundert übte die Familie von Hunwil grossen Einfluss aus. Angehörige der Familie besassen Herrschaftsrechte und stellten mehrfach Landammänner.

1382 kam es zu einem politischen Umbruch. Die Hunwil verloren ihre führende Stellung und wurden weitgehend von den wichtigsten Landesämtern ausgeschlossen.

An ihre Stelle traten Angehörige anderer lokaler Familien, darunter die Rüdli, Seili, Wirz und von Zuben. Damit verlagerte sich die Macht von einer adlig geprägten Führung zu einer ländlichen Oberschicht.

Der Wandel bedeutete keine vollständige soziale Demokratisierung. Auch die neue Führung bestand aus wohlhabenden Familien, die Ämter, Grundbesitz, Handel und militärische Karrieren miteinander verbanden.

Die Auseinandersetzung zeigt, dass die Bildung der Talgemeinde nicht nur ein Konflikt zwischen freien Bauern und auswärtigen Herren war. Ebenso wichtig waren Machtkämpfe innerhalb der lokalen Gesellschaft.

Spätmittelalterliche Aussenpolitik

Brünig und Haslital

Der Brünigpass verband Obwalden mit dem Haslital. Alpen, Wälder, Verkehrsrechte und wirtschaftliche Beziehungen führten zu enger Zusammenarbeit, aber auch zu Grenzkonflikten.

Obwalden versuchte zeitweise, seinen politischen Einfluss über den Brünig hinaus auszudehnen. Das Haslital orientierte sich jedoch zunehmend an Bern.

Mit der Expansion Berns im Berner Oberland stiessen unterschiedliche Herrschaftsinteressen aufeinander. Die daraus entstehenden Spannungen konnten meist durch Schiedsgerichte und eidgenössische Vermittlung beigelegt werden.

Der Brünig blieb dennoch eine wichtige Verkehrs- und Handelsachse. Vieh, Käse, Salz, Getreide und andere Güter wurden über den Pass transportiert.

Entlebuch und Luzern

Auch zum Entlebuch bestanden wirtschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen. Obwaldner und Entlebucher nutzten benachbarte Alpen und handelten miteinander.

Als Luzern seine Herrschaft über das Entlebuch festigte, entstanden Konflikte über Grenzen, Wegrechte und politische Loyalitäten.

Obwalden unterstützte zeitweise oppositionelle Gruppen im Entlebuch. Langfristig setzte sich jedoch die luzernische Herrschaft durch.

Die Beziehungen zwischen Obwalden und Luzern blieben trotz solcher Spannungen eng. Luzern war der wichtigste Absatz-, Geld- und Handelsplatz für Obwaldner Produkte.

Ennetbirgische Politik

Ab dem frühen 15. Jahrhundert beteiligte sich Obwalden gemeinsam mit Uri an Unternehmungen südlich der Alpen.

1403 nahmen Uri und Obwalden die Leventina in ihren Schutz. Damit wollten sie den Zugang zu den Märkten der Lombardei sichern und ihren Einfluss an den südlichen Zugängen des Gotthards erweitern.

Obwaldner Truppen wirkten an verschiedenen Feldzügen im Eschental und im Gebiet des heutigen Tessins mit. Nicht alle Eroberungen konnten dauerhaft gehalten werden.

Die ennetbirgische Politik war eng mit dem Vieh- und Käsehandel verbunden. Lombardische Städte waren wichtige Absatzmärkte für Produkte aus der Zentralschweiz.

Später beteiligte sich Obwalden an der Verwaltung gemeinsamer eidgenössischer Untertanengebiete südlich der Alpen.

Beteiligung an eidgenössischen Kriegen

Obwaldner Truppen nahmen an zahlreichen Kriegen der Alten Eidgenossenschaft teil. Dazu gehörten der Alte Zürichkrieg, die Burgunderkriege, der Schwabenkrieg und die italienischen Feldzüge.

Militärische Erfolge stärkten das Selbstbewusstsein des Landes. Beute, Sold und ausländische Pensionen konnten beträchtliche Einnahmen bringen.

Gleichzeitig führten die Feldzüge zu hohen menschlichen Verlusten. Viele Männer kehrten verwundet zurück oder starben ausserhalb ihrer Heimat.

Der Kriegsdienst förderte den Aufstieg einzelner Offiziersfamilien. Er verstärkte aber auch die wirtschaftliche und politische Abhängigkeit von ausländischen Mächten.

Das Weisse Buch von Sarnen

Das Weisse Buch von Sarnen gehört zu den bedeutendsten historischen Quellen Obwaldens und der frühen Eidgenossenschaft.

Es wurde um 1470 vom Obwaldner Landschreiber Hans Schriber angelegt. Der Band enthält Abschriften wichtiger Urkunden, Bündnisse und Rechtsdokumente sowie einen erzählenden Teil über die Entstehung der Eidgenossenschaft.[4]

In diesem erzählenden Teil erscheint erstmals die zusammenhängende Geschichte von Wilhelm Tell, dem habsburgischen Vogt Gessler, dem Apfelschuss, dem Rütlischwur und dem Aufstand gegen die Vögte.

Die Erzählungen wurden rund anderthalb Jahrhunderte nach den angeblichen Ereignissen niedergeschrieben. Sie können daher nicht ohne Weiteres als zeitgenössische Berichte des frühen 14. Jahrhunderts verstanden werden.

Das Weisse Buch ist dennoch eine zentrale Quelle für die eidgenössische Erinnerungskultur. Es zeigt, wie die Bewohner der Waldstätten im späten Mittelalter ihre politische Freiheit und gemeinsame Vergangenheit deuteten.[5]

Der Band wird im Staatsarchiv Obwalden in Sarnen aufbewahrt. Seine Bezeichnung geht auf den ursprünglich weissen Einband zurück.

Niklaus von Flüe

Niklaus von Flüe, gewöhnlich Bruder Klaus genannt, wurde 1417 auf dem Flüeli bei Sachseln geboren. Er war Bauer, Ratsherr, Richter und wahrscheinlich auch Soldat.

1467 verliess er mit Zustimmung seiner Frau Dorothea Wyss seine Familie und zog sich als Einsiedler in den Ranft zurück. Dort lebte er bis zu seinem Tod 1487.

Bruder Klaus wurde wegen seiner Frömmigkeit und seiner Ratschläge weit über Obwalden hinaus bekannt. Politiker, Geistliche und Privatpersonen suchten ihn auf.

Besondere Bedeutung erhielt sein Wirken während der Krise von 1481. Nach den Burgunderkriegen stritten die eidgenössischen Orte über die Aufnahme von Freiburg und Solothurn sowie über die Verteilung von Beute und Macht.

Der mündlich überlieferte Rat des Einsiedlers trug wahrscheinlich zur Verständigung beim Stanser Verkommnis bei. Die genauen Worte sind nicht überliefert.

Niklaus von Flüe wurde zu einer zentralen Identifikationsfigur Obwaldens und der katholischen Schweiz. Papst Pius XII. sprach ihn 1947 heilig.

Sachseln, das Wohnhaus auf dem Flüeli, die Ranftkapellen und die Pfarrkirche mit dem Grab des Heiligen entwickelten sich zu bedeutenden Wallfahrtsorten.

