Lungern

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Lungern

Lungern

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Obwalden

BFS-Nummer

1405

Postleitzahl

6078

Koordinaten

46.78578° N, 8.15971° E

Höhe

750 m ü. M.

Fläche

46.47 km²

Einwohner

2119
(Stand: 31. Dezember 2025)

Gemeindepräsident

Daniel Ming

Website

www.lungern.ch

Lungern ist eine politische Gemeinde im Kanton Obwalden in der Schweiz. Das Bergdorf liegt am Lungerersee im obersten Abschnitt des Sarneraatals und am nördlichen Fuss des Brünigpasses. Zur Gemeinde gehören neben dem Dorf Lungern die Siedlungen und Ortsteile Obsee, Kaiserstuhl und Bürglen sowie zahlreiche Einzelhöfe und Alpgebiete.

Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 46,47 Quadratkilometern. Ende 2025 zählte Lungern 2119 Einwohnerinnen und Einwohner.[1] Mit dem See, der Brünigbahn, der Passstrasse und der Berglandschaft bildet Lungern einen wichtigen Übergangsraum zwischen der Zentralschweiz und dem Berner Oberland.

Die Geschichte der Gemeinde ist eng mit dem Lungerersee verbunden. Um zusätzliches Kulturland zu gewinnen, senkte die Bevölkerung den See im 19. Jahrhundert künstlich ab. Weniger als ein Jahrhundert später wurde er zur Stromproduktion wieder aufgestaut. Beide Eingriffe veränderten Landschaft, Siedlungsstruktur und wirtschaftliche Entwicklung grundlegend.

Geographie

Lungern liegt im Süden des Kantons Obwalden. Das Gemeindegebiet grenzt im Norden an Giswil, im Osten an Sachseln und im Süden sowie Westen an Gemeinden des Kantons Bern. Der Brünigpass verbindet Lungern mit dem Haslital und der Gemeinde Meiringen.

Das Dorf befindet sich in einem hoch gelegenen Talkessel, der sich gegen Norden zum übrigen Sarneraatal öffnet. Im Süden steigt das Gelände zum Brünigpass an. Steile, teilweise bewaldete Berghänge umschliessen das Tal im Osten und Westen.

Die Gemeindefläche beträgt 4647,83 Hektaren. Davon entfallen gemäss den Angaben der Gemeinde rund 2239 Hektaren auf landwirtschaftlich genutzte oder humusierte Flächen, rund 2022 Hektaren auf Wald und bestockte Flächen sowie rund 209 Hektaren auf Gewässer.[1]

Siedlungsgebiet

Das historische Siedlungsgebiet gliedert sich in drei grössere Bereiche:

Ortsteil Lage und Charakter
Lungern Dorf Hauptsiedlung am östlichen Ufer des Lungerersees mit Gemeindeverwaltung, Bahnhof, Schulen und Pfarrkirche
Obsee Historischer Ortsteil am südlichen Seeufer und Ausgangspunkt der Lungern-Turren-Bahn
Kaiserstuhl-Bürglen Siedlungsgebiet am nördlichen und nordwestlichen Ende des Sees

Das eigentliche Dorf entwickelte sich auf der Ostseite des Sees entlang der alten Verkehrswege und der heutigen Brünigstrasse. Obsee gilt als besonders gut erhaltener Teil der historischen Streusiedlung. Dort stehen zahlreiche traditionelle Wohn- und Landwirtschaftsbauten.

Kaiserstuhl liegt am nördlichen Seeufer an der Bahn- und Strassenverbindung nach Giswil. Bürglen erstreckt sich auf den angrenzenden Hängen westlich und nordwestlich des Sees. Daneben gehören zahlreiche Höfe, Weiler und Alpgebiete zur Gemeinde.

Lungerersee

Der Lungerersee, häufig auch Lungernsee genannt, bildet das landschaftliche Zentrum der Gemeinde. Er ist ein natürlicher See, dessen Wasserstand seit dem frühen 20. Jahrhundert für die Stromproduktion reguliert wird.

