Bahnhof Lenzburg: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 4. August 2026, 22:50 Uhr
| Bild | |
|---|---|
| Ort | Lenzburg |
| Kanton | Aargau |
| Bezirk | Lenzburg |
| Staat | Schweiz |
| Koordinaten | 47° 23′ 28″ N, 8° 10′ 13″ O |
| Höhe | 406 m ü. M. |
| Betriebsstellenart | Trennungsbahnhof |
| Bauform | Keilbahnhof |
| Eröffnung | 23. Juni 1874 |
| Eigentümer | Schweizerische Bundesbahnen |
| Betreiber | Schweizerische Bundesbahnen |
| Perrongleise | 7 |
| Abkürzung | LB |
| DiDok-Nummer | 8502119 |
| Tarifverbund | A-Welle |
| Tarifzone | 530 |
| Fernverkehr | IR37, RE37 |
| S-Bahn-Linien | S11, S23, S26, S28, S9 |
Der Bahnhof Lenzburg ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Lenzburg und einer der bedeutendsten Eisenbahnknoten im Kanton Aargau. Er liegt nördlich der Altstadt an der Verbindung zwischen Aarau und Zürich sowie an den Strecken in Richtung Brugg AG, Wohlen AG, Zofingen und Luzern.
Die Anlage wird als Trennungs- und Keilbahnhof betrieben. Die Hauptgleise der Ost-West-Verbindung liegen nördlich des Aufnahmegebäudes, während die Züge der Seetalbahn an einem separaten Kopfperron südlich des Gebäudes halten. Der Bahnhof verfügt über sieben Perrongleise und ist End- oder Zwischenstation mehrerer Linien der S-Bahn-Netze von Aargau, Zürich und Luzern.
Im Fernverkehr wird Lenzburg von der Linie IR37 zwischen Basel, Aarau und Zürich sowie von der Linie RE37 zwischen Aarau und Zürich bedient. Gemeinsam stellen diese Züge grundsätzlich zwei schnelle Verbindungen pro Stunde nach Aarau und Zürich her.[1]
Im Regionalverkehr halten die S11 der S-Bahn Zürich, die Linien S23, S26 und S28 der S-Bahn Aargau sowie die S9 der S-Bahn Luzern. Der Bahnhof ist zugleich der zentrale Umsteigepunkt für die Regionalbusse im Raum Lenzburg.
Die SBB und ihre Partner bauen die Bahnanlagen seit 2023 schrittweise aus. Die Hauptarbeiten an Perrons, Unterführungen und Gleisen sollen im Herbst 2026 beginnen. Nach dem aktuellen Terminplan werden die neuen Perronanlagen bis Sommer 2032 und die Gesamtanlage bis März 2033 in Betrieb genommen.[2]
Lage
Der Bahnhof befindet sich am nördlichen Rand des Zentrums von Lenzburg auf rund 406 Metern über Meer. Die historische Altstadt liegt etwa 800 Meter südlich. Sie ist über die Bahnhofstrasse, den Seetalplatz und den Hypiplatz erreichbar.
Die Bahnhofstrasse entstand nach der Eröffnung der Eisenbahn als direkte Verbindung zwischen dem neuen Bahnhof und der Altstadt. Sie entwickelte sich später zu einer der wichtigsten innerstädtischen Verkehrsachsen. Entlang der Strasse befinden sich Geschäfte, Wohn- und Geschäftshäuser sowie Haltestellen des lokalen Busverkehrs.
Nördlich des Bahnhofs liegen ausgedehnte Gewerbe-, Industrie- und Wohngebiete. Die Gleisanlagen bilden eine deutliche Trennlinie zwischen dem Stadtzentrum und den nördlichen Quartieren. Fuss- und Veloverbindungen durch beziehungsweise über den Bahnhof besitzen deshalb auch für den innerstädtischen Verkehr grosse Bedeutung.
