S-Bahn Schaffhausen

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz

S-Bahn Schaffhausen ist das regionale S-Bahn-System im Kanton Schaffhausen und in den angrenzenden Gebieten der Schweiz und Deutschlands. Mittelpunkt des Netzes ist der Bahnhof Schaffhausen, von dem Bahnverbindungen unter anderem in Richtung Stein am Rhein, Singen (Hohentwiel), Thayngen, Beringen, Erzingen, Jestetten, Winterthur und Zürich ausgehen.

Das heutige System entstand durch einen umfassenden Ausbau des regionalen Bahnangebots und der Infrastruktur zwischen 2012 und 2015. Der Betrieb der ersten Ausbauetappe wurde zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 aufgenommen; Ende 2015 war das Ausbauprogramm im Wesentlichen abgeschlossen.[1] Mit den Ausbauten erhielten die Bahnhaltestellen im Kanton grundsätzlich mindestens einen Halbstundentakt.[2]

Eine Besonderheit der S-Bahn Schaffhausen ist ihre grenzüberschreitende Struktur. Mehrere Strecken führen über deutsches Staatsgebiet oder haben ihre Endstation in Baden-Württemberg. Dadurch müssen schweizerische und deutsche Besteller, Infrastrukturbetreiber und Eisenbahnunternehmen eng zusammenarbeiten.

S-Bahn Schaffhausen
Zentrum Bahnhof Schaffhausen
Gebiet Kanton Schaffhausen und angrenzende Regionen
Länder Schweiz, Deutschland
Inbetriebnahme erste Ausbauetappe Dezember 2013
Ausbau abgeschlossen 2015
Grundangebot überwiegend Halbstundentakt
Wichtige Linien S1, S62, S64, S65
Weitere S-Bahn-Verbindungen S9, S24, S33
Betreiber SBB, SBB GmbH, Thurbo
Tarifverbund OSTWIND

Ausgangslage

Der Kanton Schaffhausen besitzt aufgrund seiner geografischen Lage ein ungewöhnliches Eisenbahnnetz. Das Kantonsgebiet ist fast vollständig von Deutschland umgeben, und mehrere Bahnstrecken überschreiten auf relativ kurzen Distanzen die Staatsgrenze.

Der Bahnhof Schaffhausen war bereits lange vor Einführung des S-Bahn-Systems ein bedeutender Eisenbahnknoten. Hier treffen die Bahnverbindungen aus Richtung Zürich und Bülach, Winterthur, Stein am Rhein, Singen sowie dem Klettgau zusammen.

Trotz des vergleichsweise dichten Schienennetzes entsprach das regionale Angebot zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht überall den Anforderungen eines modernen Agglomerationsverkehrs. Auf mehreren Strecken bestanden längere Taktabstände, einzelne Haltestellen waren veraltet und verschiedene Bahnlinien waren nicht optimal mit dem regionalen Busverkehr verknüpft.

Der Kanton entwickelte deshalb das Projekt S-Bahn Schaffhausen.

Projekt S-Bahn Schaffhausen

Ziel des Projekts war nicht der Bau eines vollständig neuen Bahnnetzes, sondern die Modernisierung und bessere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur.

Im Mittelpunkt standen:

  • ein dichterer und leichter merkbarer Takt;
  • die Modernisierung von Bahnhöfen und Haltestellen;
  • zusätzliche Haltepunkte;
  • der Ausbau der Bahninfrastruktur;
  • die Elektrifizierung der Strecke durch den Klettgau;
  • eine bessere Abstimmung zwischen Bahn und Bus;
  • bessere Anschlüsse im Bahnhof Schaffhausen.

Der politische Entscheid für das Ausbauprogramm fiel unter anderem mit einer kantonalen Volksabstimmung im September 2011.

Ende Januar 2012 begannen die Bauarbeiten für die S-Bahn Schaffhausen.[1]

Die einzelnen Massnahmen wurden anschliessend etappenweise umgesetzt.

Erste Ausbauetappe 2013

Ein entscheidender Schritt erfolgte zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013.

Zu diesem Zeitpunkt konnte insbesondere das neue Bahn- und Buskonzept im Klettgau eingeführt werden. Die umfangreichen Arbeiten an der dortigen Bahninfrastruktur waren rechtzeitig abgeschlossen worden, sodass die S-Bahn auf der Strecke zwischen Schaffhausen und Erzingen ihren Betrieb aufnehmen konnte.[3]

Während der ersten Betriebsjahre verkehrten die Züge zwischen Schaffhausen und Beringen während der Hauptverkehrszeiten zeitweise im Viertelstundentakt. Auf dem übrigen Abschnitt in Richtung Erzingen bestand grundsätzlich ein Halbstundentakt.

