Schlatt TG

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Schlatt
Wappen von Schlatt
Lage von Schlatt
Kanton Thurgau
Bezirk Frauenfeld
BFS-Nr. 4546
Postleitzahl 8252
Koordinaten 47,6500° N, 8,7000° E
Höhe 416 m ü. M.
Fläche 15.17 km²
Einwohner 1843
Stand: 31. Dezember 2025
Einwohnerdichte 121 Einw./km²
Ausländeranteil 15 %
Gemeindepräsident Reto Vetter
Website www.schlatt.ch

Schlatt (offiziell Schlatt (TG), zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten auch Schlatt TG) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Frauenfeld des Kantons Thurgau in der Schweiz. Sie liegt im äussersten Westen des Kantons zwischen Diessenhofen und Schaffhausen und grenzt im Norden an den Rhein. Zur Gemeinde gehören unter anderem Unterschlatt, Mettschlatt, Oberschlatt, Dickihof, Neuparadies und das ehemalige Klostergut Paradies.

Die heutige politische Gemeinde entstand am 1. Januar 1999 durch den Zusammenschluss der früheren Ortsgemeinden Mett-Oberschlatt und Unterschlatt.[1] Ende 2025 zählte Schlatt 1843 Einwohnerinnen und Einwohner.[2]

Geographie

Schlatt liegt zwischen dem Kohlfirst im Westen und dem Buechberg im Osten. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom Rhein im Norden bis an die Grenze zum Kanton Zürich im Süden. Damit gehört Schlatt zu den westlichsten Gemeinden des Kantons Thurgau.

Die Landschaft ist leicht hügelig und wird durch Wälder, Landwirtschaftsflächen, kleinere Bäche und die verschiedenen, räumlich teilweise deutlich voneinander getrennten Siedlungen geprägt. Die Fläche der Gemeinde beträgt 15,17 km².[2]

Im Norden reicht das Gemeindegebiet bis an den Rhein. Dort liegen Altparadies mit dem ehemaligen Kloster Paradies sowie Teile des Schaarenwaldes. Der weitgehend naturnahe Uferbereich bildet einen landschaftlich bedeutenden Teil der Gemeinde.[1]

Das eigentliche Dorf Unterschlatt liegt zwischen Kohlfirst und Buechberg. Südwestlich davon befinden sich Mettschlatt und Oberschlatt. Dickihof liegt im Südosten, während Neuparadies nördlich von Unterschlatt in Richtung Rhein liegt.

Gemeindegliederung

Schlatt besteht nicht aus einem einzigen geschlossenen Dorf, sondern aus mehreren historisch gewachsenen Siedlungen und Weilern. Zu den wichtigsten gehören:

  • Unterschlatt
  • Mettschlatt
  • Oberschlatt
  • Dickihof
  • Neuparadies
  • Altparadies beziehungsweise Paradies

Daneben gehören kleinere Höfe und Siedlungsgruppen zum Gemeindegebiet.

Bis 1998 waren Mett-Oberschlatt und Unterschlatt eigenständige Ortsgemeinden. Mett-Oberschlatt umfasste insbesondere Mettschlatt, Oberschlatt und Fallentor. Zur Ortsgemeinde Unterschlatt gehörten neben dem Dorf Unterschlatt unter anderem Dickihof, Neuparadies und Altparadies.[1]

Geschichte

Frühgeschichte und erste Erwähnung

Das Gebiet von Schlatt war bereits lange vor dem Mittelalter besiedelt. Archäologische Funde umfassen steinzeitliche Pfeilspitzen, Gegenstände aus der jüngeren Bronzezeit, ein keltisches Kriegergrab sowie ein römisches Gräberfeld. Sie weisen auf eine über lange Zeiträume bestehende Besiedlung der Region hin.[1]

Schlatt wurde im Jahr 858 erstmals urkundlich als Slate erwähnt. Der Name wird mit einem Ried- oder Sumpfgebiet in Verbindung gebracht.[1]

Im Mittelalter stand die Region unter dem Einfluss verschiedener geistlicher und weltlicher Herrschaften. Im 13. Jahrhundert erwarb das Kloster St. Katharinental zahlreiche Höfe in Schlatt. Abgaben gingen unter anderem an die Kirche von Stammheim und an das Kloster Paradies. Die Gerichtsbarkeit war mit dem habsburgischen Amt Diessenhofen verbunden und gelangte nach der eidgenössischen Eroberung des Thurgaus unter den Einfluss der Stadt Diessenhofen.[1]

Kloster Paradies

Eine besonders wichtige Rolle in der Geschichte der heutigen Gemeinde spielte das Kloster Paradies am Rhein.