Reformation und konfessionelle Politik

Festhalten am katholischen Glauben

Die reformatorischen Lehren Huldrych Zwinglis fanden in den 1520er-Jahren auch in der Zentralschweiz Beachtung. Die Obwaldner Obrigkeit und die Mehrheit der Geistlichen hielten jedoch am katholischen Glauben fest.

Obwalden gehörte zu den führenden katholischen Orten und bekämpfte die Ausbreitung der Reformation in benachbarten Gebieten.

Die konfessionelle Entwicklung führte zu Spannungen mit Bern, Zürich und anderen reformierten Orten. Besonders am Brünig berührten sich katholische und reformierte Gebiete unmittelbar.

1528 unternahmen Obwaldner und andere Innerschweizer einen bewaffneten Zug über den Brünig, um Gegner der bernischen Reformation im Oberland zu unterstützen. Der sogenannte Brünigzug konnte den Übergang Berns zur Reformation jedoch nicht verhindern.[2]

Kappelerkriege

Obwalden beteiligte sich auf katholischer Seite am Ersten und Zweiten Kappelerkrieg.

Nach dem Sieg der katholischen Orte bei Kappel 1531 wurde ihre Stellung innerhalb der Eidgenossenschaft vorübergehend gestärkt.

Die konfessionelle Spaltung blieb bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft ein bestimmender Faktor der Aussen- und Bündnispolitik.

Obwalden unterstützte katholische Bündnisse und unterhielt enge Beziehungen zu Luzern, Uri, Schwyz, Nidwalden, Zug und Freiburg.

Katholische Reform

Im späteren 16. und 17. Jahrhundert wurden kirchliche Organisation, Seelsorge und religiöse Disziplin im Sinn der katholischen Reform erneuert.

Geistliche Visitationen überprüften Pfarreien, Priester und Gottesdienstpraxis. Bruderschaften, Prozessionen, Wallfahrten und Volksmissionen gewannen an Bedeutung.

Die Verehrung von Bruder Klaus wurde weiter ausgebaut. Sachseln und der Ranft entwickelten sich zu geistlichen Zentren.

Kirchen und Kapellen wurden neu errichtet oder barock umgestaltet. Religiöse Kunst prägte das Landschafts- und Dorfbild.

Obwalden im Ancien Régime

Staatsordnung

Bis 1798 beruhte die politische Ordnung Obwaldens auf Landsgemeinde, Landrat, Wochenrat, Gerichten und verschiedenen Landesämtern.

Die Landsgemeinde wählte den Landammann und weitere Amtsträger. Sie entschied über Gesetze, Steuern, Bündnisse und wichtige politische Fragen.

Der Landrat bestand aus Vertretern der Gemeinden und weiteren Amtsträgern. Er erledigte einen grossen Teil der laufenden Regierungsgeschäfte.

Die Gewaltenteilung im modernen Sinn war nur schwach ausgeprägt. Dieselben Personen konnten gleichzeitig Regierungs-, Gerichts- und Verwaltungsfunktionen ausüben.

Politische Ämter konzentrierten sich zunehmend bei einer begrenzten Zahl einflussreicher Familien. Dazu gehörten unter anderem die Wirz, von Flüe, Imfeld, Stockmann, Bucher, Omlin und weitere Geschlechter.

Verwandtschaft, Grundbesitz, militärische Karrieren und ausländische Pensionen stärkten ihre Stellung. Dennoch blieb die Landsgemeinde ein Ort, an dem die politische Führung öffentliche Zustimmung suchen musste.

Gemeinden und Nutzungskorporationen

Die Kirchgemeinden entwickelten sich zu politischen Gemeinden mit eigenen Behörden, Gütern und Aufgaben.

Daneben bestanden Teilsamen, Korporationen und Alpgenossenschaften. Sie verwalteten gemeinschaftliche Wälder, Alpen, Allmenden und Gewässer.

Die Zugehörigkeit zu einer solchen Nutzungsgemeinschaft war wirtschaftlich von grosser Bedeutung. Sie entschied über Weiderechte, Holzbezug und weitere Ressourcen.

Nicht alle Einwohner besassen dieselben Nutzungsrechte. Zwischen alteingesessenen Landleuten, Hintersassen und Zugewanderten bestanden rechtliche Unterschiede.

Diese genossenschaftlichen Strukturen prägten die Landschaft und die lokale Politik bis in die Gegenwart.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft bildete die wichtigste Lebensgrundlage. In tieferen Lagen wurden Getreide, Obst und weitere Pflanzen angebaut. Viehhaltung und Milchwirtschaft gewannen jedoch zunehmend an Bedeutung.

Die Nutzung verschiedener Höhenstufen ermöglichte eine saisonale Wanderung des Viehs. Im Sommer wurden Rinder auf die Alpen getrieben, während die Talflächen der Heugewinnung dienten.

Rinder, Pferde, Käse und andere Produkte wurden nach Luzern, ins Mittelland und nach Norditalien verkauft.

Die Umstellung auf stärker marktorientierte Viehwirtschaft brachte Einnahmen, machte die Bevölkerung aber teilweise von Getreideimporten abhängig.

Missernten, Tierseuchen, Naturkatastrophen und Handelssperren konnten schwere Versorgungskrisen auslösen.

Gewerbe und Handel

Neben der Landwirtschaft bestanden Mühlen, Sägen, Schmieden, Gerbereien, Bäckereien und zahlreiche weitere Handwerksbetriebe.

Sarnen entwickelte sich zum administrativen und wirtschaftlichen Mittelpunkt. Grössere städtische Strukturen entstanden jedoch nicht.

Der Verkehr über den Brünig, den Alpnachersee und Luzern förderte Gastgewerbe, Säumerei, Schifffahrt und Handel.

Kaufleute aus führenden Familien verbanden Viehhandel, Kreditgeschäfte, politische Ämter und ausländische Beziehungen.

Fremde Dienste

Der Dienst in ausländischen Armeen war über Jahrhunderte ein wichtiger Teil der Obwaldner Gesellschaft.

Frankreich, Spanien, der Kirchenstaat, Neapel und weitere Mächte warben Schweizer Regimenter an. Obwaldner Offiziere organisierten Truppen und konnten beträchtliche Vermögen erwerben.

Für ärmere Männer bot der Solddienst eine Verdienstmöglichkeit, war jedoch mit hohen Risiken verbunden. Viele starben an Krankheiten, in Schlachten oder auf langen Märschen.

Ausländische Pensionen beeinflussten die Innen- und Aussenpolitik. Führende Familien standen teilweise im Dienst konkurrierender Mächte.

Kritik richtete sich gegen Korruption, Abhängigkeit und den Verlust junger Arbeitskräfte. Dennoch blieb das Soldwesen bis ins 19. Jahrhundert wirtschaftlich bedeutend.

Armenwesen und Auswanderung

Armut war besonders in kinderreichen Familien, bei Krankheit, Alter oder wirtschaftlichen Krisen verbreitet.

Die Unterstützung Bedürftiger war zunächst Aufgabe von Verwandten, Kirchgemeinden, Bruderschaften und Stiftungen.

Menschen ohne ausreichende Mittel mussten teilweise betteln oder als Dienstboten ausserhalb des Kantons arbeiten.

Auswanderung bot eine weitere Möglichkeit, wirtschaftlicher Not zu entkommen. Obwaldner zogen in andere Schweizer Regionen, in europäische Länder oder später nach Übersee.