Der Bahnhof liegt innerhalb der Tarifzone 530 des Tarifverbunds A-Welle.[3]
Name und Abgrenzung
Die offizielle Bezeichnung lautet Lenzburg. Die betriebliche Abkürzung der SBB ist LB. Die DiDok-Nummer und internationale Stationsnummer lautet 8502119.[4]
Der Bahnhof darf nicht mit dem ehemaligen Bahnhof Lenzburg Stadt verwechselt werden. Dieser lag näher an der Altstadt an der früheren Fortsetzung der Seetalbahn nach Wildegg. Der Personenverkehr am Stadtbahnhof wurde 1984 eingestellt; das Gebäude wurde 2003 abgebrochen und die letzten Gütergleise verschwanden 2005.
Geschichte
Aargauische Südbahn
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden mehrere konkurrierende Projekte zur Erschliessung des zentralen Aargaus. Lenzburg lag zwischen den bereits bestehenden Bahnstrecken Zürich–Aarau und Baden–Brugg, besass jedoch zunächst keinen eigenen Eisenbahnanschluss.
Die von der Schweizerischen Centralbahn und der Schweizerischen Nordostbahn gemeinsam kontrollierte Aargauische Südbahn plante eine Verbindung von Rupperswil über Lenzburg, Wohlen und Muri nach Rotkreuz. Die Strecke sollte den Aargau mit der Zentralschweiz und der späteren Gotthardbahn verbinden.
Am 23. Juni 1874 wurde der Abschnitt Rupperswil–Lenzburg–Wohlen eröffnet. Gleichzeitig nahm der Bahnhof Lenzburg seinen Betrieb auf.[5]
Der Bahnhof entstand ausserhalb des damaligen Stadtgebiets auf landwirtschaftlich genutztem Gelände. Seine Lage wurde durch die geplanten Weiterführungen der Eisenbahn und die günstigen topografischen Verhältnisse bestimmt.
Die Bahn verbesserte die Verkehrsverbindungen Lenzburgs erheblich. Landwirtschaftliche Produkte, Rohstoffe und industrielle Erzeugnisse konnten schneller transportiert werden. Gleichzeitig entstanden neue Möglichkeiten für den Berufs-, Ausbildungs- und Ausflugsverkehr.
Schweizerische Nationalbahn
Am 6. September 1877 eröffnete die Schweizerische Nationalbahn ihre Strecke von Zofingen über Suhr und Lenzburg nach Wettingen. Der bisherige Zwischenbahnhof der Aargauischen Südbahn wurde dadurch zu einem Kreuzungsbahnhof.
Die Nationalbahn wollte eine von den grossen Bahngesellschaften unabhängige Ost-West-Verbindung schaffen. Das Unternehmen geriet jedoch bereits kurz nach der Eröffnung in finanzielle Schwierigkeiten und wurde 1878 liquidiert. Die Strecke gelangte später über die Schweizerische Nordostbahn an die SBB.
Die ehemalige Nationalbahnstrecke bildet bis heute die Grundlage der Regionalverbindungen von Lenzburg über Suhr nach Zofingen sowie über Othmarsingen in Richtung Brugg und Baden.
Anschluss der Seetalbahn
Am 15. Oktober 1883 eröffnete die private Seethalbahn-Gesellschaft ihre Strecke von Emmenbrücke über Hochdorf und Beinwil am See nach Lenzburg.[6]
Die Seetalbahn erhielt ihren Endpunkt auf der südlichen Seite des Aufnahmegebäudes. Dadurch entstand die bis heute erkennbare keilförmige Bahnhofsanlage. Die Strecke weist aufgrund ihrer ursprünglichen Führung entlang bestehender Strassen teilweise Merkmale einer Überlandbahn auf.
1895 wurde die Seetalbahn von einer Abzweigung bei der Lenzburger Spitzkehre über den Bahnhof Lenzburg Stadt nach Wildegg verlängert. Züge, die vom Hauptbahnhof nach Wildegg fuhren, mussten an der Spitzkehre die Fahrtrichtung wechseln.