Graf Hartmann der Ältere von Kyburg übertrug 1253 Besitz in der damaligen Siedlung Schwarzach an einen Klarissenkonvent. Ende der 1250er-Jahre wurde der Konvent von Konstanz an den Rhein verlegt. Die Klosteranlage entwickelte sich in der Folge zum bestimmenden Zentrum der Siedlung; der ältere Name Schwarzach verschwand allmählich zugunsten der Bezeichnung Paradies.[3]

Während der Reformation wurde das Kloster 1529 von Schaffhausen aufgehoben. 1578 wurde der Konvent mit Klarissinnen aus Villingen wiederhergestellt. Ein Brand zerstörte 1587 grosse Teile der Anlage. Beim anschliessenden Wiederaufbau entstanden wesentliche Teile des heutigen Gebäudekomplexes.[3]

Die Klosterkirche wurde 1602 neu eingeweiht. Zwischen 1726 und 1728 erhielt ihr Innenraum eine weitgehend barocke Gestaltung mit Stuckaturen und Deckengemälden.[1]

1836 hob der Kanton Thurgau das Kloster auf. Die Kirche ging später an die katholische Kirchgemeinde, während die übrigen Klostergebäude in private Hände gelangten.[1]

1918 erwarb die Georg Fischer AG das Klostergut Paradies. Ursprünglich diente der umfangreiche Landwirtschaftsbetrieb unter anderem der Lebensmittelversorgung der Mitarbeitenden des Unternehmens. Heute wird die historische Anlage als Bildungs-, Tagungs- und Seminarzentrum genutzt.[4]

Mett-Oberschlatt und Unterschlatt

Die Dörfer Mett- und Oberschlatt bestanden bis ins 18. Jahrhundert aus vergleichsweise wenigen Häusern. Im 19. Jahrhundert nahm die Bautätigkeit deutlich zu. Für das historische Ortsbild sind insbesondere bäuerliche Dreisässenhäuser charakteristisch, bei denen Wohn- und Ökonomieteil unter einem gemeinsamen steilen Dach vereinigt sind. Zahlreiche Wohnteile weisen Fachwerkkonstruktionen auf.[1]

Unterschlatt entwickelte sich als eigenständiger Siedlungsschwerpunkt zwischen Kohlfirst und Buechberg. Seine Geschichte ist eng mit den umliegenden landwirtschaftlichen Siedlungen sowie mit dem Kloster Paradies verbunden.

Im Zweiten Koalitionskrieg war die Gegend 1799 zeitweise Kampf- und Durchmarschgebiet französischer und russischer Truppen. Die Bevölkerung hatte unter wiederholten Einquartierungen und Requisitionen zu leiden.[1]

Bildung der heutigen Gemeinde

Die heutigen Gemeindeteile waren im 19. und 20. Jahrhundert innerhalb der damaligen thurgauischen Gemeindestrukturen in verschiedene Ortsgemeinden gegliedert.

Am 1. Januar 1999 schlossen sich die Ortsgemeinden Mett-Oberschlatt und Unterschlatt zur heutigen politischen Gemeinde Schlatt zusammen.[1]

Im Rahmen der Neuordnung der Bezirke des Kantons Thurgau wurde Schlatt dem heutigen Bezirk Frauenfeld zugeteilt.

Bevölkerung

Am 31. Dezember 2025 lebten in Schlatt 1843 Personen. Davon waren 1571 Schweizer Staatsangehörige und 272 ausländische Staatsangehörige. Der Ausländeranteil betrug damit rund 15 Prozent.[2]

Von der Bevölkerung waren Ende 2025 795 Personen reformiert und 253 katholisch. Weitere 795 Personen gehörten einer anderen oder keiner Konfession an.[2]

Die Bevölkerungsdichte beträgt bei einer Gemeindefläche von 15,17 km² rund 121 Einwohner pro Quadratkilometer. Schlatt ist damit im Vergleich zu den städtisch geprägten Teilen des Kantons Thurgau eine dünn besiedelte Gemeinde.