Der See wird hauptsächlich durch Bergbäche und zugeleitetes Wasser aus benachbarten Einzugsgebieten gespeist. Sein Abfluss führt über die Sarner Aa in Richtung Giswil und Sarnersee. Der Wasserstand kann im Jahresverlauf deutlich schwanken, da das gespeicherte Wasser im Kraftwerk Unteraa zur Elektrizitätsgewinnung genutzt wird.

Der See besitzt eine Fläche von rund zwei Quadratkilometern. Seine Farbe erscheint je nach Licht, Wetter und Wasserstand grünlich bis türkis. Das Ufer wird für Fischerei, Baden, Wassersport und Erholung genutzt.

= Berge und Alpen

Die Berglandschaft der Gemeinde gehört zu den nördlichen Voralpen. Zahlreiche Alpweiden liegen oberhalb der Dauersiedlungen. Sie werden während des Sommers für die Viehwirtschaft genutzt.

Auf der Westseite des Tales führt die Lungern-Turren-Bahn von Obsee nach Turren. Von dort reichen Wanderwege in Richtung Schönbüel, Höch Gumme und Brienzer Rothorn. Das Gebiet bietet Ausblicke auf den Lungerersee, das Sarneraatal und die Berner Alpen.

Östlich des Tales liegen weitere Wald-, Alp- und Felsgebiete. Teile des Kleinen Melchtals reichen in das Gemeindegebiet von Lungern. Die Höhenzüge und Seitentäler sind nur dünn besiedelt und dienen überwiegend der Alp-, Forst- und Freizeitnutzung.

= Gewässer und Naturgefahren

Neben dem See prägen mehrere Wildbäche die Gemeinde. Dazu gehören der Eibach, der Dundelbach und die Laui bei Obsee. Bei starken Niederschlägen oder rascher Schneeschmelze können diese Bäche grosse Mengen Wasser, Geröll und Holz ins Tal transportieren.

Die Geschichte Lungerns ist wiederholt von Überschwemmungen, Übersarungen und Murgängen geprägt worden. Schutzbauten, Geschiebesammler, Bachverbauungen und regelmässiger Gewässerunterhalt sollen heute die Siedlungen und Verkehrswege schützen.

Der Dundelbachfall am westlichen Seeufer ist ein auffälliges Landschaftselement. Nach niederschlagsreichen Perioden stürzt das Wasser in mehreren Stufen über die Felsen in Richtung See.

Klima

Lungern besitzt aufgrund seiner Höhenlage ein kühleres und niederschlagsreicheres Klima als die tiefer gelegenen Gemeinden des Sarneraatals. Die Winter sind häufig schneereich, während die Sommer vergleichsweise mild ausfallen.

Die umliegenden Berge beeinflussen Sonnenscheindauer, Wind und Niederschlagsverteilung. Föhnlagen können kurzfristig deutlich höhere Temperaturen bringen. Im Winter treten in der Tallage zeitweise Nebel und Kaltluftseen auf.

Das Klima eignet sich vor allem für Grünlandwirtschaft und Viehzucht. In den höher gelegenen Gebieten ist die Vegetationsperiode kurz. Die Alpweiden werden hauptsächlich während der Sommermonate bewirtschaftet.

Geschichte

Frühgeschichte und erste Erwähnung

Archäologische Einzelfunde belegen, dass das Gebiet von Lungern bereits in vorgeschichtlicher Zeit aufgesucht wurde. Funde aus dem Mesolithikum, der Bronzezeit und der römischen Epoche weisen auf frühe menschliche Aktivitäten sowie auf die Nutzung der Verbindung über den Brünigpass hin.

Der erste bekannte urkundliche Nachweis Lungerns stammt aus einem Steuerrodel des Bischofs von Konstanz aus dem Jahr 1275.[2] Im Jahr 2025 erinnerte die Gemeinde deshalb an 750 Jahre schriftlich belegte Geschichte.

Im Mittelalter lebte die Bevölkerung vor allem von Viehzucht, Alpwirtschaft, Ackerbau und dem Verkehr über den Brünig. Die räumliche Lage zwischen Obwalden und dem Haslital förderte den Austausch mit dem Berner Oberland.

