Bezirk Lenzburg
| Bezirk Lenzburg | |
|---|---|
| Staat | Schweiz |
| Kanton | Aargau |
| Hauptort | Lenzburg |
| BFS-Nummer | 1907 |
| Fläche | 102,74 km² |
| Einwohner | 70'750 |
| Stand | 31. Dezember 2025 |
| Gemeinden | 20 |
| Wappen | |
Der Bezirk Lenzburg ist einer der elf Bezirke des Kantons Aargau. Er liegt im Zentrum des Kantons und umfasst den Raum um den Bezirkshauptort Lenzburg, das untere Seetal, Teile des unteren Bünztals sowie Gebiete an der Aare. Der Bezirk besteht aus 20 Einwohnergemeinden und zählte Ende 2025 insgesamt 70'750 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]
Hauptort und Namensgeber ist die Stadt Lenzburg mit dem weithin sichtbaren Schloss Lenzburg. Der Bezirk besitzt keine eigene politische Körperschaft mit Parlament oder Regierung. Er dient heute vor allem als Wahlkreis, Gerichtsbezirk und räumliche Gliederung des Kantons.
Geographie
Lage und Grenzen
Der Bezirk Lenzburg liegt im Schweizer Mittelland zwischen den städtisch geprägten Räumen Aarau, Baden und Zürich sowie den ländlicheren Gebieten des Seetals. Er erstreckt sich von der Aare im Norden bis an den Hallwilersee und die Grenze zum Kanton Luzern im Süden.
Der Bezirk grenzt im Norden an den Bezirk Brugg, im Nordosten an den Bezirk Baden, im Osten an den Bezirk Bremgarten, im Süden an den luzernischen Wahlkreis Hochdorf, im Südwesten an den Bezirk Kulm und im Westen an den Bezirk Aarau.
Die Gesamtfläche beträgt 10'274 Hektaren beziehungsweise 102,74 Quadratkilometer. Darin enthalten sind die zum Bezirk gehörenden Anteile am Hallwilersee. Die reine Landfläche umfasst rund 98,1 Quadratkilometer.[2]
Landschaft
Die Landschaft des Bezirks ist abwechslungsreich. Im Norden liegt die breite Aareniederung mit den Gemeinden Holderbank, Möriken-Wildegg und Rupperswil. Südlich davon erhebt sich das Hügelland um Lenzburg, Staufen und Schafisheim. Der Schlossberg von Lenzburg und der Staufberg bilden markante Erhebungen inmitten der ansonsten sanft geformten Landschaft.
Das Seetal zieht sich vom Hallwilersee über Seon und Lenzburg nach Norden. Seine zentrale Landschaftsachse ist der Aabach, der den Hallwilersee verlässt und über Seon, Lenzburg und Niederlenz in Richtung Aare fliesst. Entlang des Gewässers entstanden bereits früh Mühlen, Gewerbebetriebe und später Industriebauten.
Der östliche Teil des Bezirks reicht in das untere Bünztal. Die Bünz durchfliesst unter anderem die Gebiete von Dintikon, Hendschiken und Othmarsingen. Zwischen den Tälern liegen bewaldete Hügelzüge, Landwirtschaftsflächen und zahlreiche kleinere Bachtäler.
Gewässer
Die wichtigsten Gewässer des Bezirks sind:
- die Aare im Norden
- der Hallwilersee im Süden
- der Aabach im Seetal
- die Bünz im östlichen Bezirksgebiet
- der Aeschbach und weitere kleinere Zuflüsse
Der Hallwilersee gehört teilweise zum Bezirk Lenzburg. Die Gemeinden Seengen und Meisterschwanden besitzen längere Uferabschnitte. Der See ist ein bedeutendes Naherholungsgebiet und zugleich ein ökologisch empfindlicher Lebensraum.
Geschichte
Frühgeschichte und römische Zeit
Das Gebiet des heutigen Bezirks war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Am Hallwilersee wurden Spuren jungsteinzeitlicher und bronzezeitlicher Seeufersiedlungen gefunden. Weitere archäologische Funde aus verschiedenen Gemeinden belegen Siedlungsplätze, Gräber und Verkehrswege aus der Bronze- und Eisenzeit.