Parallel dazu wurde das regionale Busnetz neu organisiert und auf die Bahnanschlüsse abgestimmt.

Abschluss des Ausbaus 2015

Weitere Infrastrukturprojekte wurden 2014 und 2015 umgesetzt.

Ende 2015 war der ursprüngliche Ausbau der S-Bahn Schaffhausen abgeschlossen.[1]

Der Kanton bezeichnet die zwischen 2012 und 2015 umgesetzten Projekte als Grundlage dafür, dass alle Bahnhaltestellen im Kanton mindestens im Halbstundentakt bedient werden können.[2]

Damit erhielt Schaffhausen ein Bahnangebot, das sich stärker an den Taktsystemen der benachbarten S-Bahn-Netze Zürich und Ostschweiz orientiert.

Bahnhof Schaffhausen

Der Bahnhof Schaffhausen bildet das Zentrum des Systems.

Hier treffen die regionalen S-Bahn-Linien mit den Fernverkehrszügen und dem städtischen sowie regionalen Busverkehr zusammen.

Vom Bahnhof bestehen direkte Bahnverbindungen unter anderem nach:

  • Zürich;
  • Winterthur;
  • Stein am Rhein;
  • Romanshorn;
  • Singen;
  • Thayngen;
  • Erzingen;
  • Jestetten.

Mit der Einführung der S-Bahn stiegen die Anforderungen an den Bahnhof als Umsteigeknoten erheblich.[4]

Der Bahnhof wurde deshalb in verschiedenen Etappen modernisiert und an die steigenden Fahrgastzahlen sowie die Anforderungen des regionalen Taktverkehrs angepasst.

Liniennetz

Die S-Bahn Schaffhausen ist mit mehreren benachbarten S-Bahn-Systemen eng verflochten.

Im offiziellen Liniennetzplan 2026 werden im Raum Schaffhausen insbesondere die Linien S1, S62, S64 und S65 sowie verschiedene Linien der Zürcher S-Bahn dargestellt.[5]

Linie Wichtiger Verlauf im Raum Schaffhausen Funktion
S1 Schaffhausen–Diessenhofen–Stein am Rhein–Kreuzlingen–Romanshorn Verbindung entlang von Rhein, Untersee und Bodensee
S62 Schaffhausen–Thayngen–Bietingen–Gottmadingen–Singen Grenzüberschreitende Verbindung nach Deutschland
S64 Schaffhausen–Neuhausen–Beringen–Neunkirch–Wilchingen-Hallau–Trasadingen–Erzingen Erschliessung des Klettgaus
S65 Schaffhausen–Neuhausen Rheinfall–Jestetten Regionalverkehr Richtung Zürcher Unterland
S9 Zürich–Bülach–Neuhausen Rheinfall–Schaffhausen Verbindung mit Zürich
S24 Zürich–Winterthur–Schaffhausen–Thayngen Durchmesserlinie der Zürcher S-Bahn
S33 Winterthur–Schaffhausen Regionalverbindung nach Winterthur

Die genaue Bedienung einzelner Stationen und die Endpunkte einzelner Züge können je nach Tageszeit und Fahrplanperiode variieren.

S1 Schaffhausen–Stein am Rhein

Eine der landschaftlich bedeutendsten Verbindungen im Raum Schaffhausen ist die heutige S1.

Sie führt von Schaffhausen zunächst über Feuerthalen, Langwiesen, Schlatt, Diessenhofen und weitere Stationen nach Stein am Rhein.

Von dort verläuft die Linie über den Raum Untersee weiter nach Kreuzlingen und Romanshorn und anschliessend über St. Gallen bis Wil.[5]

Im Schaffhauser Regionalverkehr ist vor allem der Abschnitt Schaffhausen–Stein am Rhein von Bedeutung.

Die Strecke erschliesst den östlichen Teil des Kantons beziehungsweise angrenzende Gemeinden in den Kantonen Zürich und Thurgau.

Die Züge werden von Thurbo betrieben.

Bedeutung für Stein am Rhein

Stein am Rhein liegt geografisch getrennt vom Hauptteil des Kantons Schaffhausen.