Landwirtschaftliche Gesellschaft

Die knappen ebenen Flächen begrenzten lange Zeit die landwirtschaftliche Produktion. Ein grosser Teil des Gemeindegebiets bestand aus steilen Hängen, Wald, Alpen oder Gewässern.

Die Bevölkerung bewirtschaftete kleine Parzellen, hielt Rinder, Ziegen und Schafe und nutzte die weitläufigen Alpgebiete. Die Versorgung mit Winterfutter blieb schwierig. Viele Familien waren auf Nebenerwerb, saisonale Arbeit oder Auswanderung angewiesen.

Die gemeinsame Nutzung von Wald, Weiden und Alpen wurde teilweise durch Teilsamen und andere öffentlich-rechtliche Körperschaften geregelt. Diese traditionellen Strukturen besitzen in Lungern bis heute eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung.

Absenkung des Lungerersees

Der Mangel an Kulturland führte im 18. Jahrhundert zur Idee, den Lungerersee abzusenken. Das Vorhaben spaltete die Bevölkerung in Befürworter und Gegner, die im örtlichen Sprachgebrauch als «Trockene» und «Nasse» bezeichnet wurden.

Um 1790 begannen Arbeiten an einem Entwässerungsstollen durch den Felsriegel am nördlichen Ende des Seebeckens. Geldmangel, politische Umbrüche und technische Schwierigkeiten verzögerten das Projekt über Jahrzehnte.

Im Januar 1836 gelang der Durchbruch. Der Wasserspiegel sank erheblich, wodurch im südlichen und mittleren Seebecken mehr als hundert Hektaren ebenes Land gewonnen wurden.[3]

Der frühere Seeboden wurde kultiviert und mit Bauernhöfen, Ställen und einer Sägerei besiedelt. Das Projekt galt als aussergewöhnliche technische Leistung, brachte der Gemeinde jedoch auch hohe Kosten und langjährige wirtschaftliche Belastungen.

Brände und Unwetter

Lungern wurde mehrfach von Bränden und Naturereignissen getroffen. Im Jahr 1708 zerstörte ein Grossbrand in Obsee 46 Häuser und die Kapelle. 1737 vernichtete ein weiterer Brand im Dorf 16 Wohnhäuser und eine Kapelle.[2]

Am 22. Juli 1887 führte ein schweres Unwetter zu grossen Schäden. Der Eibach transportierte Wasser, Geröll und Steine durch das Dorf und beschädigte die damalige Pfarrkirche so stark, dass ein Neubau an einem sichereren Standort beschlossen wurde.

Der spätmittelalterliche Turm der alten Kirche blieb erhalten. Er steht heute einzeln am nördlichen Dorfeingang und gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Lungerns.

Pfarrkirche Herz Jesu

Die heutige römisch-katholische Pfarrkirche Herz Jesu wurde zwischen 1891 und 1893 auf einer Felskuppe südlich des Dorfzentrums errichtet. Ihre erhöhte Lage sollte sie besser vor Überschwemmungen und Geschiebe schützen.

Die neugotische Kirche prägt mit ihrer Freitreppe, dem Turm und der terrassierten Friedhofsanlage das Ortsbild. Sie wurde 1893 eingeweiht und ersetzte die durch das Unwetter von 1887 schwer beschädigte Vorgängerkirche.[4]

Neben der Pfarrkirche bestehen mehrere Kapellen. Dazu gehören die Dorfkapelle, die Kapellen in Obsee und Bürglen sowie kleinere Sakralbauten in den Alpgebieten.

Brünigstrasse und Fremdenverkehr

Der Brünigpass war seit früher Zeit ein regional bedeutender Übergang. Mit dem Ausbau der Brünigstrasse im Jahr 1861 verbesserten sich die Verkehrsverbindungen erheblich. Wenige Jahre später verkehrten regelmässige Postkutschen über den Pass.

Entlang der neuen Strasse entstanden Gasthäuser, Gewerbebauten und weitere Einrichtungen. Die bessere Erreichbarkeit begünstigte den frühen Fremdenverkehr. Gäste kamen wegen der Berglandschaft, des Sees und der Verbindung zwischen Luzern und dem Berner Oberland nach Lungern.