Während der römischen Epoche lag das Gebiet zwischen den bedeutenden Siedlungs- und Verkehrsräumen von Vindonissa und Aventicum. Römische Gutshöfe und Gebäudereste sind unter anderem aus der Umgebung von Lenzburg, Seon, Schafisheim und Hunzenschwil bekannt. Die Region war landwirtschaftlich genutzt und durch lokale Strassen erschlossen.
Grafen von Lenzburg
Im Hochmittelalter entwickelte sich die Burg Lenzburg zum Mittelpunkt eines ausgedehnten Herrschaftsgebiets. Die Grafen von Lenzburg gehörten im 11. und 12. Jahrhundert zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern im Gebiet der heutigen Schweiz.
Nach dem Aussterben der Grafen von Lenzburg im Jahr 1173 gelangten die Burg und ein Teil ihrer Besitzungen an die Grafen von Kyburg. Nach dem Ende der älteren Kyburger Linie übernahmen 1273 die Habsburger die Herrschaft.[3]
Die mittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse waren jedoch nicht einheitlich. Neben den Habsburgern besassen Klöster, Stifte und lokale Adelsfamilien zahlreiche Grund-, Gerichts- und Kirchenrechte. Besonders einflussreich waren die Herren von Hallwyl, deren Stammsitz am Hallwilersee lag.
Berner Herrschaft
Im Jahr 1415 eroberte Bern den westlichen Aargau. Das Gebiet um Lenzburg wurde Teil des Berner Aargaus und in die bernische Landvogtei Lenzburg eingegliedert. Der Landvogt residierte auf Schloss Lenzburg und vertrat die Berner Obrigkeit.
Die historische Landvogtei war wesentlich grösser als der heutige Bezirk. Sie umfasste auch weite Teile des Wynentals, des Suhrentals und angrenzender Landschaften. Innerhalb der Landvogtei bestanden zahlreiche Gerichte und lokale Herrschaftsbereiche fort.
Bern führte 1528 die Reformation ein. Die Gemeinden des heutigen Bezirks wurden dadurch mehrheitlich reformiert. Das kirchliche und gesellschaftliche Leben blieb während der folgenden Jahrhunderte stark von den reformierten Kirchgemeinden geprägt.
Die Bevölkerung lebte vor allem von Ackerbau, Viehzucht, Obstbau und Rebbau. Im 17. und 18. Jahrhundert gewannen Heimarbeit und Textilproduktion an Bedeutung. Händler und Verleger aus Lenzburg organisierten die Herstellung und den Vertrieb von Baumwoll- und Leinenwaren.
Helvetik und Kantonsgründung
Mit dem Einmarsch französischer Truppen und dem Zusammenbruch der alten bernischen Herrschaft entstand 1798 die Helvetische Republik. Lenzburg wurde zum Hauptort eines Distrikts im helvetischen Kanton Aargau.
Die Mediationsakte von 1803 vereinigte den helvetischen Kanton Aargau, den Kanton Baden und das Fricktal zum heutigen Kanton Aargau. Der Bezirk Lenzburg wurde als einer der elf aargauischen Bezirke eingerichtet. Seine territoriale Ausdehnung entsprach bereits weitgehend dem späteren Bezirksgebiet.[4]
Seit der Kantonsgründung blieb die Einteilung des Aargaus in elf Bezirke nahezu unverändert. Einzelne Gemeinden wechselten jedoch ihre Bezirkszugehörigkeit oder schlossen sich mit Nachbargemeinden zusammen.
Veränderungen des Gemeindebestands
Der Gemeindebestand des Bezirks veränderte sich seit dem 19. Jahrhundert nur geringfügig:
- 1805 wurde Retterswil von Seon getrennt und als selbständige Gemeinde eingerichtet.
- 1840 wechselte Brunegg vom Bezirk Brugg zum Bezirk Lenzburg.
- 1899 vereinigten sich Alliswil und Boniswil zur Gemeinde Boniswil.
- Ebenfalls 1899 wurde Retterswil wieder mit Seon vereinigt.
- 1900 schlossen sich Tennwil und Meisterschwanden zur Gemeinde Meisterschwanden zusammen.
- 1950 wurde Niederhallwil in Hallwil umbenannt.
- Ebenfalls 1950 nahm Möriken den Namen Möriken-Wildegg an.
Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts umfasst der Bezirk 20 politische Gemeinden.