Hexenverfolgungen

Wie in anderen Teilen Europas und der Schweiz kam es auch in Obwalden zu Hexenprozessen.

Besonders im 16. und 17. Jahrhundert wurden Personen beschuldigt, mit dem Teufel im Bund zu stehen, Schadenzauber auszuüben oder Unwetter zu verursachen.

Die Verfahren waren von Folter, erzwungenen Geständnissen und religiösen Vorstellungen geprägt. Mehrere Verurteilte wurden hingerichtet.

Die Verfolgungen spiegeln soziale Spannungen, Krisenängste und das damalige Straf- und Glaubensverständnis wider.

Beziehungen zum Kloster Engelberg

Das 1120 gegründete Kloster Engelberg entwickelte sich zu einer geistlichen Grundherrschaft mit eigenem Territorium.

Zwischen dem Kloster, den Bewohnern des Engelberger Tals und den Nachbargebieten bestanden wiederholt Konflikte über Rechte, Abgaben und politische Mitwirkung.

Obwalden pflegte enge wirtschaftliche und religiöse Beziehungen zu Engelberg, übte vor 1798 aber keine vollständige staatliche Herrschaft über das Tal aus.

Der Abt besass umfangreiche Herrschaftsrechte. Die Talbevölkerung entwickelte daneben eigene genossenschaftliche und kommunale Strukturen.

Die Französische Revolution und die Helvetik beendeten die weltliche Herrschaft des Klosters. Die staatliche Zugehörigkeit Engelbergs wurde anschliessend mehrfach neu geregelt.

Helvetische Republik

Französischer Einmarsch und Ende der alten Ordnung

1798 marschierten französische Truppen in die Alte Eidgenossenschaft ein. Die bisherigen kantonalen und gemeinen Herrschaften brachen zusammen.

Die Helvetische Republik schuf einen zentralistisch organisierten Einheitsstaat. Die politischen Unterschiede zwischen regierenden Orten, Untertanengebieten und einzelnen Bevölkerungsgruppen wurden grundsätzlich aufgehoben.

Obwalden verlor seine Stellung als selbstständiger eidgenössischer Ort. Das Gebiet wurde zum Distrikt Sarnen des neu geschaffenen Kantons Waldstätten.[1]

Zum Kanton Waldstätten gehörten auch Uri, Schwyz, Nidwalden, Zug und weitere Gebiete. Die neue Einteilung sollte traditionelle kantonale Bindungen schwächen.

Reaktionen in Obwalden

Die neuen Grundsätze der Rechtsgleichheit und der persönlichen Freiheit stiessen teilweise auf Zustimmung. Besonders Menschen ohne volle politische Rechte konnten von der Aufhebung alter Privilegien profitieren.

Gleichzeitig wurden Zentralismus, französische Besatzung, Steuern, Einquartierungen und Eingriffe in kirchliche Angelegenheiten abgelehnt.

In Nidwalden kam es im September 1798 zum bewaffneten Aufstand gegen die Helvetische Republik. Französische Truppen schlugen den Widerstand mit grosser Gewalt nieder.

Obwalden beteiligte sich nicht in gleichem Umfang an diesem Aufstand, war aber von Truppenbewegungen, Einquartierungen und den wirtschaftlichen Folgen betroffen.

Viele Bewohner empfanden den Verlust der Landsgemeinde und der kantonalen Selbstständigkeit als Angriff auf ihre überlieferten Freiheiten.

Gesellschaftliche Veränderungen

Die Helvetik beseitigte die rechtlichen Unterschiede zwischen Landleuten, Hintersassen und Untertanen. Sie führte ein einheitlicheres Bürgerrecht und eine moderne Verwaltungsorganisation ein.

Feudale Abgaben und grundherrliche Rechte wurden grundsätzlich infrage gestellt. Ihre tatsächliche Ablösung war jedoch kompliziert und führte zu langjährigen finanziellen Streitigkeiten.

Gemeinden und Korporationen mussten ihr Verhältnis zum neuen Staat neu bestimmen. Auch kirchlicher Besitz und Klosterrechte wurden überprüft.

Die instabile politische Lage, Staatsstreiche und der Krieg zwischen Frankreich und seinen Gegnern verhinderten eine dauerhafte Konsolidierung.

Stecklikrieg

1802 zog Napoleon Bonaparte französische Truppen vorübergehend aus der Schweiz ab. Gegner der Helvetischen Republik erhoben sich im sogenannten Stecklikrieg.

Auch in der Zentralschweiz brach der Widerstand gegen die helvetischen Behörden erneut aus.

Die zentralistische Regierung verlor rasch die Kontrolle. Napoleon griff als Vermittler ein und berief Vertreter der schweizerischen Parteien nach Paris.

Die daraus hervorgegangene Mediationsakte stellte die kantonale Selbstständigkeit weitgehend wieder her.

Mediationszeit

Mit der Mediationsakte von 1803 entstand Obwalden erneut als eigenständiger Kanton unter der Bezeichnung Unterwalden ob dem Wald.

Landsgemeinde, Landrat und traditionelle Ämter wurden wiederhergestellt. Die vor 1798 bestehende Ordnung kehrte jedoch nicht vollständig zurück.

Die Rechtsgleichheit der Gemeinden und Bürger wurde grundsätzlich beibehalten. Frühere Untertanenverhältnisse konnten nicht einfach wieder eingeführt werden.

Obwalden und Nidwalden galten erneut als zwei selbstständige eidgenössische Stände mit einer gemeinsamen Standesstimme.

Engelberg wurde während der Mediationszeit Nidwalden zugeteilt. Diese Regelung blieb bis 1815 bestehen.

Die Schweiz stand politisch und militärisch unter starkem französischem Einfluss. Obwalden musste Truppen stellen und finanzielle Verpflichtungen erfüllen.

Obwaldner dienten in französischen Regimentern und nahmen an napoleonischen Feldzügen teil. Die Kriege brachten hohe Verluste und wirtschaftliche Belastungen.

Restauration und erste Kantonsverfassung

Nach der Niederlage Napoleons brach die Mediationsordnung 1813 zusammen.

In Obwalden gewannen konservative Kräfte die Oberhand. Sie wollten die traditionelle Landsgemeindedemokratie und die alte kantonale Selbstständigkeit sichern.

Am 10. Juli 1814 nahm eine ausserordentliche Landsgemeinde die erste förmlich zusammengefasste Kantonsverfassung Obwaldens an.[2]

Die Verfassung stellte zahlreiche Einrichtungen der vorrevolutionären Zeit wieder her. Gleichzeitig musste sie die seit 1798 eingetretenen gesellschaftlichen und eidgenössischen Veränderungen berücksichtigen.

Politische Rechte blieben an das männliche Landrecht gebunden. Die Macht einflussreicher Familien und Amtsträger wurde erneut gestärkt.

Obwalden beteiligte sich an den Verhandlungen über den Bundesvertrag von 1815, der die Schweiz nach der napoleonischen Zeit neu ordnete.

Anschluss Engelbergs

Nidwalden lehnte den Bundesvertrag von 1815 zunächst ab. Innerhalb des Kantons bestanden heftige Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und dem zu Nidwalden gehörenden Engelberg.