Brünigbahn

1888 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Alpnachstad und Brienz eröffnet. Sie führte über Lungern und den Brünigpass. Ein Jahr später bestand die durchgehende Verbindung nach Luzern.

Die meterspurige Brünigbahn verwendete auf den steilen Abschnitten ein Zahnstangensystem. Sie erleichterte den Personen- und Güterverkehr und förderte Tourismus, Gewerbe und Arbeitsmobilität.[5]

1941 und 1942 wurde die Strecke elektrifiziert. Seit 2005 gehört sie zur Zentralbahn. Lungern ist dadurch direkt mit Luzern, Sarnen, Meiringen, Brienz und Interlaken verbunden.

Wiederaufstauung des Sees

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann die Nutzung der Wasserkraft an Bedeutung. Die Centralschweizerischen Kraftwerke planten, den abgesenkten See wieder als Speicher zu nutzen.

Die Gemeinde stand dem Vorhaben überwiegend ablehnend gegenüber, konnte die kantonale Konzession jedoch nicht verhindern. 1919 wurde die Bewilligung zum Aufstau und zum Betrieb eines Kraftwerks erteilt.

Die Bauarbeiten begannen 1921. Noch im selben Jahr nahm die Zentrale Unteraa in Giswil die Stromproduktion auf. Der Wasserspiegel wurde zunächst um rund 16 Meter angehoben und in späteren Ausbauphasen weiter erhöht.[3]

Durch den Aufstau gingen grosse Teile des seit 1836 gewonnenen Kulturlands wieder verloren. Zahlreiche Grundeigentümer wurden enteignet. Häuser, Ställe und eine Sägerei im Seeboden mussten abgebrochen oder versetzt werden.

Seit 1982 wird das Kraftwerk Lungerersee vom Elektrizitätswerk Obwalden betrieben.[2] Der See ist seither zugleich Landschaftselement, Energiespeicher, Fischgewässer und touristisches Erholungsgebiet.

Entwicklung des Bergtourismus

1960 wurde die erste Luftseilbahn von Lungern-Obsee in Richtung Turren und Schönbüel eröffnet. Das Berggebiet entwickelte sich zu einem Ausflugs-, Wander- und Wintersportziel.

Nach mehreren Veränderungen des Bahnbetriebs und der touristischen Anlagen wurde die heutige Lungern-Turren-Bahn aufgebaut. Sie verbindet Obsee mit Turren und dient als Ausgangspunkt für Wanderungen, Schneeschuhtouren und weitere Bergaktivitäten.[6]

Bevölkerung

Lungern wies im 18. und 19. Jahrhundert trotz hoher Kindersterblichkeit ein deutliches Bevölkerungswachstum auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die Einwohnerzahl wegen fehlender Arbeitsplätze und Auswanderung zeitweise ab.

Seit den 1990er-Jahren bewegt sich die Bevölkerungszahl meist zwischen etwa 1950 und 2150 Personen. Die Entwicklung wird durch Geburten, Abwanderung junger Erwachsener, Zuzug von Familien und die Verfügbarkeit von Wohnraum beeinflusst.

Jahr Einwohner
1995 1'958
2000 1'980
2005 1'950
2010 2'065
2015 2'117
2020 2'133
2021 2'074
2022 2'080
2023 2'054
2024 2'064
2025 2'119

Ende 2025 waren 51,2 Prozent der Bevölkerung Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger von Lungern. Weitere 37,3 Prozent waren Schweizer Staatsangehörige mit anderem Bürgerort; 11,5 Prozent besassen eine ausländische Staatsangehörigkeit.[1]

Die Alltagssprache ist überwiegend Obwaldnerdeutsch. In Schule, Verwaltung und schriftlicher Kommunikation wird Schweizer Hochdeutsch verwendet.

Die Bevölkerung war historisch fast vollständig römisch-katholisch. Durch Zuwanderung und gesellschaftliche Veränderungen ist die religiöse Zusammensetzung vielfältiger geworden.

Politik und Verwaltung

Die politische Organisation Lungerns richtet sich nach dem Gemeinderecht des Kantons Obwalden. Wichtige Organe sind die stimmberechtigte Bevölkerung, die Gemeindeversammlung und der Einwohnergemeinderat.