Industrialisierung
Im 19. Jahrhundert veränderte die Industrialisierung die Wirtschafts- und Siedlungsstruktur. Der Aabach lieferte Wasserkraft für Spinnereien, Webereien, Papierfabriken und weitere Betriebe. Besonders in Lenzburg, Niederlenz, Seon und Wildegg entstanden industrielle Arbeitsplätze.
Der Bau der Eisenbahnen beschleunigte diese Entwicklung. Lenzburg wurde zu einem wichtigen Bahnknoten, während auch Rupperswil, Wildegg, Othmarsingen und die Gemeinden des Seetals Bahnanschlüsse erhielten.
In Holderbank und Wildegg entwickelte sich die Zementindustrie zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Aus einem in Holderbank gegründeten Unternehmen ging später der international tätige Baustoffkonzern Holcim hervor. Daneben entstanden Maschinen-, Metall-, Lebensmittel-, Papier- und Verpackungsbetriebe.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung deutlich zu. Neue Wohnquartiere und Gewerbezonen liessen die Siedlungsgebiete vieler Gemeinden zusammenwachsen. Besonders stark entwickelte sich der Raum Lenzburg–Niederlenz–Staufen sowie die Achse Hunzenschwil–Rupperswil.
Gemeinden
Der Bezirk Lenzburg besteht gemäss dem kantonalen Dekret über die Bezirks- und Kreiseinteilung aus 20 Einwohnergemeinden.[5]
| BFS-Nr. | Gemeinde | Einwohner |
|---|---|---|
| 4191 | Ammerswil | 800 |
| 4192 | Boniswil | 1'794 |
| 4193 | Brunegg | 971 |
| 4194 | Dintikon | 2'402 |
| 4195 | Egliswil | 1'626 |
| 4196 | Fahrwangen | 2'596 |
| 4197 | Hallwil | 1'041 |
| 4198 | Hendschiken | 1'389 |
| 4199 | Holderbank | 1'603 |
| 4200 | Hunzenschwil | 4'478 |
| 4201 | Lenzburg | 11'310 |
| 4202 | Meisterschwanden | 3'334 |
| 4203 | Möriken-Wildegg | 4'978 |
| 4204 | Niederlenz | 5'016 |
| 4205 | Othmarsingen | 3'296 |
| 4206 | Rupperswil | 6'325 |
| 4207 | Schafisheim | 3'130 |
| 4208 | Seengen | 4'516 |
| 4209 | Seon | 5'734 |
| 4210 | Staufen | 4'411 |
| Bezirk Lenzburg | 70'750 | |
Einwohnerzahlen: ständige Wohnbevölkerung am 31. Dezember 2025.[1]
Lenzburg ist die bevölkerungsreichste Gemeinde und zugleich die einzige Gemeinde des Bezirks mit mehr als 10'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Danach folgen Rupperswil, Seon, Niederlenz und Möriken-Wildegg. Die kleinsten Gemeinden sind Ammerswil, Brunegg und Hallwil.
Bevölkerung
Ende 2025 lebten im Bezirk 70'750 Menschen. Davon waren 35'942 Männer und 34'808 Frauen. Insgesamt 52'790 Personen besassen die schweizerische Staatsangehörigkeit, während 17'960 Personen zur ausländischen Bevölkerung gehörten. Der Ausländeranteil betrug damit rund 25,4 Prozent.[1]
Gegenüber Ende 2024 nahm die Bevölkerung um 728 Personen oder rund ein Prozent zu. Das Wachstum verteilt sich nicht gleichmässig auf alle Gemeinden. Besonders die gut erschlossenen Gemeinden entlang der Bahnlinien und der Autobahn verzeichneten in den vergangenen Jahrzehnten eine starke Bautätigkeit.
Die Siedlungsgebiete von Lenzburg, Niederlenz und Staufen sind heute weitgehend zusammengewachsen. Auch zwischen Hunzenschwil und Rupperswil sowie in den Gemeinden des unteren Seetals entstanden ausgedehnte Wohn- und Gewerbequartiere.
Trotz des Wachstums besitzen viele Gemeinden weiterhin historische Dorfkerne, Landwirtschaftsflächen und grössere Waldgebiete. Der Bezirk verbindet dadurch städtische, suburbane und ländliche Siedlungsformen auf engem Raum.