Die Engelberger Bevölkerung wollte dem neuen eidgenössischen Bund beitreten und suchte Schutz vor der politischen Unsicherheit.

Obwalden erklärte sich bereit, das Tal aufzunehmen. Der Obwaldner Landrat stimmte dem Anschluss im Juli 1815 grundsätzlich zu.

Am 17. Juli 1815 entschied die eidgenössische Tagsatzung, Engelberg dem Kanton Obwalden zuzuteilen. Die Einzelheiten wurden in weiteren Vereinbarungen geregelt.[6]

1815 und 1816 wurden die politischen, finanziellen und verfassungsrechtlichen Bedingungen des Anschlusses festgelegt.

Engelberg erhielt eine besondere Stellung und behielt eigene lokale Einrichtungen. Die Gemeinde war geografisch vom übrigen Kanton getrennt.

Mit dem Anschluss erhielt Obwalden seine heutige territoriale Gestalt.

Restauration und konservative Politik

Die Zeit nach 1815 war von einer konservativen politischen Ordnung geprägt.

Die Landsgemeinde bestand weiter, doch die tatsächliche Regierungsmacht lag bei einer begrenzten Gruppe erfahrener Amtsträger und Familien.

Die katholische Kirche besass grossen Einfluss auf Schule, Armenwesen, Ehe- und Familienrecht sowie das öffentliche Leben.

Liberale Forderungen nach Gewaltenteilung, Pressefreiheit, breiterer politischer Beteiligung und staatlicher Kontrolle des Bildungswesens stiessen auf Widerstand.

Obwalden verstand sich als Verteidiger kantonaler Souveränität und traditioneller katholischer Ordnung.

Regeneration und Sarnerbund

Liberale Umwälzungen von 1830/31

Um 1830 setzten in zahlreichen Schweizer Kantonen liberale Verfassungsbewegungen ein. Sie verlangten repräsentativere Parlamente, Rechtsgleichheit und eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung.

Obwalden blieb überwiegend konservativ. Die politische Führung befürchtete, dass ein stärkerer eidgenössischer Zentralstaat die kantonale Selbstständigkeit und die katholische Religion gefährden könnte.

Die Spannungen zwischen liberalen und konservativen Kantonen verschärften sich.

Sarnerbund

1832 schlossen sich Obwalden, Uri, Schwyz, Nidwalden, Basel-Stadt und Neuenburg zum Sarnerbund zusammen.

Der Bund richtete sich gegen die geplante Revision des Bundesvertrags und gegen den Einfluss der liberalen Kantone.

Die beteiligten Orte führten zeitweise eine eigene Tagsatzung in Sarnen durch. Dies bedrohte die Einheit des Staatenbunds.

Nach militärischen und politischen Auseinandersetzungen löste die eidgenössische Tagsatzung den Sarnerbund 1833 auf.

Obwalden musste zur allgemeinen Tagsatzung zurückkehren. Seine konservative Grundhaltung blieb jedoch bestehen.

Sonderbund

Konfessionelle Zuspitzung

In den 1840er-Jahren verschärfte sich der Konflikt zwischen liberal-radikalen und katholisch-konservativen Kantonen.

Die Berufung der Jesuiten nach Luzern und die beiden Freischarenzüge gegen die Luzerner Regierung verstärkten in Obwalden das Gefühl einer konfessionellen und politischen Bedrohung.

Obwaldner Truppen unterstützten Luzern bei der Abwehr der Freischaren.

1845 schlossen sich Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Zug, Freiburg und Wallis zum Sonderbund zusammen.

Das Bündnis sollte die katholischen Kantone gegen weitere gewaltsame Eingriffe schützen. Die liberale Tagsatzungsmehrheit betrachtete es als unvereinbar mit dem Bundesvertrag.

Sonderbundskrieg

Im November 1847 begann der Sonderbundskrieg. Die eidgenössischen Truppen standen unter dem Kommando von General Guillaume Henri Dufour.

Die militärischen Auseinandersetzungen dauerten nur wenige Wochen. Nach der Niederlage Freiburgs, Luzerns und weiterer Verbündeter brach der Sonderbund zusammen.

Obwalden leistete keinen längeren selbstständigen Widerstand. Der Kanton kapitulierte und akzeptierte die eidgenössische Neuordnung.

Die Niederlage führte zum politischen Ende der besonders konservativen Führungsschicht. Eine provisorische Regierung leitete Reformen ein.

Am 8. Dezember 1847 genehmigte eine ausserordentliche Landsgemeinde wichtige Veränderungen. Die lebenslange Amtsdauer zahlreicher Behördenmitglieder wurde abgeschafft und durch periodische Wahlen ersetzt.[2]

Obwalden musste sich an den Kosten des Sonderbundskriegs beteiligen. Ein Teil der finanziellen Belastung wurde später vom Bund erlassen.

Obwalden im Bundesstaat

Bundesverfassung von 1848

Die Bundesverfassung von 1848 wandelte die Schweiz vom Staatenbund zum Bundesstaat.

Obwalden lehnte die neue Verfassung mit grosser Mehrheit ab. Die Bevölkerung befürchtete einen Verlust kantonaler Souveränität und eine Schwächung der katholischen Orte.

Nachdem die Verfassung von der Mehrheit der Kantone und Stimmbürger angenommen worden war, akzeptierte Obwalden die neue Ordnung.

Bei der ersten Wahl der Bundesbehörden versuchte der Kanton zunächst, seine Zustimmung mit einem Vorbehalt zu verbinden. Eine solche bedingte Wahl wurde jedoch nicht anerkannt.

Anschliessend wählte Obwalden seine Vertreter ohne Vorbehalt und beteiligte sich am politischen Leben des Bundesstaats.

Der Kanton behielt aufgrund seiner Stellung als früherer Halbkanton nur einen Sitz im Ständerat und eine halbe Standesstimme.

Verfassung von 1850

1850 nahm Obwalden eine neue Kantonsverfassung an. Sie passte die staatliche Ordnung an die Bundesverfassung von 1848 an.

Die Verfassung regelte Zuständigkeiten von Landsgemeinde, Landrat, Regierung und Gerichten neu.

Grundrechte, politische Rechte und die Stellung der Gemeinden wurden präzisiert.

Die katholische Konfession behielt weiterhin eine herausgehobene Stellung. Kirche, Schule und Staat blieben eng miteinander verbunden.

Die Macht traditioneller Familien wurde durch regelmässigere Wahlen und neue institutionelle Regeln begrenzt, verschwand aber nicht sofort.

Verfassung von 1867

Eine weitere Verfassungsrevision von 1867 modernisierte die kantonalen Institutionen.

Die Aufgaben von Regierung, Parlament und Gerichten wurden deutlicher voneinander getrennt.

Die Gesetzgebung wurde systematischer organisiert, und die Verwaltung erhielt dauerhaftere Strukturen.

Direktdemokratische Elemente blieben zentral. Die Landsgemeinde entschied weiterhin über Verfassungs- und Gesetzesfragen sowie über wichtige Wahlen.

Die Gemeinden erhielten klarer umschriebene Aufgaben und Zuständigkeiten.

Verfassung von 1902

1902 trat eine neue Kantonsverfassung in Kraft.

Sie ordnete Behörden, Gerichte, Gemeinden und Finanzwesen den veränderten Anforderungen eines modernen Kantons entsprechend.