Gemeindeversammlung

Die Gemeindeversammlung findet gewöhnlich zweimal jährlich statt. Sie entscheidet unter anderem über Budget, Rechnung, Kredite, Reglemente und weitere kommunale Geschäfte, soweit diese nicht einer Urnenabstimmung unterliegen.

Teilnahme- und stimmberechtigt sind volljährige Schweizer Bürgerinnen und Bürger mit politischem Wohnsitz in Lungern. Abstimmungen erfolgen grundsätzlich durch Handmehr.[7]

Gemeinderat

Der Einwohnergemeinderat bildet die Exekutive. Er besteht aus sieben nebenamtlich tätigen Mitgliedern. Jedes Mitglied leitet ein Departement.

Der Gemeinderat vollzieht die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und der Urnenabstimmungen, führt den Gemeindehaushalt und vertritt Lungern nach aussen.[8]

Seit 2026 ist Daniel Ming Gemeindepräsident. Er wurde im Februar 2026 für den Rest der Amtsdauer 2024 bis 2028 in stiller Wahl gewählt.[9]

Bürgergemeinde und Teilsamen

Neben der Einwohnergemeinde bestehen in Lungern weitere öffentlich-rechtliche Körperschaften. Dazu gehören traditionelle Teilsamen, die gemeinschaftliche Wälder, Alpen, Liegenschaften oder Infrastrukturen verwalten.

Diese Körperschaften gehen auf die historische Nutzung gemeinsamer Güter zurück. Ihre Zuständigkeiten und Mitgliedschaften unterscheiden sich von jenen der Einwohnergemeinde.

Wirtschaft

Die Wirtschaft Lungerns wird von Gewerbe, Industrie, Bauwirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Dienstleistungen geprägt.

Nach den von der Gemeinde veröffentlichten Zahlen bestehen rund 993 Arbeitsplätze. Davon entfallen 15,7 Prozent auf Land- und Forstwirtschaft, 44,6 Prozent auf Industrie und Gewerbe sowie 39,7 Prozent auf Dienstleistungen.[1]

Gewerbe und Industrie

Lungern besitzt für eine Berggemeinde einen vergleichsweise bedeutenden gewerblich-industriellen Sektor. Unternehmen sind unter anderem in Bau, Holzverarbeitung, Metallbau, Elektrotechnik, Gebäudehüllen, Felssicherung, Transport und Lebensmittelproduktion tätig.

Ein Teil der Betriebe arbeitet überregional oder schweizweit. Die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen, die Lage an der Brünigachse und die handwerkliche Tradition haben diese Entwicklung begünstigt.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner arbeiten dennoch ausserhalb der Gemeinde, insbesondere in Sarnen, Giswil, Luzern, Meiringen oder weiteren Zentren der Zentralschweiz und des Berner Oberlandes.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft konzentriert sich auf Viehzucht, Milchwirtschaft, Futterbau und Alpwirtschaft. Aufgrund der Höhenlage und des Klimas besitzt der Ackerbau nur eine geringe Bedeutung.

Während des Sommers wird Vieh auf die höher gelegenen Alpen gebracht. Die Alpweiden tragen zur Produktion von Milch, Käse und Fleisch bei und erhalten zugleich die offene Kulturlandschaft.

Viele Betriebe werden als Familienunternehmen geführt. Steile Flächen, kleine Parzellen und hohe Bewirtschaftungskosten stellen besondere Herausforderungen dar.

Forstwirtschaft

Der Wald bedeckt mehr als 40 Prozent des Gemeindegebiets. Er liefert Holz, dient der Erholung und besitzt eine zentrale Schutzfunktion gegen Lawinen, Steinschlag, Erosion und Hochwasser.

Die Bewirtschaftung erfolgt durch öffentliche Körperschaften, private Eigentümer und forstliche Organisationen. Schutzwaldpflege und die Anpassung an Trockenheit, Stürme und Schädlinge gehören zu den wichtigsten Aufgaben.