Politik und Verwaltung
Funktion des Bezirks
Der Bezirk ist keine selbständige politische Körperschaft. Er verfügt weder über ein Bezirksparlament noch über eine Bezirksregierung oder eine eigene Steuerhoheit. Die politischen Gemeinden erledigen ihre kommunalen Aufgaben selbständig, während kantonale Aufgaben von den zuständigen Departementen und Amtsstellen wahrgenommen werden.
Die früheren aargauischen Bezirksämter wurden im Zuge einer Verwaltungsreform aufgehoben. Seit Anfang 2014 werden ihre Aufgaben von kantonalen Fachstellen, den Gemeinden, der Polizei und den Gerichten erfüllt.[6]
Die Bezirkseinteilung bleibt dennoch für die Rechtspflege, politische Wahlen, Schulbehörden, Friedensrichterkreise und verschiedene statistische Auswertungen von Bedeutung.
Wahlkreis
Bei den Wahlen in den Grossen Rat des Kantons Aargau bildet jeder Bezirk einen Wahlkreis. Für die Amtsperiode 2025 bis 2028 wurden dem Bezirk Lenzburg 13 der insgesamt 140 Grossratssitze zugeteilt.[7]
Die Zahl der Mandate richtet sich nach der Bevölkerungszahl und wird vor jeder Gesamterneuerungswahl neu festgelegt. Die Verteilung auf die Parteien erfolgt nach dem doppeltproportionalen Zuteilungsverfahren, das auch als «Doppelter Pukelsheim» bezeichnet wird.
Bezirksgericht
Das Bezirksgericht Lenzburg ist die erste kantonale Gerichtsinstanz für zivil- und strafrechtliche Angelegenheiten aus den Gemeinden des Bezirks. Es gliedert sich in Zivilgericht, Strafgericht, Arbeitsgericht, Jugendgericht und Familiengericht. Das Familiengericht nimmt zugleich die Aufgaben der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde wahr.[8]
Das Bezirksgericht befindet sich seit Juni 2025 im Neubau am Malagarain 2 in Lenzburg.[9]
Der Bezirk ist ausserdem in zwei Friedensrichterkreise eingeteilt. Die Friedensrichterinnen und Friedensrichter führen in vielen zivilrechtlichen Streitigkeiten zunächst ein Schlichtungsverfahren durch.
Wirtschaft
Der Bezirk Lenzburg besitzt eine vielfältige Wirtschaftsstruktur. Neben Industrie und Gewerbe spielen Dienstleistungen, Handel, Logistik, Bauwirtschaft und Landwirtschaft eine wichtige Rolle.
Lenzburg ist das wichtigste Dienstleistungs- und Arbeitsplatzzentrum. In der Stadt befinden sich Banken, Versicherungen, Detailhandelsbetriebe, Verwaltungen, Bildungsangebote und zahlreiche kleinere sowie mittlere Unternehmen.
In den Gemeinden entlang der Aare und des Aabachs hat die Industrie eine lange Tradition. Möriken-Wildegg und Holderbank sind eng mit der Geschichte der schweizerischen Zement- und Baustoffindustrie verbunden. Seon, Niederlenz und Rupperswil entwickelten sich im 19. und 20. Jahrhundert zu bedeutenden Industrieorten.
Hunzenschwil, Schafisheim, Rupperswil und Othmarsingen verfügen wegen ihrer günstigen Verkehrslage über grössere Gewerbe- und Logistikzonen. In Schafisheim befindet sich eines der grössten Verteilzentren des schweizerischen Detailhandels.
Im Seetal und in den kleineren Gemeinden bleiben Landwirtschaft, Obstbau und Viehhaltung sichtbar. Der Rebbau, der früher weiter verbreitet war, wird heute nur noch auf einzelnen geeigneten Hängen betrieben.
Viele Einwohnerinnen und Einwohner pendeln in die nahe gelegenen Arbeitszentren Aarau, Baden und Zürich. Gleichzeitig weist der Bezirk selbst eine hohe Zahl an Arbeitsplätzen auf und zieht Pendler aus den umliegenden Regionen an.
Verkehr
Strassenverkehr
Die Autobahn A1 durchquert den Bezirk von Westen nach Osten. Die Anschlüsse Aarau-Ost bei Hunzenschwil und Lenzburg bei Othmarsingen erschliessen einen grossen Teil des Bezirks. Über die A1 sind Aarau, Zürich, Bern und Basel gut erreichbar.