Mit der Verstaatlichung der Seetalbahn im Jahr 1922 gingen deren Strecken und Anlagen an die Schweizerischen Bundesbahnen über.
Übergang an die SBB
Die Aargauische Südbahn und die von der Nordostbahn übernommene ehemalige Nationalbahnstrecke wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts Bestandteil des SBB-Netzes. Damit befanden sich schliesslich alle wichtigen Bahnverbindungen des Bahnhofs unter einer einheitlichen Führung.
Die SBB modernisierten die Gleis-, Signal- und Perronanlagen schrittweise. Die verschiedenen Strecken wurden während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts elektrifiziert und mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt Wechselstrom bei 16,7 Hertz ausgerüstet.
Neben dem Personenverkehr besass der Bahnhof einen umfangreichen Güterverkehr. Lenzburg und die umliegenden Gemeinden entwickelten sich zu bedeutenden Standorten der Nahrungsmittel-, Metall-, Maschinen- und Baustoffindustrie. Gütergleise und Anschlussanlagen erschlossen verschiedene Betriebe im Bahnhofumfeld.
Heitersberglinie
Eine grundlegende Veränderung brachte die Heitersberglinie. Sie verbindet die Bahnstrecke bei Killwangen-Spreitenbach über den Heitersbergtunnel mit der bestehenden Strecke bei Mellingen und Othmarsingen.
Die neue Verbindung wurde am 22. Mai 1975 eröffnet. Sie verkürzte die Strecke zwischen Zürich und Aarau und machte Lenzburg zu einem Fernverkehrsbahnhof an einer der wichtigsten Ost-West-Achsen der Schweiz.[7]
Im Zusammenhang mit der Heitersberglinie wurden der Bahnhof und seine Zufahrten umfassend umgebaut. Die Perron- und Gleisanlagen wurden erweitert, die Gleisnummerierung geändert und das Aufnahmegebäude erneuert.
Eine Besonderheit der heutigen Nummerierung besteht darin, dass Gleis 1 das nördlichste Durchfahrgleis ist. Bei vielen anderen Schweizer Bahnhöfen beginnt die Nummerierung dagegen beim Aufnahmegebäude.
Die Inbetriebnahme der Heitersberglinie verlagerte einen grossen Teil des Fernverkehrs zwischen Zürich und der Westschweiz von der Strecke über Baden auf die Verbindung über Lenzburg und Aarau. Der Bahnhof gewann dadurch erheblich an überregionaler Bedeutung.
Stilllegung der Verbindung nach Wildegg
Die frühere Fortsetzung der Seetalbahn von der Lenzburger Spitzkehre über den Stadtbahnhof nach Wildegg verlor durch die verbesserten Verbindungen am Hauptbahnhof zunehmend an Bedeutung.
Am 2. Juni 1984 wurde der Personenverkehr am Bahnhof Lenzburg Stadt eingestellt. Zwei Tage später endete der reguläre Betrieb auf der Strecke von der Spitzkehre nach Wildegg.
Seither endet die Seetalbahn am Hauptbahnhof Lenzburg. Reisende in Richtung Wildegg und Brugg benutzen andere Bahn- oder Busverbindungen.
Ausbau Lenzburg–Gexi
Der steigende Regional- und Güterverkehr führte zu weiteren Engpässen östlich und südlich des Bahnhofs. Besonders die Züge zwischen Lenzburg und dem Freiamt mussten sich die vorhandenen Gleise mit anderen Verbindungen teilen.
Am 12. Dezember 2010 wurde ein drittes Gleis zwischen Lenzburg und der Abzweigung Gexi in Betrieb genommen. Der Ausbau ermöglichte einen zuverlässigeren Halbstundentakt der Regionalzüge zwischen Lenzburg, Wohlen, Muri und Rotkreuz.
Neues Stellwerk
Als Vorleistung für den umfassenden Bahnhofausbau errichteten die SBB zwischen 2023 und 2026 ein neues elektronisches Stellwerk. Es ersetzte ältere Sicherungsanlagen und umfasst rund 1300 neue Stellwerkelemente.