Die Bahnverbindung über das Gebiet der Kantone Thurgau und Zürich ist deshalb für die Verbindung der Stadt mit dem Kantonshauptort von besonderer Bedeutung.

Die S1 ermöglicht direkte Fahrten zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen.

Gleichzeitig stellt sie Verbindungen in Richtung Kreuzlingen, Romanshorn und St. Gallen her.

Die Strecke entlang von Rhein und Untersee ist neben dem Pendlerverkehr auch für den Freizeit- und Tourismusverkehr von Bedeutung.

S62 Schaffhausen–Singen

Die S62 verbindet Schaffhausen mit Singen (Hohentwiel) in Baden-Württemberg.

Von Schaffhausen führt die Strecke über Herblingen, Thayngen, die Staatsgrenze sowie die deutschen Ortschaften Bietingen und Gottmadingen nach Singen.[5]

Die Linie ist Teil der S-Bahn Schaffhausen, verläuft jedoch auf einer Eisenbahninfrastruktur, für deren regionalen Personenverkehr auch das Land Baden-Württemberg zuständig ist.

Im Jahr 2024 bestätigte die Schaffhauser Kantonsregierung, dass die Verbindung Singen–Schaffhausen als S62 weiterhin Bestandteil des deutschen Vergabeverfahrens für den regionalen Bahnverkehr ist.[6]

Die Linie besitzt sowohl für den grenzüberschreitenden Pendlerverkehr als auch für den Schweizer Binnenverkehr Bedeutung.

Thayngen

Der Bahnhof Thayngen gehört zu den wichtigsten Zwischenstationen der S62.

Im Rahmen des Ausbaus der S-Bahn Schaffhausen wurde der Bahnhof umfassend modernisiert. Die Arbeiten wurden 2015 abgeschlossen.[7]

Thayngen ist zugleich Haltepunkt weiterer Regionalzüge und besitzt durch seine Lage unmittelbar an der deutschen Grenze eine wichtige Funktion im grenzüberschreitenden Verkehr.

S64 Schaffhausen–Erzingen

Die S64 ist die zentrale Bahnlinie des Klettgaus.

Sie führt von Schaffhausen über Neuhausen am Rheinfall, Beringen, Neunkirch, Wilchingen-Hallau und Trasadingen nach Erzingen in Baden-Württemberg.[5]

Die Bahnstrecke weist eine ungewöhnliche internationale Situation auf: Sie gehört zur deutschen Eisenbahninfrastruktur, verläuft zwischen Schaffhausen und der deutschen Grenze bei Erzingen jedoch weitgehend durch Schweizer Gebiet.

Die S64 erschliesst mehrere Gemeinden des westlichen Kantons Schaffhausen.

Elektrifizierung der Klettgaustrecke

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die S-Bahn Schaffhausen war die Elektrifizierung der Strecke durch den Klettgau.

Vor dem Ausbau wurden dort Dieseltriebwagen eingesetzt.

Die Elektrifizierung wurde 2013 abgeschlossen und ermöglichte den Einsatz moderner elektrischer S-Bahn-Züge.[8]

Neben der Fahrleitung mussten verschiedene weitere Anlagen angepasst oder neu errichtet werden.

Die Elektrifizierung war ein Schlüsselprojekt für die Einführung des Halbstundentakts im Klettgau.

Beringerfeld

Im Rahmen des S-Bahn-Ausbaus entstand die neue Haltestelle Beringerfeld.

Sie wurde 2013 in Betrieb genommen.[9]

Die Haltestelle erschliesst insbesondere die stark gewachsenen Wohn- und Gewerbegebiete im Osten von Beringen.

Ihre Errichtung zeigt eines der Grundprinzipien des S-Bahn-Projekts: Nicht nur der Fahrplan, sondern auch die räumliche Erschliessung sollte verbessert werden.

Angebotsänderungen im Klettgau

Während mehrerer Jahre verkehrten zwischen Beringen und Schaffhausen in den Hauptverkehrszeiten zusätzliche S-Bahn-Züge.

Dadurch entstand zeitweise ein Viertelstundentakt.

Aufgrund der vergleichsweise geringen Nachfrage auf diesen Zusatzverbindungen wurden sie mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 eingestellt und teilweise durch zusätzliche Fahrten der Buslinie 21 ersetzt.[10]

Der reguläre Halbstundentakt der S64 blieb bestehen.