Politik und Verwaltung

Die politische Gemeinde wird durch den Gemeinderat geführt. Dieser bildet die Exekutive und besteht aus sechs Mitgliedern.[5]

Gemeindepräsident ist seit dem 1. Juli 2026 Reto Vetter. Er trat die Nachfolge von Marianna Frei an, die das Gemeindepräsidium per Ende Juni 2026 niederlegte.[6]

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Mettschlatterstrasse 2 in Schlatt.

Wirtschaft

Schlatt ist traditionell landwirtschaftlich geprägt. Landwirtschaftsflächen, Höfe und Wälder nehmen einen bedeutenden Teil des Gemeindegebiets ein.

Daneben bestehen Gewerbe- und Industriebetriebe. Die Nähe zu den Wirtschaftsräumen Schaffhausen, Diessenhofen und dem Zürcher Weinland erleichtert das Pendeln in die umliegenden Zentren.

Von besonderer wirtschafts- und kulturhistorischer Bedeutung ist das Klostergut Paradies. Die Georg Fischer AG erwarb die Anlage 1918. Heute dient sie als Bildungs- und Tagungszentrum des Unternehmens und beherbergt unter anderem die Eisenbibliothek und das Konzernarchiv von GF.[4]

Verkehr

Schlatt liegt an der regionalen Verkehrsachse zwischen Schaffhausen, Diessenhofen und Stein am Rhein.

Eisenbahn

Der Bahnhof Schlatt liegt an der Bahnstrecke zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein. Er wird von Regionalzügen der Linie S8 bedient. Dadurch bestehen direkte Verbindungen nach Schaffhausen, Diessenhofen und Stein am Rhein.[7]

Der Bahnhof erschliesst neben Unterschlatt auch das Gebiet des Klosterguts Paradies. Dieses ist vom Bahnhof zu Fuss erreichbar.[7]

Strassenverkehr

Die wichtigsten Strassenverbindungen führen in Richtung Schaffhausen, Diessenhofen und ins Zürcher Weinland. Aufgrund der ländlichen Siedlungsstruktur haben die regionalen Strassen auch für die Verbindung zwischen den einzelnen Ortsteilen eine grosse Bedeutung.

Fuss- und Veloverkehr

Durch das Gemeindegebiet führen Wander- und Velowege. Besonders beliebt ist der Bereich entlang des Rheins beim Klostergut Paradies und im Schaarenwald.

Sehenswürdigkeiten

Klostergut Paradies

Das ehemalige Kloster Paradies zählt zu den bedeutendsten historischen Anlagen der Gemeinde. Das Ensemble liegt auf einer Terrasse unmittelbar südlich des Rheins und geht auf eine Klostergründung des 13. Jahrhunderts zurück.

Nach einem Brand im Jahr 1587 wurde die Anlage weitgehend neu errichtet. Zum Ensemble gehören die ehemaligen Konventgebäude, die Klosterkirche St. Michael, Wirtschaftsgebäude, der ummauerte Klosterbereich und der Park.[3]

Das Ortsbild von Paradies ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung verzeichnet.[3]

Klosterkirche St. Michael

Die katholische Klosterkirche St. Michael gehört zum ehemaligen Kloster Paradies. Der nach dem Klosterbrand des 16. Jahrhunderts errichtete Bau wurde 1602 eingeweiht.

Sein heutiges Erscheinungsbild im Innern wird wesentlich von der Barockisierung der Jahre 1726 bis 1728 bestimmt. Besonders auffällig sind die Stuckarbeiten und Deckengemälde. Die Kirche wurde von 2001 bis 2002 umfassend restauriert.[1]

Eisenbibliothek

Im Klostergut Paradies befindet sich die Eisenbibliothek, eine wissenschaftliche Spezialbibliothek zur Technik- und Wissenschaftsgeschichte, zur Geschichte des Eisens, zu Werkstoffen und zur Industriekultur.