Das neue Stellwerk wurde am Pfingstwochenende 2026 in Betrieb genommen. Es steuert die Weichen und Signale, überwacht die Gleisbelegung und bildet eine Voraussetzung für die weiteren Umbauphasen.[8]
Anlage
Der Bahnhof besitzt eine komplexe Gleisanlage, in der mehrere Haupt- und Nebenstrecken zusammentreffen. Für den Personenverkehr stehen sieben Perrongleise zur Verfügung.
Die durchgehenden Gleise nördlich des Bahnhofsgebäudes werden vor allem von den Zügen zwischen Aarau, Zürich, Brugg, Zofingen und dem Freiamt benutzt. Die Seetalbahn endet an einem separaten Perron auf der Südseite des Bahnhofs.
Die Perrons der Hauptanlage werden durch eine Personenunterführung erschlossen. Die bestehenden Mittelperrons an den Gleisen 2/3 und 4/5 entsprechen noch nicht vollständig den Anforderungen an einen selbstständigen stufenfreien Zugang. Dieser Zustand ist einer der Gründe für den laufenden Ausbau.
Das Aufnahmegebäude liegt keilförmig zwischen den Hauptgleisen und der Seetalbahn. Zwischen dem Gebäude und dem heutigen Seetalbahn-Perron verläuft eine Zufahrtsstrasse.
Zur Ausstattung des Bahnhofs gehören unter anderem:
- ein SBB-Reisezentrum;
- Billettautomaten;
- gedeckte Wartebereiche;
- elektronische Fahrgastinformationen;
- öffentliche Toiletten;
- Gastronomie- und Verkaufsangebote;
- Schliessfächer;
- Veloabstellplätze und eine Velostation;
- P+Rail-Parkplätze;
- Standorte von Mobility Carsharing;
- ein Busbahnhof.
Die Geschäfte und Dienstleistungen im Bahnhof sind teilweise von frühmorgens bis spätabends geöffnet.[9]
Bahnverkehr
Fernverkehr
Im Fahrplanjahr 2026 wird Lenzburg im regulären Fernverkehr von zwei miteinander abgestimmten Linien bedient:
- IR37: Basel SBB – Liestal – Sissach – Gelterkinden – Olten – Aarau – Lenzburg – Zürich Hauptbahnhof
- RE37: Aarau – Lenzburg – Zürich Hauptbahnhof
Die Linien verkehren grundsätzlich je einmal pro Stunde und ergeben gemeinsam einen Halbstundentakt zwischen Aarau, Lenzburg und Zürich. Die schnellsten Züge benötigen von Lenzburg nach Zürich Hauptbahnhof rund 20 Minuten.
Einzelne zusätzliche RegioExpress- und Sonderzüge können den Bahnhof vor allem an Wochenenden oder während besonderer Veranstaltungen bedienen.
S-Bahn Zürich
Die S11 verbindet Lenzburg mit Aarau, Zürich und Winterthur:
- S11: Aarau – Lenzburg – Othmarsingen – Mägenwil – Mellingen Heitersberg – Killwangen-Spreitenbach – Dietikon – Zürich Hauptbahnhof – Winterthur – Seuzach beziehungsweise Sennhof-Kyburg und teilweise Wila
Die S11 verkehrt zwischen Aarau und Winterthur grundsätzlich im Halbstundentakt.[10]
Sie bedient zwischen Lenzburg und Zürich mehrere regionale Bahnhöfe, die von den schnelleren IR- und RE-Zügen ausgelassen werden. Damit ergänzt sie den Fernverkehr und stellt direkte Verbindungen ins Limmattal sowie in die Region Winterthur her.
S-Bahn Aargau
Der Bahnhof wird von drei Linien der S-Bahn Aargau bedient.
Die S23 verkehrt auf der Ost-West-Verbindung:
- S23: Baden – Brugg AG – Wildegg – Lenzburg – Aarau – Olten – Murgenthal – Langenthal
Sie stellt eine direkte Regionalverbindung zwischen dem Raum Baden-Brugg, Lenzburg, Aarau und dem westlichen Aargau her.