Der Kantonsrat gewann als gesetzgebende und vorberatende Behörde an Bedeutung. Die Landsgemeinde blieb jedoch formell das oberste kantonale Organ.

Die Verfassung wurde später vielfach geändert und 1968 durch eine vollständig überarbeitete Ordnung ersetzt.

Wirtschaft und Gesellschaft im 19. Jahrhundert

Landwirtschaftlicher Wandel

Die Landwirtschaft blieb im 19. Jahrhundert der wichtigste Wirtschaftszweig.

Viehzucht und Milchwirtschaft verdrängten den Getreideanbau zunehmend. Käse, Milchprodukte, Rinder und Zuchtvieh wurden überregional verkauft.

Die Entwässerung von Mooren und die Korrektion von Gewässern schufen neue landwirtschaftliche Flächen.

Gleichzeitig erhöhte die Spezialisierung die Abhängigkeit von eingeführtem Getreide und anderen Lebensmitteln.

Kleinbauern, Taglöhner und Heimarbeiter lebten häufig in unsicheren wirtschaftlichen Verhältnissen.

Gewerbe und frühe Industrialisierung

Die Industrialisierung setzte später und schwächer ein als in den städtischen Kantonen.

Wasserkraft wurde für Mühlen, Sägen und kleinere Gewerbebetriebe genutzt. Später entstanden Betriebe der Holz-, Metall-, Baustoff- und Nahrungsmittelverarbeitung.

Heimarbeit ergänzte das Einkommen vieler Familien. Dazu gehörten Textil-, Holz- und Strohgewerbe.

Grössere Fabriken entstanden vor allem gegen Ende des Jahrhunderts und im frühen 20. Jahrhundert.

Sarnen entwickelte sich zum Verwaltungs-, Bildungs- und Dienstleistungszentrum des Kantons.

Armut und Auswanderung

Bevölkerungswachstum, begrenzte landwirtschaftliche Flächen und schwankende Einkommen führten zu verbreiteter Armut.

Viele Obwaldner suchten Arbeit in anderen Kantonen, als Dienstboten, Handwerker, Söldner oder Saisonarbeiter.

Im 19. Jahrhundert nahm die Auswanderung nach Nord- und Südamerika zu.

Obwaldner Familien beteiligten sich unter anderem an der Gründung schweizerischer Siedlungen in Brasilien. Die Auswanderung hinterliess dauerhafte familiäre und kulturelle Verbindungen.

Gemeinden unterstützten Auswanderungen teilweise finanziell, weil sie damit ihre Armenausgaben vermindern wollten.

Banken und Kreditwesen

Mit der wirtschaftlichen Modernisierung stieg der Bedarf an Krediten, Sparmöglichkeiten und öffentlichen Finanzinstituten.

1886 wurde die Obwaldner Kantonalbank gegründet. Sie sollte Landwirtschaft, Gewerbe, Gemeinden und private Haushalte mit Finanzdienstleistungen versorgen.

Die Bank entwickelte sich zu einer wichtigen Institution der kantonalen Wirtschaft.

Auch Sparkassen, Darlehenskassen und später Raiffeisenbanken erleichterten Investitionen und den Aufbau kleiner Betriebe.

Verkehrsentwicklung

Strassen und Schifffahrt

Bis ins 19. Jahrhundert waren Seewege, Saumpfade und einfache Landstrassen die wichtigsten Verkehrsverbindungen.

Die Schifffahrt auf dem Alpnachersee verband Obwalden mit Luzern und den übrigen Teilen der Zentralschweiz.

Im 19. Jahrhundert wurden die Brünigstrasse und weitere Talstrassen ausgebaut. Dadurch konnten schwerere Fuhrwerke und Postkutschen verkehren.

Der Strassenbau erleichterte den Absatz landwirtschaftlicher Produkte und die Einfuhr von Lebensmitteln, Baumaterialien und Industriegütern.

Brünigbahn

1888 nahm die Brünigbahn zwischen Alpnachstad und Brienz den Betrieb auf. Weitere Abschnitte verbanden die Strecke mit Luzern und Interlaken.[7]

Die schmalspurige Bahn erschloss Sarnen, Sachseln, Giswil und Lungern.

Sie verkürzte Reisezeiten und stärkte Handel, Tourismus und Pendelverkehr.

Die Bahnlinie musste mit Zahnstangenabschnitten die Steigungen am Brünig überwinden.

Heute bildet sie einen Teil der Zentralbahn und verbindet Luzern über Obwalden mit Interlaken.

Pilatusbahn

1889 wurde die Zahnradbahn von Alpnachstad auf den Pilatus eröffnet.

Die Strecke war eine technische Pionierleistung und gilt bis heute als steilste Zahnradbahn der Welt.

Sie machte Alpnachstad zu einem bedeutenden Ausgangspunkt des alpinen Tourismus.[8]

Hotels, Schifffahrt, Bahn und weitere touristische Betriebe profitierten vom wachsenden internationalen Reiseverkehr.

Bahn nach Engelberg

1898 wurde die Bahnverbindung von Stansstad nach Engelberg eröffnet.

Sie erleichterte den Zugang zum Hochtal und förderte dessen Entwicklung zum Kur-, Wintersport- und Ferienort.

Die Strecke wurde später technisch erneuert und mit dem übrigen Bahnnetz verbunden.[9]

Mit dem Bau des Engelberg-Basistunnels im frühen 21. Jahrhundert konnten Fahrzeit und Betriebssicherheit weiter verbessert werden.

Tourismus

Die landschaftliche Lage zwischen Seen und Bergen zog seit dem 19. Jahrhundert Reisende an.

Engelberg entwickelte sich zu einem bedeutenden Kur- und Ferienort. Kloster, Bergwelt, Hotels und später Wintersportanlagen prägten seine touristische Entwicklung.

Lungern, Melchtal, Flüeli-Ranft und der Pilatusraum wurden ebenfalls zu Reisezielen.

Die Verehrung von Bruder Klaus führte Pilgerinnen und Pilger nach Sachseln und in den Ranft.

Bahn- und Strassenbau ermöglichten grössere Gästezahlen. Hotels, Pensionen, Bergbahnen und Gastwirtschaften schufen neue Arbeitsplätze.

Der Tourismus blieb jedoch krisenanfällig. Weltkriege, Wirtschaftskrisen und Reisebeschränkungen führten wiederholt zu Einbrüchen.

Bildung und kirchliche Einrichtungen

Die katholische Kirche prägte das Bildungswesen lange stark.

Pfarrer, Klöster und kirchliche Gemeinschaften unterhielten Schulen und Erziehungsanstalten.

Das Kollegium Sarnen entwickelte sich zu einer bedeutenden höheren Bildungsinstitution. Es stand zeitweise unter der Leitung der Benediktiner von Muri-Gries.

Auch das Kloster Engelberg betrieb eine Schule, die Schüler über die Kantonsgrenzen hinaus anzog.

Im 19. und 20. Jahrhundert übernahm der Kanton schrittweise grössere Verantwortung für Volksschule, Berufsbildung und Mittelschulen.

Die Ausbildung von Lehrpersonen wurde professionalisiert, und die Schulpflicht wurde ausgebaut.

Konflikte über die Rolle von Kirche und Staat im Bildungswesen blieben bis weit ins 20. Jahrhundert politisch bedeutsam.