Energie

Der Lungerersee ist ein bedeutender Bestandteil der Wasserkraftnutzung in Obwalden. Sein Wasser wird über Leitungen und Stollen zum Kraftwerk Unteraa in Giswil geführt.

Der See dient als Speicher. Im Winter kann der Wasserstand durch die Stromproduktion deutlich sinken, während er sich im Frühjahr und Sommer durch Schneeschmelze und Zuflüsse wieder erhöht.

Daneben werden in der Gemeinde Photovoltaikanlagen, Holzenergie und weitere erneuerbare Energiequellen genutzt.

Verkehr

Strassenverkehr

Lungern liegt an der Hauptstrasse 4, die von Luzern und dem Sarneraatal über den Brünigpass nach Meiringen und ins Berner Oberland führt.

Die Brünigstrasse durchquert das Dorf und übernimmt sowohl lokalen als auch überregionalen Verkehr. An stark frequentierten Reisetagen kann es zu einer erheblichen Verkehrsbelastung kommen.

Kanton und Gemeinde befassen sich mit der Sanierung und Aufwertung der Ortsdurchfahrt. Dabei spielen Verkehrssicherheit, Lärmschutz, Fuss- und Veloverkehr sowie die Gestaltung des Dorfraums eine wichtige Rolle.

= Eisenbahn

Lungern liegt an der Brünigstrecke der Zentralbahn zwischen Luzern und Interlaken Ost. Der Bahnhof Lungern befindet sich oberhalb des östlichen Seeufers. Eine weitere Haltestelle liegt in Kaiserstuhl.

Die Bahn verbindet die Gemeinde direkt mit Giswil, Sarnen, Alpnach, Luzern, Meiringen, Brienz und Interlaken. Auf den steilen Abschnitten zwischen Giswil, Lungern und dem Brünigpass kommt ein Zahnstangensystem zum Einsatz.

Die Eisenbahn ist für den Pendlerverkehr und den Tourismus von grosser Bedeutung. Sie bietet zugleich eine Alternative zum stark belasteten Strassenverkehr über den Brünig.

Bergbahn

Die Luftseilbahn Lungern–Turren führt von Obsee auf die westliche Talseite. Die Bergstation Turren liegt in einem Wander- und Erholungsgebiet oberhalb des Sees.

Die Bahn dient hauptsächlich dem Ausflugsverkehr. Von Turren führen Wege zu Alpen, Berggasthäusern und Aussichtspunkten.

Fuss- und Veloverkehr

Ein Wanderweg umrundet den Lungerersee. Weitere Wege führen entlang der Wildbäche, zu den Ortsteilen, auf den Brünigpass und in die umliegende Berglandschaft.

Die nationale und regionale Veloinfrastruktur nutzt teilweise die Strassen entlang des Sees. Wegen enger Abschnitte, Steigungen und des motorisierten Verkehrs bestehen jedoch besondere Anforderungen an die Sicherheit.

Bildung

Die Gemeinde führt eine Schule mit Kindergarten, Primarstufe und Sekundarstufe. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche aus den verschiedenen Ortsteilen.

Für weiterführende Schulen besuchen Jugendliche in der Regel Einrichtungen in Sarnen oder anderen Gemeinden der Region. Berufslernende pendeln je nach Ausbildung nach Sarnen, Luzern, Meiringen oder in weitere Bildungszentren.

Das lokale Schulangebot besitzt für die Attraktivität Lungerns als Wohnort eine grosse Bedeutung. Schwankende Schülerzahlen erfordern eine laufende Anpassung der Klassen- und Organisationsstruktur.

Religion

Lungern gehört kirchlich zur römisch-katholischen Pfarrei Herz Jesu. Die Pfarrkirche bildet gemeinsam mit den Kapellen und dem alten Kirchturm einen wichtigen Teil des kulturellen Erbes.

Religiöse Feiertage, Prozessionen und lokale Bräuche prägten das Dorfleben über Jahrhunderte. Kapellen in den Ortsteilen und auf den Alpen dienten der Bevölkerung als Gebetsorte und Stationen bei Prozessionen.