Die S26 verbindet die Hauptstrecke mit dem Freiamt:
- S26: Olten – Aarau – Lenzburg – Hendschiken – Dottikon-Dintikon – Wohlen AG – Muri AG – Sins – Rotkreuz
Zwischen Lenzburg und Rotkreuz besteht grundsätzlich ein Halbstundentakt. Ein Teil der Züge wird über Lenzburg und Aarau bis Olten geführt.
Die S28 benutzt die ehemalige Nationalbahnstrecke:
- S28: Lenzburg – Hunzenschwil – Suhr AG – Oberentfelden – Kölliken – Zofingen
Sie verkehrt grundsätzlich im Halbstundentakt und verbindet Lenzburg mit dem Suhrental sowie dem südwestlichen Aargau.
S-Bahn Luzern
Die S9 der S-Bahn Luzern beginnt beziehungsweise endet in Lenzburg:
- S9: Lenzburg – Seon – Hallwil – Boniswil – Beinwil am See – Hitzkirch – Hochdorf – Emmenbrücke – Luzern
Die Linie verkehrt grundsätzlich im Halbstundentakt. Sie erschliesst das Seetal und bietet eine direkte Verbindung nach Luzern.
Die S9 hält in Lenzburg am separaten Seetalbahn-Perron. Die gegenwärtige bauliche Trennung von den übrigen Perrons führt bei Umsteigeverbindungen zu längeren Wegen. Im Rahmen des Bahnhofausbaus soll die Seetalbahn deshalb besser in die Hauptanlage eingebunden werden.
Nachtverkehr
In den Wochenendnächten wird Lenzburg von Nachtzügen bedient. Dazu gehört insbesondere die Linie SN11, die den Raum Olten und Aarau über Lenzburg, Zürich und Winterthur verbindet.
Das genaue Nachtangebot kann je nach Fahrplanjahr und Wochentag variieren.
Busverkehr
Der Bahnhof Lenzburg ist der wichtigste Busknoten der Region. Nach Angaben der Stadt bedienen elf Buslinien den Bahnhof und erschliessen die Stadt sowie zahlreiche Gemeinden im Bezirk Lenzburg und in den angrenzenden Regionen.[11]
Die Busse verkehren unter anderem in Richtung:
- Lenzburger Altstadt und Schloss;
- Niederlenz, Möriken und Wildegg;
- Staufen und Schafisheim;
- Hunzenschwil und Rupperswil;
- Ammerswil und Dintikon;
- Seon, Egliswil und Seengen;
- Meisterschwanden und Fahrwangen;
- Mägenwil und Othmarsingen.
Der Busbahnhof befindet sich auf der Südseite der Bahnanlage. Die Abfahrtszeiten sind auf die Bahnanschlüsse abgestimmt. Neben den Tageslinien bestehen an Wochenenden Nachtbusverbindungen.
Tarif
Der Bahnhof gehört zum Tarifverbund A-Welle und liegt in der Zone 530. Diese Zone umfasst neben Lenzburg auch mehrere umliegende Gemeinden und Haltestellen.
Innerhalb der gelösten Tarifzonen können die Züge, Busse und weitere öffentliche Verkehrsmittel des Verbunds benutzt werden. Für Reisen in das Gebiet des Zürcher Verkehrsverbunds stehen nationale Billette, Modul-Abonnemente und Angebote des Z-Pass zur Verfügung.
Das Generalabonnement wird auf allen regulären Bahn- und Buslinien anerkannt. Das Halbtax-Abonnement berechtigt zum Bezug ermässigter nationaler Fahrausweise.
Ausbau des Bahnhofs
Ausgangslage
Der Bahnhof wird täglich von rund 25'000 Reisenden benutzt. Die SBB rechnen bis 2040 mit einem Anstieg auf etwa 40'000 Reisende pro Tag.[2]
Die bestehenden Perrons und die Personenunterführung sind für diese Mengen zu schmal. Zudem ermöglichen nicht alle Perrons einen selbstständigen stufenfreien Einstieg in die Züge.