Mehrere Kantonsstrassen verbinden Lenzburg mit Brugg, Baden, Wohlen, Muri, Aarau und den Gemeinden des Seetals. Die Hauptstrasse durch das Seetal führt von Lenzburg über Seon, Boniswil und Fahrwangen in Richtung Luzern.
Das starke Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum führt insbesondere auf den Zufahrtsachsen nach Lenzburg, im Raum Othmarsingen und entlang der A1 regelmässig zu einer hohen Verkehrsbelastung.
Eisenbahn
Der Bahnhof Lenzburg ist der wichtigste Eisenbahnknoten des Bezirks. Er liegt an der Ost-West-Hauptachse zwischen Zürich und Aarau und wird von Fernverkehrs-, Regional- und S-Bahn-Zügen bedient.
In Lenzburg zweigen die Seetalbahn in Richtung Seon, Hallwilersee und Luzern sowie die Verbindung über Wohlen in Richtung Freiamt und Zentralschweiz ab. Weitere bedeutende Bahnhöfe befinden sich in Rupperswil, Wildegg und Othmarsingen.
Die Gemeinden des Bezirks werden durch Linien der S-Bahn Aargau, der S-Bahn Zürich und verschiedene Regionalzüge erschlossen. Buslinien verbinden die Bahnhöfe mit Gemeinden und Ortsteilen ohne eigenen Bahnanschluss.
Langsamverkehr
Entlang der Aare, des Aabachs und des Hallwilersees verlaufen zahlreiche Wander- und Velorouten. Regionale Wege verbinden die Schlösser Lenzburg, Wildegg und Hallwyl miteinander. Die überwiegend sanfte Topografie macht besonders das Seetal und die Aareniederung für den Veloverkehr geeignet.
Bildung
Alle Gemeinden führen oder beteiligen sich an Kindergärten und Primarschulen. Die Oberstufe ist in regionalen Schulverbänden organisiert. Bezirksschulen bestehen unter anderem in Lenzburg, Seon und Fahrwangen.
Lenzburg ist ein regionales Bildungszentrum mit Berufsfachschulen und weiteren Aus- und Weiterbildungsangeboten. Gymnasiale Mittelschulen befinden sich in den benachbarten Städten Aarau und Baden. Der Kanton plant zudem den Aufbau eines neuen Mittelschulstandorts in Lenzburg.
Die verkehrsgünstige Lage ermöglicht den Bewohnerinnen und Bewohnern den Zugang zu Hochschulen und Fachhochschulen in Aarau, Brugg-Windisch, Zürich und Luzern.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schloss Lenzburg
Das Schloss Lenzburg gehört zu den bedeutendsten Höhenburgen der Schweiz. Die Anlage entstand im 11. Jahrhundert und wurde während mehrerer Jahrhunderte erweitert. Sie war Sitz der Grafen von Lenzburg, der Kyburger, der Habsburger und später der bernischen Landvögte.
Heute gehört das Schloss dem Kanton Aargau und wird als Museum genutzt. Die Ausstellungen behandeln die Geschichte der Burg, das Leben ihrer früheren Bewohner und die Kulturgeschichte der Region.
Schloss Hallwyl
Das Schloss Hallwyl liegt auf zwei Inseln im Aabach bei Seengen. Die Wasserburg war über Jahrhunderte der Stammsitz der Herren von Hallwyl. Sie zählt zu den bekanntesten Schlössern des Kantons und beherbergt ein Museum zur Geschichte der Adelsfamilie und des Seetals.
Schloss Wildegg
Das Schloss Wildegg erhebt sich über dem Aaretal bei Möriken-Wildegg. Es entstand im 13. Jahrhundert und war während elf Generationen im Besitz der Familie Effinger. Zur Anlage gehören historische Wohnräume, Gärten, Landwirtschaftsgebäude und ein Rebberg.
Die Schlösser Lenzburg, Hallwyl und Wildegg werden von Museum Aargau betreut und bilden gemeinsam einen Schwerpunkt der kantonalen Museumslandschaft.[10]
Altstadt Lenzburg
Die historische Altstadt von Lenzburg liegt zwischen dem Schlossberg und dem Aabach. Sie besitzt einen weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Grundriss, Bürgerhäuser aus verschiedenen Epochen, die Stadtkirche und mehrere historische Brunnen.