Für reformierte Einwohnerinnen und Einwohner bestehen kirchliche Angebote im Rahmen der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Obwalden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Herz Jesu

Die neugotische Pfarrkirche steht erhöht auf dem Sattel südlich des Dorfkerns. Ihre Lage, die monumentale Treppenanlage und der umgebende Friedhof machen sie zu einem dominierenden Bauwerk des Ortes.

Im Innern befinden sich neugotische und spätere Ausstattungsstücke. Die Kirche dient neben den Gottesdiensten auch als Ort für Konzerte und weitere kulturelle Veranstaltungen.

Alter Kirchturm

Der Turm der früheren Pfarrkirche blieb nach dem Unwetter von 1887 erhalten. Er steht frei am nördlichen Ortseingang und erinnert an den früheren Standort des kirchlichen Zentrums.

Der alte Kirchturm gilt als Wahrzeichen Lungerns und ist auf zahlreichen historischen Darstellungen und Fotografien zu sehen.

Historischer Ortsteil Obsee

Obsee besitzt einen Bestand traditioneller Wohnhäuser, Ställe und Speicher. Die lockere Anordnung der Gebäude vermittelt einen Eindruck der früheren bäuerlichen Siedlungsform.

Mehrere Häuser zeigen typische Elemente der Obwaldner Holzbauweise. Umbauten und Neubauten müssen mit dem Schutz des historischen Ortsbildes in Einklang gebracht werden.

Kapellen

Zu den Sakralbauten der Gemeinde gehören die Kapellen in Lungern Dorf, Obsee und Bürglen. Die Burgkapelle wurde bereits im 16. Jahrhundert erwähnt; der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1883 und ist dem heiligen Bruder Klaus geweiht.[10]

Weitere Kapellen befinden sich unter anderem auf Breitenfeld und Chrummelbach. Sie stehen in engem Zusammenhang mit der Alpwirtschaft und der regionalen Frömmigkeitsgeschichte.

Dundelbachfall

Der Dundelbachfall liegt am westlichen Uferbereich des Sees. Besonders nach starken Niederschlägen und während der Schneeschmelze ist der mehrstufige Wasserfall gut sichtbar.

Das Gebiet ist Teil der Lungererseerundfahrt und ein beliebtes Fotomotiv.

Tourismus und Freizeit

Lungern entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem Ferien- und Ausflugsort. Die Kombination aus See, Berglandschaft und guter Bahnanbindung bildet die Grundlage des touristischen Angebots.

Sommer

Im Sommer stehen Wandern, Bergsteigen, Velofahren, Baden, Stand-up-Paddling, Fischen und Bootsfahrten im Vordergrund.

Der Rundweg um den Lungerersee verbindet Lungern, Obsee, Kaiserstuhl und Bürglen. Er führt durch Siedlungsgebiete, Wälder und offene Uferlandschaften.

Von Turren aus sind Bergwanderungen in Richtung Schönbüel, Höch Gumme und Brienzer Rothorn möglich. Weitere Wege führen über den Brünigpass, durch das Kleine Melchtal und zu den umliegenden Alpen.

Winter

Im Winter wird die Umgebung für Winterwandern, Schneeschuhtouren, Skitouren und Schlitteln genutzt. Der frühere grössere Skibetrieb im Gebiet Turren-Schönbüel wurde reduziert, doch die Berglandschaft bleibt ein Ausgangspunkt für individuelle Wintersportaktivitäten.

Langlaufmöglichkeiten und kleinere Wintersportangebote sind von der Schneelage abhängig.

Lungerersee

Der See ist für seine Fischerei bekannt. Gefangen werden je nach Besatz und Saison verschiedene Forellen- und weitere Fischarten.

Das Seebad Lungern bietet einen Strandbereich und Freizeiteinrichtungen. Die Wassertemperatur kann im Sommer für einen Bergsee vergleichsweise hohe Werte erreichen.[11]

Brünig Indoor

In einem ehemaligen unterirdischen Industrie- und Lagerbereich bei Obsee befindet sich das Schiesssportzentrum Brünig Indoor. Die Anlage bietet verschiedene wetterunabhängige Schiessdistanzen und wird für Training, Wettkämpfe und Veranstaltungen genutzt.