Auch die betriebliche Leistungsfähigkeit muss erhöht werden. Der Bahnhof liegt an stark ausgelasteten Strecken, auf denen Fern-, Regional- und Güterzüge verkehren.
Vorarbeiten
Die Vorarbeiten begannen im Juni 2023. Sie umfassten insbesondere:
- den Bau eines neuen Bahntechnikgebäudes;
- neue Kabelquerungen;
- den Ersatz der Sicherungs- und Signalanlagen;
- Anpassungen an Weichen und Gleisen;
- die Vorbereitung des neuen elektronischen Stellwerks.
Der ursprünglich für Anfang 2025 vorgesehene Beginn der Hauptarbeiten musste wegen einer Beschwerde im Vergabeverfahren verschoben werden. Nach der Neuplanung wurde der Baustart auf Herbst 2026 festgelegt.[12]
Perrons und Gleise
Sämtliche Perrons werden neu gebaut, erhöht, verbreitert und verlängert. Die meisten Perrons sollen eine Länge von 320 Metern erhalten; beim Perron an Gleis 7 sind 280 Meter vorgesehen.
Die Gleise werden teilweise verschoben und neu angeordnet. Für den Regionalverkehr in Richtung Freiamt, Nationalbahn und Seetal entsteht ein neuer Perronbereich mit den Gleisen 6 bis 8.
Die Seetalbahn soll künftig direkt in die eigentliche Bahnhofsanlage einfahren. Dadurch werden die Umsteigewege zu den anderen Bahnlinien kürzer.
Ein zusätzliches Gleis 5 und neue Weichenverbindungen sollen den Güterverkehr verbessern. Güterzüge zu den grossen Verteilzentren in Suhr und Hunzenschwil können damit leistungsfähiger in die Ost-West-Achse eingefädelt werden.
Unterführungen
Die heutige, rund vier Meter breite Personenunterführung Ost wird abgebrochen. An ihrer Stelle entsteht eine elf Meter breite Unterführung.
Im westlichen Bahnhofbereich wird zusätzlich eine sieben Meter breite Personenunterführung gebaut. Nach dem Ausbau besitzt der Bahnhof damit zwei voneinander unabhängige Verbindungen zwischen den Perrons und den nördlichen und südlichen Quartieren.
Treppen, Rampen und Aufzüge sollen sämtliche Perrons hindernisfrei erschliessen.
Bahnhofsgebäude und Umfeld
Das bestehende Bahnhofsgebäude soll abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden. Darin sind ein SBB-Reisezentrum sowie Gastronomie-, Verkaufs- und Dienstleistungsflächen vorgesehen.
Die Neugestaltung des südlichen Bahnhofumfelds ist Teil des städtischen Projekts «Ankunft Lenzburg». Dazu gehören:
- ein neuer Bahnhofplatz;
- eine Neuordnung des Busbahnhofs;
- bessere Fuss- und Veloverbindungen;
- zusätzliche Veloabstellplätze;
- neue öffentliche Freiräume;
- eine städtebauliche Entwicklung der angrenzenden Flächen.
Die Arbeiten der Stadt, des Kantons und privater Grundeigentümer sind zeitlich vom Ausbau der Bahnanlagen abhängig.
Zeitplan
Nach dem Planungsstand vom August 2026 gelten folgende Meilensteine:
- seit Juni 2023: Vorarbeiten und Bahntechnikgebäude;
- Mai 2026: Inbetriebnahme des neuen Stellwerks;
- Herbst 2026: Beginn der Hauptarbeiten;
- Juli 2031: erste Inbetriebnahme neuer Perronanlagen;
- Sommer 2032: Abschluss der Perronanlagen;
- März 2033: Inbetriebnahme der Gesamtanlage ohne letzte Nacharbeiten.