Die Änderung führte regional zu Diskussionen, da ein Teil der Fahrgäste den dichteren Bahntakt erhalten wollte.

S65 Schaffhausen–Jestetten

Die S65 verbindet Schaffhausen über Neuhausen Rheinfall mit Jestetten in Deutschland.[5]

Die Strecke besitzt eine besondere geografische Situation. Die Bahnverbindung zwischen Schaffhausen und dem Zürcher Unterland führt bei Jestetten und Lottstetten über deutsches Staatsgebiet, obwohl sie eine wichtige Funktion im schweizerischen Binnenverkehr erfüllt.

Die S65 ergänzt auf diesem Abschnitt die Zürcher S-Bahn.

Sie verkehrt insbesondere in Zeiten, in denen die durchgehenden Verbindungen aus Richtung Zürich keinen Halbstundentakt bis Schaffhausen bieten.

Langfristig soll ihre Funktion teilweise durch einen Ausbau der Zürcher S-Bahn übernommen werden.

Doppelspurausbau Lottstetten–Jestetten

Die Strecke zwischen Zürich und Schaffhausen ist im Bereich Lottstetten und Jestetten teilweise eingleisig.

Im Rahmen des Ausbauschritts 2035 plant die SBB deshalb einen neuen Doppelspurabschnitt von insgesamt rund 3,8 Kilometern.[11]

Der Ausbau soll ermöglichen, dass S-Bahn-Züge künftig durchgehend im Halbstundentakt zwischen Zürich und Schaffhausen verkehren können.[11]

Neben der Doppelspur soll auch der Bahnhof Lottstetten modernisiert und barrierefrei ausgebaut werden.

Da sich das Projekt teilweise auf deutschem Staatsgebiet befindet, sind sowohl schweizerische als auch deutsche Genehmigungsbehörden beteiligt.

Nach dem Projektstand von 2026 hat sich der ursprünglich geplante Baustart verzögert. Die SBB rechnet nach Vorliegen der rechtskräftigen Genehmigungen mit einer Bauzeit von rund vier Jahren.[11]

Zürcher S-Bahn

Die S-Bahn Schaffhausen ist eng mit der S-Bahn Zürich verbunden.

Mehrere Zürcher S-Bahn-Linien erreichen den Kanton beziehungsweise den Bahnhof Schaffhausen.

Zu den wichtigsten gehören die S9, S24 und S33.[5]

Dadurch bestehen neben dem eigentlichen regionalen S-Bahn-System direkte Verbindungen nach Zürich und Winterthur.

S9

Die S9 stellt eine direkte Verbindung zwischen Schaffhausen und dem Zürcher Hauptbahnhof her.

Sie führt von Schaffhausen über Neuhausen Rheinfall, Jestetten, Lottstetten und Bülach weiter in den Raum Zürich.

Die Verbindung besitzt insbesondere für Berufspendler zwischen Schaffhausen und der Agglomeration Zürich grosse Bedeutung.

Die SBB bewirbt die direkte Fahrt mit der S9 zwischen Zürich und Schaffhausen auch für den Freizeitverkehr; die Fahrzeit beträgt im regulären Angebot rund eine Stunde.[12]

S24

Die S24 ist eine lange Durchmesserlinie der Zürcher S-Bahn.

Im Fahrplan 2026 führt sie von Zug über Zürich und Winterthur nach Schaffhausen; einzelne Zugläufe werden über Schaffhausen hinaus nach Thayngen geführt.[5]

Damit verbindet die Linie den Kanton Schaffhausen direkt mit Winterthur, Zürich und weiteren Regionen des Zürcher S-Bahn-Netzes.

Die Verbindung ergänzt auf dem Abschnitt Winterthur–Schaffhausen die S33 und weitere Regionalzüge.

S33

Die S33 verbindet Winterthur mit Schaffhausen.[5]

Sie verkehrt über die Rheinfallbahn und bedient verschiedene regionale Stationen zwischen beiden Städten.

Die Linie wurde bis Dezember 2018 von Thurbo betrieben. Im Zusammenhang mit der vierten Teilergänzung der Zürcher S-Bahn übernahm die SBB den Betrieb.[13]

Sie besitzt vor allem für Pendler zwischen dem Kanton Schaffhausen und dem Raum Winterthur Bedeutung.