Die Stiftung Eisenbibliothek wurde am 31. Dezember 1948 auf Initiative der Georg Fischer AG gegründet. Nach dem Umbau des ehemaligen Gästeflügels des Klosters wurde die Bibliothek 1952 im Klostergut eröffnet.[8]

Die Bestände stehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie anderen Interessierten zur Verfügung. Im Klostergut befindet sich ausserdem das Konzernarchiv der Georg Fischer AG.[8]

Türmli Mett-Oberschlatt

Ein Wahrzeichen von Mett-Oberschlatt ist das sogenannte Türmli. Der kleine Glockenturm wurde 1814 auf einer Anhöhe östlich des Dorfes errichtet.[1]

An dieser Stelle hatte zuvor die St.-Niklaus-Kapelle gestanden, die bereits 1316 urkundlich erwähnt wurde und zur Zeit des Turmbaus abgebrochen worden war. Die beiden Glocken der ehemaligen Kapelle wurden im neuen Türmli weiterverwendet. Eine der Glocken stammt aus dem Jahr 1505.[1]

Dickihof

Der kleine Weiler Dickihof hat seinen bäuerlichen Charakter in besonderem Mass bewahrt. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit dürfte die Umgebung besiedelt gewesen sein; darauf weist unter anderem ein Grabhügel hin. 1162 wurde die Siedlung im Zusammenhang mit dem Kloster Ittingen erwähnt.[1]

Die heute erhaltene ältere Bausubstanz stammt teilweise aus dem 18. Jahrhundert. Die Struktur des Weilers hat sich seit dem 19. Jahrhundert vergleichsweise wenig verändert. Dickihof gehört zu den schützenswerten Ortsbildern von nationaler Bedeutung.

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche von Schlatt befindet sich in Unterschlatt. Ihre Geschichte reicht in das Mittelalter zurück. Die Kirche und die angrenzende historische Bebauung prägen das Ortsbild von Unterschlatt.

Natur und Landschaft

Ein bedeutender Naturraum liegt im Norden der Gemeinde am Rhein. Zum Gemeindegebiet gehört ein grosser Teil des Schaarenwaldes mit naturnahen Uferabschnitten.[1]

Der Wechsel zwischen Rheinlandschaft, Waldgebieten, landwirtschaftlich genutzten Hügeln und kleinen historischen Siedlungen prägt den landschaftlichen Charakter von Schlatt.

Der Kohlfirst bildet westlich der Siedlungen einen bewaldeten Höhenzug. Von erhöhten Punkten bieten sich Ausblicke über das Gemeindegebiet, den Rheinraum und in Richtung Schaffhausen.

Bildung

Die Kinder und Jugendlichen der Gemeinde besuchen Schulen in der Region Diessenhofen. Aufgrund der überschaubaren Einwohnerzahl arbeitet Schlatt im Bildungsbereich mit umliegenden Gemeinden und regionalen Schulorganisationen zusammen.

Kultur und Gesellschaft

In Schlatt besteht ein vielfältiges Vereinsleben mit Organisationen aus den Bereichen Sport, Kultur, Musik und Freizeit. Gemeindeanlässe und Vereinsveranstaltungen spielen aufgrund der dezentralen Siedlungsstruktur eine wichtige Rolle für das gesellschaftliche Leben.

Zu den überregional bekannten Einrichtungen zählt die Eisenbibliothek im Klostergut Paradies, die Veranstaltungen, Führungen und wissenschaftliche Projekte zur Technik-, Industrie- und Wissenschaftsgeschichte anbietet.[8]

Besonderheiten

Schlatt verbindet mehrere für den westlichen Thurgau charakteristische Landschafts- und Siedlungstypen. Neben den bäuerlich geprägten Dörfern und Weilern besitzt die Gemeinde mit dem Klostergut Paradies ein kulturhistorisch bedeutendes Ensemble unmittelbar am Rhein.

Eine weitere Besonderheit ist die räumliche Nähe zu drei Kantonen beziehungsweise Gebieten: Schlatt gehört zum Kanton Thurgau, grenzt im Süden an den Kanton Zürich und liegt nur wenige Kilometer von der Stadt Schaffhausen entfernt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 Gemeinde Schlatt: Geschichte, abgerufen am 25. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Gemeinde Schlatt: Zahlen / Fakten, abgerufen am 25. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Bundesamt für Kultur: Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung – Paradies, Gemeinde Schlatt.
  4. 4,0 4,1 Georg Fischer AG: Klostergut Paradies, abgerufen am 25. August 2026.
  5. Gemeinde Schlatt: Gemeinderat, abgerufen am 25. August 2026.
  6. Gemeinde Schlatt: Der Gemeinderat konstituiert sich neu, 8. Juli 2026.
  7. 7,0 7,1 Eisenbibliothek: Öffnungszeiten & Anreise, abgerufen am 25. August 2026.
  8. 8,0 8,1 8,2 Eisenbibliothek: Geschichte, abgerufen am 25. August 2026.

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