Obwalden im Ersten Weltkrieg

Die Schweiz blieb während des Ersten Weltkriegs neutral. Die Mobilmachung belastete dennoch zahlreiche Obwaldner Familien.

Viele Männer leisteten über längere Zeit Aktivdienst und fehlten in Landwirtschaft und Gewerbe.

Lebensmittel, Futtermittel, Kohle und andere Güter wurden knapp und teuer.

Der Tourismus ging stark zurück, besonders in Engelberg und anderen Ferienorten.

Behörden organisierten Rationierung, Anbauprogramme und Unterstützungsleistungen.

Die Grippepandemie von 1918 forderte auch in Obwalden zahlreiche Opfer.

Soziale Spannungen und die allgemeine Wirtschaftskrise erreichten den Kanton, obwohl die Arbeiterbewegung weniger stark war als in grossen Industriezentren.

Zwischenkriegszeit

Nach dem Krieg erholten sich Landwirtschaft, Gewerbe und Tourismus nur langsam.

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 führte zu Arbeitslosigkeit, sinkenden Preisen und Schwierigkeiten im Hotelgewerbe.

Bund, Kanton und Gemeinden unterstützten Strassenbau, Entwässerungen und andere öffentliche Arbeiten.

Elektrifizierung und Motorisierung veränderten Alltag und Wirtschaft.

Neue Industrie- und Gewerbebetriebe entstanden vor allem in Sarnen, Alpnach und Kerns.

Die katholisch-konservativen Kräfte blieben politisch dominant. Gleichzeitig entwickelten sich neue Parteien, Verbände, Gewerkschaften und Berufsorganisationen.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs war Obwalden Teil der schweizerischen militärischen Verteidigungsplanung.

Die geografische Lage an den Zugängen zur Zentralschweiz verlieh Strassen, Bahnen und Pässen strategische Bedeutung.

Viele Männer standen im Aktivdienst. Landwirtschaftliche Betriebe mussten mit weniger Arbeitskräften auskommen.

Im Rahmen der sogenannten Anbauschlacht wurden zusätzliche Flächen für den Ackerbau genutzt.

Lebensmittel, Treibstoff und andere Güter waren rationiert.

Hotels und andere Gebäude nahmen teilweise Militärangehörige, Flüchtlinge oder Internierte auf.

Der internationale Tourismus brach erneut ein. Nach Kriegsende setzte jedoch eine rasche wirtschaftliche Erholung ein.

Nachkriegszeit

Bevölkerungs- und Siedlungswachstum

Nach 1945 wuchs die Bevölkerung deutlich.

Neue Wohnquartiere entstanden in Sarnen, Alpnach, Kerns und weiteren Gemeinden. Einzelne Dörfer dehnten sich entlang der Hauptstrassen und Bahnlinien aus.

Der steigende Wohlstand ermöglichte mehr Familien den Bau eines Eigenheims.

Zugleich nahm die Zahl der Pendlerinnen und Pendler zu. Obwalden wurde enger mit dem Wirtschaftsraum Luzern und der übrigen Zentralschweiz verbunden.

Die Zersiedelung und der Verlust von Kulturland wurden zu wichtigen Themen der Raumplanung.

Wirtschaftlicher Strukturwandel

Der Anteil der Landwirtschaft an der Beschäftigung ging zurück.

Industrie, Bauwirtschaft, Handel, Verwaltung, Gesundheitswesen und Dienstleistungen gewannen an Bedeutung.

Neue Unternehmen profitierten von verfügbaren Flächen, vergleichsweise niedrigen Kosten und verbesserten Verkehrswegen.

Die Landwirtschaft modernisierte sich. Mechanisierung und Spezialisierung steigerten die Produktivität, führten aber zu einem Rückgang der Zahl der Betriebe.

Tourismus und Bergbahnen wurden ausgebaut, besonders in Engelberg, Melchsee-Frutt, Mörlialp und am Pilatus.

Strassenverkehr

Der motorisierte Individualverkehr nahm stark zu. Hauptstrassen wurden verbreitert, Umfahrungen gebaut und Parkplätze geschaffen.

Die heutige A8 entwickelte sich schrittweise zur wichtigsten Strassenachse durch das Kantonsgebiet.

Tunnel und Umfahrungsstrassen entlasteten einzelne Ortszentren und verbesserten die Verbindung über den Brünig.

Der Ausbau brachte zugleich Belastungen durch Verkehr, Lärm und Eingriffe in die Landschaft.

Politische Reformen im 20. Jahrhundert

Kantonsverfassung von 1968

Am 19. Mai 1968 nahm die Landsgemeinde eine vollständig überarbeitete Kantonsverfassung an.

Sie trat am 27. April 1969 in Kraft und bildet mit zahlreichen späteren Änderungen weiterhin die verfassungsrechtliche Grundlage des Kantons.[10]

Die Verfassung ordnete Grundrechte, politische Rechte, Behörden, Gemeinden, Kirchen und öffentliche Aufgaben neu.

Landsgemeinde, Kantonsrat, Regierungsrat und Gerichte erhielten klarere Zuständigkeiten.

Die Verfassung spiegelte den Übergang vom ländlich-konfessionell geprägten Gemeinwesen zum modernen Leistungs- und Sozialstaat.

Frauenstimmrecht

Frauen waren von der traditionellen Landsgemeinde und den kantonalen politischen Ämtern ausgeschlossen.

Auf Bundesebene wurde das Frauenstimmrecht 1971 angenommen.

Obwalden führte das kantonale und kommunale Frauenstimmrecht am 24. September 1972 ein.

1973 nahmen Frauen erstmals an der Obwaldner Landsgemeinde teil.[2]

In den folgenden Jahren wurden Frauen in Gemeinderäte, den Kantonsrat, den Regierungsrat und weitere öffentliche Ämter gewählt.

Die politische Gleichstellung erfolgte schrittweise und veränderte die Zusammensetzung der kantonalen Institutionen grundlegend.

Stimmrechtsalter und Proporz

1983 senkte Obwalden das Stimmrechtsalter auf 18 Jahre.

1984 wurde für die Wahl des Kantonsrats das Verhältniswahlrecht eingeführt. Zuvor waren die Abgeordneten überwiegend nach dem Mehrheitsprinzip gewählt worden.

Der Proporz erleichterte kleineren Parteien und politischen Gruppierungen den Einzug ins Parlament.

Die Parteienlandschaft wurde vielfältiger, obwohl christlich-konservative und bürgerliche Kräfte weiterhin stark blieben.

Ausbau der Verwaltung

Mit neuen Aufgaben in Bildung, Gesundheit, Sozialversicherung, Umwelt, Verkehr und Raumplanung wuchs die kantonale Verwaltung.

Fachdepartemente und professionelle Verwaltungsstellen übernahmen Tätigkeiten, die früher nebenamtlich durch politische Amtsträger erledigt worden waren.

Die Trennung zwischen politischer Leitung und fachlicher Verwaltung wurde deutlicher.

Gleichzeitig entstanden neue Formen der Zusammenarbeit mit Gemeinden, Nachbarkantonen und dem Bund.

Abschaffung der Landsgemeinde

Die Landsgemeinde blieb bis zum Ende des 20. Jahrhunderts das sichtbarste politische Symbol Obwaldens.