S1 und Vernetzung mit der Ostschweiz

Während S9, S24 und S33 zum Netz der Zürcher S-Bahn gehören, wird die S1 im offiziellen Ostschweizer Liniennetz der S-Bahn St. Gallen zugerechnet.[5]

Für Fahrgäste im Raum Schaffhausen sind solche organisatorischen Grenzen im Alltag jedoch von geringer Bedeutung.

Die S1 bildet die regionale Ost-West-Verbindung entlang von Rhein und Bodensee und verbindet Schaffhausen unter anderem mit Stein am Rhein, Kreuzlingen, Romanshorn und St. Gallen.

Die verschiedenen S-Bahn-Systeme Zürich, Schaffhausen und St. Gallen überschneiden sich damit im Raum Schaffhausen.

Grenzüberschreitender Charakter

Die internationale Lage gehört zu den wichtigsten Besonderheiten der S-Bahn Schaffhausen.

Die Linie S62 führt nach Singen und erschliesst auch deutsche Ortschaften.

Die S64 endet in Erzingen auf deutschem Gebiet, verläuft jedoch über weite Strecken durch den Kanton Schaffhausen.

Die S65 und die Zürcher Verbindungen nach Schaffhausen benutzen zwischen Lottstetten und Jestetten deutsches Staatsgebiet.

Damit können sogar rein schweizerische Reisen über eine Eisenbahnstrecke führen, die zwischenzeitlich Deutschland durchquert.

Diese geografische Situation erfordert eine enge Koordination zwischen dem Kanton Schaffhausen, dem Bund, dem Land Baden-Württemberg und verschiedenen Eisenbahnunternehmen.

Bestellung des Verkehrs

Der regionale Personenverkehr in der Schweiz wird grundsätzlich von Bund und Kantonen gemeinsam bestellt.

Bei den grenzüberschreitenden Linien der S-Bahn Schaffhausen bestehen jedoch besondere rechtliche Verhältnisse.

Für S62 und S64 spielte historisch das Land Baden-Württemberg eine wichtige Rolle als zuständiger Aufgabenträger.

Der Kanton Schaffhausen führte deshalb Verhandlungen mit Baden-Württemberg, um auf der Strecke Schaffhausen–Erzingen künftig einen stärkeren Einfluss auf die Vergabe des Verkehrs zu erhalten.[6]

Nach Angaben des Regierungsrates von 2024 sollte die S64 künftig in das schweizerische Bestellverfahren überführt werden können, während die Verbindung Schaffhausen–Singen aufgrund ihrer stärkeren Bedeutung für deutsche Ortschaften weiterhin Bestandteil eines deutschen Vergabeverfahrens bleiben sollte.[6]

Fernverkehr

Der Bahnhof Schaffhausen wird zusätzlich zum S-Bahn-Verkehr von Fernverkehrszügen bedient.

Im Fahrplan 2026 bestehen direkte schnelle Verbindungen nach Zürich.

Der RE48 verkehrt im Grundtakt zwischen Zürich HB, Zürich Oerlikon, Bülach und Schaffhausen.[14]

Daneben verkehren InterCity-Züge zwischen Zürich und Schaffhausen beziehungsweise weiter in Richtung Singen und Stuttgart.

Die Kombination aus Fernverkehr und S-Bahn führt zwischen Schaffhausen und wichtigen Zentren zu einem deutlich dichteren Angebot als durch die regionalen Linien allein.

Bahn und Bus

Die S-Bahn Schaffhausen wurde von Beginn an nicht als isoliertes Bahnprojekt konzipiert.

Ein wichtiger Bestandteil war die Neuorganisation der Buslinien.

Insbesondere im Klettgau wurden Busfahrpläne auf die Bahnanschlüsse abgestimmt. Busse übernehmen dort die Feinerschliessung von Ortschaften, die nicht unmittelbar an einer Bahnstation liegen.

Der Verkehrsbetrieb Schaffhausen und weitere regionale Busunternehmen ergänzen das Eisenbahnnetz.

Im Bahnhof Schaffhausen entstehen dadurch zahlreiche Umsteigemöglichkeiten zwischen Bahn und Bus.

Tarifverbund OSTWIND

Der öffentliche Verkehr im Kanton Schaffhausen ist in den Tarifverbund OSTWIND integriert.

OSTWIND umfasst grosse Teile der Ostschweiz und ermöglicht zonenbasierte Billette und Abonnemente für Bahn und Bus.