Das Zentrum ergänzt das touristische und sportliche Angebot der Gemeinde, ist wegen seines besonderen Nutzungszwecks jedoch auch Gegenstand sicherheits- und gesellschaftspolitischer Diskussionen.

Vereine und Brauchtum

Das gesellschaftliche Leben wird durch zahlreiche Sport-, Musik-, Kultur-, Schützen- und Freizeitvereine geprägt.

Musikgesellschaften, Chöre, Theatergruppen und kirchliche Organisationen veranstalten regelmässig Konzerte, Aufführungen und Feste. Landwirtschaftliche und religiöse Traditionen bleiben im Jahreslauf sichtbar.

Zu den regional bedeutenden Veranstaltungen im weiteren Brüniggebiet gehört das Brünigschwinget. Der Anlass findet auf der Passhöhe ausserhalb des eigentlichen Dorfzentrums statt und zieht Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz an.

Wappen

Das Gemeindewappen zeigt in Blau ein silbernes Tatzenkreuz.

Das schlichte Kreuzwappen ist historisch überliefert. Zeitweise verwendete Lungern ein aufwendiger gestaltetes Fantasiewappen, das als «Mailänderli» bezeichnet wurde. An der Maiengemeinde von 1952 beschloss die Bevölkerung, zum älteren Kreuzwappen zurückzukehren.[12]

Herausforderungen der Gemeindeentwicklung

Lungern steht vor ähnlichen Herausforderungen wie viele kleinere Berggemeinden. Dazu gehören die Sicherung von Arbeitsplätzen, die Abwanderung junger Menschen, der Erhalt der Schule und die Finanzierung kommunaler Infrastruktur.

Die Lage an der Brünigachse bringt gute Verkehrsverbindungen, aber auch Durchgangsverkehr, Lärm und Nutzungskonflikte. Die Gestaltung der Ortsdurchfahrt und sichere Verbindungen für den Fuss- und Veloverkehr gehören deshalb zu den langfristigen Aufgaben.

Weitere Themen sind der Schutz vor Hochwasser und Murgängen, die Pflege des Schutzwaldes, der Umgang mit Zweitwohnungen und die Erhaltung historischer Ortsbilder.

Der Tourismus soll wirtschaftliche Wertschöpfung schaffen, ohne Landschaft und Lebensqualität übermässig zu belasten. Dabei spielt die Verbindung von See-, Kultur- und Bergtourismus eine wichtige Rolle.

Literatur

  • Gottfried Burch: Geschichtliches aus Lungern. Lungern.
  • Hans Ming-Bürgi: Menschen, Namen und Geschichten. Lungern.
  • Hans-Heini Gasser: Die Frühgeschichte von Lungern. In: Pfarreigeschichte von Lungern. Küchler Druck, Giswil 1994.
  • Einwohnergemeinde Lungern: Lungern – kleiner geschichtlicher Abriss. Lungern.
  • Einwohnergemeinde Lungern: 100 Jahre Stausee Lungern. In: Lungern informiert, Ausgabe 2/2021.
  • Niklaus von Flüe: Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden. Der Bezirk Obwalden. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Zahlen, Fakten und Daten, Einwohnergemeinde Lungern, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Lungern – kleiner geschichtlicher Abriss, Einwohnergemeinde Lungern, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 100 Jahre Stausee Lungern, in: Lungern informiert, Ausgabe 2/2021, S. 12–13, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Römisch-katholische Pfarrkirche Lungern, Pfarrei Herz Jesu Lungern, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Geschichte der Brünigbahn und der Zentralbahn, Zentralbahn, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Geschichte der Lungern-Turren-Bahn, LTB Lungern-Turren-Bahn AG, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Gemeindeversammlungen, Einwohnergemeinde Lungern, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Gemeinderat, Einwohnergemeinde Lungern, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Stille Wahl von Daniel Ming zum Gemeindepräsidenten, Einwohnergemeinde Lungern, 6. Februar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Burgkapelle Lungern, Pfarrei Herz Jesu Lungern, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Lungerersee, Schweiz Tourismus, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Menschen, Namen und Geschichten – das Wappen von Lungern, Einwohnergemeinde Lungern, abgerufen am 3. August 2026.