Zu den kulturellen Einrichtungen gehören das Museum Burghalde, das Stapferhaus und verschiedene Veranstaltungsorte. Das Lenzburger Jugendfest und das Chlaus-Chlöpfen zählen zu den bekannten lokalen Traditionen.
Staufberg
Auf dem Staufberg oberhalb von Staufen steht eine weithin sichtbare reformierte Kirche. Der Hügel war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt und bildet heute einen beliebten Aussichtspunkt über das zentrale Aargauer Mittelland.
Hallwilersee
Der Hallwilersee ist das wichtigste Natur- und Erholungsgebiet im südlichen Bezirksteil. Ein Rundwanderweg führt um den See. Strandbäder, Schiffsanlegestellen und Wassersportangebote befinden sich unter anderem in Seengen und Meisterschwanden.
Die Uferzonen umfassen Schilfbestände, Feuchtgebiete und Schutzflächen. Gleichzeitig ist der See ein bedeutendes Ziel für den regionalen Ausflugsverkehr.
Natur und Erholung
Neben dem Hallwilersee gehören die Aareufer, die Wälder um Lenzburg und der Staufberg zu den wichtigsten Erholungsräumen. Der Esterliturm südlich von Lenzburg bietet bei klarer Sicht ein Panorama vom Schwarzwald bis zu den Alpen.
Entlang des Aabachs erinnern historische Kanäle, Wehre und Fabrikgebäude an die frühere Nutzung der Wasserkraft. Teile des Gewässerraums wurden renaturiert und dienen heute zugleich dem Hochwasserschutz und der ökologischen Vernetzung.
Die Aareniederung besitzt Auenwälder, Kiesflächen und Altläufe. Landwirtschaftlich genutzte Ebenen wechseln mit Waldgebieten und dicht besiedelten Verkehrskorridoren.
Wappen
Der Bezirk führt das Wappen seines Hauptorts Lenzburg. Die Blasonierung lautet: «In Weiss blaue Kugel.»[11]
Die blaue Kugel ist seit 1333 auf dem Siegel der Stadt Lenzburg nachgewiesen. Das schlichte Wappen gehört zu den ältesten unverändert verwendeten Gemeindewappen des Kantons. Wie bei den meisten Aargauer Bezirken entspricht das Bezirkswappen dem Wappen des jeweiligen Hauptorts.
Siehe auch
- Kanton Aargau
- Lenzburg
- Seetal
- Hallwilersee
- Liste der Bezirke des Kantons Aargau
- Geschichte des Kantons Aargau
- Berner Aargau
Literatur
- Heidi Neuenschwander, Dominik Sauerländer: Lenzburg (Grafschaft, Bezirk). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Jean-Jacques Siegrist: Lenzburg im Mittelalter und im Ancien Régime. Sauerländer, Aarau 1955.
- Nold Halder: Geschichte des Kantons Aargau 1803–1953. Band 1, Sauerländer, Aarau 1953.
Weblinks
- Statistik Aargau
- Bezirksgericht Lenzburg
- Bezirk Lenzburg im Historischen Lexikon der Schweiz
- Museum Aargau
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Bevölkerungsbestand nach Nationalität, Geschlecht und Gemeinde per 31. Dezember 2025, Statistik Aargau, veröffentlicht am 23. März 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Statistisches Jahrbuch des Kantons Aargau: Bezirke, Statistik Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Schloss Lenzburg: Bau- und Nutzungsgeschichte, Kantonale Denkmalpflege Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Heidi Neuenschwander und Dominik Sauerländer: Lenzburg (Grafschaft, Bezirk), in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Dekret über die Bezirks- und Kreiseinteilung, Systematische Sammlung des Aargauischen Rechts, Stand 1. Januar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Aufhebung der Bezirksämter und Neuorganisation der Bezirksverwaltungsaufgaben, Systematische Sammlung des Aargauischen Rechts, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Gesamterneuerungswahlen des Grossen Rats vom 20. Oktober 2024, Kanton Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Bezirksgerichte, Gerichte Kanton Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Bezirksgericht Lenzburg, Gerichte Kanton Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Museum Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Wappenregister Gemeinden Aargau, Staatsarchiv Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
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