Auch Schaffhausen gehört zum Verbundgebiet.[15]

Bei grenzüberschreitenden Fahrten nach Deutschland gelten teilweise zusätzliche oder besondere Tarifbestimmungen.

Infrastrukturmassnahmen

Für die Einführung der S-Bahn waren zahlreiche Bauarbeiten notwendig.

Dazu gehörten unter anderem:

  • Elektrifizierung der Klettgaustrecke;
  • Neubau der Haltestelle Beringerfeld;
  • Modernisierung verschiedener Bahnhöfe;
  • Perronerhöhungen und barrierefreie Zugänge;
  • Anpassung von Sicherungs- und Fahrleitungsanlagen;
  • Umbauten im Bahnhof Schaffhausen;
  • Verbesserung von Kreuzungsmöglichkeiten auf eingleisigen Abschnitten.

Die Projekte wurden schrittweise zwischen 2012 und 2015 umgesetzt.[1]

Damit entstand die infrastrukturelle Grundlage für das heutige Taktangebot.

Barrierefreiheit

Ein wichtiger Bestandteil der Modernisierungen war die Verbesserung der Zugänglichkeit.

Ältere Bahnhöfe verfügten teilweise über niedrige Perrons, niveaugleiche Gleisübergänge oder andere Hindernisse.

Im Rahmen von S-Bahn-Projekten und späteren Ausbauprogrammen wurden verschiedene Stationen mit höheren Perrons, Rampen, Unterführungen oder Liften ausgestattet.

Solche Massnahmen erleichtern den Zugang für Personen mit eingeschränkter Mobilität, Reisende mit Kinderwagen und Fahrgäste mit Gepäck.

Bedeutung für den Pendlerverkehr

Die S-Bahn besitzt für den Kanton Schaffhausen eine zentrale Bedeutung im Berufsverkehr.

Viele Einwohner pendeln innerhalb des Kantons oder in die wirtschaftlichen Zentren Zürich und Winterthur.

Gleichzeitig bestehen intensive grenzüberschreitende Pendlerbeziehungen mit dem süddeutschen Raum.

Der Halbstundentakt ermöglicht auf den meisten Strecken eine Nutzung des öffentlichen Verkehrs ohne lange Vorausplanung.

Durch die Anschlüsse im Bahnhof Schaffhausen können regionale Bahn- und Busverbindungen mit Fernverkehrszügen kombiniert werden.

Bedeutung für den Tourismus

Auch für den Tourismus ist das S-Bahn-Netz von Bedeutung.

Zu den wichtigsten erreichbaren Zielen gehören:

  • der Rheinfall bei Neuhausen;
  • die Altstadt von Schaffhausen;
  • der Munot;
  • Stein am Rhein;
  • das Weinbaugebiet des Klettgaus;
  • der Rhein und der Untersee.

Besonders die Haltestelle Neuhausen Rheinfall bietet eine direkte Bahnerschliessung des international bekannten Rheinfalls.

Die S1 entlang des Rheins und Untersees besitzt ebenfalls eine wichtige Funktion im Ausflugsverkehr.

Neuhausen Rheinfall

Die Bahnstation Neuhausen Rheinfall ist ein wichtiger Zugang zum Rheinfall.

Sie liegt an der Strecke zwischen Schaffhausen und dem Zürcher Unterland.

Durch die Zürcher S-Bahn bestehen direkte Verbindungen unter anderem nach Bülach und Zürich.

Neben dem touristischen Verkehr dient die Station auch den Einwohnern und Arbeitsplätzen in Neuhausen.

Entwicklung des Angebots

Seit Abschluss des ursprünglichen S-Bahn-Projekts 2015 wird das Angebot laufend weiterentwickelt.

Dabei werden Fahrgastnachfrage, Anschlüsse, verfügbare Fahrzeuge und die Kapazität der Eisenbahninfrastruktur berücksichtigt.

Nicht jede Angebotsentwicklung führt zu zusätzlichen Zügen. Die Einstellung der Verstärkerzüge zwischen Beringen und Schaffhausen Ende 2024 zeigt, dass schlecht ausgelastete Bahnleistungen auch durch Busverbindungen ersetzt werden können.[10]

Gleichzeitig werden langfristig neue Infrastrukturprojekte vorbereitet, um auf stark belasteten Achsen zusätzliche Zugverbindungen zu ermöglichen.