Wegen der komplexen Bauphasen und der notwendigen Aufrechterhaltung des Zugverkehrs können sich einzelne Termine verändern.
Bedeutung
Der Bahnhof Lenzburg liegt an der Schnittstelle mehrerer überregionaler Verkehrsachsen. Seine Bedeutung beruht auf der Verbindung von Fernverkehr, drei S-Bahn-Systemen und einem dichten regionalen Busnetz.
Für Pendlerinnen und Pendler bietet der Bahnhof schnelle Direktverbindungen nach Zürich, Aarau, Basel, Baden, Brugg, Olten, Zofingen, Wohlen, Rotkreuz und Luzern.
Die Lage an der Heitersberglinie ermöglicht eine besonders schnelle Verbindung nach Zürich. Gleichzeitig erschliessen die regionalen Linien das Freiamt, das Seetal, das Suhrental und die Gemeinden rund um Lenzburg.
Auch für den Güterverkehr ist der Bahnhof wichtig. Die Verbindungen zu den Logistik-, Industrie- und Verteilzentren im zentralen Aargau treffen im Raum Lenzburg auf die nationale Ost-West-Achse.
Freizeitverkehr
Der Bahnhof ist Ausgangspunkt für Ausflüge in die Stadt und Region Lenzburg. Die Altstadt ist zu Fuss oder mit dem Bus erreichbar.
Zu den bekannten Zielen gehören:
- das Schloss Lenzburg;
- die historische Altstadt;
- das Museum Burghalde;
- der Aabach und die Industriekultur entlang des Flusses;
- der Staufberg;
- der Hallwilersee;
- das Schloss Hallwyl;
- Wander- und Velorouten im Seetal.
Mit der S9 bestehen direkte Verbindungen zu den Orten am Hallwilersee. Regionalbusse erschliessen weitere Ausflugsziele rund um Lenzburg.
Siehe auch
- Lenzburg
- Bahnhof Lenzburg Stadt
- Aargauische Südbahn
- Seetalbahn
- Heitersberglinie
- Bahnstrecke Zofingen–Wettingen
- S-Bahn Aargau
- S-Bahn Zürich
- S-Bahn Luzern
- S11 (S-Bahn Zürich)
- Tarifverbund A-Welle
- Öffentlicher Verkehr im Kanton Aargau
Literatur
- Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz 2005. Diplory Verlag, Grafenried 2004.
- Hans Waldburger, Martin Senn: Die Seetalbahn. Minirex, Luzern 2008, ISBN 978-3-907014-24-0.
- Schweers + Wall: Eisenbahnatlas Schweiz. Schweers + Wall, Köln 2012, ISBN 978-3-89494-130-7.
- Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983, ISBN 3-280-01405-0.
Weblinks
- Bahnhof Lenzburg bei den SBB
- Ausbau des Bahnhofs Lenzburg
- Bahnhofplan der SBB
- Offizielle Website der Stadt Lenzburg
- Tarifverbund A-Welle
- Projekt «Ankunft Lenzburg»
- SBB Historic
Einzelnachweise
- ↑ Direktverbindungen im Fernverkehr ab Lenzburg, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Ausbau der Publikumsanlagen am Bahnhof Lenzburg, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Netzplan Region Lenzburg, Tarifverbund A-Welle, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Haltestellen- und Bahnhofsdaten, SBB Open Data, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
- ↑ Chronologische Übersicht zur Geschichte Lenzburgs, Stadt Lenzburg, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Kurze Strecke, grosse Wirkung – die Heitersberglinie, Schweizerisches Nationalmuseum, 27. Mai 2025, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Bauarbeiten und Inbetriebnahme des neuen Stellwerks in Lenzburg, Schweizerische Bundesbahnen, 22. April 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Bahnhof Lenzburg: Geschäfte und Dienstleistungen, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Linienfahrplan S11, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Mobilität und Verkehr, Stadt Lenzburg, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Baustart am Bahnhof Lenzburg im Herbst 2026, Schweizerische Bundesbahnen, 1. April 2025, abgerufen am 4. August 2026.
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