Kritik richtete sich gegen die fehlende geheime Stimmabgabe, die schwierige genaue Auszählung, die Abhängigkeit vom Wetter und die geringe Beteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen.

Befürworter betonten dagegen die direkte Begegnung zwischen Behörden und Bevölkerung, die öffentliche politische Debatte und die historische Identität.

Am 29. November 1998 stimmten die Obwaldnerinnen und Obwaldner an der Urne über eine Verfassungsänderung ab.

Mit 5'697 Ja- gegen 5'054 Nein-Stimmen wurde die Landsgemeinde abgeschafft und durch die ausschliessliche Urnenabstimmung ersetzt.[11]

Damit endete eine seit mindestens 1373 belegte und während rund 625 Jahren bestehende Institution.

Die letzte ordentliche Obwaldner Landsgemeinde fand 1998 statt. Seither werden kantonale Wahlen und Sachabstimmungen geheim an der Urne durchgeführt.

Direkte Demokratie besteht weiterhin durch obligatorische und fakultative Referenden, Volksinitiativen und Abstimmungen.

Obwalden seit 1999

Amtlicher Kantonsname

Mit der neuen Bundesverfassung vom 18. April 1999 wurde die Bezeichnung Obwalden offiziell in die Aufzählung der Kantone aufgenommen.

Die frühere staatsrechtliche Bezeichnung Unterwalden ob dem Wald trat ausser Gebrauch.

Der Begriff «Halbkanton» wurde ebenfalls aus der Bundesverfassung entfernt. Obwalden gilt seither sprachlich und staatsrechtlich als Kanton wie die übrigen Stände.

Die historischen Besonderheiten bei Ständerat und Ständemehr blieben jedoch erhalten.

Obwalden besitzt einen Sitz im Ständerat. Bei Abstimmungen, die das Ständemehr erfordern, zählt seine Stimme als halbe Standesstimme.

Neue politische Strukturen

Nach der Abschaffung der Landsgemeinde gewann der Kantonsrat als öffentlich beratendes Parlament weiter an Bedeutung.

Verfassungs- und Gesetzesänderungen werden seit 1999 an der Urne entschieden.

Die politischen Parteien, Medien und Abstimmungskomitees übernahmen Aufgaben, die früher teilweise durch die unmittelbare Debatte an der Landsgemeinde erfüllt worden waren.

Die Behörden verbesserten Abstimmungsinformationen, briefliche Stimmabgabe und elektronische Informationsangebote.

Die Gemeinden behielten eine starke Stellung. Gemeindeversammlungen und kommunale Urnenabstimmungen bilden wichtige Ebenen der direkten Demokratie.

Steuer- und Standortpolitik

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts verfolgte Obwalden eine aktive Steuer- und Standortpolitik.

Steuersenkungen sollten Unternehmen und vermögende Privatpersonen anziehen und das wirtschaftliche Wachstum fördern.

Ein degressives Steuermodell wurde vom Bundesgericht als verfassungswidrig beurteilt und musste angepasst werden.

Die anschliessende Steuerpolitik trug dennoch zu einem verstärkten Zuzug und zur öffentlichen Wahrnehmung Obwaldens als wirtschaftlich attraktiver Wohn- und Unternehmensstandort bei.

Gleichzeitig entstanden Diskussionen über Wohnkosten, Landschaftsschutz, soziale Ausgewogenheit und den Wettbewerb zwischen den Kantonen.

Hochwasser von 2005

Im August 2005 führten aussergewöhnlich starke Niederschläge in weiten Teilen der Schweiz zu Überschwemmungen und Erdrutschen.

Obwalden gehörte zu den besonders stark betroffenen Kantonen. Die Sarner Aa, der Sarnersee und zahlreiche Wildbäche traten über die Ufer.

Das Zentrum von Sarnen wurde grossflächig überschwemmt. Wohnhäuser, Geschäfte, Verkehrswege und öffentliche Anlagen wurden beschädigt.

Auch Sachseln, Giswil, Kerns, Alpnach und weitere Gebiete waren betroffen.

Die Schäden rund um den Sarnersee beliefen sich auf mehrere hundert Millionen Franken.[12]

Nach der Katastrophe wurden Hochwasserschutz, Seeabfluss, Wildbachverbauungen und Notfallplanung überprüft.

Bund, Kanton und Gemeinden realisierten umfangreiche Schutzprojekte. Die Ereignisse von 2005 prägen die kantonale Naturgefahrenpolitik bis heute.

Gegenwärtiger Strukturwandel

Obwalden wandelte sich im 20. und 21. Jahrhundert von einem überwiegend landwirtschaftlichen Kanton zu einem vielfältigen Wirtschaftsraum.

Industrieunternehmen, Baugewerbe, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Bildung, Verwaltung und Tourismus beschäftigen einen grossen Teil der Bevölkerung.

Die Landwirtschaft bleibt für Landschaft, Kultur und regionale Produkte wichtig, stellt aber nur noch einen kleinen Teil der Arbeitsplätze.

Viele Einwohner pendeln in den Raum Luzern oder in andere Kantone. Umgekehrt ziehen Arbeitskräfte und Unternehmen nach Obwalden.

Sarnen ist politisches, wirtschaftliches und schulisches Zentrum. Alpnach besitzt Bedeutung als Industrie- und Verkehrsstandort. Engelberg ist international als Ferien- und Wintersportort bekannt.

Bevölkerungswachstum und Bautätigkeit führen zu Konflikten zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, bezahlbarem Wohnraum, Landwirtschaft und Landschaftsschutz.

Historische Erinnerung

Die Erinnerung an die frühe Eidgenossenschaft besitzt in Obwalden einen hohen Stellenwert.

Das Weisse Buch von Sarnen, der Bundesbrief, Landsgemeinde, Bruder Klaus und die Zugehörigkeit zu den Waldstätten gehören zu den zentralen historischen Bezugspunkten.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden die Befreiungssagen häufig als wörtliche Darstellung historischer Ereignisse verstanden.

Die moderne Geschichtsforschung untersucht dagegen Entstehungszeit, politische Funktion und Überlieferung der Erzählungen. Sie unterscheidet zwischen belegbaren Vorgängen und späterer Erinnerungskultur.

Bruder Klaus wird sowohl als katholischer Heiliger als auch als politische Vermittlungsfigur und Friedenssymbol verehrt.

Das ehemalige Landsgemeindegelände in Sarnen, historische Rathäuser, Kirchen, Kapellen, Burgruinen und traditionelle Kulturlandschaften erinnern an unterschiedliche Phasen der Kantonsgeschichte.

Staatsarchiv und Geschichtsforschung

Das Staatsarchiv Obwalden in Sarnen bewahrt die schriftliche Überlieferung des Kantons.

Zu seinen Beständen gehören Urkunden, Landbücher, Ratsprotokolle, Gerichtsakten, Rechnungen, Karten, Pläne, Fotografien und private Nachlässe.

Das Weisse Buch von Sarnen zählt zu den wertvollsten Dokumenten des Archivs.

Gemeinde-, Pfarr-, Kloster- und Familienarchive ergänzen die staatliche Überlieferung.

Archäologische Funde werden durch kantonale und interkantonale Fachstellen dokumentiert und ausgewertet.

Historische Vereine, Museen und wissenschaftliche Publikationen vermitteln die Geschichte einer breiteren Öffentlichkeit.