Zukunft

Zu den bedeutendsten Zukunftsprojekten gehört der Doppelspurausbau zwischen Lottstetten und Jestetten.[11]

Nach dessen Fertigstellung soll auf der Verbindung Zürich–Schaffhausen ein durchgehender Halbstundentakt der S-Bahn möglich werden.

Der Ausbau ist Teil des nationalen Ausbauschritts 2035 und wird über den Bahninfrastrukturfonds des Bundes finanziert.[11]

Die SBB rechnet für das Projekt mit Kosten von rund 180 Millionen Franken, wobei die Kostenschätzung eine Genauigkeit von plus/minus 20 Prozent aufweist.[11]

Aufgrund des grenzüberschreitenden Genehmigungsverfahrens ist der genaue Realisierungstermin noch nicht endgültig festgelegt.

Bedeutung für den Kanton

Die Einführung der S-Bahn veränderte den öffentlichen Verkehr im Kanton Schaffhausen grundlegend.

Aus mehreren regionalen Bahnstrecken mit teilweise unterschiedlichen Angeboten entstand ein stärker koordiniertes System.

Insbesondere der Klettgau profitierte von der Elektrifizierung und vom regelmässigen Halbstundentakt.

Gleichzeitig verbesserte sich die Vernetzung des Kantons mit Zürich, Winterthur, der Ostschweiz und Süddeutschland.

Die S-Bahn trägt damit sowohl zur innerkantonalen Erschliessung als auch zur Integration Schaffhausens in die grösseren Verkehrsregionen bei.

Besonderheiten

Im Vergleich mit anderen Schweizer S-Bahn-Systemen weist die S-Bahn Schaffhausen mehrere Besonderheiten auf.

Sie ist relativ klein, besitzt aber eine aussergewöhnlich starke internationale Verflechtung.

Mehrere Linien benutzen deutsche Eisenbahninfrastruktur. Gleichzeitig werden Strecken auf deutschem Staatsgebiet teilweise überwiegend für schweizerische Binnenverbindungen genutzt.

Hinzu kommt die Überschneidung mit drei grösseren regionalen Bahnsystemen: der Zürcher S-Bahn, der S-Bahn St. Gallen und dem grenzüberschreitenden Bahnverkehr am Bodensee.

Die S-Bahn Schaffhausen ist deshalb weniger ein vollständig abgegrenztes eigenes Liniennetz als ein regional koordiniertes System, dessen Zentrum der Bahnhof Schaffhausen bildet.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Kanton Schaffhausen: S-Bahn Schaffhausen, abgerufen am 9. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Kanton Schaffhausen: Bahninfrastruktur, abgerufen am 9. August 2026.
  3. Kanton Schaffhausen: Die S-Bahn Schaffhausen: Positives Fazit nach 100 Tagen Betrieb, Medienmitteilung vom 2. April 2014.
  4. Kanton Schaffhausen: Neubau Perron Gleis 6 am Bahnhof Schaffhausen, abgerufen am 9. August 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 5,6 5,7 5,8 SBB/OSTWIND: Liniennetzplan Zürcher S-Bahn / S-Bahn St. Gallen / S-Bahn Schaffhausen / S-Bahn Bodensee 2026, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 9. August 2026.
  6. 6,0 6,1 6,2 Kanton Schaffhausen: Antwort des Regierungsrates vom 17. September 2024 zur Vergabe der grenzüberschreitenden S-Bahn-Strecken Schaffhausen–Erzingen und Schaffhausen–Singen.
  7. Kanton Schaffhausen: Modernisierung Bahnhof Thayngen, abgerufen am 9. August 2026.
  8. Kanton Schaffhausen: Elektrifizierung Bahnstrecke im Klettgau, abgerufen am 9. August 2026.
  9. Kanton Schaffhausen: Neubau DB-Haltestelle Beringerfeld, abgerufen am 9. August 2026.
  10. 10,0 10,1 Kanton Schaffhausen: ÖV-Konferenz zum Fahrplanwechsel, 25. November 2024, abgerufen am 9. August 2026.
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 11,5 SBB: Doppelspurausbau Lottstetten–Jestetten, abgerufen am 9. August 2026.
  12. SBB: Von Zürich nach Schaffhausen mit dem Zug, abgerufen am 9. August 2026.
  13. Thurbo: Unsere Geschichte, abgerufen am 9. August 2026.
  14. SBB: Linie RE48, Fahrplan 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  15. OSTWIND: Zonen- und Liniennetzpläne, abgerufen am 9. August 2026.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu S-Bahn Schaffhausen