Das Historische Museum Obwalden in Sarnen sammelt Objekte zur politischen, religiösen, wirtschaftlichen und alltäglichen Geschichte des Kantons.

Besonderheiten der Obwaldner Geschichte

Die Geschichte Obwaldens unterscheidet sich in mehreren Punkten von jener grösserer Schweizer Kantone.

Das Gebiet besass nie eine eigentliche Stadt. Politische Organisation, Handel und Kultur entwickelten sich in Dörfern, Talschaften und genossenschaftlichen Verbänden.

Die Landsgemeinde bestand wesentlich länger als in den meisten anderen Kantonen und wurde erst 1998 abgeschafft.

Obwalden und Nidwalden waren innerlich eigenständig, traten aber während Jahrhunderten gemeinsam als eidgenössischer Ort Unterwalden auf.

Der Anschluss Engelbergs schuf 1815 eine bis heute bestehende Exklave.

Katholizismus, Bruder-Klaus-Verehrung, Kloster Engelberg und kirchliche Bildungseinrichtungen prägten die Gesellschaft besonders stark.

Die Kombination aus alpiner Landwirtschaft, internationalen Solddiensten, Auswanderung, Tourismus und späterer Industrie führte zu engen Verbindungen über die Kantonsgrenzen hinaus.

Chronologie

Zeit Ereignis
7. Jahrtausend v. Chr. Mittelsteinzeitlicher Jagd- oder Rastplatz beim Brand oberhalb von Lungern
ab 4. Jahrtausend v. Chr. Jungsteinzeitliche Funde im Sarner Tal und in Engelberg
Bronzezeit Zunehmende Besiedlung und Nutzung höher gelegener Weidegebiete
Römische Zeit Römischer Gutshof in Alpnach und weitere Funde im Kantonsgebiet
Frühmittelalter Alemannische Besiedlung, Christianisierung und Entstehung früher Pfarreien
1120 Gründung des Klosters Engelberg
1247 Erste fassbare Nennung der «Leute von Sarnen» als Gemeinschaft
1291 Bundesbrief von Uri, Schwyz und der unteren Talschaft Unterwaldens; Stellung Obwaldens im Einzelnen umstritten
1309 König Heinrich VII. bestätigt Unterwalden Reichsfreiheit und Gerichtsprivilegien
1315 Erneuerung des Bundes der Waldstätten nach der Schlacht am Morgarten
1332 Bündnis Unterwaldens mit Luzern
1373 Erste schriftlich belegte Obwaldner Landsgemeinde
1382 Politischer Sturz der Familie von Hunwil und Neuordnung der lokalen Führungsschicht
ab 1403 Obwalden beteiligt sich mit Uri an der Politik südlich der Alpen
um 1470 Hans Schriber legt das Weisse Buch von Sarnen an
1481 Vermittlung von Niklaus von Flüe in der Krise um das Stanser Verkommnis
1487 Tod von Niklaus von Flüe
1528 Obwaldner Beteiligung am Brünigzug gegen die Einführung der Reformation im Berner Oberland
1531 Beteiligung am Zweiten Kappelerkrieg auf katholischer Seite
1798 Ende der alten Landsgemeindeordnung; Obwalden wird Distrikt Sarnen des helvetischen Kantons Waldstätten
1803 Wiederherstellung Obwaldens als Kanton durch die Mediationsakte
1814 Annahme der ersten förmlich zusammengefassten Obwaldner Kantonsverfassung
1815 Anschluss Engelbergs an Obwalden
1832 Beitritt zum konservativen Sarnerbund
1833 Auflösung des Sarnerbunds
1845 Beitritt Obwaldens zum Sonderbund
1847 Niederlage des Sonderbunds und politische Reformen in Obwalden
1848 Obwalden lehnt die Bundesverfassung ab, gliedert sich anschliessend jedoch in den Bundesstaat ein
1850 Annahme einer neuen Kantonsverfassung
1867 Verfassungsrevision und weitere Modernisierung der Kantonsordnung
1886 Gründung der Obwaldner Kantonalbank
1888 Eröffnung der Brünigbahn durch das Sarner Tal
1889 Eröffnung der Pilatusbahn ab Alpnachstad
1898 Eröffnung der Bahnverbindung Stansstad–Engelberg
1902 Inkrafttreten einer neuen Kantonsverfassung
1947 Heiligsprechung von Niklaus von Flüe
19. Mai 1968 Annahme der heutigen Kantonsverfassung
27. April 1969 Inkrafttreten der Kantonsverfassung von 1968
1972 Einführung des kantonalen und kommunalen Frauenstimmrechts
1973 Erste Teilnahme von Frauen an der Obwaldner Landsgemeinde
1983 Senkung des Stimmrechtsalters auf 18 Jahre
1984 Einführung des Proporzwahlrechts für den Kantonsrat
29. November 1998 Abschaffung der Landsgemeinde mit 5'697 gegen 5'054 Stimmen
1999 «Obwalden» wird mit der neuen Bundesverfassung zur offiziellen Kantonsbezeichnung
August 2005 Schwere Überschwemmungen im Sarner Tal und in weiteren Teilen des Kantons

Siehe auch

Literatur

  • Angelo Garovi: Obwaldner Geschichte. Staatsarchiv des Kantons Obwalden, Sarnen 2000.
  • Historisch-Antiquarischer Verein Obwalden (Hrsg.): Obwaldner Geschichtsblätter. Sarnen, seit 1901.
  • Staatsarchiv Obwalden (Hrsg.): Das Weisse Buch von Sarnen. Sarnen.
  • Niklaus von Flüe: Beiträge zur Geschichte Obwaldens und der Zentralschweiz. Verschiedene Veröffentlichungen.
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen: Die Rechtsquellen des Kantons Obwalden. Schwabe, Basel.
  • Historisches Lexikon der Schweiz: Artikel zu Obwalden, Unterwalden, Nidwalden, Landsgemeinde und Niklaus von Flüe.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 «Geschichte des Kantons Obwalden», Kanton Obwalden, abgerufen am 27. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Angelo Garovi: Obwaldner Geschichte, Staatsarchiv des Kantons Obwalden, Sarnen 2000.
  3. «Landsgemeinde», in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 27. Juli 2026.
  4. «Das Weisse Buch von Sarnen», Kanton Obwalden, abgerufen am 27. Juli 2026.
  5. «Wilhelm Tell», in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 27. Juli 2026.
  6. «Nidwalden», in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 27. Juli 2026.
  7. «Geschichte der Zentralbahn», Zentralbahn, abgerufen am 27. Juli 2026.
  8. «Die steilste Zahnradbahn der Welt», Pilatus-Bahnen, abgerufen am 27. Juli 2026.
  9. «Von Stansstad nach Engelberg», Zentralbahn, abgerufen am 27. Juli 2026.
  10. «Verfassung des Kantons Obwalden vom 19. Mai 1968», Fedlex, abgerufen am 27. Juli 2026.
  11. «Verfassungsänderung vom 29. November 1998: Übergang von der Landsgemeinde- zur Urnendemokratie», Gesetzesdatenbank des Kantons Obwalden, abgerufen am 27. Juli 2026.
  12. «Unwetter 2005 im Kanton Obwalden», Kanton Obwalden, abgerufen am 27. Juli 2026.